Die Rezeption von Knut Hamsuns "Pan"


Hausarbeit, 2009
22 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Rezeption von Knut Hamsuns „Pan. f Løitnant Glahns Papirer“ (1894)
2.1 Rezeption um die Jahrhundertwende
2.2 Rezeption in der Weimarer Republik
2.3 Rezeption im Dritten Reich
2.4 Ideologiekritische Auseinandersetzung
2.5 Ideologiekritische Forschung in den 1970er Jahren
2.6 Kritische Betrachtung der Rezeption von den Werken Hamsuns

3 Resümee

4 Bibliographie
4.1 Primärliteratur
4.2 Sekundärliteratur

1 Einleitung

Die Weltliteratur des 20. Jahrhunderts wäre ärmer ohne Knut Hamsun. Er ist der Architekt einer Erzählprosa, die vielen Stilrichtungen der Moderne den Weg bereitet hat.1

Der Norweger Knut Hamsun gehört ohne Zweifel zu den umstrittensten, aber damit auch interessantesten Repräsentanten der literarischen Moderne. In seiner Schaffensperiode in den 1890er Jahren schrieb Hamsun nicht nur sein Durchbruchswerk ÄSult“ (1890), sondern 1894 auch den am meisten rezipierten und am eingehendsten analysierten Roman ÄPan. Af Løitnant Thomas Glahns Papirer“.2 In seiner Rezeptionsgeschichte hat er verschiedene Reaktion verursacht, die von großem Enthusiasmus bis hin zur rigorosen Verdammung reichten. Das Ziel dieser Hauptseminararbeit ist es, die Rezeption von Hamsuns Roman ÄPan“, unter Berücksichtigung des historischen und geistesgeschichtlichen Hintergrunds, eingehend zu betrachten. Es sollen zuerst einige Grundtendenzen der Hamsun-Kritik erläutert werden, bevor die Rezeption um die Jahrhundertwende umrissen werden soll. Besonders Augenmerk wird dabei auf die Kennzeichen des Jugendstils gelegt, die der Rezipient der damaligen Zeit vermehrt in ÄPan“ vorfindet. Danach wird kurz auf die zeitgenössische Kritik der Weimarer Republik eingegangen. Dabei wird die Rezeption der Werke unter dem Expressionismus betrachtet und es wird zu sehen sein, dass Hamsun unter den Expressionisten anerkannt und positiv aufgenommen worden ist. Daran schließt sich eine umfassende Analyse der psychoanalytischen Interpretation von ÄPan“ an, die eine symbolische Darstellung der Kastration und sadomasochistische Züge in dem Roman nachweist. Im Anschluss daran wird die Rezeption von ÄPan“ im Dritten Reich behandelt. Die ideologiekritische Leseart, die in 1970er Jahren aufkam und ihren Vorreiter in Leo Löwenthal hatte, wird danach dargestellt. Sowohl Leo Löwenberg als auch Arild Linneberg weisen faschistische Elemente in ÄPan“ nach. Daran schließt sich eine Kritik an der ideologiekritischen Leseart von Klaus von See an.

2 Die Rezeption von Knut Hamsuns „Pan. Af Løitnant Glahns Papirer“ (1894)

Das Jahr 1890 markiert eine Bruchstelle in der skandinavischen Literatur. Es kommen neue Strömungen auf, die sich vor allem mit der Psyche, dem Irrationalem und für das Subjekt interessieren. Auch Knut Hamsuns Aufsatz ÄFra det ubevidste sjæleliv” von 1890 zeigt sich als richtungsweisend für eine Theorie der Dichtung, die sich mit der Innenwelt und dem Vernunftswidrigen des Menschen beschäftigt. Diese Neuerung der Literatur, die Erforschung einer Verbindung zwischen der Außen- und einer mysteriösen Innenwelt des Menschen wird ein paar Jahre später unterstützt von der Psychoanalyse Sigmund Freuds und der Philosophie von Friedrich Nietzsche.3 In Hamsuns Roman ÄPan“ wird die Krise des modernen Subjekts in der Natur des Nordlandes dargestellt. Dies wurde damals als ÄNaturidylle und als Rückkehr aus der problematischen Modernität in die heile Gegenwelt der Natur gelesen.“4 Der Roman besteht aus zwei erzähltechnisch unterschiedlichen Romanteilen. In dem ersten Teil werden die niedergeschriebenen Erinnerungen des Protagonisten Thomas Glahn über seine Erlebnisse im Norden von Norwegen dargestellt, während der Andere eine Aufzeichnung eines anonymen Erzählers, die über Glahns Aufenthalt und Tod in Indien berichtet, beinhaltet. Der zweite Romanteil schließt Glahns Biografie nicht nur ab, sondern verfremdet das Berichtete auch und artikuliert die Bedeutsamkeit der Aussagen im Rückblick. Die Naturreligiosität und die mythischen Aspekte treten dabei zurück. Die Forschung begrenzte sich lange Zeit auf den Haupttext, den ersten Teil der Erzählung. Der zweite Romanteil wurde als unnötig betrachtet, von dem übrigen Text abgegrenzt und auch herausgenommen. Dabei galt das Interesse der Literaturwissenschaft vor allem der Figurenhandlung und der Schilderung des Liebesverhältnis von Glahn und Edvarda. Lediglich bei der Frage wer am Scheitern der Beziehung schuld sei sind sich die Literaturwissenschaftler uneins.5 Rolf Vige sieht die Schuld bei Edvarda6, während Rolf Nyboe Nettum die Ursache des Scheiterns bei Glahn7 sieht. Auch die Interpretation der Ideologiekritiker beschäftigt sich mit der Liebesgeschichte und betrachtet Glahn und Edvarda als Vertreter der Gegensätze Natur und Kultur, zwischen denen sich der eigentliche Konflikt abspielt. Beiden Lesearten liegen aber mehreren Übereinstimmungen zugrunde. Das Ziel ihrer Untersuchungen ist die Verifikation einer entschiedenen Absicht des Verfassers. Sie sehen Glahns Erzählperspektive als obligatorisch an und erkennen ihr damit eine Äauktoriale Belangbarkeit“8 zu. Rolf Vige schließt sich dieser Erzählperspektive an, während Rolf Nyboe Nettum sie einschränkt und Arild Linneberg sie missbilligt.9

2.1 Rezeption um die Jahrhundertwende

Um die Jahrhundertwende existieren verschiedene Stile, wie der Jugendstil, der Neoimpressionismus, der Symbolismus, der Naturlyrismus und die Heimatkunst gleichzeitig. Die Rezeption von den Werken ÄPan“ und ÄViktoria“ (1898) von Hamsun ist geprägt durch die ästhetischen Kriterien der zu dieser Zeit vorherrschenden Stilmischung. Hamsuns Romane werden als Neuerung und als dichterische Epik aufgefasst. Lou Andreas-Salomés Rezeption weist deutlich Einflüsse des Jugendstils und des Naturlyrismus auf.10 Sie realisiert ihre Wünsche und ihre Zivilsations-Abneigung in der Hauptperson des Leutnant Glahns und schreibt über ÄPan“:

[E]rst in ÄPan“ enthüllt [Hamsun] ohne Rückhalt seine dichterische Persönlichkeit in ihrer lyrischen Kraft und Stimmungsfülle. Dieses Buch könnte ÄNaturfriede“ heissen ! Hier kehrt der Mensch aus der Ueberkultur in die Natur zurück, nicht zur symbolisch verstandenen, oder für irgend welche Seelenzustände zurechtstilisirten, ˗˗ nein, hier steigt er wahrhaftig und wirklich mit dem Dichter empor aus den Dünsten und dumpfen Engen der Städte in die rauschenden Wälder und auf die einsamen Höhenzüge des Gebirges. Der Roman besteht zum grössten Teil nur aus Naturschilderungen, aber wir träumen uns willig in sie hinein mit diesem Fremden, der in eine kleine norwegische Küstenstadt kommt, um in den darüber gelegenen Gebirgswaldungen, einen Sommer lang sein Jägerleben zu führen ; wir hausen mit ihm in der verlassenen Hütte, die er mit Tierfellen und Vogelfedern austapezirt, wir belauschen mit ihm das tausendfache Leben der Pflanzen und Geschöpfe rings umher und wachen mit ihm in den Nächten11.

Der Roman ÄPan“ ist, wenn man ihn als Programmschrift auffasst, eine nicht realisierbare Alternative zu dem Zustand der damaligen Gesellschaft.12 Der Bezug zum Jugendstil wird insofern sichtbar, wenn man diese Stilrichtung als Äeine Reaktion gegen Historismus, Technik, Vermassung und Kapitalismus auffaßt, die sich zu einer ‚Renaissance des Lebens„, einer ‚Hinwendung zur Natur und zum All„ steigert“.13

[...]


1 Bien, Horst: Werke und Wirkungen Knut Hamsuns. Eine Bestandsaufnahme. Leverkusen 1990 (=Artes et litterarae Septentrionales. Kölner Studien zur Literatur-, Kunst- und Theaterwissenschaft. Bd. 6). S. 5.

2 Vgl. Weibel, Siegfried: Der ÄPan“-Mythos in der Hamsun-Kritik. In: Arbeiten zur Skandinavistik. 7. Arbeitstagung der Skandinavisten des deutschen Sprachgebietes 4.8.-10.8. 1985 in Skjeberg/Norwegen. Hrsg. v. Ulrich Groenke. Frankfurt am Main (= Texte und Untersuchungen zur Germanistik und Sandinavistik. Bd. 18). S. 373.

3 Vgl. Heitmann, Annegret: Die Moderne im Durchbruch (1870-1910). In: Skandinavische Literaturgeschichte. Hrsg. v. Jürg Glauser. Stuttgart/Weimar 2006. S. 183-214.

4 Ebd. S. 226.

5 Vgl. Weibel, Siegfried: Knut Hamsun ÄPan“: Suggestion und De-Montage. In: Skandinavistik. Zeitschrift für Sprache, Literatur und Kultur der nordischen Länder 16 (1986) Nr. 1. S. 21-24.

6 Vgl. dazu Vige, Rolf: Knut Hamsuns Pan. En litterær analyse. Oslo 1963. S. 38-71.

7 Vgl. dazu Nettum, Rolf Nyboe: Konflikt og visjon. Hovedtemaer i Knut Hamsuns forfatterskap 1890-1912. Oslo 1970. S. 226-262.

8 Weibel, S.: Der ÄPan“-Mythos. S. 374.

9 Vgl. ebd.

10 Vgl. Schulte, Gabriele: Hamsun im Spiegel der deutschen Literaturkritik 1890 bis 1975. Frankfurt am Main 1986 (= Texte und Untersuchungen zur Germanistik und Skandinavistik. Bd. 15). S. 31-33.

11 Andreas-Salomé, Lou: Scandinavische Dichter. In: Cosmopolis. International Revue 4 (1896). S. 557.

12 Schulte, G.: Hamsun im Spiegel. S. 33.

13 Vgl. ebd. S. 33-36.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Rezeption von Knut Hamsuns "Pan"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Nordische Philologie)
Veranstaltung
Deutsch-Skandinavische Literaturbeziehungen
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V155605
ISBN (eBook)
9783640993765
Dateigröße
770 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rezeption, knut, hamsuns
Arbeit zitieren
Christina Müller (Autor), 2009, Die Rezeption von Knut Hamsuns "Pan", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155605

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