Häusliche Gewalt und deren Auswirkungen auf Schülerinnen und Schüler


Hausarbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist häusliche Gewalt? - Der Versuch einer Definition

3. Soziale Konsequenzen häuslicher Gewalt
3.1 Auswirkungen auf Sckülerinnen und Scküler
3.2 Konsequenzen für Lekrerinnen und Lekrer

4. Hilfsangebote für betroffene Schülerinnen und Schüler

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

Gewalt im Elternhaus ist ein Thema, das erst in den letzten Jahren zunehmend kritisch in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Noch bis zum ersten Juli 19981 war es Eltern theoretisch gestattet, ihre Kinder durch körperliche Züchtigungen soweit sie einen pädagogischen Sinn einer solchen Erziehungsmaßnahme deutlich machen konnten – zu erziehen. Seither wurde auf verschiedenen Ebenen begonnen, Eltern sowie Kinder aufzuklären und Gewaltvorfällen innerhalb von Familien entgegenzuwirken. Die „Super Nanny“ stellt hierbei momentan wohl eines der prominentesten Beispiele dar. Jeden Mittwochabend weist die Pädagogin Katja Saalfrank zur Kernsendezeit um 20:15 im Privatfernsehen auf die Konsequenzen häuslicher Gewalt – nicht nur für Kinder sondern ebenso deren Eltern – hin. Die Bedeutung des Mediums zur Aufklärung über die Schwierigkeiten und Gefahren von Erziehung wird dabei auch von einigen Kirchen in Deutschland anerkannt; etwas, das in Deutschland in Bezug auf TV-Sendungen des Privatfernsehens gewöhnlich nicht passiert.2

Eine Aktualität des Themas ergibt sich – neben der medialen Diskussion um Kindesmissbrauch in vorwiegend katholischen Einrichtungen der Kindererziehung, bei denen es entgegen des öffentlichen Eindruckes keinesfalls primär um sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen sondern auch um körperliche Misshandlung durch bestimmte Formen von Züchtigung geht – aus einschlägigen Studien. Obwohl Arbeiten zu gesellschaftlich geächtetem Verhalten häufig lediglich die „Spitze des Eisbergs“ widerspiegeln (Ingenberg, 2007, S. 185), ermöglichen sie die Aufstellung von empirisch fundierten Vermutungen. Die bekannteste und nach wie vor anerkannteste Arbeit zu diesem Thema findet sich in der unter dem Titel „Gewalterfahrungen in der Kindheit, sexueller Missbrauch, körperliche Misshandlung und deren langfristige Konsequenzen“ von Peter Wetzels. Obwohl die Veröffentlichung mittlerweile gute 13 Jahre her ist, erlaubt sie uns einen ersten Einblick in die Problematik: Laut Wetzels haben fast drei Viertel aller Deutschen in ihrer Kindheit Erfahrungen mit körperlicher Züchtigung gemacht, ca. 10% sind von den Eltern körperlich misshandelt worden (vgl. ebd.). Um die Jahrhundertwende scheint der Anteil von Kindern, die Erfahrungen mit körperlicher Gewalt machen zwar zurückzugehen, verfügbare Zahlen sind aber nach wie vor erschreckend: Selfreport Studien aus den Jahren 1996 und 2001 zeigen bei Eltern einen leichten Rückgang von mit Gewalt verbundenen Sanktionen, prozentual heißt das aber, dass im Jahr 2001 immer noch 26,4% aller Eltern, die an der Studie teilgenommen haben, erklärten, dass sie ihrem Kind „mit der Hand kräftig den Po versohlen“ würden (1996: 33,2%), 9,3% würden „eine schallende Ohrfeige mit sichtbaren Striemen“ verpassen (1996: 19,1%) und immerhin 2,0% – also jeder fünfzigste – auch nicht vor „eine[r] Tracht Prügel mit Blutergüssen“ zurückschrecken (1996: 2,9%; Werte aus: Kreuzer, 2007, S. 314).

Die folgende Hausarbeit will sich mit diesem Thema aus der Persperktive der Schulen vertiefend auseinandersetzen: Welche Rolle kommt Lehrerinnen und Lehrern bei der Arbeit mit Schülerinnen und Schülern zu, die mit körperlicher Gewalt im eigenen Elternhaus konfrontiert sind?

Hierfür soll zunächst der Gewaltbegriff definiert werden. Was genau ist Gewalt und wie wird der Begriff im Kontext dieser Arbeit verstanden und verwendet? (Kapitel 2) Von dieser Definition ausgehend soll im dritten Kapitel der Fokus auf die sozialen Konsequenzen häuslicher Gewalt gelegt werden, wobei an erster Stelle die Perspektive betroffener Schüler und Schülerinnen näher beleuchtet wird (Kapitel 3.1). Im Anschluss daran geht es um die Verantwortung von Lehrerinnen und Lehrer: Was genau können und sollten diese tun, um Betroffene zu unterstützen? (Kapitel 3.2) Im vierten Kapitel werden Hilfsangebote für Betroffene exemplarisch vorgestellt und kurz erläutert. Ein abschließendes Fazit dient der Abrundung des Themas sowie einer begründeten Stellungnahme bezogen auf die Problematik häuslicher Gewalt und deren Auswirkung auf die Schule .

2. Was ist häusliche Gewalt? – Der Versuch einer Dełinition

Den Begriff der häuslichen Gewalt genau zu definieren fällt nicht ganz leicht. Sucht man nach einer eindeutigen Definition, so fällt schnell auf, dass es hierbei zu Schwierigkeiten kommt und gerade diese Problematik in der Literatur thematisiert wird. So heißt es beispielsweise bei der Berliner Medizinerin Heike Mark, dass „die Art der Definition von Gewalt [...] entscheidenden Einfluss auf Forschungsergebnisse und Statistiken, auf die persönliche Wahrnehmung einer Gewalterfahrung durch das Opfer bzw. einer Gewalthandlung durch den Täter sowie gerichtliche und gesellschaftliche Reaktionen [hat].“ (dies., S. 14) Im Weiteren splittet Mark den Begriff auf und unterscheidet unter anderem zwischen physischer, sexueller und psychischer bzw. emotionaler Gewalt (ebd.). Dies spiegelt das enorme Ausmaß des Gewaltbegriffs wider, der im häuslichen Kontext jedoch häufig isoliert als Gewalt von Männern gegenüber Frauen aufgefasst wird, was dem Begriff allerdings nur ungenügend gerecht wird. Die Münchner Sozialpädagogin Sandra Dlugosch hat festgehalten, dass „[d]er Begriff häusliche Gewalt [...] im Umfeld des eigenen Zuhauses statt[findet]. Unklar jedoch bleibt dabei, wer in diesem Umfeld gegen wen Gewalt ausübt und welche Formen familialer Gewalt gemeint sind.“ (dies.; S. 24) Diese Definition schließt also nicht aus, dass der Begriff der häuslichen Gewalt eben auch als eine von den Erziehungsberechtigten gegenüber Schutzbefohlenen ausgeführte Gewalt verstanden werden kann.

Im Sinne dieser Definition wird der Begriff der häuslichen Gewalt für den Kontext dieser Hausarbeit daher als eine von den Eltern gegen das Kind bzw. den Jugendlichen – unabhängig davon, ob der oder die Betroffene weiblichen oder männlichen Geschlechts ist – gerichtete Gewalt verstanden. Diese kann sowohl in Form von körperlicher – sobald Eltern das Kind oder den Jugendlichen schlagen – oder psychischer Gewalt – sobald Eltern das Kind bzw. den Jugendlichen stark unter Druck setzen, ihn oder sie anschreien oder mit Liebesentzug und Nichtachtung strafen – auftreten.

[...]


1 § 1631 BGB schloss Gewalt in der Erziehung erst mit der Fassung vom 1.7.1998 ausdrücklich und unter allen Umständen aus.

2 So sagte die damalige hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann, dass „die Sendung ein Bewusstsein dafür erzeugt [habe], welche Herausforderung die Erziehung von Kindern sei“ (Bischöfin Käßmann verteidigt die TV-Serie „Super Nanny“. Die Welt: 21.11.2008).

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Häusliche Gewalt und deren Auswirkungen auf Schülerinnen und Schüler
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V154763
ISBN (eBook)
9783640674442
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Häusliche, Gewalt, Auswirkungen, Schülerinnen, Schüler
Arbeit zitieren
B.A. Carolin Weitschat (Autor), 2010, Häusliche Gewalt und deren Auswirkungen auf Schülerinnen und Schüler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154763

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Häusliche Gewalt und deren Auswirkungen auf Schülerinnen und Schüler



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden