BISMARCK - historische Persönlichkeit im Spiegel der Zeit

Der Bismarck-Mythos im Spiegel der Zeit – die Geschichte einer Umfunktionierung


Examensarbeit, 2009
35 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Begründender Teil
1.1 Bedingungsanalyse
1.2 Sachanalyse
1.3 Ziele
1.3.1 Übergeordnete Ziele
1.3.2 Ziele der Unterrichtsstunde
1.4 Didaktisch-methodische Analyse

2 Verlaufsskizze der Unterrichtsstunde

3 Anhang
3.1 Literaturverzeichnis
3.2 Tafelbilder/Kopien der eingesetzten Medien.
1.) Rollenkarten zum Rollenspiel Stadtratssitzung in Radebeul
2.) Aufruf zum Bau von Bismarcksäulen.
3.) Folie: Wilhelm Kreis´ Entwurf eines Bismarckturmes
4.) DNN-Beitrag, 13.11.2009
5.) Arbeitsmaterialien Historikertag (Fachsektionen)
6.) Sektionsberichte Historikertag (Fachsektionen) / Ergebnissicherung
7.) Tafelbild: Bewertung Bismarck / Ergebnissicherung
8.) Erwartungsbilder: Fachsektionen und Bewertung Bismarcks
9.) Audiovisuelle Medien.
10.) PowerPoint-Präsentation

1 Begründender Teil

1.1 Bedingungsanalyse

Der Unterricht findet montags als Blockunterricht in den Stunden fünf und sechs statt (11:10 – 12:40 Uhr). Die Prüfungslehrprobe erstreckt sich über diesen Zeitraum, da die Schüler[1] (17 Kursteilnehmer) an diesen Rhythmus gewöhnt sind. Eine Verlegung des Unterrichts oder Umplanungen im Stundenplan erübrigen sich daher. Der Blockunterricht wird am Gymnasium durch größere Pausen (20 Minuten) unterbrochen, sodass den Schülern ausreichend Zeit zum Kraft tanken bleibt. Am Gymnasium L. wurde das Pausenklingeln abgeschafft. Seit Eröffnung des renovierten Weinberghauses ist dort allerdings wieder ein Eröffnungsgong vor jedem Block etabliert worden. Für den Altbau gilt weiterhin die alte Regelung, dass nicht vor- bzw. abgeklingelt wird. Dies ist insgesamt als den Unterrichtsbetrieb entspannend zu bewerten. Jedoch kann es vorkommen, dass Schüler nicht immer pünktlich zum Unterricht erscheinen.

Den Grundkurs elf konnte ich seit September kennen lernen. Für eine angemessene Beurteilung der Leistungsstruktur der Lernenden genügt das einmalige Sehen in der Woche nicht. Hinsichtlich der Kurssituation und historischen Kompetenz der Schüler können dennoch grundlegende Bemerkungen vorgenommen werden, da sich im Zuge des Lernbereiches, als teilweise auf Vorwissen aus Klasse acht zurückgegriffen wurde, Leistungsdiskrepanzen zwischen den Schülern ergaben. Zwei Schüler des Kurses gehören zu den eindeutig leistungsschwachen Lernenden. Die Mitarbeit ist hier selbst bei direktem Ansprechen grundlegend nicht existent. Weil die Schüler die gleiche Arbeitseinstellung ebenso in einem Grundkurs GRW[2], in dem ich bereits seit Schuljahresbeginn hospitiere, an den Tag legen, vermute ich, dass ihnen die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer nicht liegen. Mitunter quatschen sie oft und lenken sich gegenseitig ab. Da dieser Zustand über mehrere Stunden anhielt, musste eine Sitzplanänderung vorgenommen werden. Eine Schülerin hingegen legt die gleiche Dominanz in Unterrichtsgesprächen an den Tag wie im GRW-Kurs. Ihre Antworten sind qualitativ hochwertig und sie hilft, das Unterrichtsgespräch voranzubringen. Zudem zeigt sie damit, dass sie der vorbereitenden Lektüre nachkommt, was beim Großteil des Kurses nicht angenommen werden kann. Im Zuge der Ergebnissicherung, Vertiefung und Anwendung kristallisierten sich erwartungsgemäß immer wieder dieselben Schüler heraus, die das Unterrichtsgespräch aktiv mitgestalteten und insgesamt eine stetige Mitarbeit zeigten. Im Kurs befindet sich ein slowakischer Austauschschüler. Er beherrscht die deutsche Sprache nur rudimentär und, worüber die Schulleitung von mehreren Seiten bereits in Kenntnis gesetzt wurde, gibt sich auch nicht viel Mühe bei deren Erlernung. Andere Schüler sprechen mit ihm meist Englisch, was seine Deutschkenntnisse nicht verbessert. Seine Mitarbeit ist nicht vorhanden. Der Schüler wird über die Stunde hinweg zwar physisch anwesend sein, jedoch den Inhalt nicht verstehen. Auf Fragen kann er grundsätzlich nie antworten, weshalb er auch in dieser Frage nicht gefragt werden wird. Dieses Problem kann in der Stunde nicht gelöst werden. Als sehr geeignet für diesen Kurs erachte ich Hausaufgaben, die das vorbereiten, was im Unterricht problematisiert werden soll. Vorbereitende Lektüre wird deshalb obligatorisch und weitgehend am Kursbuch Geschichte ausgerichtet sein. Mitunter wurde bisher auch Zusatzliteratur per E-Mail verschickt. Interessierte Schüler sollen so die Möglichkeit haben, über Lehrbuchwissen hinaus Geschichte reflektieren zu können. Durch den Unterricht an einem Tag in der Woche bleibt es nötig, dass die Schüler die jeweiligen Sitzungen vorbereiten, um effektives Arbeiten an den vom Lehrplan geforderten Problematisierungen im Anforderungsbereich III zu erreichen. Ereignisgeschichtliche Textlektüre ist als diese vorbereitend sinnvoll zu erteilen. Da zu allen Schülern E-Mail-Kontakt hergestellt werden kann, können Kopien auch digital verschickt werden, um den Kopieraufwand in Grenzen zu halten.

Für den Unterricht stehen Medien in Form von Overheadprojektor und eine elektronische Flipchart-Tafel zur Verfügung. Mittels der Tafel können Filme oder aber auch Seiten im Internet besucht werden, die den Unterricht sehr zu bereichern helfen. Diese Art von Tafel spart somit Ressourcen (Kreide, Papier, Folien), indem ferner mit PowerPoint gearbeitet werden kann. Die Schüler schätzen dieses Medium sehr. PowerPoints gehen den Lernenden nach jeder Stunde per E-Mail als pdf-Dokument zu, um die Ergebnissicherung zu gewährleisten. Alles in allem hat sich dieses Medium als nur vorteilhaft erwiesen. Allerdings ist das Schreiben an der Tafel mit dem Ende des Schuljahres 2008/2009 nicht mehr möglich. Bisher konnte die Schreibfunktion der Tafel nicht repariert werden, weshalb ich die Tafelbilder meist als PowerPoint-Präsentation vorbereitete, die sich an Arbeitsblättern orientierten. Sollte ein Tafelanschrieb nötig werden, kann alternativ ein Word-Dokument geöffnet werden. Dies wird am Ende der Stunde bei der Bewertung Bismarcks der Fall sein. Hier wird dann mittels Tastatur geschrieben.

Das Zimmer L 25 hat den Nachteil, dass es im Gebäude Richtung Nordosten liegt. Im Sommer besteht eine gute Arbeitsatmosphäre, da es im Zimmer kühl ist. Wenn nicht richtig geheizt wird – gerade in den kalten Jahreszeiten – verkehrt sich der Vorteil in einen Nachteil. Gerade Hospitierenden wird dieser Nachteil schnell offenbar. Zur Verdunklung können Rollos heruntergelassen werden. Für den Film wird es genügen, das vordere Rollo unweit der Tafel zu senken.

An unserer Schule ist es erlaubt, im Unterricht zu trinken. Dies wird nicht als Respektlosigkeit angesehen. Die Befriedigung körperlicher Bedürfnisse sollte nicht sozialen Konventionen wie dem Zeitregime unterworfen werden. Die Praxis hat gezeigt, dass damit keine Beeinträchtigung des Unterrichts einhergeht.

1.2 Sachanalyse

Unser Geschichtsbewusstsein ist durchdrungen von Geschichtsbildern und Mythen. Ein sich bis heute im Gedächtnis der Deutschen haltender Mythos ist der um den „eisernen Kanzler“, der die Einheit von 1871 schuf.[3] Bismarcks geschichtliche Größe ist jedoch eine Geschichte von Zufällen. „Ein paar für Preußen verlorene Schlachten, ein anderer Ausgang des preußischen Verfassungskonflikts von 1862, ein anderes Ergebnis des Krimkrieges, wodurch andere internationale Rahmenbedingungen für die Gestaltung Mitteleuropas gesetzt worden wären: Bismarcks Schöpfung wäre nicht entstanden.“[4] Und auch Bismarck selbst wäre – als einer von vielen in der Reihe der für Preußen tätigen Politiker – eine Fußnote in der Geschichte geblieben. Augstein charakterisierte Bismarck als miesen Despoten, großen Mann und großen Stilisten.[5] Sicher ist basal festzustellen: er war von Zeit zu Zeit alles zugleich. Das positive und verklärte Bild über Bismarck überwog lange Zeit; auch heute noch scheint es, die Jahre der Bismarck-Zeit maßvoller in die neuere deutsche Geschichte einzuordnen, und mit ihr den Reichskanzler selbst. Unter den „großen Deutschen“[6] nimmt er einen vorderen Platz ein. Dennoch: „Der erste, 1871 entstandene deutsche Nationalstaat gehört also nicht nur zur Vorgeschichte von 1933, sondern auch von 1990.“[7] Umso mehr muss man fragen, ob unserer Gegenwart der Bismarck-Mythos als Beglaubigung durch Wiederholung der Vergangenheit[8] noch dienen sollte, und inwiefern er unser Bild über Bismarck beeinflusst? Das vereinigte Deutschland steht in der Tradition des Parlamentarismus´. Bismarck war alles andere als ein Parlamentarier. Die ihn verehrten, stimmten darin überein und huldigten dem Diktum, nur große Männer machten Geschichte. Unserer modernen Massendemokratie heute fehlen „große Männer und Frauen“. Schauen wir deshalb gern in die Vergangenheit zurück und besonders gern auf Einzelpersonen, auf Otto von Bismarck, Konrad Adenauer, Willy Brandt und Helmut Schmidt? Vielleicht!?

Der Bismarck-Kult setzte noch zu Lebzeiten des Altreichskanzlers ein. Von Daelens[9] lyrischer Verarbeitung der Reichsgründung bis hin zu Zeitlers „Fackeln“, die Bismarck in das deutsche Volk geworfen habe, um für Jahrhunderte „unsern Weg“ zu erhellen[10], reicht die Überhöhung Bismarcks im Kaiserreich. Die deutsche Propaganda im Ersten Weltkrieg[11] bemühte Bismarck ohne Skrupel, um Wilhelms II. Politik zu sanktionieren. Doch Wilhelm zerstörte das, was Bismarck geschaffen hatte – ein saturiertes Reich im Herzen Europas auf Augenhöhe mit anderen Großmächten. Das Sammelsurium über die Größe Bismarcks blieb in der jungen Demokratie von Weimar im Reservoir des kollektiven Geschichtsbewusstseins vor allem bei Skeptikern der Demokratie. Die Zeiten wurden magerer – und in mageren Zeiten blühen keine Demokratien. Viele Deutsche plagten Zukunftsängste, was Groos bereits 1920 in die verhängnisvolle Hoffnung goss, „daß die deutsche Erde noch immer die Kräfte birgt, um wieder einen Führer erstehen zu lassen, der seinem Volke zurufen darf: Vor mir der Tag und hinter mir die Nacht!“[12] Versuche, der „Legende vom Eisernen Kanzler“[13] in der Weimarer Republik entgegenzuwirken, verfingen sich am Wunsch nach einem starken Führer und der grundsätzlich antiparlamentarischen Stimmung[14] im Lande. Der Kriegsschuldparagraph von Versailles und die Dolchstoßlegende taten ihr übriges. Der Konstruktionsfehler (Artikel 48) in der Weimarer Reichsverfassung gab der Demokratie zu Beginn der 1930er Jahre vollends den Rest. Preußen und Bismarck hatten im kollektiven Gedächtnis weiterhin einen unbestrittenen Platz – in Anbetracht der Weltwirtschaftskrise ein paradiesisches Bild, an dem sie festhalten konnten. Mit dem 30. Januar 1933 begann dann jene Überhöhung Bismarcks, die in den zahlreichen Historikerkontroversen im Nachkriegsdeutschland einen tiefen Bruch mit der deutschen Geschichte anbahnten, sogar von einem „Irrweg“ seit Bismarck sprachen. Die Nationalsozialisten eigneten sich die Mythen der deutschen Geschichte an, um ihre Herrschaft legitimieren zu können. So verwundert es nicht, dass der 21. März 1933 („Tag von Potsdam“) an die Eröffnung des Reichstages am 21. März 1871 durch Bismarck erinnern sollte. Bismarcks Geburtstag nutze Goebbels am 1.4.1933 bei einer Versammlung am Bismarckdenkmal in Berlin, um Hitler und Bismarck als Revolutionäre des 19. und 20. Jahrhunderts darzustellen.[15]

Trotz der kalkulierten Kontinuitätskonstruktionen zeigte sich dennoch eine entscheidende Bruchlinie zwischen den beiden Reichen, wenn Fritz Linde 1939 beispielsweise davon schrieb, dass „das Reich Bismarcks […] keine grundsätzliche Lösung der deutschen Frage“[16] war. Mit Hitlers Lebensraumkonzept und Großdeutschem Reich hatte Bismarcks Reich in der Tat nichts gemein. Umso mehr aber wird, trotz umgekehrter Vorzeichen der beiden Reiche, gerade in Buschs Buch „Mit Bismarck vor Paris“ jene aus den Anfangsjahren der Nationalsozialisten generierte Kontinuität von Bismarck zu Hitler am Terminus eines „neuen großen Schicksalskampfes unseres Volkes“[17] zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges propagandawirksam revitalisiert. Abermals sollte das kollektive Gedächtnis der Deutschen zur Vergangenheit einer Vergewisserung unterzogen werden. Wolfgang Liebeneiners Film „Bismarck“ steht hier vertretend für die vielen Preußenfilme der Zeit. Bismarck wird hier durch und durch zum Wegbereiter des „Dritten Reiches“.

Elsters Pamphlet rechnete in Anlehnung an Bismarck rigoros mit dem innenpolitischen Hader ab und formulierte den „Primat der Außenpolitik“, der sich nun 1940 im Kampf Deutschlands gegen die westlichen Plutokratien erneut zeige. Gleichsam wurde mit rassischen Untertönen die „preußisch-deutsche Natur“ als „Kräftesammlung [...] für die Lebensbehauptung […] des Volkes“[18] deklariert. Diese Ziele unterstellte man der Bismarckschen Politik ebenso, sodass hier wieder von Bismarck auf Hitler jene sich selbst erfüllende Kontinuitätslinie gezogen werden konnte. Wie 1871 stand Deutschland 1940 in einem Schicksalskampf. Auch Bismarcks Politik, so Meyer, habe die Sehnsucht geleitet, „von der Kraft des deutschen Volkes getragen“[19] zu werden. Hieraus sprach gegen Ende des Krieges (1944) die Sehnsucht der Nationalsozialisten, den Krieg zu gewinnen und mit allen Mitteln den naturgesetzlichen Schicksalskampf der beiden Reiche im kollektiven Gedächtnis der Deutschen kontinuierlich zu verankern. Spätestens seit Stalingrad war klar, dass der Krieg verloren war.

Mit der Niederlage Deutschlands verschwand Preußen durch den Willen der Alliierten von der Landkarte. Mit ihm verschwanden auch die in Jahrzehnten generierten Mythen aus dem öffentlichen Raum. In der Stunde Null stand die deutsche Geschichte auf dem Prüfstand. Mit Saitschiks Diktum, dass Bismarcks Reich den Führerkult und das „Dritte Reich“ angebahnt habe[20], war die Debatte um den deutschen Sonderweg ausgelöst.[21] Zahlreiche Historiker der jungen Bundesrepublik schwenkten auf diese Linie ein, was besonders in der sog. Fischer-Kontroverse um die Kriegsschuldfrage zur Julikrise 1914 deutlich wurde. Die Debatte dauerte bis in die 1980er Jahre an. So tief saß die Verunsicherung, wie nach den Schrecken des Naziregimes mit Bismarck und der deutschen Geschichte überhaupt umgegangen werden solle. Die Konfliktlinie bestand zwischen denen, die Bismarck „retten“ wollten und denen, die ihn in Verbindung mit dem deutschen Sonderweg brachten. 1950 schrieb Schüssler noch von einem nebulösen „Gewebe von Notwendigkeit und Zufall“[22] hinsichtlich des geschichtlichen Standorts Bismarcks. Jedoch grenzte er bereits richtig Bismarck und Hitler voneinander ab, indem er Bismarcks Ziele von völkischen Ideen der NS-Zeit klar trennte. Golo Mann nahm eine ebenso vermittelnde Position ein: „Es hat keinen Sinn, sich den Menschen in einer anderen Zeit vorzustellen, als in der, in der er lebte. Zeit und Individuum gehören zusammen.“[23] Lothar Gall schloss seine Bismarck-Biographie ähnlich, indem er lediglich den Vertretern des deutschen Sonderwegs beipflichtete, dass Bismarck in seinem Tun und Lassen „zum Mitschöpfer dieser Welt“[24] geworden sei, die dann jener verhängnisvollen Politik den Boden bereitete und die zwei Weltkriege von deutschem Boden ausgingen ließen. Nichts desto trotz stand neben diesem moderaten Bismarckbild, das frei von Kult und Kitsch analytisch erforscht wurde, jener von Fritz Fischer zu Recht aufgezeigte Irrweg der deutschen Geschichte, der nach Bismarcks Abgang zu einem „Griff nach der Weltmacht“ wurde.

Der Umgang mit dem Bismarckbild in der DDR war ein anderer, wenn er latent jedoch die Vertreter der Sonderwegsdebatte unterstützte. Das Bismarckbild war mehrfachen Veränderungen unterworfen.[25] Dies gerade auch aus dem Grund, dass sich die DDR nicht als Rechtnachfolgerin des Dritten Reiches sah. Hier versteifte man sich auf den Kampf und die Sammlung der Arbeiterklasse gegen das Sozialistengesetz, was schließlich, wie es im Lehrplan 1969 hieß, zum „Sturz Bismarcks“ geführt habe.[26] Mit dem „Preußenjahr 1981“ begann eine Wende im Denken und der öffentlichen Erinnerungskultur. Einer großen Ausstellung im Berliner Gropius-Bau folgte seitens der DDR-Führung der Wiederaufbau des Reiterstandbildes von Friedrich dem Großen „Unter den Linden“. Der Umgang mit Bismarck blieb schwierig, wenn auch die meisten Historiker der DDR Bismarck „bewunderten“, weil sein geeintes Reich, so Heinz Wolter[27] urteilend, das Fundament für die Entfaltung der Arbeiterklasse und sozialistischen Arbeiterbewegung geschaffen habe.[28] Eine völlige Rehabilitation erfuhr er bis zum Ende der DDR nicht. Auch den Historiker Engelberg empörten beim Schreiben seiner „wohlwollenden Bismarckbiographie“[29] im Jahre 1985 noch immer Bismarcks Sozialistengesetze. Er formulierte jedoch, „wie stark, vielschichtig-widerspruchsvoll und reich [Bismarck] als Persönlichkeit war und wie er sich dadurch als fähig erwies, die nach der gescheiterten Revolution von 1848 offenen Probleme auf seine Art von oben zu lösen“.[30]

[...]


[1] In den weiteren Ausführungen wird auf differenzierte weibliche und männliche Bezeichnung in der Schreibweise verzichtet. Wenn vom Schüler oder Lehrer geschrieben wird, schließt das aufgrund einer lesbaren Darstellung auch Schülerinnen und Lehrerinnen ein.

[2] G emeinschaftskunde/ R echtserziehung/ W irtschaft

[3] Wunderer, Hartmann: Geschichtsunterricht in der Sekundarstufe II, 2000, S. 34.

[4] Schulze, Hagen: Gibt es überhaupt eine deutsche Geschichte?, 1989, S. 48.

[5] Augstein, Rudolf: Wo liegt Bismarck nun wirklich?, in: Wiegrefe, Klaus: Staat von Blut und Eisen, in: Der Spiegel, Nr. 4, 2001, S. 72.

[6] Diese „Rankings“, wer ein großer Deutscher ist und wer nicht, finden meist in Sendungen privater Anbieter zahlreiche Konsumenten. Mitunter werden hier sehr unreflektiert Personen gewählt. Der Aussagewert über die Personen und zu Geschichte ist meist nahe Null. Als Unterhaltung tragen diese Sendungen als Ausdruck der Geschichtskultur zum kollektiven Bewusstsein bei; sie bleiben jedoch populärwissenschaftlich und oberflächlich.

[7] Winkler, Heinrich August: Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik, 2000, S. 2.

[8] Zinser, Hartmut: Theorien des Mythos, 1992, S. 155.

[9] Daelen, Eduard: Bismarck. Eine Vision, Mit 90 Illustrationen, 1882, S. 49 – 65.

[10] Zeitler, Julius [Hrsg.]/Bismarck, Otto von: Bismarck. Ein deutsches Heldenleben, 1910, S. 9.

[11] „Ja: im einzelnen trägt, das lehrt auch der gegenwärtige Weltenkrieg in unzähligen Heldentaten und stillen Pflichterfüllungen, jeder brave Musketier zum Enderfolge sein Teil bei; das wollen wir unsern Söhnen und Brüdern nie vergessen! Aber daß eben ein „Enderfolg“ zustandekomme, der der auf dem Altare des Vaterlandes dargebrachten Riesenopfer würdig sei, dazu muß ein „Mann aus Millionen“ da sein, der es versteht, dem vom Volke getragenen Willen zur rechten Zeit den rechten Ausdruck zu verleihen, ihn durchzudrücken.“, in: Helmolt, Hans F.: Bismarck. Der Eiserne Kanzler; zugleich Bismarcks Leben in Bildern und Dokumenten, 1915, S. 253.

[12] Groos, Karl: Bismarck im eigenen Urteil. Psychologische Studien, 1920, S. 247.

[13] Ludwig, Emil: Bismarck. Geschichte eines Kämpfers, 1926, S. 10.

[14] Die Nationalsozialisten gaben sich große Mühe, immer wieder die Gefahren des Parlamentarismus aufzuzeigen. Als wichtigster „Kronzeuge“ wurde auch hier Bismarck bemüht. vgl. in Linde, Fritz: Bismarck. Größe und Grenze seines Reiches, 1939, S. 235/236.

[15] Gerwarth, Robert: Der Bismarck-Mythos. Die Deutschen und der eiserne Kanzler, 2007, S. 170.

[16] Linde, Fritz: Bismarck. Größe und Grenze seines Reiches, 1939, S. 249.

[17] Busch, Moritz: Mit Bismarck vor Paris. Erlebnisse und Gespräche mit dem großen Kanzler während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71, 1940, S. 9.

[18] Elster, Hanns Martin: Bismarck. Größe und Tragik – Macht und Maß, 1942, S. 459 u. 460/461.

[19] Meyer, Arnold Oskar: Bismarck. Der Mensch und der Staatsmann, 1944, S. 415.

[20] Gerwarth, Robert: Der Bismarck-Mythos. Die Deutschen und der eiserne Kanzler, 2007, S. 181.

[21] Für den Unterricht sollte diese Debatte lediglich im Leistungskurs Erwähnung finden, da hier ausreichend Zeit für Längs- und Querschnitte zur Verfügung steht.

[22] Schüssler, Wilhelm: Der geschichtliche Standort Bismarcks, 1972, S. 399.

[23] Mann, Golo: Bismarck, 1971, S. 341.

[24] Gall, Lothar: Bismarck. Der weiße Revolutionär, 1990, S. 729.

[25] Gerwarth, Robert: Der Bismarck-Mythos. Die Deutschen und der eiserne Kanzler, 2007, S. 191.

[26] Lehrplan Geschichte Klasse 8, 9. Aufl., Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin, 1969, S. 32.

[27] vgl. Wolter, Heinz: Bismarcks Außenpolitik 1871 – 1881. Außenpolitische Grundlinien von der Reichsgründung bis zum Dreikaiserbündnis, Berlin, 1983, S. 5.

[28] Alter, Peter: Bismarck und die Historiker der DDR, 1993, S. 14.

[29] Gerwarth, Robert: Der Bismarck-Mythos. Die Deutschen und der eiserne Kanzler, 2007, S. 194.

[30] Engelberg, Ernst: Bismarck. Urpreuße und Reichsgründer, 1985, S. XIII.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
BISMARCK - historische Persönlichkeit im Spiegel der Zeit
Untertitel
Der Bismarck-Mythos im Spiegel der Zeit – die Geschichte einer Umfunktionierung
Hochschule
Sächsische Bildungsagentur Dresden  (Referat Lehrerausbildung)
Veranstaltung
Lehrprobe II. Staatsexamen (Sekundarstufe II)
Note
2
Autor
Jahr
2009
Seiten
35
Katalognummer
V156123
ISBN (eBook)
9783640714421
ISBN (Buch)
9783640714568
Dateigröße
4281 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Unterrichtsentwurf ist Bestandteil der im Rahmen des Zweiten Staatsexamens abgelegten Prüfungen für das Höhere Lehramt an Gymnasien. Dieser Lehrprobenentwurf für einen Grundkurs 11 (Geschichte) beinhaltet Bedingungsanalyse, Sachanalyse und didaktisch-methodische Analyse, zudem werden klare Zielformulierungen für die Stunde gegeben. Eine detaillierte Verlaufsplanung rundet die theoretischen Grundlagen ab und gibt der Stunde einen Fahrplan. Materialien (Tafelbilder, Kopien etc.) ergänzen die einzelnen Unterrichtsschritte und sind auf die Verlaufsplanung abgestimmt.
Schlagworte
BISMARCK, Persönlichkeit, Spiegel, Zeit, Bismarck-Mythos, Geschichte, Umfunktionierung
Arbeit zitieren
Daniel Fischer (Autor), 2009, BISMARCK - historische Persönlichkeit im Spiegel der Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156123

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