Interdependenz von Armut und Gesundheit/Krankheit


Hausarbeit, 2006
13 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Grundlegendes
2.1) Die Betroffenen

3) Armut und Gesundheit/Krankheit

4) Gründe

5) Auswirkungen

6) Ansätze zur Änderung

7) Resümee

1) Einleitung

Diese Hausarbeit soll sich mit dem Zusammenhang von Armut und Gesundheit oder besser: Armut und Krankheit – befassen. Ich möchte anhand einiger ausgewählter Beispiele und Auszügen aus Studien darlegen, dass sich Armut auf die Gesundheitsversorgung eines Menschen auswirkt und somit auch eine Interdependenz zwischen Armut und Gesundheit besteht. Ich möchte mich der Frage widmen, wie dieser Zusammenhang zustande kommt und auch warum. Ferner möchte ich einen Blick auf die Betroffenen werfen.

An das Ende dieser Hausarbeit möchte ich dann mögliche Ansätze und Konzepte Stellen, welche dem Zusammenhang von Armut und Gesundheit/Krankheit entgegenwirken können.

2) Grundlegendes

Bestimmte, besonders von Armut betroffene Bevölkerungsgruppen (z.B. Arbeitslose, Wohnungslose, Wohnungslose Alleinerziehende) haben ein merklich erhöhtes Morbiditätsrisiko (Erkrankungsrisiko) sowie auch ein merklich erhöhtes Mortalitätsrisiko (Sterblichkeitsrisiko). [1] Das eine Zusammenhang zwischen der sozialen Lage und Krankheit existiert, ist mittlerweile von zahlreichen sozial- und naturwissenschaftlichen Untersuchungen belegt worden – so heißt es beispielsweise in einer Erklärung des deutschen Ärztetages von 1996 unter anderem:

„ […]Über den Zusammenhang von Krankheit und sozialer Lage gibt es gesicherte Erkenntnisse. Kranke, Behinderte und sozial Schwache brauchen besonders den Schutz der Sozialversicherung.[…]“

Dass sich Armut also auf Gesundheit, oder besser Krankheit auswirkt, das haben mehrere Studien unterschiedlicher Gremien mittlerweile belegt. An diesem Punkt stellt sich dann die Frage nach dem wie und dem warum.

Interessant ist im Zusammenhang mit den Ursachen sicherlich auch die Unterscheidung zwischen Selektionseffekten (werden Kranke eher arm?) und Kausationseffekten (Werden Arme eher krank?). Hier besteht – abhängig von den betroffenen Personengruppen – ein starker Unterschied.

Die Grundthese müsste also lauten, dass der soziale Status eines Menschen sehr wohl und unmittelbar Einfluss seine Gesundheit bzw. deren Versorgung, hat.

2.1) Die Betroffenen

Grundlegend sind natürlich erst einmal alle in Armut lebenden Bevölkerungsgruppen betroffen, jedoch muss hier noch unterscheiden werden. Aus diesen Bevölkerungsgruppen sind besonders Folgende hervorzuheben[2], welche an einem erhöhten Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko leiden:

- Kinder zwischen 0 - 15 Jahren
- Alleinerziehende Elternteile (in der Regel Mütter)
- Familien mit mehr als 3 Kindern
- Arbeitslose Menschen
- Wohnungslose Menschen
- Ausländische Mitbürger
- in Zukunft verstärkt alte Menschen, chronisch Kranke und Behinderte

Anzumerken ist, dass es hier als Grundlage keine absolute und eindeutige Armutsdefinition gibt. Grob unterscheiden lässt sich jedoch zwischen absoluter Armut (die Existenz bedrohend) und relativer Armut, wobei diese in Deutschland an der finanziellen Ausstattung gemessen wird. Man spricht daher von Einkommensarmut.[3]

3) Armut und Gesundheit/Krankheit

Armut hat einen offensichtlichen Einfluss auf die Gesundheit eines Menschen. Mehrere Studien belegen diese Aussage sehr markant. So hat J. Siegrist in seinen Studien konkrete Daten sammeln können. Das Auftreten von koronaren Herzkrankheiten (Herzinfarkten) hat so ein 2-3 fach erhöhtes Risiko, das von Schlaganfällen ebenso. Auch das Risiko und das Auftreten von Krebserkrankungen und Lebererkrankungen sind erhöht.[4]

Einer Untersuchung der Wissenschaftsgruppe Puplic Health (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) hat ergeben, dass die Mortalität von Erwerbstätigen bei einem jährlichen Einkommen von 30.000 DM doppelt so hoch ist wie die von Erwerbstätigen mit einem jährlichen Einkommen von 60.000 DM[5]

An dieser Stelle seien dann auch die Mikrozensus-Daten von 1992 erwähnt, die schon zu diesem Zeitpunkt belegen, dass der Anteil von Kranken und Unfallverletzten bei Sozialhilfeempfängern wesentlich höher ist als im Bevölkerungsdurchschnitt ist.[6]

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine weitere Studie von Siegrist, die belegt, dass Arbeiter eine doppelt so hohe Mortalität wie Akademiker aufweisen.

Eine Untersuchung der medizinischen Hochschule Hannover zur Folge ist die Morbidität von arbeitslosen Menschen sogar noch einmal um das 2,6-fache höher als die von Erwerbstätigen Menschen. Weiter ist dieser Studie zu entnehmen, dass arme Menschen im Durchschnitt eine 7 Jahre kürzere Lebenserwartung haben als reiche Mitbürger.

Zu nennen ist hier auch noch eine wissenschaftliche Studie der der Universität Marburg, die weitere interessante Fakten enthüllt: Bei Kindern, die von Einkommensarmut betroffen sind, lassen sich gehäuft Zahnerkrankungen, Infekte und psychosomatische Beschwerdekomplexe finden. Dies wird auch von der Bundesvereinigung von Kinderätzten gestützt, die bereits im Jahr 2000 darauf hinwies, dass jedes fünfte Grundschulkind zu Beruhigungsmitteln und Medikamenten greift, in höheren Jahrgängen sogar jedes dritte Kind. Zusätzlich dazu treten auch immer häufiger Depressionen in den Vordergrund.

Die Studie stellte auch heraus, dass nicht nur die Selbstmordrate von Arbeitslosen deutlich erhöht ist, sondern auch die Häufigkeit dieser Suizidversuche (20-mal höhere Quote als bei Erwerbstätigen)[7]

Zu beachten ist hier auch eine Studie von Mueller und Heinzel-Gutenbrunner aus dem Jahre 1998. Sie befasste sich mit der Frage, ob es sich bei dem Zusammenhang von Armut und Krankheit/Gesundheit um einen Selektionseffekt (Kranke werden eher arm) oder um einen Kausationeffekt (Arme werden eher krank) handelt. Die Beiden stützen sich hierbei auf eine seit 1984 durchgeführte sozio-ökonomische Repräsentativstichprobe, welche auf einer horizontale Achse, der social inequality (Untersuchung von Strukturen, die bei ähnlich verfügbaren sozialen Ressourcen und gesellschaftlichen Chancen, zu Benachteiligungen aufgrund unterschiedlicher Erkrankungsgefährdungen führen) und eine vertikale Achse, der social inequity (Beachtung von ungleichen sozialen Chancen und gesellschaftlichen Ressourcen) beruhte.

Hierbei kam heraus, dass bei Erwachsenen vor allem eine soziale Selektion vorliegt (chronisch schlechte Gesundheit erhöht das Risiko für Armut), bei Kindern ergaben sich eher Hinweise auf den Kausationseffekt (wer in Armut aufwächst, hat als Erwachsener eine schlechtere Gesundheit)[8]

[...]


[1] vgl.: Erklärung des deutschen Ärztetages, 1996

[2] G. Trabert: Gesundheitsreform für Wen?, Essay; 2003

[3] G. Trabert: Armut und Gesundheit/Krankheit in Deutschland, Essay

[4] J. Siegrist : Soziale Krisen und Gesundheit : eine Theorie der Gesundheitsförderung am Beispiel von Herz-Kreislauf-Risiken im Erwerbsleben, 1996

[5] A. Mielck: Perception of health inequalities in differential social classes, by health professionals and health policy makers in Germany and in the United Kingdom; 1998

[6] Statistisches Bundesamt: Mikrozensus 1992

[7] 4. Kongress für Armut und Gesundheit, Berlin 1998

[8] Mueller und Heinzel-Gutenbrunner: Krankheiten und Beschwerden (subjektive Gesundheit) unter Bewertung der eigenen Gesundheit; 2001

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Interdependenz von Armut und Gesundheit/Krankheit
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Veranstaltung
Soziale Ungleichheit in und zwischen Familien
Note
2.0
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V150144
ISBN (eBook)
9783640616855
ISBN (Buch)
9783640616459
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Armut, Gesundheit, Deutschland, Krankenkasse
Arbeit zitieren
Dipl.-Soz. Arb. Felix Münter (Autor), 2006, Interdependenz von Armut und Gesundheit/Krankheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150144

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