Geld an der Börse und Privat


Seminararbeit, 2010
288 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Globalisierung und die Global Cities - Geld an der Börse und Privat (Alexandra Ried)

2. Exkurs: Experteninterview (Corina Schütze)

3. Börsencrashs der Vergangenheit (Alexandra Ried)
3.1. Die Börse
3.1.2. Die Geschichte der Börse
3.1.2.1. Der Anfang lag im Geld
3.1.2.2. Die Börse wird populär
3.1.3. Bulle und Bär
3.1.4. Der Finanzmarkt
3.1.4.1. Geldmarkt
3.1.4.2. Originärer Kapitalmarkt
3.1.4.3. Markt für Derivate
3.1.5. Die Charts
3.1.6. Die Börse und der Kapitalismus
3.1.7. Die Globalisierung und ihre Auswirkungen
3.2. Börsencrashs der Vergangenheit und der Gegenwart
3.2.1. Der Begriff Börsencrash
3.2.2. Der Tulpenwahn
3.2.2.1. Vorgeschichte
3.2.2.2. Verlauf und Folgen
3.2.2.3. Überlieferung
3.2.3. Der Schwarze Freitag und der Dawes-Plan
3.2.3.1. Ursachen des Jahrhundertcrashs - Dawes-Plan
3.2.3.2. Die Vorgeschichte
3.2.3.3. Der Schwarze Freitag und die direkten Folgen
3.2.3.4. Versuche gegen die Krise
3.2.3.4.1. New Deal
3.2.3.4.2. John Maynard Keynes
3.2.3.4.3. Lösungsansatz Deutschlands
3.2.3.5. Resümee des Jahrhundertcrashs
3.2.4. Die Asienkrise
3.2.4.1. Entstehung und Ursachen der Krise
3.2.4.2. Der Verlauf und die Auswirkungen
3.2.4.3. Hilfsprogramme und mögliche Präventivmaßnahmen
3.2.4.4. Die Kernpunkte der Asienkrise
3.2.5. Die Dot.com-Bubble und der Terroranschlag des 11.09.2001
3.2.5.1. Neuer Markt
3.2.5.2. Die Dot.com-Blase
3.2.5.3. Die Folgen des 11. Septembers 2001
3.2.6. Zusammenfassende Eigenschaften und Ursachen eines Börsencrashs
3.2.7. Mögliche Maßnahme nach einem Crash - aggressive Liquiditätsversorgung
3.2.8. Der Börsencrash dieses Jahrhunderts
3.2.8.1. Vorgeschichte
3.2.8.2. Ursachenevaluation
3.2.8.1.1. Die Rating-Agenturen
3.2.8.1.2. Die verheerenden Subprime-Kredite
3.2.9. Abwenden eines Börsencrashs
3.2.10. Der Aspekt Geld
3.3. Fazit

4. Von den realen Geldplätzen zu den Virtuellen (Alexandra Ried)

5. Das Börsenspiel - eine Umfrage (Corina Schütze)
5.1. Sparkasse und Sparkassen-SchulService
5.2. Planspiel Börse
5.2.1. Organisation
5.2.2. Spielregeln
5.2.3. Virtuelle Ebene
5.2.3.1. Spielbereich
5.2.3.2. Depot
5.2.4. Ablauf
5.2.5. Rolle der Medien
5.3. Erwartungen der Sparkasse
5.3.1. Bildungsauftrag
5.3.1.1. Finanzielle Bildung
5.3.1.2. Nachhaltigkeit
5.3.2. Marketing
5.4. Umfrage
5.4.1. Exkurs: Umfrage (Anna-Norema Pauw)
5.4.2. Konzeption der Befragung
5.4.3. Durchführung der Befragung
5.4.4. Auswertung
5.4.5. Bewertung
5.4.5.1. Überblickserkenntnis
5.4.5.2. Effizienz
5.4.5.3. Auswirkungen
5.5. Das Börsenspiel in Experteninterviews
5.5.1. K
5.5.2. M
5.6. Ergebnisse der Befragung im Vergleich mit denen der Experteninterviews
5.7. Fazit

6. Vom spielerischen zum realen Umgang mit Geld (Anna-Norema Pauw) .

7. Umgang mit dem eigenen Geld - eine Umfrage (Anna-Norema Pauw)
7.1. Zwei verschiedene Geldarten
7.1.1. Entgelt
7.1.2. Transferleistung
7.2. Taschengeld
7.2.1. Die Funktion des Taschengeldes
7.2.2. Andere Bereiche in denen man Taschengeld erhält
7.3. Umfrage zum Thema Taschengeld
7.3.1. Durchführung der Befragung
7.3.3. Auswertung
7.3.4. Bewertung
7.4. Berichte und Experteninterviews über Taschengeld und den Umgang mit Geld
7.4.1. Bericht über L
7.4.2. Bericht über C
7.4.3. Experteninterview mit Frau B., Vermögensberaterin der Allianz (Inhaltlich sinngemäß bearbeitet)
7.4.4. Experteninterview mit Herrn R., Bankkaufmann der Sparkasse (Inhaltlich sinngemäß bearbeitet)
7.5. Zehn Thesen wie man vernünftig mit Geld umgeht
7.6. Fazit

8. Schlussbemerkung (Corina Schütze)

9. Evaluation
9.1. Alexandra Ried
9.2. Corina Schütze
9.3. Anna-Norema Pauw
9.4. Teamevaluation

10. Danksagung

11. Quellenangabe
11.1. Bücher
11.2. Zeitschriften
11.3. Zeitungsartikel
11.4. Internetseiten
11.5. Interviews
11.6. Fragebögen
11.7. Vorträge
11.8. Sonstiges

12. Glossar

13. Personenverzeichnis
13.1. Für Dokumentationen wichtige Personen
13.2. Experten

14. Anhang

15. Abbildungsverzeichnis

1. Globalisierung und die Global Cities - Geld an der Börse und Privat (Alexandra Ried)

„ Geld regiert die Welt. “

Dieser Spruch beschreibt einen Zustand, der in unserer heutigen Gesellschaft leider nur allzu wahr ist. Das Geld bestimmt unseren Alltag, es ist immer präsent. Ob im privaten Haushalt, wo man, wenn wenig Geld vorhanden ist, genau kalkulieren muss, was man sich in diesem Monat überhaupt leisten kann, oder an der Börse*, wo enorme Mengen an Geld, welches oft durch Kredite bekommen wurde, für den Aktienkauf verwendet werden. Das Geld ist allzeit aktuell. Am Anfang war das Geld nur als Tauschmittel gedacht. Einfach zu handhaben, da es nicht verdirbt, verbreitete es sich weltweit und bald hatte jede Zunft, jede Stadt oder sogar jedes Adelsgeschlecht ihre eigene Währung. Der Siegeszug setzte sich rasch fort. Durch die Globalisierung kam es zu einheitlichen Geldwährungen in bestimmten Gebieten. Das Geld hat sich langsam aber stetig in all unsere Lebensbereiche eingeschlichen. Vom Fernsehen mit Shows wie Wer wird Million ä r oder Schlag den Raab, bis hin zu den alltäglichen Redenswendungen wie „ein Quäntchen Glück“. Wir Menschen sind mit der Zeit immer mehr abhängig geworden von unserem Tauschmittel Geld. Die Macht des Geldes wurde größer und damit auch die Abhängigkeit der Menschen.

Wenn wir heutzutage den Begriff „Geld“ verwenden, sprechen wir meistens über das Bargeld - mit der Zeit entwickelten sich jedoch auch andere Arten wie das Giralgeld und das elektronische Geld. In den letzten Jahren entstanden immer mehr absurdere Formen von Geld, mit welchen insbesondere an den Finanzmärkten und den Börsen* gehandelt wird. Das Geld hat demnach neben der Zahlungsmittelfunktion nun auch andere Funktionen eingenommen. Es dient uns Menschen als Wertaufbewahrungsmittel, solange es seinen Wert hält, als Wertmaßstab sowie als Recheneinheit. Der Begriff „Geld“ ist nicht wie oftmals gedacht, an einen Träger gebunden. Der Träger, wie in unserem Falle der Euro, fungiert als Geld. Es kann jedoch ebenso jede andere Art von Träger, wie z.B. Zigaretten als Geld fungieren, wie es oftmals im Krieg der Fall war, als das Papiergeld dank der Inflation* wertlos wurde.

Geld allgemein wird nun in der ganzen Welt als Zahlungsmittel benützt und hat sich sogar allmählich selber als Ware etabliert, sodass Geld selbst gehandelt wird. Dieser Geldhandel und auch der allgemeine Handel mit Waren wird hauptsächlich in den Börsen* der Global Cities abgewickelt. Als Global City, zu Deutsch Globalstadt, bezeichnet man eine Stadt, die ein globaler Standort für führende Dienstleistungseinrichtungen im Finanzbereich ist. Hinzu kommt, dass die Stadt über hoch entwickelte Informations- und Kommunikationseinrichtungen verfügen muss, die notwenig für das Management globaler Wirtschaftsaktivitäten sind. Notwendig für die Entwicklung dieses neuartigen Städtesystems ist die voranschreitende Globalisierung der Weltwirtschaft. Zur Zeit gehören diesem Städtesystem New York, Chicago, Los Angeles, London, Paris, Frankfurt, Milan, Singapur, Hong Kong und Tokyo an.1

Diese Städte sind untereinander vernetzt, wie in Abbildung 1 dargestellt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die aktuellen Global Cities und ihre Vernetzungen

(Quelle: eigener Entwurf nach http://www.mz1000s.de/daten/cards/weltkarte.gif, 12.04.10 und http://www.lboro.ac.uk/gawc/images/world.gif, 12.04.10. )

Zudem läuft über diese Städte der Hauptteil der Börsenaktivitäten ab. Weswegen auch die New York Stock Exchange, die Chicago Mercantile Exchange, die London Stock Exchange, die Bourse de Paris, die B ö rse Frankfurt, die Borsa Italiana, die Singapore Exchange, die Hong Kong Stock Exchange sowie die Tokyo Stock Exchange zu den wichtigsten Börsen* weltweit zählen.

Sollte das Statement „Geld regiert die Welt.“ vielleicht doch nicht auf die gesamte Welt zutreffen, so ist es jedoch auf jeden Fall passend für die internationale Börse*. Ob Großinvestoren oder Kleinanleger, welche nur wegen der Hoffnung auf das schnelle Geld, mitinvestieren, sie alle werden vom Wert des Geldes beeinflusst und zu riskanten Spekulationen* getrieben. Durch diese Spekulationen * kann es zu Kurseinbrüchen und im schlimmsten Fall zu Börsencrashs* kommen, auf welche in den nächsten Kapiteln genauer eingegangen und der Zusammenhang von Geld und Börse* deutlich gemacht werden soll.

Nun folgen einige wichtige Angaben zu en Dokumentationen. Einige Wörter werden mit einem Sternchen versehen sein, was darauf hinweisen soll, dass diese im Glossar ab Seite 192 aufgeführt sind, sodass der Leser jederzeit Zugriff auf die Erklärungen der vorkommenden Fachbegriffe hat. Zudem sind Namen ebenso mit einem Sternchen versehen, was auf das Personenverzeichnis ab Seite 199 verweist. Des Weiteren sind einige Wörter kursiv geschrieben um so zu verdeutlichen, dass dies Eigennamen sind.

2. Exkurs: Experteninterview (Corina Schütze)

In den nachfolgenden Dokumentationen wurde viel mit Experteninterinterviews gearbeitet. Durch ihren hohen informatorischen Stellenwert sind sie eine sehr gute Möglichkeit um zu aussagekräftige Erklärungen zu gelangen. Grundsätzlich gilt diese Methode als die qualitative Methode2 (lat.: qualitas = Beschaffenheit)3, im Gegenzug dazu steht die quantitative Methode4 (lat.: quantitas = Menge)5 der Befragung von Menschenmassen durch eine Umfrage. Eine Mischung aus beidem erzeugt ein aussagekräftiges Ergebnis.

Zur Durchführung des qualitativen Teils werden Experten gesucht, die sich mit der Thematik schon einmal auseinander gesetzt haben. Sie können einen Aufschluss über aufkommende Fragen und Lösungsansätze bieten. Sollen jedoch beide Methoden miteinander verglichen werden, um eine einheitliche Aussage treffen zu können, so müssen die Befragten bspw. im Alter, Geschlecht und/ oder Schulart, mit den meisten Befragten der Umfrage übereinstimmen. Diese Faktoren sind von Befragung zu Befragung unterschiedlich. Die Fragen hierfür müssen jedoch am Leitfaden der quantitativen Methode angeglichen sein, um einen Vergleich zu ermöglichen.6 Das Interview kann persönlich, telefonisch oder digital durchführt werden. Am effektivsten sind jedoch die beiden ersten Varianten. Hier kann der Moderator im Gespräch mit dem Experten bei Unklarheiten sofort nachhaken und Schwerpunkte vertiefen. Die digitale Lösung hingegen ist bei Rückfragen mit einem wesentlich höheren Aufwand verbunden.

Festgehalten werden können alle Formen von Interviews durch Tonaufnahmen, das Mitschreiben und Verfassen eines Protokolls während des Interviews und der Durchführung eines Gedächtnisprotokolls, bei dem das Gesagte erst im Nachhinein notiert wird. Die Verschriftlichung kann wörtlich oder sinngemäß erfolgen. Letzteres bietet sich bei den meisten Interviews an, da hier die Kernaussage beschrieben wird. Bei einem wortwörtlichen Protokoll hingegen wird alles, was der Experte gesagt hat, in Dialekt und Zwischenlauten, wie „äh“, geschrieben. Dies ist nur sinnvoll, wenn in diesen Teilen eine besondere Aussagekraft liegt, ansonsten ist grundsätzlich die sinngemäße Übertragung zu empfehlen. In jedem Falle ist es notwendig den Experten zeitnah das Protokoll gegenlesen zu lassen. Somit erhält er die Möglichkeit bei einer falschen Deutung der Aussagen ein Veto einzulegen und diese korrigieren zu lassen. Dem Moderator hilft dies ebenso weiter, da er keine inkorrekten Antworten verarbeiten muss.7

In der Dokumentation „Börsencrashs der Vergangenheit“ wurde mit Hilfe des promovierten Wirtschaftsingenieurs Dr. Sollte ein großes Maß an Wissen ausgeschöpft um die Arbeit voranzutreiben. In den darauf folgenden Arbeiten, mit den Titeln „Börsenspiel der Sparkasse - eine Umfrage“ und „Umgang mit dem eigenen Geld“, wurden sowohl rein informatorische Interviews als auch Interviews zum Vergleich mit einer Umfrage geführt. Alle Interviews erwiesen sich als sehr aufschlussreich und trugen wesentlich zur Entstehung dieses Buches bei.

3. Börsencrashs der Vergangenheit (Alexandra Ried)

Wer sich etwas näher mit der Geschichte des Geldes beschäftigt wird feststellen, dass die freie Marktwirtschaft immer wieder zu spekulativen Phasen neigt.8 Bei diesen Vorgängen, unabhängig ob es um Banknoten, Wertpapiere oder andere Objekte geht, lassen sich oft ähnliche Merkmale feststellen. Hier soll deswegen der geschichtliche Werdegang des Geldes bis zur Börse*, die darin enthaltenen Spekulationsblasen und den oft darauffolgenden Krisen, sowie die Elemente, die, die Wiederkehr solcher Krisen zeigen, geschildert werden.

3.1. Die Börse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Karikatur Börse*

(Quelle: http://www.ariva.de/boerse_a147908 , 02.04.10.) schaubar und kann nicht

vorausgesagt werden.

Gerade dieses Verhalten der Börsianer wird in der Karikatur (Abbildung 2) ironisiert, als würden sie oft nur wegen Missverständnissen Entscheidungen treffen. Dies ist, hoffentlich, nicht immer zutreffend, kann jedoch besonders in großer Euphorie auftreten. Fakt ist, dass die Börse* selbst mit der derzeitigen Krise nicht untergehen wird.

Das Wirtschaftslexikon24.net definiert die Börse* als „hochorganisierte, hinsichtlich Raum, Zeit, Teilnehmer und Ablauf streng geregelte Marktveranstaltung zum Handel fungibler (vertretbarer) Güter, die nicht körperlich (an der Börse vorhanden) sind.“9 Auf solch einer Marktveranstaltung wird vor allem mit Wertpapieren, Devisen sowie mit Rohstoffen gehandelt. Die Börsen* lassen sich anhand verschiedener Kriterien unterscheiden. Man kann entweder nach der Geschäftsform, der Marktteilnehmerpräsenz oder nach dem Börsensitz selbst, unterscheiden. Aus der Sicht von Firmen, ist die Börse* eine Möglichkeit in einem organisatorischen Rahmen die Beschaffung von Kapital zu organisieren und Liquidität bereitzustellen. Früher war deswegen die Börse* nur für Großunternehmen zugänglich, im Laufe der Globalisierung, auf die noch näher eingegangen wird, wurden jedoch auch junge und kleine Firmen an den Aktienmarkt gebracht. Allgemein ist bei der Börse* ein Kreislauf zu erkennen, welcher sich immer wieder wiederholt. Nach einem Ansteigen der Aktienkurse verbreitet sich oft Euphorie und viele Menschen steigen in die Spekulation* mit ein. Damit ist die Spekulation* ein bekanntes Nebenprodukt der Börse*, jedoch gleichzeitig für viele der Hauptgrund, überhaupt an dieser zu investieren.10 Denn die Hoffnung auf das schnelle Geld treibt viele Menschen dazu, die Logik beiseite zu lassen und sich nur auf den schnellen, persönlichen Reichtum zu fixieren. Durch die rege Teilnahme werden die Preise an der Börse* dann weiterhin in die Höhe getrieben. Am Ende steht jedoch oftmals eine Börsenkrise und für viele Menschen der Ruin. Dies wurde auch oftmals in der Geschichte belegt. Bevor man jedoch sich näher mit den Krisen und deren Ursachen beschäftigen kann, muss erst mal auf die Börse* selbst und die einzelnen Funktionen näher eingegangen werden.

3.1.2. Die Geschichte der Börse

Bevor sich überhaupt erst eine Börse* bilden konnte, musste das Tauschmittel Geld sich weiterentwickeln, bis es schlussendlich an der Börse* in eine Aktie* investiert werden konnte.

3.1.2.1. Der Anfang lag im Geld

Ganz am Anfang stand die Tauschwirtschaft. Es wurde Ware gegen Ware getauscht, doch ziemlich schnell zeigten sich die Grenzen dieses Systems auf. Produzierte ein Bauer nun in einem bestimmten Monat viel Käse, müsste er diesen schnell gegen andere Waren austauschen bevor der Käse verdarb. Möchte dieser Bauer aber nun im Moment gar keine anderen Waren haben, weil er noch genug an Vorrat hat und die Neuen verderben würden, warf dies ein Problem auf. Auch ein Haus in Tausch gegen ein kleineres Gut, wie beispielweise einem Apfel zu kaufen, war im Tauschhandel problematisch, da extrem viele Äpfel herbeigeschafft werden müssten. Dies zeigt, dass das reine Tauschgeschäft, obwohl es immer noch in privaten Gesellschaften teilweise vorkommt, in komplexeren Gesellschaften schnell sein Limit erreicht. Dies war der Grund, weswegen sich schon früh das erste Geld entwickelte. Dieses Geld hatte jedoch noch keine Ähnlichkeit mit dem uns heute Bekannten. Dafür verwendete man in der Natur vorkommende Materialien, wie Felle, Muscheln, oder auch Nutztiere, wovon sich übrigens auch der Begriff Geld ableitete. Im lateinischen bezeichnete man das Vieh als pecu, wovon sich der Begriff pecunia = Geld ableitet.11 Diese Art des Geldes bezeichnete man als Naturalgeld. Doch auch das Naturalgeld hatte ähnliche Nachteile wie die ursprüngliche Tauschwirtschaft. Oft war es selbst verderblich und schwierig zu transportieren, zudem war es schwierig den genauen Wert abzuschätzen und es kam auch oft vor, dass der Tauschpartner diese Art von Naturalgeld nicht haben wollte.

Deswegen entwickelte sich das Geld weiter. Das Fell das vorher als Naturalgeld diente, wurde wieder für seine ursprünglichen Zwecke verwendet und anstatt seiner wurden Münzen zum Zahlen verwendet. Die ersten Münzen entstanden in Kleinasien um 700 v. Chr. und wurden von den Lydern aus Stein geschlagen.12 Diese Art der Münze entwickelte sich ebenso rasch weiter, da das Abwiegen lästig wurde, und bald wurden die ersten Münzen aus Edelmetallen gegossen und geprägt. Dieser Prägevorgang wurde M ü nzen genannt und mit ihm wurde der Wert der Münze festgelegt.

Eine solche Münze konnte dann so wie die in Abbildung 3 aussehen. Die Römer und Griechen entwickelten dieses Konzept des Münzgeldes rasch weiter und neue Arten von Münzgeld kamen in Umlauf. Hierzu gehörte die Kurantm ü nze und die

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Vorderseite lydische Münze aus dem 6 Jhd. v. Chr.

(Quelle: http://www.kindernetz.de/infonetz/thema/geld/erst emuenzen/-

/id=32926/nid=32926/did=32890/wpfker/index.ht ml, 03.04.10.)

Scheidem ü nze. Bei der Kurantm ü nze entsprach der Wert der Münze, dem Wert des verwendeten Edelmetalls. Jedoch als wesentlich praktischer angesehen, war die Scheidem ü nze.

Hier entsprach der Wert nicht dem Wert des verwendeten Edelmetalls, sondern dem aufgedruckten Wert.13 Aufgrund dieser Weiterentwicklung konnte es erst überhaupt zu der Entstehung von Papiergeld kommen. Um das Jahr 1000 sollen zum ersten Mal in China Banknoten verwendet worden sein. Nach Europa kam das Papiergeld jedoch erst wesentlich später. Die Entwicklung des Geldes bis hierhin zeigt eindeutig, dass bis zu diesem Zeitpunkt nur mit realen Werten gehandelt wurde. Man bezahlte für eine Kuh mit einer Münze - beide Werte waren für den Menschen greifbar. Bis es jedoch zu den virtuellen an der Börse* gehandelten Werten kommt, ist es noch ein weiter Weg.

Ab 1100 wurden von Kaufleuten das Kreditgeschäfte unter dem freien Himmel auf Tischen und Bänken abgewickelt. Dies geschah vor allem in den Städten Florenz, Venedig, Siena, Lucca und Mailand. Aufgrund eines geografischen Irrtums, nachdem man annahm, dass diese Städte in der Lombardei lägen, bürgerte sich der Name „Lombarden“ für die Kreditgeber ein.14 Durch den Beginn der christlichen Kreuzzüge wurde dann langsam aber stetig die Epoche hochmittelalterlicher Unbeweglichkeit in Italien beendet und im späten 12. Jahrhundert setzte dann die kommerzielle Revolution ein. Fernhandel, Geld- und Kreditwirtschaften blühten auf. Dadurch wurde Italien zum Dreh- und Angelpunkt des Handels in Europa. Diese Entwicklung ist hauptsächlich dem Seehandel zuzuschreiben. Durch den Seehandel wurden neue Regionen erschlossen und die Märkte von Italien ausgeweitet. Dies brachte viele Neuerungen mit sich. Erstens war die Menge an umlaufenden Münzen knapp, da die Förderung von Edelmetallen unter dem Bedarf lag. Dieser Umstand brachte viele Landesherren dazu, ihre Finanzen durch M ü nzverschlechterung aufzubessern. Das hieß, dass die ausgegebenen Münzen weniger Edelmetalle enthielten und sich damit schleichend immer mehr schlechtes Geld entwickelte.15

Auch schuf der Handel mit weit entfernten Städten Probleme, da der Transport von großen Geldmengen höchst riskant war. Die Kaufleute behalfen sich dagegen jedoch, indem sie eine neue Kreditform erfanden, die den Münztransport überflüssig machte. Dieser Kredit bekam den Namen Seehandelskredit und schuf eine Risikoteilung zwischen Unternehmer und Kreditgeber. Der Seehandelskredit funktionierte folgendermaßen: Wenn der Lieferant die Ware dem Kaufmann übergeben hatte, gab dieser ihm den Wechselbrief, auch Wechsel* genannt. Diesen Wechsel* konnte der Lieferant gegen bares Geld zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort, entweder beim Wechselaussteller oder einer anderen dritten Person einlösen.1617 Dies war der Ursprung unseres modernen und bargeldlosen Zahlungsverkehrs, denn das Geld musste nicht mehr transportiert werden, sondern es überschritt unbar die Grenzen. Es handelte sich dennoch immer noch um reale Werte. Der Wechsel * hatte einen bestimmten Wert und genau diesen Wert bekam man auch bei Eintausch ausgezahlt.

Doch das Geldsystem wurde immer weiteren Neuerungen unterzogen. Das „Liber Abaci“, übersetzt „Buch der Rechenkunst“, wurde um 1202 von Leonardo da Pisa veröffentlicht. Durch dieses wurde die indisch-arabische Zählweise in Europa eingeführt und das alte, unpraktische römische Ziffernsystem geriet außer Mode. Auch dies schuf die Voraussetzungen die notwendig waren, das moderne Finanzwesen zu erschaffen. Schnell entwickelten sich auch die ersten Banken. Warrenhändler die sich anfangs nur dem Handel von Tuchen, Gewürzen oder anderen Waren verschrieben hatten, fingen nun auch an den Handel mit Geld zu einem weiteren Erwerbszweig auszubauen, da Handel und Kredit ohnehin eng miteinander verknüpft waren. Die ersten Banken wurden um 1300 in Florenz gegründet. Deswegen ist auch der Name der Bank italienischer Herkunft. Ursprünglich wickelten die italienischen Händler ihre Geschäfte unter freiem Himmel auf Bänken = banchi sitzend, ab. Da es jedoch so viele verschiedene Münzarten gab, gestaltete sich dies sich jedoch als sehr schwierig und schlussendlich führte es dazu, dass eigens für den Zweck Bankhäuser gebaut wurden.18 Die wichtigsten italienischen Bankiersfamilien waren die Bardi, die Peruzzi und die Acciaiuoli, welche Anfang des 14. Jahrhundert, in allen wichtigen europäischen Städten Filialen unterhielten. Der erste Bankenkrach des Frühkapitalismus kam zustande, weil der Englische König Eduard III. sich weigerte seine Kriegsschulden zu bezahlen, sodass die ursprünglichen Bankiersfamilien bankrott gingen und 1348 die Familie Medici zur wichtigsten Bankiersfamilie, mit einem weitverzweigten Filialen-Netz aufstieg.19 Neben den Großbanken, gab es noch die Kleinbanken, die neben dem Währungsumtausch auch den Handel mit Edelmetallen beherrschten, und die schon erwähnten Lombarden, welche Gebrauchsdarlehen für das niedere Volk anboten. Das Bankengeschäft wurde jedoch erschwert, durch das offizielle, kirchliche Zinsverbot. Dieses beruhte hauptsächlich auf Schriften des alten Testamentes wie bspw. dem zweiten Buch Mose (Exodus) 22, Vers 24 wo es heißt: „Wenn du Geld verleihst an einen aus meinem Volk, an einen Armen neben dir, so sollst du an ihm nicht wie ein Wucherer handeln; du sollst keinerlei Zinsen von ihm nehmen."20 Dieses Verbot wurde jedoch geschickt umgangen indem die Zinsen trickreich in den Wechselkursen versteckt waren, denn ohne den Zins hätte keine Bank funktioniert. Von Historikern wird jedoch oft versichert, dass ohne dieses Zinstabu die Geschichte der Banken ganz anders verlaufen wäre.

Neben der italienischen Bankiersfamilie Medici in Italien stiegen die Fugger zu den erfolgreichsten Bankiers im Heiligen R ö mischen Reich Deutscher Nation auf. Diese beiden Familien waren jedoch nicht nur Bankiersfamilien, sondern sie erwarben beide so viel Reichtum und Macht, dass ihr Einfluss in die Politik große Ausmaße annahm.

Das Geld hat sich nun in dieser kurzen geschichtlichen Zusammenfassung, weg vom Tauschgeld hin zum Münzgeld entwickelt. Zudem wurden auch schon die ersten Kreditgeschäfte abgewickelt. Nun kommt es schlussendlich im Jahre 1409 zur Entstehung von Europas erster Börse*.21

3.1.2.2. Die Börse wird populär

Die erste Börse* Europas öffnete ihre Tore in Brügge. Die Börse* wurde nach der Patrizierfamilie van de Beurse, zu Deutsch der Geldbeutel, benannt, welche in Brügge residierte. Vor ihrem Haus trafen sich regelmäßig Kaufleute, um untereinander Geschäfte abzuwickeln. Der Name wurde dann 1460 an Antwerpen übertragen, wo 1531 die Börse* erst mal in einem festen Gebäude Platz fand. In Augsburg, dem Sitz der Fugger, und auch in Nürnberg entstanden 1540 die ersten deutschen Börsen*. Als nächstes folgte 1554 die Royal Exchange, die Börse* Londons. Als wichtigster Börsenstandort dieser Zeit, gilt jedoch die B ö rse in Amsterdam, wo auch 1613 das erste offizielle Börsengebäude eröffnet wurde.2223

Jede dieser Städte benannte ihre Börse* nach dem Ort, wo sich die Kaufleute trafen. In London war das zum Beispiel auf der Lombardstreet und in Amsterdam auf einer Brücke. Deutschlands wichtigste Börse* heutzutage, die Frankfurter B ö rse, wurde erst 1585 gegründet. Außer der Antwerpener B ö rse, kann man bei den damaligen Börsen* nicht von einer modernen Börse* sprechen. Dafür fehlte eine rechtlich geregelte Veranstaltung, welche zur regelmäßigen Festlegung der Währungskurse hinzukam. Primär wurde an den Börsen* damals nämlich nur mit Wechsel* und andere Zahlungsinstrumente gehandelt. Der Wechselhandel wurde von den Italienern erst nach Frankfurt und an die anderen Börsen* gebracht, sodass man sagen kann, dass in mancher Beziehung erst der Wechselhandel die Börse* geschaffen hat.24 25 Dieser hatte sich zudem weiterentwickelt. Durch das Indossament wurde der Wechsel* übertragbar und gleichzeitig diskontierbar. Damit wurde er auch zum Kreditinstrument. Dementsprechend konnte man nun mit dem Wechsel* Geld leihen, Handelsgeschäfte auf Kredit betreiben und jede Geldsumme dorthin überweisen, wo sie im Moment benötigt wurde.26 Als Amsterdam die Rolle des finanziellen Zentrums Europas von Antwerpen übernahm, entwickelte sich die Börse* weiter. Die Gewürzhändler vieler Nationalitäten, welche sich schon zuvor in Antwerpen versammelt hatten, schickten nun schon Ende des 16. Jahrhunderts bis zu 70 Schiffe jährlich nach Indonesien. Nachdem sich der Gewürzhandel zu einem so ertragreichen Handel entwickelt hatte, stiegen mehrere Firmen in den Handel mit ein.

1602 schlossen sich die größten dieser Firmen zur Vereinigten Ostindischen Handels- Kompanie (V.O.C.) zusammen und verkauften Anteile der Firma weiter an Städte, Provinzen und wohlhabende Kaufleute. Somit wurde in Amsterdam die erste Aktie* der Welt gehandelt. 2728 Nicht die erste Aktie* der Welt, aber die älteste, bekannte Originalaktie der

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: älteste bekannte Originalaktie der V.O.C.

(Quelle:
http://www.oldestshare.com/bilder/voc_gross .jpg, 04.04.10.)

V.O.C. ist in Abbildung 4 zu sehen. Die Idee dahinter war, dass das Unternehmen durch den Verkauf von Aktien* Kapital machen konnte, die Aktien* danach jedoch weitergehandelt werden konnten, ohne dass das Unternehmen Kapital zurückzahlen musste. Wegen der beschränkten Haftbarkeit29 und dem Übergang 1610 zu permanentem Kapital, war die V.O.C. lange DAS Modell für eine erfolgreiche Fernhandelsgesellschaft.

Die erste deutsche Aktiengesellschaft*, die Handels-Compagnie auf denen K ü sten von Guinea, wurde am 17. März 1682 vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm gegründet.30 Auch diese verkauften Aktien*, um so Fremdkapital * zu bekommen. Diesen Handel mit Aktien* bezeichnet man allgemein als Handel mit Effekten.

Der Effektenhandel setzte sich jedoch anfangs nur zögerlich durch, da ebenso die Idee der Finanzierung eines Unternehmens durch Aktien* vielen noch zu suspekt war. Hier lässt sich erkennen, dass die Entwicklung der Börse* weg von realen Objekten ging. Die Aktie* war und ist virtuell. Man besitzt nun einen Anteil an einem Unternehmen, allerdings nur auf einem Blatt Papier. Vielleicht war auch dies eine Ursache, weswegen sich der Effektenhandel nur so zögerlich durchsetzte. Eine http://www.finanz-content.de/die-geschichte-der-boerse-18293.html, 03.04.10.

Experteninterview mit Dr. S., Anhang M1.

Experteninterview mit Dr. S., Anhang M1.

weitere Ursache war jedoch auf jeden Fall, dass anfangs die Aktiengesellschaften* alle halbstaatlich waren. Dies beruhte darauf, dass gemäß der damaligen Rechtsauffassung, sie nur durch ein Privileg gegründet werden konnte. Dies änderte sich erst 1791, als Frankreich die Gewerbefreiheit einführte und andere Länder nachzogen. Nun konnten Aktiengesellschaften* ohne einen entsprechend staatlichen Rechtsakt entstehen.31

Dadurch wurden jedoch Missbräuche begünstigt und dies verlangte schlussendlich nach neuen gesetzlichen Regelungen. Diese wurden dann im 19. und 20. Jahrhundert mit dem Börsengesetzt (BörsG) erlassen.

Wie schon vorher angesprochen bestand im 17. Jahrhundert das Problem, dass der Handel mit Aktien* nur eine Randerscheinung an den Börsen* blieb. Dies ist vor allem der fehlenden Mobilität (keine Übertragbarkeit etc.) der Aktien* zuzuschreiben. Ursprünglich war eine Aktie* auch gar nicht für den Verkauf gedacht sondern dienten nur als Beleg für eine Beteiligung ihres Besitzers. Manche Handelsgesellschaften gaben nicht einmal Aktien* heraus, sondern vermerkten nur den Verkauf in ihren eigenen Büchern. Später wurden dann Aktien* auf den Namen des Inhabers ausgestellt. Jedoch wiesen diese unterschiedliche Beträge auf, was den Aktienhandel weiter erschwerte.

Dann entwickelte sich jedoch die Aktienspekulation an der Amsterdamer B ö rse. Hier wurden bald neben den normalen Kassengeschäften noch Spekulationsgeschäfte betrieben. Diese Spekulationen* führten zu heftigen Kursschwankungen, aber noch nicht zu Krisen. 1720 kam es dann jedoch zu den ersten Wertpapierkrisen, woraufhin die Regierungen verschiedener Ländern die Gründung von Aktiengesellschaften* und teilweise sogar den Aktienhandel verbaten.

Dies war jedoch nicht besonders schlimm für die deutschen Börsen, da hier immer noch der Wechsel *- und Devisenhandel überwog.

In Amsterdam kam schon 1670 der Handel mit Obligationen auf. Nach dem alten Modell verschuldete sich der Herrscher bei einem Privatbankier. Dieses Modell wurde bald durch ein neues ersetzt: die Staatsschuldverschreibungen. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts ging wenig dieses Wertpapierhandels über die Börse*, aber nachdem man die Obligationen in Teile stückelte, die fortlaufend nummeriert waren, konnten sich nun auch kleinere Anleger beteiligen. Demzufolge erleichtere die Einführung der Partialobligationen den Gang an die Börse*. Die Ausbreitung im

Bürgertum wurde weiter dadurch begünstigt, dass die Staaten Kredite benötigen und deswegen ein niedriger Kurs* bei den Staatsanleihen herrschte. Nun wurde der Handel mit Anleihen* internationalisiert, was dazu führte, dass die Staatsanleihen das Börsengeschäft mehr und mehr beherrschten. 32 Zu den Staatsanleihen kamen dann auch die Termingeschäfte hinzu. Hier standen Optionen und Futures im Mittelpunkt aber es gab noch eine große Vielfalt weiterer Termingeschäfte.33 Auch schon im 19. Jahrhundert war es durchaus üblich Kredite für den Kauf von Wertpapieren aufzunehmen. Ebenso spekulierten damals schon professionelle Börsianer auf steigende, beziehungsweise fallende Kurse* und agierten so als Haussiers und als Baissiers.

1840 wurde die Aktie* durch das Aufkommen der Eisenbahnen zu einem wichtigen Objekt des Börsenhandels.34

1896 wurde das erste, einheitliche Börsengesetz für Deutschland verfasst, welches die Wertpapierbörsen unter Aufsicht der Landesregierung stellte. Es gilt bis heute, wurde aber mehrmals überarbeitet und novelliert. Es bildet immer noch die rechtliche Grundlage des Börsenhandels aller deutscher Börsen*.35

Dieser kurze Geschichtsrückblick hat gezeigt, dass sich der Finanzmarkt immer mehr von realen Werten wie dem Münzgeld, hin zu virtuellen wie Derivaten*, verändert hat. Die Regierung muss auf diese Neuerungen auf den Märkten reagieren, weshalb auch das Börsengesetz verfasst wurde. Allerdings hat hier die Entwicklung noch nicht aufgehört. Es gibt immer weitere finanzielle Neuerungen, wie zum Beispiel die Credit Default Swaps (CDS) von welchen die Auswirkungen noch ungenau waren und sind. Deswegen wurden viele Organisationen ins Leben gerufen, welche die Börse* kontrollieren, regulieren und versuchen Börsencrashs* zu verhindern. Dies lässt sich jedoch nicht so einfach realisieren, wie die Geschichte der Börsenkrisen zeigen wird. Davor soll jedoch erst näher auf die Besonderheiten der Börse* und das Börsengeschehen eingegangen werden.

3.1.3. Bulle und Bär

In der Abbildung 5 sind die Skulpturen des Bullen* und des Bären* zu sehen, welche vor der Frankfurter Börse* stehen.

Doch was ist ihre Bedeutung? Und warum stehen sie gerade an diesem Ort?

Die Wappentiere der Börse* sind zurückzuführen auf Schaukämpfe kalifornischer Goldgräber, welche einen gefangenen Bären* an einen Pfahl banden und einen Bullen* auf ihn losließen. Die Goldgräber schlossen Wetten ab, welcher der beiden Tiere ge- winnen würde, doch wegen der

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse*

(Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/45/Bulle_und_B är_Frankfurt.jpg, 04.04.10.)

charakteristischen Kampfweise beider Tiere, wurde der Bär* schnell zum Zeichen für den sinkenden Kurs* und der Bulle* für den steigenden Kurs*. Denn entweder konnte der Bär* den Bullen* bezwingen indem er von Oben mit der Pranke den Stier erwischte, oder der Stier kam dem zuvor und schleuderte den Bären* mit seinen Hörnern von Unten kommend, nach Oben.36 Bildlich auf die Börse* bezogen, bedeutet dies, dass der Bär* die Kurse* mit seiner Pranke niederschlägt und unten hält. Der Bulle* dagegen stürmt nach vorne und nimmt die Kurse* mit seinen Hörnen mit nach oben. Eine weitere logische Erklärung, warum der Bär* für sinkende und der Bulle* für steigende Kurse* als Sinnbild steht ist, dass beim Bären* die Rückenlinie zum Kopf hin abfällt und beim Stier sie vom Rücken zum Kopf mit den Hörnern hin ansteigt.37 Als Bulle*, ein Begriff der von dem angelsächsischen Begriff bull abgeleitet wurde, bezeichnet man deswegen Börsianer, die auf eine Aufwärtsbewegung der Börsenkurse spekulieren. Diese Aufwärtsbewegung wird als Bullenmarkt oder auch Hausse* bezeichnet, weswegen Bullen* auch als Haussiers bezeichnet werden. Der Begriff Bär*, welcher ebenfalls von einem angelsächsischen Wort, dem Begriff bear, abgeleitet wurde, steht für Personen die mit einem fallenden Börsenkurs* rechnen.

Sie spekulieren a la Baisse* und werden deswegen auch Baissiers genannt. Den hier herrschenden Markt bezeichnet man als Baisse* oder Bärenmarkt.3839

Da die Begriffe Bulle* und Bär* in Fachmagazinen gang und gebe sind, haben sich daraus auch weitere entwickelt wie zum Beispiel die B ä ren- und die Bullenfalle. Man spricht von einer B ä renfalle, wenn eine Fehlinterpretation von Signalen in der technischen Analyse vorliegt, welche eine Baisse* ankündigen. Die Börsianer erwarten demnach fallende Kurse*, in Wahrheit steigen diese jedoch an. Besonders wenn nach einer Seitwärtsbewegung der Börse*, der Anleger ein klares Signal für eine Baisse* erkennt, stattdessen aber eine Hausse* einsetzt, wird von solch einer B ä renfalle gesprochen. Ebenso gibt es auch die Bullenfalle. Sie ist in gleicher Weise ein Fehlsignal in der technischen Analyse, was steigende Kurse* erwarten lässt. Wiederum ist dies der Fall, wenn nach einer Seitwärtsbewegung der Ausbruch eines Kurses* nach oben in einem Chart* angezeigt wird, denn dann spekulieren viele technisch orientierte Analysten mit einer Hausse *. Sinkt der Kurs* nun wieder und durchbricht dabei nachhaltig die alte Widerstandslinie nach unten, so sind diese Anlieger, die auf eine Hausse * spekuliert haben und deswegen Aktien* gekauft haben, in der Bullenfalle gefangen.40

Ein weiterer Begriff ist die B ä renmarktrallye, welche einen besonders tückischen Sachverhalt beschreibt. Die B ä renmarktrallye ist eine starke Zwischenerholung in einem Umfeld von insgesamt sinkenden Kursen*. Man könnte es auch als Täuschungsmanöver des Marktes bezeichnen, der eigentlich am Sinken ist. Dieses Verhalten des Marktes ist besonders tückisch, da die Anleger, durch diese Erholung des Marktes sich in einer weiteren Marktentwicklung täuschen können, obwohl der Markt im Endeffekt in einem Abwärtstrend* endet wird. Durch einen B ä renmarktrallye fühlen sich viele Anleger wieder gesichert und verkaufen ihre Aktie* nicht, weswegen sie im Endeffekt oft große Verluste erleiden. Ein historisches Beispiel auf welches noch näher eingegangen wird, ist der Börsencrash* von 1929.41

Hiermit ist die Bedeutung des Bullen* und des Bären* geklärt und warum sie eben genau vor dem Gebäude der Frankfurter Börse* zu finden sind. Andere Börsen* weltweit, haben ebenso Skulpturen dieser beider Figuren vor ihren Gebäuden stehen.

Hier sollen jedoch nun die französischen Begriffe Hausse * und Baisse * noch näher erläutert werden. Sie stammen aus dem 19. Jahrhundert von der Pariser Börse* und werden insbesondere im Wirtschaftsjournalismus gebraucht. Wie schon definiert, steht die Hausse * für steigende und die Baisse * für sinkende Kurse*. Hausse* und Baisse * sind einander entgegengesetzt, weswegen sie zusammen bewirken, dass die Börsenwelt wie ein Kreislauf funktioniert. Die Kurse* fallen und steigen und jedes Mal wird einer Hausse * eine Baisse * folgen. Die Hausse * führt dazu, dass die Kapitalanleger mehr Vertrauen in die Kurse* setzen und beginnen auf hohe Gewinne zu spekulieren. Die Baisse * im Gegensatz, geht mit einem sinkenden Vertrauen der Kapitalanleger und damit mit der Erwartung von künftigen Verlusten, einher. Beide Märkte können durch Spekulation* und Konjunkturzyklen*, also fundamental ökologische Umwälzungen, bedingt sein. Ein übermäßiger Bullenmarkt führt wegen hoher und steigender Ertragserwartungen oft zu einer Spekulationsblase welche dann, wenn die Baisse * einsetzt und die Erwartungen des Anlegers fallen, platzt. Dies ist oftmals eine der Ursachen eines Börsencrashs*.

Dies zeigt, dass insbesondere die Erwartungen der Anleger eine große Rolle spielen und das Geschehen beeinflussen. Besonders die Übergänge zwischen Hausse* und Baisse* sind schwer zu erkennen und werden oft erst im Nachhinein als solche festgestellt. Eine besondere Aufmerksamkeit sollte jedoch auf die Abfolge positiver und negativer Überraschungen gerichtet sein. Kommt es zu vielen positiven Überraschungen an der Börse*, weist dies oft auf eine Hausse* hin. Ist das Gegenteil der Fall, sind dies die charakteristischen Merkmale für eine Baisse *. Mittels der Chartanalyse versuchen viele Anleger und besonders ausgebildete technische Analysten die Tendenz des Marktes vorauszusehen. Gegen dieses Verfahren stehen jedoch die Verfechter der Effizienzmarkthypothese, welche darauf verweisen, dass dieses Unterfangen unmöglich sei. 4243

3.1.4. Der Finanzmarkt

Unter dem Begriff Finanzmarkt versteht man eine Gesamtheit aller Märkte44, auf denen ein Handel mit Kapital stattfindet. Hier stehen sich die Angebote und Nachfrage der Finanzmittel gegenüber. Man kann die Finanzmärkte in nationale und internationale Märkte aufteilen,45 sowie, wie in Abbildung 6 dargestellt, in den Geldmarkt, originären Kapitalmarkt und den Markt für Derivate*.46

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6:Überblick über den Finanzmarkt mit seinen Möglichkeiten

(Quelle: Focus, Fakten: Die Börse* - Geld verdienen an Börsen und Finanzmärkten.) )München,

3.1.4.1. Geldmarkt

Auf diesem Teil des Finanzmarktes wird mit Geldmarktpapieren und kurzfristigen Krediten gehandelt. Hauptsächlich handeln hier jedoch verschiedene Geschäftsbanken mit ihren Zentralbankgeldguthaben.4748

Geldmarktpapiere werden auch als Geldmarkttitel bezeichnet und bestehen aus kurzfristigen Schuldtiteln, die am Geldmarkt gehandelt werden. Dazu zählen vor allem Schatzwechsel* und unverzinsliche Schatzanweisungen.

Interessant ist, dass Geldmarkttitel auf die Initiative der Deutschen Bundesbank hin entstehen.49 Diese Papiere sind an der Börse* jedoch von keiner Bedeutung, außer die Geldmarktfonds*, die teilweise genützt werden um Geld vorübergehend unterzubringen, bis eine neue, wirtschaftlichere Anlagemöglichkeit gefunden worden ist.50 Durch diese Neuerung der Geldmarktfonds* besteht nun auch die Möglichkeit für private Anleger in den Geldmarkt zu investieren, wobei der Hauptteil der Investoren immer noch von Finanzinstituten und großen Unternehmen ausgemacht wird.51

3.1.4.2. Originärer Kapitalmarkt

Wie Abbildung 6 zeigt fasst der originäre Kapitalmarkt im engeren Sinne den Rentenmarkt, was heißt, den Aktienmarkt, den Markt für Festverzinsliche W ertpapiere * und den Markt für Investmentanteile, zusammen. Hier wurden als organisierte Märkte die Börsen* etabliert.

Der Kapitalmarkt dient der Sammlung des Kapitals, der Zusammenführung und des Ausgleichs von Angebot und Nachfrage, sowie der Sicherstellung, dass Finanzmittel dorthin gelangen, wo sie am produktivsten gebraucht werden. 52 Wie schon erwähnt werden auf dem Kapitalmarkt Aktien*, Anleihen* und Investmentanteile gehandelt. Diese sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden um einen kleinen Überblick zu schaffen.

Eine Aktie* macht den Inhaber der Aktie* zum Miteigentümer einer Aktiengesellschaft*, indem eine Aktie* einen Anteil am Grundkapital dieser Gesellschaft verbrieft. Der Inhaber besitzt somit Aktionärsrechte. Jede Aktie* hat einen Nennwert*, welcher dem Anteil am Grundkapital des Unternehmens entspricht. Da die Aktien* normalerweise an der Börse* gehandelt werden, gleicht der Kurs* einer Aktie* und damit der aktuelle Wert nicht dem Nennwert*. In einer Hausse * liegt der Kurswert* oft um ein vielfaches höher, in einer Baisse * kann der Nennwert* jedoch nur ein Zehntel oder weniger betragen. Bei der Ausgabe der Aktien*, also der Emission*, entspricht der Nennwert* aller Aktien* zusammen, dem gesamten Grundkapital der Aktiengesellschaft*.53

Der Begriff Anleihe*, ist ein Sammelbegriff für alle festverzinslichen und langfristigen Schuldverschreibungen. Für Unternehmen, sowie auch für die öffentliche Hand, bieten sich Anleihen* für die Aufnahmen von langfristigem Fremdkapital* an.

Deswegen fallen Anleihen* auch in die Kategorie der langfristigen Kreditfinanzierung.54

Der Käufer einer Anleihe*, welcher normalerweise eine Anlage mit möglichst hoher Verzinsung sucht, kann jedoch nicht nur Gewinn durch den Zins machen. Sollte die Umlaufrendite steigen so würde sein Anleihekurs* sinken. Deswegen gilt als Merksatz: „Fällt der Marktzins, dann steigt der Kurs der Anleihe; steigt der Marktzins, dann fällt der Kurs der Anleihe.“55 Das heißt, auch diese, eigentlich sehr sichere Anlagemethode, birgt einige Risiken.

In der Regel müssen Aktien* und auch Anleihen* ein spezielles Zulassungsverfahren durchlaufen, bevor sie an die Börse* gehandelt werden dürfen. Nur Anleihen* des Bundes, der Länder oder von Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bilden hierfür eine Ausnahme. Normalerweise wird aber der Antrag von dem Unternehmen zusammen mit einer, am Börsenhandel zugelassener, Bank gestellt. Neben den beiden klassischen Börsenpapieren, besteht auch die Möglichkeit, Anteile an einem Investmentfond zu erwerben. Das Vermögen eines Investmentfonds setzt sich normalerweise zusammen aus Wertpapieren, Immobilien und Termingeld.56 Die Investmentfonds verwalten dann das Vermögen einer Vielzahl von Anlegern. Man unterscheidet zwischen offenen und geschlossenen Fonds*, wobei der Wert von offenen Investmentfonds Börsen* täglich festgestellt wird. Anteile eines solchen Fonds* können täglich gekauft und verkauft werden. Der Vorteil bei Investmentanteilen liegt darin, dass man schon mit einem kleinen Einsatz von Kapital, eine breite Streuung seines Vermögens erreichen kann. Jedoch bergen auch diese Fonds* Risiken in sich.57

3.1.4.3. Markt für Derivate

Nachdem in den 70er Jahren die aus dem Kapitalmarkt abgeleiteten Produkte, die Derivate* immer mehr an Bedeutung gewannen, erschloss sich hier ein eigener Markt. Dies geschah allerdings zuerst 1973 in Amerika mit börsengängigen Finanzderivaten. Deutschland folgte erst 1990 mit der Einführung der Deutschen Terminbörse*. Hier wurde nun der Derivathandel möglich.

Im weiteren Sinne zählen die Derivate* zum Kapitalmarkt, obwohl sie nicht den Kapitalbestand erweitern. Denn sie dienen dazu, die Effizienz des Kapitalmarktes zu erhöhen.58

Allgemein sind Derivate* vom Basiswert abgeleitete Handelsobjekte. Als Basiswerte können zum Beispiel Aktien* dienen. Die dazugehörigen Derivate*, werden dann als Aktienoptionen bezeichnet.59

Ursprünglich dienten Derivate* als Absicherung von „echten“ Geschäften.60 Mit dem Erwerb eines Derivates* erhält der Inhaber das Recht, einen Basiswert in der Zukunft zu einem, allerdings schon heute festgelegten Preis zu erwerben. Der Inhaber des Derivates* hat jedoch keine Verpflichtung, dies schlussendlich auch zu tun.61 Zu jedem Basiswert gibt es immer mehrere Derivate*, so kann mit Optionen oder mit Futures gehandelt werden. Dieser Handel wird schlussendlich als Termingeschäft bezeichnet. Allerdings werden für die Spekulationen* mit Waren keine Optionen sondern nur Futures angeboten. Man kann jedoch Optionen auf die gehandelten Futures erwerben.

Allgemein gilt mit Optionen und Futures, kann anders als bei der Aktie*, sowohl auf steigenden als auch auf sinkenden Kurs* spekuliert werden.62

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Eigenschaften der Basiswerte und ihrer Derivate

(Quelle: Busch, F.: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.)

Da die Börse* sehr mit virtuellen Werten handelt, soll in Abbildung 7 die Unterschiede zwischen den Basiswerten sowie den Derivaten*, noch einmal deutlich gemacht werden.

Diese Tabelle zeigt, dass der Handel mit Derivaten* gewisse Risiken in sich birgt. Besonders große Gefahr liegt hier bei der Laufzeit. Denn der erhoffte Gewinn stellt sich nur ein, wenn der erhoffte Kurs* des Derivates* innerhalb der Laufzeit erreicht wird. Zudem kann auch eine mögliche Fehleinschätzung hinsichtlich der Richtung der Kursentwicklung getroffen werden, weshalb der Handel mit Derivaten* eine große Verlustgefahr birgt.63 Abgesehen davon, erfreut sich der Handel mit Derivaten* an der Börse* an großer Beliebtheit. Für einen Börsenlaien ist er jedoch schwer verständlich und besonders schwer nachzuvollziehen. Denn hier tritt bei manchen Menschen schon das Problem auf, dass es schwer vorstellbar ist, was ein Derivat* nun denn genau ist. Deswegen bringt die immer weiter gehende Entwicklung der Börse* in Richtung virtueller Ebene große Herausforderungen mit sich.

3.1.5. Die Charts

Wer sich etwas genauer mit der Börse* und den Tätigkeiten dort beschäftigt, wird ziemlich schnell etwas Ähnliches wie in Abbildung 8 zu sehen bekommen. Bei dem Chart* aus Abbildung 8 handelt es sich um einen Linienchart*. Doch was hat es überhaupt mit diesen Charts* auf sich und wie viele verschiedene Arten gibt es? Da diese Charts* auch in dieser Facharbeit eine besondere Rolle spielen, soll an dieser Stelle auf die verschie- denen Charttypen einge- gangen werden.

Allgemein ist ein Chart*

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Linienchart

(Quelle: Busch, Friedhelm: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.)

eine grafische Darstellung, eines erfolgten Kursver- laufes über einen längeren Zeitraum hinweg.64 Es gibt Charts* für einzelne Wertpapiere, sowie Charts* für Börsenindizes*, Devisen, Futures, Edelmetalle und andere an der Börse* gehandelte Waren.65 Die Charts* dienen vor allem den Börsianern zur technischen Aktienanalyse. Dabei sollen Trends* ermittelt werden, sodass der zukünftige Kursverlauf dadurch prognostiziert werden kann.66 Es können allerdings verschiedene Charttypen gewählt werden, welche auch neben dem grafischen Unterschied, verschiedene Informationen enthalten. Die gebräuchlichste Darstellung ist das in Abbildung 8 gezeigte Linienchart*. Hier

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9: Balkenchart

der Schlusskurs* mit einem (Quelle: Busch, F.: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.)

kleinen Haken rechts und der Eröffnungskurs* mit einem Haken links eingetragen. Dieser Charttyp wird oftmals für die technische Analyse verwendet.68

Doch noch besser dafür, eignet sich das so genannte Kerzenchart*, da in diesen Charts* eine noch höhere Informationsdichte zu finden ist.

Wie in Abbildung 10 dargestellt, werden hier Tiefst-, Höchst-, Eröffnungs- und Schlusskurs* dargestellt. Hinzu kommt jedoch noch, dass Verlust- oder Gewinnperioden durch Farben dargestellt werden. Die Prognosen die mittels dieser Charts* getroffen werden können aber müssen nicht zutreffen, deswegen heißt es hier: Vorsicht gewahren!

Um genauer auf diese komplizierte Art der Charts* einzugehen, fehlt hier der Platz, da nur ein allgemeiner Überblick geschaffen werden soll.69

Als letzten wichtigen Charttyp bleibt das Point-and-Figure-Chart* zu nennen, welches in Abbildung 11 zu sehen ist.

Kursanstiege werden hier durch Kreuze und Verluste durch O’s gekennzeichnet. So entstehen Säulen, die den Verlauf der Auf- und Abwärtsbewegungen, deren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 10: Kerzenchart

(Quelle: Busch, F.: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.)

Dieser Typ der Charts* ist daher sehr beliebt bei den Börsianern für die technische Analyse.70

Dank der neusten Technologien gestaltet es sich einfach mit den am Markt erhältlichen Börsenprogrammen alle Typen dieser Charts* zu erstellen, meist genügt ein Mausklick.

Die Thematik der Chartdiagramme soll hier jedoch nicht vertieft werden. Die Charts* sind für diese Facharbeit demnach wichtig, da sie die Börsencrashs* grafisch darstellen. Jedoch wird man feststellen, dass sich alle Charts* in dieser Arbeit unterscheiden. Dies kommt daher, dass es keine internationalen Standards gibt, wie diese Charts* auszusehen haben und

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 11: Point-and-Figure-Chart

(Quelle: Busch, F.: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.)

daher, jedes erhältliche Computerbörsenprogramm eigene Charts* darstellt. Würde man Charts* von einem gleichen Wertpapier in der gleichen Zeitspanne vergleichen, könnte man feststellen, dass zwar dieselben Informationen enthalten sind, die Grafik jedoch verschieden ist.

Zudem kommt hinzu, dass diese sich erst mit dem Computer durchsetzten konnten, da sich zuvor die Aufstellung der Charts* technisch problematisch gestaltete. Deswegen sind manche der Diagramme in den folgenden Abschnitten erst hinterher erstellt worden. Zudem gestaltet es sich schwierig für den Börsencrash* von 1929 Charts* zu finden, da, zu dieser Zeit die Methode noch nicht weit verbreitet war. Ebenfalls ist eine zeitliche Entwicklung in der Grafik der Charts* zu erkennen, welche auch in dieser Facharbeit deutlich wird, da anfangs diese noch wesentlich einfacher und ungenauer gestaltet wurden, als heutzutage. Der Leser ist deswegen gebeten, die ungleiche Darstellung der Authentizität zuliebe in Kauf zu nehmen.

3.1.6. Die Börse und der Kapitalismus

John Kenneth Galbraith* schrieb in seinem Buch „Finanzgenies - Eine kurze Geschichte der Spekulation“: „Meine Darlegungen stehen in verschiedener Hinsicht in Widerspruch zu anerkannten ökonomischen Auffassungen, religiös ausgedrückt, in Widerspruch der offiziellen Kirche. Sie belegen leider, dass der Kapitalismus, die freie Marktwirtschaft, in sich den Keim zu immer wiederkehrenden Zerstörungen trägt.“71 Des weitere ist er der Meinung, dass die freie Marktwirtschaft „immer wieder zu spekulativen Phasen neigt“72. Kapitalismus allgemein, wird definiert als ein Wirtschaftssystem in welchem die Produktionsmittel hauptsächlich Privateigentum sind. Das Handeln wird bestimmt durch Eigenverantwortung, Risikobereitschaft und Gewinnorientierung. Produktion, Verteilung und Konsum von Waren und Dienstleistungen werden hauptsächlich durch Marktmechanismen gelenkt.73

Da der Kapitalismus sich in sich selber teilweise widerspricht und den normalen ökonomischen Prozessen unterworfen ist, entwickelt er sich weiter: angefangen vom Frühkapitalismus bis hin zum Staatsmonopolistischen Kapitalismus.74 Der Kapitalismus, welcher besonders von Karl Marx* kritisiert wurde, hat sich die Börse* zum Werkzeug gemacht oder besser gesagt, die Börse* gilt als eine der wichtigsten Errungenschaften in der Zeit des Kapitalismus. In der heutigen Wirtschaft, wo in Sekundenschnelle Angebot und Nachfrage verglichen werden und der Investor einen Kapitalsuchenden findet, wäre die Börse* unweigerlich nicht wegzudenken und das ist allein dem Kapitalismus zu verdanken.75 Doch wie Herr Galbraith schon anmerkte, es gibt auch genügend Schattenseiten. Viele der Börsencrashs* der Geschichte kamen durch Spekulationen* zustande, zu welchen die freie Marktwirtschaft Galbraith nach ja neigt. Dann wiederum kam es zu einer Krise, doch nach einiger Zeit entwickelte der Kapitalismus sich weiter und normalerweise gewann die Börse* dann wieder mehr an Ansehen; bis es zum nächsten Crash* kam. Dies zeigt, dass der Kapitalismus und die Börse* zusammen einen Kreislauf durchgehen, der sich wohl so immer und immer wieder wiederholen wird. Dabei unterliegt auch der Kapitalismus der größer werdenden Globalisierung auf unserer Welt - denn die letzte Etappe in der Entwicklung der Ökonomie des Kapitalismus begann in den 70er und 80er Jahren aufgrund der radikalen Internationalisierung - der Globalisierung.76

3.1.7. Die Globalisierung und ihre Auswirkungen

Durch die Globalisierung kam es zunehmend zu einer allgemeinen Deregulierung.77 Diese Deregulierung wurde von vielen Staaten veranlasst um den Einfluss nationaler Grenzen zurückzudrängen und so der Globalisierung weiter Platz zu schaffen.78 Doch diese Globalisierung der Finanzmärkte führte auch dazu, dass reiche Finanzspekulanten anfingen mit Geld selber zu handeln. Dies kann jedoch dazu führen, dass ein Land in eine Wirtschaftskrise gestürzt wird, da die Währung aufgrund der Spekulationen* schwach werden kann.79 Hier fehlt eine Instanz, die dies verhindern könnte. Allgemein gilt für die Globalisierung der Finanzmärkte, dass sie auf sehr unsicheren Füßen steht. Auf nationaler Ebene besteht ein Schutz der Märkte durch politische Institutionen. Die globalen Märkte haben jedoch kein globales Kartellamt, keine globale Aufsichtsbehörde, kein globales Sicherheitsnetz, keine globale Demokratie und kein globaler Kreditgeber der letzten Instanz. Damit ist klar, dass die Globalisierung der Finanzmärkte unter schwacher Governance leidet.80 Es fehlt ein abgestimmtes Handeln auf globaler Ebene.

Denn der globale Markt sollte eigentlich die Konkurrenz regeln, stattdessen gibt es aber leider weltweit eine Konkurrenz der Regeln.81

Ein jedoch noch größeres Problem, als die fehlende Steuer und Regelung der globalen Märkte, wurde durch die Globalisierung hervorgerufen. Schon Klaus Wiegandt, früher Vorstandssprecher der METRO AG und nun Stifter und Vorstand des „Forum für Verantwortung“ stelle in Bezug auf das Buch „Weltfinanzsystem in Balance“ von Dr. S.*, fest, dass „[d]er Bereich, der heute am wenigsten nachhaltig ist und die Weltgemeinschaft in die größten Gefahren stürzt, [...] die Finanzwelt [ist].

Eine Änderung können wir von der Wirtschaft nur dann erwarten, wenn die Rahmenbedingungen entsprechend gesetzt sind.“. Die Finanzwelt stürzt die Welt in so große Gefahren, da die Transnationalität der Märkte Crashs* und Destabilisierung der Wirtschaften hervorrufen. Aufgrund der Globalisierung, ist es nicht mehr von Bedeutung, wo das Epizentrum konjunktureller Schwankungen liegt, denn durch die digitalen Vernetzungen gerät das ganze System ins Schwanken.

Kommt es nun heutzutage zu einem Börsencrash*, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass er weltweit auftritt, dank der Globalisierung enorm hoch. Doch um diese These zu belegen empfiehlt sich die genaue Betrachtung einiger historischer Börsencrashs*.

3.2. Börsencrashs der Vergangenheit und der Gegenwart

„ Es gibt nur wenige Bereiche menschlichen Handelns, in denen die Geschichte so wenig z ä hlt wie in der Welt des Geldes. “

John Kenneth Galbraith*82

John Kenneth Galbraith* beschreibt in diesem Zitat ein Problem unserer Gesellschaft, wonach finanzielle Pleiten in unserer Gesellschaft einfach schnell vergessen werden, obwohl wir eigentlich aus ihnen lernen könnten. Denn Börsencrashs* sind keine „Erfindungen“ des 21. Jahrhunderts. Nein, sie treten schon seit Jahrhunderten auf und oft zeigen sich die gleichen Merkmale, welche auch bei der derzeitigen Finanzkrise zu erkennen sind. Doch durch die Generationenwechsel in der Finanzwelt werden die schon geschehenen Pleiten einfach oft vergessen und Entdeckungen in der Welt der Finanzen, welche den alten „Massenver- nichtungswaffen der Börse*“ ähneln, werden gefeiert und als Neuerung gepriesen. Doch wer wüsste schon aus dem Stehgreif, was Tulpen mit einem herrschaftlichen Haus in Amsterdam gemeinsam haben? Warum manche Menschen morgens noch Millionär und abends schon bankrott sind? Warum es zu so plötzlichen Kurseinbrüchen kommt? Warum es durch die Börse* oft zu einer Massenflucht aus der Wirklichkeit kommt? Und warum wir nichts gegen die Krisen tun können?

Es gibt noch unzählig viele andere Fragen zum Thema Börsencrashs*. In den folgenden Kapiteln sollen die Zusammenhänge zwischen den Börsencrashs* und ihren Ursachen sowie Folgen geknüpft werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Geld - denn es stellt sich die Frage, in wie weit das Geld die Menschen in Bezug auf die Börse* beeinflusst.

3.2.1. Der Begriff Börsencrash

Die Geschichte der Börsencrashs* ist lang, auch wenn sie früher als Börsenkrachs oder einfach nur Krisen bezeichnet wurden, weswegen auch der genaue Zeitpunkt des Auftreten des Begriffes nicht genau bekannt ist. Wahrscheinlich kam der Begriff zusammen mit einen der ersten Crashs* auf. Zum derzeitigen Zeitpunkt sollte der Begriff Börsencrash* eigentlich in aller Munde sein, doch erhält man erstaunlicherweise nur 79.900 Hits bei Google; zusammen mit den 30.800 Hits von Börsenkrach sind das läppische 110.700 Treffer. Verglichen mit 437.000 Treffern bei Google für ein Zweiköpfiges You-Tube Comedian Team mit dem Namen „Die Aussenseiter“, welche relativ sinnlose Videos im Web verbreiten, wird schnell klar, dass dies keine Dimension ist. Doch warum wird dieser Begriff so wenig verwendet? Und warum unterscheiden sich die verschiedenen Definitionen großteils?

Darauf kann hier leider keine ausreichende Antwort gefunden werden, doch damit keine Unklarheiten und Missverständnisse entstehen wird eine eigene Definition gegeben, die auf die folgende Facharbeit zutrifft. Die nachstehende Definition wurde extrahiert und zusammengestellt aus folgenden Lektüren: dem Börsenlexikon der FAZ (http://boersenlexikon.faz.net/boersenc.htm), „Crash - Finanzkrisen gestern und heute“ von Frankfurter Allgemeine Buch und zuletzt dem Charttex Lexikon (http://www.Charttec.de/html/lexikon_boersencrash.php) sowie dem Experten- interview mit Dr. S.*. Ich habe mich für diese Definition entschieden da sie, meiner Meinung nach, am besten zutreffend ist!

Unter einem Börsencrash* versteht man einen extremen Sturz in der Bewertung einer signifikanten Anzahl von Aktien*, der sich innerhalb eines kurzen Zeitraumes wie zum Beispiel einem Tag oder einer Woche, an Börsen* ereignet. Jedoch kann man diese Zeitspanne nicht genau definieren und nicht sagen, wie viel die Kurse* drastisch absinken müssen, damit dies als ein Börsencrash* gesehen wird. Davon ist jedoch nicht nur ein Wertpapier betroffen, mit dem an der Börse* gehandelt wird, sondern meist sind alle an der jeweiligen Börse* gehandelten Wertpapiere mehr oder weniger stark betroffen und ihr Kurs* fällt dramatisch. In Folge dessen zeigen sich immer extreme Kursverluste auf breiter Front. Wichtig ist jedoch, dass es sich bei den Kurseinbrüchen nur um die Bewertung der Aktien* handelt, denn der Nennwert* der Aktien* ist immer derselbe.

Die Ursachen für solche erdrutschartige Kursverluste sind verschiedener Art.

Meist besteht ein Zusammenhang mit Zinsanstiegen und der Angst vor einer weltweiten Wirtschaftskrise. Damit gilt der Börsencrash* meist als Vorbote oder auch als Ausdruck einer Wirtschaftskrise.

Oft wird jedoch gedacht, dass ein Börsencrash* immer durch Spekulationen* zustande kommt. Dies ist jedoch auch nur teilweise richtig. Es stimmt, dass oft eine der Ursachen das Platzen einer sogenannten Spekulationsblase ist. Darunter versteht man, dass viele Personen durch die stetig steigenden Kurse* dazu veranlasst wurden, eben in dieses Segment zu investieren da es sehr vielversprechend war. Daraufhin wird der Preis und die Bewertung des Spekulationsobjektes immer weiter in die Höhe getrieben, woraufhin erste Verkäufe die Anleger wieder dazu bewegen, sich auch aus der sehr risikoreichen Beteiligung zurückzuziehen. Damit ist die Blase „geplatzt“, was eine große Zurückhaltung potentieller Verkäufer zur Folge hat und damit einen Kurssturz auslöst. Dies zeigt, dass Spekulationen* zwar sehr wohl einen Börsencrash* herbeiführen können, doch dies nicht immer dringend nötig ist. Ein Börsencrash* kann zum Beispiel auch durch äußere Ereignisse wie einen Krieg herbeigeführt werden. Es gilt jedoch als meist unabwendbar, dass ein Börsenkrach immer zu oft irrationalen Ängsten der Anleger führt, welche dann noch durch andere Anleger verstärkt werden. Dadurch ist es auch schwierig sich wieder von solch einem Börsencrash* zu erholen. Dies bedeutet, dass meistens nach einem Börsencrash* eine längere Rezessionsphase folgt.

3.2.2. Der Tulpenwahn

Höchstwahrscheinlich die teuerste Mahlzeit des gesamten Jahres 1637 verspeiste ein Seemann, als er im Unwissen eine Tulpenzwiebel als Beilage zum Fisch wertete. Der Gastgeber dürfte über diesen Unfall wenig erfreut gewesen sein, denn zu diesem Zeitpunkt waren diese Tulpenzwiebeln ein Vermögen wert. Ungefähr 25.000 Euro dürfte der Seemann damals verspeist und damit die Gastfreundschaft des Gastgebers ordentlich belastet haben. Man vermutet heute, dass der Gastgeber die Knolle auf dem Tisch liegen hatte, um seinen Reichtum zu demonstrieren.83

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass für eine Zwiebel solche Unsummen bezahlt wurden? Denn heute kostet eine Zwiebel meistens weit weniger als einen Euro.84

3.2.2.1. Vorgeschichte

Ursprünglich stammt die Tulpe aus Zentralasien. Im Osmanischen Reich wurden die Tulpen dann von den türkischen Herrschern als heilige Blume verehrt; von dort aus gelangte sie um 1560 in das heutige Istanbul. Der Gesandte des Habsburger Hauses organisierte dort einen Sack Tulpenzwiebeln, um sie dem bedeutendsten Botaniker der Zeit zu schenken - Charles de l’Écluse. Dieser begeisterte sich für die Tulpe und begann 1573 sie in großem Stil zu kultivieren. 1593 verließ er Österreich und ging nach Leiden, wobei er gleichzeitig die Tulpe in die Niederlande einführte. Allerdings hatte er die Tulpe nicht zum Verkauf, sondern als Heilpflanze gedacht. Zu dieser Zeit verdienten dort normale Arbeiter um die 500 Gulden, ein Kaufmann um 2500 Gulden, Großkaufleute und Finanziers um die 30.000 Gulden und die Regenten sowie die Bankiers kamen sogar auf 350.000 Gulden. Bald begann die Tulpe als Statussymbol zu gelten, welche in die Gärten der Reichen eingepflanzt wurde.85 Dieses Statussymbol entsprach ganz dem Geschmack der Holländer: die Tulpe erlaubte aufstrebenden Bürgern ihren Reichtum auf „botanisch-bescheidene Art […] zur Schau zu stellen.“86

Mutterzwiebel bringt im Beet nur wenige Brutzwiebeln hervor. Das heißt, die Vermehrung der Tulpe erfolgt nicht in hohem Maße in kurzer Zeit. Warum der Tulpenwahn zustande kam lässt sich weiter erklären, wenn man beachtet, dass zu dieser Zeit Unmengen von Geld in die Niederlande flossen und gleichzeitig noch ein Mosaikvirus in den holländischen Prachtgärten grassierte und die Tulpen infizierte. Dies bewirkte, dass die schon zuvor orientalisch und neu wirkenden Tulpen herrlich marmorierte Blüten mit gefransten Rändern entwickelten. Waren schon die normalen Tulpen eine Rarität, so waren die Infizierten überaus kostbar. Hiermit waren die Ursachen für den Tulpenwahn gegeben.

3.2.2.2. Verlauf und Folgen

Gehandelt wurde damals allerdings nicht an der Börse*, sondern meist in Kneipen und Wirtshäusern. Dort fanden Auktionen statt, auf denen die Tulpen versteigert wurden. Anfangs wurde die Tulpen nur währen der Pflanzenzeit gehandelt. Da die Nachfrage jedoch extrem anstieg, wurden auch Tulpen gehandelt, die noch in der Erde waren. Dies geschah mit Hilfe von Tulpen- Büchern, in denen die schönsten Sorten in Aquarell gemalt waren.

Es stiegen immer mehr Personen in den Handel mit ein und die Preise stiegen weiter extrem in die Höhe. Besonders gehandelt wurde mit den schon erwähnten Optionen, was zu großen Spekulationen* führte, denn die Käufer konnten sich niemals ganz sicher sein, wie die Tulpe im Endeffekt aussehen würde.

Mittlerweile wurde ganz Holland von dem Investitionsrausch befallen. Jeder konnte dabei sein und meinte auch dies tun zu müssen, denn um in das Geschäft mit einzusteigen benötigte man nichts weiter als Startkapital, was oft durch Kredite finanziert wurde.87

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 12: Semper Augustus

(Quelle: http://www.berndschwerdt.de/html/sem per_augustus.html, 04.04.10.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 http://www.lboro.ac.uk/gawc/images/world.gif, 03.04.10.

2 Prof. Dr. Hurrelmann, K.:15. Shell Jugendstudie - Jugend 2006. Frankfurt am Main, 2006.

3 Hau, R.: Pons Schülerwörterbuch Latein-Deutsch / Deutsch-Latein. Stuttgart, 2003.

4 Prof. Dr. Hurrelmann, K.:15. Shell Jugendstudie - Jugend 2006. Frankfurt am Main, 2006.

5 Hau, R.: Pons Schülerwörterbuch Latein-Deutsch / Deutsch-Latein. Stuttgart, 2003.

6 Prof. Dr. Hurrelmann, K.:15. Shell Jugendstudie - Jugend 2006. Frankfurt am Main, 2006.

7 Seminarfach Unterricht am 02.11.2009

8 Galbraith, John Kenneth: Finanzgenies - Eine kurze Geschichte der Spekulation. Frankfurt am Main, 1992.

9 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/boerse/boerse.htm, 03.04.10.

10 Heft 4 - Geld! Von den Fuggern zur Finanzkrise: Eine Chronik des Kapitals. Der Spiegel, 2009.

11 http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/finanzen/wirtschaft/index,page=4350074.html,

12 http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/finanzen/wirtschaft/index,page=4350074.html,

13 http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/finanzen/wirtschaft/index,page=4350074.html,

14 Heft 4 - Geld! Von den Fuggern zur Finanzkrise: Eine Chronik des Kapitals. Der Spiegel, 2009.

15 Heft 4 - Geld! Von den Fuggern zur Finanzkrise: Eine Chronik des Kapitals. Der Spiegel, 2009.

16 Heft 4 - Geld! Von den Fuggern zur Finanzkrise: Eine Chronik des Kapitals. Der Spiegel, 2009.

17 http://www.trend-zeitschrift.de/index.php?site=12017,

18 Heft 4 - Geld! Von den Fuggern zur Finanzkrise: Eine Chronik des Kapitals. Der Spiegel, 2009.

19 Heft 4 - Geld! Von den Fuggern zur Finanzkrise: Eine Chronik des Kapitals. Der Spiegel, 2009.

20 http://www.diebibel.de/, 03.04.10.

21 Heft 4 - Geld! Von den Fuggern zur Finanzkrise: Eine Chronik des Kapitals. Der Spiegel, 2009.

22 Focus, Fakten: Die Börse - Geld verdienen an Börsen und Finanzmärkten. München, 2000.

23 http://www.finanz-content.de/die-geschichte-der-boerse-18293.html, 03.04.10.

24 http://boerse.ard.de/finanz.jsp?key=dokument_3945&haupt_doc=container_finanzwissen_3959,

25 Focus, Fakten: Die Börse - Geld verdienen an Börsen und Finanzmärkten. München, 2000.

26 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/indossament/indossament.htm, 22.04.10.

30 http://www.finanz-content.de/die-geschichte-der-boerse-18293.html, 03.04.10.

31 Focus, Fakten: Die Börse - Geld verdienen an Börsen und Finanzmärkten. München, 2000.

32 http://boerse.ard.de/finanz.jsp?key=dokument_3945&haupt_doc=container_finanzwissen_3959,

33 Focus, Fakten: Die Börse - Geld verdienen an Börsen und Finanzmärkten. München, 2000.

34 Focus, Fakten: Die Börse - Geld verdienen an Börsen und Finanzmärkten. München, 2000.

35 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/boersengesetz/boersengesetz.htm, 03.04.10.

36 Hildebrandt A.: Warum Bulle? Warum Bär?. FAZ, 07.02.09.

37 Stiftung Warentest, Finanztest: Aktien & Co. - Mit Strategie zum Börsenerfolg. Berlin, 2004.

38 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/baer/baer.htm, 03.04.10.

39 Busch, Friedhelm: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.

40 Busch, Friedhelm: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.

41 Stiftung Warentest, Finanztest: Aktien & Co. - Mit Strategie zum Börsenerfolg. Berlin, 2004.

42 Stiftung Warentest, Finanztest: Aktien & Co. - Mit Strategie zum Börsenerfolg. Berlin, 2004.

43 Focus, Fakten: Die Börse - Geld verdienen an Börsen und Finanzmärkten. München, 2000.

44 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/finanzmarkt/finanzmarkt.htm, 04.04.10.

45 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/finanzmarkt/finanzmarkt.htm, 04.04.10.

46 Focus, Fakten: Die Börse - Geld verdienen an Börsen und Finanzmärkten. München, 2000.

47 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/geldmarkt/geldmarkt.htm, 04.04.10.

48 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/geldmarkt/geldmarkt.htm, 04.04.10.

49 Focus, Fakten: Die Börse - Geld verdienen an Börsen und Finanzmärkten. München, 2000.

50 Busch, F.: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.

51 Focus, Fakten: Die Börse - Geld verdienen an Börsen und Finanzmärkten. München, 2000.

52 Focus, Fakten: Die Börse - Geld verdienen an Börsen und Finanzmärkten. München, 2000.

53 Busch, F.: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.

54 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/anleihe/anleihe.htm, 04.04.10.

55 Busch, F.: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.

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59 Busch, F.: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.

60 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/derivate/derivate.htm, 04.04.10.

61 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/derivate/derivate.htm, 04.04.10.

62 Busch, F.: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.

63 Busch, F.: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.

64 Bauer, S.: Börse für Einsteiger. Ulm, 2000.

65 Busch, F.: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.

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67 Busch, F.: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.

68 Busch, F.: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.

69 Busch, F.: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.

70 Busch, F.: Das Börsenlexikon - Alle Begriffe, die Sie kennen müssen. Frankfurt am Main, 2000.

71 Galbraith, J.: Finanzgenies - Eine kurze Geschichte der Spekulation. Frankfurt am Main, 1992.

72 Galbraith, J.: Finanzgenies - Eine kurze Geschichte der Spekulation. Frankfurt am Main, 1992.

73 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/kapitalismus/kapitalismus.htm, 04.04.10.

74 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/kapitalismus/kapitalismus.htm, 04.04.10.

75 http://www.moraldefense.com/Kapitalismus-Boerse.html, 04.04.10.

76 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/kapitalismus/kapitalismus.htm, 04.04.10.

77 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/kapitalismus/kapitalismus.htm, 04.04.10.

78 http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/deregulierung/deregulierung.htm, 04.04.10.

79 http://www.boyng.de/wissen/zeit_gesellschaft/was-bedeutet-globalisierung/, 04.04.10.

80 http://www.vnr.de/b2c/finanzen/investment-geldanlage/boerse/boerse-ursache-und-wirkung-der- globalisierung.html, 04.04.10.

81 S., D.: Weltfinanzsystem in Balance - Die Krise als eine Chance für eine nachhaltige Zukunft. Ulm, 2009.

82 Galbraith, J.: Finanzgenies - Eine kurze Geschichte der Spekulation. Frankfurt am Main, 1992.

83 Braunberger, G., Benedikt: CRASH Finanzkrisen gestern und heute. Frankfurt am Main, 2008.

84 http://www.blumenzwiebeln-preisvergleich.de/Tulpen.php, 04.04.10.

85 http://bwl-bote.de/20020801.htm, 04.04.10.

86 Heft 4 - Geld! Von den Fuggern zur Finanzkrise: Eine Chronik des Kapitals. Der Spiegel, 2009.

Die Tulpe war aber auch aus einem botanischen Grund so exklusiv, denn eine

87 Galbraith, J.: Finanzgenies - Eine kurze Geschichte der Spekulation. Frankfurt am Main, 1992.

Ende der Leseprobe aus 288 Seiten

Details

Titel
Geld an der Börse und Privat
Autoren
Jahr
2010
Seiten
288
Katalognummer
V163192
ISBN (eBook)
9783668693272
Dateigröße
6713 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Seminararbeit besteht aus drei verschiedenen Einzelarbeiten zu verschiedenen Themen, wobei das Hauptthema angegeben ist. Die angegebene Note trifft auf meine eigene Facharbeit zu.
Schlagworte
geld, börse, privat
Arbeit zitieren
Alexandra Ried (Autor)Corina Schütze (Autor)Anna-Norema Pauw (Autor), 2010, Geld an der Börse und Privat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163192

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