Was versteht Kant unter einem synthetischen Urteil a priori


Hausarbeit, 2010

11 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Was versteht Kant unter einem synthetischen Urteil a priori?

Immanuel Kant gehört zu den bekanntesten und am meisten gelesenen Philosophen der Neuzeit. Die „Kritik der reinen Vernunft“ von 1781 ist eines der kompliziertesten Werke der Weltliteratur. Seine Lektüre ist sehr anspruchsvoll. Dies liegt an dem komplizierten und gewaltigen Gedankengebäude des Denkers. Seine Philosophie hat ihren Ursprung in dem Problem, dass rein aus der Erfahrung kein sicheres Wissen zu gewinnen ist.[1]

Das Buch „Kritik der reinen Vernunft“ ist in zwei Auflagen publiziert worden. Die erste Auflage ist 1781 erschienen, die zweite 1787. In der Fachliteratur werden diese beiden Auflagen mit den Buchstaben A und B versehen. Manche Interpreten sind der Meinung, es handle sich dabei um zwei verschiedene Bücher, weil Kant beim Übergang von der ersten zur zweiten Auflage an den Büchern radikale Änderungen vorgenommen hat. Es wurde vieles in dieser Zeit in der zweiten Auflage neugeschrieben, sodass es heißt, dass sich zwischen 1781 und 1787 das Denken von Kant merklich verändert hat. Die Änderungen sind weitreichend und betreffen nicht nur den Textbestand, sondern auch die ganze Gewichtung der verschiedenen Instanzen, die ins Spiel kommen, bis hin zu der Frage: „Ist eigentlich die Einbildungskraft oder Phantasie ein eigenständiges Vermögen im Erkennen, oder steht die Einbildungskraft unter der Herrschaft des Verstandes?“ Kommt das Verstehen durch den Verstand zustande oder durch die Einbildungskraft? Und ist sie dann von Phantasie so leicht zu unterscheiden,

dass Erkenntnis und Phantasterei nicht so leicht zu unterscheiden sind? Aus diesem Grund ist die Transzendentalphilosophie Kants von einem Idealismus, der besagt, dass alles ohnehin nur Vorstellung und lediglich von uns ausgedacht ist, nicht zu unterscheiden. Daher hat Kant sich mit den Änderungen, die in der Auflage B vorgenommen wurden, weiter um eine Widerlegung des Idealismus bemüht, die in der ersten Auflage auch schon zu bemerken war, um sich von denjenigen die abzugrenzen, die ihn als Idealisten interpretieren. Kant selber hat dies ganz anders gesehen, er glaubte, dass die Kritik der reinen Vernunft in ihrer zweiten Auflage nur deutlicher, prägnanter, entschiedener, gründlicher und nachhaltiger war und das darstellt, was in der ersten Auflage auch schon thematisiert wurde.

Kants Stellung zur Logik und wie er sie in seiner Zeit einschätzt ist ein Lob auf die Logik. Wichtig ist, dass Kant auf die Beschränkung Wert legt, denn dies ist für ihn sehr wichtig in Bezug auf die transzendentale Logik. Einschränkungen müssen stattfinden.

Kritik heißt zunächst einmal Beurteilung oder ein Urteil fällen und es bedeutet für Kant in zweiter Sicht auch Grenzen setzen, Schranken aufzeigen. Demnach aufzeigen, in welchem engen Bereich etwas aufgefasst werden muss, damit es sinnvoll vorangehen kann. Demnach heißt auch „Kritik der reinen Vernunft“ für Kant, dass man der reinen Vernunft in ihren Ansprüchen Grenzen setzen muss, denn nur wenn man ihr Grenzen setzt, dann ist erst reine Erkenntnis oder metaphysische Kenntnis möglich. Kant gebraucht Vernunft und Verstand auf eine komplizierte Weise. Vernunft bedeutet gelegentlich das Ganze unseres theoretischen Erkenntnisvermögens, jedoch kann Vernunft auch einen engeren Sinn haben und im Gegensatz zu Verstand stehen. Vernunft oder Ratio ist also das Vermögen des Schlussfolgerns und der Verstand ist das Vermögen der Begriffsverwendung. Das heißt, dass der Verstand das Vermögen ist, Begriffe zu verwenden. Die Vernunft ist das Vermögen, Schlüsse zu ziehen. Kant schränkt die Vernunft in ihren Möglichkeiten, etwas zu erkennen, ein, aber lässt dem Verstand volle Gerechtigkeit wiederfahren.

Dies ist also Kants Lob auf die Logik, aber auch Kants Einschränkung der Brauchbarkeit der Logik. Im weiteren Verlauf führt Kant in der Kritik der reinen Vernunft eine Einteilung der Logik vor: Das Verständnis der transzendentalen Logik, die den wesentlichen Bestand der Kritik der reinen Vernunft überhaupt ausmacht und von Bedeutung ist. Transzendentale Logik ist der wesentliche Bestand der Kritik der reinen Vernunft. Für das Verständnis der transzendentalen Logik muss man erkennen, was Kant unter Logik allgemein versteht und wie in der Einteilung der Logik diejenige Art von Logik ins Auge gefasst wird, die für die transzendentale Logik von Bedeutung sein wird. Logik untersucht insgesamt den Gebrauch unseres theoretischen Vermögens. Im weiteren Verlauf des Buches unterscheidet Kant eine allgemeine Logik von einer besonderen oder speziellen Logik. Die besondere Logik lehrt wie über bestimmte Arten von Gegenständen richtig zu denken ist. Der Begriff der Gegenstände taucht hier erstmals auf, und zwar nicht als individuelle, sondern als unterstützende Arten gehörig, die wir bezüglich dieser Gegenstände zu denken haben. Dies lehrt die spezielle Logik. Die allgemeine Logik hat es mit den Formen des Denkens zu tun, ohne Rücksicht auf die Unterschiede der jeweiligen Gegenstände, also ohne Rücksicht auf die Differenz der Gegenstände. Kant sagt hier aber nicht, dass sie es nicht mit Gegenständen zu tun hat, sondern er sagt nur, dass sie keine Rücksicht auf die Unterschiede der Gegenstände nimmt. Die allgemeine Logik ist eine Logik, bei der es gleichgültig ist ob wir von Göttern, Engeln, Spiegeln, Zahlen oder Türen sprechen, darauf nimmt diese Logik keine Rücksicht. Kant nennt sie auch Elementarlogik. Diese elementare Logik, die keine Rücksicht auf die Unterschiede der Gegenstände nimmt, unterscheidet Kant in eine reine und eine angewandte Logik. Die angewandte Logik ist diejenige, die sich mit dem Subjekt und seiner Seele, seinen Fähigkeiten und Mühen beschäftigt. Dazu gehören auch Müdigkeit, Aufmerksamkeit, Ablenkung und Konzentrationsfähigkeit. Demnach beschäftigt sie sich mit den empirischen, psychologischen und subjektiven Bedingungen des Denkens. Heute würden wir uns fragen, ob dies überhaupt zur Logik gehört. Man kann dies auch mit guten Gründen verneinen und es in die Kategorie der Psychologie des Denkens verschieben. Seit 200 Jahren haben sich in einer Tradition, die sich mit der Logik als Wissenschaft beschäftigt, auch Wandlungen ereignet, die dazu geführt haben, dass wir die Logik im Wesentlichen als eine Formenlehre des Denkens und des Erkennens betrachten, nämlich als reine Logik. Die angewandte Logik bei Kant gehört zur Psychologie des Denkens, während die reine Logik dasjenige ist, auf die es Kant ankommt. Sie beschäftigt sich mit den Formen des Verstandes. Formalisierung heißt, alles Inhaltliche ausblenden, dies ist mit dem Wort „rein“ gemeint, und bedeutet, wie Kant es formuliert, keine Rücksicht auf die Differenz zu nehmen, die zwischen den Gegenständen besteht. Weiterhin sagt er, dass es apriorische Formen sind. Diese sind nicht von Erfahrung abhängig. Für uns müssen demnach logische Gesetzte a priori gelten, das heißt unabhängig von Erfahrung und auch davon, ob von allen immer so gedacht wird. Die logischen Gesetze denken immer und überall. Die Logik wiederum ist eine empirische Wissenschaft.

[...]


[1] Kant leicht gemacht: Eine Einführung in seine Philosophie, Köln 2005, S. 7

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Was versteht Kant unter einem synthetischen Urteil a priori
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Veranstaltung
Vorlesung
Note
1,0
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V161065
ISBN (eBook)
9783640765553
ISBN (Buch)
9783640765652
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kant, urteil
Arbeit zitieren
Anonym, 2010, Was versteht Kant unter einem synthetischen Urteil a priori, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161065

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