Das Verhältnis von Heinrich Heines Gedicht „Die Lore-Ley“ zur Epoche der Romantik


Seminararbeit, 2009
8 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALT

EINLEITUNG

1. Formale Gestaltung

2. Sprachliche Gestaltung
a) Perspektive
b) Stilmittel
c) Ironische Elemente

3. Werkkontext des Autors

4. Biographische Bezüge

5. Literarische Selbstwahrnehmung

6. Fazit

EINLEITUNG

Als Heinrich Heine 1824 sein Gedicht „Die Lore-Ley“ verfasste, war das Loreley-Motiv noch recht jung – ging es doch nach heutigem Erkenntnisstand auf eine Kunstfigur Clemens Brentanos zurück.[1] Nichtsdestotrotz hatte es bereits eine gewisse literarische Popularität erlangt.[2]

Was bewog den damals 26jährigen Heine zu einer eigenen Bearbeitung dieses Stoffes und in welchem Verhältnis steht das Gedicht – welches dank der 1837 erfolgten Vertonung durch Friedrich Silcher heute zu den bekanntesten Gedichten Heines und den bekanntesten deutschen Gedichten im Ausland zählt – zur Epoche der Romantik?[3]

Als Arbeitsthese soll im weiteren Verlauf gelten, dass das Gedicht der Epoche der Romantik zugeordnet werden kann. Zugleich hat sich die folgende Betrachtung der Antithese zu stellen, dass Heine das Gedicht als ironische Parodie auf die Romantik verfasste.

Bevor hierauf jedoch näher eingegangen werden kann, bietet es sich an, das Gedicht zunächst einer formalen und inhaltlichen Analyse zu unterziehen. Hierbei erhebt die Arbeit nicht den Anspruch rein textimmanenter Erkenntnisgewinnung, sondern bezieht den Lebenshintergrund und das künstlerische Selbstverständnis des Autors bewusst mit ein.

1. Formale Gestaltung

Das Gedicht, welches in seiner ursprünglichen Fassung keine Überschrift trägt, besteht aus sechs Strophen. Jede Strophe umfasst vier dreihebige Kurzverse in ganzem Kreuzreim mit abwechselnd weiblicher und männlicher Kadenz.

Damit bedient sich Heine durchgehend der sog. Volksliedstrophe, welche sich durch die Kürze ihrer Verse und jene eben beschriebene Struktur auszeichnet.[4]

Nach Heines Überzeugung kam das Volkslied seiner Vorstellung von wahrer, unverfälschter romantischer Dichtung am nächsten.[5] In seinem (sonst sehr kritischen) literaturgeschichtlichen Essay „Die romantische Schule“ lobt er die Volksliedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ von Clemens Brentano und Achim von Arnim in höchstem Maße.[6]

Vergleicht man die formale Gestaltung mit anderen Bearbeitungen des Loreley-Motivs, fällt auf, dass sie in Strophen- und Versanzahl identisch ist mit dem 1821 entstandenen Gedicht „Der Lurleyfels“ von Otto Heinrich Graf von Loeben.[7] Es liegt nahe, dies als Indiz für einen intendierten Bezug Heines auf dieses Gedicht zu werten.

2. Sprachliche Gestaltung

a) Perspektive

In der ersten und sechsten Strophe des Gedichts spricht ein lyrisches Ich. Damit wird gleichsam eine Rahmenhandlung geschaffen, in welche die eigentliche Erzählung eingebettet ist.

b) Stilmittel

Insgesamt besticht das Gedicht durch einen eher sparsamen Gebrauch von Stilmitteln – zu erwähnen sind die dreimalige Wiederholung des Adjektivs „golden“ in der dritten bzw. vierten Strophe, eine Anapher am Ende der fünften Strophe („Er schaut […],/ Er schaut […]“) sowie die Alliterationen „ruhig fließt der Rhein;“ und „mit wildem Weh;“.

Tropen scheinen auf den ersten Blick nicht enthalten zu sein. Allerdings trägt das Gedicht in seiner Gesamtheit stark allegorische Züge, da es sehr bildhaft wirkt.

Bemerkenswert ist jedoch die räumliche Struktur des Gedichts: Der erhöhte Standpunkt der weiblichen Figur steht in starkem Kontrast zum Schiffer im „kleinen“ Schiffe, der zu ihr hinaufsehen muss.

Hiermit korrespondiert die Verwendung der Akustik: Die ruhige Atmosphäre der zweiten Strophe wird durch den Gesang der Lore-Ley durchbrochen, der zunächst zauberhaft wirkt, jedoch später fatale Wirkung entfaltet. Der männliche Part des Schiffers bleibt demgegenüber durchgehend stumm. Sein Schicksal teilt sich dem Leser nur indirekt über das lyrische Ich mit.

[...]


[1] Bis ins 20. Jh. hinein war der Ursprung der Loreley-Sage in der literarischen Forschung umstritten; vgl. Lentwojt, Peter: Die Loreley in ihrer Landschaft. Romantische Dichtungsallegorie und Klischee. Ein literarisches Sujet bei Brentano, Eichendorff, Heine und anderen. Frankfurt am Main/ Berlin/ Bern/ New York/ Paris/ Wien 1998. S. 15-36.

[2] Bearbeitungen dieses Sujets gab es bereits von Joseph von Eichendorff und Otto von Loeben.

[3] Der geforderten Kürze ist es geschuldet, dass die nachfolgende Arbeit lediglich eine oberflächliche Antwort hierauf zu geben vermag.

[4] Neureuter, Hans Peter: Volksliedstrophe. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Hrsg. v. Müller, Jan-Dirk. Bd. III P-Z. Berlin/ New York 2003. S. 798.

[5] Heine, Heinrich: Die romantische Schule. Hrsg. v. Weidmann, Helga. Stuttgart 1976. S. 106.

[6] Ebd. S. 105.

[7] von Loeben, Otto: Der Lurleyfels. Nach: http://www2.hu-berlin.de/literatur/projekte/loreley/Gedichte/index. htm (Abruf: 19.01.2009).

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis von Heinrich Heines Gedicht „Die Lore-Ley“ zur Epoche der Romantik
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für deutsche Literatur)
Veranstaltung
GK Einführung in die neuere deutsche Literatur - Die Literatur der Romantik
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
8
Katalognummer
V155024
ISBN (eBook)
9783640679072
ISBN (Buch)
9783640679225
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich Heine, Heine, Lorelei, Loreley, Lore-Ley, Romantik
Arbeit zitieren
Nina Metz (Autor), 2009, Das Verhältnis von Heinrich Heines Gedicht „Die Lore-Ley“ zur Epoche der Romantik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155024

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