Journalistische Arbeit und Social Media

Eine Erhebung und Untersuchung in Verbindung mit der Microsoft Deutschland GmbH


Bachelorarbeit, 2009
97 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Erster Band – Untersuchung

1 Einführung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Thesen
1.3 Zielsetzung
1.4 Methodik

2 Definitionen und Kontext
2.1 Aufbau des Internets heute
2.2 Mediennutzung
2.3 Journalistische Arbeit

3 Anstieg von Nutzung und Bedeutung der Social Media Anwendungen
3.1 Mediennutzung im Social Web
3.2 Technische Komponenten

4 Journalistische Arbeit

5 Umfragen
5.1 Ziele der Umfragen
5.2 Teilnehmer und soziodemografische Daten

6 Ergebnisse
6.1 Ergebnisse des Online Surveys
6.2 Ergebnisse der Einzelinterviews

7 Andere Studien zum Untersuchungsgegenstand

8 Schlussfolgerungen und Bewertung

9 Handlungsempfehlungen

10 Literatur- und Quellenverzeichnis
10.1 Literatur
10.2 Quellen

11 Versicherung der selbstständigen Anfertigung

12 Anhang
12.1 Tabellen/Abbildungsverzeichnis
12.2 Glossar
12.3 Weiterführende Literatur
12.4 Microsoft Online Survey
12.4.1 Microsoft Online Survey – Einstiegsseite
12.4.2 Microsoft Online Survey – Fragen und Ergebnisse
12.5 Einzelinterviews
12.5.1 Einzelinterview – Jochen Mai, Wirtschaftswoche
12.5.2 Einzelinterview – Björn Sievers, Focus Online XXXI
12.5.3 Einzelinterview – N.N., Führende Wirtschaftszeitschrift
12.5.4 Einzelinterview – N.N., Öffentlich-rechtlicher TV-Sender
12.5.5 Einzelinterview – N.N., Führende Wirtschaftszeitschrift
12.5.6 Einzelinterviews – Quantitative Auswertung
12.6 Interviews – Journalist XLII

Erster Band – Untersuchung

1 Einführung

„Es wäre für Journalisten fahrlässig, diese neue Kommunikationsform als Nonsens abzutun,“[1] sagt Wolfgang Büchner, Chefredakteur von Spiegel Online über den Micro-Blogging-Dienst Twitter. Martin Meyer-Gossner, Mitbegründer von Silicon.de, ist von Twitter überzeugt: „Micro-Blogging ist als Recherche- und Informationstool der schnellste Weg der Welt[,] Meinungsmachern zu folgen.“[2]

Jürgen Bruckmeier, Chefredakteur des mittlerweile eingestellten Magazins Tomorrow ist anderer Ansicht: „[...] für die nächsten Jahre sehe ich hier [...] keine Relevanz.“ Ein Monatsmagazin komme „ganz gut ohne Twitter aus.“[3]

Es ist offensichtlich, dass sich das Social Web – und damit Social Media – sehr dynamisch entwickelt. Immer mehr Tools kommen zum Einsatz und die Kommunikationsbranche reagiert mit zunehmend ausgefeilten Maßnahmen auf die vielfältigen Neuerungen. Dies schließt einen methodischen Umgang und die strategische Einbindung und Nutzung durchaus ein. Als zwei Beispiele unter vielen können MicroPR, die als PR Instrument für Journalisten[4], Analysten und Blogger auf Twitter gesehen wird,[5] oder das ePress Release[6] genannt werden.

Heute werden Präsidentschaftswahlkämpfe online geführt und einige Wählergruppen über Social Networks besser erreicht als über die klassischen Medien Print, Radio oder TV.[7]

Die Anzahl an Kommunikationsmöglichkeiten hat sich innerhalb der letzten Jahre vervielfacht; jeder kann mit jedem kommunizieren. In der vernetzten Welt ist alles möglich: Meinungen äußern, auf Geschehnisse aufmerksam machen, sie kommentieren und/oder mit Bildmaterial versehen, Artikel und Blogbeiträge verlinken, Teil des großen Ganzen werden.

Die neuen Medien werden in der Recherche nach Produkten, Neuigkeiten und Bewertungen zu Informationsquellen. Vertreter von Unternehmen und Organisationen sowie Spezialisten, Journalisten und Internetnutzer, die etwas zu erzählen haben, veröffentlichen im Social Web ihr Wissen und ihre Gedanken. „Leser, Radiohörer und Zuschauer schaffen ihre Inhalte für sich und ihresgleichen selbst.“[8] Jeder kann diesen User generated Content überall auf der Welt ungefiltert und ungeprüft abrufen. Das stößt nicht nur bei Journalisten auf Argwohn.

Dabei besteht bei allen Neuerungen im Internet ein Generationenumbruch, denn Ältere nutzen die neuen Elemente des Webs im Vergleich zu Jüngeren nicht häufig oder gar nicht.[9] Zahlreiche Veränderungen machen es aber für jeden möglich im und am Internet mitzuwirken. Es ist überall zugänglich und technisch einfach geworden. Durch neue Technologien sowie die Verbreitung von Breitbandanschlüssen werden sich in Zukunft mehr Menschen im Netz bewegen und sich mit den Anwendungen im Social Web vertraut machen.

Das Social Web polarisiert: Die einen können nicht genug bekommen, vom Bloggen, Social Bookmarken, „Gruscheln“, Twittern, Kommentieren und Vernetzen. Die anderen halten den Hype um den Wandel im Internet für vollkommen übertrieben. Ein Journalist äußert sich in dem für diese Arbeit durchgeführten Online Survey dazu so: „dieser ganze Web 2.0-Scheiß wird völlig überschätzt.“[10]

Das Interesse an Internet Start-ups ist, ungeachtet der Unsicherheiten und Skepsis, groß. Das Social Network Xing ging 2006 als erstes deutsches „Web-2.0-Unternehmen“ an die Börse.[11] Im Januar 2009 bot der A-Blogger Robert Basic sein Blog Basic Thinking bei Ebay zum Verkauf an und erzielte einen Verkaufserlös von 46.902 Euro. Verlage und Medienhäuser haben in junge Internetfirmen investiert: Holtzbrinck kaufte Anfang 2007 das Unternehmen StudiVZ.[12] ProSiebenSat.1 erwarb im Oktober 2008 eine Mehrheitsbeteiligung an Webnews und kaufte bereits 2006 Anteile von MyVideo, des sozialen Netzwerks Lokalisten sowie anderen Internetplattformen. RTL startete im selben Jahr das Videoportal Clipfish und übernahm im Februar 2009 das Social Network Wer kennt wen.
Neue Geschäftsmodelle entwickelten sich rasant: Xing setzt, wie andere Social Networks, neben Mitgliederbeiträgen auf integrierte Werbung. Einige Plattformen wie Twitter haben jedoch, trotz aller Euphorie für die neuen Technologien und hoher Nutzerzahlen, keine funktionierenden Geschäftsmodelle.

Das Internet ist auch wirtschaftlich in Bewegung: Google, Open Source Software und Konzepte wie Cloud Computing und Software as a Service (SaaS) drängen immer stärker auf den Markt.

In der Studie New Media, New Influencers and Implications for Public Relations der Society For New Communications Research wurden 297 Kommunikationsprofis in einem Online Survey u.a. befragt, welcher Wirtschaftszweig am ehesten von den Social Media beeinflusst wird. 85 Prozent sahen die Medien an erster Stelle.[13]

Was halten die Medienmacher, Journalisten, von der Entwicklung und wo sehen sie die Zukunft des Social Webs und der Social Media?

Der Fokus liegt auf Journalisten, weil es darum geht, das Spannungsfeld zwischen klassischen Medien und Social Media auszuleuchten. Einige Journalisten sind gleichermaßen Opinion Leaders im Social Web und zeigen so, dass klare Grenzziehungen immer schwieriger werden. Eine Befragung unter den 770.000 regelmäßigen Bloggern in Deutschland[14] wäre in diesem Kontext schwer durchführbar und ließe kaum spezifische Aussagen zu. Aufgrund der hohen Anzahl, der unterschiedlichen thematischen Ausrichtungen sowie den verschiedenen Professionalitätsgraden wären sie schwierig zu erfassen und in Kategorien einzuteilen. Die unterschiedlichen Hintergründe der Blogger in Deutschland würden es nicht erlauben, aus dem Blickwinkel eines gemeinsamen Berufsfeldes auf die Entwicklungen im Social Web zu schauen.

Die Aktualität und Bedeutung der Fragestellung, die der vorliegenden Arbeit zu Grunde liegt, wird durch die wiederkehrende Diskussion über den Wandel in der Medienlandschaft deutlich.

In den USA wurde bereits im Jahr 2007 eine Studie veröffentlicht, die untersuchte, wie Journalisten Social Media nutzen.[15] Auch die Wissenschaft nähert sich dem journalistischen Umgang mit der Online Recherche und den sozialen Medien.[16]

Den wissenschaftlichen Bezugsrahmen der vorliegenden Arbeit stellen einerseits bereits vorhandene Studien zum Themenfeld. Andererseits liefern aktuelle Publikationen, Artikel aus Online-Medien und einige Blogbeiträge Anregungen, die in diese Arbeit eingeflossen sind. Die empirische Untermauerung steuert nähere und tiefergehende Erkenntnisse zu den wenigen, bisher zum Themenfeld publizierten Studien bei, um so die wissenschaftliche Ausleuchtung zu ergänzen. Die sich ergebenden Handlungsempfehlungen weisen auf die praktische Umsetzbarkeit der Ergebnisse.

Insgesamt kann die vorliegende Arbeit in der Kommunikationswissenschaft/ Publizistik verortet werden. Im Bereich des Kommunikationsmanagements bildet die Online PR eine Ausdifferenzierung der Public Relations/Öffentlichkeitsarbeit.

1.1 Aufbau der Arbeit

Diese Arbeit beleuchtet, dem vorgegebenen Rahmen einer Bachelorarbeit entsprechend, wie Journalisten Social Media einschätzen, annehmen, mit ihnen arbeiten und deren Zukunft bewerten.

Dazu führte die Verfasserin einen Online Survey unter 1594 Journalisten und zwölf Redaktionen durch. Um die Umfrage-Ergebnisse abzusichern, sprach die Verfasserin in Einzelinterviews mit fünf ausgewählten Journalisten in Vertretung ihrer führenden Print-, Online- sowie TV-Medien. Nach der Darlegung der Thesen und der Zielsetzung geht die Verfasserin auf die Methodik ein. Anschließend folgen Definitionen und eine kurze Darstellung des heutigen Aufbaus des Internets, der Entwicklung der Mediennutzung sowie des Bedeutungsanstiegs von Social Media. Die Kernelemente der Arbeit sind die Erläuterung der Umfragenergebnisse, ihre Auswertung sowie ein Vergleich mit anderen aktuellen Studien zu dem Themenfeld. Anschließend werden die eingangs aufgestellten Thesen kritisch beleuchtet und beurteilt. Handlungsempfehlungen für die Kommunikationsabteilung der Microsoft Deutschland GmbH bilden den Abschluss der Arbeit.

1.2 Thesen

Social Media Anwendungen sind für die journalistische Arbeit heute von immenser Bedeutung und werden in den nächsten Jahren wichtiger.[17] Da sich sehr unterschiedliche Stakeholder von Unternehmen immer häufiger im Social Web äußern und vernetzen, gewinnt ihre Meinung zunehmend an Gewicht. Die Aussagen und Inhalte in Social Media unterstützen Journalisten bei der Recherche und in der Aufbereitung von Themen, da sie zunehmend glaubwürdig sind und die Vorortrecherche zu ersetzen vermögen.

1.3 Zielsetzung

Die vorliegende Arbeit soll einen kurzen Überblick über die aktuelle Nutzung von Social Media geben und darstellen, welche Einstellungen Journalisten gegenüber den sozialen Medien heute haben, wie sie mit den neuen Anwendungen umgehen und wie sie die Entwicklung in den kommenden zwei Jahren einschätzen.

Handlungsempfehlungen für die Microsoft Deutschland GmbH sollen daraus abgeleitet werden.

1.4 Methodik

Ausgehend von Studien aus verwandten Themenfeldern und herausgearbeiteten Thesen werden in der Ad-hoc Forschung Journalisten als Zielgruppe befragt, um eine aktuelle Datenbasis zu gewinnen, die in die vorliegende Studie eingebettet ist.

Sowohl die quantitative Forschung (durch messende Methoden und einen Online Survey), als auch die qualitative Forschung (mit beschreibenden Methoden durch Einzelinterviews mit Experten) werden in entsprechenden Fragen zur Recherche, zum Mediennutzungsverhalten und Bedeutung von Social Media angewandt.

Die Ergebnisse der Umfragen aus dem empirischen Teil der Arbeit geben eine gesicherte Tendenz wieder. Die Anzahl der Rückläufe erreicht jedoch keine Größe, die repräsentativ gültige Aussagen ermöglicht.

Im Jahr 2008 führte die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit die jährliche Journalistenbefragung online durch. Sie enthielt eine Microsoft-spezifische Bewertungsumfrage mit einem Fokus auf das Image, die Pressearbeit, den Presseservice und die Pressesprecher. Die für die vorliegende Arbeit konzipierte Bedürfnisumfrage wurde explizit als Teil einer wissenschaftlichen Arbeit gekennzeichnet und hinzugefügt. Mit Hilfe von acht geschlossenen Fragen (Frage 14, 26, 27, 28, 29, 31, 32, 34) sollte ein Stimmungsbild der Journalisten zu Social Media in der Recherche gezeichnet werden.[18]

Sechs dieser Fragen (Frage 14, 26, 28, 29, 31, 32) sind durch eine monopolare 9er-Skala (Ordinalskala) mit verbaler Umschreibung der niedrigsten und der höchsten Antwortabstufungen dargestellt. Vier Fragen sind durch eine Häufigkeitsskala (Frage 26, 28, 29, 32), Frage 14, 27, 31 und 34 durch eine Beurteilungsskala abgebildet.[19]

In der Ordinalskala ist die Rangfolge der Ausprägungen (z.B. „überhaupt nicht“ ≙ 1 bis „sehr häufig“ ≙ 9) immer der Rangfolge der Zahlen zugeordnet. Bei allen Werten handelt es sich um nicht-metrische Daten.

Bei drei Fragen (Frage 14, 29, 32) konnten die Journalisten Ergänzungen zu den Angaben machen, bei einer Frage waren die Teilnehmer aufgefordert eine weiterführende Erklärung abzugeben (Frage 34). Frage 27 ist eine Multiple Choice bzw. Alternativfrage, bei der aus sechs Alternativen vier Antworten zur Auswahl standen. Frage 34 ist ebenfalls eine Multiple Choice Frage, bei der drei Alternativen zur Auswahl standen und nur eine Antwortmöglichkeit gegeben war.[20]

Der Online Survey richtete sich an 1594 systematisch ausgewählte IT- und Wirtschaftsjournalisten und zwölf Redaktionen, die hier der Grundgesamtheit entsprechen. Die Auswahl kann dabei nicht als repräsentativ gelten. Die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Microsoft Deutschland GmbH und die Agentur Fink und Fuchs identifizierten diese Journalisten und luden sie per Mail zu der Befragung ein. Nach einer Woche wurde zur Steigerung der Beteiligung ein Reminder mit einem weiteren Verweis auf den Survey an die Journalisten verschickt.

Bei einer Rücklaufquote von 11,1 % in dem vorher bestimmten Befragungszeitraum von zwei Wochen betrug der Stichprobenumfang n=179 (100 %). Von diesen Ergebnissen ausgehend kann in einer Tendenz auf die Grundgesamtheit geschlossen werden.

Da für die Antworten aus dem Microsoft Online Survey Voreingenommenheiten nicht ausgeschlossen werden können, sollten ausgewählte Journalisten weitergehend befragt werden. Weitere Ziele waren, die Antworten aus der Onlinebefragung zu verifizieren und tiefer in das Themengebiet einzusteigen. In der Sichtung der Ergebnisse des Online Surveys hatte sich herausgestellt, dass die Großzahl der befragten Journalisten sich aus ihrer professionellen Perspektive durchaus mit dem Themenfeld der Social Media auseinandergesetzt hat. Die Wechselwirkung von Social Media mit dem Journalismus wurde in diesem Zusammenhang jedoch kaum thematisiert. Entsprechend wurden Interviews geführt, die sich mit den Auswirkungen von Medienentwicklungen auf den Journalismus beschäftigen.

Die fünf telefonischen Einzelinterviews mit quantitativen und qualitativen Fragen fanden in dem Zeitraum vom 23.10.2008 bis zum 29.10.2008 statt.
Der Fragebogen bestand aus fünf geschlossenen (Frage 3, 4, 5, 7, 10) und sechs offenen Fragen (Frage 1, 2, 6, 8, 9, 11).[21]

Nach einer statistischen Bereinigung des Datenkorpus führte die Verfasserin eine ausführliche Analyse der Datenrückläufe durch.

Dieser empirische Teil ist konfirmatorisch angelegt, da die eingangs formulierten Thesen unter Kapitel 8 dieser Arbeit bewiesen oder widerlegt werden. Die Verfasserin vergleicht die Ergebnisse der Umfragen mit aktuellen Studien zur Thematik.

2 Definitionen und Kontext

„[Social Media sind alle neuen] Anwendungen, Plattformen und Medien online, welche zum Ziel haben, Interaktion, Zusammenarbeit und das Teilen von Inhalten zu unterstützen und zu ermöglichen.“ (Übers. d. Verf.)[22]

Sobald man online ist, nutzt man Social Media.[23] Sie umfassen Videocommunities, Fotocommunities, Social Networking Plattformen, Blogs, Micro-Blogging-Dienste, Social News Portale, Podcasts, Vodcasts, Wikis, RSS-Feeds, Widgets und Chatrooms.[24] Social Media Anwendungen beziehen Nutzer persönlich ein[25] und fördern die weltweite Vernetzung. Genaue, von überall abrufbare Informationen sind ebenso zentrale Merkmale wie eine offene, ehrliche und authentische Kommunikation.[26] Charakterisierend sind die schnelle und einfache Publikation, Aktualität, Multimedialität, die häufig chronologische Anordnung von Inhalten und Selektivität.[27]

Das Social Web fasst die Plattformen, Inhalte und Akteure innerhalb der neuen Medien zusammen.[28] Social Software ermöglicht die stets und überall wahrnehmbare Interaktion im Social Web.

Netzwerkeffekte und kollektive Intelligenz entstehen durch Vertrauen, welches durch Individualität, persönliche Kontakte oder Reputation aufgebaut werden kann.[29]

Reputation ist das „Glaubwürdigkeitskapital“ und wird durch Reputations-management aufgebaut, erhalten oder verbessert. Sie ist das transparente und kohärente Handeln nach Werten.[30] Social Media können ebenso Einfluss auf die Reputation von Institutionen haben, wie traditionelle Medien.[31]

Der Begriff Web 2.0 beinhaltet eher den technischen, am Nutzer orientierten Wandel im Vergleich zum „Web 1.0“ und ist als Bezeichnung zu ungenau. Im Glossar[32] sind alle weiteren spezifischen Termini definiert.

2.1 Aufbau des Internets heute

Das Internet ist weltweit verfügbar, ein Alltagsmedium. Schlagworte wie E-Commerce, Blogs, YouTube, Google, Online-Banking oder Flatrate verdeutlichen, dass das Web ein dominierendes Thema in Medien und Gesellschaft ist. Das Netz deckt mittlerweile das gesamte Spektrum möglicher Informationen ab. Die Nutzer haben das Gefühl, im Internet alles finden zu können. Im Social Web sind Angebote größtenteils kostenlos.

2.2 Mediennutzung

Die Management Innovation Group hat drei Phasen der Medienentwicklung definiert.[33] Schlagworte der ersten Phase sind passive Mediennutzung, Push-Kommunikation, hohe inhaltliche Qualität, Verlässlichkeit der Quelle, Hierarchie, Effizienz und das „top-down“ Modell. Die zweite Phase beschreibt die Partizipation an Medienangeboten, frei zusammenstellbaren Inhalt, Push- und Pull- sowie many-to-many Kommunikation. Die dritte Phase beinhaltet u.a. Social Media, Erstellung eigener Inhalte, Mashups, dezentral gesteuerte Informationsflut, Durcheinander, Kreativität, Grassroots Journalism, „bottom-up“ Kommunikation, Benutzer-beteiligung und Beeinflussung.

Es gibt viele verschiedene Studien zur Online-Nutzung in Deutschland.[34] Zusammengefasst zeigen die Ergebnisse der repräsentativen ARD/ZDF Onlinestudie 2008[35] folgendes: 42,7 Millionen Deutsche (65,8 %) nutzen 2008 gelegentlich das Internet.[36] 70 Prozent der Onliner (30 Mio.) gehen zu Hause über eine Breitbandverbindung ins Internet. Dabei rechnen 86 Prozent der privaten Nutzer ihren Internetzugang über eine Flatrate ab.[37] Die durchschnittliche Internetnutzungsdauer (Gesamtbevölkerung) beträgt 58 Minuten pro Tag.[38] Die Onliner sind durchschnittlich täglich 120 Minuten im Internet.[39] Das Internet verdrängt die herkömmlichen Medien nicht, sondern ergänzt sie.[40]

In Tabelle 1 ist die Altersverteilung der Internetnutzer aufgeführt. Unter den Internetnutzern sind alle Bevölkerungsschichten und Berufssparten vertreten, die Verteilung von Männern und Frauen hat sich in der Nutzung ebenfalls angeglichen.[41] Auf die Gesamtbevölkerung bezogen gehen 39 Prozent der Erwachsenen täglich ins Internet, hören 69 Prozent Radio, sehen 79 Prozent fern und lesen 59 Prozent Tageszeitung.[42] Insgesamt liegt der Medienkonsum bei zehn Stunden pro Tag.[43]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die internet facts 2008-II weisen auf, dass 64,9 Prozent aller Internetnutzer berufstätig, 17,2 in der Ausbildung und 17,9 nicht oder nicht mehr berufstätig sind.[44]

Die Auflagen der Tageszeitungen fallen,[45] gleichzeitig werden immer mehr .de-Domains angemeldet.[46] Die Fundamente für eine vermehrte Nutzung sind gelegt: Die Medienkompetenz der Onliner ist gestiegen,[47] Anwendungen sind leichter zu bedienen, Breitbandanschlüsse und Flatrate sind weit verbreitet. Die Mediennutzung steigt in der Dauer[48] und mehr Menschen sehen das Internet in der täglichen Information als unverzichtbar an.[49]

2.3 Journalistische Arbeit

Laut der derzeit aktuellsten repräsentativen themenbezogenen Studie Journalismus in Deutschland 2005 arbeiten 48.000 hauptberufliche Journalisten in Deutschland; davon sind 12.185 freie Journalisten.[50] Kerntätigkeit und Schlüsselkompetenz von Journalisten ist die Recherche und die Dokumentation der Ergebnisse.[51] Weitere journalistische Tätigkeiten sind das Auswählen, Formulieren und Redigieren von Texten, organisatorische, verwaltende, kaufmännische und technische Arbeiten sowie der Kontakt mit dem Publikum.[52] Der journalistische Standard[53] verlangt eine umfassende Recherche, die eindeutige Kennzeichnung von Meinungen und unsichereren Quellen sowie eine neutrale Berichterstattung mit Darstellung der entgegengesetzten Positionen, falls es die Situation erfordert.[54]

3 Anstieg von Nutzung und Bedeutung der Social Media Anwendungen

Im Cluetrain-Manifesto schreiben Locke et al. bereits 1999 von vernetzten Usern, die in der Unterhaltung über Unternehmen und Produkte mehr Informationen generieren, als die Institutionen selbst. In der Folge habe die herkömmliche Unternehmens-kommunikation kaum noch Bedeutung.[55]

Heute verzeichnet Technorati 112,8 Millionen Blogs[56] und über 250 Millionen Postings, die den Begriff „Social Media“ enthalten.[57] Täglich registriert die Blog-Suchmaschine ca. 1,5 Millionen Postings und ca. 120.000 neue Blogs.[58]

In den USA sind drei der Top fünf Webangebote Social Websites.[59] Es sollen i.S. einer Plattform möglichst alle Internetbedürfnisse in einem „One Stop Shop“ befriedigt werden.[60] Bereits 2006 hatten die USA einen deutlichen Vorsprung in der Etablierung von Social Media.[61]

Jackie Fenn, Vice-President und Fellow des Unternehmens Gartner sieht die Zukunft der neuen Medien so:

„Obwohl sich das Web 2.0 gerade am Anfang der Phase Through-of-Disillusionment [dt. „nach der Desillusionierung“] befindet, wird es sich innerhalb von zwei Jahren wieder erholen und zu grundlegenden Veränderungen führen. Grund dafür sind Unternehmen, die durch die Technologien und kulturellen Folgen […] Erfahrung und Erfolge verzeichnen.“[62]

[...]


[1] Zitiert nach Schwierz, 2008; Zur Berufsdefinition des Journalisten vgl. Deutscher Journalisten-
Verband, 1998

[2] Zitiert nach Schwierz, 2008

[3] Ebda.

[4] Zugunsten des Leseflusses wird in dieser Arbeit nicht explizit zwischen der weiblichen und
männlichen Form differenziert, es sind stets beide Geschlechter gemeint.

[5] Vgl. Solis, 2008

[6] Vgl. Huber, 2008, S. 143 ff.

[7] Vgl. Stöcker, 2008

[8] Hornig, 2007, S. 8

[9] Vgl. Köcher, 2008; Eimeren/Frees, 2008

[10] Kapitel 12.4.2, Zweiter Band, S. XXVI

[11] Vgl. Schwierz, 2007

[12] Vgl. Sievers/Seitz, 2007

[13] Vgl. Gillin et al., 2008, S. 15

[14] Vgl. Meyer-Lucht, 2008

[15] Vgl. New Study on Media Relations Reveals How Journalists Use Web 2.0 Technologies, 2007

[16] Vgl. Machill et al., 2008

[17] Die Begründung hierfür liegt in der Zeit- und Kostenersparnis bei der Recherche einerseits sowie in
der erhöhten Nutzer-Akzeptanz andererseits. Die steigende Nutzungsbreite und -frequenz zeigt dies.

[18] Vgl. Kapitel 12.4.2, Zweiter Band, S. XX ff.

[19] Vgl. ebda.

[20] Vgl. ebda.

[21] Vgl. Kapitel 12.5, Zweiter Band

[22] Smith, 2008, S. 10

[23] Vgl. Smith, 2008

[24] Vgl. ebda.

[25] Durch Verlinkungen (Links, Trackbacks, Hypertexte), RSS-Feeds, Kommentarfunktionen und das
Bewerten von Informationen

[26] Vgl. Ruisinger, 2007

[27] Möglichkeit, selbst Informationen im Pull-Ansatz zu kombinieren

[28] Vgl. Smith, 2008

[29] Vgl. Ruisinger, 2007; Pleil, 2007, S. 13; Frick/Hauser, 2007

[30] Vgl. Gahmann, 2007; „In a world of social media honesty is the only policy.” (Smith, 2008, S. 32)

[31] Vgl. Smith, 2008, S. 10

[32] Vgl. Kapitel 12.2, Zweiter Band, S. I ff.

[33] Vgl. Social media introduce new models of value creation, 2005

[34] Die Ergebnisse der Studien weichen durch unterschiedliche methodische Vorgehensweisen/
Befragungszeiträume voneinander ab

[35] Datenerhebung: 19.03.-24.04.2008; Grundgesamtheit bildeten alle bundesdeutschen Erwachsenen
ab 14 Jahren, (n=2.574)

[36] Vgl. Eimeren/Frees, 2008, S. 331; 34,2 % (22,17 Mio.) sind offline (vgl. Gerhards/Mende, 2008,
S. 365).

[37] Vgl. Eimeren/Frees, 2008, S. 338

[38] Vgl. ebda., S. 342

[39] Vgl. ebda., S. 340

[40] Vgl. ebda., S. 341

[41] Vgl. ebda., S. 335

[42] Vgl. Oehmichen/Schröter, 2008, S. 394

[43] Vgl. Eimeren/Frees, 2008a, S. 354

[44] Vgl. Föbus, 2008, S. 8

[45] Vgl. Internet setzt sich schneller durch als erwartet, 2008; McRoberts/Terhanian, 2008, S. 7

[46] Vgl. Denic eG

[47] Vgl. u.a. Föbus, 2008

[48] Vgl. Eimeren/Frees, 2008

[49] Vgl. Köcher, 2008

[50] Vgl. Weischenberg et al., 2006, S. 349 f.

[51] Vgl. La Roche, 2008; Machill et al., 2008, S. 19

[52] Vgl. Weischenberg et al., 2006

[53] oder die journalistische Sorgfaltspflicht

[54] Vgl. Sauer, 2007, S. 135 & S. 262 f.

[55] Vgl. Locke et al., 1999

[56] (21.11.2008)

[57] Vgl. Social Media Chart, 2008

[58] Vgl. Sifry, 2007

[59] MySpace, YouTube und Facebook (vgl. Top Sites in United States, 2009)

[60] Vgl. Smith, 2008, S. 35

[61] Vgl. Hattendorf/Schlechtriem, 2007

[62] Zitiert nach Bube/Veith, 2008

Ende der Leseprobe aus 97 Seiten

Details

Titel
Journalistische Arbeit und Social Media
Untertitel
Eine Erhebung und Untersuchung in Verbindung mit der Microsoft Deutschland GmbH
Hochschule
University of Management and Communication Potsdam
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
97
Katalognummer
V152054
ISBN (eBook)
9783640637287
ISBN (Buch)
9783640637355
Dateigröße
3636 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Journalismus, Social Media, PR, Kommunikationsmanagement, Journalistische Arbeit, Web 2.0, Public Relations
Arbeit zitieren
Sunna Schulz (Autor), 2009, Journalistische Arbeit und Social Media, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152054

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