Die Analyse der Rituale bei Sande - Frauengeheimgesellschaft in Sierra Leone


Hausarbeit, 2003
17 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Arnold van Genneps „Dreiphasenmodell“

3. Victor Turners Struktur – Anti – Struktur

4. Die Mende Gesellschaft in Sierra Leone
4.1 Das Land, die Bevölkerung der Alltag
4.2 Das Wirtschaftsleben
4.3 Sozialstruktur
4.4 Sozialorganisation
4.5 Männer und Frauen, Heirat und Kinder
4.6 Weltauffassung

5. Die Sande Initiation
5.1 Allgemeines
5.2 Analyse
1. Phase « rites de séparation »
2. Phase « rites de marge »
3. Phase « rites d´agrégation”

6. Bibliographie

1. Einleitung

In der nun entstehenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Analyse eines Initiationsrituals der Sande – Frauengeheimgesellschaft der Mende in Sierra Leone Westafrika, welches im Rahmen eines siebenmonatigen Aufenthaltes im Jahre 1972 ( Frühling – Herbst ) zur Erforschung der Sande Maskerade der Mende in Sierra Leone von der Kunsthistorikerin Ruth B. Phillips schriftlich und photographisch dokumentiert wurde.

Ich habe mich für das Sande Fraueninitiationsritual der Mende in Sierra Leone entschieden, da die Sande eine einzigartige Stellung als Frauenbund innerhalb afrikanischer Gesellschaften einnehmen. Sie sind die einzige traditionelle Institution in Schwarzafrika, die Frauen erlaubt, zur Ausübung sozialer, ritueller und politischer Aufgaben Masken zu tragen.

Als Grundlage für diese Analyse orientiere ich mich an dem von Arnold van Genneps entwickeltem „Dreiphasenmodell“ der Übergangsriten und Victor Turners Ritualforschung der Struktur und Anti – Struktur, welche ich durch das obengenannte Initiationsritual der Mendegesellschaft aufzeigen möchte.

2. Arnold van Genneps „Dreiphasenmodell“

Zunächst eine Vorstellung des „Dreiphasenmodells“ des Arnold van Gennep

( geb. 23.4.1873 in Ludwigsburg; gest. 7.5.1957 in Bourg – la – Reine )

Arnold van Gennep hat sich sehr ausführlich mit der inneren Struktur von Ritualen beschäftigt. Ihn interessierten vor allem die Rituale, welche den Menschen von einer genau definierten Position innerhalb seiner sozialen Ordnung in eine andere Position in der Sozialstruktur hinübergeleiten, sogenannte Übergangsrituale.

Durch diese Übergangsrituale wird die Orientierungslosigkeit und Unsicherheit der Menschen in diesen sog. „Übergangsphasen“ oder auch „Schwellenphasen“ genannt, vermieden. Sie dienen ebenfalls dazu Gefühle zum Ausdruck zu bringen und die Übergangszeit zwischen den einzelnen Lebensabschnitten zu bekräftigen. Nach Arnold van Gennep machen alle Menschen permanent in ihrem Leben Übergänge innerhalb der sozialen Ordnung der Sozialstruktur durch.

( Bsp. Geburt, Pubertät, Heirat und Tod. ) Erst durch das Ritual jedoch wird der Übergang in die nächste Lebensphase vollzogen und nicht allein durch das biologische „Älterwerden“ des rituellen Subjekts.

Van Gennep unterteilt den Ablauf von Übergangsriten in drei Phasen:

1. „rites de séparation“ Trennungsriten ( präliminale Phase )
2. „rites de marge“ Schwellen – oder Umwandlungsriten ( liminale Phase )
3. „rites d`agrégation“ Angliederungsriten ( postliminale Phase ).

Die erste Phase ( „rites de separation“ ) ist gekennzeichnet durch das „Loslösen“ eines Einzelnen oder einer Gruppe von ihrer ehemals genau definierten stabilen Position innerhalb der Sozialstruktur.

In der zweiten Phase ( „rites de marge“ ) befindet sich der Einzelne oder die Gruppe,

in einer Art „kulturellem Zwischenraum“, der weder vom Gesetz, den Traditionen oder sonst üblich geltenden Konventionen und dem Zeremonial fixiert ist. Somit ist auch der Zustand des rituellen Subjekts, welches die "Schwelle“ überschreitet, durch eine nicht genau zu definierende Position gekennzeichnet. Der Zustand ist noch unbestimmt und die „Schwellenperson“ befindet sich „weder hier noch dort“.

Mit der dritten Phase ( „rites d`agrégation“ ) ist der Übergang vollzogen. Der Einzelne oder die Gruppe wird wieder in eine stabile Position mit genau definierten Rechten und Pflichten innerhalb der Sozialstruktur eingegliedert.

Somit sind Übergangsrituale überaus wichtig um das Fortbestehen einer Sozialstruktur innerhalb der Gesellschaft zu garantieren. Für eine nähere Beschreibung des Ritualbegriffes ließe sich anmerken, dass Rituale immer auf die Transformation eines Zustandes abzielen, d.h. sie wollen eine Veränderung im Menschen oder in der Gruppe bewirken. Dies geschieht dadurch, dass Rituale tiefe Gefühle der Gemeinschaft bzw. Gemeinsamkeit erzeugen.

Arnold van Gennep, benutzte zur Beschreibung der drei Phasen zwei verschiedene Begriffsreihen.

Zur Bezeichnung der rituellen Phasen bediente er sich der Begriffe:

Trennungs-, Schwellen- oder Umwandlungs- und Angliederungsphase.

Zur Bezeichnung räumlicher Übergänge benutzte er die Begriffe:

präliminal, liminal und postliminal.

Der Begriff „limen“ kommt aus dem lateinischen und bedeutet „Schwelle“.

Diese Phasen können nun je nach Kultur und Ritualkomplex unterschiedlich stark betont sein. Ebenso kann die „Schwellenphase“ so stark ausgeprägt sein, dass sie in Angleichung an das „Dreiphasenmodell“ ebenfall weiter untergliedert ist.

Das Strukturschema des „Dreiphasenmodells“ ermöglicht es nun die unterschiedlichen Rituale zu ordnen und zu systematisieren, was der englische Ethnologe Victor Witter Turner ( geb. 28.5.1920 Glasgow ; gest. 18.12.1983 Charlottesville ) für seine Erforschungen des rituellen Prozesses nutzte.

3. Victor Turners Struktur – Anti – Struktur

Sein Interesse galt hauptsächlich der „Schwellenphase“ ( liminale Phase ).

Victor Turner versuchte den Zustand von „Schwellenwesen“ zu erfassen, in welchem diese sich während der rituellen Umwandlungsphase befinden. Die Eigenschaften, welche in diesem kulturellem Zwischenraum zum Vorschein kommen und nach Turner Widersprüchlichkeit, Mehrdeutigkeit, Unbestimmtheit, die Umkehrung aller sonst üblichen Normen, Rückbesinnung und Kreativität sind.

Für ihn war die Schwellenphase, die soziale Anti – Struktur, welche die sonst übliche soziale Struktur durchbrach, um sie zu verändern, zu erneuern und dann wieder neu zusammenzusetzen. Was demnach auch einem „Dreiphasenmodell“ , bestehend aus

Struktur – Anti – Struktur – Struktur gleichkäme.

Die Kritik Arnold van Genneps, Rituale nicht isoliert aus ihrem Gesamtzusammenhang zu betrachten, wird während der analytischen Betrachtung berücksichtigt.

4. Die Mende Gesellschaft in Sierra Leone

4.1 Das Land und die Bevölkerung

Die Republik Sierra Leone geht von einer feuchten Küstenebene am Atlantik Westafrikas in ein Savannenhochland über. Die Region war ab 1896 britische Kolonie und seit dem Jahre 1961 ist Sierra Leone unabhängig. Die Einwohnerzahl beträgt ca. 4,4 Millionen, die auf einer Fläche von 71 740 qm leben.

Die Mendegesellschaft leben im Süden und Südosten des Landes und bilden mit einer Bevölkerung von ungefähr 1 Million eine der größten und einflussreichsten Völker Sierra Leones.

Ihr Territorium grenzt im Westen und Südwesten an den schmalen Streifen des Küstengebietes in welchem die Sherbro – Bullom, Krim, und Vai Bevölkerungsgruppen leben.

An der östlichsten Ecke von Sierra Leone grenzen die Mende an die Kissi und im Nordosten an die Kono.

Eine kleine Gruppe der Mende überschreitet die Liberianische Grenze im Süden und die Liberianer Bandi, Gola und Vai leben ebenfalls entlang dieser Grenze.

Drei große Flüße, der Jong, der Sewa und der Moa durchqueren das westliche, zentral und östliche Mendeland, aufstrebend in den Norden und in südwestlicher Richtung ins Meer strömend. Diese Flüße unterteilen die Mende in drei Hauptdialektgruppen, erkennbar auch an gewissen kulturellen Unterschieden, die

westlichen Kpa – Mende, zentralen Sewa – Mende und östlichen Ko – Mende.

Das gesamte Mendeland ist in sechs Verwaltungsbezirke ( Districts ) eingeteilt.

Moyamba District Bonthe District Bo District

Pujehun District Kenema District Kailahun District

In diesen gibt es wiederum einzelne Häuptlingstümer ( chiefdoms ).

Ruth Phillips Forschungen fanden im Jaiama – Bongor „chiefdom“ ( Bo District ) statt, welche zu den zentralen Sewa – Mende zählen. Dort verbrachte Sie die meiste Zeit ihrer Feldforschungen in Jaiama – Bongors Hauptstadt Telu.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Analyse der Rituale bei Sande - Frauengeheimgesellschaft in Sierra Leone
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Ethnologie und Afrikastudien)
Veranstaltung
Ethnologie der Weltauffassung
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V157373
ISBN (eBook)
9783640702091
ISBN (Buch)
9783640700882
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Initiationsritual, Arnold van Gennep, Sierra Leone, Victor Turner
Arbeit zitieren
Jasmin Stock (Autor), 2003, Die Analyse der Rituale bei Sande - Frauengeheimgesellschaft in Sierra Leone , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157373

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