Außerplanmäßige Abschreibungen im Anlagevermögen nach IFRS


Bachelorarbeit, 2009

54 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichni

1 Einführung
1.1 Hintergrund
1.2 Thematische Abgrenzung
1.3 Gang der Untersuchung

2 Zielsetzung und Struktur des Impairment Tests
2.1 Funktion des Impairment Tests
2.2 Eingliederung in die Ziele der IFRS
2.3 Geltungsbereich
2.4 Ablaufschema

3 Abgrenzung der zu bewertenden Objekte
3.1 Single Asset
3.2 Cash Generating Units
3.2.1 Definition
3.2.2 Weitestgehende Unabhängigkeit der Cash Inflows
3.2.2.1 Managementstrukturen
3.2.2.2 Aktiver Markt
3.3 Besonderheiten
3.3.1 Goodwill
3.3.2 Corporate Assets

4 Auslöser eines Impairment Tests
4.1 Jährliche Tests
4.2 Triggering Events
4.3 Wesentlichkeitsgrundsatz

5 Feststellung eines Wertminderungsbedarfs
5.1 Vorliegen einer Wertminderung
5.2 Carrying Amount
5.3 Recoverable Amount
5.3.1 Fair Value less costs to sell
5.3.2 Value in Use
5.3.2.1 Struktur der Ermittlung des Value in Use
5.3.2.2 Nutzungsdauer
5.3.2.3 Cash Flow Prognosen
5.3.2.4 Diskontierungszinssatz

6 Erfassung der möglichen Wertminderung
6.1 Einzelne Vermögenswerte
6.2 Cash Generating Units

7 Wertaufholung

8 Kritische Würdigung
8.1 Relevance
8.2 Reliability
8.3 Weitere Punkte

9 Thesenförmige Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Schematischer Ablauf des Impairment Tests nach IAS 36

Abbildung 2: CGU Abgrenzung anhand des Managementreportings

Abbildung 3: Wertminderungsindikatoren

Abbildung 4: Hierarchie für die Ermittlung des Fair Value less costs to sell

Anhang:

Abbildung 5: IFRS Zielstruktur

Abbildung 6: Anknüpfungspunkte der CGU Abgrenzung

Abbildung 7: Startpunkt für die Ermittlung des Recoverable Amount

Abbildung 8: Bewertungsansätze für die Bestimmung des Recoverable Amount

Abbildung 9: Pre-Tax / After-Tax Rechnunge

Abbildung 10: Rückrechnung auf Pre-Tax Kapitalkosten

Abbildung 11: Ermittlungsschema des WACC

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

1.1 Hintergrund

Im Rahmen der aktuellen Finanzkrise rücken immer wieder erhöhte Buchwerte von Finanzanlagen, Firmenwerten und anderen Vermögenswerten in den Blickpunkt. Zu erwarten ist, dass aus den verschlechterten Zukunftsprognosen erhöhte Abschreibun- gen spätestens für das Geschäftsjahr 2009 resultieren sollten.1 Um den aktuellen Problemen in diesem Bereich gerecht zu werden, liegt einer der Prüfungsschwer- punkte der DPR für das Jahr 2009 auf der ordnungsmäßigen Abbildung der ver- schlechterten Konjunkturaussichten, insbesondere bei außerplanmäßigen Abschrei- bungen.2 Der Fokus liegt hierbei auf Cash Flow Prognosen und Zinserwartungen.

Im Zuge der Internationalisierung der Rechnungslegung3 hat sich der Fokus in Deutschland weg vom fest im HGB verankerten Vorsichtsprinzip, hin zu einer verstärkten Betrachtung von Ertragswerten bzw. Fair Values in den IFRS verschoben. In der Durchführung von außerplanmäßigen Abschreibungen nach IFRS spielen die Zukunftsprognosen des Managements eine große Rolle. Diese Arbeit soll klären, wie außerplanmäßige Abschreibungen in den IFRS verankert sind und wie diese von z.B. Cash Flow Prognosen oder Zinserwartungen abhängen.

1.2 Thematische Abgrenzung

Der Titel der Arbeit lautet „Aufierplanmafiige Abschreibungen im Anlagevermogen nach IFRS' Unter dem Anlagevermögen eines Unternehmens wird der Teil der Vermögenswerte verstanden, der nicht zur Veräußerung bestimmt ist.4 Das Anlagevermögen dient somit der Wertschöpfung des Unternehmens und verbleibt in aller Regel über einen längeren Zeitraum in diesem.

Eine Abschreibung5 ist definiert als „Betrag bzw. Methode zur Ermittlung des Betra-ges, der bei Gegenstanden des Anlagevermogens, die im Laufe der Nutzungsdauer durch Nutzung eingetretenen Wertminderungen an den einzelnen Vermogensgegen-standen erfassen soil"6 Des Weiteren verteilen Abschreibungen die Anschaffungs- kosten als Aufwand über die Nutzungsdauer.7 Abschreibungen sind zu unterteilen in planmäßige Abschreibungen, die einen ex ante kalkulierten und festgelegten Wert- verzehr abbilden und außerplanmäßige Abschreibungen, die plötzliche, nicht vorher- sehbare und nicht von den planmäßigen Abschreibungen erfasste Wertminderungen abbilden.8 Im Zuge dieser Arbeit sollen also Wertminderungen an dauerhaft im Un- ternehmen verbleibenden Vermögenswerten untersucht werden, die nicht beim Zu- gang des Vermögenswertes vorhersehbar waren. Eine dahingehende Überprüfung eines Vermögenswerts wird in den IFRS als Impairment Test bezeichnet.

Die zentrale Vorschrift für außerplanmäßige Abschreibungen des Anlagevermögens in den IFRS ist IAS 36 Impairment of Assets. Sachverhalte, die außerhalb des Gel- tungsbereichs von IAS 36 liegen, sollen im Folgenden nicht betrachtet werden.9

1.3 Gang der Untersuchung

Zu Beginn sollen die Zielsetzung sowie die Grundstruktur eines Impairment Tests erläutert werden. Im Anschluss wird in den Abschnitten drei bis sechs auf die einzel- nen Schritte eines Impairment Tests detailliert eingegangen. Hierbei liegt der Fokus auf den Bereichen, die für das Management die größten Ermessensspielräume bein- halten ± die Abgrenzung der Cash Generating Units (CGUs), sowie die Ermittlung des Value in Use. Im Anschluss erfolgt eine kurze Analyse der Möglichkeiten zur Wertaufholung. Im letzten Teil der Arbeit folgt eine kritische Würdigung des Impairment Tests hinsichtlich der Zielerreichung und der Ermessensspielräume für das Management. Die Ausführungen werden durch empirische Ergebnisse einer ak- tuellen KPMG Studie, die in 2008 erhoben wurde, ergänzt.10 Auf die von IAS 36 geforderten umfangreichen Anhangsangaben soll in dieser Arbeit aus Platzgründen nicht eingegangen werden.11

2 Zielsetzung und Struktur des Impairment Tests

2.1 Funktion des Impairment Tests

Das Ziel des Impairment Tests ist es, sicherzustellen, dass kein Vermögenswert mit einem höheren Wert als seinem Recoverable Amount in der Bilanz geführt wird (IAS 36.1).12 Damit soll erreicht werden, dass der Buchwert eines Vermögenswerts stets einen Mindestwert für den zu erwartenden Nutzen, entweder aus der Veräußerung oder aus der weiteren Verwendung des Vermögenswertes darstellt.13 Ein Impairment Test prüft also für Vermögensgegenstände, die zugleich auch planmäßig abgeschrie- ben werden, ob Veränderungen der Rahmenbedingungen dazu geführt haben, dass die durch die planmäßigen Abschreibungen vorgesehene Wertentwicklung nicht mehr gehalten werden kann. Für Vermögenswerte, die keiner planmäßigen Ab- schreibung unterliegen, wie beispielsweise immaterielle Vermögensgegenstände mit unbestimmter Nutzungsdauer oder Goodwill stellt IAS 36 die Umsetzung des Impairment only Ansatzes dar und spiegelt die einzige Möglichkeit wieder, den Buchwert dieser Vermögenswerte zu korrigieren.14

2.2 Eingliederung in die Ziele der IFRS

Das übergeordnete Ziel der Rechnungslegung nach IFRS ist die Decision Usefulness (F.12). Hiernach sollen die Adressaten15 der Rechnungslegung mit entscheidungs- nützlichen Informationen versorgt werden.16 Um die Entscheidungsnützlichkeit der Informationen zu gewährleisten, muss die Rechnungslegung der Fair Presentation bzw. dem True and Fair View genügen und ein den tatsächlichen Verhältnissen ent- sprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage wiederspiegeln (IAS 1.15).17 Zur Konkretisierung des True and Fair View beinhaltet das Framework eini- ge Grundsätze für die Rechnungslegung.18 Von besonderer Bedeutung sind hierbei die Grundsätze der Relevance (F.26-28) und der Reliability (F.31/32).

Die Relevanz einer Information ist gegeben, wenn diese die wirtschaftlichen Entscheidungen der Adressaten beeinflusst (F.26). Hierzu muss die Information entweder feedback value besitzen, also frühere Annahmen korrigieren bzw. bestätigen, oder predictive value besitzen, also etwas über die zukünftige Entwicklung des Unternehmens aussagen.19 Information kann schon aufgrund ihrer Eigenart (nature) relevant sein, oder erst durch ihre Wesentlichkeit (materiality), da sie die Entscheidungen der Adressaten wesentlich beeinflusst.20

Um dem Kriterium der Reliability21 zu genügen, müssen Informationen fehlerfrei und frei von subjektiven Verzerrungen sein.22 Die wiedergegebenen Daten sollen also objektiv nachprüfbar sein.

Informationen sollen somit auf der einen Seite entscheidungsrelevant, auf der ande- ren Seite aber auch verlässlich und fehlerfrei sein. Relevant sind meist Informatio- nen, die sich auf Zukunftsprognosen beziehen, wodurch Unsicherheit bezüglich der Informationen nicht zu verhindern ist. Dies führt häufig dazu, dass Relevance und Reliability ein Spannungsfeld für die bereitgestellten Informationen ergeben.23 Die- ses Spannungsfeld wird explizit in F.32 angesprochen. Im Zweifelsfall ist nach F.43 der Relevanz ein höherer Wert beizumessen als der Verlässlichkeit.24 Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage stellen laut F.28 relevante Informatio- nen dar. Es ist also bedeutend, zum einen das Vermögen vollständig darzustellen und zum anderen jedem Vermögenswert einen den tatsächlichen Verhältnissen entspre- chenden Wert zuzuweisen.

Ein Vermögenswert ist nach F.49 definiert als Gegenstand in der Verfügungsmacht des Unternehmens, von dem erwartet wird, dass er zukünftigen Nutzen generiert. Wirtschaftlicher Nutzen kann im Potenzial eines Vermögenswerts zur Leistungser- stellung liegen, was dem Value in Use im Impairment Test entspricht oder in der Konvertierbarkeit in Zahlungsmittel oder Zahlungsmitteläquivalente, was durch den Fair Value less costs to sell im Impairment Test dargestellt wird (F.53). Die Überprü- fung eines Vermögenswerts im Zuge des Impairment Tests nach IAS 36 dient also dazu, festzustellen, ob der Vermögenswert zukünftig in dem Maße, in dem es der Buchwert erwarten lässt wirtschaftlichen Nutzen generieren wird.

Diese Interpretation und somit auch die Regelungen des IAS 36 stellen eine Umset- zung der Asset-Liability-Theory25 dar. Dieser Bilanztheorie zufolge wird die Leis- tung eines Unternehmens nicht durch den aus Erträgen und Aufwendungen berech- neten Periodengewinn26 dargestellt, sondern durch die Differenz der Gesamtwerte des Unternehmens zu Beginn und am Ende einer Periode. In diesem Sinne stehen die Buchwerte der Vermögenswerte für erwartete zukünftige Cash Flows (expected futu- re economic benefits).27 Um diese Erwartungen in den Buchwerten darzustellen, sol- len sich die Buchwerte an Marktpreisen orientieren und nicht an historischen An- schaffungs- und Herstellungskosten.28 Die Asset-Liability-Theory hat also das Ziel, den Vermögenswerten und Schulden möglichst aktuelle Werte zuzuweisen um den Gewinn über Veränderungen des Reinvermögens darzustellen.29 Das Reinvermögen spiegelt somit das zukünftige Nutzenpotenzial des Unternehmens wieder. Im Impairment Test festgestellte Wertminderungen stellen damit Beeinträchtigungen des Nutzenpotenzials und somit Aufwendungen dar. Wertaufholungen hingegen spiegeln eine Erhöhung des Nutzenpotenzials und damit einen Ertrag wieder.30

Rein formell müssen Wertminderungen bei Vermögenswerten aufgrund des Imparitätsprinzips und des daraus abgeleiteten Niederstwertprinzips, das sowohl im HGB als auch in den IFRS gilt, erfasst werden.31

2.3 Geltungsbereich

Der Geltungsbereich des IAS 36 umfasst entsprechend der Negativabgrenzung des IAS 36.2 das Sachanlagevermögen, immaterielle Vermögenswerte des Anlagevermögens einschließlich Goodwill, sowie bestimmte Finanzvermögenswerte.32

Die umfassten Finanzvermögenswerte sind Anteile an Tochterunternehmen gem. IAS 27, assoziierte Unternehmen gem. IAS 28 und Gemeinschaftsunternehmen nach IAS 31 (IAS 36.4).

Folgende Vermögenswerte werden nicht vom IAS 36 erfasst, da für sie Einzelvorschriften bestehen (IAS 36.2):33

- Vorräte (IAS 2)
- Vermögenswerte aus Fertigungsaufträgen (IAS 11) x Aktive latente Steuern (IAS 12)
- Vermögenswerte im Zusammenhang mit Employee Benefits (IAS 19) x Finanzinstrumente im Anwendungsbereich des IAS 39
- Immobilien als Finanzinvestition (IAS 40)
- Biologische Vermögenswerte in landwirtschaftlicher Nutzung (IAS 41)
- Vermögenswerte aus Versicherungsverträgen (IFRS 4)
- Gem. IFRS 5 als "held for sale" zu klassifizierende Vermögenswerte

Für die Anwendung des IAS 36 ist es dabei unerheblich, ob der Vermögenswert einer planmäßigen Abschreibung unterliegt oder nicht.34

2.4 Ablaufschema

Ziel des Impairment Tests ist es, den Buchwert eines Vermögenswerts mit seinem Recoverable Amount zu vergleichen, um festzustellen, ob ein Wertminderungsbedarf besteht. In der Durchführung lassen sich hierbei vier Schritte differenzieren.35

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Schematischer Ablauf des Impairment Tests nach IAS 36

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an: PWC, Werthaltigkeit, 2007, Abb.1, S. 11.

Im ersten Schritt wird festgelegt, auf welcher Ebene die Vermögenswerte des Unter- nehmens bewertet werden, also welche Vermögenswerte eigenständig bewertet wer- den können und welche CGUs für die restlichen Vermögenswerte zu bilden sind.

In einem zweiten Schritt wird für jedes zu bewertende Objekt geprüft, ob ein Auslö- ser für die Durchführung eines Impairment Tests vorliegt. Dies können bestimmte Triggering Events oder die Pflicht zu einem jährlichen Test sein. In einem dritten Schritt werden für die Objekte, für die ein entsprechender Auslöser vorliegt, der Carrying Amount, sowie der Recoverable Amount bestimmt und somit festgestellt, ob ein Wertminderungsbedarf besteht. Im letzten Schritt wird der Wertminderungs- bedarf in der Bilanz erfasst. Auf die einzelnen Schritte wird nun in den folgenden Kapiteln vertieft eingegangen.

3 Abgrenzung der zu bewertenden Objekte

3.1 Single Asset

Dem Grunde nach sollte jeder Vermögenswert eigenständig auf Werthaltigkeit über- prüft werden (IAS 36.66).36 Die Schwierigkeit liegt hierbei in der Bestimmung des Recoverable Amount. Dieser kann nicht in jedem Fall für einen einzelnen Vermö- genswert (single asset) bestimmt werden. Eine Bestimmung ist nicht möglich, sofern der Vermögenswert keine Cash Inflows generiert, die weitestgehend unabhängig von den Cash Inflows anderer Vermögenswerte bzw. Gruppen von Vermögenswerten sind (IAS 36.67).37 Des Weiteren darf der Value in Use nicht nahe am Fair Value less costs to sell liegen, da ansonsten der auf Basis des Fair Value less costs to sell ermittelte Recoverable Amount verwendet werden darf (IAS 36.67).38 Kann der Vermögenswert nicht eigenständig auf Werthaltigkeit überprüft werden, so ist er einer Cash Generating Unit zuzuordnen.

3.2 Cash Generating Units

3.2.1 Definition

IAS 36.6 definiert die CGU als kleinste identifizierbare Gruppe von Vermögenswerten, die Cash Inflows generiert, die weitestgehend unabhängig von den Cash Inflows anderer Vermögenswerte bzw. CGUs sind.39

Generiert ein einzelner Vermögenswert keine unabhängigen Cash Inflows, so werden so lange Vermögenswerte aggregiert bis die Gruppe unabhängige Cash Inflows generiert. Hierbei ist zu beachten, dass für die Betrachtung unterschiedlicher Vermögenswerte aus der Abgrenzung unterschiedliche CGUs resultieren können.40 So ist es beispielsweise möglich, dass die Vermögenswerte A und B gemeinsam unabhängige Cash Inflows generieren, der Vermögenswert C dies aber nur in Verbindung mit A und B tut. In diesem Fall ist in der Betrachtung der Vermögenswerte A und B ein Impairment Test für die CGU mit A und B durchzuführen, bei Betrachtung des Vermögenswerts C ist die CGU mit A, B und C zu betrachten.

Nach IAS 36.71 muss die Abgrenzung der CGUs über die Berichtsperioden konstant bleiben. Eine Veränderung der Abgrenzung ist nur in begründeten Fällen gestattet. Grundlage für die Abgrenzung ist die Tatsache, dass die CGU Cash Inflows aus der Nutzung der beinhalteten Vermögenswerte generieren kann. Diese Cash Flows ent- stehen in der Regel durch die Veräußerung von im Produktionsverbund hergestellten Gütern.41 Es gehören nach dieser Abgrenzung alle Vermögenswerte zur CGU, die direkt oder in unterstützender Funktion die Herstellung der absetzbaren Güter unter- stützen. Unter Cash Inflows werden letztendlich alle Zugänge von Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten verstanden (IAS 36.69).

Des Weiteren müssen diese Cash Inflows laut IAS 36.6 unabhängig von den Cash Inflows anderer Vermögenswerte oder CGUs sein. Zur Überprüfung der Unabhängigkeit der Zahlungsströme hat das Unternehmen mehrere Aspekte zu berücksichtigen, die im folgenden Abschnitt 3.2.2 näher betrachtet werden.

Abschließend ist sicherzustellen, dass die abgegrenzte CGU die kleinste Einheit dar- stellt, für die das Kriterium der Generierung weitestgehend unabhängiger Cash Inflows erfüllt ist. Dadurch wird sichergestellt, dass eine Bildung von beliebig gro- ßen Bewertungseinheiten nicht möglich ist. Durch diese Einschränkung wird die durch IAS 36 bewusst verursachte Durchbrechung des Einzelbewertungsprinzips abgemildert. Die Saldierung von Erträgen und Aufwendungen durch Wertverände- rungen einzelner Vermögenswerte innerhalb einer CGU soll möglichst gering gehal- ten werden, in dem auf die kleinstmögliche Aggregationsstufe abgestellt wird.42

3.2.2 Weitestgehende Unabhängigkeit der Cash Inflows

3.2.2.1 Managementstrukturen

Nach IAS 36.69 sind die Managementstrukturen des Unternehmens einzubeziehen.43 Wichtig ist hierbei die Frage, auf welchen Ebenen das Management das Unternehmen steuert, ob in Form von Regionen, Produktlinien oder Geschäftsfeldern und auf welcher Ebene über Erhalt oder Abgang von Vermögenswerten und über Fortsetzung oder Einstellung von Aktivitäten entschieden wird.44

In der Praxis hat sich auf Basis der Managementstrukturen ein vorwiegender Ansatz zur Abgrenzung herausgebildet:45

In einem ersten Schritt wird das Management ermittelt, das für den Kauf bzw. Ver- kauf des Vermögenswertes verantwortlich ist. Erhält dieses Management ein Repor- ting, auf dessen Basis es eine Verkaufsentscheidung fällt, so stellt die in diesem Re- porting abgegrenzte Teileinheit des Unternehmens die CGU dar. Ist dies nicht der Fall, so muss eine Managementebene nach oben bzw. nach unten gegangen werden. Kann die CGU nicht auf Basis eines bestehenden Reportings gebildet werden, so sind vom Unternehmen die entsprechenden Daten aufzubereiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: CGU Abgrenzung anhand des Managementreportings

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Schmusch/Laas, WPg 2006, S. 1049/1050.

Des Weiteren können für die Abgrenzung der CGUs einige Hilfskriterien herangezo- gen werden. Als wichtigstes Kriterium ist hierbei das Vorliegen eines aktiven Mark- tes zu sehen, außerdem können das Vorliegen eines Finanzplans für den Unterneh- mensteil, sowie die Zuweisbarkeit zukünftiger Verkäufe auf die CGU als Hilfskrite- rien genutzt werden.46

3.2.2.2 Aktiver Markt

Das Vorhandensein eines aktiven Marktes für die erstellten Produkte der Gruppe von Vermögenswerten ist ein Kennzeichen der Unabhängigkeit der Zahlungsströme (IAS 36.70).47 Können die von einer Gruppe von Vermögenswerten erstellten Produkte auf einem aktiven Markt veräußert werden, so ist diese Gruppe als CGU abzugrenzen (IAS 36.70). Ein aktiver Markt ist nach IAS 36.6 gekennzeichnet durch homogene Produkte, öffentlich zur Verfügung stehende Preise und durch die Tatsache, dass jederzeit vertragswillige Käufer und Verkäufer zur Verfügung stehen. Unter homo- genen Produkten können in Bezug auf Beschaffung und Funktion gleichartige Produkte verstanden werden.48

[...]


1 Vgl. Haaker, PiR 2009, S. 109.

2 Vgl. Meyer, Status Recht 2008, S. 383.

3 Nach §315a HGB sind Mutterunternehmen, die einen Konzernabschluss erstellen, verpflichtet, diesen nach IFRS aufzustellen. Damit besteht ein fester Anknüpfungspunkt an die IFRS im deutschen Handelsgesetzbuch.

4 Gabler, Lexikon, 2000, S. 130.

5 In den IFRS wird bei Intangible Assets von Amortization und bei Sachanlagen von Depreciation gesprochen, beide Begriffe haben aber dieselbe Bedeutung und stehen für die Abschreibung (IAS 36.6), vgl. Coenenberg, Jahresabschluss, 2005, S. 1263.

6 Gabler, Lexikon, 2000, S. 29.

7 Vgl. Coenenberg, Jahresabschluss, 2005, S. 1263.

8 Vgl. Tanski, Sachanlagen, 2005, S. 147.

9 Zu einer exakten Abgrenzung des Geltungsbereichs von IAS 36 vgl. Abschnitt 2.3, S. 6.

10 Vgl. Anhang 2, S. VIII ± X.

11 Eine ausführliche Darstellung der von IAS 36 geforderten Anhangsangaben findet sich in Weber, IFRS Anhang, 2009, S. 50 ff.; vgl. auch IAS 36.126 ± 36.137.

12 Vgl. PWC, Impairment, 2008, Rz. 18.2, S. 18001.

13 Vgl. Ernst & Young, International GAAP, 2008, S. 1033.

14 Vgl. Schumann, Unternehmenswert, 2008, S. 211/212.

15 Das IASB ernennt in F.10 einen eindeutigen Hauptadressaten für die Rechnungslegung nach IFRS ± den Investor, da laut IASB die Informationsbedürfnisse des Risikokapitalgebers auch die Informati- onsbedürfnisse der meisten anderen Adressaten abdecken, vgl. Heizmann, SteuerStud 2005, S. 17.

16 Vgl. Streim/Bieker/Leippe, Fundierung der Rechnungslegung, 2001, S. 179.

17 Hierzu merkt Ballwieser kritisch an, dass es eine objektive tatsächliche Realität nicht gibt, da ein objektiver, für alle Adressaten gültiger Maßstab fehlt und aus diesem Grunde Wertungen zwangsläufig nötig werden, vgl. Ballwieser, IFRS, 2008, S. 18.

18 Für eine vollständige Übersicht über die Rechnungslegungsgrundsätze nach IFRS, vgl. Anhang 1, Abbildung 5, S. VII.

19 Vgl. Streim/Bieker/Esser, Fair Value, 2005, S. 98; Hierbei sind die Unterschiede zur Informationsökonomie zu berücksichtigen. Im Rahmen der IFRS ist eine Information auch relevant, wenn Sie eine Entscheidung nur bestätigt. In der Informationsökonomie muss Sie die Entscheidung verändern, um als relevant zu gelten, vgl. Ballwieser, IFRS, 2008, S. 13.

20 Vgl. Sturm, IAS 36, 2008, S. 17.

21 Das Kriterium der Reliability konkretisiert sich in fünf Untergrundsätzen, auf die hier allerdings nicht im Einzelnen eingegangen werden soll, vgl. hierzu Anhang 1, Abbildung 5, S. VII; oder für eine ausführlichere Darstellung der Unterkriterien, vgl. Heizmann, SteuerStud 2005, S. 20.

22 Vgl. Sturm, IAS 36, 2008, S. 17.

23 Kirchner betont, dass dieses Spannungsfeld zwangsläufig entsteht, wenn man in der RechnungsleJXQJ DXI *HJHQZDUWVZHUWHQ DXIEDXHQ ZLOO XQG VLFK YRQ GHU ÄDOWHQ +*% :HOW³ PLW YHUJDQJHQKHLWsorientierter Bewertung abwendet, vgl. Kirchner, ZfbF 2006, S. 62.

24 Vgl. Streim/Bieker/Leippe, Fundierung der Rechnungslegung, 2001, S. 184.

25 Zu einer ausführlichen Darstellung der Asset-Liability-Theory, vgl. Preißler, Prinzipienbasierung, 2005, S. 83-89.

26 Der Periodengewinn wird von Vertretern der Revenue-Expense-Theory als adäquater Leistungsin- dikator angesehen, vgl. Zülch/Fischer/Willms, KoR 2006, S. 6.

27 Vgl. Preißler, Prinzipienbasierung, 2005, S. 85.

28 Vgl. Zülch/Fischer/Willms, KoR 2006, S. 6.

29 Vgl. Zülch/Fischer/Willms, KoR 2006, S. 8/9.

30 Vgl. Preißler, Prinzipienbasierung, 2005, S. 84.

31 Vgl. Pellens et al., Int. Rechnungslegung, 2008, S. 256.

32 Vgl. Pellens et al., Int. Rechnungslegung, 2008, S. 257.

33 Vgl. Coenenberg, Jahresabschluss, 2005, S. 118-119.

34 Tanski, Sachanlagen, 2005, S. 147.

35 Vgl. zu den Schritten in der Argumentation: KPMG, IFRS Insights, 2008, S. 608 ff.; In der Literatur wird häufig in der Reihenfolge der theoretischen Entstehung der Probleme argumentiert und somit eine mögliche Bildung von CGUs erst nach der Bestimmung des Recoverable Amount diskutiert, so Hoffmann, Abschreibung, 2007, S. 416 ± 440; Peemöller, Sachanlagevermögen, 2006, Rz. 83-92, S. 298 ± 300.

36 Vgl. Schruff, IFRS, 2006, Rz. 181 zu IAS 36.

37 Vgl. Pellens et al., Int. Rechnungslegung, 2008, S. 266.

38 Dieses zweite Kriterium spielt in der Praxis eine untergeordnete bis gar keine Rolle. Hier wird rein auf die Unabhängigkeit der cash Inflows abgestellt, vgl. PWC, IFRS, 2008, Rz. 18.98, S. 18016; so auch KPMG, IFRS Insights, 2008, Rz. 3.10.40.10, S. 608.

39 Für Beispiele zur Abgrenzung der Cash Generating Units, vgl. IAS 36.IE1-22.

40 Vgl. Castadello/Klingbeil/Schröder, WPg 2006, S. 1034.

41 Vgl. Beyhs, Impairment, 2002, S. 100.

42 Vgl. Beyhs, Impairment, 2002, S. 106.

43 Diese Übernahme von Informationen aus dem Management Reporting in das externe Rechnungs- wesen stellt eine Umsetzung des Management Approach dar. Hiernach sollten vermehrt Informati- onen des Controlling auch in der Rechnungslegung berücksichtigt werden, vgl. Sturm, IAS 36, 2008, S. 19.

44 Vgl. Heuser/Theile, IFRS Handbuch, 2007, Rz. 1520, S. 231.

45 Zur Beschreibung der Herangehensweise, vgl. Ernst & Young, Business Combinations, 2005, S. 8; Schmusch/Laas, WPg 2006, S. 1049/1050.

46 Vgl. Klingels, CGU, 2005, S. 86.

47 Vgl. Klingels, CGU, 2005, S. 75.

48 In den IFRS wird bei Intangible Assets von Amortization und bei Sachanlagen von Depreciation gesprochen, beide Begriffe haben aber dieselbe Bedeutung und stehen fur die Abschreibung (IAS 36.6), vgl. Coenenberg, Jahresabschluss, 2005, S. 1263

Ende der Leseprobe aus 54 Seiten

Details

Titel
Außerplanmäßige Abschreibungen im Anlagevermögen nach IFRS
Hochschule
Universität Hohenheim
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
54
Katalognummer
V160470
ISBN (eBook)
9783640742400
ISBN (Buch)
9783640742721
Dateigröße
1148 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechnungswesen, Abschreibung, IFRS, Impairment, Fair Value, IAS 36
Arbeit zitieren
Bachelor of Science Adrian Lebherz (Autor), 2009, Außerplanmäßige Abschreibungen im Anlagevermögen nach IFRS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160470

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