Eurokommunismus: Dritter Weg zwischen Sozialdemokratie und real existierendem Sozialismus?


Hausarbeit, 2010
18 Seiten, Note: 1,7
Enrico Istas (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eurokommunismus und Staat
2.1 Unabhängigkeit von der Sowjetunion
2.2 Demokratischer Sozialismus
2.3 Ablehnung der Revolution
2.4 Die Rolle der kommunistischen Partei
2.5 Gewinnung der staatlichen Zwangsapparate
2.6 Konzept zur sozialistischen Wirtschaft

3. Eurokommunismus... der dritte Weg?
3.1 Eurokommunismus und der „real existierende Sozialismus“
3.2 Eurokommunismus und die Sozialdemokratie
3.2.1 Das GörlitzerProgramm
3.2.2 Das Heidelberger Programm

4. Ergebnis

5. Quellenangabe

1. Einleitung

„“Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Kommunismus", schrieben Karl Marx und Friedrich Engels in ihrem "Manifest der Kommunistischen Partei" - 1848. Heute geistert es wieder durch Europa. "Jetzt geht das Gespenst des Eurokommunismus um", sagte der westdeutsche Außenminister Genscher. "Es sind Gespinste der reaktionären Bourgeoisie", warnte auf der anderen Seite die Kreml-Führung.“1 So lautete der Anfang eines Artikels des westdeutschen Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, der sich 1977 mit der neuen Strömung des Eurokommunismus, namhaft vertreten durch die italienische, spanische und französische kommunistische Partei2, auseinandersetzt. Doch was genau ist dieser Eurokommunismus? Was sind seine Ziele? Kann man es überhaupt noch Kommunismus nennen?

Der Begriff „Eurokommunismus“ ist ein Fremdbegriff und entstammt nicht der Feder eines seiner Vertreter3. Er bezeichnet die Politik einiger westeuropäischer kommunistischer Parteien, im Gegensatz zum bisherigen Vorgehen kommunistischer Parteien, die Realitäten in den westeuropäischen Demokratien anzuerkennen. Eurokommunisten akzeptieren, tolerieren und garantieren die Existenz der demokratischen Grundfreiheiten und der Parteienvielfalt, (teilweise) die Marktwirtschaft und das private Eigentum an Produktionsmitteln und lehnen den aus dem Prinzip des Internationalismus abgeleiteten Führungsanspruch der Sowjetunion über die weltweite kommunistische Bewegung ab.4 Laut Santiago Carrillo, langjähriger Führer der spanischen kommunistischen Partei und Theoretiker des Eurokommunismus, hat der Eurokommunismus weder eine bindende Organisation, noch ein gemeinschaftliches Programm. Auch sei der Eurokommunismus nicht der vielbeschworene „Dritte Weg“ , sondern nur einer von vielen Wegen „denen der revolutionäre Weltprozess folgt“. Ebenso wenig handelt es sich beim Eurokommunismus um einen „Rückgang auf sozialdemokratische Positionen“.5

Ziel dieser Arbeit ist eine Einschätzung zu treffen, inwieweit diese Äußerungen Carrillos in seinem Werk „Eurokommunismus und Staat“, ein Hauptwerk des Eurokommunismus, der Realität entsprechen und inwieweit die Programmatik die er beschreibt tatsächlich Gemeinsamkeiten mit der Programmatik der frühen Sozialdemokratie hat. Des weiteren geht es darum, ob der Eurokommunismus eine ähnlich schleichende Entfernung vom Marxismus darstellt, wie die Entwicklung der Sozialdemokratie vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit wird dabei auf dem bereits genannten Buch Santiago Carrillos, „Eurokommunismus und Staat“, liegen. Anhand der in diesem Buch ausgeführten Ziele und des dort beschriebenen Programms, wird der Eurokommunismus mit sozialdemokratischen Positionen verglichen werden. Dabei werde ich mich auf diejenigen Textstellen im Buch konzentrieren, die entweder Einblick in die Konzeption des Eurokommunismus gewähren, oder aber sich mit der Strategie für den Aufbau des Sozialismus in Westeuropa beschäftigen. Diese werde ich mit Inhalten sozialdemokratischer Parteiprogramme aus der Zeit kurz nach der Spaltung der Arbeiterbewegung vergleichen, namentlich mit denen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

2. Eurokommunismus und Staat

Santiago Carrillo, von I960 bis 1982 Generalsekretär der kommunistischen Partei Spaniens, wurde am 18 Januar 1915 als Sohn eines sozialistischen spanischen Abgeordneten geboren und gilt als einer der führenden Köpfe der so betitelten Eurokommunistischen Bewegung.6 Als Vertreter des Eurokommunismus schrieb er im Jahre 1977 das Buch, “Eurokommunismus und Staat“, aus dem in dieser Arbeit die Prinzipien des Eurokommunismus abgeleitet werden.

2.1 Unabhängigkeit von der Sowjetunion

Viele zeitgenössische Kritiker des Eurokommunismus sahen in der Konzeption und dem Ausdruck des Eurokommunismus allein eine Strategie zur Machtergreifung durch die ihn vertretenden Parteien und rechneten fest damit, dass sobald dieser erreicht wurde, sofort ein totalitäres und antidemokratisches System gleich der Sowjetunion installiert werden würde. Sozialismus aber bedeutet nach Carrillo keineswegs nur die Kopie des sowjetischen Modells, wie in den Staaten des Warschauer Paktes. „Die Unabhängigkeit der kommunistischen Parteien gegenüber dem sowjetischen Staat und anderen sozialistischen Staaten“ ist für ihn „wesentlich“, um so einen eigenen Weg und eigene Erfahrungen mit dem Aufbau des Sozialismus sammeln zu können. Der „Sieg der sozialistischen Kräfte in Westeuropäischen Ländern“ soll „nicht ein bisschen die staatliche Macht der Sowjetunion vergrößern, noch die Ausbreitung des sowjetischen Ein-Parteien- Modells“7 bringen. Im Gegenteil würde die Entwicklung eines wirklich demokratischen Sozialismus in Westeuropa einen demokratischen Impuls auch an die bis dahin totalitär regierten Ostblockstaaten geben.

[...]


1 „Kommunismus heute“, Der Spiegel 21/1977, S. 150

2 Die britische, schwedischen und sogar japanische KP hatten ebenfalls eurokommunistische Züge

3 Manfred Steinkühler, „Eurokommunismus im Widerspruch“, Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1977 S.256

4 Der Spiegel 21/1977, S. 150

5 Santiago Carrillo, „Eurokommunismus und Staat“, Verlag für das Studium der Arbeiterbewegung GmbH, Westberlin/Hamburg 1977 S. 9/10

6 http://www.munzinger.de/search/portrait/santiago+carrillo/0/14415.html /Zugriff: 26.07.20101

7 Carrillo, 1977, S. 42

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Eurokommunismus: Dritter Weg zwischen Sozialdemokratie und real existierendem Sozialismus?
Hochschule
Universität Rostock  (Politik- und Verwaltungswissenschaften)
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V160416
ISBN (eBook)
9783640735761
ISBN (Buch)
9783640736027
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eurokommunismus, Dritter, Sozialdemokratie, Sozialismus, real existierende Kommunismus, demokratischer Sozialismus, Santiago Carillo, Kommunistische Partei Spaniens
Arbeit zitieren
Enrico Istas (Autor), 2010, Eurokommunismus: Dritter Weg zwischen Sozialdemokratie und real existierendem Sozialismus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160416

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