Verschleiert der Westen die Stellung der Frau im Islam ?


Seminararbeit, 2007
18 Seiten, Note: 1,0
M.A. P. Joos (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Kurzer Einblick: Islam

3.Die Frau im Islam
3.1.Religiöse Stellung der Frau
3.2.Rechtliche Stellung der Frau
3.3.Kulturelle Stellung der Frau

4.Die Verschleierung in den Religionen

5.Die Frau im Islam- aus Sicht einer konvertierten Frau
5.1.Die Frau und ihre geistige Stellung
5.2.Die Frau und ihre intellektuelle Stellung
5.3.Die Beziehung zwischen den Geschlechtern
5.4.Rechte und Pflichten
5.5.Heirat im Islam
5.7.Die Scheidung
5.8.Die Frau und ihre Rolle als Mutter

6.Geschlecht und Gesellschaft
6.1.Kleidung der Frau und Mehrehe
6.2.Zusammenfassung der Stellung der Frau

7.Lebensaufgabe der Frau
7.1.Realität der vorislamischen arabischen Welt

8.Schlussteil

9.Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Inwieweit weiß der Westen über die tatsächliche Stellung der Frau im Islam Bescheid?

Warum wird immer wieder der Schleier in Verbindung mit dem Terrorismus gebracht? Wo befinden sich Gemeinsamkeiten der beiden Religionen- dem Christentum und dem Islam? Verschleiert der Westen die tatsächliche Realität des Islams? Wie sieht die islamische Haltung gegenüber der Frau aus beziehungsweise haben Frauen durch den Schleier tatsächlich keine eigene Identität und persönliche Rechte, sowie es der Westen immer wieder darstellt? Ist das Leben im Islam tatsächlich nicht fortschrittlich sondern rückständig, oder wird es nur durch den Westen so dargestellt? Was für eine Stellung nimmt die Frau laut Koran ein und wie sieht das Christentum die Frau hinsichtlich ihrer Aufgabe und der Beziehung zum Manne. Obwohl dieses spannende und immer wichtiger werdende Thema sehr allumfassend ist, werde ich dennoch den Versuch unternehmen, möglichst einen großen Einblick in diese, der westlichen Kultur völlig fremden Welt geben zu können, um dadurch vorliegende Vorurteile und Missverständnisse aus der Welt zu schaffen.

2.Kurzer Einblick: Islam

Um die Stellung der Frau im Islam verständlicher darstellen zu können, ist folgender Überblick hilfreich. Circa 20% der Weltbevölkerung gehören der im 7. Jahrhundert durch den Propheten Muhammad gegründeten monotheistischen Offenbarungs- und Weltreligion an. Durch die Entstehung des „islamischen „Fundamentalismus““, der Furcht des Westens, der großen Anzahl an lebenden Muslimen im Westen sowie der Terroranschläge des 11.Septembers 2001 und der „Terrororganisation al-Qaida“, steigt die Neugier gegenüber dieser Religion immens (Schaefer, 2002, S.7/8). Um die Zusammenhänge dieser eben genannten Gegebenheiten verstehen zu können, muss der Mittelpunkt, um welchen sich dieser Glaubensansatz dreht, erläutert werden: „das gesamte heilige Buch des Islams“, welches „die Sammlung der von Mohammed empfangenen und öffentlich verkündeten Offenbarungen Gottes“ enthält, ist der Koran (Bobzin, 2004, S.18). Der Koran ist nicht nur im religiösen Bereich für die Muslime wichtig er ist auch gesetzlicher Anhaltspunkt. Für den Muslim bedeutet der Koran das „Wort Gottes schlechthin“ und ist beziehungsweise sind somit nicht nur eine „Glaubensaussage, sondern auch detaillierte gesetzliche Bestimmungen, die das religiöse ethische, soziale und politische Leben“ kontrollieren sollten (Khoury/Hagemann/Heine, 2006, S.305).

3.Die Frau im Islam

3.1.Religiöse Stellung der Frau

Im Islam gibt es zwischen Mann und Frau hinsichtlich des religiösen Bereiches keine Unterschiede. So haben alle Muslime die Pflicht die religiösen Erfüllungspflichten auszuführen: „Glaubensbekenntnis, Pflichtgebet, Fasten, gesetzliche Abgabe, Wallfahrt nach Mekka“ (Khoury/Hagemann/Heine, 2006, S.199). Wobei es hier aus biologischen beziehungsweise körperlichen und sozialen Gründen zur Befreiung von diesen Pflichten kommen kann.

3.2.Rechtliche Stellung der Frau

Hier erfährt die Frau keine gleichberechtigte Stellung. So ist ihre Verantwortung über ihre eigene Sexualität, sowie die Strafe bei nicht Beachtung dieser Regeln höher angesetzt, als das Strafverfahren beim Mann. So gesehen besitzt der Mann laut Ehe- und Familienrecht eine höhere Stellung und darf laut folgender Regel über die Frau bestimmen: „Polygamie, Mischehe Recht auf Entlassung der Frau, Vollmacht über die Ehefrau (4,34:Die Männer haben Vollmacht und Verantwortung gegenüber den Frauen, weil Gott die einen vor den anderen bevorzugt hat und weil sie von ihrem Vermögen (für die Frauen) ausgeben…Ermahnt diejenigen, von denen ihr Widerspenstigkeit befürchtet, und entfernt euch von ihnen in den Schlafgemächern und schlagt sie. Wenn sie euch gehorchen, dann wendet nichts Weiteres gegen sie an)“ (Khoury/Hagemann/Heine, 2006, S.200). Andererseits hat die Frau keine Versorgungspflicht, im Sinne von finanzieller Unterstützung und Versorgung der Familie. Die Frau ist für die „innere, die Familie, Domäne“ zuständig, der Mann für den öffentlichen Teil und für „den Lebensunterhalt der Frauen und der Kinder sowie für die Sicherheit und das Gedeihen der Gemeinschaft“ verantwortlich (Khoury/Hagemann/Heine, 2006, S.200). Aus dieser Versorgungspflicht des Mannes entstand die ungleiche Erbverteilung für Mann und Frau: „(4,11:Einem männlichen Kind steht so viel wie der Anteil von zwei weiblichen zu)“ (Khoury/Hagemann/Heine, 2006, S.200). Der Grund hierfür ist die Versorgungspflicht der Söhne für die kommende Familie. Eine weitere Benachteiligung der Frau im rechtlichen Bereich, wird ebenso aufgrund der Tatsache deutlich, dass „das Blutgeld, das für eine ermordete Frau übergeben werden soll, traditionell geringer“ ist, als beim Mann (Khoury/Hagemann/Heine, 2006, S.200).

3.3.Kulturelle Stellung der Frau

Der reale Alltag und das Gesetz haben nicht viele Gemeinsamkeiten, was Mann und Frau betrifft: „Das traditionelle Erscheinungsbild betont die Ungleichstellung von Mann und Frau (Eitelkeit, List, Untreue, Aufbegehren…) Dagegen wird immer wieder unterstrichen, dass der Islam die Situation der Frau entscheidend verbessert hat, dass unter den Frauen große Gestalten, Mystikerinnen und Heilige zu finden sind“ (Khoury/Hagemann/Heine, 2006, S.201). Frauenorganisationen versuchen mit Hilfe von Neudeutungen des Korans und Aussagen mit traditioneller Herkunft dem Analphabetismus vieler Frauen entgegen zu wirken und um deren Einbringen in das Öffentliche Leben zu verstärken.

Nachdem nun die drei wichtigsten Bereiche zur Stellung der Frau im Islam kurz und unparteiisch angeschnitten wurden, um einen groben Überblick bekommen zu können, werden nun die Verbindungen und Parallelen zwischen Christentum und Islam mit Hilfe der Geschichte des Schleiers dargestellt.

4.Die Verschleierung in den Religionen

Um die Verschleierung der islamischen Frauen verstehen und den oben erwähnten Vorurteilen entgegenwirken zu können, ist ein detailliertes Wissen über die Geschichte des Schleiers notwendig. Ist die Verbindung des Schleiers mit dem Islam eventuell eine verschleierte Realitätskonstellation die aus dem Westen rührt?

Durch die Offenbarungslehre des Johannes im Neuen Testament wird deutlich, dass die „christliche Lehre in ihrem Kern eine Botschaft der Entschleierung“ darstellt (Braun u. Mathes, 2007, S.60). Was der über mehreren Jahrhunderten durchgeführten Tradition der Verschleierung widerspricht. „Das griechische Wort für Offenbarung heißt apokalypsis, wörtlich Èntschleierung, und ist zusammengesetzt aus kalypta, was soviel wie schleierartiger Umhang bedeutet, und dem Präfix apo (=weg, entfernt)“ (Braun u, Mathes, 2007, S.60). Sind der Islam, das Judentum und das Christentum nicht Offenbarungsreligionen, aufgrund der offenbarten Worte Gottes? Ist hier nicht eine Parallele ersichtlich?

Eine Parallele die sich aber in der „Zugänglichkeit des Göttlichen“ nicht finden lässt, so ist Gott im jüdischen und islamischen Glauben verschleiert, da er nicht bildlich dargestellt werden darf (Braun u Mathes, 2007, S.60). Dadurch findet kein direkter Kontakt zwischen Gläubigem und Gott statt. Um das offenbarte Wort Gottes empfangen zu können, ist laut Moses und Mohammed eine Verschleierung Pflicht und notwendig. „In der Hebräischen Bibel wird berichtet, Moses habe auf dem Gottesberg „sein Angesicht verhüllt, weil er sich vor dem Angesicht Gottes fürchtete“ (2.Mos. 3,6), und von Mohammed weiß die Überlieferung, er habe vor seiner Entführung, als er das Herannahen Gottes spürte, gerufen: „Hüllt mich ein.““ (Braun u. Mathes, 2007, S.60).

Koransuren bestätigen die verhüllte Erscheinung des Mohammeds: „“O Verhüllter“ (73,1) und „O Verdeckter“ (74, 1)“ (Braun u. Mathes, 2007, S.60/61). Das Christentum hingegen vertritt eine „heilbringende Bedeutung der Enthüllung“, was den Entschleierungsgedanken vermittelt- der die „Wahrheit Christi, d.h. das Geheimnis Gottes, unverhüllt sehen und begreifen“ zu können, ermöglicht (Braun u. Mathes, 2007, S.61/62). So gewinnt die Verschleierung der Frau im christlichen Glauben eine besondere Bedeutung, da die Frau keine Funktion des Ebenbildes Gottes einnimmt, welche nur von dem Manne vertreten wird, und somit die Verschleierung der Frau einer Notwendigkeit zu kommt, da sie nicht als gleichwertige Gegenüberstellung Gottes gesehen wird und deshalb verschleiert Gott begegnen muss. Als „Geschöpf und Abbild des Mannes“ ist eine Verschleierung in der Kirche ein Muss für die christliche Frau und auch in der Öffentlichkeit hat sie sich laut Paulus zu verhüllen: „“Ein Weib aber, das da betet oder weissagt mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt“ (1. Kor11, 5)“, welcher auch die Gründe dafür nennt: „Zwar darf der Mann seinen Kopf nicht verhüllen, denn er ist Abbild und Abglanz Gottes; die aber (muß es tun, denn sie) ist Abglanz des Mannes. Es stammt ja (ursprünglich) nicht der Mann aus der Frau, sondern die Frau aus dem Manne“ (1. Kor11,7 f.)““ (Braun u. Mathes, 2007, S.62). Diese Verhüllungspflicht der Frau im Christentum ist selbst heutzutage noch zu finden, wenn man bedenkt, dass Frauen dem Papst nur verhüllt begegnen dürfen. Während Paulus das Haar einer Frau nicht als gefährliche und sexuelle Kraft deutete, nahm der Islam hingegen sich dieser in der Antike manifestierten Einstellung an. Langes Haar als Zeichen für „sexuelle Magie und Fruchtbarkeit“, die als „verführerisch und gefährlich“ galt (Braun u. Mathes, 2007, S.63). Bei den Germanen trugen Frauen geflochtenes Haar, Tücher und Netze, um diese Anziehungskraft zu verschleiern. Die Verhüllung der Frau war aber nur bei sexuell aktiven Frauen eine Pflicht, „weshalb Jungfrauen, die man nicht als sexuelle Wesen wahrnahm, üblicherweise unverschleiert waren“ (Braun u. Mathes, 2007, S.63).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Verschleiert der Westen die Stellung der Frau im Islam ?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Pädagogik. Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik Erziehungs- und Sozialforschung )
Veranstaltung
Einführung in die pädagogische Anthropologie
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V154093
ISBN (eBook)
9783640666034
ISBN (Buch)
9783640666331
Dateigröße
1227 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, pädagogische Anthropologie, Stellung der Frau im Islam, Islam, Patrizia Joos
Arbeit zitieren
M.A. P. Joos (Autor), 2007, Verschleiert der Westen die Stellung der Frau im Islam ?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154093

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