Israel: Der Sechs-Tage-Krieg 1967

Stellvertreterkrieg der Supermächte oder regionaler Konflikt zwischen Israel und den arabischen Staaten?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
27 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Ursprung des israelisch-arabischen Krieges

3. Der Sechs-Tage-Krieg

4. Die Bilanz des Sechs-Tage-Krieges

5. Sowjetische Nahostpolitik bis zum Ausbruch des Sechs-Tage-Krieges
5.1. Ausgangsbedingungen für den südlichen Expansionsdrang
5.2. Widerspruch zwischen Ideologie und Machtpolitik der sowjetischen Führung
5.3. Sowjetische Zielsetzungen und Interessen in der Nahostpolitik
5.4. Wandel in der sowjetisch-ägyptischen Waffenlieferungspolitik unter Breschnew
5.5. Die sowjetische geheimdienstliche Fehlinformation

6. Amerikanische Nahostpolitik bis zum Ausbruch des Sechs-Tage-Krieges
6.1. Amerikanische Interessen in der Nahostpolitik
6.2. Erste amerikanische Waffelieferungen in den 1955er Jahren
6.3. Die amerikanische Haltung im Sechs-Tage-Krieg

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den internationalen Beziehungen spielte die Region des Nahen Ostens seit Jahrhunderten eine sehr wichtige Rolle. Eine noch wichtigere Rolle kam dieser Region zu, als Ende der 1960er Jahre deutlich wurde, das auf nicht absehbare Zeit die westlichen industrialisierten Länder und insbesondere die USA vom Öl eben dieser Region abhängig sein werden, denn in dieser Regi- on befinden sich die größten Rohölreserven der Welt. Die strategische Be- deutung dieser Region wird zusätzlich hervorgehoben, da diese Region auch den Suez-Kanal beherbergt, der eine wichtige Verbindung zwischen Europa und Asien darstellt.1 Diese strategische Lage macht diese Region zu einem Schnittpunkt der globalstrategischen Interessen der beiden Größmächte USA und UdSSR.

Bis zum Ausbruch des Sechs-Tage-Krieges verfolgten die Super- mächte in der Region des Nahen Ostens unterschiedliche Interessen und Ziele. Die Nahostpolitik der Sowjetunion zeichnete sich dadurch aus, dass die Sowjets sich bemühten, die Südgrenze Russlands zu sichern, die sie kurzer Hand in den Nahen Osten verlegten, weil sie davon ausgingen, dass die Gebiete Südrusslands aus dieser Region leicht zu erreichen wären und im Falle einer militärischen Auseinandersetzung schnell besetzt werden könnten.2 Ferner suchten sie nach Möglichkeit den westlichen Einfluss in dieser Region einzudämmen, dazu musste aber für eine umfangreiche militä- rische Infrastruktur gesorgt werden und so war es ein Teil ihrer Nahostpolitik Flotten- und Stützpunkte in arabischen Ländern zu errichten. Um diesen Zie- len näher zu kommen bemühten sie sich um Schaffung von politisch nutzba- ren Abhängigkeiten. So wurden einige Staaten der arabischen Welt von der Sowjetunion abhängig, da es die Sowjetunion verstand, Einfluss auf diese Staaten zu nehmen, in dem sie ihnen Wirtschaftshilfen gewährte und Waffen im großen Stil exportierte.3 Die Nahostpolitik der USA drehte sich vor allem um den gesicherten Zugang zum Rohöl des Nahen Ostens, den sie so drin- gend für die Versorgung der nationalen Wirtschaft brauchten. Ferner sollte das Überleben des Staates Israel gesichert werden und es wurde ein Schwerpunkt auf die Vermeidung einer Konfrontation mit der UdSSR gesetzt. Auf der anderen Seite hat sich im Nahen Osten einige Jahrzehnte vor dem Ausbruch des Sechs-Tage-Krieges ein Prozess der grenzenlosen Aufrüstung und Militarisierung begonnen, nachdem die Kolonialmächte ihre Herrschaft in den Ländern dieser Region beendeten und die Machtbefugnisse auf die neu- en Machthaber dieser Nationalstaaten übertrugen. Dadurch wurde die Regi- on aber nicht friedlicher, sondern die neu entstandenen Nationalstaaten be- gannen einen neuen Rüstungswettlauf untereinander.4 Der Begierde nach Rüstungsgütern wurde auch von den größten Rüstungsexporteuren, der Sowjetunion, den Vereinigten Staaten, Frankreich und von Großbritannien im vollen Umfang entsprochen.

Die Sowjets begannen ihr aktives Engagement im Nahen Osten Mitte der 1950er Jahre und wollten um jeden Preis den Einfluss des Westens in dieser Region schwächen oder gar vollständig ausschalten.5 Begünstigend kam hinzu, dass in dieser Region aufgrund der Kolonialvergangenheit der Westmächte starke antiwestliche Ressentiments vorhanden waren und die Sowjets nutzten diese Tatsache aus und füllten dieses Vakuum, indem sie in den arabischen Ländern Fuß fassten. Sie gewährten vielen arabischen Staaten umfassende Militärhilfen. Der Löwenanteil kam den Ländern Ägyp- ten und Syrien zu. Neben Waffen und Waffensystemen wurde auch Militär- personal für Aufbau und Schulung entsandt. Ferner übernahmen sowjetische Piloten sogar den Schutz des ägyptischen Kernlandes.6 Dies führte zu einer Verschärfung des arabisch-israelischen Konfliktes, und die eigene Position im Nahen Osten wurde verbessert. Die USA konnten aber den Einflusszu- wachs der UdSSR nicht hinnehmen und begannen pro-westlich orientierten arabischen Staaten Wirtschaftshilfen zu gewähren und insbesondere Israel ab Mitte der 1960er Jahren mit massiven Rüstungsexporten zu unterstützen, um im Nahen und Mittleren Osten und auf „globaler Ebene den Status quo zu behaupten und dem sowjetischen Anbiederungsversuchen in der arabischen Welt entgegenzutreten“.7

Und so kommen Zweifel auf, ob vielleicht der arabisch-israelische Konflikt, der im Sechs-Tage-Krieg mündete, nicht vor allem den Supermäch- ten von Nutzen war oder sogar gewünscht war, vor allem der Sowjetunion, die das Ziel verfolgte, die USA und ihren Verbündeten Israel in dieser Region machtpolitisch zu schwächen, um anschließend mehr Einfluss in dieser Re- gion ausüben zu können. Es gilt in dieser Arbeit der zentralen Frage nachzu- gehen, ob es sich beim Sechs-Tage-Krieg um einen Stellvertreterkrieg der Supermächte handelte oder aber um einen regionalen Konflikt zwischen Is- rael und der arabischen Welt, der zum Sechs-Tage-Krieg führte und sich oh- ne Einflussnahme der Supermächte entwickelt hat.

2. Der Ursprung des israelisch-arabischen Krieges

Der Nahe Osten und die arabische Welt wurden nicht erst ab den 1960er Jahren von Kriegen und Konflikten erschüttert, sondern schon viele Jahr- zehnte zuvor. Der größte und bis heute ungelöste Konflikt dieser Region ist der arabisch-israelische Konflikt. Allein zwischen 1948 und 1982 gab es fünf kriegerische Auseinandersetzungen mehrerer arabischer Staaten mit dem Staat Israel. Das Erstarken der pan-arabischen Einheitsbewegung führte da- zu, dass die Araber dem Verhältnis zu Israel die größte Aufmerksamkeit schenkten und in der Folge bewirkte dies zahlreiche Umwälzungen in dieser Region. Der arabisch-israelische Konflikt wurde als Schicksalsfrage für sämt- liche Araber angesehen. Dieser Schicksalsfrage bedienten sich auch viele politische Führer der jungen arabischen Staaten für ihre Interessen. Die Soli- darität im Kampf gegen die Existenz des israelischen Staates wurde von die- sen politischen Führern dazu gebraucht, um in machtpolitischen Kämpfen ihre eigene Position gegenüber ihren Rivalen zu verbessern. Die verbesserte Position wurde dazu benutzt, um sich als führende arabische Nationalisten zu profilieren.8 Eine der schillernsten Persönlichkeiten, die ganz Arabien un- ter ägyptischer Vorherrschaft einigen wollte und die sich der Lösung der ara- bisch-israelischen Frage angenommen hat, war der ägyptische Präsident Nasser. Wild stürzte er sich auf die Lösung der arabisch-israelischen Frage. Für ihn war die zionistische Gefahr zu einer Priorität geworden und ihr galt es die volle Energie zu widmen. Einige Staaten der unmittelbaren Nachbar- schaft zu Israel, wie Syrien oder Jordanien, waren sehr von Nassers Charis- ma hingerissen, weil sie unmittelbar an den Staat Israel angrenzten und Isra- el für sie eine Gefahr darstellte.9 In der Phase vor dem Sechs-Tage-Krieg sprachen sich neben Nasser auch die Führer der anderen arabischen Staa- ten für eine Nichtanerkennung des israelischen Existenzrechtes aus und boykottierten Israels Wirtschaft mit einem Wirtschaftsboykott. Auf kriegeri- sche aktive Mittel verzichteten die arabischen Staaten jedoch weitgehend und führten einen politischen Stellungskrieg gegen Israel. An aktive militäri- sche Auseinandersetzungen mit Israel war von ihrer Seite aus noch nicht zu denken, da sie im Begriff waren, einen Pan-Arabismus zu entwickeln und sich untereinander nicht einig waren. Sie verwendeten die größten Ressour- cen auf die Erneuerung der politischen und sozialen Machtposition auf arabi- schem Terrain und waren so lediglich am politischen Kampf gegen Israel in- teressiert.10

Nasser, nur einer der politischen Häupter des Nahen Ostens, über- nahm die Rolle des „Führers“ und dirigierte die arabischen Staaten im Kampf gegen Israel. Sein kluges strategisches Denken erlaubte ihm das Ausnutzen des Pan-Arabismus und der anti-israelischen Einstellung der arabischen Be- völkerung gegen den jüdischen Staat, und er bekräftigte mit klugen politi- schen Zügen die Rolle Ägyptens als führende Nation in der Arabischen Liga und als Führer Ägyptens seine Position an der obersten Stelle der arabi- schen Welt.11 Um seine Führerschaft weiter zu stärken, wurde unverzüglich der Schuldige für das Stocken des Pan-Arabismus gefunden, der Erzfeind Israel und die aus der Sicht der Araber hinter Israel stehende westliche Welt, insbesondere die USA, die ihre Interessen in der Region verfolgten und der panarabischen Idee entgegenarbeiteten. Und nichts einte besser als der ge- meinsame Feind und der damit verbundene Wille zur Vernichtung desselben, in diesem Fall Israels, der die Unabhängigkeit der arabischen Staatenwelt bedrohte.12 Und so vergingen die 1960er Jahre damit, dass die verfeindeten Lager Israel und die arabischen Staaten ihre Waffendepots mit neuen Waffen füllten und ihre Armeen nach dem neuesten Stand der Technik ausrüsteten. Insbesondere stachen neben Israel Ägypten und Syrien hervor, die massiv aufrüsteten. Ab Mitte der 1960er Jahre gesellte sich zu den massiven Auf- rüstungsbemühungen und dem stillen Konflikt der Lager noch eine Krisenpe- riode dazu, die wenig später in die Eskalationsphase umschlug. Eine Art Ei- gendynamik entwickelte sich in Folge eines Konflikts zwischen Israel und Syrien, in dem es um zunächst um Wasserentnahme aus dem Jordan ging.13 Dieser Vorfall gab dem links-baathistischen Regime in Damaskus den Vor- wand um ab 1966 verschärfte Konfrontationen mit Israel zu suchen.14

3. Der Sechs-Tage-Krieg

Der Beschuss israelischer Siedlungen von den Golanhöhen nahm ab 1966 an Intensität zu. Ab 1967 wurden die israelisch-syrischen Schlagabtausche ausgeweitet und mündeten in offenen Artillerie- und Luftgefechten.15 Auf- grund des 1966 von Ägypten und Syrien unterzeichneten Verteidigungsab- kommens und der daraus resultierenden Pflicht Ägyptens, war Nasser ge- zwungen Syrien militärisch beizustehen. Ab diesen Augenblick begann eine nicht mehr aufzuhaltende Eigendynamik der Eskalationsphase, die in den Sechs-Tage-Krieg überging und mit einem überwältigenden Sieg der Israelis endete.

4. Die Bilanz des Sechs-Tage-Krieges

Beim Präventivschlag der Israelis gegen Syrien, Ägypten und Jordanien wur- de der Großteil der gegnerischen Flugzeuge und Panzer zerstört. Bemer- kenswert ist die Tatsache, dass es sich bei dem von den Israelis zerstörten und erbeuteten Kriegsgerät um Ausrüstung sowjetischer Bauart handelte, die tatsächlich aus der UdSSR stammte. Insgesamt verfügte die ägyptische Ar- mee über 1200 russische Panzer, 1500 Kanonen, 500 Kampfflugzeuge, 30 Raketenbatterien.16 Ferner ist bekannt, dass sowohl auf der ägyptischen als auch auf syrischer Seite viele Hundert russische Waffenspezialisten, Ausbil- der und Piloten stationiert waren, die die Streitkräfte unterstützten und aus- bildeten. Die Lieferungen des Kriegsgeräts und des Personals aus der UdSSR an Ägypten erfolgten aufgrund eines Waffenlieferungsabkommens zwischen den beiden Ländern bereits ab der Mitte der 1950er Jahre. 17 Fer- ner scheint die UdSSR zum Ausbruch des Krieges beigetragen zu haben, denn im April des Jahres 1967 wurde der ägyptischen Führung vom sowjeti- schen Geheimdienst gemeldet, die Israelis würden einen Angriff auf Syrien planen und die Sowjets stießen eine Entwicklung an, die in den darauf fol- genden Tagen durch Nassers Entscheidung eine Dynamik erhielt, die zum Krieg führte.18

[...]


1 vgl. Ulfkotte 1984, S. 2

2 vgl. Hunter 1969, Wie groß ist der sowjetische Einfluss auf den arabisch-israelischen Konflikt? (Online Version).

3 vgl. Ulfkotte 1984, S. 10

4 vgl. Linde 1983, S. 23 f.

5 vgl. Lindner 1971, S. 314

6 vgl. ebd., 314 f.

7 Ulfkotte 1988, S. 27

8 vgl. Ulfkotte 1988, S. 3 ff.

9 vgl. Hunter 1969, S.13

10 vgl. Ulfkotte 1988, S. 4 f.

11 vgl. Ulfkotte 1988, S. 27 f.

12 vgl. ebd., S. 28

13 vgl. Dayan 1981, S. 224

14 vgl. Ulfkotte 1988, S. 29

15 vgl. Creveld 2002, Krieg im Nahen Osten: Ein Szenario (Online Version).

16 vgl. Ulfkotte 1984, S. 16

17 vgl. ebd., S. 11

18 Steininger 2007, Der Sechstagekrieg (Online Version).

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Israel: Der Sechs-Tage-Krieg 1967
Untertitel
Stellvertreterkrieg der Supermächte oder regionaler Konflikt zwischen Israel und den arabischen Staaten?
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Israel
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V151769
ISBN (eBook)
9783640634224
ISBN (Buch)
9783640634408
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Israel, Sechs-Tage-Krieg, Stellvertreterkrieg, Supermächte, Konflikt, Staaten
Arbeit zitieren
Maxim Kimerling (Autor), 2010, Israel: Der Sechs-Tage-Krieg 1967, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151769

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