Erfolgsparameter bei Neuverfilmungen

Analyse und exemplarische Darstellung anhand einer erfolgreichen und einer nicht-erfolgreichen Neuverfilmung


Bachelorarbeit, 2010
73 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Thema, Relevanz und Zielsetzung
1.2. Struktur und Vorgehensweise

2. Basisverständnis
2.1. Begriffsdefinition Erfolg
2.2. Begriffsdefinition Erfolgsparameter
2.3. Abgrenzung Neuverfilmung
2.4. Produkt „Film“
2.4.1. Status Quo des Filmmarktes
2.4.2. Finanzierung
2.4.3. Filmerfolgsprognosen
2.4.4. Filmverwertung
2.4.5.1. Box Office
2.4.5.2. Home-Entertainment
2.4.5.3. Zukunftsmarkt Internet Distribution
2.4.6. Lebenszyklus
2.4.7. Zielgruppe
2.5. Neuverfilmungen
2.5.1. Entwicklung von Neuverfilmungen
2.5.2. Neuverfilmung made in Hollywood

3. Erfolgsparameter
3.1. Filmspezifischer Erfolgsparameter
3.1.1. Drehbuch
3.1.2. Genre
3.1.3. Personal
3.1.3.1. Produzent
3.1.3.2. Regisseur
3.1.3.3. Stars
3.1.4. Symbolkraft des Originals
3.1.5. Ästhetische Umsetzung
3.1.5.1. Visuelle Gestaltungsmittel
3.1.5.2. Auditive Gestaltungsmittel
3.1.6. Stereotypen und Filmklischees
3.1.7. Mythen
3.1.8. Mainstream vs. Arthouse
3.2. Studioabhängige Erfolgsparameter
3.2.1. Produktionsbudget
3.2.2. Filmmarketing
3.2.3. Releasezeitpunkt
3.2.4. Kopienanzahl
3.3. Gesellschaftliche Erfolgsparameter
3.3.1. Altersfreigabe
3.3.2. Filmkritiken
3.3.3. Auszeichnungen
3.3.4. Mundpropaganda

4. Analyse anhand einer erfolgreichen und einer nicht erfolgreichen Neuverfilmung
4.1. Erfolgreiche Neuverfilmung
4.2. Nicht erfolgreiche Neuverfilmung

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 2.1: Anzahl Filmproduktionen nach Weltregionen

Abb. 2.2: Filminvestition nach Weltregionen in Mio. USD

Abb. 2.3: Anteile der Major Studios am nord-amerikanischen Markt in 2009

Abb. 2.4: Filmverwertung „Früher“ und „Heute“

Abb. 2.5: Entwicklung der Filmverwertung durch Umsatzanteile in %

Abb. 2.6: Einnahmen im Home-Entertainment-Bereich in Mrd. USD

Abb. 2.7: Veränderung im Windowing

Abb. 2.8: Altersstruktur des deutschen Kinopublikums in % 1999 und 2008

Abb. 3.2: Aktuelle Stars im Filmgeschäft

Abb. 3.3: Sources of Awareness - Altersgruppen in %

Abb. 3.4: DVD-Veröffentlichungen zur Weihnachtszeit

Abb. 3.5: Zeitabstand von US- und deutschem Kinostart und Erfolgskorrelation

Abb. 3.6: Sources of Awareness 2008 in %

Abb. 4.1: Cape Fear (1980)

Abb. 4.2: Cape Fear (1991)

Abb. 4.3: Gloria (1980)

Abb. 4.4: Gloria (1999)

Tabellenverzeichnis

Tab. 2.1: Top 10 Spielfilme der weltweiten Bruttoeinnahmen 2005

Tab. 2.2: Arten der Filmfinanzierung

Tab. 2.3: Einnahmenstärkste Filmquellen von 1995 bis 2015

Tab. 3.1: Einnahmenstärkste Genre von 1995 bis 2015

1. Einleitung

Filme begeistern weltweit die Menschen und ziehen sie in ihren Bann. Besonders die Traumwerkstatt Hollywoods hat einen speziellen Reiz, da dort die erfolgreichsten Filme der Welt entstehen.

Jährlich erscheinen weltweit ca. 5.000 neue Filme,[1] einige davon sind Neuverfilmungen, die zu den erfolgreichsten Filmquellen zählen.[2] Die Filmproduktionen werden immer kostensintensiver und der Erfolg ist mit hohen Risiken verbunden,[3] da nur noch jeder zehnte deutsche und jeder dritte amerikanische Film am Ende seiner Laufzeit zu einem monetären Gewinn führt.[4]

1.1. Thema, Relevanz und Zielsetzung

Neuverfilmungen sind seit Existenz des Films üblich und werden aus unterschiedlichen, „besonders häufig jedoch kommerziellen Gründen gedreht.“[5] Generell werden Neuverfilmungen von erfolgreichen Originalen als risikoärmer eingestuft, dennoch gibt es dafür keine Garantie.

Daher ist es wichtig, vorher die Erfolgschancen eines Films zu analysieren und anhand bestimmter Erfolgsparameter zu steigern.

In der Literatur wurden bereits einzelne Faktoren wie die Bedeutung von Stars für Kinofilme, Wirkung von Auszeichnungen auf den weiteren Filmerfolg oder der Einfluss von Filmmarketing untersucht. Allerdings fehlen oft konkrete Handlungsanweisungen für Filmproduktion und Vermarktung im Allgemeinen sowie Analysen zu Erfolgsparametern für Neuverfilmungen im Speziellen.

Ziel dieser Arbeit ist es herauszufinden, durch welche Parameter die Erfolgschancen einer Neuverfilmung erhöht werden können und welche Bedingungen erfüllt werden müssen um einen Erfolg planen zu können.

Diese Arbeit wird zwar keine Patentrezept geben könne, allerdings eine gewisse Planbarkeit für den Erfolg von Neuverfilmungen auf Grund von Analyse und Überprüfung der verschiedenen Parametern, die eine Neuverfilmung direkt oder indirekt beeinflussen.

1.2. Struktur und Vorgehensweise

Die Erfolgsparameter bilden das Grundgerüst dieser Arbeit, die durch ausführliche Recherche aufgestellt werden und im Anschluss in einer Analyse auf deren Einfluss belegt werden sollen.

Zunächst werden im Basisteil die begrifflichen Grundlagen zu Erfolgsparametern unter Berücksichtigung der formulierten Zielsetzung definiert und anschließend die bewertungsrelevanten Besonderheiten der Branchen aufgezeigt.

Auf Basis der theoretischen Grundlagen sowie gewonnenen Erkenntnissen aus beruflicher Praxis und Gesprächen mit Filmschaffenden wird im Hauptteil ein Katalog von Erfolgsparametern aufgestellt. Dieser Katalog modifiziert die Faktoren, die bei einer Neuverfilmung berücksichtigt werden müssen und erfolgskritisch sind.

Im darauf folgenden Analyseteil werden die Erfolgsparameter auf deren Einfluss an einer erfolgreichen und einer nicht erfolgreichen Neuverfilmung untersucht. Die Auswahl der Neuverfilmungen erfolgte zunächst nach rein wirtschaftlichen Kennzahlen aus einer Liste[6] von amerikanischen Neuverfilmungen. Kriterium war, dass die erfolgreiche Neuverfilmung mindestens fünf Mal mehr Einnahmen als Kosten erzielte und die nicht erfolgreiche Neuverfilmung einen Verlust generierte. Weitere Kriterien waren ein geringerer Zeitabstand als zehn Jahre zwischen Veröffentlichung der Neuverfilmungen sowie eine gewisse Chancen- gleichheit der beiden Neuverfilmungen.

Die Ergebnisse aus Haupt- und Analyseteil werden abschließend im Fazit zusammengefasst um eine Empfehlung für das Management von Filmproduktionen geben zu können.

2. Basisverständnis

2.1. Begriffsdefinition Erfolg

Der Erfolg eines Film kann sich in vielfältiger Weise ausdrücken: Durch große Beliebtheit beim Publikum, durch den Erhalt von Auszeichnungen oder durch gute Einspielergebnisse an den Kinokassen.

Der Begriff Erfolg definiert in dieser Arbeit den wirtschaftlichen Erfolg, der durch das zahlende Publikum über die verschiedenen Verwertungsstufen hinweg generiert wird. Der wirtschaftliche Erfolg berechnet sich aus Erlös minus Kosten.

2.2. Begriffsdefinition Erfolgsparameter

Der Begriff Erfolgsparameter, wie er in dieser Arbeit erscheint, definiert eine Einflussgröße, die auf den Erfolg eines Films einwirkt. Also ist ein Erfolgsparameter eine gewisse Größe, durch die die Qualität und somit die Erfolgschancen eines Films charakterisiert wird. Erfolgsparameter des Mediums Film sind bspw. Schauspieler, Produktionsbudget oder Auszeichnungen.

2.3. Abgrenzung Neuverfilmung

Ein Neuverfilmung „bezeichnet einen Film, der auf einem bereits veröffentlichten Film oder einer zuvor schon verfilmten Vorlage basiert“[7] und somit in vielfältigen Erscheinungen und Strukturen auf Aussagen des „Originalen“ selbst verweist.[8] Seit Bestehen des Films sind Neuverfilmungen üblich und jedes Jahr geht eine Vielzahl von ihnen in Produktion. Sie werden aus unterschiedlichen, „besonders häufig jedoch kommerziellen Gründen gedreht.“[9] Dies zeigt sich auch in der geläufigen Aussage: “Let’s try it again, maybe lightning will strike twice.”[10]

Abzugrenzen von den Neuverfilmung sind die so genannten „non-remakes“. Diese haben aus kommerziellen Gründen den gleichen Titel wie das Original, geben allerdings einen komplett neuen Plot wieder.

Des Weiteren sind historische und biographische Neuverfilmungen, die auf den gleichen Ereignissen oder Personen basieren, abzugrenzen.

„non-remakes“, historische und biographische Neuverfilmungen finden in dieser Arbeit keine Betrachtung.

2.4. Produkt „Film“

Die Filmbranche ist ein Teilsegment der Unterhaltungsindustrie. Mit dem Kinofilm als zentralem Leistungskern unterteilt sie sich in drei zentrale Marktsegmente: Filmproduktion, Filmverleih und Filmverwertung.

2.4.1. Status Quo des Filmmarktes

International wurden im Jahr 2005 4.603 Spielfilme produziert, dies entspricht ca. 8% mehr als im Vorjahr und überschreitet somit die Höchstmarke von 1990 mit 4.564 Filmen. Das Wachstum macht sich vor allem durch die zunehmende Filmproduktion in der EU bemerkbar. So waren es 1996 noch 645 Filme und 2002 bereits 1.041 Filme.[11]

„Südamerika erlebt derzeit eine Art Produktionsboom in der Filmindustrie“[12] und erreichte 2005 ein neues Hoch von 283 Filmen.[13]

In Nord-Amerika sind für den Zuwachs hauptsächlich unabhängige Produzenten aus den USA verantwortlich. In Asien ist der Zuwachs größtenteils auf die Hauptregionen Indien und China zurückzuführen.[14]

Lediglich die Regionen in Afrika und der Mittleren Osten verzeichnen eine leichte Abnahme an Filmproduktionen.[15]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.1: Anzahl Filmproduktionen nach Weltregionen[16]

Weltweit in den Jahren von 2001 bis 2005 stiegen die Produktionskosten jährlich um durchschnittlich 11% an. In Europa bspw. erhöhten sich die Kosten von 2001 (2,905.2 Mio. USD) auf fast das Doppelte (5,110.2 Mio. USD) im Jahr 2005.[17] Vor allem die Produktionskosten von Blockbustern[18] der Branchenriesen nehmen stetig zu.[19] Hauptursachen hierfür sind die anschwellenden Marketingkosten und die immer höher werdenden Gagen der Hollywoodstars.

Durchschnittlich fallen einem Produktionsstudio je Blockbuster 100 Mio. USD Kosten an, sowie einem großen Verleiher jährlich geschätzte 40-50 Mio. USD. Europäische Filme benötigen dagegen nur etwa ein Zehntel dieser Produktionskosten.[20]

Jüngst hat der Film Avatar mit den höchsten Produktionskosten aller Zeiten in Höhe von spekulativ 230-500 Mio. USD Geschichte geschrieben. Erwartungsgemäß führt die USA mit dem höchsten durchschnittlichen Produktionsbudget mit 13,945 Mio. USD,[21] gefolgt von Großbritannien (8,4 Mio. USD), Deutschland (8,2 Mio. USD) und Frankreich (6,7 Mio. USD).[22]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.2: Filminvestition nach Weltregionen in Mio. USD[23]

Die hohen Produktionskosten von nord-amerikanischen Spielfilmen spiegeln sich jedoch in den Einnahmen wieder. 2005 entfielen 25% der weltweiten

Bruttoeinnahmen an den Kinokassen auf lediglich zehn US-Blockbuster. Dies entspricht bei 4.603 produzierten Spielfilmen weltweit einem Anteil von 0,2%.[24]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2.1: Top 10 Spielfilme der weltweiten Bruttoeinnahmen 2005[25]

Die Top 10 Spielfilme erspielten zusammen 41,9% auf dem US-amerikanischen Markt und somit 58,1% auf dem internationalen Markt.[26]

Insgesamt nahmen US-Filme ca. 9 Mrd. USD auf dem europäischen Markt ein. Nur ein Zehntel (827 Mio. USD) davon konnten Filme aus der EU durch Exporteinnahmen in den USA erzielen.[27]

Dies verdeutlicht die Bedeutung ausländischer Märkte für die US-Majors sowie deren Stellung auf internationaler Ebene. Obwohl sie nur eine relativ geringe Anzahl von Filmen pro Jahr produzieren, belaufen sich die Einnahmen, die durch integrierte Vertriebsmechanismen fließen, auf mehrere zehn Milliarden USD und halten zusammen 86,5% des nord-amerikanischen Marktes.[28]

Warner Bros. Pictures 20th Century Fox Paramount Pictures Columbia Pictures Walt Disney Pictures Universal Studio Andere

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.3: Anteile der Major Studios am nord-amerikanischen Markt in 2009[29]

Der europäische Filmmarkt ist weniger von einer vertikalen Integration geprägt wie der US-amerikanische Markt. Der größte Anteil sind kleine oder mittelständige Produktionsfirmen, welche häufig nur einen Film pro Jahr produzieren. Die fünf führenden Länder in Europa sind Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien.[30]

2.4.2. Finanzierung

Um einen Film produzieren zu können, müssen die Finanzierungskosten, die Posten wie Rechte, Gagen, Ausstattung, Technik, Filmmaterial, Endfertigung, Versicherungen oder Producers Fee beinhalten, inkl. der indirekten Kosten beinhaltet und abgedeckt sein.[31]

Folgende Abbildung verdeutlicht die unterschiedlichen Quellen, die grundsätzlich zur Mittelbeschaffung zur Verfügung stehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2.2: Arten der Filmfinanzierung[32]

Die gebräuchlichsten Formen sind Beteiligungsfinanzierungen oder Mischformen. Auf diese Art können die Investitionssumme und das Investitionsrisiko auf verschiedene Kapitalgeber allokiert werden. Bei einer Mischform kann sich die Finanzierung beispielsweise aus Geldern von Förderprogrammen, Vergabe von Verleihgarantien und TV-Lizenzen sowie dem Eigenkapital des Produzenten und den Beteiligung von Investoren zusammensetzen.[33]

Während in Europa die meisten Kinofilmproduktionen auf Filmförderung angewiesen sind, werden in den USA diese durch Eigenfinanzierung umgesetzt. Das ist nur möglich, da die US-Majors sowohl über ein weitentwickeltes Vermarktungs- und Vertriebssystem als auch über große Werbebudgets verfügen.[34]

2.4.3. Filmerfolgsprognosen

“I know it when I see it”[35] ist manchmal die Aussage von Produzenten über den vorhersehbaren Erfolg eines Films. Selbstverständlich ist es leichter zu verstehen, ob ein Film wirtschaftlich erfolgreich ist, nachdem er ein Hit geworden ist. Allerdings nutzt diese Aussage bei anstehender Investitionsentscheidung über Produktionsbudgets in Höhe von Kreditgeber sich nicht auf die Eingebung eines Verantwortlichen verlassen wollen.[36]

Jeder hat seine Vorstellung darüber was erfolgreich sein könnte: Die richtigen Schauspieler, das passende Thema, ein Trend, ein erfolgreicher Roman oder eine Fortsetzung. Jedoch gibt es hierfür keine Garantie und daher bieten Dienstleister professionelle Filmerfolgsprognosen an.

Diese richten sich an Kapitalgeber, Produzenten oder Verleiher und bieten vor Drehbeginn qualifizierte Aussagen über den späteren Erfolg an. Bestenfalls kann am Ende einer solchen Analyse nicht nur eine Vorschau über mögliche Zuschauerzahlen und Erlöspotenziale gegeben werden, sondern auch ein Optimierungsvorschlag zur Steigerung der potenziellen Zuschauer.[37]

Jedoch können Filmerfolgsprognosen keine 100%ige Garantie geben und so „bewiesen“ sie, dass niemand Star Wars sehen würde, dass E.T. nur einen kleinen Anreiz hätte oder dass für Crocodile Dundee keine Hoffnung auf Anklang beim amerikanischen Publikum bestehen würde.[38]

2.4.4. Filmverwertung

Die Wertschöpfungskette kann in vier voneinander zeitliche hintereinander gestaffelte Produktionsstufen eingeteilt werden: Pre-Production, Produktion, Post-Production und Distribution inkl. Verwertung.

Im letzten Teil der Wertschöpfungskette befindet sich nach Pre-Production, Produktion und Post-Production die Filmverwertung.[39] Ein Spielfilm durchläuft in der Filmverwertung verschiedene zeitlich sequentiell angeordnete Verwertungssprozesse, auch Windowing genannt.

Durch die sequentielle Verwertung über verschiedene Zeiträume und Medien ist es dem Produzenten möglich, „die unterschiedliche Zahlungsbereitschaft von Konsumenten (...) abzuschöpfen.“[40]

Somit kann je nach Aktualität für dasselbe Produkt ein niedrigerer Preis mit jedem weiterem Verwertungsschritt angeboten werden.[41]

Daraus resultiert jedoch eine Substituierbarkeit und die Produzenten sind gefordert, „den gewinnmaximalen Zeitpunkt des Übergangs“[42] von einer Stufe zur nächsten festzulegen.

In der Vergangenheit konnte die Filmverwertung in Kino, Pay-TV, Video und Free-TV unterteilt werden. Durch technologische Entwicklung entstanden neue Möglichkeiten, „die Angebote auf verschiedene mediale Plattformen zu verteilen.“[43] Dadurch erweiterte sich die Wertschöpfungskette und die Verwertungsfenster wurden kürzer.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.4: Filmverwertung „Früher“ und „Heute“[44]

Heute wird ein Film längst nicht mehr nur durch das zahlende Kinopublikum refinanziert.[45] Durch Einzug der Digitalisierung und Entwicklung des HomeEntertainment-Marktes übertreffen die Einnahmen aus Verleih und Verkauf die der Kinokassen.[46] Aber auch der Zukunftsmarkt, der direkten Distribution des Films über das Internet versprechen hohe Umsätze.[47]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.5: Entwicklung der Filmverwertung durch Umsatzanteile in %[48]

2.4.5.1. Box Office

Ursprünglich bezeichnet der Begriff Box Office den Kartenschalter am Eingang eines Filmtheaters. Mittlerweile steht der Begriff für die Einnahmen, die ein Film während seiner gesamten Spielzeit im Kino erwirtschaftet.

Zunächst ist bei Veröffentlichung eines Films das Ziel am Startwochenende die kritische Masse an Kinobesucher zu erreichen. Dies beeinflusst die weitere Spielzeit im Kino sowie die sekundäre Verwertung und gilt als Indiz für einen Blockbusterstatus.

Der Film The Dark Knight erzielte bspw. mit 158,4 Mio. USD die höchsten Einnahmen an einem Startwochenende, gefolgt von Spider-Man 3 (151,1 Mio. USD) und The Twilight Saga: New Moon (142,8 Mio. USD).[49]

2.4.5.2. Home-Entertainment

Der Home-Entertainment-Bereich ist aufgeteilt in den Verkauf und den Verleih von Spielfilmen für den Filmkonsum Zuhause. Hierbei dominiert vor allem die DVD, die allerdings bald Konkurrenz von High-Definition Discs (HD-DVD und Blu-Ray) bekommt. Videokassetten hingegen spielen nur noch eine unwesentliche Rolle.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.6: Einnahmen im Home-Entertainment-Bereich in Mrd. USD[50]

2.4.5.3. Zukunftsmarkt Internet Distribution

Treffend wird „das Internet als dritte industrielle Revolution“[51] bezeichnet. Das Internet wird „zum weltumspannenden Megastore“[52] und ist Marktplatz für Werbung und Verkauf zugleich. Filme, die im Internet beworben werden, können direkt per Mausklick über Video-on-Demand oder über Online-Anbieter, die Filme als Download oder sogar per Postversand anbieten, bezogen werden.[53] Der Rezipient kann so bequem zu jeder Zeit von Zuhause aus auf eine „Digitale Videothek“ zugreifen und den gewünschten Film anschauen. Der Gang zur Videothek wird überflüssig. Der daraus resultierende Umsatzrückgang der Videotheken, wird sich in den nächsten Jahren weiter fortsetzen. iTunes (Apple) ist mit 50.000 Downloads täglich der führende Anbieter für Film- und TV-Serien Downloads im Internet.[54] Nur fünf Monate nach Verkaufsstart wurden bereits mehr als 1,3 Mio. Filme verkauft.[55]

Auch in Europa wird der Markt der Filmdownloadportale zukünftig mit einem prognostiziertem Marktvolumen von 690 Mio. Euro in 2010 eine wichtige Rolle spielen.[56]

Wichtigste Konkurrenten der Filmdownloadportale sind online-orientierte Anbieter mit differenziertem Geschäftsmodell wie zum Beispiel Netflix.

Über Netflix können sich die über 10 Mio. registrierten Abonnement-Kunden[57] ihren gewünschten Film aus einem Online-Katalog, der ca. 100.000 Titel umfasst, auswählen und bekommen ihn am nächsten Werktag per Post zugestellt. Netflix-Kunden können sich beliebig viele DVDs im Monat ausleihen oder per Stream anschauen. Die Abo-Gebühren richten sich danach, wie viel DVDs man gleichzeitig ausleihen kann. Ein durchschnittliches Abo mit drei DVDs gleichzeitig kostet bspw. 16,99 USD. Täglich stellt Netflix durchschnittlich 1,9 Mio. DVDs an seine Kunden zu und erwirtschaftete 2008 Einnahmen in Höhe von 1,36 Mrd. USD.[58]

Dieses Modell versuchen Unternehmen, wie z. B. Video Buster in Deutschland nachzuahmen.[59]

2.4.6. Lebenszyklus

Der Lebenszyklus eines Films hat sich in der Vergangenheit stark verändert und tendiert zu einer kürzeren Lebensdauer. Hauptgrund dafür ist die Filmpiraterie, denn viele Filme sind nur kurz nach oder sogar noch vor Veröffentlichung online verfügbar.[60] Schätzungsweise 20 Mio. Filme werden jährlich illegal nur in Deutschland heruntergeladen.[61] „Damit nicht zu viel Verkaufspotential für den Film verloren geht, werden (...) Verwertungsfenster immer öfter verkürzt.“[62]

In Deutschland allerdings wird das durch Sperrfristen verhindert, die Filmemacher Virgil Widrich jedoch für „antiquiert“ hält: „Raubkopien können dadurch besonders reüssieren, weil die Filme vielerorts sonst nicht erhältlich sind.”[63] Auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann wies auf die Notwendigkeit einer Verkürzung der Sperrfristen hin: „Die bestehenden Auswertungsfenster stimmen (..) nicht mehr mit den tatsächlichen Gegebenheiten der Verwertung überein.“[64]

Letztlich zeigten sich die Filmförderungen variabel und erließen im Januar 2009 eine Sperrfristenverkürzung im deutschen Filmförderungsgesetz. Dadurch verkürzte sich das Fenster zwischen Kino und VoD von 12 auf 6 Monate, Kino und Pay-TV von 18 auf 12 Monate sowie Kino und Free-TV von 24 auf 18 Monate.[65]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.7: Veränderung im Windowing[66]

2.4.7. Zielgruppe

„Filme werden nicht um ihrer selbst Willen, sondern für ein Publikum produziert,“[67] denn dort wird das Geld verdient.

Hinter der anonymen Masse des Kinopublikums[68] stecken 54% Frauen und 46% Männer. Es zeigt sich eine leichte Tendenz zu mehr weiblichen Kinobesuchern, da die männliche Besucheranzahl jährlich seit 2005 um 1% sinkt.[69] Obwohl die Besucherzahlen der Twens jährlich abnehmen, stellten 2008 die 20 bis 29 Jährigen mit 27%“[70], gegenüber 1999 mit 40%, „den größten Besucheranteil.[71] Zusammen mit den 10 bis 19 Jährigen bilden diese zwei Altersgruppen die Hälfte aller Kinobesucher. Die restlichen 50% verteilen sich auf die Altersgruppen der 30 bis 60+ Jährigen.[72]

Allgemein werden die Altersgruppen ab 40 Jahren immer kinoaffiner und es verzeichnet sich eine Zunahme. So löste die Altersgruppe der Best Ager (50 bis 59 Jahre) 48% mehr Tickets als 1999; die Generation 60+ sogar 164% mehr Tickets.[73]

Die Zunahme der älteren Altersgruppen erklärt sich durch den demographischen Wandel; 2015 wird über 50% der Bevölkerung älter als 40 Jahre sein.[74]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2.8: Altersstruktur des deutschen Kinopublikums in % 1999 und 2008[75]

2.5. Neuverfilmungen

Neuverfilmungen gehören zu den erfolgreichsten Quellen von Filmen.

Unter den Quellen der umsatzstärksten Filme von 1995 bis 2010 befindet sich die Neuverfilmung auf Platz 4 von 20, obwohl sie mit nur 186 Filmen im Mittelfeld liegt. Auffällig ist, dass die durchschnittlichen Einnahmen von Neuverfilmungen, die der Plätze 1 und 2 sogar übertreffen und somit für überdurchschnittlich hohe Einnahmen sorgen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2.3: Einnahmenstärkste Filmquellen von 1995 bis 2015[76]

2.5.1. Entwicklung von Neuverfilmungen

Zu Beginn entwickelten sich die Neuverfilmungen unter dem Produktionsdruck der US-Filmstudios während der 30iger Jahre. Die Studios mussten eine gewisse Anzahl an Filmen auf den Markt bringen. Hatten sie keine neuen Ideen, kehrten sie zu erfolgreichen Filmen zurück und machten daraus eine Neuverfilmung. Hauptsächlich sind jedoch technische Fortschritte die Treibkräfte für Neuverfilmungen. Durch die fortschreitende Entwicklung der Technik werden Filmproduktionen und Kinovorführungen in ihrer Ton- und Bildqualität besser. Eine neue Technik war Grund genug, um die Vintage-Story eines Klassikers auf neue Produktions- oder Projektionstechnicken zu adaptieren, die seit dem Original erfunden wurden.

Dieses zeigte sich durch einzelne Wellen von Neuverfilmungen als sich der Tonfilm oder der Farbfilm etabliert hatte. Nach Erfindung des Tonfilms wurden einige der besten Stummfilme neuverfilmt. Das gleiche Prozedere folgte als der Farbfilm erfunden wurde.

Eine weitere Entwicklung sind Spezialeffekte, die vor allem in den letzten Jahren durch die Computertechnik verbessert wurden. Unrealistisch wirkende Klassiker wie Godzilla werden mit Hilfe von computergenerierten Spezialeffekte neuverfilmt.

Aktuell, während die Digitalisierung Einzug hält, werden einige Filme neuverfilmt und „so lesen sich die Produktionspläne der großen und kleinen Hollywoodstudios beinahe wie ein einziges Déjà-vu.“[77]

Vor allem die Filme der 80iger Jahre, die unter dem Stern der Teenhorrorfilme standen, werden in 2010 wiederbelebt. „Mit A Nightmare on Elm Street erschuf Wes Craven einen Klassiker, Hauptdarsteller Robert Englunds avancierte zum Kultstar.“[78] 2010 erscheint die Neuverfilmung dieses Klassikers in den Kinos. Und auch Chucky - Die M ö rderpuppe kommt als Neuverfilmung ins Kino.[79] Neben dem technischen Fortschritt haben Produzenten häufig jedoch finanzielle Beweggründe für eine Neuverfilmung. Diese sind begleitet mit der Hoffnung, dass eine Neuverfilmung eines erfolgreichen Films ebenso erfolgreich sein wird und somit die Produktion weniger Risiko trägt. Aber auch ein unerfolgreicher Film hat eine Chance neuverfilmt zu werden, wenn der Produzent glaubt, dass die Story eines Films immer noch relevant ist und das Potenzial hat ein „big money- maker“ zu werden.

[...]


[1] vgl. SCREEN DIGEST (2006) S.205f sowie Hancock (1998) S.2

[2] vgl. The Numbers (2010a)

[3] vgl. Henning-Thurau (2003) S.368

[4] vgl. Marchand (2007)

[5] siehe Wikipedia (2010a)

[6] vgl. The Numbers (2010d)

[7] siehe Wikipedia (2010a)

[8] vgl. Borstnar (2008) S.94

[9] siehe Wikipedia (2010a)

[10] siehe Milberg (1990) S.1

[11] vgl. SCREEN DIGEST (2006) S.205f sowie Han98 S.2

[12] siehe Han98 S.2

[13] vgl. SCREEN DIGEST (2006) S.207

[14] vgl. SCREEN DIGEST (2006) S.205

[15] vgl. SCREEN DIGEST (2006) S.205

[16] vgl. SCREEN DIGEST (2006) S.206f

[17] vgl. SCREEN DIGEST (2006) S.208

[18] Die Bezeichnung Blockbuster wird nur für Spielfilme verwendet, die in den USA mehr als 100 Mio. USD an den Kinokassen eingespielt haben.

[19] vgl. Han98 S.42

[20] vgl. Scr05 S.206 und S.208

[21] Lediglich New Zealand übersteigt mit 57,8 Mio. USD durchschnittliches Produktionsbudget das der USA. Allerdings fällt dies aufgrund von nur fünf produzierten Filmen aus der Betrachtung heraus.

[22] vgl. SCREEN DIGEST (2006) S.209

[23] vgl. SCREEN DIGEST (2006) S.208

[24] vgl. SCREEN DIGEST (2006) S.210

[25] vgl. SCREEN DIGEST (2006) S.210

[26] vgl. SCREEN DIGEST (2006) S.210

[27] vgl. EUROPÄISCHE AUDIOVISUELLE INFORMATIONSSTELLE (2002)

[28] vgl. Wikipedia (2010b)

[29] vgl. Wikipedia (2010b)

[30] vgl. SCREEN DIGEST (2006) S.205

[31] vgl. Prof. Dr. Baum (2007)

[32] vgl. Wikipedia (2010d) sowie Prof. Dr. Baum (2007)

[33] vgl. Prof. Dr. Baum (2007)

[34] vgl. Wikipedia (2010d)

[35] siehe Seger (1994) S.131

[36] vgl. Henning-Thurau (2003) S.368

[37] vgl. Goldmedia (2010)

[38] vgl. Seger (1994) S.131

[39] vgl. Lütke (2006) S.35

[40] siehe Henning-Thurau (2003) S.370

[41] vgl. Henning-Thurau (2003) S.370

[42] siehe Henning-Thurau (2003) S.370

[43] siehe Mikos (2003) S.321

[44] in Anlehnung an Prof. Dr. Wössner (2007) S.103

[45] vgl. Henning-Thurau (2003) S.368

[46] vgl. Henning-Thurau (2003) S.368

[47] vgl. Wirtz (2005) S.266

[48] siehe Wirtz (2005) S.266 *Prognose **beinhaltet außerdem Mobile und Merchandising

[49] vgl. Box Office Mojo (2010a) (Einnahmen resultieren nur aus dem nord-amerikanischen Markt.)

[50] vgl. Prof. Dr. Wössner (2007) S.105

[51] siehe Ramonet (2002) S.15

[52] siehe Ramonet (2002) S.18

[53] vgl. Pricewaterhouse Coopers (2006) S.16

[54] vgl. Sören (2010)

[55] vgl. Wikipedia (2010e)

[56] vgl. Goldmedia (2006)

[57] vgl. Marché du Film (2009) S.8

[58] vgl. Wikipedia (2010c)

[59] vgl. Videobuster (2010)

[60] vgl. Digital Film Distribution.com (2010)

[61] vgl. Pricewaterhouse Coopers (2006) S.21

[62] siehe Digital Film Distribution.com (2010)

[63] siehe Futurezone (2008)

[64] siehe Bundesregierung Online (2010)

[65] vgl. Bundesrecht (2010)

[66] siehe Popp (2008) S.459

[67] siehe Borstnar (2008) S.17

[68] Daten beziehen sich auf das deutsche Kinopublikum im Jahr 2008.

[69] vgl. FFA (2009) S.15

[70] siehe FFA09 S.33

[71] siehe FFA (2009) S.33

[72] vgl. FFA (2009) S.16

[73] vgl. FFA (2009) S.33

[74] vgl. Pricewaterhouse Coopers (2006) S.22

[75] vgl. FFA (2009) S.16

[76] vgl. The Numbers (2010a)

[77] siehe Rheinpfalz (2009)

[78] siehe Rheinpfalz (2009)

[79] vgl. Rheinpfalz (2009)

Ende der Leseprobe aus 73 Seiten

Details

Titel
Erfolgsparameter bei Neuverfilmungen
Untertitel
Analyse und exemplarische Darstellung anhand einer erfolgreichen und einer nicht-erfolgreichen Neuverfilmung
Hochschule
Mediadesign Hochschule für Design und Informatik GmbH Berlin
Note
3,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
73
Katalognummer
V153029
ISBN (eBook)
9783640885343
ISBN (Buch)
9783640885329
Dateigröße
4935 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Film, Neuverfilmung, Erfolg, Parameter, Filmmarkt, Filmfinanzierung, Filmerfolgsprognose, Filmverwertung, Box Office, Home-Entertainment, Internet Distribution, Hollywood, Drehbuch, Genre, Produzent, Regisseur, Star, Gestaltung, Stereotypen, Klischee, Mythen, Mainstream, Arthouse, Produktionsbudget, Filmmarketing, Budget, Marketing, Release, Kopien, Altersfreigabe, Filmkritik, Auszeichnung, Oscar, Mundpropaganda
Arbeit zitieren
Isabella Fischer (Autor), 2010, Erfolgsparameter bei Neuverfilmungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153029

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