Die Transformation vom "Club zum Markt"

Das Ende informeller Finanzmarktregulierung in Großbritannien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
12 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Selbstregulierung in der City

3. Die Aufsichtskompetenz der Bank of England

4. Globalisierungsdruck und exogene Einlüsse

5. Conclusio

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das britische Bankenaufsichtssystem hat sich während der letzten drei Jahrzehnte institutionell deutlich geändert, gab es doch bis in die 1970er Jahre kein effektives System der Bankenaufsicht wie wir es heute kennen, welches sich vor allem durch die letzte Finanzmarktkrise in ihren Standards als auch Auflagen verschärft hat. Großbritanniens Bankenaufsicht erfolgte in jenen Tagen unter nur mäßig anerkannten, formellen Vorschriften, was jedoch nicht bedeutet, dass es dort überhaupt keine wirksame Aufsicht gab- allerdings war diese gekennzeichnet durch ein außerordentliches Maß an Flexibilität und Informalität. Der Genuss ökonomischer Autonomie im Finanzzentrum London fußte auf vertrauensvoller Zusammenarbeit und solidarischem Zusammenhalt unter „Gentlemen“- welche die „hochgezogenen Augenbrauen“ des Zentralbankgouverneurs als einziges Sanktionsinstrument fürchteten und sich demnach selbstregulatorische Maßnahmen entwickelten[1], welche in ihrer Eigendynamik das Verhältnis zwischen Markt und Politik stark ideologisierten, sodass sich die britische Finanzmarktregulierung in ihrer Einzigartigkeit nur unzureichend mit sachlichen und faktischen Ereignissen erklären lässt. Die vorliegende Untersuchung berücksichtigt demnach die nutzenorientierten Kalküle der regierenden als auch regulierenden Eliten als Ursache- Wirkungstreiber für die Entwicklung des Bankenaufsichtswesens. Es folgt eine einführende Erläuterung des historischen Ursprungs mit anschließender Fokussierung auf den Zeitraum von 1979 bis 1999, zumal dieser von politisch bedeutenden, strukturellen Umbrüchen gekennzeichnet ist und die Bankenaufsichtspolitik vor neue Herausforderungen gestellt hat, sodass sich ihre Entscheidungsmechanismen seither im Zwiespalt zwischen der verwurzelten Clubtradition und dynamischen Unsicherheiten befanden.

2. Die Selbstregulierung in der City

Die hochkonzentrierte, zentralisierte Bankenindustrie in London zeugte alles andere als von institutioneller Stabilität und wandelte sich zu einer informellen Verwaltungshochburg lokaler Eliten, welche durch das Westminister Model Einzug in die Metropole fanden[2]. Wohlstand und Ressourcenreichtum eröffneten ihnen einen großen Einflussbereich, sodass sie unter dem „royal sponsorship“ Handlungslegitimität erlangten und das Wirtschaftsleben regulierten[3]. Als informeller, oligarchisch geschlossener Personenkreis lebten sie eine „club culture“, welche sich durch kollektive Solidarität zum Zwecke der eigenen Autonomiewahrung als auch Diskretion auszeichnete. Neben moralischen Gesichtspunkten boten Absprachen die Grundlage für vertrauensvolle Zusammenarbeit, welche der Vermeidung von Legitimationseinbußen diente, zumal kooperative Lösungen mit bilateralen Vorteilen eine gute Alternative zu rechtlichen Regelungen waren[4]. Die britische Selbstregulierung folgte demnach einem von angesehenen Gentleman initiiertem, kooperativen Regulierungsstil, welche als Schlüsselfiguren unter dem Vorwand der wirtschaftlichen Freiheit und Flexibilität operierten[5]. Dabei hatten „non-legal codes“ Vorzug vor dem Recht, zumal „financial policy can only be carried out by those whose business it is. We have in this country great financial and banking organization with great experience and traditions. Only they posses the skills, knowledge and equipment for the management of our financial affairs.”[6] Insiderwissen legitimierte demnach deren finanzmarktsteuernde Betätigungen[7], welche durch ihren „Oxbrige Status“ und internalisierte Eigenschaften wie etwa „grace, style, eloquence, self-posession and infinite subtlety“[8] einen hohen Vertrauensglauben hervorriefen und so das Interessenmangement der City Society innerhalb der Bank of England (im Folgenden: BOE) übernahmen. Zwar galt dies als effizienzsteigerndes Instrument[9], welches das „decision- making“ zur Zufriedenheit aller Akteure beschleunigte, durch Absprachen aber auch hemmende Wirkung hinsichtlich des Marktmechanismus entfaltete, was zu Nachteilen anderer Wirtschaftsakteure ging und Regulierungsbedarf hervorrief. Die „fear of popular government“ verfestigte die informelle Clubkultur, zumal eine „rule by command“ mit einem Autonomie- als auch Privilegienverlust assoziiert wurde, wodurch die Gentleman zugleich in öffentliche Rechenschaftspflicht mit Sanktionsmaßnahmen zu geraten drohten. Die „fear of democratic accountability and formal rules, which cut off access to privileges and lower efficiency“[10] stand seither der „need for regime of maximum transparency and minimum of room for „behind the scenes manipulation“[11] gegenüber und entwickelte eine Eigendynamik, sodass diese ihr Verhalten wechselseitig kontrollierten und sich somit selbst regulierten, um durch Anonymität und Diskretion keinen Regulierungsbedarf hervorzurufen. Im Mantel der BOE, welche ohnehin als Intermediär die „City in Whitehall und Whitehall in der City“[12] repräsentierte, fungierten sie bis ins Ende des 20. Jahrhunderts als Regulierungsinstanzen, welche sich zunehmend in Verlustgeschäften wiederfanden und im Sumpf ihrer Wirtschaftskriminalität erstickten.

[...]


[1] Vgl. Busch (2009), S.130

[2] Vgl. Busch (2009), S.127

[3] Vgl. Moran (2003), S. 138

[4] Vgl. Busch (2009), S.135

[5] Vgl. Busch(2009), S.131

[6] Vgl. Moran (2003), S.57

[7] Vgl. Busch (2009), S.137

[8] Vgl. Hampden- Turner (1983), S.3

[9] Vgl. Moran (2003), S. 175

[10] Vgl. Moran (2003), S.108

[11] Vgl. Moran (2003), S.107

[12] Vgl. Moran (2003), S. 54

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Transformation vom "Club zum Markt"
Untertitel
Das Ende informeller Finanzmarktregulierung in Großbritannien
Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V157526
ISBN (eBook)
9783640706754
ISBN (Buch)
9783640707140
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzmarktkrise, London, ökonomische Autonomie, Finanzmarktregulierung, Selbstregulierung, Westminister, Whitehall, Bank of England, Wirtschaftskriminalität, Banking Act, Financial Service Authority, Barings Bank, Europäische Union, Basel II, Bankenaufsicht
Arbeit zitieren
Karolina Danuta Kuta (Autor), 2010, Die Transformation vom "Club zum Markt", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157526

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