Die Marte Meo-Methode als besondere Art der Förderung im heilpädagogischen Voltigieren und Reiten


Diploma Thesis, 2010
134 Pages, Grade: 1,3

Excerpt

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

Teil I: Theoretische Grundlagen der Marte Meo- Methode und der Reittherapie

2. Theoretische Grundlagen des Therapeutischen Reitens
2.1 Geschichte der Reittherapie
2.2 Anwendungsbereiche und Definitionen
2.3 Einordnung in den pädagogischen, therapeutischen Kontext
2.4 Pädagogische und therapeutische Grundhaltungen
2.5 Wirkfaktoren und Methodik
2.5.1 Balance
2.5.2 Der Bewegungsdialog mit und auf dem Pferd
2.5.3 Die Gangart als Wirkmoment
2.5.4 Beziehungsgeschehen und das Beziehungsdreieck in der Reittherapie
2.6 Anforderungen an den Reittherapeuten/Pädagogen
2.7 Indikationen und Kontraindikationen
2.8 Ziele
2.9 Kritik

3. Theoretische Grundlagen der Marte Meo-Methode
3.1 Begriffs-Definition
3.2 Entstehungsgeschichte von Marte Meo
3.3 Einführung in die Videoberatung
3.4 Anwendungsbereiche
3.5 Das theoretische Gerüst von Marte Meo
3.6 Pädagogische, therapeutische und wissenschaftliche Einordnung
3.6.1 Marte Meo im Kontext von Erziehungs- und Familienberatung
3.6.2 Abgrenzung zu anderen therapeutischen Verfahren
3.6.3 Evaluationsstudien und Lehre
3.7 Grundhaltungen
3.8 Wirkfaktoren und Methodik
3.9 Anforderungen an den Marte Meo-Therapeutenen
3.10 Indikation und Kontraindikation
3.11 Ziele
3.12 Kritik

Teil II: Theoretische und praktische Anwendung der Marte Meo-Methode in der Reittherapie

4. Vorüberlegungen zur Anwendung der Marte Meo-Methode im HPV/R
4.1 Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Marte Meo und dem HPV/R
4.1.1 Personen- vs. Sachorientierung
4.1.2 Von einer dyadischen zu einer triadischen Beziehung
4.2 Ziele im HPV/R und der Marte Meo-Methode
4.3 Folgerungen für den Einsatz von Marte Meo in der Reittherapie
4.4 Einsatz der „Checklisten“

5. Planung und Durchführung einer Marte Meo-Beratung
5.1 Setting
5.2 Zielgruppe und Indikation
5.3 Die Videoaufnahmen

6. Die Marte Meo-Interaktionsanalyse

7. Abschlussbetrachtung
7.1 Abschließende Diskussion
7.2 Resümee
7.3 Persönliche Schlussbemerkung

Quellenverzeichnis

Anhang:

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1:„Fähigkeitenliste“

Tabelle 2: Situationsübersicht und Interaktionsanalyse des Videoclips

1. EINLEITUNG

Beziehungsanbahnung und Beziehungsgestaltung sind im Heilpädagogischen Reiten und Voltigieren die Basisbausteine einer gelungenen therapeutischen Intervention. Weniger die Methode sondern der Beziehungsgehalt zwischen Therapeut und Klient sind für den Thera- pieerfolg von zentraler Bedeutung. Dies deckt sich mit den Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchungen (Grawe, 1994). Dabei schwindet gerade in der heutigen Zeit immer mehr eine zwischenmenschliche Verbindlichkeit und emotionale Nähe. Ebenso ist elterliches Ver- halten zunehmend von Distanz und kognitiver Stimulation gekennzeichnet, weniger durch emotionale Wärme, Intuition und Verbundenheit. Intuitive, kulturübergreifende elterliche Kompetenzen (Papoušek & Papoušek, 1991) geraten mehr und mehr in Vergessenheit. Wie können Eltern wieder einen Zugang zu diesen verschütteten intuitiven Kompetenzen finden? Wie genau funktioniert Beziehungsaufbau und wie kann eine positive, entwicklungsförderli- che Interaktion zwischen Eltern und Kindern, aber auch zwischen Therapeuten/Pädagogen und Klienten gestaltet werden? Genau an dieser Fragestellung knüpft die Marte Meo- Methode an.

Auf der Basis klinisch- und entwicklungspsychologischer Grundlagen hat die Holländerin Maria Aarts, in den 80er Jahren die Marte Meo-Methode entwickelt. Eine weitere Quelle der Inspiration für die Marte Meo-Methode lieferte der Säuglingsforscher Daniel Stern. Dem Marte Meo-Konzept nach sollen Eltern, Pädagogen und Therapeuten aus den unterschied- lichsten Disziplinen dabei unterstützt werden positive Beziehungen zu ihren Kindern bzw. Klienten aufzubauen und sie in ihrer Entwicklung zu fördern. Mittels Videoaufnahmen wer- den Interaktionen zwischen Menschen nach bestimmten Kriterien analysiert und in einem anschließenden Beratungsgespräch mit dem Kunden reflektiert. Dieses Konzept knüpft an den vorhandenen Ressourcen und Stärken des Menschen an. Maria Aarts spricht nicht von „Störungen“, sondern von „noch nicht gemachten Entwicklungsschritten“. Probleme sollen in Möglichkeiten umgewandelt werden. Nicht die Störungen sondern die Fördermöglichkei- ten, die Individualität, sowie die Umwelt der Menschen stehen im Mittelpunkt der Marte Meo-Therapie. Diese Sichtweise verdeutlicht auch den Paradigmenwechsels, der sich in den 80er und 90er Jahren vollzogen hat. Fortan wurde vermehrt auf eine Einzelfallbeschreibung und eine individuumzentrierte Diagnostik wert gelegt. Der Blick verlagerte sich von einer Klassifikation der Störung hin zu einem förderorientierten, auf Stärken aufbauenden Thera- piesystem, welches in verstärktem Maße die Umwelt des Klientels in die Diagnostik und Therapie mit einbezieht. Interaktionen der Familienmitglieder untereinander und Alltagsnähe bekamen eine größere Gewichtung (Eggert, 2000). Diese Trendwende vollzieht sich noch heute in vielen Feldern der Beratung, Therapie, Motodiagnostik, Entwicklungspsychologie und Pädagogik.

Die Aufgabe der Pädagogen und Therapeuten besteht nach der Marte Meo-Methode darin, dem Kind Hilfe zur Selbsthilfe zu geben: Es soll dort abgeholt werden wo es steht und an vorhandenen Stärken angeknüpft werden, damit dass Kind dazu befähigt wird Entwicklungs- schritte aus „eigener Kraft“ zu bewältigen, was der lateinischen Übersetzung von Marte Meo entspricht. Marte Meo ist aber nicht nur ein Förderkonzept für Kinder, Jugendliche und de- ren Eltern, sondern findet immer mehr Anwendung in der Behindertenhilfe, der Gerontolo- gie, Paartherapie oder als Supervisionsmethode für Pädagogen, Psychologen und Therapeu- ten (Aarts, 2009).

Während meiner Ausbildung zum „Marte Meo-Practitioner“ begeisterte ich mich zuneh- mend für die Marte Meo-Methode. In meinem Arbeitsfeld dem Heilpädagogischen Reiten und Voltigieren, stellte sich für mich die Frage, wie sich diese beiden Methoden kombinie- ren lassen. Sind die pädagogischen Grundhaltungen und Methoden miteinander kompatibel? Wie kann ich durch den Einsatz der Marte Meo-Methode mein Klientel beim Therapeuti- schen Reiten, zusätzlich zu den Methoden der Reittherapie, fördern? Diese Fragestellungen haben sich für mich aus meiner praktischen Tätigkeit als Reitpädagogin heraus ergeben. Im Rahmen der vorliegenden Diplomarbeit habe ich mich wissenschaftlich mit dieser Thematik auseinander gesetzt. Basierend auf dem theoretischen Hintergrund der Marte Meo-Methode wende ich die Marte Meo-Videoanalyse an einem Fallbeispiel an. Zum Einen um das Marte Meo-Leitmotto „zeigen und nicht erklären“ zu spiegeln und zum Anderen eine Brücke zwi- schen Theorie und Praxis zu schlagen, um so die zentralen Fragestellungen praxisorientiert zu ergründen.

Zu meiner großen Freude lernte ich auf dem internationalen Kongress für Therapeutisches Reiten 2009 Frau Babara Ehring-Hüttemann kennen, die sich mit derselben Thematik be- schäftigt. Frau Ehring-Hüttemann hat vor ca. 20 Jahren ihre Ausbildung bei Antonius Kröger zur Reittherapeutin (DKThR) absolviert und in jüngster Zeit ihre Ausbildung zur Marte Meo-Therapeutin bei Maria Aarts abgeschlossen. In ihrer therapeutischen Arbeit unternimmt sie erstmalig den Versuch die Marte Meo-Methode in ihre Arbeit als Reittherapeutin einflie- ßen zu lassen. Allerdings setzt Frau Ehring-Hüttemann die Kombination von Marte Meo und Reittherapie ausschließlich praktisch um. Im Rahmen dieser Arbeit erbringe ich als Funda- ment für die praktische Arbeit den theoretischen Baustein für die Verknüpfung dieser Me- thoden. Darüber hinaus erstellte ich verschiedene Videoaufnahmen vom Heilpädagogischen Voltigieren und Reiten, die ich unter Supervision von Frau Ehring-Hütteman nach der Marte Meo-Methode ausgewertet habe. Einen Ausschnitt davon stelle ich im weiteren Verlauf die- ser vor.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil beinhaltet die theoretischen Aspekte des Heilpädagogischen Voltigierens und Reitens und der Marte Meo-Methode. Hier habe ich mich der Literaturrecherche gewidmet, um die zentralen Theorien beider Methoden dem Leser zugänglich zu machen. Aufbauend auf der Einleitung in Kapitel Eins folgt in Ka- pitel Zwei und Drei eine Betrachtung von Marte Meo und der Reittherapie. Der zweite Teil bildet eine Synthese zwischen der Marte Meo-Methode und dem Therapeutischen Reiten. Aufbauend auf den in Kapitel Vier dargestellten Vorüberlegungen folgt im fünften Kapitel die komprimierte theoretische Grundlage, um den zentralen Fragestellungen nach dem Nut- zen und der Anwendbarkeit der Marte Meo-Methode in der Reittherapie nach zu gehen. Hierbei vergleiche ich die Ziele und die pädagogischen Grundhaltungen beider Methoden, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus zu stellen. Dies bildet die Grundlage für den praktischen Teil dieser Arbeit (Kapitel 6).

In Kapitel Sieben folgt eine abschließende Diskussion über verschiedene wissenschaft- liche sowie thematisch übergreifende Theorien, die mit weiterführenden Fragestellungen verbunden sind. Abgerundet wird die vorliegende Arbeit durch ein persönliches Resümee, indem die zentrale Fragestellung dieser Arbeit aufgegriffen und beantwortet wird. Abschließend erfolgt eine kurze persönliche Schlussbemerkung.

Ferner bleibt an zu merken, dass sich hinter jedem Unterkapitel im Theorieteil eine kurze Zusammenfassung des Kapitels in einem grau unterlegtem Textfeld befindet.

Außerdem wurde um den Lesefluss zu vereinfachen grundsätzlich die männliche Schreibweise verwendet.

TEIL I: THEORETISCHE GRUNDLAGEN DER MARTE MEO- METHODE UND DER REITTHERAPIE

Die nachfolgenden Kapitel präsentieren die theoretischen Aspekte der Reittherapie und der Marte Meo-Methode. Der im zweiten Kapitel vorgestellte Bereich der Reittherapie wird ei- nen kleineren Teil einnehmen, als die Theorien der Marte Meo-Methode. Da es sich bei «Marte Meo» um ein in Deutschland noch recht unbekanntes Gebiet handelt, erschien es als sinnvoll diese Methode eingehender zu betrachten und dem Leser in einer ausführlicheren Form dar zu stellen.

2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN DES THERAPEUTISCHEN REITENS

In dem nun folgenden Kapitel werden die Grundlagen des Therapeutischen Reitens vorgestellt, insbesondere die des Heilpädagogischen Voltigierens und Reitens.

Unter dem internationalen Oberbegriff „Therapeutisches Reiten“(Therapeutic Riding) wer- den alle vier Bereiche des Therapeutischen Reitens, die im Kapitel 2.2 vorgestellt werden, zusammengefasst. Der Begriff „Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten (HPV/R)“ wurde 2008 in „Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd (HPFP)“ umbenannt (vgl. Urmoneit, 2008a, S. 20). Der Begriff „HPV/R“ erschien zu eingeschränkt, da sich die pädagogischen Interventionen nicht nur auf das Voltigieren und Reiten, sondern auf die pädagogische und therapeutische Arbeit am und mit dem Pferd, beziehen. Die Arbeit am und mit dem Pferd impliziert z.B. Bodenarbeit, Pferdepflege oder anderer Kontakt zwischen Mensch und Pferd vom Boden aus (vgl. Schulz, 2005, S. 22f). Dennoch behält die Autorin die Bezeichnung „Heilpädagogisches Reiten und Voltigieren“ bei, da in den Quellenangaben dieser Arbeit ausschließlich der Begriff „Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten“ verwendet wird.

Nach einer kürzeren Vorstellung der vier Bereiche der Reittherapie wird im Verlauf dieser Arbeit tiefer gehend auf die Anwendungsbereiche, die Methoden, den pädagogischen Grundhaltungen, den Wirkfaktoren, den Indikationen- und Kontraindikationen, den Zielen und den Anforderungen an den Reittherapeuten im Heilpädagogischen Voltigieren und Rei- ten eingegangen. Abschließend wird eine kurze kritische Stellungsnahme zu dem Bereich der Reittherapie erfolgen.

2.1 Geschichte der Reittherapie

Über die motorische Wechselbeziehung zwischen Mensch und Pferd wurde schon vor 2000 Jahren von dem griechischen Staatsmann und Feldherren Xenophon (430-354 v. Chr.) be- richtet. Er gilt als der Begründer der „Hippologie“, der Pferdekunde. Ca. 400 Jahre vor Chr. Schrieb er eines der ersten Bücher über „Über die Reitkunst“ und betone darin die ständige motorische Wechselwirkung zwischen Reiter und Pferd. Im 16. Jhd. wird erstmalig von Hie- rinymus Cardanus (1501-1576) über das Reiten als therapeutische Maßnahme gesprochen (vgl. Vogel, 1987, S. 27ff). In diversen weiteren ärztlichen Schriften über die Jahrhunderte hinweg werden die gesundheitsfördernden Wirkungen des Reitens geschildert. 1890 be- schrieb Zander, dass beim Reiten Vibration mit 180Schwingungen in der Minute das sympa- thische Nervensystem stimulieren, welches heute tatsächlich nachgewiesen wurde und den Frequenzen im Schritt und Trab entspricht. 1909 wurde zum ersten Mal die Überlegung an- gestellt Reiten auf ärztliche Verordnung zu veranlassen. Max Senator gab erste Methodische Anweisungen für den therapeutischen Einsatz des Pferdes in seinem Buch „Der gesundheit- liche Wert des Reitens“. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Wert des therapeutischen Reitens für Kriegsversehrte, wie Arm- und Beinamputierte, erkannt. Max Reichenbach widmete sich als erster deutscher Arzt dem „Reiten als Therapie“ (vgl. ebd., S. 27). Zuerst entwickelte sich der medizinisch ausgerichtete Bereich der Hippotherapie, den man als Krankengymnastik auf dem Pferd bezeichnen kann. Mitte der 60er Jahre entwickelte sich das Heilpädagogische Reiten und Voltigieren. 1970 begann Carl Klüwer nach mehrjähriger Vorbereitung mit der Durchführung von Hippotherapie und Heilpädagogischen Voltigieren (vgl. Gäng, 2009, S. 12).

1970 wurde das Kuratorium für Therapeutisches Reiten unter dem ersten Vorsitzenden, Pfar- rer Gottfried von Dietze, in Frankfurt, gegründet. Zu dieser Zeit gab es bereits 43 Einrich- tungen in denen das Pferd in den Dienst des behinderten Menschen gestellt wurde. In diesem Zusammenhang sollte auch Antonius Kröger genannt werden, der auch als „Vater des Heil- pädagogischen Voltigierens“ genannt wird und bereits 1969 einen Artikel zum Thema „mit Pferden erziehen“ veröffentlichte und darin seine Arbeit mit Lernbehinderten und Verhal- tensauffälligen Kindern dokumentierte. 1978 wurde das Therapeutische Reiten in drei Berei- che eingeteilt, die Hippotherapie, das Heilpädagogische Reiten und Voltigieren und Reiten als Sport für Behinderte. 2005 ist ein vierter Bereich, die ergotherapeutische Behandlung mit dem Pferd, hinzugekommen. Seit 1976 bietet das Kuratorium für therapeutisches Reiten erstmalig Ausbildungslehrgänge an. 1992 wurde das KThR umbenannt in Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten (DKThR), da auch im Nicht- Deutschsprachigen Raum Kuratorien für Therapeutisches Reiten entstanden sind (DKThR, 2009).

Historie: Erste Zusammenhänge der motorischen Wechselbeziehung zwischen Mensch und Pferd wurden schon vor ca. 2000 Jahren erkannt! 1970 erfolgte die Gründung des Kuratoriums für Therapeutisches Reiten in Deutschland.

2.2 Anwendungsbereiche und Definitionen

Die „Reittherapie“ unterteilt sich nach den Richtlinien des DKThR in vier Hauptbereiche. Die Grenzen sind allerdings oft fließend und es gibt Überscheidungen in allen vier Berei- chen. Unterschieden wird zwischen Hippotherapie, Heilpädagogisches Voltigieren und Rei- ten, Ergotherapie mit dem Pferd und Reiten als Sport für Behinderte (vgl. Ihm, 2008, S. 38). Nachfolgend werden alle vier Bereiche kurz vorgestellt, um dem Leser einen Überblick zu gewähren und um zu verdeutlichen wie eng alle Bereiche miteinander verbunden sind, sich ergänzen und bereichern.

Exkurs: Über den Unterschied von Reiten und Voltigieren

Das Voltigieren hat seinen Ursprung in den mittelalterlichen Ritterspielen. Es beinhaltete damals turnerische und akrobatische Übungen auf dem Pferd ohne Sattel in den Gangarten Schritt und Galopp. Dies setzt eine besondere Vertrautheit mit dem Pferd voraus. Das Pferd wird hierbei von einem Longenführer an der Longe geführt. Die auf dem Pferderücken ausgeführten Turnübungen zeichnen sich durch besondere Ästhetik, Anmut und Geschicklichkeit aus. Wird Voltigieren als Leistungssport durchgeführt werden Kriterien wie Bewegungsfluss und Bewegungsharmonie, die nach außen hin sichtbar sind, mit beurteilt. Da das Voltigieren eine Form, ebenso wie eine Ausdrucksbewegung ist, zeigt sich damit eine Verwandtschaft zum Tanz (vgl. Schulz, 2005, S. 19).

Das Reiten ist eine selbst ausgeführte und selbständige Fortbewegung des Reiters auf dem Pferd. Es wurde mit der Kultivierung der immanenten Bewegungselemente in der Reitkunst in die Nähe des Tanzes angesiedelt (vgl. Schulz, 2005, S. 19). In diesem Sinne ein Zitat von Isebart aus dem Buch „Das Königreich des Pferdes“: „Die Reiterei stößt vor an die Grenzen der Kunst, in der ein Kunstwerk entsteht , das in jedem Augenblick neu geschaffen werden muss, denn es hat Bestand nur für den Augenblick. Die Natur schreibt Gesetzte dieser Kunst. Denn was die Natur dem Pferd an Kraft und Freiheit der Bewegung mitgab, das soll es wie- der gewinnen unter dem Gewicht des Menschen. Kein Sklave soll ihn tragen. Ein Tänzer soll schweben unter ihm“ (Isenbart, 1983, S. 127). Diese Bewegungselemente sind bedeutsame und unverwechselbare Bestandteile des Bewegungsdialogs, durch den die Arbeit auf dem Pferd pädagogisch und therapeutisch nutzbar wird (vgl. Schulz, 2005, S. 20).

(1) Hippotherapie

Definition: „Hippotherapie ist der rein medizinische Einsatz des Pferdes zur Ergänzung und Erweiterung der üblichen Physiotherapie auf neurologischer Grundlage“ (Frey, 2004, S. 5).

Die Hippotherapie darf ausschließlich von einem Arzt verordnet werden und von einem Krankengymnasten oder Physiotherapeuten, auf einem speziell ausgebildeten Pferd, durch- geführt werden. Üblicherweise wird hierfür das Pferd von einem Pferdeführer im Schritt geführt, wobei der Physiotherapeut und oftmals ein bis drei Helfer zusätzlich neben dem Pferd herlaufen. Oftmals werden Hilfsmittel wie eine Treppe als Aufstiegshilfe, eine Auf- stiegsrampe oder ein spezieller Kran, der einen Rollstuhlfahrer auf das Pferd heben kann, benötigt (vgl. ebd. S. 5ff).

Das Pferd überträgt durch seinen Schritt im Durchschnitt 100 dreidimensionale Schwingun- gen pro Minute auf den Rumpf des Patienten. Dies ist nahezu identisch mit dem Bewe- gungsablauf eines Erwachsenen. So gelangen Impulse eines Bewegungsablaufes in das Ge- hirn des Patienten. Der Reiter nimmt rein passiv die Bewegungsimpulse auf, wiederholt, verbessert und automatisiert sie letztendlich, welches dazu führen kann, dass ein Bewe- gungsgelähmter Mensch das Laufen wieder erlernen kann und seine allgemeine Beweglich- keit erheblich verbessert wird. Zur Natur des Menschen gehört es aufrecht zu stehen und zu gehen und genau diese beiden Dinge sind die Domänen der Hippotherapie und können in einigartiger Weise die horizontale und vertikale Fortbewegung simulieren und das Gehirn dahin gehend stimulieren. Ein weiterer Wirkfaktor in der Hippotherapie ist der Faktor Moti- vation, welcher auch in der Physiotherapie für den Erfolg von großer Bedeutung ist. Aufrichtung und Fortbewegung werden in der kindlichen Entwicklung in erster Linie durch die Motivation sich seine Umwelt anzueignen initiiert. Die Therapie auf dem Pferd bedient sich dieser Voraussetzung (vgl. ebd. S. 5).

Neben der neuromotorischen Wirkung ergibt sich auch eine psychomotorische Wirkung, wie die Harmonisierung von körperlichen und mentalen Fähigkeiten, Einschätzen der eigenen Leistungsfähigkeit, Körpervertrauen, Konzentration, Aufmerksamkeit, Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Zu den soziomotorischen Wirkungen kommen Kommunikation und Beziehungsfähigkeit mit ins Spiel (vgl. ebd. S. 6).

Folgende Störungsbilder fallen in den Bereich der Hippotherapie:

(1) Störungen in der normalen motorischen Entwicklung durch eine prä-, peri- oder postnatale Schädigung des ZNS
(2) Neurologische Schädigungen des ZNS, die das reife Gehirn betreffen (vgl. ebd. S. 5)

Hippotherapie: Physiotherapie auf dem Pferd / Darf nur von Ärzten oder Physiotherapeuten durchgeführt werden.

(2) Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten

An dieser Stelle folgt eine kurze Übersicht über den Bereich „Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten“. Die Kapitel 2.3. bis 2.9. beziehen sich auf diesen Bereich und stellen einzelne Aspekte wie wissenschaftlicher Kontext, pädagogische Grundhaltungen, Methodik, Wirkfaktoren, Anforderungen an den Reittherapeuten, Indikationen und Kontraindikationen, Ziele, sowie Kritik gesondert vor.

Definition: Laut dem DKThR versteht man unter dem Begriff „Heilpädagogisches Reiten und Voltigieren“ pädagogische, psychologische, psychotherapeutische, rehabilitative und soziointegrative Angebote mit dem Pferd, bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, mit den unterschiedlichsten Störungsbildern. Nicht die reitsportliche Ausbildung, sondern eine individuelle Förderung der Motorik, der Wahrnehmung, des Lernens, des Befindens und des Verhaltens stehen hierbei im Vordergrund. Dieses ist ein psychomotorisches Verfahren und entspricht einer gezielten Heilpädagogischen Intervention (vgl. DKThR, 2005, S. 5).

Durch die Bewegungsimpulse des Pferdes in den Gangarten Schritt, Trab und Galopp ent- steht automatisch und unausweichlich ein Bewegungsdialog zwischen Pferd und Reiter. Die- sen kann man vergleichen mit dem tonischen Dialog. Als diesen bezeichnet man die frühe vor- sprachliche Verständigungsform zwischen Mutter und Kind. Der Reitpädagoge setzt bei diesem Bewegungsdialog an und gestaltet die Beziehung aktiv mit. Diese Förderung mit dem Pferd entspricht einem ganzheitlichen Psychomotorischen Ansatz (vgl. ebd., S. 5).

Der Bereich der „Psychotherapie“ mit dem Pferd ist bisher noch ein Teilbereich des Heilpä- dagogischen Reiten und Voltigierens, soll aber in Zukunft zu einem weiteren eigenständi- gern Bereich entwickelt werden. (DKThR, 2009). Weiterführende Literatur zu „Psychothe- rapie mit dem Pferd“ findet sich bei Dirk Baum, (2004), Michaela Scheidhacker (1996) und Monika Mehlem (2005).

Heilpädagogisches Voltigieren und Reiten: pädagogische, psychologische, psychotherapeutische, rehabilitative und soziointegrative Angebote mit dem Pferd. Wird von Pädagogen und Psychologen durchgeführt.

(3) Reiten als Sport für Behinderte

Im Vergleich zu den anderen Bereichen des Therapeutischen Reitens spielt sich Reiten als Sport für Behinderte auf einer leistungsorientierten Ebene ab. Im Idealfall reiten behinderte und nichtbehinderte Menschen in einer Gruppe, wobei kompensatorische Hilfsmittel für Menschen mit Behinderungen eingesetzt werden dürfen. Ebenso kann das Pferd Behinde- rungen des Reiters kompensieren. So bekommt ein Mensch mit nur einem Bein vier gesunde Beine dazu oder ein blinder Mensch wird durch die Augen des Pferdes unterstützt (vgl. Ihm, 2008, S. 38f). 1970 fand das erste Reitturnier für Behinderte Reiter in Bargaheide statt. Zwei Jahre später wurde in Heidelberg eine Behindertenolympiade, mit der Disziplin „Reiten“ ausgetragen (vgl. Vogel, 1987, S. 32). Seit 1996 ist Reiten eine Paralympische Disziplin (vgl. Riede, 1986, S. 3ff).

Reiten als Sport für Behinderte: Reiten als Freizeit- oder Leistungssport für Menschen mit besonderen Handicaps. Kompensatorische Hilfsmittel sind auch auf Turnieren erlaubt. Wird von speziell ausgebildeten Trainern ausgeführt.

(4) Ergotherapeutische Behandlung mit dem Pferd

Die ergotherapeutischen Behandlungen werden auf der Grundlage des sensomotorisch- per- zeptiven, motorisch-funktionellem und psychisch-funktionellen Ansatzes mit dem Medium Pferd durchgeführt. Das Pferd soll durch den Bewegungsdialog, das Beziehungsangebot den unmittelbaren Erfahrungsraum unterstützen und andere Methoden ergänzen. Ziel der Ergo- therapie ist es den Menschen in seinem Alltag wieder voll handlungsfähig zu machen. Er soll am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können und seine Lebensqualität soll verbessert werden. Hierfür müssen die individuellen Bedürfnisse des Patienten erkannt werden um eine ganzheitliche Behandlung durchführen zu können (vgl. Herda, 2009, S. 109). Ergotherapie mit und ohne Pferd wird eingesetzt bei Störungen der Ausdauer und Belastbarkeit, der Grob und Feinmotorik, der psychischen und emotionalen Fähigkeiten, der Hirnleistung, der Sen- somotorik und der Sensibilität (vgl. ebd., S. 109). Durch die emotionale Beteiligung bei ei- ner Therapie mit dem Medium Pferd ist die Motivation höher als bei anderen Therapiever- fahren. Gerade dies kann gut bei therapiemüden Patienten angewendet werden. Da sich durch die unterschiedlichen Reaktionen des Pferdes immer wieder neue Situationen ergeben ist der Abwechslungsfaktor sehr groß, sodass eine gewisse Aufmerksamkeit automatisch erzielt wird. Der Patient muss ständig Aufmerksam sein und auf das Pferd reagieren. Es werden gleichzeitig mehrere Sinnesbereiche abgedeckt, sowie eine multiple Stimulation im Sinne einer ganzheitlichen Förderung, durch die zusätzliche Nutzung der Infrastruktur wie Natur und Witterung etc., erreicht. Das Pferd bietet eine Vielzahl verschiedener Reize, die der Patient erfühlen, riechen, schmecken und hören kann. Man kann mit dem Pferd in ver- schiedener Art verbal oder nonverbal kommunizieren. Neben den aktiven Momenten sind auch passive Momente von großer Bedeutung. Der Patient der auf dem Pferd sitzt, kann sei- nen Körper in Ruhe spüren, ohne selbst aktiv zu werden. Das Erleben getragen zu werden und sich fallen zu lassen, zu entspannen, unterscheiden zu lernen was man mag und was un- angenehm ist kann neu und wohl tuend sein (vgl. ebd., 2009, S. 112). Ergotherapie mit dem Pferd darf wie die Hippotherapie ausschließlich von einem Arzt verordnet und von einem Ergotherapeuten durchgeführt werden. Die Behandlungen werden in Form von Einzel- oder Gruppentherapien durchgeführt, meist mit Hilfe von ein bis mehreren Assistenten (vgl. Otterstedt, 2007, S. 398ff).

Ergotherapie mit dem Pferd: ganzheitliche Förderung aller Sinne, der Motorik und der sozialen Kompetenzen, die von einem Ergotherapeuten durchgeführt werden.

2.3 Einordnung in den pädagogischen, therapeutischen Kontext

Das Therapeutische Reiten lässt sich unter den Oberbegriffen der Tiergestützten Therapie und der Bewegungstherapie einordnen. An dieser Stelle erscheint es sinnvoll einen größeren Gesamtzusammenhang herzustellen und somit näher auf die Bewegungstherapie und die Tiertherapie einzugehen. Über die Studien aus der Tiertherapie lassen sich Rückschlüsse auf die Wirksamkeitsfaktoren der Reittherapie ziehen. Die Basiselemente und Ziele der tierge- stützten Arbeit, sowie der Psychomotorik treffen auch auf das Heilpädagogische Voltigieren und Reiten zu.

Bewegungstherapie

Alle vier Bereiche der Reittherapie lassen sich zu den bewegungstherapeutischen Verfahren einordnen. Hölter (2005) definiert Bewegungstherapie wie folgt: „Bewegungstherapie ist eine allgemeine Bezeichnung für alle Methoden und Verfahren, die Körperarbeit, Bewe- gung, Spiel und Sport in Prävention, Rehabilitation und Therapie nutzen.“ Funke (2004) unterscheidet in diesem Zusammenhang vier verschiedene „Funktionen des Sich- Bewegens“:

(1) Die symbolische Funktion: verständliches „Sprechen“ durch Bewegung
(2) Die instrumentelle Funktion: an Räume und Dinge angepasstes Verhalten
(3) Die sensible Funktion: aufschlussreiches Erkunden von sich selbst und seiner Umge- bung
(4) Die soziale Funktion: aufnehmen und gestalten gemeinsamer Bewegung mit anderen Menschen (Bewegungsbeziehungen nach Sherborne)

Zu den Bewegungstherapien zählt auch die Psychomotorik. Das Heilpädagogische Reiten und Voltigieren ist gleich zu setzten mit einem psychomotorischen Verfahren und fördert somit neben der allgemeinen Motorik und Geschicklichkeit auch soziale und emotionale Kompetenzen (vgl. DKThR, 2005, S. 5). Die Psychomotorik hat das Ziel nicht Störungen, Defizite und Leistungsorientierung in den Vordergrund einer Therapie zu rücken, sondern soll die individuelle, spielerische Form der Förderung ermöglichen. Körperliche und psychi- sche Prozesse sollen gleichermaßen berücksichtigt werden (vgl. Kiphard, 1984b, S. 49). Kiphard, der Begründer der Psychomotorik, definiert sie wie folgt: „Eine ganzheitliche hu- manistische, entwicklungs- kindgemäße Art der Bewegungserziehung…. Sie ist eine der kindgerechtesten Möglichkeiten zur einer ausgleichenden Persönlichkeitserziehung“ (Kiphard, 1984b, S. 49). Seewald (2007) unterteilt die Psychomotorik in zwei grundlegende Aspekte. Zum einen als Konzept der Entwicklungsförderung, zum anderen als Konzept der Einheit von körperlichen und seelischen Prozessen. Das Ziel der psychomotorischen Ent- wicklungsförderung ist, die Eigentätigkeit des Kindes zu fördern und es zum selbständigen Handeln anzuregen. Durch seine selbst gemachten Erfahrungen soll seine Handlungs- und Kommunikationskompetenz erweitert werden Zimmer unterscheidet drei Kompetenzberei- che (vgl. Zimmer, 2000, S.22):

(1) Ich-Kompetenz: Das Kennen lernen und Wahrnehmen von sich selbst durch das Me- dium der Bewegung. Ebenso geht es hier um die Entwicklung eigener Vorstellungen, Werte und Gefühlswelten.
(2) Sach-Kompetenz: Ziel ist die Wahrnehmung und der sachgemäße Umgang mit seiner materiellen Umwelt.
(3) Sozial-Kompetenz: Die Entwicklung einer Sozial-Kompetenz setzt sich das Wahr- nehmen und respektieren der Bedürfnisse, Interessen und Auffassungen anderer Men- schen, zum Ziel. Des Weiteren sollen die eigenen Wünsche und Bedürfnisse geäußert werden. Genauso wichtig ist die Fähigkeit Kompromisse zu schließen.

Bewegungstherapie: Das Medium „Bewegung“ als Heilmittel zur Prävention und Rehabili- tation.

Psychomotorik: Ein Konzept zur Entwicklungsförderung, unter Einbeziehung der Einheit von körperlichen und seelischen Prozessen.

Ziel der psychomotorischen Entwicklungsförderung ist, die Eigentätigkeit des Kindes zu fördern und es zum selbständigen Handeln an zu regen.

Tiergestützte Therapie

Schon seit tausenden von Jahren fungierte das Tier dem Menschen als Gefährte und Dialogpartner. Es übernahm wichtige Rollen als „Gottheit“ oder Mittler zwischen Menschen und Göttern der frühen Hochkulturen oder als „Tieropfer“ im Wandel zwischen matriarchischen und patriarchischen Kulturen. Die Geschichte der Menschheit ist mit der Geschichte der Tiere unmittelbar miteinander verwoben (vgl. Otterstedt, 2003, S. 15ff).

In der modernen Psychotherapie mit dem Pferd, kommt dem Pferd als Archetypus eine wich- tige Bedeutung zu und wird zu einem Teil der Therapie (vgl. Scheidhacker, 1995, S. 42ff). Vermutlich ist es in der heutigen Zeit der Urbanisierung und Technisierung der Gesellschaft eine Notwendigkeit für die gesunde geistige und emotionale Entwicklung des Menschen Beziehungen zu Tieren einzugehen, da die soziale und emotionale Interaktion der Individuen heute oft erschwert oder gestört ist. Dies könnte ein Grund dafür sein, dass Haustiere für viele Menschen immer mehr an Bedeutung gewinnen. In ihren Instinkten, dem Sozialverhal- ten und der nonverbalen Kommunikation gibt es zwischen Mensch und Tier viele Gemein- samkeiten. In der heutigen Überbetonung des Denkens und der Intelligenz kann der auf E- motionen und Bindung beruhende Kontakt zwischen Mensch und Tier ein angenehmer Aus- gleich sein. Die Interaktion mit einem Tier beruht überwiegend auf nonverbaler Kommuni- kation, welche primär bei der Vermittlung von Beziehungsaspekten dienlich ist. Die verbal- rationale Kommunikation spielt in der Entwicklung von Beziehungen eine untergeordnete Rolle. Bei der Interaktion mit einem Tier ist der Mensch auf eine eher intuitive, als kognitive Einschätzung seines Gegenübers angewiesen. Solche Prozesse der emotionalen Intelligenz werden durch den Umgang mit einem Tier automatisch trainiert. Diese durch den Umgang mit Tieren gesammelten Erfahrungen können wiederum auf den Umgang mit Menschen ü- bertragen und angewendet werden (vgl. Beetz, 2003, S. 80ff). Tiere nehmen Dinge an uns wahr, die wir nicht mit Worten, sondern nur mit konkreten Taten oder einer inneren Einstel- lung verändern können und reagieren darauf mit Aggression, Zuwendung oder Abkehr. Da- durch erfährt der Mensch wiederum etwas über sich. Der Mensch lernt im Umgang mit dem Tier sich auf die Gefühle seines Gegenübers einzustellen. Dies ist von unschätzbarem Wert für Kinder, die durch Tiere früh lernen, sich in andere Menschen einzufühlen und dadurch ihre sozialen Kompetenzen zu erweitern. Tiere lehren den Menschen auf wortlose Art sein Gegenüber wahrzunehmen, zu verstehen und die Körpersignale zu deuten. Im Umgang mit Tieren ist es oft notwendig Grenzen zu setzten und selber eine klare Körpersprache auszu- strahlen (vgl. Pietrzak, 2001, S. 19). Es gibt Befunde darüber, dass Kinder die mit Tieren aufwuchsen, mehr Empathie zeigen (vgl. Poresky & Hendrix, 1989, S. 931ff). Empathie ge- genüber Tieren steht nachweisbar im Zusammenhang mit der Empathie gegenüber Men- schen (Ascione & Weber, 1996). Wichtig für eine gesunde emotionale Entwicklung ist auch ein wertfreies „Angenommen werden“, ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Werte und Normen, wie dies bei Tieren gegeben ist. Durch das Tier erfährt der Mensch eine Spiegelung seines wahren emotionalen Zustandes und erlebt, dass er sich gegenüber dem Tier weder verstellen kann noch muss. Diese Spiegelung erlaubt dem Menschen eine Integration seines Verhaltens und seiner Emotionen und fördert somit Authentizität. Das Tier ist ein sicherer und zuverlässiger Interaktionspartner, der in seinem Verhalten leicht eingeschätzt werden kann (vgl. Beetz, 2003, S. 82). So stellte Poresky (1996) fest, dass ein Haustier die soziale Entwicklung von Kindern erheblich beeinflussen kann. Ein Arbeitsmodell mit einem Thera- pietier kann sich insbesondere dann als sinnvoll erweisen, wenn die Beziehung des Patienten zu anderen Bezugspersonen gestört und erschwert ist. Der Beziehungsaufbau zu einem Tier erscheint erst mal leichter, als ein Beziehungsaufbau zu einem Menschen (vgl. Beetz, 2003, S. 84). Tiere haben einen hohen Motivations- und Aufmerksamkeitsfaktor, der als ein we- sentlicher Wirkfaktor in der pädagogischen und therapeutischen Arbeit mit Tieren zum Tra- gen kommt. Aufgrund dessen werden Tiere immer mehr in pädagogischen, sozialen, thera- peutischen und medizinischen Bereichen eingesetzt. Die professionell geleitete tiergestützte Arbeit orientiert sich an fachlich fundierten Konzepten, welche Ziele und Methoden klar formuliert. Die Basiselemente und zugleich Zielformulierung der Tiergestützten Arbeit ba- sieren auf dem Aufbau von Vertrauen, Förderung des Selbstbewusstseins und der Entwicklung von Handlungsstrategien (vgl. Otterstedt, 2007, S. 343).

Tiergestützte Therapie: Tiere unterstützen den Menschen in der Beziehungsanbahnung, fördern das Kind in Empathie, lehren es eigene Grenzen aufzuweisen und die Grenzen der Andren zu respektieren, spiegeln das Verhalten ihres Gegenübers wieder, erweitern die Sozial- und Handlungskompetenzen eines Kindes, fördern Selbstvertrauen, lassen viel körperliche Nähe zu, kommunizieren nonverbal und analog.

Ziele: Vertrauensaufbau, Förderung des Selbstbewusstseins und der Entwicklung von Handlungsstrategien.

2.4 Pädagogische und therapeutische Grundhaltungen

Im Rahmen der pädagogischen Grundhaltungen beim therapeutischen Reiten hat sich das „Konzept“ der „sachorientierten Partnerschaft“ von Antonius Kröger (2005), ein Erziehungsund Kommunikationsstiel, etabliert.

Die Methodik der sachorientierten Partnerschaft stützt sich auf die Ansätze der Verhaltens- therapie und der Klientenzentrierten Gesprächsführung nach C. Rogers (Rogers, 2007). In der klientenzentrierten Gesprächsführung steht die „nicht-direktive-Beratung“ im Vorder- grund, bei der die Auseinandersetzung mit emotionalen Prozessen neue Verhaltensweisen ermöglichen kann. Der Therapeut sollte hierbei den Patienten nicht in eine bestimmt Rich- tung lenken, sondern neue Betrachtungsweisen und Lösungswege soll sich der Patient selbst erarbeiten. Er leistet sozusagen „Hilfe zur Selbsthilfe“. Anfang der 70er Jahre wurde der Begriff der sachorientierten Partnerschaft von Antonius Kröger geprägt und an einer Schule für verhaltensauffällige Kinder, im Rahmen eines demokratischen Erziehungsstiels einge- führt. Im Gegensatz zu der „Personenorientierung“ richtet sich der Focus nicht auf den ein- zelnen Lehrer, sondern der Schwerpunkt liegt auf der gemeinsamen „Sache“, bzw. auf den Unterrichtsinhalten. Der Lehrer soll sich in seiner eigenen Person und seinen Emotionen zurückhalten. Dies soll mehr Eigenständigkeit seitens der Schüler bewirken. Die sachorien- tierte Partnerschaft kann also eine Grundlage für die pädagogische Intervention bilden (vgl. Kröger, 2005, S. 30ff). Es ist jedoch hinzu zu fügen dass „je jünger, einfältiger oder behin- derter ein Kind ist, desto mehr Personenorientierung muss zugelassen werden, damit Bezie- hungen wachsen können und Vertrauen möglich wird. Trotzdem muss auch in enger Bin- dung das Heranreifen einer immer mehr eigengesteuerten, sich an der Sache orientierten Persönlichkeit im Partner angestrebt werden“ (Kröger, 2005, S. 32). Dies schließt aber die Wichtigkeit des Reittherapeuten nicht aus, da die Sachorientierung und der Grad des Bezie- hungsgehalts von dem Therapeuten vermittelt werden. Kröger vertritt die Ansicht, dass desto sachorientierter ein Reittherapeut arbeitet, desto effektiver gelingt ihm seine Arbeit. Ebenso erwähnt Kröger, dass ein sachorientierter Umgang miteinander, auch in allen anderen Le- bensbereichen die friedlichste Art der Interaktion unter Menschen ist (vgl. ebd., S. 32). Um die Begrifflichkeit richtig zu verstehen wird er an dieser Stelle genauer erläutert:

Partnerschaft: Eine Partnerschaft besteht, wenn zwei oder mehrere Personen etwas auf einer freiwilligen Basis miteinander unternehmen. Diese hier gemeinte Partnerschaft schließt jede Art von Geringschätzung, Kälte, Abneigung, Diskriminierung, Hinterhältigkeit und Überheblichkeit einem Partner gegenüber aus.

Sachorientierung: Alle Entscheidungen die einem gemeinsamen Vorhaben zugrunde lie- gen, müssen sich an der Sache orientieren. Sachorientierte Vorgehensweisen verhindern per- sonenorientierte Entscheidungen. Das heißt, dass zum Beispiel nicht der Beliebteste einer Gruppe wichtige Entscheidungen trifft, sondern der jenige, der die beste Idee auf die Sache bezogen äußert.

Sachorientierte Partnerschaft: In einer sachorientierten Partnerschaft diskutieren alle Part- ner die Ziele ihrer Zusammenarbeit möglichst nahe an der Sache orientiert miteinander. Da- durch wird sich der Einzelne verantwortlich zeigen für die ihm anvertraute Aufgabe. Wird eine Aufgabe nicht wie zuvor besprochen ausgeführt, stört das die gesamte Gruppenharmo- nie und die Partnerschaft kann daran zerbrechen. Aufgaben sollen auch nach Talent und Können der jeweiligen Gruppenmitglieder verteilt werden. Persönliche Bindungen stehen hierbei nicht im Vordergrund und sind eher unrelevant. Trotzdem ist eine gegenseitige Zu- neigung eine gute Basis für das Gelingen von Teamarbeiten. Anders herum stärkt eine sach- orientierte Aufgabenlösung auch die Bindungen untereinander und das gemeinsame Lösen einer Aufgabe kann zu einem starken Gruppengefühl führen. Hierarchien innerhalb einer Gruppe stören den sachorientierten Umgang und können die Harmonie einer Gruppe ausein- ander brechen lassen (vgl. Kröger, 2005, S. 34).

Verhaltensrichtlinien innerhalb der „sachorientierten Partnerschaft“ (vgl. Kröger, 2005, S. 34ff):

(1) Der andere Partner wird so akzeptiert wie er ist: Wertschätzung und emotionale Wärme bewirken häufig positive Verhaltensänderungen, sodass der Partner sein Potenzial auch nutzen kann (vgl. Kröger, 2005, .zit. n. Tausch, 1970, S. 320).
(2) Verhaltensänderungen können nur selbst vollzogen werden: Den anderen zu Ver- ändern ist eine manipulative Handlung und verletzt die Partnerschaft schwerwiegend. Durch sachorientiert gegebene Impulse kann der Pädagoge oder Therapeut den Klienten dazu bringen dass er die Ursachen seines Verhaltens erkennt und aus freiem und eigenem Willen heraus sein Verhalten verändert. Nur so kann eine Verhaltensänderung von Dauer sein (vgl. Kröger, 2005, zit. n. Rogers1979, S. 37).
(3) Kein Mensch ist fehlerfrei: Die eigenen Fehler und schwächen sollen ebenso ange- nommen werden wie die Akzeptanz der Schwächen der Anderen.
(4) Die Aufgabenbewältigung geschieht in guter Zusammenarbeit: Die Aufgabe soll mit Hilfe aller Beteiligten und in gegenseitigem Einvernehmen gelöst werden.
(5) Vorsicht bei Korrekturen in der Handlungsstrategie: Sollte die erarbeitete Lösung nicht der Meinung des Ausführenden entsprechen, muss das Ergebnis erst innerhalb der Partnerschaft diskutiert werden, bevor es nach Außen weiter getragen wird.
(6) Individuelle, sachorientierte Einsichten stehen über personenorientiertem Han- deln: Das Handeln darf niemals vom Gefallen eines Menschen abhängig gemacht wer- den.
(7) Ein soziales Gefüge hat so lange Bestand, solange es kompromissbereit ist: Kom- promisse müssen fair und für alle tragbar sein.
(8) Der Faktor Macht gehört zum Fundament eines jeden sozialen Gefüges: Positive und sachliche Macht wirkt sich bereichernd auf die Partnerschaft aus. Autoritätspersonen sollten ihre Autorität nie personenbezogen ausüben, sondern immer die Sache an erste Stelle stellen.

Ziele in der sachorientierten Partnerschaft

Das Grundprinzip der sachorientierten Partnerschaft kann mit den Worten von C. R. Rogers verdeutlicht werden, die sich sinngemäß in etwa wie folgt erörtern lassen: Ein Mensch ver- mag einen anderen nicht einen Deut zu ändern. Das muss der andere selber tun. Ein Partner kann ihm wohl behilflich dabei sein, aber zu ändern vermag er den anderen nicht (vgl. Krö- ger, 2005, S. 37). Dies bedeutet für die Praxis, dass sich nur aus genügend Distanz zum Part- ner heilende Impulse gesetzt werden können. Dies schließt ein emphatisches Einfühlen nicht aus. Nur so lange genügend Distanz dem Partner gegenüber aufgebracht wird, kann genü- gend Toleranz dem Verhalten des Anderen gegenüber erbracht werden und ein Erfassen der Wirkfaktoren ermöglicht werden. Durch dieses distanzierte, auf die Sache bezogenes, Ver- halten kann sich der Partner lösen von Emotionen wie Trauer oder Freude über ein gezeigtes Verhalten seines Gegenübers. An dieser Stelle zeigt sich der Partner oft überrascht und ver- sucht, sein Problem aufgrund mangelnder Fernsteuerung selber zu lösen. Das Kind soll zu einer emotional ausgeglichenen, sich selbst einschätzenden Persönlichkeit erzogen werden, die in einer sozial angemessen, selbstgesteuerten und verantwortungsvollen Arte und Weise Handeln kann (vgl. ebd., S. 37ff).

Sachorientierte Partnerschaft: Der Reittherapeut soll Hilfe zur Selbsthilfe geben. Er soll auf der Sachebene bleiben und nicht persönlich oder emotional werden. Trotzdem: Beziehungsaufbau und empathisches Einfühlen in den Klienten ist die Grundvoraussetzung für eine Reittherapie! Ziel: Eigensteuerung, Selbsteinschätzung, Verantwortungsbewusstsein, sozial angemessenes verhalten auf Seiten des Kindes.

2.5 Wirkfaktoren und Methodik

Die Methoden und Arbeitsweisen im HPV/R sind von großer Zahl. Gäng (2009) kristallisiert die Ansätze der systemischen Reittherapie, dem personenzentrierten Ansatz, der körperorientierten Interventionen und dem psychotherapeutischen Ansatz heraus. Dies würde hier allerdings den Umfang der Arbeit übersteigen.

In Deutschland haben sich im Heilpädagogischen Reiten und Voltigieren die Ansätze der Verhaltenstherapie und der klientenzentrierten Gesprächsführung nach C. Rogers (2007) durchgesetzt, die auch die Basis der sachorientierten Partnerschaft bilden. Die Hauptwirkfak- toren des HPV/R sind Balance, Bewegung, Gangart des Pferdes und Beziehung zwischen allen agierenden Personen und dem Pferd und werden wie folgt erläutert:

2.5.1 Balance

Seit Jahrtausenden erfolgte eine Zuchtauswahl von Reitpferden, sodass die Bewegungsabläufe des Pferdes dem der Menschen immer mehr angepasst wurden, um möglichst angenehm auf ihm zu sitzen. Der Rhythmus und der Fluss der Pferdebewegung wurden also immer mehr auf die Biomechanik des menschlichen Körpers und seine Bewegungsabläufe zugeschnitten (vgl. DKThR, 2005, S. 6).

Ebenso prägte sich der Charakter des Reitpferdes durch seine Ausbildung durch den Men- schen. Für die Ausbildung eines Pferdes gelten ebenso wie in der Mutter-Kind-Beziehung wechselseitige Abhängigkeiten. Unangemessene Behandlungsweisen in der frühen Mutter- Kind-Interaktion können bekannter Weise frühe Schäden in der psychischen Integrität verur- sachen (Kerstenberg, 1965). Bei der Behandlung solch früher Störungen hat es sich als be- sonders wirksam erwiesen, Müttern die Techniken zu vermitteln, die dem Kind helfen seine eigene innere Balance wieder zu finden und zu erhalten (vgl. DKThR, 2005, S. 6, zit. n. Kerstenberg & Buelte, 1977). Derselbe Prozess entsteht auch beim Reiten und kann so als therapeutisch wirksames Mittel angesehen werden. Der Reiter richtet auf dem Pferd seine eigene Balance automatisch auf, um die Pferdebewegungen auszugleichen (und so nicht her- unter zu fallen). Mit Balance ist hier nicht nur die rein physiologische Balance gemeint, son- dern auch eine innere seelische und psychische Balance. Dadurch fördert diese ein besseres Körperschema. Dies vermindert Ängste und stärkt somatopsychische Prototypen gesunder Verhaltensmechanismen (vgl. Klüwer, 2005, 6ff).

Balance: Über die äußere Balance, die ein Reiter automatisch auf dem Pferderücken finden will, soll eine innere Balance erreicht werden.

2.5.2 Der Bewegungsdialog mit und auf dem Pferd

M. Schulz (2005) differenziert den Bewegungsdialog in eine Gestaltung des Beziehungsge- schehens mit dem Pferd und auf dem Pferd. In der Heilpädagogischen Arbeit werden Situati- onen immer auf ihren Beziehungsgehalt hin überprüft. Beziehungsstiftende Wirkelemente mit dem Pferd sind Körpersprache und Gesten, die sich über die Bewegung bei Mensch und Pferd ausdrücken. Über die Bewegung und das Spiegeln der Bewegung der Anderen kann der Mensch mit seinem Gegenüber in eine nonverbale Kommunikation treten. Wie in Kapi- tel. 2.3 bereits erläutert, kann der Mensch sich durch den Kontakt mit dem Tier besser ken- nen und verstehen lernen. Dieses Wirkelement will der Reitpädagoge in seiner Arbeit nut- zen. Beziehungsanbahnung ist eines der primären Ziele in der Heilpädagogischen Arbeit mit dem Pferd. Die Aufgabe des Reit- und Voltigierpädagogen ist gerade bei der Beziehungsan- bahnung mit dem Pferd, Vermittler zwischen Mensch und Pferd zu sein. Er muss seinen Klienten die „Pferdesprache“ übersetzten, dem Menschen die Signale und Körpersprache des Pferdes erklären und diese für seine pädagogische Arbeit nutzen. Durch den Einsatz des Me- diums Pferd wird das artgemäße Verhalten der Pferde untereinander für die menschliche Beziehungsebene nutzbar gemacht. Pferde sind in ihrem Ausdruck frei von „sekundär nar- zisstischen Kränkungen“, was die Beziehungsgestaltung zu einer heilenden Begegnung wer- den lassen kann, die von therapeutischem Nutzen ist. Das bedeutet nicht, dass die Kommu- nikation zwischen Mensch und Tier immer störungsfrei abläuft. Probleme im Beziehungs- aufbau und in der nonverbalen Kommunikation können sichtbar gemacht und verbal thera- peutisch aufgearbeitet werden (vgl. Schulz, 2005, S. 22).

Bei dem Bewegungsdialog auf dem Pferd lautet die handlungsleitende Frage: Wie kann durch den Bewegungsdialog die Dialogfähigkeit entdeckt, entwickelt oder wieder belebt werden und wie kann man diesen Prozess als Pädagoge sinnvoll und hilfreich begleiten. Die Beziehung auf dem Pferd wird durch das unmittelbare Erlebnis der Bewegung im Einklang angestoßen. Judith Kerstenberg (1977) nennt dieses auf einander einstimmen „attunement“, welches Vergleichbar ist mit dem Stimmen der Instrumente eines Orchesters ist. Diese Art des gemeinsamen Bewegungserlebnisses ist bei schwer behinderten Menschen oft die einzi- ge Ebene des Dialogs und vermittelt ein Gefühl von Verstanden-Werden. Susanne Lomann (Tanztherapeutin, 1994) hat dieses Gefühl sehr treffend formuliert:„Bewegungen gemeinsam erfahren und tun, vermittelt unmittelbar ein Gefühl von Unterstützt-Sein und Verstanden- Werden und das führt dazu, dass Kinder ein Gespür für Selbstvertrauen entwickeln und dementsprechend dann auch aufbauen können“ (Schulz, 2005, S. 23, zit. nach Susanne Lo- man).

Der Bewegungsdialog wird auf dem Pferd angestoßen und intensiviert. Auch wenn der Klient das Pferd selbst nicht anfasst, kann er sich nicht der ganzheitlichen Erfahrung von Wärme, Rhythmus, Getragen- und Bewegt-Sein, entziehen. Der Bewegungsdialog auf dem Pferd macht ein Schlüsselprinzip früher nonverbaler Kommunikation erfahrbar und wird somit zu dem primären beziehungsstiftenden Element. Auch auf dieser Dialogebene kann es zu Missverständnissen kommen. Durch das menschliche Bestreben nach Harmonie und Stimmigkeit regt das Pferd den Klienten immer wieder dazu an, die Beziehungsaufnahme aktiv zu gestalten um mit dem Tier in Einklang zu kommen. Das angenehme Gefühl von Bewegungsharmonie will von dem Reiter aufrecht gehalten werden (vgl. Schulz, 2005, S. 23). Nicht nur der Reiter versucht sich den Schwingungen und dem Rhythmus des Pferdes an zu passen, sondern auch das Pferd ist darum bemüht durch Bewegungskorrekturen sich selbst und den Reiter im Gleichgewicht zu halten. Sobald der Reiter ins Rutschen gerät oder schief sitzt, versucht das Pferd den Reiter und somit auch sich, wieder in die Balance zu bringen. Dieser Vorgang wird „Biofeedback“ genannt (vgl. Klüwer, 2005, S. 8). In einem gelungenen Bewegungsdialog werden die Bewegungen, sowie die Beziehungsfähigkeit des Pferdes optimal genutzt. Der Bewegungsdialog ist eine Grundvorrausetzung für das Reiten und Voltigieren (vgl. Vossberg, 2004, S. 172).

Bewegungsdialog: Die Beziehungsanbahnung in der Reittherapie läuft in einem ersten Schritt über den Bewegungsdialog mit dem Pferd. Der Klient nimmt einen ersten Kontakt zu dem Pferd vom Boden aus auf. Erst in einem zweiten Schritt sollte die Beziehungsanbah- nung und somit der Bewegungsdialog auf dem Pferd erfolgen. Der Mensch ist bestrebt nach Harmonie und Einklang und gestaltet so den Beziehungsdialog aktiv mit. Auch das Pferd strebt danach den Reiter auf seinem Rücken in der Balance zu halten und wirkt so aktiv an dem Bewegungsdialog mit.

2.5.3 Die Gangart als Wirkmoment

Bei der Wahl eines geeigneten Therapiepferdes ist besonders auf eine einladende Gangart des Pferdes zu achten, das heißt das Pferd muss fließende, rhythmische Bewegungen haben, die es dem Klienten leicht machen, sich auf den Bewegungsdialog auf dem Pferd ein zu las- sen. Dies gilt besonders für den Galopp des Pferdes, denn im Galopp kann sich der Mensch dem Bewegungsdialog noch weniger entziehen. Der Ausdruck „Bewegungsfluss“ (Laban, 1960) wurde ursprünglich durch den Tanz geprägt, wird aber auch in der neueren Bewe- gungsforschung gebraucht. Kann sich der Reiter auf dem Pferd im Galopp entspannt mit- schwingen und sich dem Bewegungsfluss anpassen, entsteht ein Gefühl des Verschmelzens und Einsseins mit dem Pferd. Dadurch stellt sich ein Glücksgefühl bei dem Reiter ein. Er erfährt hierbei eine Art von nonverbaler Kommunikation bei der er nicht aneckt und aktiv an einem gelungenen Kommunikationsprozess beteiligt ist. In den Gangarten Schritt und Trab ist dieses Erleben nicht ganz so intensiv, dennoch müssen sich viele Klienten im Therapeuti- schen Reiten erst langsam an die Gangart Galopp herantasten. Der Schritt des Pferdes kommt dem des Menschen sehr nahe und wird besonders in der Hippotherapie (wie bereits in Kapitel 2.2 beschrieben) genutzt. Der Trab setzt nachweislich den Muskeltonus herauf und fördert besonders die Aufmerksamkeit. So hat jede Gangart ihre eigene ganz spezifische Wirkweise, die je nach Ausgangslage des Patienten genutzt werden kann (vgl. Schulz, 2005, S. 24f).

Galopp: bevorzugte Gangart im Bewegungsdialog; ein Glücksgefühl stellt sich ein, das Mitschwingen wird am intensivsten erlebt.

Trab: Erhöht die Aufmerksamkeit und den Muskeltonus.

Schritt: Ähnelt mit seinem Viertakt dem menschlichen Gang und regt die Bildung neuronaler Verknüpfungen an.

2.5.4 Beziehungsgeschehen und das Beziehungsdreieck in der Reittherapie

Die Basis einer erfolgreichen Förderung mit dem Pferd ist die Beziehungsgestaltung mit und auf dem Pferd. Zu einer Heilpädagogischen Förderstunde mit dem Pferd gehört die Vorbereitung des Pferdes vor und nach dem Reiten. Alle Aktionspartner stehen hierbei in dynamischen Wechselbeziehungen zu einander (vgl. Schulz, 2005, S. 25). Es entsteht eine dreidimensionale Beziehungssituation, die in der HPFP das „Beziehungsdreieck“ genannt wird. Interaktionspartner sind Pferd, Kind und Pädagoge (vgl. DKThR, 2005, S. 5).

Bewegung im Dialog wird zum Medium in der Kommunikation und der Erfahrung. Die Dia- logpartner Pferd und Mensch können auf die Erfahrungen des Tragens und Getragenwer- dens, die Veränderung der Muskelspannung, eine gemeinsame innere Aufmerksamkeit, eine Zentrierung in der Körpermitte, Spüren und Berühren, zurückgreifen. Diese Bewegungser- fahrung hinterlässt Spuren im Bewegungsgedächnis. Störungen im Bewegungsfluss werden sofort registriert (vgl. Schulz, 2005, S. 25f).

Der Beziehungsaspekt bestimmt maßgeblich alle übrigen Inhalte in der Kommunikation und macht diese verstehbar (Watzlawik et. al., 1974). Die Beziehungsebene bei der Kleinkindentwicklung wird auf breiter Ebene nonverbal über die Bewegungen und des Körpers der Mutter ausgebildet, noch bevor über Sprache und Denken die Umwelt wahrgenommen wird (Montagu, 1974). Die wichtigsten positiven Beziehungsinhalte sind:

- Anerkennung: Das bedingungslose Recht auf individuelle Entwicklung.
- Wertschätzung: Das Kind braucht Erwachsene, die es mit all seinen Schwächen, Feh- lern und Eigenheiten schätzen.
- Zugehörigkeit: Das Kind braucht Erwachsene die es teilhaben lassen an ihren Wün- schen, Bedürfnissen und Emotionen.
- Abgrenzung: Das Kind braucht Grenzen, innerhalb derer es sich entfalten kann und an- erkannt wird.

Zusätzliche Faktoren sind die Rahmenbedingungen „Lebendigkeit“ und „Zuverlässigkeit“, die nach Wedekind (1988) unabdingbar sind.

- Lebendigkeit: Jedes Kind braucht genügend Freiraum um sich individuell zu entwi- ckeln. Einen Raum, der individuelle Entscheidungen zulässt und somit auch Fehlverhal- ten und Wachstumsbrüche akzeptiert. In diesem „Erlebnisraum“ soll das Kind mit allen Sinnen Erfahrungen aufnehmen und emotional umsetzen.
- Zuverlässigkeit: Das Kind braucht zuverlässige Aussagen von Erwachsenen, die ihm Sicherheit und Orientierung geben.

Die pädagogische Beziehung muss geprägt werden durch ein klares Lenken seitens des Erwachsenen (vgl. Vossberg, 2004, S. 164ff).

Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd

Das Beziehungsgeschehen ist das zentrale Thema in der Kommunikation zwischen Mensch und Tier. Das Pferd fordert den Menschen mit seinem hohen Aufforderungscharakter heraus. Ähnlich wie der Mensch hat auch das Pferd einen individuellen Charakter und sendet zahl- reiche Körper- und Verhaltenssignale emotionalen Ursprungs, sodass fast jeder Mensch au- tomatisch auf diese Signale in irgendeiner Form reagiert (vgl. Vossberg, 2004, S. 167ff). Das Pferd ist nicht direkt mit dem Menschen zu vergleichen, weil es nicht in der menschlichen Form denken kann. Seine Reaktionen sind eindeutig, direkt, emotional, authentisch und es spiegelt die Reaktionen und Emotionen des Menschen in unverfälschter Art und Weise wie- der, ohne dabei zu werten. Seine Beziehungsfähigkeit und Interaktionsvermögen sind ebenso wie bei dem Menschen sehr weit entwickelt und differenziert. Es kommuniziert mit dem Körper, ähnlich wie es auf der menschlichen Kleinkindebene geschieht. Es gibt keine Dop- peldeutigkeiten oder durch Denkvorgänge verfälschte Reaktionen. Durch die Offenheit und die unverfälschten unmittelbaren Reaktionen des Pferdes, ist es sinnvoll es in pädagogischen und therapeutischen Kontexten als tragfähigen, zuverlässigen Beziehungspartner im Rahmen einer Beziehungsanbahnung und Gestaltung einzusetzen. Vossberg differenziert die vom Pferd vermittelten Beziehungsinhalte in vier Grundformen: Zuwendung, Abgrenzung, Ein- deutigkeit und Offenheit. Mit diesen vier emotionsgeleiteten Formen der Kommunikation lässt sich in einer pädagogischen oder therapeutischen Förderung mit dem Pferd arbeiten (vgl. ebd., S. 167ff).

Beziehungsdreieck: Pferd, Kind und Pädagoge stehen in ständiger Wechselbeziehung zu einander und bilden so das Beziehungsdreieck. Bewegung gemeinsam erfahren vermittelt ein Gefühl des Unterstützt- Seins und Verstanden- Werdens. Dies wiederum baut Selbstvertrauen auf. Der Bewegungsdialog auf dem Pferd gilt als Schlüsselprinzip früher non- verbaler Kommunikation. Das Pferd dient als Medium für die menschliche Beziehung.

2.6 Anforderungen an den Reittherapeuten/Pädagogen

Um die Förderung mit dem Pferd fachgerecht durchführen zu können, sollte der Reitpädago- ge über eine gute reiterliche Ausbildung verfügen und sehr erfahren im Umgang mit dem Pferd sein. Nur so kann er fachgerechte Hilfen erteilen. Er sollte über gute emphatische Fä- higkeiten verfügen, um sich einerseits in das Pferd und andererseits in den Klienten hinein fühlen zu können. Außerdem muss der Reitpädagoge ein ruhiges und sicheres Auftreten ha- ben, um dem Pferd, sowie den Klienten Sicherheit zu vermitteln und sie in Gefahrensituatio- nen schnell beruhigen zu können. Unsicherheiten auf Seiten des Pädagogen werden schnell auf das Pferd und somit auf alle Teilnehmer übertragen und können zu einem Abbruch der Reittherapie führen (vgl. Kröger, 2005, S. 69). Eine weitere Aufgabe des Reittherapeuten oder Reitpädagogen ist es, einen Menschen nicht ändern zu wollen, sondern ihm Wege auf- zuzeigen, sein Verhalten zu erkennen, zu reflektieren und zu verändern. Aufgabe ist es, den Klienten durch Selbsterfahrung aus einer intrinsischen Motivation heraus dazu zu veranlas- sen, sich selbst zu verändern. Der Reitpädagoge/Therapeut kann sich in der pferdegestützten Arbeit selbst zurück halten und dem Partner Pferd einen Großteil des Feedbacks überlassen (vgl. Kröger 2004, S. 106ff). Dennoch hat der Reitpädagoge die Aufgabe die Beziehungsan- bahnung zu erkennen, zu verstehen, zu benennen und den Prozess zu lenken und leiten (vgl. Kröger, 2005, S. 22). Die unmittelbare Selbsterfahrung mit dem Pferd ist daher von zentraler Bedeutung. Strafen sollten immer im direkten Zusammenhang mit der Tat stehen und so wenig wie möglich eingesetzt werden. Ein Fehlverhalten seitens der Kinder sollte über die Reaktionen des Pferdes bei dem Kind einsichtig werden und es so aus eigener Motivation heraus dazu bringen, sein Verhalten zu ändern (vgl. Kröger, 2004, S. 106ff). Nach Haim Ginott (1974) hält Strafe ein Kind nicht von Unarten ab. Ein Kind, welches bestraft wird, wird allenfalls vorsichtiger bei der Durchführung seiner „Straftat“ und passt auf, dass es bei dieser nicht ertappt wird. Es wird sich aber nicht davon abhalten lassen weiterhin ein Fehl- verhalten zu begehen oder sich verantwortungsbewusster zu verhalten (vgl. Ginott, 1974, S. 104). Der Reitpädagoge/Therapeut sollte genaue Kenntnisse über die psychosozialen Schwächen des Kindes besitzen und darüber aufgeklärt sein, ob bei dem Kind eine aktuelle Spannungslage oder akute Krise vorliegt (vgl. Kröger, 2004, S. 107).

Anforderungen an den Pädagogen/Therapeuten: Reitpädagoge benötigt ein umfangreiches Fachwissen in Pädagogik und natürlich über den Umgang mit Pferden. Zudem muss er sehr empathisch sein und in der Lage sein, eine Situation so objektiv wie möglich zu beurteilen und zu reflektieren. Zudem sollte es ihm möglich sein sich selbst zurück zu nehmen und dem Kind Hilfe zur Selbstreflektion und intrinsischen Verhaltensänderung zu geben. Er hat aber auch die Aufgabe, den Beziehungsprozess zu erkennen, zu verstehen, ihn zu benennen oder spiegeln und zu lenken und leiten.

2.7 Indikationen und Kontraindikationen

Die größte Zielgruppe beim HPV/R bilden lernbehinderte Kinder und Jugendliche. Des Weiteren bietet sich das HPV/R für geistig behinderte, verhaltensauffällige, mehrfach behinderte und psychisch kranke Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. Vor Beginn einer Heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd sollten ärztliche Bedenken abgeklärt werden und eine Tetanus-Impfung sollte vorhanden sein (vgl. Kröger, 2004, S. 105).

Bei Menschen mit einer Pferdehaarallergie, Anfallsleiden, sehr übergewichtigen Personen oder Personen mit Downsyndrom, die mit einer Atlaswirbeldysplasie behaftet sind, ist eine Reittherapie kontraindiziiert (vgl. Kröger, 2005, S. 68).

2.8 Ziele

Eines der übergeordneten Ziele im Heilpädagogischen Reiten und Voltigieren ist es, die Kin- der und Jugendlichen zu eigenständigem Handeln an zu regen. Eine Zieldefinition lautet nach Kröger wie folgt: „Hinführung des Kindes zu einer emotional ausgeglichenen Persön- lichkeit, die in sachgerechter Selbsteinschätzung mit einer sozial angemessenen, sicheren Selbststeuerung ihr Handeln verantwortungsvoll gestaltet“ (Kröger, 2005, S. 39).

Das DKThR definiert folgende Ziele und bisher evaluierte Wirkungen des HPV/R und unterscheidet hierbei kurzfristige und längerfristige Ziele (vgl. DKThR, 2005, S. 5):

Kurzfristige Ziele:

- die Verbesserung von Gleichgewichtsreaktionen
- die Verbesserung von Körperschema/ Körpererleben (psychomotorisch)
- die Verbesserung des Befindens und der Aufmerksamkeit (psychologisch)
- die Verbesserung der Herz- Kreislauftätigkeit, der Atmung und des Muskeltonus (phy- siologisch)

Langfristige Ziele

- durch die Verbesserung der Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit, Verbesserung der Sozialfähigkeit
- Verbesserung des Lernens durch Verbesserung der Lernvoraussetzungen wie Konzent- ration, Motivation, Wahrnehmung/ Orientierung, Selbsteinschätzung, Frustrationstole- ranz
- Verbesserung des Erlebens und Verhaltens durch Verbesserung des Selbstwertgefühls, des emotionalen Antriebs, sowie der Wechselseitigkeit/Integration im Gruppenkontakt (psychologisch)
- Ganzheitliche Förderung der sensomotorischen Integration und damit der Bewegungs- steuerung und des Bewegungsverhaltens (psychomotorisch)

Zudem stellt Antonius Kröger die Ziele Vertrauensaufbau, Abbau von Ängsten, das Erlernen richtiger Selbsteinschätzung, erlernen der Einstellung auf den Anderen, Abbau von Aggres- sionen, Abbau von Antipathien und Hilfen zur Gründung von Freundschaften heraus. Fol- gende positive soziale Verhaltensweisen werden nach Kröger außerdem trainiert (vgl. Krö- ger, 2004, S. 109):

- helfen und sich helfen lassen
- die Eingliederung der „Ich-Ansprüche“ ins Gruppengeschehen
- sich ruhig verhalten
- respektieren der Grenzen der anderen
- Empathie und Rücksichtnahme für ein anderes Lebewesen
- die Anforderungen der Erwachsenen für sich als Hilfe erleben

2.9 Kritik

Um dieses Kapitel abzurunden und der Übersicht halber werden nun an dieser Stelle einige kritische Gedanken zu der Reittherapie aufgegriffen. Am Ende dieser Arbeit findet sich eine spezifische abschließende Diskussion mit weiteren Kritikpunkten und Fragestellungen, die sich im Laufe dieser Arbeit entwickelt haben.

Einer der häufigsten Kritikpunkte an der Reittherapie ist, dass diese Methode noch nicht hinreichend wissenschaftlich evaluiert ist. Noch vor einigen Jahren wurde die Reittherapie in wissenschaftlichen Kontexten eher belächelt. Allerdings zeichnet sich in den letzten Jahren ein Umdenken auch bei Wissenschaftlern ab, da es vermehrt positiv ausfallende Studien zu den heilsamen Wirkweisen der Reittherapie gibt. Trotzdem ist an zu merken, dass es noch deutlich mehr empirische Studien braucht um heraus zu finden, ob die Reittherapie eine gleichwertige Stellung neben der Physiotherapie, der Psychomotorik und anderen anerkannten Bewegungspädagogischen Verfahren erhalten kann.

Ein grundsätzliches Problem in der Reittherapie ist immer der vergleichsweise hohe finan- zielle Aufwand. Die Unterhaltung von Pferden, sowie die Stallunterbringung, sowie die Nut- zung einer Reithalle etc. sind mit hohen Kosten verbunden, die sich auf die Therapie auswir- ken. Die Durchführung einer Reittherapie im Vergleich zu einer psychomotorischen Förde- rung in einer Turnhalle oder einem Bewegungsraum, ist personell aufwendig sowie zeitin- tensiv. Neben einem Reitpädagogen müssen mehrere Helfer anwesend sein und die Klienten müssen oft in weiter entfernt gelegene Reitställe gebracht werden. Für Schüler muss dement- sprechend ein Bus incl. Fahrer gemietet werden und die Fahrzeiten nehmen Zeit in An- spruch, die wiederum vom regulären Unterricht abgezogen wird. Ob für die Kinder eine Reittherapie in Frage kommt, muss zuvor ärztlich abgeklärt werden. Entsprechende Schutz- impfungen, insbesondere gegen Tetanus, müssen vorhanden sein. Auch das Risiko einer Un- fallgefahr ist erhöht. Es passiert leicht, dass ein Pferd einem Kind auf den Fuß tritt, es in den Arm beißt oder der Klient von dem Pferd stürzt. Meistens handelt es sich um kleinere Unfäl- le, die aber bei Lehrern und Eltern oft Vorbehalte auslösen.

[...]

Excerpt out of 134 pages

Details

Title
Die Marte Meo-Methode als besondere Art der Förderung im heilpädagogischen Voltigieren und Reiten
College
TU Dortmund  (Rehawissenschaften)
Grade
1,3
Author
Year
2010
Pages
134
Catalog Number
V159577
ISBN (eBook)
9783640739356
ISBN (Book)
9783640739684
File size
2217 KB
Language
German
Tags
Marte, Meo-Methode, Förderung, Voltigieren, Reiten
Quote paper
Tessa Schleifenbaum (Author), 2010, Die Marte Meo-Methode als besondere Art der Förderung im heilpädagogischen Voltigieren und Reiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159577

Comments

  • No comments yet.
Read the ebook
Title: Die Marte Meo-Methode als besondere Art der Förderung im heilpädagogischen Voltigieren und Reiten


Upload papers

Your term paper / thesis:

- Publication as eBook and book
- High royalties for the sales
- Completely free - with ISBN
- It only takes five minutes
- Every paper finds readers

Publish now - it's free