Anwendung des Konflikteskalationsmodells von Glasl auf die Novelle "Romeo und Julia auf dem Dorfe"


Seminararbeit, 2010
22 Seiten, Note: 1.3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theorie: Das Konflikteskalationsmodell von Glasl
2.1 Erste Ebene - ”Win-Win“
2.1.1 Stufe eins: Verhartung
2.1.2 Stufe zwei: Debatte
2.1.3 Stufe drei: Taten statt Worte
2.2 Zweite Ebene - ”Win-Lose“
2.2.1 Stufe vier: Images und Koalitionen
2.2.2 Stufe funf: Gesichtsverlust
2.2.3 Stufe sechs: Drohstrategien
2.3 Dritte Ebene - ”Lose-Lose“
2.3.1 Stufe sieben: Begrenzte Vernichtungsschlage
2.3.2 Stufe acht: Zersplitterung
2.3.3 Stufe neun: Gemeinsam in den Abgrund

3 Praxisanwendung: Der Konflikt zwischen Manz und Marti in der Novelle ”Romeo und Julia auf dem Dorfe“ von Gottfried Keller
3.1 Inhaltliche Ubersicht
3.2 Der Konflikt zwischen Manz und Marti
3.2.1 ”Win-Win“: Ausgangssituation und Streit um den Acker
3.2.2 ”Win-Lose“: Verhartung der Fronten und Feindschaft der Familien
3.2.3 ”Lose-Lose“: Niedergang der beiden Bauern

4 Diskussion: Anwendbarkeit des Modells auf den literarischen Konflikt

Literatur

Abbildungsverzeichnis

1 Konflikteskalation nach Glasl

2 Der Streit der Bauern im Konflikteskalationsmodell nach Glasl

Titelblatt:

Wurtenberger, E. (1919). Die Kinder Sali und Vrenchen. Schweizerland, vol.5 Nr. 9/10, 1919

1 Einleitung

Am 12. September 2009 wurde der 50-jahrige Manager Dominik Brunner am S-Bahnhof Solln von zwei Jugendlichen niedergeschlagen und verstarb wenig spater im Krankenhaus. Er hatte vier Schuler vor einer Gruppe aggressiver Jugendlicher schutzen wollen. Derzeit ist das genaue Geschehen noch nicht vollstandig geklart (Kastner, 2010a). Gesichert ist jedoch: ”Zeugen be- schreiben eine Eskalation, beginnend mit ersten, vergleichsweise harmlosen Schlagen an der Donnersbergerbrucke, uber verbales, halbstarkes Hickhack im Zug bis zu den todlichen Tritten in Solln.“(Kastner, 2010b).

Wie kann es sein, dass ein scheinbar geringfugiger Anlass zu einem derartigen Gewaltausbruch fuhren kann? Nicht nur in solchen Ausnahmesituationen, auch in zwischenmenschlichen Kon- flikten erfolgt haufig ein rasantes und heftiges Hochschaukeln der Ereignisse. Dieser Prozess erscheint auf den ersten Blick ratselhaft und nicht nachvollziehbar. Trotz aller Unterschiede es- kalieren viele Konflikte jedoch auf ahnliche Art und Weise.

Bis 1975 gab es wenige Versuche, den Prozess der Konflikteskalation in einem geeigneten Mo- dell zu beschreiben (Glasl, 2010). Danach entstanden mehrere unterschiedliche Ansatze. Pondy unterscheidet beispielsweise funf Phases des Konflikteskalationsprozesses. Diese Stufen wer- den zyklisch durchlaufen (Pondy, 1967). Wright beschreibt vier Eskalationsphasen bei inter­national Krisen (Wright, 1965). Sehr viele Stufen weist das Modell von Kahn auf: in 44 Einzelstufen wird hier auf das Konfliktgeschehen zwischen Atommachten eingegangen (Kahn, 1965, in Glasl, 2010). Glasl empfand diese Modelle aus unterschiedlichen Grunden jedoch als noch nicht ausreichend geeignet fur sein Ziel, Konflikte im mikro- oder meso-sozialen Rahmen (also zwischen Einzelpersonen sowie kleinen bis mittelgroBen Gruppen) zu analysieren. Somit entwickelte er sein neunstufiges Modell, das heute das wohl bekannteste zur Konflikteskalation darstellt. Es entstand aus der Auseinandersetzung mit Literatur zur Konfliktdynamik sowie der Beobachtung und Analyse von mehr als 300 Praxisfallen (Glasl, 2010).

In dieser Arbeit wird zuerst das Konflikteskalationsmodell von Friedrich Glasl vorgestellt. An- schlieBend wird das theoretische Modell auf ein Praxisbeispiel angewendet, um die Ubertrag- barkeit des Modells auf einen bestimmten Kontext zu untersuchen. Die Wahl fiel hierbei auf den Konkflikt zwischen den Bauern Manz und Marti in der Novelle ’’Romeo und Julia auf dem Dorfe“ von Gottfried Keller. Neben einer Beschreibung der Eskalation des Konfliktes zwischen den zwei Bauern wird die Novelle auf Parallelen zum theoretischen Hintergrund hin analysiert. AbschlieBend wird die Auswahl einer literatischen Quelle als Anwendungsfall begrundet, die Frage der Anwendbarkeit psychologischer Modelle auf literarische Werke diskutiert sowie ein Ausblick auf weitere Studien dieser Art gegeben.

2 Theorie: Das Konflikteskalationsmodell von Glasl

Das Konflikteskalationsmodell von Glasl beschreibt den Prozess der Konflikteskalation in drei Ebenen, die zusammen neun Stufen umfassen (vgl. Abbildung 1). Von Stufe zu Stufe schreitet die Eskalation des Konflikts weiter fort. Die Schwellen zwischen den einzelnen Stufen mar- kieren typische Einstellungsanderungen oder Handlungen der Akteure, die zu einer weiteren Verscharfung des Konflikts fuhren (Glasl, 2010).

Glasl macht in seinem Buch deutlich, dass sein Stufenmodell einen Vorgang mit hoher Eigen- dynamik beschreiben soll:

”Im Gegensatz zu den meisten anderen Autoren stellen wir den Eskalationsprozess als eine Abwartsbewegung dar: Er ist eine Bewegung uber Stromschnellen, die zu einer zunehmenden sozialen Turbulenz fuhrt.“

(Glasl, 2010, S.233)

Das Abgleiten in den Konflikt lost bei den Akteuren haufig Handlungen aus, deren Folgen sie nicht unter Kontrolle haben. Somit konnen Verhaltensweisen, die durch eine bestimmte Konfliktphase ausgelost werden, eine Beschleunigung des Eskalationsprozesses fordern. Zu- dem werden die Handlungsalternativen der Akteure eingeengt, da sie schrittweise Moglichkei- ten zur Kommunikation oder Kompromissbildung verlieren oder aufgeben (Glasl, 2010). Dabei sollte beachtet werden, dass einzelne Stufen auch ubersprungen und wiederholt werden konnen (Mahlmann, 2001).

Um die Konflikteskalation im Modell von Glasl naher zu erlautern, sollen im Folgenden die einzelnen Ebenen und Stufen des Modells genauer vorgestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Konflikteskalation nach Glasl (Glasl, 2010, S.234)

2.1 Erste Ebene - ”Win-Win“

Auf der ersten Ebene entwickelt sich der Konflikt von einer Verhartung der Ansichten zum Ergreifen von ersten Taten. Die Anfangsphase des Konflikts zeichnet sich durch das noch be- stehende Bestreben beider Parteien aus, zu einer beidseitig akzeptablen Losung zu kommen (”Win-Win“). Noch glauben die Parteien, dass die auftretenden Spannungen durch geeigne- te Methoden bewaltigt werden konnen. Wenn dies scheitert, schreitet der Konflikt weiter fort (Glasl, 2010).

2.1.1 Stufe eins: Verhartung

Die erste Stufe des Konflikteskalationsmodells beschreibt einen Zustand, der im normalen Um- gang nicht selten auftritt: Unterschiedliche Einstellungen, Auffassungen oder Ziele prallen auf- einander. Nach Reinhard und Tries entsteht ein Konflikt beispielsweise, wenn zwischen den Ak- teuren Interdependenzen bestehen (ihre Handlungen also den anderen beeinflussen), individuel- le Ziele divergieren und es keine fur beide attraktive Alternative gibt (Reinhardt & Tries, 2008). Dieses Geschehen kann durchaus auch positive Seiten haben. Gerhard Schwarz beschreibt bei­spielsweise, dass Konflikte in Organisationen notwendig sein konnen, vorhandene Unterschiede zwischen Personen aufzuzeigen, Gruppenstandards herzustellen, soziale Komplexitat hervorzu- bringen und Anlass zu Veranderungsprozessen zu geben (Schwarz, 2010).

Im Laufe der ersten Stufe kommt es jedoch zu einer Verhartung der Standpunkte. Die Parteien beharren auf ihren Ideen und zeigen sich weniger offen gegenuber gegensatzlichen Meinun- gen. Es bilden sich Sympathiegruppen. Mit der Zeit entstehen Rollenerwartungen an bestimmte Personen. Ein Verhalten, zum Beispiel das Ergreifen der Initiative, wird in spannungsgelade- nen Situationen erneut von dieser Person erwartet. So konnen sich feste Handlungsmuster her- auskristallisieren, ein umbefangener Umgang zwischen den Parteien wird dadurch erschwert. Trotzdem besteht die Uberzeugung, dass der Konflikt noch sinnvoll bewaltigt werden kann. Kann die Erstarrung der Positionen jedoch nicht unterbunden werden, schreitet der Konflikt zur Stufe zwei fort (Glasl, 2010).

2.1.2 Stufe zwei: Debatte

Auf dieser Stufe bedienen die Parteien sich scharferer Mittel, um ihre Standpunkte durchzuset- zen. Die Akteure nehmen zwar noch eventuell bestehende Gemeinsamkeiten mit den Zielen der anderen Partei wahr, das Bewusstsein fur die eigenen Interessen und das Gefuhl, dass diese mit den Interessen der anderen Partei in Konkurrenz standen, steigt jedoch an. In Gruppen wird das wachsende gegenseitige Misstrauen durch eine Starkung des Zusammenhalts und des Selbst- wertgefuhl innerhalb der eigenen Gruppe kompensiert. So kommt es zu Debatten, in denen die jeweiligen Standpunkte vehement vertreten werden. Der Gegner soll durch geschickte Argu­mentation eingeschuchtert und letztentlich zur Aufgabe seines Standpunktes gebracht werden. Ihm wird jedoch noch das Recht zugesprochen, die Diskussion zu erwidern und sich zu rechtfertigen. Sobald sich eine Partei dieses Grundrechts beraubt fühlt und keinen Sinn mehr in der Verhandlung sieht, eskaliert der Konflikt weiter (Glasl, 2010).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Anwendung des Konflikteskalationsmodells von Glasl auf die Novelle "Romeo und Julia auf dem Dorfe"
Hochschule
Technische Universität München  (Lehrstuhl für Psychologie)
Veranstaltung
Kommunikation und Konfliktbewältigung in Organisationen
Note
1.3
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V150569
ISBN (eBook)
9783640625413
ISBN (Buch)
9783640625161
Dateigröße
876 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konflikteskalation, Glasl, Konflikte, Kommunikation, Konfliktmanagement, Konflikteskalationsmodell, Gottfried Keller, Romeo und Julia auf dem Dorfe, Thema Romeo und Julia auf dem Dorfe
Arbeit zitieren
Vanessa Glunz (Autor), 2010, Anwendung des Konflikteskalationsmodells von Glasl auf die Novelle "Romeo und Julia auf dem Dorfe", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150569

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