Krisendebatte über die Berufsproblematik

Der Beruf als zentrales Element der menschlichen Existenz


Hausarbeit, 2009

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das zentrale Problem des Berufs
1.1 Problemaufriss
1.2 Bedeutung für die Berufspädagogik

2. Der Beruf als berufspädagogisches Problem
2.1 Der Berufsbegriffs in seiner historischen Entwicklung
2.2 Abgrenzung zweier Sichtweisen auf die Berufspädagogik
2.3 Beruflichkeit als erziehungswissenschaftliches Konstrukt
2.3.1 Folgen für das Duale System
2.3.2 Vor- und Nachteile einer Modularisierung für das Duale System
2.3.3 Beruflichkeitsbewusstsein
2.4 Gesellschaftliche Megatrends und Entwicklungen im Beschäftigungssystem

3. Arbeitslosigkeit als berufspädagogisches Problem
3.1 Bedeutung der Berufspädagogik
3.2 Konsequenzen für die Berufspädagogik

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Im Jahre 2020 herrscht in Deutschland Vollbeschäftigung“. So lauteten die Worte des SPD Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier. Ohne in eine wahlpolitische Diskussion abdriften zu wollen stellt sich die Frage, ob dieses Vorhaben mit den derzeitigen berufspädagogischen Strukturen in Deutschland möglich ist oder zu welchen Problemen es kommen könnte.

Diese Ausarbeitung beschäftigt sich daher grundlegend mit den Problemen, mit denen sich das Konstrukt Beruf konfrontiert sieht. Hierzu ist ein kurzer geschichtlicher Abriss des Berufsbegriffs unerlässlich. Ein weiteres Augenmerk wird auf die Faktoren, die einen Beruf ausmachen geworfen. In diesem Zusammenhang wird näher auf die Entwicklungsmöglichkeiten des Dualen Systems eingegangen. Um auch die Arbeitnehmerseite zu beleuchten, wird das eigentliche Beruflichkeitsbewusstsein genauer erläutert. Hier steht die Zentrale Frage im Fokus, wann man eine ausgeübte Tätigkeit als Beruf empfindet. Ebenfalls Berücksichtigung finden die nicht unwesentlichen Megatrends und Entwicklungen im Beschäftigungssystem. Um dieser Ausarbeitung einen praktischen Aspekt zu geben, wird die aktuelle Problematik der Jugendarbeitslosigkeit grob umrissen.

Das der Berufspädagogik nach wie vor ein großer Stellenwert zugesprochen wird steht außer Frage. Gerade in Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise und steigender Arbeitslosigkeit steht sie in großer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Doch sind für die relativ hohe Arbeitslosenquote nur die (potenziellen) Arbeitnehmer verantwortlich oder besitzt die berufliche Aus- und Weiterbildung in Deutschland zu steife und wenig flexible Strukturen? Zukünftige mögliche Veränderungen werden daher ebenso diskutiert wie mögliche Konsequenzen für die Berufsbildung. Unter diesem Aspekt wird der Beruf als zentrales Element der menschlichen Existenz kontrovers diskutiert.

1. Das zentrale Problem des Berufs

In diesem Kapitel wird erläutert, welchen Stellenwert der Beruf für die Menschen in der heutigen Gesellschaft hat. Hierbei steht die zentrale Frage im Raum, mit welchen Problemen und Hürden sich das alternde Konstrukt »Beruf« in der heutigen modernen und flexiblen Gesellschaft konfrontiert sieht.

1.1 Problemaufriss

Der Wert eines regelmäßig ausgeübten Berufs, gerade in der heutigen Gesellschaft, ist nicht von der Hand zu weisen. So verdeutlicht Brakelmann die Relevanz und den ordnenden Stellenwert einer regelmäßig ausgeübten Tätigkeit unter dem Aspekt, dass ein Leben ohne Erwerbsarbeit seine ordnende Mitte verliert. Ohne diese Mitte sei aber keine Existenz auf Dauer möglich (vgl. Brakelmann 1988, S. 199). Hiermit spricht er also nicht nur die existenzsichernde Funktion, sondern auch den Beruf als das zentrale Ordnungsgefüge eines Menschen an.

Die Funktionen und Aufgaben des Berufs unterliegen jedoch auch in der Wissenschaft sehr kontroversen Diskussionen. So ist vielen Forschungsansätzen gemein, dass der Beruf auf der einen Seite immer noch die obige These erfüllt, jedoch gleichzeitig auf der anderen Seite in einem Konflikt zwischen Sinngebung und der von Brakelmann zentralisierten Existenzsicherung steht (vgl. Pätzold/Wahle 2000, S. 524). Der Charakter des Berufs wird hierbei keinesfalls in Frage gestellt. Vielmehr geht es darum, ob das Konstrukt Beruf immer noch seinen eigenen ursprünglichen Idealen entspricht oder sich immer weiter von seinem eigentlich zugeführten Sinn entfernt. Dass die Partizipation an der Gesellschaft durch eine regelmäßig ausgeführte Tätigkeit beschleunigt wird liegt hierbei auf der Hand (vgl. Pätzold/Wahle 2000, S. 525). Jedoch muss auch berücksichtigt werden, dass ein Beruf wesentlich mehr Funktionen erfüllt. Schade untersuchte weitere Aspekte des Berufsbildes und filterte mit der Bildungs-, der erwerbswirtschaftlichen- und der sozialen Funktion drei relevante Dimensionen heraus (vgl. Schade 2006, S. 75). Auf die Bedeutungen dieser Funktionen soll an dieser Stelle, sofern dies überhaupt nötig ist, nicht näher eingegangen werden. Vielmehr wird hier der Umfang möglicher Definitionen dargestellt.

1.2 Bedeutung für die Berufspädagogik

Für die Berufspädagogik ergeben sich zwei zentrale und elementare Frage- bzw., auf weite Sicht, Problemstellungen. Vernachlässigt werden muss hier der Aspekt, ob die Berufswahl frei getroffen oder eine aus der Not entstandene Zweck- und Übergangslösung aus erwerbswirtschaftlichen Gründen ist. Es gilt zu klären, ob das Konstrukt Beruf seiner Orientierungsfunktion in einer sich permanent wandelnden Arbeitswelt mit dynamischen Tätigkeitsstrukturen weiterhin gerecht wird. Des Weiteren ist zu untersuchen, inwiefern berufspädagogischer Handlungsbedarf unter dem Aspekt der Arbeitslosigkeit besteht. Hierbei muss ein besonderes Augenmerk auf die sinkenden Ausbildungsplatzangebote und den dadurch verhinderten Ausbildungschancen gerichtet werden (vgl. Pätzold/Wahle 2000, S. 525). Die daraus direkt resultierende Folge ist der Gang in die Arbeitslosigkeit.

2. Der Beruf als berufspädagogisches Problem

Um den Beruf als berufspädagogisches Problem zu identifizieren, muss an dieser Stelle näher auf die Bedeutung des Berufsbegriffs im Rahmen seiner historischen Entwicklung eingegangen werden. Des Weiteren werden zwei verschiedene Sichtweisen auf die Berufspädagogik beleuchtet. Dadurch lässt sich das zentrale Problem anschaulich darstellen. Ebenfalls berücksichtigt werden mögliche Veränderungen für das Duale System sowie gesellschaftliche Megatrends.

2.1 Der Berufsbegriffs in seiner historischen Entwicklung

Dass der Beruf eine sozial- und ordnungsstabilisierende Funktion hat wird als allgemein gültige Aussage betrachtet. Um den Beruf jedoch als berufspädagogisches Problem zu deuten, muss man sich in erster Linie der geschichtlichen Entwicklung dieses Begriffs bewusst werden. Folgendes Schaubild soll die Entstehung des heutigen Berufsbegriffs näher veranschaulichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Religiöse Berufsidee:

Sie definiert berufliches Handeln als Gottesdienst (vgl. Pätzold/Wahle 2000, S. 526).

Traditionell-ständische Berufsauffassung:

Die berufliche Tätigkeit ist sozial gebunden und soll die bestehende Ordnung stabilisieren (vgl. Pätzold/Wahle 2000, S. 526). Hier lässt sich auch der Begriff der Ständegesellschaft nennen. Der soziale und gesellschaftliche Status gab das Berufsideal vor.

Idealistisch-ganzheitliche Berufsvorstellung:

Ihr liegt als Basis der individuellen Selbstverwirklichung die freie Berufswahl zugrunde (vgl. Pätzold/Wahle 2000, S. 526).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Krisendebatte über die Berufsproblematik
Untertitel
Der Beruf als zentrales Element der menschlichen Existenz
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Berufs- und Betriebspädagogik)
Veranstaltung
Konstrukte berufs- und betriebspädagogischer Theoriebildung
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V158996
ISBN (eBook)
9783640722730
ISBN (Buch)
9783640723188
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berufliche Bildung, Berufspädagogik, Beruf, Betrieb, Pädagogik
Arbeit zitieren
Stefan Schalowski (Autor), 2009, Krisendebatte über die Berufsproblematik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158996

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