Botho Strauß als Vorreiter eines neuen Konservatismus


Bachelorarbeit, 2007

43 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhalt

I Exposition

II Die Geistesgeschichte des Konservatismus
1 Habermas über die Moderne und die Kritik daran
2 Vom Politischen und Ästhetischen des Konservativen
2.1 „Konservative Revolution “
2.2 Die Romantik als Wurzel des , neuen Konservatismus ’ in der Kunst
2.3 „Schöpferische Restauration“
3 Das strukturelle Problem des Konservatismus

III „hortus conclusus“ und der „poetische Fundamentalismus“
1 Der Dichter wendet sich ab - „vollkommene Exkludierung“
2 „Tiefenerinnerung“ undIntertextualität
3 Das Opfer als konservatives Element der Erinnerung am Bei­spiel Ithaka
4 Die Immanenz von Abkehr und Erinnerung im „poetischen Fundamentalismus“
5 Anschein der Figurenrede

IV Botho Strauß’ Vorreiterrolle für einen ,neuen Konservatismus*
1 Eine Revolution zu viel
2 Aussichten für die Rolle des ,neuen Konservatismus’
3 Schlussbemerkung

V Siglenverzeichnis

VI Literaturverzeichnis

I Exposition

Botho Strauß wird in der Regel mit dem Zusatz genannt, der Autor des „Anschwellen­den Bocksgesangs“ zu sein. Und tatsächlich muss konstatiert werden, dass es sich bei dem „Bocksgesang“ wohl um seinen bekanntesten Text handelt. Die Ursache hierfür liegt im exponierten Veröffentlichungsort des Essays. Dieser erschien 1993 in dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL[1] und fand demnach eine breite Leserschaft. Auf­grund dieser Breitenwirkung und seines Inhalts, der Botho Strauß den Vorwurf ein­brachte, präfaschistische Auffassungen zu vertreten, ergab sich eine hitzige und lang andauernde Debatte um den Autor und seine Haltung gegenüber der Demokratie und ihren Werten. Wenig später erschien dann eine ausführlichere Version in dem Sammel­band die „Die selbstbewußte Nation“[2], die die Auseinandersetzung in den Feuilletons weiter anheizte.

Zu Beginn soll eine Differenzierung und grundsätzliche Charakteristik des Konservati­ven durch Jürgen Habermas erfolgen, der schließlich den Konservatismus als durch die Moderne begründet verstanden wissen will und diesen in dreifacher Weise voneinander abgrenzt. Dieser eher allgemeinen Differenzierung sind politische Zuordnungen imma­nent, weshalb darauf folgend eine intellektuell-ästhetische Betrachtungsweise der kon­servativen Entwicklung vorgenommen werden soll.

Nachdem die Einführung des allgemeinen Konservatismusbegriffs geschehen ist, wird das dritte Kapitel der individuellen Poetik Strauß’ gewidmet. Abgesehen von dem „An­schwellenden Bocksgesang“ ist der Autor Botho Strauß eher unbekannt und Teil einer Diskussion, die nicht in den Massenmedien geführt wird. Inwiefern das der tiefen Über­zeugung Strauß’ entspricht, wird noch ausführlich aufzuzeigen sein, denn elitäres Ab­wenden von der Gesellschaft und Rückzug aus derselben ist für Botho Strauß nicht bloß ein Ausdruck seiner Auffassung, sondern auch Teil seines Prinzips, Kunst zu schaffen und anzuerkennen.

Des Weiteren wird Botho Strauß vorgeworfen, aufgrund der ausgesprochenen Hermetik seiner Texte ausschließlich ein Autor für germanistische Seminare zu sein. Es erschien beispielsweise eine Ausgabe der Weimarer Beiträge nur zu der Debatte um den umstrit- tenen Essay „Anschwellender Bocksgesang“.[3] Es wird sich zeigen, dass Botho Strauß die Intertextualität aus zweierlei Gründen zum Produktionsprinzip erhebt. Einerseits stimmt diese mit seiner Auffassung überein, dass Literatur immer im Kontext des be­reits Geschriebenen geschaffen werden kann. In „Paare, Passanten“ schreibt Strauß pa­thetisch: „Das Mal allen Schriebs hat jeder.“ (PP 79) Andererseits ist Intertextualität in seinen Texten die notwendige Folge, da seine Poetik auf der Erinnerung basiert. Die Erinnerung ist, wie noch zu zeigen sein wird, gleichzeitig Opfer und zu tragende Last, sowie Quelle dichterischen Schaffens.

Weiterhin wird zu untersuchen sein, inwiefern Botho Strauß’ Kunstauffassung mit kon­servativen Positionen korreliert. Nadja Thomas schreibt ihn einem „elitären gegenmo­dernen Ästhetizismus“[4] zu, der das Politische verneint und das Ästhetische überhöht. Stefan Breuer hingegen bezeichnet Strauß als einen „ästhetischen Fundamentalisten“[5], obgleich in seinem ffiuvre Berührungspunkte zur „Konservativen Revolution“ bestün­den. Aus den Ausführungen Willers und Thomas’ soll der „poetische Fundamentalis­mus“ Strauß’ synthetisiert werden, dem allerdings das weitere Moment der Abgeschie­denheit von der Gesellschaft. Ebenso verbindet das Werk des Dichters Wissenschaftli­ches mit Politischem und Ästhetischem[6], wodurch es einen postmodernen Charakter erhält, der die Verortung Botho Strauß als rückwärtsgewandten Antiliberalen unmöglich macht.

Um die Bedeutung Strauß als Vordenker eines ,neuen Konservatismus‘ aufzuzeigen, werden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den individuellen Poetiken von Mi­chel Houellebecq und Botho Strauß dargelegt. Aus diesen Darstellungen resultierend wird schließlich ein Ausblick auf die Zukunftsfähigkeit dieses ,neuen Konservatismus‘ gewagt werden.

II Theoretische Grundlagen des Konservatismus

Eingangs ist es notwendig darauf zu verweisen, dass es keine einheitliche Definition des Konservatismus gibt, weil sich das Attribut ,konservativ‘ politisch, sozial, aber eben auch kulturell verwenden lässt. Daher gilt es vorerst eine theoretische Grundlage des Konservatismus aufzuzeigen, auf der die Betrachtung von Botho Strauß basieren kann. Jürgen Habermas hat in der Veröffentlichung „Die Moderne - ein unvollendetes Pro­jekt“[7] eine solche grundlegende Differenzierung und Beschreibung des Konservativen vorgenommen, weshalb im Folgenden darauf eingegangen werden soll.

Allerdings genügt Jürgen Habermas’ Differenzierung ist insofern bedeutsam, als sie eine Grundlage für die konservative Haltung Strauß’ darstellt. Da sich Botho Strauß in seinen Texten mehrfach auf Rudolf Borchardt bezieht, und seine poetologisch-ästhetische Hal­tung in Anlehnung an den von Borchardt begründeten Begriff der „Schöpferischen Res­tauration“ formuliert, ist es weiterhin notwendig, die Ausdifferenzierung dieses Begriffs, sowie seine Abgrenzung zu anderen Begriffen wie „ästhetischen Fundamentalismus“ und „konservative Revolution“ vorzunehmen.

Schließlich wird das Konservative als ein Paradoxon aufgezeigt werden, da es sich stets in einem Dilemma befindet, welches dem Konservativen selbst immanent ist. Literarisch begegnen Thomas Mann und Botho Strauß diesem Dilemma mit den Mitteln der Ironie und Reflexion, die dieses Spannungsfeld aufzulösen suchen.

1 Habermas über die Moderne und die Kritik daran

Anlässlich der Verleihung des Adorno-Preises der Stadt Frankfurt hat Jürgen Habermas eine Rede bezüglich der Moderne gehalten. Als „modern“ bezeichnet er die stetige Bil­dung eines neuen Bewusstseins, dass „sich zur Vergangenheit der Antike in Beziehung setzt, um sich selbst als Resultat eines Übergangs vom Alten zum Neuen zu begreifen“ [8]. Diese Aussage ist ebenso einfach wie differenziert, der Begriff ist demnach nicht als ab­soluter und festzusetzender zu verstehen, sondern relativ, er kann nur im Wechselspiel mit der aktuellen Lage verstanden und ausgebildet werden.

Die Beziehung zur Antike darf allerdings nicht als traditionalistischer Bezug verstanden werden, sondern dient bloß als Bezugspunkt für die Abgrenzung. Habermas macht diesen Abgrenzungsprozess am „radikalisierte[n] Bewusstsein von Modernität“[9] im neunzehn­ten Jahrhundert fest, welcher bloß die „Entgegensetzung zur Tradition“[10] für sich behält.

Diese Radikalität zeigt sich in den Ebenen der „Ästhetischen Moderne“[11] und der „Kultu- rellen Moderne“[12], die ihre in „religiösen und metaphysischen Weltbildern ausgedrückte substanzielle Vernunft in drei Momente“ aufspaltet, die anschließen nur noch argumen­tativ miteinander verknüpfbar sind. Demnach differenziert sich die Ratio in die „Wert­sphären Wissenschaft, Kunst und Moral“[14]. Analog dazu werden diesen Wertsphären die Eigengesetzlichkeiten der verschiedenen Wissenskomplexe (kognitiv-instrumentell, äs­thetisch-expressiv und moralisch-praktisch) zugeordnet.[15] Das Resultat dieser Ausdiffe­renzierung ist die Institutionalisierung der einzelnen Bereiche, welche wiederum bedingt, dass jeder Wissenskomplex seine eigene interne Geschichte beschreibt. Letztlich führt der wachsende „Abstand zwischen den Experten und dem breiten Publikum“[16] zu der Abspaltung dieser Bereiche von den Traditionen, weil der eigentliche Sinn des Projekts der Moderne darin besteht, objektivierende Wissenschaften zum Wohle aller einzurich­ten. Einerseits partizipiert die breite Masse bloß teilweise an den Erkenntnissen der ge- bildeten Institutionen, andererseits bleibt für sie eine traditionsentleerte Lebenswelt.[17] Aus diesen Resultaten ergeben sich für Jürgen Habermas drei verschiedene konservative Positionen, die sich in ihrer Relation zur Moderne und Aufklärung differenzieren lassen. Jungkonservative (Antimodemismus) wollen die Abkehr von der Moderne und der in­strumentellen Vernunft und die Hinwendung zu einem auf den Gegensätzen von Gut und Böse basierenden Prinzip der suggestiven Erweckung von Vorstellungen und Bedürfnis- sen.[18]

Altkonservative (Prämodernismus) stehen den ausdifferenzierten Wertsphären misstrau­isch gegenüber und bleiben bei den Auffassungen vor der Moderne. Sie betrachten die Aufklärung als quasi nicht stattgefunden. [19]

Neukonservative (Postmodernismus) wiederum begrüßen die Ausdifferenzierung der Wertsphären und Wissenskomplexe. Diese Affirmation fußt allerdings auf dem Streben nach technischem Fortschritt, kapitalistischem Wachstum und rationaler Verwaltung. Jedoch bleibt die Wissenschaft für die Orientierung in der Welt bedeutungslos, sie orien­tieren sich anhand der Traditionen.[20]

Die hier aufgezeigten Positionen sind freilich aus heutiger Sicht differenziert worden und somit nicht Zeugnis der Abgrenzungstendenzen zum Zeitpunkt der die Umwälzungen in der Moderne. Daher werden nun die für diese Arbeit relevanten Zeugnisse betrachtet.

In erster Linie zielen die Betrachtungen Habermas’ auf politische Motive, obgleich er kulturelle und gesellschaftliche Aspekte nicht außer Acht lässt. Dennoch fehlt eine Be­trachtungsweise, die die Ästhetik im Besonderen betrifft. Diese kann allerdings ebenso wenig losgelöst von Politischen angenommen werden, womit sich schon eine deutliche Vernetzung von Kunst und Politik herausstellt. Ebenso ist es notwendig, will man Botho Strauß und sein Werk einordnen, die intellektuelle Auseinandersetzung mit der Moderne und der Aufklärung zu betrachten, da diese schließlich auch die Quelle darstellt, aus der Strauß selber schöpft und seine individuelle Poetik entwickelt hat.

2 Vom Politischen und Ästhetischen des Konservativen

Dieser Teil dient einmal mehr der Abgrenzung zu Botho Strauß’ Konservatismus, wie auch der Hinführung zu seiner ihm eigenen Auffassung die Kunst und Lebenswelt betref­fend. Auf die Differenz der politischen und ästhetischen Sphären wurde bereits hinge­wiesen, ebenso wie auf ihre gegenseitige Abhängigkeit. Daher werden im Folgenden die für Strauß bedeutsamen Tendenzen des Konservativen referiert und verortet.

2.1 „ Konservative Revolution “

Nadja Thomas hat die „konservative Revolution“ als literaturwissenschaftlichen Begriff in ihrer Dissertation eingeführt. Sie hat aufgrund einer fehlenden einheitlichen Theorie eine interdisziplinäre Integration dieses Begriffs vorgenommen. Nach ihrem Ergebnis verweist dieser auf die geistesgeschichtliche Stringenz von der Literatur der Romantik über die Weimarer Republik bis heute und bezieht sich in seinem Ästhetizismus auf die 1920er Jahre. Zu nennen sind an dieser Stelle Thomas Mann, Rudolf Borchard, Stefan George und Hugo von Hofmannsthal, auf die sich Botho Strauß in seinen Werken auch namentlich bezieht (beispielsweise in seinem Essay „Distanz ertragen“, der als Nachwort in einer Veröffentlichung von Rudolf Borchardt erschienen ist ).[22]

„Literaturwissenschaftlich wird diese Literatur eines hohen Tons und einer quasi religiös aufgeladenen Ästhetik als Neoromantik beschrieben und im Kontext des deutschen Kultur­pessimismus und der Zivilisationskritik interpretiert. Hier spricht man auch von Ästheti­zismus [...].“[23]

Gerade der Ästhetizismus gilt als literarische Existenzform, in der die Fokussierung auf das Ästhetische, sowie die artifizielle Stilisierung den Vorzug vor der Wirklichkeitsdar­stellung erhält. Das Prinzip „l’art pour l’art“ macht die Sensibilität des Subjekts gel­tend. [24] Obwohl der Ästhetizismus sich gleichsam mit sich selbst beschäftigt, liegt darin sein politischer Gehalt - die Texte gewinnen somit „ex nagativo ihren politischen Impe­tus“[25].

Nach Stefan Breuers[26] Auffassung kann Botho Strauß jedoch nicht der „Konservativen Revolution“ zugeordnet werden, denn diese habe in Gänze überhaupt nicht bestanden, da sie in der Weimarer Republik viel zu facettenreich ausgebildet war, um ihre Tendenz als Ganze heute fassen zu können. Des Weiteren sei die „Konservative Revolution“ gerade­zu die Verdammung allen Politischen, was gerade mit den Aussagen des „Anschwellen­den Bocksgesangs“ nicht vereinbar sei. [27] Eher treffend sei es, von „ästhetischem Funda­mentalismus“[28] zu sprechen, worin sich die Differenz zu Thomas Mann und anderen Vertretern der Literatur in der Weimarer Republik zeige, auf die der Begriff der „Kon­servativen Revolution“ anzuwenden sei.

In Breuers Definition des „Ästhetischen Fundamentalismus“, die den Aspekt der über­höhten Kunst herausarbeitet und in den Vordergrund stellt, wird die Neoromantik als Wurzel und Quelle des Straußschen Schaffens nicht hinreichend berücksichtigt. Der lite­raturwissenschaftliche Begriff der Neoromantik verweist auf die Romantik und beinhal­tet, dass die romantischen Motive neu aufgefasst und sich ästhetisiert in der Kunst wieder finden lassen. Somit muss, um ein hinreichendes Verständnis für die Neoromantik entwi­ckeln zu können, eine Betrachtung des Romantischen insofern folgen, als es für einen ,neuen Konservatismus‘ relevant ist.

2.2 Die Romantik als Wurzel des ,neuen Konservatismus ‘ in der Kunst

Die Romantik wird gemeinhin als Folgeerscheinung der Aufklärung betrachtet, in der durch fortschreitenden Erkenntnisgewinn der Wissenschaften eine stete Emanzipation der Gesellschaft vorangetrieben wurde. Damit einher ging der Verlust des Metaphysi­schen und Irrationalen in der Lebenswelt der Menschen und der Kunst. Die, die diesen Verlust beklagten, formierten sich in aufklärungs- und modernekritischer Haltung und entwickelten eine gegenaufklärerische Kunstauffassung, in die das Mystische und Meta­physische wieder Einzug hielt. Die Abkehr von den aufklärerischen Tendenzen, gerade mit den Mitteln der Kunst, führte zu einer Überhöhung der Kunst, die sich auch bei Thomas Mann, den oben genannten Dichtern, sowie Botho Strauß zeigt. Allerdings be­dingt diese Überhöhung auch die Abkehr von der breiten Masse, die die Errungenschaf­ten der Aufklärung für sich geltend machen konnte. Somit ist dem Künstler, insbesonde­re dem Dichter, der Gang in den „hortus conclusus“ (ABN 29) vorgezeichnet, um „ästhe­tische Modernekritik“ zu üben.

Das konservative Moment liegt nun darin, dass sich aus der anfänglichen Aufklärungs­kritik und Romantik eine Gegenmoderne formierte, die die Bewahrung des Irrationalen zum Ziel hatte. [29] Diese gegenmodernen Züge sind in ihren subversiven Vorstellungen über die Ästhetik demnach revolutionär. Einerseits wollen sie die Erneuerung der eman- zipatorischen Moderne; andererseits arbeiten sie an Bewahrung der Traditionen und der Wiederkehr des Irrationalen und Metaphysischen. Das Gemenge von Erneuerung und Bewahrung im Dunstkreis der Literatur nennt Nadja Thomas nun „Konservative Revolu­tion“.

Botho Strauß steht mit seinen remythologischen Texten dennoch in der Tradition der Neoromantik, obgleich er der „Konservativen Revolution“ nicht zugeordnet werden kann. Sein dichterisches Konzept beruft sich auf deren intellektuellen Urheber, die wie­derum die Romantik als Tradition zu restaurieren suchten. Namengebend für diese Ten­denz war eine Rede Rudolf Borchardts, die im Folgenden erläutert werden soll.

2.3 „ Schöpferische Restauration “

Rudolf Borchardt führt den Begriff der „Schöpferischen Restauration“ ein, indem er eine seiner Reden damit überschreibt. [30] Er fasst seinen Ansatz als die schöpferische Fortset­zung des romantischen Werks[31] auf und verknüpft in seinem Konzept das Religiöse mit der Romantik. Nicht bloß die „Bedeutung des Christentums“[32] sei hier gemeint so Nadja Thomas, Borchardt unterstreiche auch den „Impetus des ,Ganzen‘“[33], welches für die „Abgrenzung zur politischen Revolution“[34] stehe.

Grundsätzlich handelt es sich in „Schöpferische Restauration“ um eine Modernekritik, die die Ermangelung an Werten und Tradition zum Kern hat. Zudem beklagt Borchardt die „Mechanisierung der Welt“ [35] und den Verfall intellektueller Auseinandersetzungen.

„Das große Jahrhundert der mathematischen und Naturwissenschaften wirkt sich bereits in der Unterjochung dessen, was noch Philosophie heißen kann aus, und bereitet eine rein for­melhafte Enzyklopädie vor.“[36]

Gegen die sich dadurch einstellenden Verlusterfahrungen setzt Borchardt die Bindung an das Alte und Gewesene durch Tradition. Freilich ist dies ebenso politisch wie soziolo­gisch aufzufassen, doch auf die Literatur bezogen ist das „Spannungsfeld moderner Lite­ratur zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“[37] gemeint. Diese soll durch die „Schöpferische Restauration“, die damit zum ästhetischen Programm erhoben wird, überbrückt werden, indem Altes neu geschaffen wird, ohne der Verbindung zum Alten zu entbehren.

[...]


[1] Vgl. Botho Strauß: Anschwellender Bocksgesang. In: Der SPIEGEL, 8.2.1993 (S. 202-207).

[2] Vgl. Botho Strauß: Anschwellender Bocksgesang. In: Schwilk, Heimo; Schacht, Ulrich (Hg.): Die selbstbewußte Nation. “Anschwellender Bocksgesang” und weitere Beiträge zu einer deutschen Debatte. Frankfurt /Main - Berlin: Ullstein,1994 (S. 19 - 40).

[3] Vgl. Sigrid Berka (Hg.): Das Werk von Botho Strauß und die ,Bocksgesang‘-Debatte. In: Weimarer Beiträge. H. 2. Wien: Passagen Verlag, 1994 (S. 162-320).

[4] Nadja Thomas: „Der Aufstand gegen die sekundäre Welt“ - Botho Strauß und die „Konservative Revo­lution“. Würzburg: Königshausen & Neumann GmbH, 2004; S. 8.

[5] Nadja Thomas: „Der Aufstand gegen die sekundäre Welt“ - Botho Strauß und die „Konservative Revo­lution“; S. 14. Die kategorialen Einordnungen und ihre Begriffe bleiben vorerst unerklärt und werden im weitern Verlauf erläutert und differenziert.

[6] Nadja Thomas: „Der Aufstand gegen die sekundäre Welt“ - Botho Strauß und die „Konservative Revo­lution“; S. 15.

[7] Jürgen Habermas: Die Moderne - ein unvollendetes Projekt. Philosophisch-politische Aufsätze 1977­1992. Leipzig: Reclam, 1992.

[8] Jürgen Habermas: Die Moderne - ein unvollendetes Projekt; S. 33.

[9] Jürgen Habermas: Die Moderne - ein unvollendetes Projekt; S. 34.

[10] Ebd.

[11] Vgl. Jürgen Habermas: Die Moderne - ein unvollendetes Projekt; S. 34. Auf die „Ästhetische Moder­ne“ wird hier nicht näher eingegangen, da für den weiteren Prozess der Differenzierung und Abgrenzung des Konservatismus-Begriffs keine Notwendigkeit bezüglich dieser Untersuchung besteht.

[12] Jürgen Habermas: Die Moderne - ein unvollendetes Projekt; S. 38.

[13] Jürgen Habermas: Die Moderne - ein unvollendetes Projekt; S. 41.

[14] Ebd.

[15] Vgl. Jürgen Habermas: Die Moderne - ein unvollendetes Projekt; S. 40.

[16] Jürgen Habermas: Die Moderne - ein unvollendetes Projekt; S. 41.

[17] Vgl. Jürgen Habermas: Die Moderne - ein unvollendetes Projekt; S. 41.

[18] Vgl. Jürgen Habermas: Die Moderne - ein unvollendetes Projekt; S. 52.

[19] Vgl. Jürgen Habermas: Die Moderne - ein unvollendetes Projekt; S. 53.

[20] Ebd.

[21] Vgl. Nadja Thomas: „Der Aufstand gegen die sekundäre Welt“ - Botho Strauß und die „Konservative Revolution“; S. 19.

[22] Rudolf Borchardt: Das Gespräch über Formen und Platons Lysis deutsch. Mit einem Essay von Botho Strauß. Stuttgart: Klett-Cotta, 1987 (S. 101-118).

[23] Nadja Thomas: „Der Aufstand gegen die sekundäre Welt“ - Botho Strauß und die „Konservative Revolution“; S. 21.

[24] Vgl. Nadja Thomas: „Der Aufstand gegen die sekundäre Welt“ - Botho Strauß und die „Konservative Revolution“; S. 24.

[25] Nadja Thomas: „Der Aufstand gegen die sekundäre Welt“ - Botho Strauß und die „Konservative Revolution“; S. 25.

[26] Die Darstellung bezieht sich auf die Rezension Nadja Thomas’ des Textes von: Stefan Breuer: Ästheti­scher Fundamentalismus. Stefan George und der deutsche Antimodernismus. Darmstadt: Wissenschaftli­che Buchgesellschaft, 1995.

[27] Vgl. Nadja Thomas: „Der Aufstand gegen die sekundäre Welt“ - Botho Strauß und die „Konservative Revolution“; S. 14.

[28] Nadja Thomas: „Der Aufstand gegen die sekundäre Welt“ - Botho Strauß und die „Konservative Revolution“; S. 14.

[29] Vgl. Nadja Thomas: „Der Aufstand gegen die sekundäre Welt“ - Botho Strauß und die „Konservative Revolution“; S. 114.

[30] Vgl. Rudolf Borchardt: Schöpferische Restauration. In: Marie Luise Borchardt (Hg.): Gesammelte Werke in Einzelbänden. Reden. Stuttgart: Klett, 1955 (S. 230-253).

[31] Vgl. Rudolf Borchardt: Schöpferische Restauration; S. 240.

[32] Vgl. Nadja Thomas: „Der Aufstand gegen die sekundäre Welt“ - Botho Strauß und die „Konservative Revolution“; S. 105.

[33] Nadja Thomas: „Der Aufstand gegen die sekundäre Welt“ - Botho Strauß und die „Konservative Revolution“; S. 105.

[34] Ebd.

[35] Rudolf Borchardt: Schöpferische Restauration; S. 232.

[36] Ebd.

[37] Nadja Thomas: „Der Aufstand gegen die sekundäre Welt“ - Botho Strauß und die „Konservative Revolution“; S. 100.

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Botho Strauß als Vorreiter eines neuen Konservatismus
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Note
3,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
43
Katalognummer
V150247
ISBN (eBook)
9783640623013
ISBN (Buch)
9783656206699
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Botho Strauß, Konservatismus, Poetik, anschwellender Bocksgesang
Arbeit zitieren
Manuel Wibbeke (Autor), 2007, Botho Strauß als Vorreiter eines neuen Konservatismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150247

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