Die Organisation der Europäischen Zentralbank. Geldpolitische Instrumente und deren Nutzung in der Vergangenheit und während der Finanzkrise


Bachelorarbeit, 2009
78 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 DIE ORGANISATION DER EUROPÄISCHEN ZENTRALBANK
2.1 Das Direktorium
2.2 Der EZB-Rat
2.3 Der Erweiterte EZB-Rat
2.4 Die Ausschüsse

3 GELDPOLITISCHE INSTRUMENTE
3.1 Offenmarktgeschäfte
3.1.1 Befristete Transaktionen
3.1.2 Endgültige Käufe bzw. Verkäufe
3.1.3 Emission von EZB-Schuldverschreibungen
3.1.4 Devisenswapgeschäfte
3.1.5 Hereinnahme von Termineinlagen
3.2 Ständige Fazilitäten
3.2.1 Spitzenrefinanzierungsfazilität
3.2.2 Einlagenfazilität
3.3 Mindestreservesystem
3.3.1 Mindestreservepflichtige Institute
3.3.2 Festlegung der Mindestreserve
3.3.3 Nichteinhaltung der Mindestreservepflicht

4 DIE NUTZUNG DER GELDPOLITISCHEN INSTRUMENTE DURCH DIE EUROPÄISCHE ZENTRALBANK
4.1 Offenmarktpolitik
4.1.1 Historische Betrachtung
4.1.2 Gegenwärtige Lage – Finanzkrise
4.1.3 Mögliche Auswirkungen
4.2 Ständige Fazilitäten
4.2.1 Historische Betrachtung
4.2.2 Gegenwärtige Lage – Finanzkrise
4.2.3 Mögliche Auswirkungen
4.3 Mindestreservesystem
4.3.1 Historische Betrachtung
4.3.2 Gegenwärtige Lage – Finanzkrise
4.3.3 Mögliche Auswirkungen

5 ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Mitglieder des Direktoriums und die jeweiligen Amtszeiten der Mitglieder

Abbildung 2: Geldpolitische Instrumente der EZB

Abbildung 3: Aufbau des Bankensystems im Euroraum

Abbildung 4: Arten von befristeten Transaktionen

Abbildung 5: Verfahrensschritte beim Tenderverfahren

Abbildung 6: Normaler Zeitrahmen für die Verfahrensschritte bei Standardtendern

Abbildung 7: Normaler Zeitrahmen für die Verfahrensschritte beim Schnelltender

Abbildung 8: Errechnung des Swapsatzes (Allgemein)

Abbildung 9: Errechnung des Swapsatzes (Zahlenbeispiel)

Abbildung 10: Bilanzpositionen zur Errechnung der Mindestreservebasis

Abbildung 11: Die Funktionsweise des Mindestreservesystems

Abbildung 12: Entwicklung des wichtigsten Leitzinses (Hauptrefinanzierungssatz) der EZB von Januar 1999 bis April 2009

Abbildung 13: Hauptrefinanzierungsgeschäfte - Gebote und Zuteilung 2008 – 2009 [40]

Abbildung 14: Geldmengenentwicklung der Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Gebote/Zuteilung) von 1999 bis 2007)

Abbildung 15:Leitzinsniveau von 1999 bis 2007

Abbildung 16: A) Inflationsraten von 2003 bis 2007. B) Produktionswachstum von 2003 bis 2007

Abbildung 17: Entwicklung der Zuteilung für längerfristige Refinanzierungsgeschäfte von 1999 bis Juli 2007

Abbildung 18: Anzahl der Durchführungen von sonstigen Tendergeschäften von 1999 bis 2007

Abbildung 19: Zinsentwicklung des Hauptrefinanzierungssatzes während der Finanzkrise - Zinssenkung in sechs Schritten

Abbildung 20: Relation zwischen Hereinnahme von Termineinlagen (Liquiditätsabschöpfende Maßnahmen) und befristeten Transaktionen (Liquiditätszuführende Maßnahmen) während der Finanzkrise

Abbildung 21: Entwicklung des Spitzenrefinanzierungs- und Einlagensatzes im Vergleich zum Hauptrefinanzierungssatz seit dem Start der EZB ab 1999 bis April 2009

Abbildung 22: Tagesdurchschnittliche Nutzung der Spitzenrefinanzierungs- und Einlagenfazilität für den Zeitraum vom 1. Januar 1999 bis Ende Juli 2007

Abbildung 23: Entwicklung des Spitzenrefinanzierungs- und Einlagensatzes und des Zinskorridors während der Finanzkrise

Abbildung 24: Inanspruchnahme der Einlagen- und Spitzenrefinanzierungsfazilitäten von August 2007 bis September 2008 (oberes Diagramm) und von Oktober 2008 bis Mai 2009 (unteres Diagramm – Logarithmische Darstellung)

Abbildung 25: Verhältnis des Mindestreserve-Solls zum Mindestreserveguthaben von Februar 1999 bis Juli 2007

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Offenmarktgeschäfte im Eurosystem

Tabelle 2: Durchführung des Mengentenders

Tabelle 3: Amerikanisches Zinstenderverfahren

Tabelle 4: Holländisches Zinstenderverfahren

Tabelle 5: Für geldpolitische Geschäfte des Eurosystems zugelassene Sicherheiten

Tabelle 6: Berechnung der Verzinsung von Mindestreserveguthaben

Tabelle 7: Unverbindlicher Kalender für die Tenderoptionen des Eurosystems im Jahr

Tabelle 8: Entwicklung des Liquiditätsbedarfes des Bankensystems von 2003 bis 2007

Tabelle 9: Hauptrefinanzierungsgeschäfte ab 1. August bis 28. Dezember 2007 unter Berücksichtung der Mindestreservetermine für diesen Zeitraum

Tabelle 10: Zusätzliche längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte ab August 2007 bis März 2009 mit ihren jeweiligen Laufzeiten

Tabelle 11: Höhe der Einlagen- und Spitzenrefinanzierungsfazilität mit Veränderung zum Vormonat von November 2008 bis Mai 2009

Tabelle 12: Unverbindlicher Kalender für die Mindestreserve-Erfüllungsperioden von Januar bis April 2005

Tabelle 13: Durchschnittliches Mindestreserve-Soll, durchschnittliche Mindestreservebasis und durchschnittlicher Mindestreserveüberschuss für den Zeitraum 1999 bis Juli 2007

Tabelle 14: Auflistung der Verstöße gegen die Mindestreservepflicht mit der Anzahl der Institute und den jeweiligen Strafzinsen, sowie der tägliche Fehlbetrag von Februar 1999 bis Juli

Tabelle 15: Durchschnittlicher Mindestreserve-Soll, durchschnittliche Mindestreservebasis und durchschnittlicher Mindestreserveüberschuss für den Zeitraum August 2007 bis April 2009

Tabelle 16: Auflistung der Verstöße gegen die Mindestreservepflicht mit der Anzahl der Institute und den jeweiligen Strafzinsen, sowie der tägliche Fehlbetrag von 2007 bis April 2009

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 EINLEITUNG

Mit dem Beginn der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion und der Einführung des Euros (€) als Buchgeld am 1. Januar 1999, wurde nicht nur ein Meilenstein auf dem Weg zur Einheitswährung gesetzt. Mit der Einführung der Gemeinschaftswährung ging die Verantwortung über die Geldpolitik von den damals zwölf nationalen Zentralbanken (NZB) auf nur eine einzige Institution mit Sitz in Frankfurt am Main (Euro Tower), der Europäischen Zentralbank (EZB), über. Gleichzeitig wurde die Souveränität aller NZBs der Europäischen Währungsunion (EWU) auf die EZB übertragen.

Durch die Zusammenführung des Bankensystems der EWU sind für viele NZBs geldpolitische Instrumente zur Steuerung und Stabilisierung des Finanzmarktes hinzugekommen beziehungsweise (bzw.) weggefallen. So ist z. B. die Lizenz zum Gelddrucken, die vor dem Beginn der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion noch bei den NZBs lag, an die EZB übergegangen, was einigen Mitgliedsstaaten während der anhaltenden weltweiten Finanzkrise Schwierigkeiten bereitet.

Das Abfangen und die Stabilisierung der momentanen Krise liegt mitunter in der Verantwortung der EZB. Ihr stehen mehrer Instrumente zur Verfügung, um die derzeitige Lage zu verbessern. Im Gegensatz zu dem amerikanischen Bankensystem, das Federal Reserve System (FED), verhält sich die EZB derzeit zurückhaltend, trotz dringendem Handlungsbedarf.

In der folgenden Arbeit wird zunächst der organisatorische Aufbau der EZB und deren Bedeutung für die Geldpolitik erläutert, um einen Einblick in die einzelnen Bestimmungsorgane und ihrer Aufgaben zu geben (Kapitel 2). Das dritte Kapitel befasst sich mit den geldpolitischen Instrumenten, die der EZB zur Verfügung stehen, um primär die Preisstabilität sicherzustellen sowie sekundär die Finanzmärkte und die Wirtschaft zu steuern bzw. zu stabilisieren. Mit Augenmerk auf die Vergangenheit und dem derzeitigen Einsatz dieser Instrumente wird im vierten Kapitel ein Einblick in die Nutzung der geldpolitischen Instrumente in den vergangenen Jahren und deren Anwendung im gegenwärtigen Zeitraum während der Finanzkrise gegeben. Im Weiteren wird jedes Instrument auf seine möglichen Auswirkungen bei der Inanspruchnahme beschrieben und auf Änderungen der Rahmenbedingungen eingegangen. Das fünfte Kapitel beinhaltet eine Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Arbeit und endet mit einem Ausblick.

2 DIE ORGANISATION DER EUROPÄISCHEN ZENTRALBANK

Die EZB verfügt über drei Beschlussorgane: Das Direktorium, der EZB-Rat und der Erweiterte-Rat. Hinzu kommen diverse Ausschüsse für die einzelnen Abteilungen, welche sich mit den allgemeinen Aufgaben der Institution auseinandersetzen.

In dem folgenden Kapitel wird der organisatorische Aufbau der EZB beschrieben und auf die Aufgaben der einzelnen Organe und Bereiche näher eingegangen. Zu Beginn werden die einzelnen Organe mit ihren Mitgliedern und deren Aufgabenbereiche vorgestellt und im Weiteren die verschiedenen Ausschüsse der einzelnen Bereiche mit ihren Aufgaben näher erläutert.

2.1 Das Direktorium

Der Sitz im Direktorium ist hauptamtlich und kann nur in Ausnahmefällen als nebenamtliche Tätigkeit durch die Genehmigung des EZB-Rates gestattet werden. Der Präsident, bei Abwesenheit der Vizepräsident, vertritt die EZB im Außenverhältnis, beispielsweise (bspw.) in Angelegenheiten mit dem Europäischen Parlament. Im Innenverhältnis kommt dem Präsidenten eine spezielle Stellung zu, welche ihn zum Vorsitzenden in allen drei Organen macht [1].

Zu den Mitgliedern des Direktoriums gehören der Präsident (Jean-Claude Trichet, Frankreich), der Vizepräsident (Lucas D. Papademos, Griechenland) und vier weitere Mitglieder. Alle sechs Direktoriumsmitglieder werden von den Staats- und Regierungschefs der Länder auf Empfehlung des EZB-Rates, die Teil der EWU sind, auf eine Amtszeit von acht Jahren gewählt (siehe Abbildung 1) - eine Wiederwahl ist ausgeschlossen [2].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Mitglieder des Direktoriums und die jeweiligen Amtszeiten der Mitglieder [2]

Wie auf Abbildung 1 zu sehen, wurden die Amtszeiten bei der Gründung der EZB so gestaltet, dass das Ende der Amtszeiten der vier Direktoriumsmitglieder zeitlich versetzt ist, welches ein Ausscheiden zweier Mitglieder im selben Jahr verhindert. Momentan werden die vier Sitze von Jürgen Stark (Deutschland), Lorenzo Bini Smaghi (Italien), José Manuel Gonzáles-Páramo (Spanien) und Getruder Tumpel-Gugerell (Österreich) besetzt [2]. Die Hauptaufgaben des Direktoriums liegen in der Ausführung der Geldpolitik gemäß den Leitlinien und den Entscheidungen des EZB-Rates sowie der Weisungsbefugnis für die NZBs der EWU. Dem Direktorium obliegt auch die Aufgabe, die laufenden Geschäfte zu führen sowie die Ausführung bestimmter Befugnisse, die ihnen vom EZB-Rat übertragen wurden. Die Planung der Sitzung des EZB-Rates ist auch eine der Aufgaben des Direktoriums, welche in der Regel alle 14 Tage stattfindet [3]. Das Direktorium selbst findet sich jeden Dienstag zusammen. Alle Direktoriumsmitglieder sind bei Anwesenheit stimmberechtigt und haben bei jeder Entscheidung genau eine Stimme. Zwei Drittel (vier Mitglieder) des Direktoriums müssen anwesend sein, um einen Beschluss durchzusetzen, wobei bei einer Stimmengleichheit die Stimme des Präsidenten ausschlaggebend ist.

2.2 Der EZB-Rat

Der EZB-Rat setzt sich aus den sechs Mitgliedern des Direktoriums und den momentan 15 Präsidenten der NZBs des Euroraums zusammen. Er ist mit seinen 21 Mitgliedern das wichtigste Beschlussorgan der EZB und kann mit einfacher Mehrheit einen Beschluss verabschieden, wobei wiederum zwei Drittel der Mitglieder anwesend sein müssen und die Stimme des Präsidenten bei gleicher Stimmenzahl entscheidend ist. In Ausnahmefällen wie bspw. Aufgaben bzw. Anwendungen, die von der Satzung des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) abweichen (z. B. nicht Satzungskonforme geldpolitische Instrumente), ist eine Zweidrittelmehrheit nötig, um einen endgültigen Beschluss zu erreichen. Bei Abstimmungen, in denen es um finanzielle Aspekte geht, sind die Direktoriumsmitglieder von ihrem Stimmrecht entbunden. Ausschlaggebend für die Gewichtung einer Stimme eines EZB-Rat Mitglieds ist der Anteil der jeweiligen NZB am gezeichneten Kapital der EZB [3].

Grundsätzlich trifft sich der Rat alle 14 Tage und mindestens zehn Mal im Jahr im Eurotower in Frankfurt am Main, um Vorgaben über die Geldpolitik des Euroraums festzulegen, welche sich mit dem zur Verfügung stellen von Zentralbankguthaben, der Festlegung der Leitzinssätze (Hauptrefinanzierungs-, Spitzenrefinanzierungs- und Einlagensatz) und der Festlegung der geldpolitischen Ziele befasst. Des Weiteren werden wichtige Leitlinien und Entscheidungen bestimmt, welche erforderlich sind, um die übertragenen Ziele zur Gewährleistung des Eurosystems zu erfüllen. In der ersten Ratssitzung jedes Monates wird die wirtschaftliche und monetäre Entwicklung in Zusammenhang mit geldpolitischen Beschlüssen erörtert. In der zweiten Sitzung, meist zwei Wochen später, werden sonstige Aufgaben und Zuständigkeiten der EZB und des Eurosystems diskutiert [1]. Die geldpolitischen Ziele bzw. Beschlüsse, die in der ersten Sitzung des Monates beschlossen worden sind, werden auf der danach folgenden Pressekonferenz dargelegt und analysiert. Die Protokolle der Sitzung bleiben unter Verschluss und sind nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

2.3 Der Erweiterte EZB-Rat

Der Erweiterte EZB-Rat umfasst alle Präsidenten der NZBs des Eurosystems und der Europäischen Union sowie den Präsidenten, welcher die Sitzung vorbereitet, und den Vizepräsidenten der EZB [1]. Zusätzlich ist es dem Präsidenten des Rates der Europäischen Union (zurzeit Bernard Kouchner, Frankreich) und einem Mitglied der Kommission gestattet, ohne jegliches Stimmrecht an der Sitzung teilzunehmen. Der Erweiterte Rat verliert somit mit dem Eintritt aller EU-Mitgliedsstaaten in die EWU und der damit verbunden Einführung des Euros in der ganzen Europäischen Union seine Daseinsberechtigung. Der Rat findet sich jedes Quartal im Abstand von drei Monaten, beginnend mit der ersten Sitzung im März, zusammen. Die Aufgaben befassen sich mit denen des früheren Europäischen Währungsinstitutes, welches sich, vor der Zeit der EZB, mit der Bildung der EWU auseinandersetzte. Die Aufgaben umfassen Ziele, wie die Schaffung einer einheitlichen Geldpolitik, einer einheitlichen Währung in der Europäischen Union und der Diskussion über die Wechselkursmechanismen. Ferner liegen die Aufgaben auch darin, die EZB zu beraten, statistische Daten zu erheben, den Jahresabschluss der EZB zu erstellen und bei der Festlegung der Rahmenbedingungen für die Beschäftigten der EZB mitzuwirken [3].

2.4 Die Ausschüsse

Das Eurosystem verfügt derzeitig über 14 Ausschüsse, welche die drei Beschlussorgane in ihrer Arbeit unterstützen und Informationsmaterial aus ihren Fachbereichen zu Verfügung zu stellen, um dadurch leichter Entscheidungen und Durchführungen von Beschlüssen fachlich zu unterlegen. Fachliche Vertreter der EZB und der NZBs, die der EWU angehören, bilden die einzelnen Ausschüsse. Vertreter von NZBs, die nicht dem Eurosystem angehören, dürfen nur bei Bedarf oder wenn ihre Zuständigkeit betroffen ist, teilnehmen. Erscheint es einem Ausschuss nötig, weitere fachliche Kompetenz in Form von Vertretern andere Behörden anzufordern, so ist dies möglich [1]. Die Ausschüsse betreffen folgende Bereiche: Der Ausschuss für Rechnungswesen und monetäre Einkünfte (AMICO), der Banknotenausschuss (BANCO), der Ausschuss für Bankenaufsicht (BSC), der Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit des ESZB (ECCO), der Ausschuss der internen Revisoren (IAC), der Ausschuss für internationale Beziehungen (IRC), der Rechtsausschuss (LEGCO), der Geldpolitische Ausschuss (MPC), der Ausschuss für Zahlungsverkehrs- und Abrechnungssysteme (PSSC), der Ausschuss für Statistik (STC) der Haushaltsausschuss (BUCOM) und die Personalleiterkonferenz (HRC). Ausschlaggebend für die Aufgaben und den Vorsitzenden jedes Ausschusses ist die Entscheidung des EZB-Rates [4].

3 GELDPOLITISCHE INSTRUMENTE

Das primäre Ziel der Geldpolitik, und somit auch der EZB, ist die Preisstabilität im Eurosystem. Diese Variable gilt als Fundament allen Wirtschaftsgeschehens [5]. Stabile Preise wirken sich positiv auf die Wirtschaftsaktivitäten aus, das Wirtschaftswachstum nimmt zu, neue Investitionen werden getätigt und die Arbeitslosigkeit geht zurück [6].

Die Aufgaben und die Konzeption der geldpolitischen Instrumente der EZB beeinflussen nicht nur die Finanzmärkte. Die Steuerung der Finanzmärkte über die geldpolitischen Instrumente liegt oft in Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Lage der Europäischen Union. Ferner werden sie auch zur Regulierung und Kontrolle der Wirtschaft eingesetzt, jedoch nur insoweit, als dies nicht zu Lasten der Preisstabilität geschieht.

Zur Erreichung der geldpolitischen Ziele stehen drei Hauptkomponenten zur Verfügung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Geldpolitische Instrumente der EZB

Diese Instrumente, auf Abbildung 2 zu sehen, sind die Eckpfeiler der Geldpolitik im Eurosystem. Jede Zentralbank der EWU hat sich darauf geeinigt und auch verpflichtet, einheitlich die oben genannten Instrumente zur Ausführung der Aufgaben und Erreichung der Ziele zu nutzen [7].

Um die Wirkungsmechanismen der einzelnen Instrumente zu verstehen, ist es von großer Bedeutung, den Aufbau des Bankensystems national und international zu verstehen. Der Aufbau ist wie folgt gestaltet (siehe Abbildung 3):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Aufbau des Bankensystems im Euroraum

Die Bürger des Eurosystems unterhalten Konten bei ihren Geschäftsbanken (siehe Abbildung 3 – Ebene 3). Diese wiederum und auch andere Finanzinstitute haben Konten bei der Zentralbank (siehe Abbildung 3 – Ebene 2) ihres jeweiligen Landes. Über diese Konten erfolgen auch die Transaktionen des Interbankenmarktes, ein interner Geldmarkt, der es Banken erlaubt, sich untereinander für eine kurze Zeit größere Mengen Geld zu leihen. Die Höhe der Zinssätze am Geldmarkt, für die sich die Banken untereinander Geld leihen können, wird durch die EZB beeinflusst und gesteuert.

Die NZBs unterhalten, wie auch die Geschäftsbanken und andere Finanzinstitute bei ihnen, bei der EZB (siehe Abbildung 3 – Ebene 1) Konten, über die sie sich von der EZB Geld beschaffen oder solches anlegen [8].

Das folgende Kapitel behandelt die geldpolitischen Instrumente – Offenmarktpolitik, ständige Fazilitäten und Mindestreservesystem, welche nötig sind, um primär die geldpolitischen Ziele der EZB und sekundär die Unterstützung der Wirtschaftspolitik für das gesamte Eurosystem zu erreichen. Der erste Unterpunkt stellt eine allgemeine Einführung in das einzelne Instrument dar. Im Weiteren erfolgt jeweils eine detaillierte Darstellung aller Instrumente.

3.1 Offenmarktgeschäfte

Die Offenmarktgeschäfte bilden das Hauptinstrument der Geldpolitik zur Steuerung der Zinssätze und der Liquidität in der EWU. Anhand der durchgeführten Transaktionen zeigt sich der geldpolitische Kurs, den die EZB einschlägt. Darüber hinaus werden dem Finanzmarkt über die Höhe der Zinssätze klare Signale über die momentane Lage gegeben. Über dieses Finanzierungsinstrument erhalten die Geschäftsbanken bzw. die NZBs den größten Teil ihres verfügbaren Refinanzierungsvolumens.

Die Offenmarktgeschäfte lassen sich grundsätzlich in vier Typen unterteilen: Hauptrefinanzierungsgeschäfte (HRGs), längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (LRGs), Feinsteuerungsoperationen und strukturelle Operationen [9]. Die o. g. Instrumente unterscheiden sich durch folgende Kriterien (siehe Tabelle 1 - nachfolgende Seite):

Tabelle 1: Offenmarktgeschäfte im Eurosystem [7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1.1 Befristete Transaktionen

Die wichtigste und meist genutzte Durchführungsart sind befristete Transaktionen zur Liquiditätsbereitstellung bzw. Liquiditätsabschöpfung, welche als HRGs und LRGs verwendet werden. Der EZB stehen zwei verschiedene Arten (siehe Abbildung 4) zur Verfügung, um befristete Transaktionen durchzuführen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Arten von befristeten Transaktionen

Pensionsgeschäfte sind Transaktionen, bei denen Vermögensgegenstände gegen Erhalt von Liquidität an einen Gläubiger für eine gewisse Laufzeit übertragen werden [10]. Zusätzlich wird eine Rückübertragung nach Ablauf der Laufzeit vereinbart, so dass der Vermögensgegenstand nach Zahlung des Rückkaufpreises wieder an den Schuldner über geht. Zinsen werden in Form der Differenz von Kaufpreis und Rückkaufpreis des Vermögensgegenstands erwirtschaftet. Der Rückkaufpreis beinhaltet dementsprechend nicht nur den damaligen Kaufpreis, sondern auch die Zinsen, die für den jeweiligen Betrag des Vermögengsegenstandes anfallen [5].

Die zweite Form von befristeten Transaktionen sind Pfandkredite, die einen Kredit gegen Verpfändung von refinanzierungsfähigen Sicherheiten (einheitliches Sicherheitsverzeichnis der EZB [11]) darstellen. Unter der Annahme, dass der Schuldner seinen Verpflichtungen nachkommt und den Kreditbetrag an den Pfänder zurückzahlt, bleibt das Eigentum beim Schuldner. Die Zinsen werden anhand eines festgesetzten Zinssatzes auf den ausstehenden Kreditbetrag für die Laufzeit der Transaktion nach der Eurozinsmethode ermittelt [5]. Im folgenden Beispiel wird die Eurozinsmethode näher erklärt.

Beispiel zur Eurozinsmethode:

- Nominaler Jahreszins 4,5 %

- Diskonttage 45

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Diskonttage werden kalendergenau ermittelt und anteilsmäßig vom nominalen Jahreszins berechnet, um daraus den genauen Tageszins zu erhalten.

3.1.1.1 Hauptrefinanzierungsgeschäfte

Den HRGs, auch Haupttender genannt, kommt die wichtigste Rolle der Offenmarktgeschäfte zu, da diese die Aufgabe der Steuerung der Zinssätze und der Liquidität am Markt übernehmen. Dem Finanzsektor des Eurosystems wird über sie der größte Teil des Refinanzierungsvolumens bereit gestellt. Die Transaktionen werden dezentral von den NZBs in einem wöchentlichen Rhythmus mit einer Laufzeit von zwei Wochen durchgeführt. Die Zuteilungen des jeweiligen Volumens erfolgt über den Standardtender, dessen Verfahren in einen Zeitrahmen von 24 Stunden von der Tenderankündigung bis zur Bestätigung der Zuteilungsergebnisse durchgeführt werden muss. Die Abläufe eines Tenderverfahrens werden in der folgenden Abbildung 5 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Verfahrensschritte beim Tenderverfahren [12]

Wie in Abbildung 5 zu sehen, findet der erste Schritt des Tenderverfahrens, die Tenderankündigung (1a und 1b), am Vortag statt. In Schritt 1 werden die NZBs und deren Geschäftspartner über die Tenderankündigung informiert, so dass diese am Vortag die benötigte Liquidität berechnen. Die NZBs haben eine vorgegebene Zeitspanne von ca. 17,5 Stunden, um ihre Angebote, siehe Schritt 2, abzugeben. Im folgenden Schritt 3 prüft die EZB die eingegangen Gebote und ordnet diese, so dass im darauffolgenden Schritt 4 die Zuteilungen und die Ergebnisse den NZBs präsentiert werden können. Im vorletzten Schritt werden die Zuteilungsergebnisse nochmals bestätigt und diese dann am darauffolgenden Tag mit der Auszahlung abgeschlossen (siehe Abbildung 6) [13].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Normaler Zeitrahmen für die Verfahrensschritte bei Standardtendern [12]

Der Ablauf des Tenderverfahrens ist fest vorgeschrieben und immer gleich. Ausschließlich die Auswahl des Tenderverfahrens ist variabel. Die zur Verfügung stehenden Tenderverfahren beim Standardtender werden im nächsten Abschnitt beschrieben [7].

[...]

Ende der Leseprobe aus 78 Seiten

Details

Titel
Die Organisation der Europäischen Zentralbank. Geldpolitische Instrumente und deren Nutzung in der Vergangenheit und während der Finanzkrise
Hochschule
Hochschule Offenburg  (Fakultät für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsingenieurwesen)
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
78
Katalognummer
V158662
ISBN (eBook)
9783640712359
ISBN (Buch)
9783640714049
Dateigröße
839 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Organisation, Europäischen, Zentralbank, Geldpolitische, Instrumente, Nutzung, Vergangenheit, Finanzkrise
Arbeit zitieren
Philipp Walter (Autor), 2009, Die Organisation der Europäischen Zentralbank. Geldpolitische Instrumente und deren Nutzung in der Vergangenheit und während der Finanzkrise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158662

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