Dialekt und Akzent als Problem der Untertitelung und Synchronisation


Seminararbeit, 2004
30 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung in das Thema
1.1. Definitionen
1.2. Die Notwendigkeit der Übertragung von Akzent und Dialekt

2. Probleme der Übertragung von Filmen durch Dialekte und Akzente (in einzelnen Sprachen)

3. „Standardsprachen“
3.1. Die Deutsche „Standardsprache“
3.2. Englische „Standardsprachen“

4. Direkte und indirekte Äquivalenz
4.1. Was versteht man unter direkter Äquivalenz ?
4.2. Unmöglichkeit der direkten Äquivalenz Indirekte Äquivalenz

5. Mittel und Beispiele der indirekten Äquivalenz
5.1. Verbalisierung
5.2. Stilebene
5.3. Stimmqualität und Sprechweise

6. Wiedergabe von fremdsprachlichen Akzenten im Original
6.1. Nicht-deutsche, fremdsprachliche Akzente
6.2. Deutsch als fremdsprachlicher Akzent

7. Wiedergabe von Fremdsprachen im Original
7.1. Nicht-deutsche Fremdsprachen
7.2. Deutsch als Fremdsprache

8. Schluss

9. Bibliographie

1. Einführung in das Thema

Gegenstand dieser Arbeit im Rahmen des Proseminars zur Einführung in die Untertitelung und Synchronisation ist die translatorische Problematik der Übertragung von Akzenten und Dialekten in Film- und Fernsehmaterial, welches es in eine andere Sprache und Kultur zu übertragen gilt.

Zunächst wird daher auf die Definition von Akzent, Dialekt und Standardsprache eingegangen, und auf ihre Aufgabe in Filmen und Fernsehserien. Die nachfolgenden Beispiele beschäftigen sich alle mit Filmen. Zudem wird der Einfachheit halber vor allem auf die Übertragung von einer Fremdsprache (vorwiegend Englisch) ins Deutsche eingegangen, da dies auch in der Praxis der häufigste Weg ist. Denn eine Fülle von Hollywood-Produzierten Filmen wird jährlich in deutsche Kinos gebracht und bedarf der Übertragung ins Deutsche. Der umgekehrte Weg ist eher die Ausnahme, stellt aber die gleichen Probleme dar, die auf die gleiche Art und Weise gelöst werden können.

Der Problematik der direkten Äquivalenz, bzw. der Frage, ob man diese überhaupt erreichen kann, wird in den nachfolgenden Kapiteln nachgegangen. Das Erreichen einer indirekten Äquivalenz durch verschiedene Mittel ist der häufigste Weg, um die Handlung und Atmosphäre eines Films zumindest halbwegs und ohne dass der Zuschauer dies bemerkt, in die Zielsprache und –kultur zu transferieren.

Fremdsprachen und fremdsprachliche Akzente werden ebenfalls behandelt. Sie finden ebenfalls in vielen Filmen Verwendung, führen jedoch, wie erklärt werden wird, weitaus seltener zu Problemen als innersprachliche Varietäten dies tun.

1.1. Definitionen

Zunächst muss der Unterschied zwischen Akzent und Dialekt deutlich gemacht werden. Im Meyers Lexikon, 9. Auflage, heißt es:

Akzent [lat.; eigtl. = das Antönen, Beitönen],

Tonfall; Aussprache, Sprachmelodie, typ. Lautform bestimmter Personen (z. B. er spricht dän. A.).

Dialekt [gr.],

Mundart (im Gegensatz zur Hochsprache).

landschaftl. begrenzte Teilsprache, geograph. Unterabteilung eines Sprachgebiets.

Die Brockhaus-Enzyklopädie, 19. Auflage bietet für jene Begriffe folgende Definitionen an:

Akzent [lat.; eigtl. = ›das Antönen‹, ›Beitönen‹] der, -(e)s/ -e,

1) allg.: charakterist. Lautform einer sprachl. Äußerung; auch nachdrückl. Hervorhebung.

[…] individuelle Sprechweise, z. B. als Idiolekt oder als Mundart.

Dialekt [griech. dialéktos ›Gespräch‹, ›Redeweise‹] der, -(e)s/ -e,

1) Sprachwissenschaft örtlich oder regional gebundene besondere Form einer Sprache, Mundart.

Diese Enzyklopädie stellt aber weitere Information über die gesuchten Termini zur Verfügung und schafft damit mehr Klarheit über dieses Thema.

Mundart, Dialekt, örtlich oder regional bedingte sprachl. Sonderform vor dem Hintergrund der Hoch- bzw. Standardsprache. Die M. ist nicht an die Norm der Hochsprache gebunden und stellt im Extremfall ein eigenes, von dieser phonetisch, lexikalisch und grammatisch unterschiedenes Sprachsystem dar. Historisch gesehen, bewahrt sie oft frühere Sprachzustände und älteres Wortgut als die Hochsprache […]

Sie [ist] i. d. R. mündl. Verkehr vorbehalten. […] Die M. ist nicht an eine soziale Schicht, wohl aber an eine bestimmte (regionale oder lokale) Gruppe und Sprechsituation (und damit z. T. auch an bestimmte soziale Bezüge) gebunden. Grundsätzlich steht sie in ständiger Wechselbeziehung mit Hoch- und Umgangssprache.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Akzent sich allein auf die Aussprache bezieht. Er tritt sowohl innerhalb einer Sprache auf, wie zum Beispiel der amerikanische Südstaatenakzent, als auch zwischen Aus- und Inländern (z.B. französischer Akzent im Deutschen). Der Dialekt dagegen bezieht sich auf die gesamte Aussprache, Wortschatz und Grammatik einer Sprache. Er tritt immer innerhalb einer Sprache auf. Im Deutschen ist dies z.B. beim bairischen der Fall. Neben der Aussprache fallen hier auch völlig andere Wörter auf[1], wie auch eine veränderte Grammatik, die im hochdeutschen als falsch betrachtet wird.[2]

1.2. Die Notwendigkeit der Übertragung von Akzent und Dialekt

Akzent und Dialekt sind in Rahmen der Synchronisation ein relevantes Problem, weil sie wichtige Elemente der Sprechsituation ausdrücken. In den meisten Sprachen werden bestimmte Klischeevorstellungen mit bestimmten regionalen und sozialen Dialekten und Akzenten verbunden. Für den Zuschauer bzw. Zuhörer spielen diese Klischeevorstellungen eine wichtige Rolle, weil sie die regionale und soziale Einordnung, sowie die ethnische Zugehörigkeit eines dargestellten Charakters ausdrücken.

Im Englischen wurden Untersuchungen durchgeführt, die zu dem Ergebnis kamen, dass das Englisch aus Großbritannien, über sogenannte social connotations verfügt[3]. Diese Untersuchungen ergaben auch, dass die Bedeutung von vielen Adjektiven sich abhängig von der Region voneinander unterscheiden.

In Hinblick auf die Verbindung von Dialekten und Stereotypen gibt es über das Deutsche nicht so viele Untersuchungen wie über das Englische. Nichtsdestotrotz wird in der vorhandenen Literatur die Ansicht vertreten, dass Dialekte und Akzente eine wichtige Funktion im deutschen Sprachgebrauch haben[4]. In diesem Zusammenhang schreibt Hartig[5]: „[...] daß der Dialekt [...] eine hohe Funktion als soziales Identifikationsmittel erworben hat. Der Dialekt ist Etikett und wird auch so von den Verwendern eingeschätzt. Bemerkungen wie ,daran erkennt man, ob...’, wenn jemand den Dialekt spricht, sind ein deutlicher Hinweis auf diese Funktion“. Auch Herbst ist dieser Ansicht:

Dialekte haben ihre Funktion als öffentliches Kommunikationsmittel in begrenzten regionalen Bereichen verloren und werden zunehmend als sozialer Indikator entweder für soziale Rückständigkeit und Inferiorität oder als Indikator für ein bestimmtes elitäres Bewusstsein (wie beispielsweise in Bayern) eingesetzt.

In Deutschland haben Akzent und Dialekt keine social marker -Funktion wie in Großbritannien. Deshalb könnte man auch sagen, dass bestimmte deutsche Dialekte mit bestimmten Klischeevorstellungen verbunden werden, und diese können auch filmisch genutzt werden.

Im Originalfilm geben Akzent und Dialekt nicht nur viele Informationen über einen Sprecher, seine regionale Herkunft oder soziale Stellung her, sondern auch über einzelne Stereotypen, welche die Atmosphäre des Filmes ausmachen. Diese Stereotypen zeigen Unterschiede zwischen den Rollen, sowie den Kontrast zwischen den verschiedenen Welten der Hauptfiguren.

Unterschiede zwischen Akzenten und Dialekten lassen sich besonders gut am Beispiel zwischen Britischer und US-Amerikanischer Sprechweise darstellen. Es ist bekannt, dass Briten und Amerikaner nicht nur verschiedene Akzente haben, sondern auch einen unterschiedlichen Wortschatz. Was z.B. für einen Amerikaner soccer, elevator und sidewalk sind, heißt für den Briten football, lift und pavement. Im Film The 51st State werden diese sprachlichen Unterschiede ganz deutlich aufgezeigt und tragen maßgeblich zur Atmosphäre des Filmes bei. In dem Film geht es um einen Afroamerikaner (Samuel L. Jackson) aus L.A., der im englischen Liverpool eine chemische Formel für eine Wunderdroge verkaufen will. Dabei wird er von einem englischen Kleinganoven (Robert Carlyle) unterstützt.

Der Film spielt wie bereits erwähnt im englischen Liverpool und wird stark von den kulturellen und sprachlichen Unterschieden zwischen US-amerikanischer und britischer Lebens- und Sprachweise geprägt. In diesem Zusammenhang verkörpert Samuel L. Jackson mit seinem typischen Slang in seiner Rolle die Afroamerikanische Kultur, wohingegen Robert Carlyle mit seinem starken Liverpooler Akzent die britische Kultur und Sprechweise verkörpert. Die Unterschiede zwischen beiden Kulturen und Sprechweisen werden während des Filmes des Öfteren betont und hervorgehoben.

In einer frühen Szene am Flughafen gibt der Amerikaner dem Engländer seine Golftasche und sagt:

- “Put this´n the trunk”.

Und der Engländer gibt die Golftasche dem Fahrer und sagt:

- “Put these fucking Sticks in the boot”.

Auf Deutsch wird diese Szene folgendermaßen übersetzt:

- “Packen Sie das in den Kofferraum.”
- “Pack die beschissenen Sticks in den

Kofferraum.”

Auf Deutsch gibt es keinen Unterschied für das Wort Kofferraum, und ein solcher kann somit auch nicht verwand werden, wodurch der Film in dieser Szene einen Teil seiner Atmosphäre verliert.

Im gleichen Film gibt es noch ein Beispiel für den Unterschied zwischen dem britischen und dem nordamerikanischen Akzent. Samuel L. Jackson und Robert Carlyle sitzen im Auto und überlegen sich, wo sie ihre Droge herstellen könnten. Das Wort laboratory wird im britischen Englisch anders betont als im amerikanischen Englisch. Da die Aussprache nicht ausgedrückt werden kann, wird die betonte Silbe hier unterstrichen und die gedehnte Aussprache in Grossbuchstaben geschrieben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Probleme der Übertragung von Filmen durch Dialekte und Akzente (in einzelnen Sprachen)

Bei der Übertragung von Akzenten und Dialekten in eine andere Sprache stößt der Übersetzer auf vielfältige Probleme, die oft nur schwer zu lösen sind. So auch wiederum im Film The 51st State: Während einer Autoverfolgungsjagd benutzt der Engländer typische britische Flüche und Schimpfwörter und später fragt ihn der Amerikaner, der nichts von alledem verstanden hat, nach einer Erklärung:

- “So let me get this straight: Bollocks is bad, where the dog’s bollocks is good?”
- “Yeah…”

[...]


[1] z.B. „Bub“ für „Junge“

[2] z.B. „Ich war gesessen“ an Stelle von „Ich habe gesessen.“

[3] Herbst zitiert Trudgill und Giles (1978:180) in S.91.

[4] s.h. Hartig (1981:S.28) S.93, Herbst (1993).

[5] Herbst zitiert Hartig (1981:S.28) in S.93.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Dialekt und Akzent als Problem der Untertitelung und Synchronisation
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (FTSK Germersheim)
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
30
Katalognummer
V156096
ISBN (eBook)
9783640696413
ISBN (Buch)
9783640696147
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dialekt Akzent Untertitelung Synchronisation Englisch Deutsch
Schlagworte
Synchronisation Untertitelung Akzent Dialekt Filme Englisch Deutsch
Arbeit zitieren
Clara Fenocchio (Autor), 2004, Dialekt und Akzent als Problem der Untertitelung und Synchronisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156096

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