Darstellung der Grundgedanken des ersten und zweiten Abschnitts der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten


Seminararbeit, 2003
13 Seiten, Note: Leistungsschein

Leseprobe

Am Anfang des ersten Abschnitts der „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ legt Kant fest, dass der so genannte gute Wille das Einzige überhaupt ist, das man „ohne Einschränkung für gut“ (S.28) halten kann.

Nach Kant ist der gute Wille „an sich gut“ (S.29), und sein absoluter Wert liegt darin, dass er eben unabhängig von allem, wie zum Beispiel persönlichen Neigungen, Bedürfnissen und seinen Auswirkungen, gut ist. Selbst eigentlich für gut gehaltene menschliche Eigenschaften können in das Gegenteil umschlagen, wenn sie nicht von einem guten Willen geleitet werden. Der gute Wille berichtigt und kontrolliert also das gesamte Handeln.

Im Weiteren prüft Kant die Idee des guten Willens, da er zugibt, dass diese Idee etwas abstrakt und unrealistisch anmutet.

Wenn also alles in der menschlichen Natur darauf ausgerichtet wäre, glückselig zu sein, wäre die Einrichtung des Verstandes nicht sehr sinnvoll, da ja die Vernunft oft gegen die Instinkte handelt. Eine These ist, dass Menschen, die ihrer Vernunft nach handeln, diese bald hassen, da Menschen, die einfach nach ihrem Instinkt leben, der Glückseligkeit scheinbar näher sind.

Kritiker der Glückseligkeit als höchstes Ziel sehen eine „viel würdiger[e] Absicht ihrer Existenz“ (S.32, Z. 18), zu der die Vernunft das Mittel darstellt, und aus jenem Grund muss „die Privatabsicht des Menschen größtenteils nachstehen“ (S. 32, Z.21f). In dieser würdigeren Absicht ist nach Kant der gute Wille zu sehen, zu dessen Erreichung die Vernunft erforderlich ist. Der Wunsch nach Glückseligkeit muss hierbei zurückstehen und dabei kann es notwendig sein, gegen die eigene Neigung zu handeln. Der Zweck einer Handlung soll also durch die Vernunft bestimmt werden und dieses Handeln nach der Vernunft führt zu einer „Zufriedenheit nach ihrer eigenen Art“ (S. 33, Z. 17).

Um sich nun mit dem Begriff des guten Willens näher zu befassen, führt Kant den „Begriff der PFLICHT“ (S.33) ein, der „den [Begriff] eines guten Willens, obzwar unter gewissen subjektiven Einschränkungen und Hindernissen, enthält“ (S.33, Z. 32ff). Es gibt verschiedene Handlungen, die aus Pflicht ausgeführt werden können. Hierbei überspringt Kant die Handlungen, die „wirklich pflichtgemäß sind“ (S.34) und zu denen die Menschen „keine [direkte] Neigung haben“ (S.34), jedoch aber eine indirekte. Ein Beispiel hierfür wäre es, wenn jemand regelmäßig eine alte Verwandte besucht, und zwar nicht aus Pflichtbewusstsein (und Sympathie), sondern nur um sich das Erbe zu sichern. In Fällen wie diesen lässt sich leicht überprüfen, ob aus Pflicht oder aus Eigennutz gehandelt wurde. Der Unterschied zwischen der „pflichtmäßige[n] Handlung aus Pflicht“ (S.34) und der pflichtmäßigen Handlung aus direkter Neigung ist allerdings schwieriger festzustellen.

Nach Kant ist es zum Beispiel eine Pflicht, sich selbst am „Leben zu erhalten“ (S.34), und die meisten Menschen bewahren ihr Leben „zwar pflichtmäßig, aber nicht aus Pflicht“ (S.35, Z. 3), sondern eben aus unmittelbarer Neigung. Die Maxime hat aber erst dann moralischen Gehalt, wenn die Handlung in erster Linie auf Pflicht basiert, wie das Beispiel eines Lebensmüden - welches Kant anführt (S. 35, Z. 4ff) – verdeutlicht, der nur und ausschließlich aus Pflicht am Leben bleibt.

Auch Wohltätigkeit zählt zu den Pflichten, wobei auch hier wieder genau zu unterscheiden ist, ob aus Pflicht oder aus Neigung (zum Beispiel nach Lob und Ruhm) gehandelt wird.

Die „eigene Glückseligkeit [...] sichern“ (S.36) gehört indirekt auch zu den Pflichten, wie Kant einräumt, da Menschen, die unzufrieden sind, leicht dazu neigen sich nicht an die Pflichten zu halten wie sie es sollten, wobei allerdings nicht genau bestimmbar ist, was Glückseligkeit ist.

Der moralische Wert einer Handlung liegt „in der Maxime, nach der sie beschlossen wird“ (S. 37), und nicht etwa „in der Absicht“ (S.37) oder der erhofften Wirkung. Wichtig ist also das „Prinzip des Wollens“ (S.38, Z.1f).

Wie bereits im Abschnitt über den guten Willen festgestellt, können die Absichten bzw. die „Zwecke und Triebfedern des Willens“ (S. 38, Z. 6) keinen absoluten und somit auch keinen moralischen Wert haben, da sie immer nur relativ an eine bestimmte Situation und einen bestimmten Willen gebunden sind. Der Wert eines Willens kann also nur „im Prinzip des Willens“, also einem allgemeinen Gesetz, liegen, nicht aber im Willen, der „in Beziehung auf [die] verhoffte Wirkung [des Willens]“ (S. 38, Z. 10) immer relativen Wert haben muss.

Damit wird eine Handlung, die aus Pflicht – also mit moralischem Wert behaftet - geschieht, vom Prinzip des Wollens bestimmt, welches, wie bereits von Kant im Abschnitt über den guten Willen ausgeführt wurde, „a priori“ (S.38), also rein „formell“ (S.38), sein muss. Die Triebfeder, die – da ja relativ – „a posteriori“ (S.38), „materiell“ (S.38) determiniert ist, ist für die Handlung aus Pflicht nicht von Interesse. Aus diesem Grund kann man nur Achtung vor dem Gesetz, nicht aber vor Neigungen bzw. deren Wirkungen haben.

Aus den vorherigen Ausführungen Kants folgt nun dieser Satz: „Pflicht ist die Notwendigkeit einer Handlung aus Achtung fürs Gesetz“ (S.38, Z. 24f).

Kant wirft nun die Frage auf, welches Gesetz den Willen so bestimmen kann, damit dieser uneingeschränkt gut sein kann. Da der Wille keinen Anreiz mehr haben soll, einem beliebigen Gesetz zu folgen, um daraus einen Vorteil zu ziehen, bleibt nur eine allgemeine Art der Gesetzgebung übrig, die auf keinen spezifischen Inhalt bezogen ist. Als Antwort gibt Kant hier die erste Variante des kategorischen Imperativs, den er allerdings erst später so benennt: „ich soll niemals anders verfahren, als so, daß ich auch wollen könne, meine Maxime solle ein allgemeines Gesetz werden“ (S. 40, Z. 12ff). Dies erläutert Kant an einem Beispiel: Darf man ein Versprechen geben, von dem man von vornherein weiß, dass man es nicht halten wird? Oberflächlich und für den Einzelfall betrachtet, scheint es in einigen Situationen hilfreich zu sein, so zu handeln. Prüft man nun, ob diese Maxime zu einem allgemeinen Gesetz werden könnte, stellt man fest, dass diese sich schnell selbst zerstören würde. Ein Versprechen hätte keinen Wert mehr, da niemand mehr einem anderen ein Versprechen abnehmen würde, und deshalb würden Versprechen sinnlos werden.

Hiernach gibt Kant folgende Definition von Pflicht: „...die Notwendigkeit meiner Handlungen aus reiner Achtung fürs praktische Gesetz [ist] dasjenige, was die Pflicht ausmacht...“ (S. 43, Z. 10ff). Um die Funktion des allgemeinen Gesetzes noch einmal zu verdeutlichen, wählt Kant hier das Bild eines Kompasses, der in jedem Menschen oft unbewusst vorhanden ist, und anzeigt, was zu tun oder zu lassen sei. Wenn also die Menschen von sich aus richtig beurteilen und handeln können, vernünftiges Handeln also gut ohne eine Theorie auskommt und ohne sie scheinbar sogar besser funktioniert, warum sollte man nicht beim „praktischen Beurteilungsvermögen“ (S. 43, Z.36f) bleiben? Die Erklärung hierfür lautet nach Kant folgendermaßen, nämlich dass Menschen dazu neigen, das allgemeine Gesetz durch ihre Vernunft zu beugen und ihren Neigungen gemäß für sich angenehmer zu machen. Dieses allerdings kann vom Verstand wiederum nicht gebilligt werden. Diesen Vorgang nennt Kant eine „natürliche Dialektik“ (S.45, Z.20). Vernünftige Wesen brauchen also eine „praktische[n] Philosophie“ (S.45, Z. 34f), um in ihr Lösungen für die Probleme, die durch die natürliche Dialektik entstehen, zu finden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Darstellung der Grundgedanken des ersten und zweiten Abschnitts der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Kant – Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
Note
Leistungsschein
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V15680
ISBN (eBook)
9783638207324
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellung, Grundgedanken, Abschnitts, Grundlegung, Metaphysik, Sitten, Kant
Arbeit zitieren
Birte Krey (Autor), 2003, Darstellung der Grundgedanken des ersten und zweiten Abschnitts der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15680

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