Bastle Dir Deinen Lebenslauf

Das Berufskonzept ist (k)ein sinkendes Schiff


Seminararbeit, 2009
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was bedeutet Beruf/Beruflichkeit?

3 Tradierte Stärken und vorhandene Schwächen

4 Vergleich zu alternativen Berufsbildungsmodellen

5 Aktuelle Lage des Berufskonzeptes

6 Zukunftsweisendes Resümee: Ist der Weg das Ziel?

7 Literaturverzeichnis

8 Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

Seiner ‚Berufung’ nachgehen, bedeutet in heutigen Tagen nicht nur an seiner Tätigkeit festzuhalten, sondern diese auch loslassen zu können.

„Jeder erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält.“ (Max Frisch, zit .n. Greinert in Arnold 2003, S. 2)

Der Sinn des Begriffes Beruflichkeit bzw. Beruf wird sehr leicht verständlich, wenn folgender Vergleich gezogen wird:

Zum ersten erfolgt die Frage nach dem typischen Erscheinungsbild eines Schmiedes. Dieser soll stark und kräftig gebaut sein, handwerklich begabt und ... . Analog dazu ist jetzt selbige Frage in Bezug auf das Auftreten eines typischen Mechatronikers zu beantworten. Höchst wahrscheinlich wird hierauf zunächst eine kurze Denkpause eintreten, da dessen klassifizierende Merkmale nicht so prägnant sind. Sicher sollte auch dieser eine gewisse Fingerfertigkeit besitzen und z.B. elektronische Schaltpläne lesen können. Jedoch fällt es schwer sich gedanklich den ‚Mechatroniker-Prototypen’ vorzustellen.

Gründe dafür sind, dass einige Berufe seit dem Mittelalter bestehen und dementsprechend eine lange Tradition und damit verbundenen Merkmalsausprägungen besitzen. Neuere Arbeits- und Erwerbstätigkeiten hingegen unterliegen zum Teil seit ihrer Entstehung dem stetigen Wandel der Zeit und sind zusätzlich dazu sehr hoch spezialisiert. Die Folge davon ist eine Unklarheit über den aktuellen Stand der jeweiligen Anforderungen des Berufes und dem passenden Menschenbild dafür.

Der folgende Text soll daher dem Leser einige Klarheit über das Prinzip des Berufes verschaffen. Zunächst beginnt er mit der allgemeinen Definition der Begriffe ‚Beruf’ und ‚Beruflichkeit’. Darin implizit enthalten, ist auch die Erklärung, wie sich dieses Abstraktum als ordnungsgebende Struktur in die berufliche Ausbildung Deutschlands eingliedert. Anschließend erfolgt eine genauere Betrachtung der Vor- und Nachteile bzw. die Darstellung darüber, welche organisierende Prinzipien sich in anderen europäischen Ländern durchgesetzt haben.

Um dem Ganzen einen stimmigen Rahmen zu geben, werden schließlich aktuelle Probleme betrachtet und mögliche Entwicklungen für die Zukunft aufgezeigt.

Dies alles geschieht auf Grundlage der These, dass die Beruflichkeit an sich durchaus den Herausforderungen der Zeit gewachsen ist und diesen unter bestimmten Gegebenheiten auch gerecht werden kann.

2 Was bedeutet Beruf/Beruflichkeit?

Der Berufsausbildung in Deutschland obliegt neben der Vermittlung der fachlich-theoretischen Inhalten, auch die Aufgabe Jugendliche bzw. junge Erwachsene sozial zu integrieren. Neben einer rein bildenden Aufgabe fällt ihr somit auch die Beihilfe zur Sozialisation zu.

Diese Funktion entstammt der historischen Entstehung der Berufe. Aus einer ursprünglich christlichen Intention des Wortes ‚Berufung’ entstand die Sinngebung des gesellschaftlichen Miteinanders. So galt es als Ziel nicht nur sich selbst zu erhalten, sondern auch untereinander Hilfestellung zu leisten. Diese ideelle Auffassung beinhaltet u.a. den Fakt, dass ein Beruf eine Tätigkeit ist, die ein Leben lang ausgeführt wird (vgl. Arnold 2003, S. 70f.).

Heutzutage versteht man unter dem Wort ‚Beruf’ „...relativ tätigkeitsunabhängige, gleichwohl tätigkeitsbezogene Zusammensetzungen und Abgrenzungen von spezialisierten, standardisierten und institutionell fixierten Mustern von Arbeitskraft, die u.a. als Ware auf dem Arbeitsmarkt gehandelt und gegen Bezahlung in fremdbestimmten, kooperativ-betrieblich organisierten Arbeits- und Produktionszusammenhängen eingesetzt werden.“ (Beck/Brater/Daheim zit.n. Deißinger in Arnold 2003, S. 172)

Der philosophische Gedanke wird vom vorherrschenden Druck der Wirtschaft verdrängt. Der Mensch als lebendige Arbeitskraft stellt seine Fähig- und Fertigkeiten dem Arbeitgeber zur Verfügung, welcher dafür wiederum seine „Anerkennung“ in barer Münze ausdrückt. Die Person an sich verkommt zusehendst als Instrument in der Produktion und deren Individualität verliert sich in der Blättervielfalt der Verträge.

Bezugnehmend auf diesen Aspekt fällt ein weiteres neuzeitliches Kriterium des Berufes auf.

„Der Berufsbegriff wie die Realisierung von ‚Beruflichkeit’ durch konkrete Arbeit sind durch eine spezifische Gegensätzlichkeit charakterisiert: Der Beruf als in zuvor gesellschaftlich definiertes Tätigkeitssystem, als ein ‚Konstrukt auf dem Papier’, stellt die abstrakte Seite dar. Die faktische Ausübung von Tätigkeiten als Produkt von Persönlichkeit, Ausbildung, Erfahrung, Betriebsstruktur, Wirtschaftsstruktur, Gesellschaftsstruktur, Technik und Ökonomie ist die konkrete Realisierung.“ (Lisop in Arnold 2003, S. 39)

Es ist somit eine Trennung zwischen der Person auf dem Papier und z.B. der Person in der Werkhalle vorgenommen worden. Dies könnte sich unter Umständen darin verdeutlichen, dass selbst ein virtuoser Schreiner nie den beruflichen Aufstieg schaffen wird, wenn sein Lebenslauf nicht die gewünschten Anforderungen, z.B. bestimmte Leistungen oder Abschlüsse enthält. Es ist einfach ein viel rationalerer Vorgang sich zehn Minuten Zeit für ein sauber beschriebenes Blatt Papier zu nehmen, um es nach den gewünschten Fakten zu durchsuchen. Ein klärendes Gespräch mit der Person selbst bzw. die Begutachtung ihres Könnens würde dagegen sicherlich nicht minder viel Klarheit über die Fähig- und Fertigkeiten schaffen, ja möglicherweise sogar mehr, aber ist auch mit dem entsprechenden Aufwand verbunden. Diesen zu leisten, dazu sind heutzutage nur wenige Arbeitgeber bereit.

Es stellt sich zu diesem Thema außerdem die Frage, inwiefern der Beruf als organisierendes Prinzip auftritt. Dies äußert sich zum Beispiel an dem strukturellen Aufbau der Berufsausbildung. Die einzelnen Abschlüsse sind jeweils in Berufe unterteilt, darin Inhalt sowie andere Modalität in verschiedenen Ausbildungsordnungen festgehalten sind. Teilweise existieren auch Möglichkeiten zur Spezialisierung oder Vertiefung einzelner Fachrichtungen, jedoch bilden auch diese die Ergänzung zu den grundlegenden Berufen. Anders ausgedrückt ließe sich auch sagen:

„Unter einer institutionentheoretischen Perspektive und unter Zugrundelegung soziologischer Deutungsmuster handelt es sich beim Prinzip der Beruflichkeit strukturell um eine spezifische Form der Verkopplung von Bildung, Ausbildung und Beschäftigung.“ (Deißinger in Arnold 2003, S. 172)

3 Tradierte Stärken und vorhandene Schwächen

Die Orientierung am Berufkonzept wird oft aus einem sehr kritischen Blickwinkel betrachtet. Die Forderungen in der heutigen Zeit reichen dabei von völliger Abschaffung bis hin zum rigorosen Festhalten an selbigen.

Um ein genaueres Bild der Sachlage zu entwickeln, werden daher einige Pro- und Kontra-Aspekte dargestellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Bastle Dir Deinen Lebenslauf
Untertitel
Das Berufskonzept ist (k)ein sinkendes Schiff
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Institut für Pädagogik und Philosophie)
Veranstaltung
Organisationale Strukturen der Berufsbildung
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V158018
ISBN (eBook)
9783640714889
ISBN (Buch)
9783640715190
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bastle, Deinen, Lebenslauf, Berufskonzept, Schiff
Arbeit zitieren
Kristina Eichler (Autor), 2009, Bastle Dir Deinen Lebenslauf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158018

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