Ehrenamtliches Engagement im Verein

Die Hamburger Tafel, ein Beispiel


Hausarbeit, 2005

36 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Hamburger Tafel

3. Theoretische Einordnung des Themas
3.1. Was ist eine freiwillige Vereinigung?
3.2. Was bedeutet ehrenamtliches Engagement?
3.3. Der Wandel des freiwilligen Engagements
3.4. Der Ist – Zustand des freiwilligen Engagements in Deutschland
3.5. Motive für ein freiwilliges Engagements

4. Die Methoden
4.1. Die Erhebungstechnik
4.2. Die Untersuchungssituation
4.3. Das Auswertungsverfahren

5. Ergebnisse und Auswertung
5.1. Motive
5.2. Arbeitsklima
5.3. Politische Entwicklung
5.4. Finanzielle Situation
5.5. Netzwerke
5.6. Probleme
5.7. Der Erfolg der Hamburger Tafel

6. Vergleich des theoretischen Fundamentes mit der Hamburger Tafel
6.1. Strukturwandel des Ehrenamtes
6.2. Persönlichkeitsstruktur der Mitarbeiter
6.3. Ausdifferenzierung
6.4. Bedeutung der Hamburger Tafel
6.5. Einbettung des Engagements in berufliche Laufbahnen

7. Maßnahmen und Strategien

8. Fazit/Ausblick

Literaturverzeichnis/Quellen

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema des ehrenamtlichen Engagements in freiwilligen Vereinigungen. Der aktuelle Diskurs zum „Freiwilligen Engagement“ beschäftigt sich mit einem beobachtbaren Wandel des Ehrenamtes. In den letzen Jahren ist ein Rückgang des ehrenamtlichen Engagements zu verzeichnen. Ob es einen Rückgang an Engagement gibt oder nur ein Strukturwandel des freiwilligen Engagements zu beobachten ist, möchten wir anhand einer ausgesuchten freiwilligen Vereinigung untersuchen. Es sind nicht mehr nur die subjektiven Motive der Ehrenamtlichen, die einen Wandel herbeiführen, sondern es sind auch die immer mehr zunehmenden Veränderungen der Kontext- und Rahmenbedingungen des ehrenamtlichen Engagements.[1] Aus dieser aktuellen Lage heraus, stellt sich nun die Frage, ob es einen Strukturwandel des Ehrenamtes gibt und wie dieser vonstatten geht.

Die vorliegende Arbeit, welche auf einem theoretischen Hintergrund und einer empirischen Untersuchung bei der Hamburger Tafel e.V. aufbaut, beschäftigt sich mit dem Thema „ Sozialer Kitt der Gesellschaft? Konzepte und Strategien zur Verbesserung ehrenamtlichen Engagements in freiwilligen Vereinigungen “ . Dieses Thema war Gegenstand eines Mittelseminars am Fachbereich der Soziologie, im Wintersemester 2004/2005 an der Universität Hamburg, unter der Leitung von Herrn Dr. phil. Markus R. Friederici. Ziel des Seminars, und der damit verbundenen Untersuchung, war ein Strategiepapier oder auch Maßnahmenkatalog zu entwerfen, der eventuelle Probleme bei freiwilligen Vereinigungen klar darstellt und Lösungsvorschläge liefert. Wir möchten darauf hinweisen, das diese Arbeit nicht repräsentativ sein wird, da sie nur die Auswertung von drei geführten Interviews enthält, von denen auch zwei Befragungen mit einem hauptamtlichen Mitarbeiter und einem Spender geführt worden. Es liegt also nur ein Interview mit einem ehrenamtlichen Mitarbeiter vor, welches wir hier als Experteninterview bezeichnen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit, wird auf der Auswertung der Interviews liegen, denen folgende von uns gestellten Hypothesen vorausgegangen sind. Die zuerst genannte Hypothese ist die Hauptthese, die auch den Leitfaden des Seminars darstellte.

1. Ehrenamtliches Engagement geht zurück.

Um sicher zu stellen, was wir unter Ehrenamtlichkeit und freiwilliger Vereinigung verstehen, möchten wir dies hier anhand von kurzen Definitionen noch mal erläutern. Unter einem Menschen, der sich freiwillig engagiert, versteht man: „...Mitarbeiter von Organisationen, kirchlichen Vereinen, sozialen Diensten oder staatlichen Organen (z.b. Gemeinden), die ihre Tätigkeit (im Gegensatz zur Erwerbsarbeit) ohne Bezahlung verrichten“.[2] Eine freiwillige Vereinigung ist demnach ein Zusammenschluss mehrerer Freiwilliger/Ehrenamtlicher, welche die gleichen Interessen vertreten und verfolgen, einen Vorstand haben und der gesamte Verein mit seinem Vereinsvermögen haftet.

Die folgenden Hypothesen haben wir uns im Laufe des Seminars gestellt, um sie produktiv für das Erstellen unseres Fragebogens zu verwenden.

2. Ehrenamtliches Engagement beruht auf persönlichen Wertvorstellungen.
3. Ehrenamtliches Engagement muss den Leistenden persönliche Befriedigung geben.
4. Ehrenamtliches Engagement beruht nicht auf Selbstlosigkeit.
5. Ehrenamtliches Engagement findet aufgrund persönlicher Erfahrungen/Betroffenheit statt.

Die Bedeutung, die hinter diesen Hypothesen steckt, ist vielleicht auf den ersten Blick nicht sofort ersichtlich. Unserer Ansicht nach ist jedoch sicher, das freiwillige Vereinigungen und Organisationen weiterhin bestehen sollten, denn sie stellen für jeden Einzelnen Möglichkeiten dar, politisch, sozial, biografisch wie auch altruistisch aktiv zu werden und Handlungsspielräume zu nutzen und zu gewinnen.

Wir haben uns im Umfang des Seminars für die qualitativ – heuristische Untersuchungsmethode entschieden, da sie uns anhand eines Face – to – Face Interviews, genügend Interpretationsmöglichkeiten lässt, nicht standardisiert ist, Beschreibungen und Erzählungen der befragten Subjekte zulässt und wir somit keine Klassifizierungen herausarbeiten. Wir stoßen eher auf typische Fälle, die mehr Aufschluss geben und auf eventuell weitere Zusammenhänge und Aspekte im Feld verweisen.[3]

Der zweite Teil dieser Arbeit wird sich im Detail mit der Vereinigung der Hamburger Tafel e.V. beschäftigen. Im dritten Kapitel beschäftigen wir uns mit dem theoretischen Hintergrund, auf dem unsere Arbeit basiert. Wir werden Stellung zu genannten Problemfeldern und Spezifika von anderen freiwilligen Vereinigungen in der Literatur nehmen und herausarbeiten, ob diese auch kongruent mit der Hamburger Tafel e.V. sind. Außerdem werden wir anhand der Theorie und des aktuellen Diskurses unsere Hypothesen vorstellen und erläutern. Das vierte Kapitel wird sich mit der Methodik, mit dem Erstellen des Fragebogens und der Interviewsituation befassen. Wir werden die Untersuchungssituation darstellen, und die Frage beantworten, wie wir an die Befragung/Face – to – Face Interview herangegangen sind. Im Folgenden, und im für uns wichtigsten Teil, stellen wir die Untersuchungsergebnisse vor, die wir durch eine Inhaltsanalyse erarbeitet haben. Das 6. Kapitel beschäftigt sich mit der Auswertung der Ergebnisse und wir werden einen Vergleich anstellen, wodurch wir einen Bezug zu den, im dritten Kapitel genannten, Theorien herstellen. Durch die Auswertung der Untersuchungsergebnisse, sind wir nun im 7. Kapitel fähig, einen Maßnahmenkatalog herauszuarbeiten und eventuelle Lösungsstrategien der Hamburger Tafel e.V. vorzuschlagen, falls denn die Befragung des ehrenamtlichen Mitgliedes der Hamburger Tafel e.V. unsere Hypothesen bestätigt.

Im 8. Kapitel werden wir ein Fazit ziehen und schauen, welche Zukunftsaussichten freiwilliges Engagement, im speziellem bei der Hamburger Tafel e.V., aber auch allgemein haben wird.

2. Die Hamburger Tafel

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Beschreibung der Hamburger Tafel (HT), welche als Idee aus den USA stammend, ein Netzwerk freiwilliger sozialer Arbeit darstellt.

1963 wurde von John van Hengel in Phoenix - Arizona in den USA die erste Tafel gegründet. 1983 wurde in New York die „City Harvest“, eine Organisation zur Verteilung von überschüssigem Essen an hungrige Menschen, gegründet. Sie verteilen jährlich über 50.000 Tonnen Essen an über 800 Ausgabestellen in New York.[4]

Dieses Konzept wurde von Ursula Kretzmer-Mossner aus den USA mit nach Deutschland gebracht, wo sie 1993 die erste Tafel in Deutschland - Berlin, gründete. Ihr folgten im Jahr 1994 die Tafeln in München, Neumünster, Hannover, Düsseldorf, Essen und die Hamburger Tafel. Die Gründung der Tafel in Hamburg sorgte z.b. durch den Film „Die Sattmacher“ für einen breiten Bekanntheitsgrad der Tafel-Organisation in Deutschland. Das Tafelprinzip hat sich im Laufe der Jahre sowohl national, als auch international ausgedehnt und erstreckt sich jetzt weltweit über Länder wie Südafrika, Australien und Österreich.[5]

Die HT ist eine von bundesweit ca. 400 Tafeln und wurde 1994 von Annemarie Dose gegründet. Frau Dose war als Ruheständlerin auf die Idee des „City Harvest“ aufmerksam geworden und gründete daraufhin die HT. Sie informierte sich bei den städtischen Behörden über die Möglichkeiten und Richtlinien, organisierte erste Spender und baute ein Netzwerk zu sozialen Organisationen auf, die sie mit Essen versorgen wollte. Durch die Obdachlosenzeitung „Hinz & Kuntz“ wurden erste Mitarbeiter gefunden. Dadurch konnte die Hamburger Tafel ihre Arbeit aufnehmen.[6]

Den Kern der Tafel bildet ein Stamm aus ca. 100 freiwilligen Helfern, über die hinaus aber ein Netzwerk aus ca. 60 Spendern aus Hamburg, einen weiteren Teil an indirekten freiwilligen Helfern bilden. Diese stellen der Tafel neben Lebensmitteln auch ihre Fähigkeiten wie z.b. die Gestaltung von Werbeplakaten etc., zur Verfügung. Die Tafel hat zurzeit 7 Fahrzeuge, mit denen sie monatlich ca. 60-80 Tonnen Lebensmittel von den Spendern abholt und an soziale Einrichtungen in Hamburg verteilt.

Finanziell ist die HT als gemeinnütziger Verein daran gebunden, keine finanziellen Rücklagen bilden zu dürfen. Deshalb hat die Gründerin der HT, Annemarie Dose, 2002 die „Annemarie-Dose-Stiftung“ gegründet, welche die finanziellen Mittel bereitstellt, die die Arbeit der Tafel ermöglicht. Hiermit sind z.b. Fahrt- und Benzinkosten, Reparaturkosten für die Fahrzeuge und alle anderen laufenden Kosten gemeint. Daneben wird das Geld der Stiftung aber auch als finanzielles Polster gesehen, um nicht vorhersehbare Ereignisse finanziell abzusichern.[7]

Wie schon oben angemerkt, besteht die HT aus ca. 100 ehrenamtlichen HelferInnen. Unterstützt werden diese durch einen fest angestellten Mitarbeiter, sowie einen Zivildienstleistenden. Die Arbeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter teilt sich in den Fahrdienst und die Bürotätigkeiten auf. 10 Mitarbeiter sind im Büro tätig, 50 als Fahrer und die restlichen 40 als Beifahrer. Die einzige finanzielle Entschädigung für die Tätigkeit bei der Tafel können die ehrenamtlichen Helfer durch eine Fahrtgelderstattung bekommen, welche von den meisten Helfern aber nicht in Anspruch genommen wird. Die Ehrenamtlichen sind durch die Berufsgenossenschaft versichert. Der fest angestellte Mitarbeiter ist für die Organisation und Koordination zuständig. Durch seine Erfahrungen im Personalmanagementbereich, in dem er vor seiner Arbeit bei der Tafel tätig war, hat er eine Datenbank der ehrenamtlichen HelferInnen und der Spender aufgebaut und somit professionelle Strukturen in die Tafel gebracht, durch die die Arbeitsabläufe erleichtert wurden.

Die HT ist als Bindeglied zwischen den Lebensmittelherstellenden und –vertreibenden Firmen und den sozialen Einrichtungen zu sehen, die sich um die Bedürftigen wie z.b. Obdachlose, Sozialhilfeempfänger u.a. kümmern. Da sich die großen Handelsketten wie z.b. „miniMal“ als Einzelhandels-Kette nicht um eine Vergabe von Ausschussware kümmern können, würden diese Lebensmittel, wie vor Gründung der HT, entsorgt werden. Da sich aber auch die einzelnen sozialen Organisationen nur schwer um Spendemöglichkeiten wie die der HT kümmern können, ist durch die Tafel eine Netzwerkverbindung geschaffen worden, welche den Wünschen der nutzenden Organisationen, wie den Möglichkeiten der Spender entsprechend eine Position einnimmt, die von beiden Seiten begrüßt und gefördert wird.

3. Theoretische Einordnung des Themas

Um fundierte Aussagen zu unseren Ergebnissen treffen zu können, wollen wir nun einen theoretischen Rahmen schaffen. Daher möchten wir im folgenden Kapitel unser Thema theoretisch einbetten. Dazu werden wir zunächst einige Basisliteratur, die auch im Seminar thematisiert wurde, vorstellen. Des Weiteren werden wir genauer auf folgende Fragen eingehen: Was ist eine freiwillige Vereinigung? Was bedeutet ehrenamtliches Engagement? Darüber hinaus soll der Wandel des freiwilligen Engagements beschrieben werden und der Ist – Zustand des freiwilligen Engagements in Deutschland angerissen werden. Abschließend werden wir die Motive für ein freiwilliges Engagement, die in der Literatur und verschiedenen Studien beschrieben werden, erläutern.

In Kapitel 6 werden wir dann unsere Forschungsergebnisse auf das theoretische Fundament beziehen, sowie Schnittmengen und eventuelle Widersprüche klären.

3.1. Was ist eine freiwillige Vereinigung?

Freiwillige Vereinigungen, kurz Vereine, haben in der Bundesrepublik eine lange Tradition, was sich schon an manchen Namen, wie zum Beispiel „TSV 1860 München“ erkennen lässt. Bei diesem Beispiel steht das „1860“ für das Gründungsjahr und „TSV“ für Turn und Sportverein. Neben dem Schwerpunkt Sport gibt es aber auch in anderen Bereichen Vereine.

„Der Gegenstandsbereich von Vereinen ist im Prinzip unendlich, da alles, angefangen von der Wirtschaftsförderung bis zur Unterstützung der Esoterik, vereinsmäßig organisiert werden kann“.[8]

Die Gründung oder der Beitritt in einen Verein ist für eine Person die Möglichkeit, mit anderen Menschen auf Grundlage eines gemeinsamen Interesses, eine Tätigkeit auszuüben. Juristisch gibt es zwei Typen von Vereinen, die sich laut §21 BGB anhand ihrer wirtschaftlichen Ausrichtung unterscheiden lassen. Ein Verein ohne wirtschaftlichen Zweck wird als so genannter „Idealverein“ bezeichnet. Diese Form kommt am häufigsten vor. Der Zweck eines Vereins wird in der Vereinssatzung festgelegt. Diese enthält alle grundlegenden Richtlinien für den Verein, wie zum Beispiel die Ein- und Austrittsregeln für Mitglieder und Informationen über den Sitz des Vereins.[9] Da wir einen Bezug zur Hamburger Tafel herstellen wollen, vernachlässigen wir die Betrachtung der wirtschaftlich orientierten Vereinsform.

In den klassischen Tätigkeitsfeldern Kultur und Sport sind schon früh Vereine gegründet worden, dem weitere Formen wie Gesangs- oder Heimatvereine folgten.

Die Hamburger Tafel ist als Teil eines beobachtbaren Trends zu sehen, denn neben den Freizeit- und kulturorientierten Inhalten gewinnen soziale, wie auch pädagogische und gesundheitliche Inhalte an Bedeutung. Allerdings weicht die HT mit ihrer, auf das Geschlecht bezogenen, Mitgliederstruktur von der überwiegenden Zahl der Vereine ab, da das Verhältnis hier nahezu ausgeglichen ist. In vielen Vereinen mit sozialen Inhalten ist hingegen der größere Teil der Mitglieder weiblichen Geschlechts.[10]

Durch Erhebungen wie die „Allbus“ (Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften) sind als spezifische Merkmale in Bezug auf die Mitglieder von Vereinen, neben der Geschlechterverteilung auch die Altersstrukturen genannt. „Das Gros der Vereinsmitglieder (67%) gehört der mittleren Generation im Alter von etwa 30 bis ca. 55 Jahren an“.[11] Wie aber auch beobachtet wurde, ist in den sozialen Bereichen ein großer Anteil an Vereinsmitgliedern zu verzeichnen, die älter als 55 Jahre sind. Diese beiden Besonderheiten treffen auch auf die HT zu.

Der Unterschied zwischen aktiver und passiver Mitgliedschaft ist ein weiteres wichtiges Merkmal von Vereinen. Als passive Mitglieder werden jene bezeichnet, die durch rein finanzielle Leistungen gegenüber dem Verein auftreten und sich sonst nicht am Vereinsleben beteiligen. Die Zahl der passiven Vereinsmitglieder nimmt laut Czada/Simonis mit steigender Zahl der Gesamtmitglieder ebenfalls zu. Je kleiner der Verein, desto größer ist die aktive Beteiligung der einzelnen Mitglieder.

Als typisches Ehrenamt in Vereinen ist die Vorstandstätigkeit zu nennen. Dieses Gremium besteht zumeist aus sechs bis sieben Mitgliedern, welche fast ausschließlich männlich sind. Vereinsvorstände, die mit Frauen besetzt sind, haben aber weniger Probleme in Bereichen wie dem des mangelnden Engagements oder der fehlenden finanziellen Mitte.[12]

Weitere Aspekte bei der Analyse von Vereinsstrukturen sind die Zunahme von bezahlten Beschäftigungsverhältnissen und die Professionalisierung auf verschiedenen Ebenen.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Vereine in Deutschland eine lange Geschichte haben, sich aber auf Grund der Tatsache, dass diese für jedes Interessengebiet gegründet werden können, immer neue Vereine mit neuen Tätigkeitsfeldern bilden.

3.2. Was bedeutet ehrenamtliches Engagement?

Ehrenamtliches Engagement beruht auf einer Einstellung, die individuell auf verschiedensten Motiven beruhen kann. Einerseits können es Motive sein, die sich auf die Leistungsempfänger beziehen, also in erster Hinsicht von Selbstlosigkeit geleitet sind und nicht vom Nutzen, den der Ehrenamtliche selbst von der Arbeit hat. Dies ist als die traditionelle ehrenamtliche Tätigkeit zu sehen, bedeutet aber natürlich nicht, dass damit völlig ausgeschlossen ist, dass der Leistungserbringer einen Nutzen davon hat. Allein das Gefühl, jemandem durch sein Handeln zu helfen, jemandem Freude zu bereiten und Verantwortung zu übernehmen sind mit der Tätigkeit verbundene Erfahrungen, die einem selbst nutzen, indem sie z.B. das Selbstwertgefühl steigern oder neue Fähigkeiten in einem selbst erkennen lassen.

Neben diesen individuellen, subjektiven Motiven gibt es aber auch äußere Umstände, die auf das Ehrenamt einwirken. Diese müssen, um das Ehrenamt in Bezug auf seine Bedeutung zu beschreiben, in die Betrachtungen mit einbezogen werden. Ehrenamtliches Handeln findet in einem Rahmen statt, der sich aus den individuellen Lebenslagen, die sich in einem stetigen Wandel befinden, und den Rahmenbedingungen, in denen das Ehrenamt stattfindet, zusammensetzt. „Hierbei wäre z.b. an allgemeine, organisationsübergreifende Settings wie dem »Dritten Sektor«, dem gemeinnützigen, intermediären Bereich oder dem Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitswesen ebenso zu denken wie an Vereine, Verbände und Initiativen“.[13] Ehrenamt findet somit immer in einem schon festgelegten System statt. Diese Ausgangsbedingungen unterliegen, wie auch die persönlichen Motive, einer stetigen Veränderung.

Mitte der 80er Jahre beobachteten Wissenschaftler, das sich ehrenamtliches Engagement in einem Wandel vom ´alten´ zum ´neuen´ Ehrenamt befand. Den Wandel beschrieben die Wissenschaftler mit Begriffen wie ´Bedeutungsverlust´, ´Ausdifferenzierung´ oder ´Verlagerung´, und die hiermit verbundenen Veränderungen wurden als Teile eines Modernisierungsprozesses gesehen, der sich sowohl auf die Strukturen wie auch auf die individuellen Grundlagen bezog.

[...]


[1] Beher, K./Liebig, R./Rauschenbach, T. Strukturwandel des Ehrenamts: Gemeinwohlorientierung im Modernisierungsprozess. Weinheim, 2000, S. 8

[2] vgl.:http://de.wikipedia.org/wiki/Ehrenamt, 09.05.2005

[3] Wienhold, H./Rammstedt, O./Lautmann, R./Fuchs-Heinritz, W. Lexikon zur Soziologie, 3. völlig neu überarbeitete und erweiterte Auflage, Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1995, S. 613

[4] vgl.: http://www.cityharvest.org, 12.05.2005

[5] vgl.: http://www.tafel.de/seiten/deutschetafellandschaft.html, 10.05.2005

[6] vgl.: http://www.hamburger-tafel.de, 10.05.2005

[7] vgl.: http//www.annemarie-dose-stiftung.de, 10.05.2005

[8] Czada, R./Simonis, G., Vereine – Basiselemente der Demokratie, Eine Analyse aus der Dritte Sektor Perspektive, Leske und Budrich, Opladen 1996, S. 97

[9] vgl.: http://www.vereinsknowhow.de/organis, 23.05.2005

[10] Czada, R./Simonis, G., Vereine – Basiselemente der Demokratie, Eine Analyse aus der Dritte Sektor Perspektive, Leske und Budrich, Opladen 1996, S. 100 ff.

[11] Czada, R./Simonis, G., Vereine – Basiselemente der Demokratie, Eine Analyse aus der Dritte Sektor Perspektive, Leske und Budrich, Opladen 1996, S. 109

[12] vgl.: Czada, R./Simonis, G., Vereine – Basiselemente der Demokratie, Eine Analyse aus der Dritte Sektor Perspektive, Leske und Budrich, Opladen 1996, S. 109

[13] Beher, K./Liebig, R./Rauschenbach, T. Strukturwandel des Ehrenamts: Gemeinwohlorientierung im Modernisierungsprozess. Weinheim, 2000, S. 10

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Ehrenamtliches Engagement im Verein
Untertitel
Die Hamburger Tafel, ein Beispiel
Hochschule
Universität Hamburg  (Soziologie)
Veranstaltung
Sozialer Kitt der Gesellschaft ? Konzepte und Strategien zur Verbesserung ehrenamtlichen Engagements in freiwilligen Vereinigungen
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
36
Katalognummer
V161532
ISBN (eBook)
9783640749713
ISBN (Buch)
9783640857968
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ehrenamt, Hamburger Tafel, Verein
Arbeit zitieren
Henrike Göhl (Autor:in), 2005, Ehrenamtliches Engagement im Verein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161532

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Titel: Ehrenamtliches Engagement im Verein



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