Histomorphometrische Untersuchung zur Hartgewebsneubildung nach Sinusliftoperationen mit dem xenogenen Knochenersatzmaterial Bio-Oss


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2010
15 Seiten

Leseprobe

Einleitung

Seit der Einführung der Sinusbodenelevation zur anschließenden Implanat-insertion durch Boyne (1980) steht die Zahnmedizin beständig vor der Her-ausforderung, wie die Belastung des Patienten durch das erhebliche, zu transplantierende Volumen zu verringern sei.

Mit der Erforschung und Entwicklung industriell gefertigter Knochenersatz-materialien reduzierte sich das Problem der Gewinnung eines ausreichen-den Volumens. Allerdings zeigte sich schnell, dass die Vielzahl der Materia-lien dem Eigenknochen zunächst in allen biologischen Aspekten unterlegen erschienen.

Auch das in dieser Untersuchung verwendete, bovine Hydroxylapatit Bio- Oss® offenbarte signifikante Unterschiede zum autologen Transplantat.

Zur Beurteilung des gebildeten Implantatlagers gibt es seither 3 unterschied-liche Ansätze.

Die große Anzahl der mithilfe von boviner Spongiosa rehabilitierten Patien-ten (3,4 Millionen Fälle weltweit versorgt mit Bio-Oss® ) erlaubt zunächst einen statistischen Ansatz zur Beurteilung der Eignung der Substanz, nicht primär evaluiert auf der Basis histologischer oder biomechanischer Labor-studien, sondern aufgrund der Überlebensraten der inserierten Implantate.

Obgleich das Studiendesign sehr heterogen ist (Evidenzniveau, Implan-tatoberfläche und -typ, Augmentationsmaterial sowie ggf. Beimischung von autologem Knochen usw.) kristallisiert sich dennoch die Leistungsfähigkeit der Ersatzmaterialen heraus.

So finden Del Fabbro et al. 2004 in einem systematischen Review von 39 Studien betreffend die Überlebensraten von 6913 Implantaten über einen Zeitraum >36 Monaten folgende Ergebnisse [1] :

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Überlebensrate von Implantaten abhängig vom verwendeten Augmentati-onsmaterial (Quelle: Del Fabbro et al. 2004)

Hier erreichen also Implantate, die in ausschließlich xenogen augmentierte Kieferhöhlen inseriert wurden, sogar höhere Überlebensraten (95,61% >36 Monate) als solche, bei denen mit vollständig autologem Material (88,25%) bzw. autolog/xenogenen Gemischen (90,32%) gearbeitet wurde.

Auch Hallman und Kollegen finden in ihrem Artikel [2] nach einem Jahr funk-tioneller Belastung eine Implantatüberlebensrate von 96 Prozent für den Knochenersatz allein, 94 Prozent für die Mischung und 82 Prozent für ein rein autologes Transplantat. Auch bei der Knochenbildung zeigten sich his-tomorphometrisch keine Unterschiede zwischen den drei Gruppen.

Möglicherweise ist also die Funktion eines Implantates, welches in einem nicht resorbierten und somit nicht funktionell ausgerichtetem Augmentat-block steht dennoch besser, als die Platzierung in Eigenknochen, dessen Volumen durch die hohe Neigung des Sinus zu repneumatisieren oftmals auf ein Minimum reduziert wird.

Andererseits gingen Yildirim et al. [3] in ausschließlich mit Bio-Oss® und venösem Blut durchgeführten Sinusliftoperationen nach einem Belastungs-zeitraum von bis zu 55 Monaten vier der 35 in den Augmentationsbereich inserierten Implantate verloren, woraus sich eine Erfolgsquote von 88,6% (bei allerdings geringer Gesamtfallzahl) ergibt. Im Vergleich hierzu konnte in der Studie Bio-Oss® + autogener Knochen eine Implantaterfolgsquote von 100 % verzeichnet werden.

Der biomechanische Forschungsansatz untersucht anhand von Belastungs-versuchen (Zug-und Drehkräfte) die Verankerung der Implantate im Aug-mentat. Die Aussagekraft ist aufgrund der naturgemäß eingeschränkten Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen allerdings begrenzt.

So finden Haas et al. 2003 [4], dass die Kräfte die zum Extrahieren zylindri-scher Implantate nötig sind, zunächst bei Augmentationen mit Bio-Oss® zwar rapide ansteigen, autologer Knochen allerdings nach einer höheren Reifezeit (26 Wochen) den Extraktionsversuchen den maximalen Wider-stand entgegensetzt.

Der auch für diese Analyse maßgebliche histologische Ansatz bewertet das Primäre Forschungsaspekte waren daher die Resorption des Fremdmateri-als, die Ossifikationsgeschwindigkeit in Abhängigkeit vom Lagergewebe sowie die Qualität und Menge des gebildeten Knochens.

Die Entwicklung der Histomorphometrie schuf die Möglichkeit, durch Erfas-sung von Mengen bzw. Volumenanteilen in Trepanproben, vergleichbare Aussagen über die in den Transplantaten verbliebene Restmenge an Fremdmaterial, neu formiertem Knochen, Bindegewebs-und Markanteile treffen zu können, sowie sogar die Berechnung der von neu formiertem Knochen bedeckten Implantatfläche.

So lassen sich mithilfe dieser Methodik interexperimentell die gefundenen Gewebevolumina gut vergleichen.

Obwohl beispielsweise Valentini et al. (2000) finden, dass histomorphomet-rische Messungen alleine nicht ausreichend seien, um Aussagen über die Funktionalität des Gewebes zu machen, da das prozentuale Knochenwachs-tum nicht unbedingt einen Einfluss auf den Implantaterfolg habe, bemühen sich dennoch viele Untersuchungen, die histomorphometrischen Parameter des Augmentates an diejenigen eines rein autologen Vorgehens anzunä-hern, ohne die Belastung des Patienten signifikant zu erhöhen.

Seither versucht man, die Trägersubstanz durch Zugabe von verschiedenen Volumina Eigenknochen, PRP oder BMP biologisch aufzuwerten bzw. die Geschwindigkeit der Ossifikation und die Menge des neuen Geflechtkno-chens zu steigern.

Es gibt bereits zahlreiche Studien, in denen Cytokine zum Einsatz gekom-men sind, da diese jedoch komplex untereinander interagieren und zeitliche Abfolge und Dosis zu entscheidenden und bisher noch teilweise unverstan-denen Parametern werden, haben alle gemeinsam, dass ihre in vitro- Ergebnisse besser sind als die Resultate in vivo.

Besonders der meistbeachtete Parameter der Knochenneubildung änderte sich nicht signifikant und tendiert stets gegen 20% (Yildirim 2001: 21,7%; Froum et al 2008: 15-34%).

Froum et al. [5] schlussfolgern aus ihren Beobachtungen, dass die Rolle des autogenen Knochens als Goldstandard" bestätigt werde. Durch PRP-Zugabe könne man allenfalls die Zeitachse der primären Ossifikation verkürzen. Das quantitative Maximum der Remineralisation erreiche aber der autogene Knochen alleine.

Methodik

Zur Untersuchung kamen 3 Patienten, welche sich im Januar und Februar 2008 jeweils beidseitig einer Sinusaugmentation unterzogen.

Die Patienten waren zum Zeitpunkt der Operation zwischen 36 und 65 Jah-ren alt; alle gaben an, Nichtraucher zu sein.

Die Patienten gaben weder operationsrelevante chronische oder akute All-gemeinerkrankungen an, noch nahmen sie dauerhaft Medikamente ein.

Die Sinuslifttoperationen erfolgten nach Tatum. Der Knochendeckel wurde erhalten. Die Augmentation erfolgte mittels Bio-Oss® der Firma Geistlich Biomaterials, Wollhusen/Schweiz, Korngröße 1-2mm, 1,5-2gr /Sinus.

Das laterale Fenster wurde mit einer GioGide® Membran (Geistlich) ge-deckt und mit Titannägeln fixiert.

Es lagen in allen Fällen bilaterale Oberkieferfreiendsituationen vor, die Rest-knochenhöhen betrugen 4mm oder weniger.

Alle 6 Sinuslift-Operationen verliefen weitgehend komplikationsfrei. Die Schneidersche Membran riss in einem Fall ein, die Perforation wurde mittels einer BioGide® Membran verschlossen. Dennoch kam es im Verlauf von 14 Tagen post-OP gelegentlich zu Luftdurchschlägen und Abgang von partiku-lärem Material durch die Nase. Hier betrug die erreichte Höhe nach Ab-schluss der Wundheilung lediglich 6 mm.

Die Gewinnung der Trepanproben erfolgte nach 6-7 Monaten, Die Proben wurden entkalkt, in Paraffin eingebettet und histomorphometrisch unter-sucht.

[...]


1. Del Fabbro M, Testori T, Francetti L, Weinstein R: Systematic review of survival rates for implants placed in the grafted maxillary sinus. Int J Periodontics Restorative Dent. 2004 Dec;24(6):565-77. Review

2. Hallman M, Sennerby, Lundgren S.: A Clinical and histologic evaluation of implant integration in the posterior maxilla after sinus floor augmentation with autogenous bone, bovine hydroxyapatite or a 20:80 mixture. Int J Oral Maxillofac Implants 2002;17:635-643.

3. Yildirim M, Spiekermann H, Handt S, Edelhoff D: Maxillary Sinus Augmentation with the Xenograft Bio-Oss and Autogenous Intraoral Bone for Qualitative Improvement of the Implant Site: A Histologic and Histomorphometric Clinical Study in Humans. Int J of Oral Maxillofac Implants 16,23-33,2001

4. Haas R, Baron M, Zechner W, Mailath-Pokorny G: Porous hydroxyapatite for grafting the maxillary sinus in sheep: comparative pullout study of dental implants. Int J Oral Maxillofac Implants. 2003 Sep-Oct;18(5):691-6.

5. Froum SJ, Wallace SS, Cho SC, Elian N, Tarnow DP: Histomorphometric comparison of a biphasic bone ceramic to anorganic bovine bone for sinus augmentation: 6-to 8-month postsurgical assessment of vital bone formation. A pilot study. Int J.Periodontics Restorative Dent. 2008 Jun;28(3):273-81.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Histomorphometrische Untersuchung zur Hartgewebsneubildung nach Sinusliftoperationen mit dem xenogenen Knochenersatzmaterial Bio-Oss
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V151599
ISBN (eBook)
9783640635160
ISBN (Buch)
9783640635498
Dateigröße
1363 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Seit der Einführung der Sinusbodenelevation zur anschließenden Implanat-insertion durch Boyne (1980) steht die Zahnmedizin beständig vor der Her-ausforderung, wie die Belastung des Patienten durch das erhebliche, zu transplantierende Volumen zu verringern sei. Mit der Erforschung und Entwicklung industriell gefertigter Knochenersatz-materialien reduzierte sich das Problem der Gewinnung eines ausreichen-den Volumens. Allerdings zeigte sich schnell, dass die Vielzahl der Materia-lien dem Eigenknochen zunächst in allen biologischen Aspekten unterlegen erschienen.
Schlagworte
Histomorphometrische, Untersuchung, Hartgewebsneubildung, Sinusliftoperationen, Knochenersatzmaterial, Bio-Oss
Arbeit zitieren
Dirk Rottmann (Autor), 2010, Histomorphometrische Untersuchung zur Hartgewebsneubildung nach Sinusliftoperationen mit dem xenogenen Knochenersatzmaterial Bio-Oss, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151599

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