Rohstoffe der Dritten Welt

Ursache für die Ausbeutung oder auch Chance für eine weitere Entwicklung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
21 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Klassifizierung von Ressourcen
2.2 Indikatoren zur Betrachtung
2.3 Entwicklungstheorien

3 Praxis Raumbezug: Rohstoffreiche Entwicklungslander
3.1 Betrachtung der Entwicklung ausgewahlter Lander
3.2 Folgerung: Grundlegende Entwicklungstendenzen und -effekte
3.3 Ausblick: Den Fluch zum Segen wandeln?

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Alle Rohstoffe der Erde sind begrenzt, unterliegen gleichzeitig jedoch einer standig wachsenden Nachfrage. Diese konfliktbehaftete Problematik konnte bisher nicht gelost werden. Im Kontext dieser Arbeit wird nun genauer untersucht, ob eben aus dieser Lage heraus Rohstoffe in der Entwicklung von Landern der Dritten Welt eine maGge- bende Rolle spielen. Wenn ja, fordern das Vorkommen von Ressourcen und der damit in Verbindung stehende AuGenhandel die Entwicklung dieser Lander? Sind Tenden- zen des Anstiegs der Lebensqualitaten und des Wohlstandes zu verzeichnen oder be- deutet das Vorkommen von Rohstoffen Raubbau, Ausbeutung und zunehmende Ver- armung? Gelten Rohstoffe als Ursache fur die Grundprobleme von Entwicklungslan- dern?

Ziel dieser Arbeit ist es, diese konfliktpotentiellen Fragestellungen genauer zu erortern. Zunachst, nach Schaffung definitorischer Grundlagen, werden Entwicklungstheorien als Referenz hinzugezogen, um mogliche Erklarungsansatze vorzubereiten. Im Haupt- teil der Arbeit werden vier Lander mit unterschiedlichen Rohstoffvorkommen miteinan- der verglichen. Anhand von drei signifikanten Indikatoren sollen die Entwicklungen der Lander bewertet und Ruckschlusse auf den Zusammenhang mit den jeweiligen Roh- stoffen gezogen werden.

Die Arbeit schlieGt mit einer Gegenuberstellung von positiven und negativen Entwick­lungen sowie einem Ausblick ab.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Klassifizierung von Ressourcen

Wird im Zusammenhang dieser Hausarbeit der Begriff Rohstoff oder Ressource ver- wendet, so bedarf es zunachst einer genauen Definition.

Ressourcen lassen sich nach naturlicher, geschaffener oder menschlicher Art unter- scheiden. Naturliche Ressourcen sind hierbei Dinge, die in der Natur ohne Zutun des Menschen an bestimmten Standorten in verwertbarer Form vorkommen. Ferner wird zwischen fossilen und regenerativen Rohstoffen unterschieden: Fossile Energieroh- stoffe sind Vorkommen, die durch naturliche Prozesse unter gewissen klimatischen, biologischen und tektonischen Rahmenbedingungen entstanden sind, in mehr oder weniger groGem Umfang angereichert wurden und deren Entstehungsbedingungen an den bestimmten Standorten gegenwartig nicht mehr gegeben sind (Voppel 1999:135). Entsprechend konnen die Vorkommen nur solange genutzt werden, bis der Vorrat ver- braucht ist. Bekannte fossile Energierohstoffe sind zum Beispiel Erdol, Erdgas, Braun- oder Steinkohle.

Dazu hingegen liegt die Eigenschaft regenerierbarer Ressourcen folglich darin, dass diese Vorkommen dauerhaft nutzbar beziehungsweise wieder anbaubar sind. Beispie- le fur regenerierbare Vorkommen sind zum einen die Solar-, Wind- und Wasserenergie und zum anderen pflanzliche Rohstoffe, wie zum Beispiel Baume, Olsaaten oder auch Nahrungsrohstoffe wie Kaffee oder Kakao (Voppel 1999:135f.).

Geschaffene Ressourcen umfassen Dinge und Umstande, welche vom Menschen geschaffen wurden oder werden. Beispiele hierfur sind Geld, Waren, Bauwerke, Ar- beitsplatze. Ahnlich der regenerierbaren, naturlichen Ressourcen sind diese groGten- teils erneuerbar beziehungsweise wiederbeschaffbar.

Zuletzt versteht man unter menschlichen Ressourcen alle an lebende Menschen gebundenen Umstande. Synonym wird auch der Begriff Humankapital verwendet, wel- cher genau genommen jedoch nur einen Teilaspekt umgreift. Menschliche Ressourcen umfassen angeborene Eigenschaften wie Kraft, Intelligenz oder auch Schonheit. Da diese Art von Ressource stets eine Person als Trager hat, ist die Ausstattung von Or- ten mit menschlichen Ressourcen sehr schnell veranderlich (Ritter 1998:26).

2.2 Indikatoren zur Betrachtung

Um die Entwicklung von Landern der Dritten Welt in Zusammenhang mit Rohstoffvor- kommen vergleichen und bewerten zu konnen, bedarf es einer Auswahl an eindeuti- gen und charakterisierenden Indikatoren. Doch zunachst kurz zuruck zum Begriff Dritte Welt. Nach Leser et al. (2005:166) ist dies im popularwissenschaftlichen Sprachge- brauch die Bezeichnung fur Entwicklungslander, welche auf die Einteilung der Erde in Erste Welt (westliche Welt), Zweite Welt (ostliche Welt beziehungsweise ehemalige sozialistische Staaten) und Dritte Welt (sudliche Welt) zuruckfuhrt. Nun erweist es sich jedoch als problematisch mit dem Begriff Dritte Welt eine Zahl von Entwicklungslan- dern zu meinen, welche sich durch eine strikte Homogenitat auszeichnen. An diesem Punkt ist der Begriff zu ungenau begrenzt und folglich sehr umstritten. Vielmehr ist in diesem Kontext eine Anzahl an heterogenen Landern gemeint, die durch eine unzurei- chende Entfaltung der Produktivkrafte gekennzeichnet ist, unabhangig vom (geringen) Pro-Kopf-Einkommen. Verallgemeinernd weisen diese Lander in Bezug auf wirtschaft- liche, soziale und politische Entwicklung einen relativ niedrigen Stand auf. Dieser Zu- sammenschluss von Staaten entsteht aus vergleichbarer historischer Vergangenheit (zum Beispiel Kolonialismus vgl. Kap. 2.2) sowie gemeinsamen Interessen gegenuber dem „reichen Norden" (Leser et al. 2005:166).

Entwicklungslander werden je nach Organisation nach bestimmten Indikatoren klassi- fiziert: So gliedert die Weltbank Staaten rein okonomisch nach Bruttonationalein- kommen, sprich nach Einkommen pro Kopf pro Jahr, in vier Staffellungen: Low inco­me country (<975$), lower middle income country (976 - 3.855$), upper middle income country (3.856 - 11.905$) und high income country (>11.906$) (The World Bank 2010:Abs.5). Schnell wird deutlich, dass der Entwicklungsstand eines Landes nicht allein anhand des Bruttonationaleinkommens bestimmt werden kann. Die Vereinten Nationen, genauer: das United Nations Development Program (UNDP), hat daher ei- nen Indikator entwickelt, der aus drei ausschlaggebenden Partialindikatoren gewichtet und jahrlich neu berechnet wird. Der Human Development Index (HDI) setzt sich zu- sammen aus:

1. Lebenserwartung bei der Geburt in Jahren
2. Alphabetisierungsrate in %
3. Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in US$

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Weltweite Ubersicht des HDI (Quelle: Menegaz 2007 nach Human Development Report 2007/2008) (grun: high HDI, gelb: medium HDI, rot: low HDI)

Mit dem HDI werden folglich Aussagen zu Gesundheit, Bildungsniveau und Lebens- standard gemacht. Zu beachten gilt, dass alle Punkte jeweils zu 1/3 zahlen, allerdings ist der zweite Punkt nochmals in Alphabetisierungsrate der Erwachsenen und Ge- samteinschulungsrate unterteilt (UNDP 2010a:Abs.1). Nach Berechnung kann ein Land einen Wert zwischen 0 und 1 erreichen, wobei 1 fur den hochsten Entwicklungs- tand steht. Anhand Abbildung 2 werden weltweite Disparitaten hinsichtlich des HDI deutlich.

Wahrend mittels des Bruttonationaleinkommens und des Human Development Index Aussagen zu landesinternen Faktoren und Entwicklungszustanden gemacht werden konnen, fehlt ein Indikator, welcher Bezug zum AuGenhandel vor allem zu Rohstoffex- porten hinsichtlich der Themenstellung nimmt. Die Terms of Trade stellen das Aus- tauschverhaltnis aus dem Index der Exportguterpreise und dem Index der Importgu- terpreise dar. Bei Entwicklungslandern bedeutet dies konkret die reale Austauschrela- tion zwischen den von ihnen exportierten Rohstoffen und den importierten (Industrie-) Gutern. Anders formuliert, geben die Terms of Trade an, wie viele Anteile ein Land fur seine Exporte importieren darf. Verbessert sich die auGenwirtschaftliche Position eines Staates, so steigen die Terms of Trade. Hervorgerufen wird dies sowohl durch eine Preissteigerung der eigenen Exportguter als auch durch eine Preisminderung der Im- portguter. Die Fahigkeit, mit dem gleichen Exportvolumen mehr Guter zu importieren, erhoht sich (Bundeszentrale fur politische Bildung 2009:23).

2.3 Entwicklungstheorien

Um die Grundproblematik in den Entwicklungslandern zu verstehen und um anschlie- Gend Konzepte zur Losung dieser Probleme zu erstellen, mussen zunachst mogliche Ursachen erortert werden. Hier gibt es zwei Theorien, welche versuchen, die Entwick- lung von Landern auf unterschiedliche Weise begrunden: Modernisierungs- und Ab- hangigkeitstheorien.

Entsprechend der Kernaussage der Modernisierungstheorie begrundet sich die Un- terentwicklung eines Landes in gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Ruck- standigkeit. Folglich entwickelt sich ein solcher Status aus internen (endogenen) Fak- toren des Landes heraus, was konkret bedeutet, dass eine durch Traditionalitat her- vorgerufene Blockierung der endogenen Potenziale zu einem Mangel an Entwick- lungsdynamik fuhrt (Gebhardt et al. 2007:799). Endogene Faktoren sind zum Beispiel traditionelle Verhaltensmuster wie mangelnde Innovationsfahigkeit oder auch sozio- kulturelle Strukturen, in denen soziale Aufstiegschancen fehlen (zum Beispiel: indi- sches Kastenwesen). Dadurch sind sie nicht fahig, eigenstandig Ressourcen zu er- schlieGen und vorhandene Fahigkeiten endogen zu entfalten (Scholz 2004:81). Hinzu kommen Faktoren wie Korruption beziehungsweise das Fehlen einer Good Governan­ce (zu deutsch: gute Regierungsfuhrung) oder auch das Befolgen von traditionellen Wirtschafts- und Raumstrukturen, welche eine dynamische Wirtschaftsentwicklung nach dem Vorbild der Industrielander verhindert. Die Folgen sind gravierend und zeichnen sich durch Stagnation, wirtschaftliche Ruckstandigkeit und Massenarmut aus. Theoretisch betrachtet ist im Sinne der Modernisierungstheorie eine Uberwindung der Unterentwicklung durch eine umfassende Modernisierung von traditionellen Wer- ten, Verhaltensweisen und Gesellschaftsstrukturen moglich (Gebhardt et al. 2007:799).

Gegensatzlich steht dieser Theorie die Dependenztheorie oder auch Abhangigkeits- theorie gegenuber. Im Wesentlichen wird die Unterentwicklung der Entwicklungslander als Folge von Abhangigkeiten erklart, wie zum Beispiel durch Kolonialismus oder Im- perialismus. In diesem Fall sind nicht die endogenen Faktoren fur eine Unterentwick­lung maGgebend, sondern externe Faktoren spielen eine entscheidende Rolle. Konkret zeigt sich dies zum Beispiel in Form von Ressourcenabbau in den Entwicklungslan- dern infolge kolonialer Ausbeutungsmechanismen: Das Land ist gekennzeichnet durch disparitäre Raumstrukturen in Form von einer zentralen Hauptstadt beziehungsweise eines kolonialen Brückenkopfs und einer ausgebeuteten ländlichen Peripherie (vgl. Abb.1) (GEBHARDT ET AL. 2007:799, SCHOLZ 2004:81). Ähnlich dieser Verteilung ist auch die Sozial-Struktur gekennzeichnet: Eine kleine Minderheit der Ober- und Mittelschicht ist in den Weltmarkt integriert und genießt Wohlstand, wohingegen der Großteil der Bevölkerung verarmt und desintegriert ist (vgl. Abb.1).

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Rohstoffe der Dritten Welt
Untertitel
Ursache für die Ausbeutung oder auch Chance für eine weitere Entwicklung
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Geographisches Institut)
Note
1,3
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V152870
ISBN (eBook)
9783640648337
ISBN (Buch)
9783640648009
Dateigröße
2111 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rohstoffe, Dritte Welt, Entwicklungsland, Entwicklungsländer, Ausbeutung, Fluch, Segen, Fluch und Segen
Arbeit zitieren
Anonym, 2010, Rohstoffe der Dritten Welt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152870

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