Eine Vater-Sohn-Beziehung im salischen Kaiserhaus

Heinrich IV. und Heinrich V.


Seminararbeit, 2010
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Kinder- und Jugendjahre

3. Lossagung vom Vater
3.1 Motivation
3.2 Verrat

4. Nach dem Tod des Vaters
4.1 Das Begräbnis von Heinrich
4.2 Besondere Ehrungen für Heinrich

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die völlige Andersartigkeit der mittelalterlichen Gesellschaft mit ihren außergewöhnlichen Gesetzmäßigkeiten fasziniert, stellt aber gleichsam den Betrachter vor Schwierigkeiten. Das Thema meiner Seminararbeit ist so gewählt, dass ein Bezug auch aus gegenwärtiger Sicht möglich wird. Was es bedeutet als junger Mann oder sogar schon als Kind König beziehungsweise Regent zu sein, kann man sich nur schwer vorstellen, einfacher erscheint dagegen das Verständnis einer Vater-Sohn-Beziehung. Eine solche, nämlich die zwischen Heinrich IV. und Heinrich V., soll hier im Zentrum stehen. Auch wenn eine so nahes familiäres Verhältnis heute ganz anders aussieht und ebenfalls anderen Einflüssen beziehungsweise Gesetzmäßigkeiten unterliegt, scheint es äußert interessant, sich mit dieser speziellen Art von Verbindung näher auseinanderzusetzen, was ich anhand der bezeichnensten Ereignisse im Leben jener beiden Herrscher der salischen Dynastie tun möchte. Dabei soll die Frage im Mittelpunkt stehen, wie und warum sich diese Beziehung so entwickelte, wie sie es tat. Insofern müssen besonders die jeweiligen Motivationen und Gründe für die Handlungen der zwei Männer eingebracht und begutachtet werden.

Die Verbindung Heinrichs V. zu seinem Vater lässt sich an ausgewählten Punkten exemplarisch beschreiben. War in der frühen Jugend Heinrichs noch sein älterer Bruder Konrad als Nachfolger des Vaters vorgesehen, entschied sich dieser, nachdem Konrad auf die Seite des Papstes im anhaltenden Investiturstreits gewechselt war, den jüngeren Bruder als Erben und Mitregent einsetzen zu lassen. Die Verbindung zwischen Vater und Sohn an der Spitze des Reichs hielt für mehrere Jahre. Danach kam es allerdings zum Bruch, über dessen grundlegende Motivation bis heute gestritten wird. Besonders diese unerwartete Entwicklung soll in der vorliegenden Seminararbeit behandelt werden. Als ein weiteres zentrales Thema wird der Konflikt um das Begräbnis von Heinrich IV. in den Text eingebracht.

Grundlegend habe ich mich bei dieser Seminararbeit auf Texte von Stefan Weinfurter gestützt, besonders hervorzuheben hierbei der Aufsatz „Reformidee und Königtum im spätsalischen Reich.“

2. Kinder- und Jugendjahre

Über die Beziehung Heinrichs V. zu seinem Vater in Kinderjahren lässt sich nur mutmaßen, da sich dazu praktisch keine Aufzeichnungen finden lassen. Jedoch kann man durch die Ausgangslage zumindest einen Eindruck gewinnen, was das Verhältnis beeinflusst haben könnte. Heinrich wurde wahrscheinlich im Jahr 1081 geboren, andere Historiker vermuten 1086.[1] Das zentrale Charakteristikum für diese Zeit und die Entwicklung des Heranwachsenden war das Fehlen des Vaters. Selbiger war vom Papst gebannt worden und auch aus diesem Grund verweigerten ihm die süddeutschen Fürsten die Rückkehr aus Oberitalien. Dort verbrachte Heinrich IV. sechs Jahre von 1090 an.[2] Unabhängig davon, ob das Kind damals erst vier oder neun Jahre alt war, muss dies in jedem Fall eine sehr prägende Erfahrung gewesen sein. Der große Bruder Konrad und eigentlicher Thronfolger, wendete sich in den neunziger Jahren gegen ihren Vater und stellte sich auf die päpstliche Seite im Streit zwischen der Kirche und der salischen Dynastie. Als Dank dafür bekam er die italienische Königswürde zugesprochen. Damit einhergehend verlor er aber den Anspruch auf die Thronfolge Heinrichs IV. und bekam diese offiziell 1098 abgesprochen.

In Folge dessen ging der Anspruch auf den Thron, so wurde es von der Reichsversammlung beschlossen, auf den zweiten Sohn, Heinrich V., über. Vor der Krönung musste er aber seinem Vater einen Eid schwören, dass er zu dessen Lebzeiten nicht in die Regentschaft eingreifen werde. Dieses Misstrauen, aufgrund der vorangegangenen Situation zwar durchaus zu verstehen, konnte sich für die Verbindung zwischen Vater und Sohn natürlich nicht positiv auswirken. Anfang Januar 1099 wurde Heinrich V. gesalbt und gekrönt und somit als Mitregent eingesetzt. Die folgenden sechs Jahre vergingen ohne überlieferte Zwischenfälle, was darauf hindeutet, dass die Doppelregentschaft während jener Zeit gut funktionierte. Quellen belegen zwar gemeinsame Aktivitäten, gehen aber nicht auf die Beziehung zwischen den Beiden konkret ein.[3] Aufschlussreiches diesbezüglich erfährt man erst ab dem Jahr 1104.

3. Lossagung vom Vater

3.1 Motivation

„Heinrich V. gilt als rücksichtsloser, kalt rechnender Kaisersohn mit einer an Grausamkeit grenzenden Unbarmherzigkeit und von skrupelloser Brutalität, die er verborgen gehalten habe unter dem Deckmantel kirchlicher Gesinnung und hinter der Maske eines gewinnenden Äußeren.“[4] Diese Bewertung der Person Heinrichs V. stützt sich auf die Ereignisse um die Ablösung seines Vaters (1104-1106) und die spätere Auseinandersetzung mit dem Papst (1111). Für die Vater-Sohn-Beziehung ist natürlich besonders ersteres Ereignis ein, wenn nicht sogar der zentrale Punkt.

Wie kam es dazu, dass sich der eigentlich durch Eid gebundene Sohn, welcher mit dem Vater scheinbar erfolgreich regierte, gegen den selbigen wandte?

Die politische Verantwortung für das Geschehen wird häufig Heinrich V. angelastet, jedoch findet man bei näherer Betrachtung in der Gruppe um ihn Fürsten mit einem sehr großen Macht- und Einflusspotential, nicht nur politischer Art, sondern auch auf den jungen Mann selbst. Es scheint deshalb unerlässlich, einen Blick auf die Menschen zu werfen, welche Heinrich V. so nahe standen und zum großen Teil darauf Einfluss nahmen, wie er seine Entscheidungen traf. Namentlich zu nennen sind dabei Diepold III. von Vohburg, mit großer Macht in Nordbayern, Otto von Habsberg und Graf Berengar. Alle drei waren wahrscheinlich nicht älter als 25 Jahre und hatten durch diverse Erbschaften ein großes Herrschaftsgebiet erlangt. Weinfurter meint, dass die Motivation zum Sturz des Kaisers Heinrich IV. nicht im Machtstreben seiner Gegner, sprich Heinrich V. und der genannten Fürsten, oder einzelner Ereignisse auszumachen sei, sondern in deren religiösen Vorstellungen.[5] Die Gruppe um den Kaisersohn war dem Papst Paschalis II. sehr verbunden und gehörte zum sogenannten Reformadel.[6]

[...]


[1] Ausführlich dazu: NEUMEISTER, Peter: Daten und Deutungen, S. 89-97.

[2] Vgl. ALTHOFF, Gerd: Heinrich V. (1106-1125), S. 181.

[3] Vgl. ebd. S. 181f.

[4] WEINFURTER, Stefan: Reformidee und Königtum im spätsalischen Reich, S. 290.

[5] Vgl. ebd. S. 291-297.

[6] LAUDAGE, Johannes: Die Salier, S.94f.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Eine Vater-Sohn-Beziehung im salischen Kaiserhaus
Untertitel
Heinrich IV. und Heinrich V.
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Fürstliche Dynastien im deutschen Hochmittelalter
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V161287
ISBN (eBook)
9783640751938
ISBN (Buch)
9783640752430
Dateigröße
361 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eine, Vater-Sohn-Beziehung, Kaiserhaus, Heinrich, Heinrich V., Heinrich IV., Salier, Papst, Paschalis II., Reformkirche, Reformadel, Dynastie, Hochmittelalter, Begräbnis, Motivationen, Speyer, Pravileg, Kindheit
Arbeit zitieren
Christian Hochmuth (Autor), 2010, Eine Vater-Sohn-Beziehung im salischen Kaiserhaus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161287

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