Der Wandel der Kindheit in Bezug auf das Kinderbuch 'Lippels Traum'


Hausarbeit, 2001

20 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhalt

Aspekte des Wandels und dessen Hintergründe
Ulf Preuss-Lausitz „Kindheit 2000. Entwicklungstendenzen zw. Risiken und
Chancen“ in: Hannelore Daubert / Heinz-Heino Evers (Hrsg.): Veränderte
Kindheit in der aktuellen Kinderliteratur, Braunschweig 1995

Lothar Mikos / Dieter Wiedemann „Aufwachsen in der Mediengesellschaft“ in: Karin Richter / Sabine Riemann (Hrsg.): Kinder – Literatur - neue Medien, Baltmannsweiler, Schneider-Verlag Hohengesen

Aspekte des Wandels und dessen Hintergründe

Ulf Preuss-Lausitz „Kindheit 2000. Entwicklungstendenzen zw. Risiken und Chancen“ in: Hannelore Daubert / Heinz-Heino Evers (Hrsg.): Veränderte Kindheit in der aktuellen Kinderliteratur, Braunschweig 1995

In dem oben genannten Artikel versucht Ulf Preuss-Lausitz die Merkmale und Entwicklungen der heutigen Kindheit darzustellen, indem er stark auf die Begriffe Krisenkindheit und Risikogesellschaft eingeht.

Heutige Kindheit ist zunächst nicht mehr auf dem Hintergrund „früherer“ Kindheit zu sehen. Der Mythos, welcher in vielen (erwachsenen?) Köpfen vorherrscht, prägt diese Kindheit oft in negativer Weise. „Das moderne Kind ist ein schlechtes Kind“ heißt es beispielsweise im Text. Angeregt durch moderne Kommunikationsmittel und deren Berichterstattung, sowie der Bezug auf vergangene Jahre ergeben ein negatives Bild der heutigen Kinder.

Einige Aspekte sind folgende: Das moderne Kind ist unfreundlich (speziell gegenüber Ausländern), es zündelt Asylheime an, gröl faschistische Sprüche und konsumiert mit gleicher Begeisterung Pommes frites und Killersoftware, nicht zu vergessen der Wegfall der moralischen Werte. Jedoch klagt man nicht die Kinder an, sondern vielmehr die Eltern, die Lehrer, das Fernsehen (im Allgemeinen die „Macher“), die Computer und die zuständigen Kommunen. All diese seien, die Gesellschaft eingeschlossen, so kinderfeindlich, dass somit eine Gewalttätigkeit von Kindern ausgehend regelrecht heraufbeschworen würde.

Doch gerade dieses negative Image, welches von Politikern, Medien und dergleichen heraufbeschworen wird, ist laut Preuss-Lausitz ein Mythos. Um ihn jedoch aufrechtzuerhalten, werden oft folgende drei Ebenen vermischt: Die Ebene der Beschreibung, die Ebene der Ursachenergründung und die Ebene der Lösungsvorschläge. Zudem besteht die Gefahr, allzu leicht die eigene Kindheit in Bezug zur heutigen modernen Kindheit zu setzen. Dieser Blick zurück kann für die Bewusstmachung des sich vollziehenden Wandels der Kindheit dienlich sein, die eigene Kindheit sollte jedoch nie verklärt werden, um so eine negative Grundeinstellung zu gewinnen. Preuss-Lausitz hält es deshalb für unbedingt notwendig, die heutige Kindheit auch unter den Aspekten der Individualisierung und Pluralisierung zu beschreiben. Das heutige Kind ist nicht mehr passiv, sondern ein „aktiv eingreifendes Subjekt“. Kindliche Handlungsmuster können jedoch keinesfalls auf altes mechanisches Denken der 70er Jahre zurückgeführt werden, also nicht auf Täter-Opfer-, oder Ursache-Wirkungsprinzipien. Kinder und Jugendliche greifen selbst ein, gestalten und verändern und sind damit teilweise selbst verantwortlich für ihre Entwicklung. Sie sind somit keineswegs hilflose und verantwortungslose und leicht beeinflussbare Opfer.

Jedoch ist es laut Preuss-Lausitz in Bezug auf die moderne Kindheit positiv, wenn man die Kindheitsgenerationen der Vergangenheit betrachtet um Ursachenforschung

betreiben zu können. Bestimmte zeitgeschichtliche Verhältnisse, Ereignisse oder Umbrüche schaffen Unabhängig von der individuellen Verschiedenheit „das Gleiche im Ungleichen einer gleichaltrigen Kinder- und Jugendgruppe“. Preuss-Lausitz nennt hier die „verlorene Generation“ unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg und dessen desillusionierende Wirkung darauf. Oder auch die Nachkriegskinder des 2. Weltkrieges, deren Drang nach Freiheit stark ausgeprägt war (geschichtlich und politisch gesehen). Solche Gemeinsamkeiten erschaffen zusammenhaltende Generationen. Jedoch muss bedacht werden, das solche Entwicklungsfaktoren sich teilweise über einen längeren Zeitraum erstrecken. Hier bildet sich der Begriff der Krisenkindheit dessen wesentliches Merkmal Preuss-Lausitz wie folgt zusammenfasst: „Krisenkindheit ist das verbindliche Element unterschiedlicher individueller und unterschiedlicher gruppenbezogener Erfahrungen.“ Krisenkindheit verbindet somit auch Kinder aus den verschiedensten sozialen Klassen oder Kulturen.

Krisenkinder wachsen unter den Bedingungen der Risikogesellschaft auf. Dieses Risiko berührt laut Ulrich Beck folgende Ebenen: Die ökologische Krise, Folgen, die unser intimstes gesundheitliches Leben, unseren Körper betreffen, das Risiko einer Arbeit nachgehen zu können, die ökonomische Lage, AIDS und somit auch die Risiken einer modernen Partnerbeziehung. Unklar ist auch, welches Band die Konsumgesellschaft als demokratische Gesellschaft zusammenhalten soll.

Plurale Risikogesellschaft heißt auch Freisetzung von sozialen Einbettungen und milieuhaften Selbstverständlichkeiten, was bedeutet, dass der Einzelne gezwungen wird und so die Chance hat, eigene Entscheidungen zu treffen. Und das Leben in einer solchen Risikogesellschaft bedeutet demnach ein hohes Maß an Selbstständigkeit, Entscheidungsfähigkeit und Planungsfähigkeit. Auch in Bezug auf soziale Beziehungen. All das schafft die Voraussetzung für die Entwicklung zu einem selbstständig denkenden Individuum. Jedoch unterliegen bestimmte Institutionen (z.B. die Schule) in der Risikogesellschaft einer ständigen Modernisierung. In einer solchen Gesellschaft gibt es auch Modernisierungsverlierer, welche durch ihr aggressives Festhalten an allem Alten ihre Wut auf Unschuldige lenke, z.B. gegen Ausländer, Schwule, etc. Nun muss bedacht werden, dass die heutige moderne Kindheit eine Kindheit in eben dieser Risikogesellschaft ist, in welcher die Kinder heutzutage relativ ungeschützt leben müssen. Der vermeintliche Schonraum ist der harten Realität gewichen und die heutigen Kinder wachsen quasi mit den Krisen auf.

Zukunftsangst ist selbst unter Kindern weitverbreitet. Der Wandel der Kindheit vollzieht sich nach Preuss-Lausitz am Sichtbarsten in den äußeren Rahmenbedingungen. Durch ein steigendes Verkehrsaufkommen gerade in den Großstädten wird die Kindheit zu einer „Innenraumsozialisation“. Jedoch ist moderne Kindheit nicht nur Innenraumkindheit, sondern vielmehr auch „Planungskindheit“. Mit Hilfe des Telefons, des Terminkalenders und auch der Kostenkalkulation für Freizeitaktivitäten planen Kinder ihr Leben.

Jedoch gibt es hier auch den sogenannten Polarisierungseffekt, welchen die Modernisierung mit sich bringt.

Doch der Wandel dieses äußeren Rahmens der Kindheit vollzieht sich auch unter den Bedingungen der Konsumgesellschaft. Nie zuvor waren die Kinder in Deutschland so reich wie heute. Konsumwünsche und die Auffassung eines „guten Lebens“ gehen ineinander über, orientieren sich gleichermaßen an der Höhe des Taschengeldes und des gerade populären Trends. Arbeiten Kinder, so tun die dies nicht mehr aus der Not heraus, sondern wegen des Bedürfnisses, ihre Finanzen zu erhöhen.

Vorsicht ist aber bei der ökonomischen Polarisierung, d.h. bei der wachsenden Kluft zwischen „Arm und Reich“ geboten. So kann die Ökonomisierung der Kindheit sich einerseits positiv und andererseits negativ auswirken. Krisenkindheit heißt des weiteren auch Medienkindheit. Durch eine Öffnung der Medien und dem Wegfall des kindlichen Schonraumes werden Kinder heute viel mehr und weitaus früher mit der Realität konfrontiert, was laut Preuss-Lausitz auch zum Abwägen unterschiedlicher Werte, Normen, Tugenden, Lebensweisen, usw. führen kann.

Fakt ist, dass Kinder in immer jüngeren Jahren einen steigenden TV-Konsum aufweisen. Es ist jedoch noch nicht erwiesen, dass dieses Medium zwangsweise zu einem rezeptiven und passiven Kinderleben und zu Gewalttätigkeit führt. Jedoch sollte man den Begriff der Medienkindheit nicht mit dem Begriff der Fernsehkindheit gleichsetzen. Unter den Begriff der Medien fallen folgende: Kassettenrecorder (hat fast jedes Kind), die Musik an sich und die moderne Verflechtung von Kindheit mit Technik im Allgemeinen. Das Telefon zur Pflege und Aufrechterhaltung sozialen Kontakte spielt zudem eine wichtige Rolle. Ohne Telefon ist ein Jugendlicher in seinen Sozialbeziehungen behindert. Sanktionen gegen diese Medien sind demnach ein Versuch, einen vorzeitlichen kindliche Schonraum zu erschaffen, werden sich jedoch nicht durchsetzen können. Nach Preuss-Lausitz wird jedoch die krisenhafte kindliche Lebenserfahrung in den 90er Jahren oft hauptsächlich mit dem Wandel der Familie zusammen gesehen.

Wandel der Familie, was ist das? Zum einen der Trend hin zu einer Pluralität der Formen des erwachsenen Zusammenlebens, zum Anderen auch die Aufspaltung und Trennungsrate der Ehen. Wird heute ein Kind nur von der Mutter aufgezogen, geschieht dies das meist auf Grund einer Scheidung; der geschiedene Vater lebt nicht mehr zu Hause. In der unmittelbaren Nachkriegszeit war dies so, weil der Vater oftmals im Krieg gefallen war. Ein Drittel der Ehen wird heutzutage geschieden, die statistische Ehedauer liegt bei nur fünf Jahren. Aus dieser Pluralität und Instabilität familiären Strukturen heraus wachsen Unsicherheiten seitens des Kindes.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Wandel der Kindheit in Bezug auf das Kinderbuch 'Lippels Traum'
Hochschule
Universität Erfurt  (Erziehungswissenschaften)
Note
gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V15578
ISBN (eBook)
9783638206464
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wandel, Kindheit, Bezug, Kinderbuch, Lippels, Traum
Arbeit zitieren
Stephanie Weingarten (Autor), 2001, Der Wandel der Kindheit in Bezug auf das Kinderbuch 'Lippels Traum', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15578

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