Ökonomische Fehlanreize der Rentenpolitik auf die Fertilität


Seminararbeit, 2010
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Ökonomische Fehlanreize der Rentenpolitik auf die Fertilität

I. Ausgangslage
1. Überblick über die demographische Entwicklung in Deutschland
2. Felder der deutschen Rentenpolitik

II. Individualbetrachtung: Einzelne Fehlanreize der Rentenpolitik
1. Anerkennung von Erziehungsleistungen
2. Renteneintrittsalter und Frühverrentung (Altersteilzeit)
3. Der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung
4. Die „Rentengarantie“ 2009

III. Gesellschaftliche Betrachtung der Rentenversicherung
1. Kinder als Altersabsicherung
2. Ökonomische Bedeutung von Kindern für die Altersvorsorge heute
3. Die gesetzliche Rentenversicherung als moral hazard

IV. Fazit, Ausblick und Handlungsempfehlungen
1. Die gesetzliche Rentenversicherung - Ursache und Wirkung zugleich?
2. Korrekturen in der Rentenversicherung - Vier statt drei Säulen?

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Kinder kriegen die Leute immer.“1 Kaum ein Satz drückt anschaulicher die öko- nomische und ideelle Grundlage der gesetzlichen Rentenversicherung aus wie dieser Konrad Adenauer zugeschriebene Spruch. Mit ihm begründete er die Umwandlung der Rentenversicherung im Jahr 1957 hin zu einer „dynamischen“, umlagefinanzierten Rente2 - beruhend auf einem „Generationenvertrag“. Fünfzig Jahr später scheint dieser Vertrag kaum mehr einzuhalten: Der anhaltende Geburtenrückgang sowie die starke Unterjüngung der deutschen Gesellschaft zwingt förmlich zu Reformen und Ver- änderungen im System der Rentenversicherung3. Wie kaum in einem anderen Politik- bereich wird hier der demographische Wandel auch finanziell spürbar.

Dieser wohl gängige Zusammenhang von Rentenpolitik und Fertilität ist jedoch nicht vollständig. Er beschreibt ausschließlich eine Wirkungsrichtung: Die Einflüsse des demographischen Wandels auf die Rentenversicherung. Interessant erscheint allerdings ebenso, den umgekehrten Einfluss zu untersuchen - inwiefern also rentenpolitische Ent- scheidungen wiederum eine Rückwirkung auf das Fertilitätsverhalten haben können.

Nachfolgend sollen hierzu mögliche Einflussgrößen der Rentenpolitik auf Familien genannt, untersucht und deren Auswirkung beschrieben werden. In einer Zweiteilung der Betrachtung in einen individuelle Dimension und eine kollektive Dimension soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass es sich beim Kinderwunsch um die Entscheidung eines einzelnen Paares handelt, das Problem einer niedrigen Fertilitätsrate jedoch gesamtgesellschaftlich relevant wird. Abschließend sollen politische Maßnahmen vorgeschlagen und beschrieben werden.

Ökonomische Fehlanreize der Rentenpolitik auf die Fertilität

„Keine Generation kann im Alter eine Rente beziehen, wenn sie nicht entweder in Humankapital oder in Realkapital investiert hat, denn von nichts kommt nun einmal nichts.“4

Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft

I. Ausgangslage

Für eine Analyse der Fehlanreize in der Rentenpolitik in Deutschland auf die Fertilität sollen zunächst die Grundrisse des deutschen Rentenversicherungssystems sowie der Geburtenentwicklung im Bundesgebiet gegeben werden.

1. Überblick über die demographische Entwicklung in Deutschland

Die Fertilitätsrate bildet die gesamtgesellschaftliche Entscheidung für Kinder und damit für die humanen Ressourcen eines Landes ab. Eine sehr niedrige Fertilitätsrate kann demnach als unzureichende Investition in Humankapital verstanden werden5. Die Entwicklung in Gesamtdeutschland und Thüringen verlief teilungsbedingt unterschiedlich, weist aber im Ergebnis den gleichen Trend auf.

a) Deutschland. Die Fertilität - in dieser Arbeit operationalisiert als Lebendgeborene pro 1000 Einwohner (Allgemeine Geburtenziffer) - stieg in der Bundesrepublik nach der Rentenreform 1957 weiter an. Seit Mitte der 1960er Jahre ist sie allerdings rück- läufig. Sie sank seit dem Höhepunkt der „Babyboomer“ im Jahr 1967 innerhalb eines Jahrzehnts rapide um fast 50 % auf ca. 11 Geburten je 1000 Einwohner ab. Einer annähernden Stabilisierung Mitte der 70er bis Anfang der 90er Jahre folgte nach der deutschen Wiedervereinigung ein weiterer Rückgang auf nunmehr heute etwa 8 Geburten pro 1000 Einwohner.

Geburtenentwicklung in Deutschland und Thüringen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Berechnungen aus: Thüringer Landesamt für Statistik (Geborene und Gestorbene 1955, 1960 und ab 1965; Voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung in Thüringen nach Komponenten; Voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung in Thüringen nach Prognosejahren - Ergebnisse der 11. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung (KBV) - Variante 1-W1: „mittlere“ Bevölkerung, Untergrenze) sowie Statistisches Bundesamt Deutschland (Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland von 2006 bis 2050; Lebendgeborene, Gestorbene und Wanderungssaldo der Bevölkerung in Deutschland von 2006 bis 2050 - Ergebnisse der 11. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung (KBV) - Variante 1-W1: "mittlere" Bevölkerung, Untergrenze; Geburtenhäufigkeit: annähernd konstant, Lebenserwartung: Basisannahme, Wanderungssaldo: 100 000).

*Bei der Prognose für Thüringen zu beachten: Die Ergebnisse ab dem Jahr 2021 tragen Modellcharakter, weil die Annahmen für die Wanderungsverflechtungen zwischen den Bundesländern über den Zeitraum von 2020 hinaus sehr wage sind und daher nicht mehr zum Ansatz gebracht werden.

b) Thüringen. In der DDR setzte der Rückgang der Geburten bereits im Jahr 1965 ein6. Einem Entgegenwirken durch eine Vielzahl von Fördermaßnahmen ab etwa Mitte der 1970er Jahre folgte ein nur kurzzeitiger Anstieg. Seit etwa Anfang der 80er Jahre sank in Thüringen die Zahl der Geburten wieder ab; stark beschleunigt noch in den Wende- jahren bis zu einem Tiefpunkt im Jahr 1994 mit nur noch etwa 5 Geburten je 1000 Ein- wohner und damit etwa bei der Hälfte des bundesweiten Durchschnitts. Seit Mitte der 90er Jahre ist allerdings eine Angleichung der Entwicklung durch einen stetigen Anstieg der Geburten in Thüringen und einem Rückgang der Geburten im bundesdeutschen Durchschnitt zu erkennen. Bevölkerungsprognosen gehen für die Zukunft von einer sich abschwächenden, aber immer noch rückläufigen Entwicklung aus. Thüringen droht hin- gegen aufgrund der immer noch stark anhaltenden Abwanderung ein erneuter Einbruch in der Geburtenzahl mit einem Tiefpunkt etwa im Jahr 2026 bis 2028.

[...]


1 S. dazu etwa Ziemann (2005).

2 Auch vor Einführung der „dynamischen Rente“, deren Steigerungen sich an der allgemeinen Lohn- entwicklung orientieren, hingen die Auszahlungen von den vorher eingezahlten Beiträgen ab. Rentener- höhungen waren dennoch vom ausdrücklichen parlamentarischen Willen abhängig und nicht von einem gesetzliches Automatismus. Desweiteren wurde bis zur Rentenreform 1957 ein Deckungsfonds als Ren- tenkasse geführt, dessen Reserven ähnlich einer heutigen private Versicherung gespart wurden. S. dazu Köhler (1990).

3 So im Jahr 2002 mit Einführung der sogenannten „Riester-“ und. „Rürup-Rente“. Ziel der Reformen war eine staatliche Förderung und damit Attraktivitätssteigerung privater Altersversicherungsmodelle. Einen Überblick zur staatlichen Förderung privater Altersvorsorge gibt Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2007).

4 Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft (1998), S. 56.

5 EEAG (2005), S. 74.

6 Statistisches Bundesamt (2007), S. 16.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Ökonomische Fehlanreize der Rentenpolitik auf die Fertilität
Hochschule
Universität Erfurt
Veranstaltung
Ursachen und Konsequenzen demographischer Entwicklungen
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V160904
ISBN (eBook)
9783640743308
ISBN (Buch)
9783640743636
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demographie, Fertilität, Rente, Rentenpolitik, Fehlanreize, Ökonomie, Sozialversicherung, Rentenreform
Arbeit zitieren
Felix Rösel (Autor), 2010, Ökonomische Fehlanreize der Rentenpolitik auf die Fertilität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/160904

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