Politique, Tod und die Ikonographie der 60er Jahre - Matthew Weiners Handschrift in der Serie "Mad Men"


Studienarbeit, 2010

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. AUTOR, HANDSCHRIFT, ZIGARETTEN UND EINEN OLD-FAHIONED - BAZIN ÜBER DIE AUTORENSCHAFT UND DIE ÜBERTRAGUNG AUF DIE SERIE MAD MEN
1.1 VORGEHENSWEISE
1.2 ANDRE BAZIN - "DE LA POLITIQUE DES AUTEURS"
1.3 KURZE EINFÜHRUNG IN DIE SERIE MADMEN VON MATTHEW WEINER

2. IDENTITÄTSWECHSEL, GESCHICHTSGEGENWÄRTIGKEIT UND GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN: MATTHEW WEINERS HANDSCHRIFT IN DER SERIE MAD MEN

2.1 DON DRAPER, DER ANTIHELD. EINE REMINISZENZ AN TONY SOPRANO?

2.2 "HOW HISTORY DOES AFFECT REGULAR PEOPLE"
2.2.1 Nixon vs. Kennedy - Der Wahlkampf und die Erpressung
2.2.2 The Grown - Ups - Die Ermordung Kennedys
2.3 DIE ENTDECKUNG DER LANGSAMKEIT ODER CINEMATIC TELEVISION

3. DER TOD DER HANDSCHRIFT? BARTHES DISKUTIERT MIT BAZIN ÜBER MAD MEN - DER VERSUCH EINES FAZITS

4. QUELLENVERZEICHNIS

MAD MEN

"A term coined in the late 1950's to describe the advertising executives of Madison Avenue. They coined it."1

1. Autor, Handschrift, Zigaretten und einen Old-Fahioned - Bazin über

die Autorenschaft und die Übertragung auf die Serie Mad Men

"Wen kümmert's, wer spricht?"

Michel Foucault2

Zurückgehend auf Bazins Begriffsprägung (und damit eingeschlossen, die seiner Cahier duCinema -Kollegen Truffaut, Godard, Rohmer, Chabrol und Weiteren) von der politique desauteurs und in den 60ern wiederum von Intellektuellen wie Focault, Barthes, Sarris aufgegriffen, bildete sich das geisteswissenschaftliche Gebiet der Autorentheorie für das Medium Film.

Wer im Foucault'schen Sinne spricht und ob das jemanden kümmert, soll in dieser Arbeit am Beispiel von Autor Matthew Weiner und dessen Handschrift in der Serie Mad Men, die erstmals im Sommer 2007 im amerikanischen Sender AMC als erste eigenproduzierte Serie, sogenannte "AMC Originals", ausgestrahlt wurde, gezeigt werden. In den nachfolgenden Kapiteln soll nun ein kurzer Einblick in die Vorgehensweise dieser Arbeit, den Aufsatz "De la Politique des Auteurs" von André Bazin, sowie eine kurze Einführung in die Serie Mad Men, gegeben werden.

1.1 Vorgehensweise

Diese Kleine Studienarbeit beschäftigt sich mit der US-Amerikanischen TV-Serie Mad Men (2007-2010, Staffel 4 angekündigt). Die Handschrift des Serienschöpfers Matthew Weiner wird mit Hilfe der These von Bazin zur "politique des auteurs" untersucht und anschließend mit Barthes These vom "Tod des Autors" diskutiert.

Es werden genau diese beiden Vertreter der Autorentheorie zu Wort kommen, da durch Bazins These - sowie die seiner maßgebenden Kollegen Truffaut, Godard, Chabrol und Rohmer - erstmals der Autor als Individuum, neben anderen Kunstformen auch im filmischen Kunstwerk, in den Mittelpunkt des Interesses gerückt ist.3 Barthes widmet sich mit seinem Aufsatz dem "Tod des Autors" und der damit verbundenen Geburt des Lesers. Dies soll im letzten Kapitel Gegenstand der Diskussion sein.

1.2 Andre Bazin - "De la Politique des Auteurs"

Im 1957 in den Cahiers du Cinema erstmals erschienenen Aufsatz "De la Politique des Auteurs" bezieht sich Andre Bazin auf den vorangegangen Text Truffauts "Une certaine tendance du cinéma francais" und differenziert seinen eigenen Standpunkt von dem Truffauts oder auch Rohmers. Mit der politique des auteurs nahm Bazin eine Neubewertung des Hollywood-Kinos vor, das von nun an nicht mehr nur als Studiosystem begriffen wurde, sondern auch Regisseure mit einer eigenen Handschrift zuließ und eine Institutionalisierung der Filmkritik zur Folge hatte.4

Für Bazin - im Gegensatz zu Truffaut oder Rohmer - ist die Unterscheidung von Autor und Werk wichtig, da, sobald Filmemacher und Werk für ein und dasselbe erklärt werden, die Unterschiede zwischen den Filmen verschwimmen, es keine weniger guten Filme mehr gibt und auch der schlechteste immer Teil seines Schöpfers ist.5

Im Gegensatz dazu ist Rohmers Standpunkt, "that in the art it is the auteurs, and not theworks, that remain".6 Wenn der Autor aber bleibt, so nicht sein gesamtes Werk, schreibt Bazin, sondern sein Stil, in Bezug auf den Voltaireschen Witz und seine Art und Weise zu Schreiben. "The individual transcends society, but society is also, and above all within him."7 Die Evolution der westlichen Kunst hin zur Personalisierung ist ein Schritt vorwärts und wird von Bazin als Verbesserung der Kultur verstanden, aber nur so lange diese nicht als die endgültig festgelegte Kultur gilt. Es kann also keine endgültige Kritik des Genies oder Talents geben, die nicht zuerst die historische Kombination der Ereignisse und den technischen, deterministischen Hintergrund in Betracht zieht.8 Bazin schreibt, dass die Qualität des amerikanischen Kinos mit der Qualität seiner Regisseure, der Vitalität und der exzellenten Fortführung einer Tradition zusammenhängt und vor allem die amerikanische Gesellschaft zeige, wie diese sich selbst gerne sehen würde, mit dem Grundgedanken, dass diese Gesellschaft mit Hilfe des Kinos dynamisch mitgebildet werden müsse.9 Wie Bazin selbst sagt, sind die Kriterien der politique des auteurs sehr schwer zu formulieren und daher kann es gefährlich werden den einen oder anderen Regisseur auch als auteur zu bezeichnen.10,11 Er gibt an, dass die Formel "auteur + subject = work in der Filmkritik bereits existiert, jedoch gibt er auch zu bedenken, dass dies die Trennung von auteur und Regisseur nicht mehr möglich macht, da der auteur bis zu einem gewissen Grad sein eigenes Subjekt sei.12 "He has the same attitude and passes the same moral judgement onthe action and on the characters."13 Die politique des auteurs besteht also aus der persönlichen Herangehensweise an eine künstlerische Schöpfung und der Annahme, dass diese mit jedem Film weitergeht und verbessert wird.14 "[...] The politique des auteurs seemsto me to hold and defend an essential critical truth that the cinema needs more than the other arts, precisely because an act of true artistic creation is more uncertain and vulnerable in the cinema than elsewhere."15

Das Kino - und dabei sei für diese Arbeit auch mit eingeschlossen alle weiteren filmischen Medien, ebenso das Fernsehen und die einzige genuine Erzählform des Fernsehens, die Serie - braucht laut Bazin die essentiell kritische Wahrheit, da in diesem Fall das Medium Film verletzlicher ist, als alle anderen Kunstkategorien. Das Fernsehen bringt also ebenso Autoren hervor, deren Handschrift es zu analysieren gilt.

Auf den Stil, den Witz, das Subjekt, kurz die Handschrift oder écriture von Matthew Weiner in der Serie Mad Men wird nun im Kapitel 2 eingegangen, zuvor aber noch eine kurze Einführung in die Serie selbst.

1.3 Kurze Einführung in die Serie Mad Men von Matthew Weiner

Mad Men erzählt die Geschichte der Werbe-Agentur Sterling Cooper in der Madison Avenue im New York der frühen 60er Jahre. Donald Draper ist Creative Director der Agentur und schillernde und zugleich sehr geheimnisvolle Hauptfigur dieser Serie. Don Draper hat alles, was den amerikanischen Traum ausmacht: Betty, seine Grace-Kelly- Gleiche Frau, die ihn liebt, zwei süße Kinder, ein Haus in der Vorstadt von New York, einen Job in der Stadt in dem er sehr erfolgreich ist.16 Dennoch hat er immer wieder außereheliche Beziehungen mit verschiedenen Frauen, oft auch mit mehreren zur gleichen Zeit. Außerdem hat er ein großes, dunkles Geheimnis: Er hat die Identität seines Offiziers aus dem Korea-Krieg gestohlen, um seiner Vergangenheit als Sohn einer Prostituierten zu entkommen. Im Laufe der Serie droht seine wahre Identität immer wieder aufzufliegen. In Folge 12 der ersten Staffel versucht Dons Gegenspieler und Kollege, Pete Campbell ihn zu erpressen, doch seine Rechnung geht nicht auf.17 Am Ende der dritten Staffel findet seine Frau Betty seinen Identitätswechsel heraus und verlangt die Scheidung.

Seit dem Start der Serie 2007 wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter den DGA-Awards 2007 und 2008, neun Emmy-Awards 2008 und 2009 sowie vier Golden Globe Awards. 2010 geht Mad Men in die vierte Staffel.18 Mad Men hatte bei Staffelstart der dritten Staffel im Schnitt 2,8 Mio Zuschauer, was für amerikanische Verhältnisse zwar nicht besonders viel ist, aber dennoch ein Erfolg, da die Zuschauerzahl um ein Drittel anstieg im Gegensatz zum Staffelstart der zweiten Staffel.19 Hinzu kommt, dass Mad Men ein absoluter Kritikerliebling ist und jedes Jahr mit Preisen überhäuft wird.

Das Besondere an Mad Men ist, dass der Zuschauer mitgenommen wird in eine andere Welt, die ihm sonst nur aus Kinofilmen oder Büchern bekannt ist, dies aber zum ersten Mal in einer longitudinal angelegten Serie erfahrbar gemacht wird. Darüber hinaus ist es der heutige Zeitgeist, der scheinbar erst im Setting einer Werbeagentur der frühen 60er Jahre, mit seinen verrauchten Büros und schon zum Frühstück trinkenden Executives, einer Ära, in der, der kulturelle Grundstein zum heutigen Leben gelegt wurde, zum Tragen kommt.

[...]


1 Erste Texttafel in Staffel 1, Folge 1: Smoke gets in your eyes, TC 0:38

2 Vgl.: Foucault, Was ist ein Autor? S. 227

3 Vgl.: Pabst, Einführung in die Film- und Fernsehwissenschaft, S. 225

4 Vgl.: Pabst, Einführung in die Film- und Fernsehwissenschaft, S. 225

5 Vgl.: Bazin, De la Politique des Auteurs, S.20

6 Ebd.

7 Ebd. S.22

8 Ebd.

9 Ebd.

10 Vgl.: Bazin, De la Politique des Auteurs, S. 25

11 Vgl.: Buscombe, Ideas of Authorship, S.22

12 Vgl.: Bazin, De la Politique des Auteurs, S. 25

13 Ebd.

14 Ebd.

15 Ebd. S. 28

16 Vgl.: Rehfeld, Die Pracht und ihr Preis, unter URL: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,druck- 579152,00.html [04.12.09]

17 S01E12, Nixon vs. Kennedy, TC 00:37:23

18 Vgl.: URL: http://goldderby.latimes.com/awards_goldderby/2009/09/mad-men-renewed-for-fourth-season- by-amc-entertainment-news-2468097.html [02.03.10]

19 Vgl.: URL: http://www.serienjunkies.de/news/mad-men-22940.html [02.03.10]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Politique, Tod und die Ikonographie der 60er Jahre - Matthew Weiners Handschrift in der Serie "Mad Men"
Hochschule
Hochschule für Fernsehen und Film München  (Abteilung 1: Kommunikations- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Fernsehwissenschaft: Autoren des Fernsehens
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V158027
ISBN (eBook)
9783640750528
ISBN (Buch)
9783640751280
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politique, Ikonographie, Jahre, Matthew, Weiners, Handschrift, Serie
Arbeit zitieren
Isabel Haug (Autor), 2010, Politique, Tod und die Ikonographie der 60er Jahre - Matthew Weiners Handschrift in der Serie "Mad Men", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158027

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