Die Beziehungen der USA zu Saudi-Arabien

US-amerikanische Interessen zwischen Ideologie und Realpolitik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einführung

2. Politisches System und Staatswerdung Saudi-Arabiens

3. US-Interessen in Saudi-Arabien
3.1. Öl gegen Sicherheit
3.2. Strategische Bedeutung der Golfregion während des Ost-West-Konflikts
3.3 Zusammenarbeit im Antiterrorkampf

4. Spannungsfaktoren
4.1. Anspruch und Selbstdarstellung der USA im Nahen Osten
4.2. Israel und der ungelöste Nahostkonflikt
4.3. Innenpolitische Widerstände

5. Fazit - Strategie vor Ideologie?

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Schon seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist die Orientpolitik der USA, die als eine von zwei Supermächten aus dem Krieg hervorgingen und dadurch in der Region an Einfluss gewannen, von einem Spannungsfeld zwischen realpolitischen Interessen und ideologischen Ansprüchen geprägt. Einerseits erfordert die strategische und wirtschaftliche Bedeutung des Nahen Ostens enge Beziehungen zu einflussreichen Staaten, wobei deren innere Konflikte und Strukturen nur selten Thema bilateraler Beziehungen sind. Andererseits verstehen sich die USA gegenüber der Weltöffentlichkeit als Vertreter von Demokratie und Menschenrechten, sowie als Schutzmacht Israels, dessen Gründung zu bis heute anhaltenden schwerwiegenden Konflikten im Nahen Osten führte.

Besonders deutlich zeigt sich der Zwiespalt zwischen notwendiger Realpolitik und normativem Anspruch US-amerikanischer Außenpolitik im Nahen Osten am Beispiel der Beziehungen zum Königreich Saudi-Arabien, die sowohl international als auch innerhalb der beiden Staaten als stark umstritten gelten. Fürsprecher der bereits über 60 Jahre andauernden Kooperation betonen die Notwendigkeit und den großen wirtschaftlichen wie strategischen Nutzen für beide Partner. Kritiker bemängeln auf amerikanischer Seite die Unvereinbarkeit der Zusammenarbeit mit dem westlichen Menschenrechts- und Demokratieverständnis, auf arabischer Seite gelten die USA für viele als Feind auf eigenem Boden.[1]

Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Beantwortung der Frage, ob die meist öffentlich bekannt gemachten, ideologischen Interessen der USA im Nahen Osten, die sowohl Selbst- als auch Fremdbild des Landes mitbestimmen, von realpolitischen Interessen in Saudi-Arabien und der Golfregion völlig überlagert oder lediglich eingeschränkt werden. Dafür gilt es, die zwei verschiedenen Dimensionen separat zu analysieren und somit das vorhandene Spannungsverhältnis darzustellen. Die Dimension der Realpolitik wird anhand der drei wichtigsten US-Interessen in Saudi-Arabien untersucht. Dabei spielen ökonomische und strategische Überlegungen eine zentrale Rolle. Die ideologische Dimension umfasst zwei Ebenen: die diplomatischen Spannungen beider Staaten in Bezug auf die Streitfrage um Israel, sowie die innenpolitische, oft mit nationalen oder religiösen Werten begründete Kritik innerhalb der USA und Saudi-Arabiens. Das Vorgehen der Vereinigten Staaten soll zu diesem Zweck dem zugrunde liegenden öffentlichen Selbstverständnis der US-Orientpolitik gegenübergestellt werden, das sich von offiziell bekannt gemachten Leitlinien und normativen Politikvorstellungen der jeweils regierenden politischen Akteure ableitet.

Der Schwerpunkt liegt auf dem Spannungsverhältnis zwischen opportunistischem Handeln und ideologischem Anspruch aus Sicht der USA. Dennoch muss auch auf die Auswirkungen und Veränderungen eingegangen werden, die sich durch die bilateralen Beziehungen für den saudischen Staat und sein Gesellschaftssystem ergeben.

Um das Verständnis für die enormen kulturellen Unterschieden und die Hintergründe des saudischen Staats zu erleichtern, liegt der Arbeit eine knappe Einführung zum politischen System und der geschichtlichen Entwicklung Saudi-Arabiens zugrunde. Neben historischen und religiösen Zusammenhängen werden dabei auch einige Fakten zu den innenpolitischen Verhältnissen im Königreich und zum Staatsaufbau im Allgemeinen erläutert.

2. Politisches System und Staatswerdung Saudi-Arabiens

Das Königreich Saudi-Arabien gilt neben den Ländern Iran und Irak als dritte Vormacht am Persischen Golf, was vor allem mit seiner Rolle als größtem Erdölproduzenten der Welt und der sich dadurch ergebenden politischen und ökonomischen Schlüsselrolle zu tun hat. Es ist als absolute Monarchie auf religiöser Grundlage organisiert und verfügt anstelle eines Parlaments über eine Beratende Versammlung mit 150 vom König ernannten Mitgliedern.[2] Seit seiner Gründung wird das Land von der Familiendynastie der Saud regiert, die wichtigsten Posten werden in der Regel mit Familienangehörigen besetzt.[3] Weil sich mit Mekka und Medina die beiden heiligsten Stätten des Islam in Saudi-Arabien befinden, trägt der König zusätzlich den Titel „Hüter der Heiligen Stätten“. Dieser Zusatz geht auf König Faisal zurück, der damit 1979 auch die religiöse Legitimation des Königshauses festigen wollte.[4] Grundlage des Rechtssystems ist die Scharia, das islamische Recht. Fast alle Einwohner, mit Ausnahme der zahlreichen Gastarbeiter, sind Anhänger des wahhabitischen Islam, der auch saudische Staatsreligion ist. Auf internationaler Ebene ist das Land Mitglied in verschiedenen Organisationen, wie der WTO, der Arabischen Liga und der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), zu dessen Gründungsmitgliedern es zählt.[5]

Mit der Gründung Saudi-Arabiens und der Aufnahme des Erdölexports in den 1930er Jahren erlangte die Arabischen Halbinsel überregionale Bedeutung, insbesondere für den wirtschaftlichen und strategischen Partner USA. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich Abd al- Aziz Ibn Saud, damaliges Familienoberhaupt der Saud, den Großteil der Regionen auf der Halbinsel nach Jahrzehntelangem Kampf unterworfen.

Bereits seit dem 18. Jahrhundert versuchte die Dynastie aus dem Zentrum der arabischen Halbinsel ihr Herrschaftsgebiet zu erweitern, scheiterte aber unter anderem am Widerstand des Osmanischen Reichs.[6] Unter Abd al-Aziz Ibn Saud, der die Expansion seit Beginn des 20. Jahrhunderts erneut vorantrieb, wurde das Einflussgebiet schließlich deutlich vergrößert und besteht in seinem großen Umfang von 1932 bis heute. Eine wichtige Eroberung auf Sauds Weg zur Vorherrschaft war die Einnahme des Hedschas Mitte der 1920er Jahre, einem Gebiet im Westen des heutigen Saudi-Arabien, zu dem auch die Städte Mekka und Medina gehören. Seit vielen Jahrhunderten wurde der Hedschas vom Stamm der Haschemiten beherrscht, die seit Anfang der 1920er Jahre die neu gegründeten Staaten Transjordanien und Irak regierten, wodurch sich Saud in großem Maße bedroht sah. Sein Vorstoß in den Hedschas war also nicht nur von dem Ziel geleitet, die Kontrolle über die, vor allem religiös, sehr bedeutende Region zu erlangen, sondern gleichzeitig ein Angriff im Sinne der eigenen Machterhaltung gegenüber den erstarkten Haschemiten.[7] Nach der Eroberung war der Weg zur Staatsgründung frei, ab 1927 erkannten vor allem viele europäische Länder, allen voran Großbritannien, das Königreich an. Nach der Reorganisation seiner Gebiete rief Abd al-Aziz Ibn Saud 1932 den bis in die Gegenwart existierenden saudischen Staat aus.[8]

Die seitdem aufgenommene Erdölförderung bescherte dem Land innerhalb kürzester Zeit einen enormen Reichtum und eine sich schnell verändernde Gesellschaft. Doch vor allem auf dem Höhepunkt des Ölbooms in den 1970er Jahren zeigten sich die inneren Widerstände gegen die rasante Entwicklung. Die Besetzung der Moschee von Mekka im Jahr 1979 durch islamische Fundamentalisten war ein Indiz für die wachsende Unzufriedenheit der religiös geprägten Bevölkerung.[9]

Der große Einfluss der Religion auf die saudische Politik hat seine Wurzeln bereits im 18. Jahrhundert, als Mohammed Ibn Abd al-Wahhab, der Initiator der wahhabitischen Bewegung, zur Reinigung des Islam und Rückbesinnung auf die Grundwerte der Religion aufrief und in der Dynastie der Saud seinen militärischen Partner fand. Bis heute gilt der Wahhabismus als eine besonders radikale Auslegung des Islam, der vor über 200 Jahren viele Anhänger gewinnen konnte, weil er sich unter anderem gegen die von westlichen Staaten vorangetriebene Modernisierung der islamischen Welt auflehnte.[10] Abd al-Aziz Ibn Saud verbündete sich Anfang des 20. Jahrhunderts erneut mit den Wahhabiten, ohne die sein Vorhaben zur Eroberung großer Teile der Arabischen Halbinsel vermutlich nicht umsetzbar gewesen wäre, und schloss einen Pakt mit den Ulema, den islamischen Religionsgelehrten, die noch immer an allen wichtigen Entscheidungen des Landes beteiligt werden müssen. Ihre enge Einbindung in Staatsangelegenheiten wurde von König Faisal 1971 mit der Gründung des Rates der hohen Gelehrten institutionalisiert.[11] In der Regel stimmen die Ulema im Sinne der Regierung, schon mehrfach äußerten sie sich allerdings kritisch gegenüber der Königsfamilie und den rasanten Entwicklungen der Moderne.[12]

3. US-Interessen in Saudi-Arabien

3.1. Öl gegen Sicherheit

Seit Jahrzehnten sind die USA der weltweit größte Verbraucher von Erdöl. Der Rohstoff gilt als unverzichtbarer Motor der amerikanischen Wirtschaft, ist im Land allerdings nur in geringem Maße vorhanden. Lediglich 2,5 Prozent der weltweiten Reserven befinden sich auf dem Territorium der USA.[13] Erdölimporte sind daher unvermeidlich, was die Wirtschaft und damit indirekt auch die Politik des Landes nicht unwesentlich von erdölfördernden Staaten abhängig macht. Trotz zahlreicher Versuche, diese Abhängigkeiten zu verringern und stärker auf einheimische Energiequellen zu setzen, sind die USA aufgrund des stetig ansteigenden Ölverbrauchs auf immer größere Importmengen angewiesen. Dabei versuchen die US- Regierungen seit langem, die Importe auf möglichst viele verschiedene Staaten aufzuteilen, um einseitigen Preisdruck oder Lieferengpässe einzelner Länder zu verhindern.[14] Nachdem schon unter Präsident Eisenhower verstärkt vermeintlich sicheres Öl aus westlichen Staaten in die USA eingeführt wurde, ist Kanada bis heute der größte Erdöllieferant. Schon an zweiter Stelle stehen allerdings die Länder des Persischen Golfs, der Großteil des Öls der Region kommt aus Saudi­Arabien, das weltgrößter Erdölproduzent und -Exporteur ist.[15]

Vor dem Hintergrund der hohen wirtschaftlichen Bedeutung des Öls kann die Zusammenarbeit US-amerikanischer Ölfirmen mit Saudi-Arabien als eines der ertragreichsten amerikanischen Auslandsengagements überhaupt angesehen werden. Die Aufnahme der Ölförderung im Königreich Anfang der 1930er Jahre entwickelte sich für beide Staaten zum Erfolgsmodell.

Im Jahr 1933 sprach König Abd al-Aziz Ibn Saud der eigens geschaffenen Gesellschaft California Arabian Standard Oil Company (Casoc) - einem Tochterunternehmen der Firma Standard Oil of California (Socal) - die Bohrrechte in einem Gebiet im Osten seines Landes für die nächsten 60 Jahre zu.[16] Die USA erkannten zu diesem Zeitpunkt die Notwendigkeit, ihre wachsende Macht mit der Förderung von Erdöl in der Region des Persischen Golfs auszubauen, wo in den Jahren zuvor mehrere umfangreiche Vorkommen entdeckt worden waren. Saudi­Arabien war vor allem an einer sicheren Einnahmequelle interessiert, nachdem die Weltwirtschaftskrise von 1929 das Land in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hatte.[17]

Erst nach der Entdeckung eines großen Ölfeldes bei Dhahran 1938 begann die wirtschaftliche Förderung von Erdöl, die bis nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf vergleichsweise niedrigem Niveau fortgesetzt wurde. Dies änderte sich, als 1948 das Ghawar-Feld entdeckt wurde, eines der größten weltweit.[18] Für die inzwischen in Arabian American Oil Company (Aramco) umbenannte Casoc begann damit das bis heute anhaltende lukrative Ölgeschäft am Persischen Golf. Aramco, an dem mittlerweile mehrere große US-Ölfirmen beteiligt waren, entwickelte sich zum Musterbeispiel harmonischer bilateraler Wirtschaftsbeziehungen. In den folgenden Jahrzehnten stieg die Fördermenge in Saudi-Arabien kontinuierlich an, von 21,3 Millionen Barrel 1945 über 805 Millionen 1965 auf 2,5 Milliarden Barrel im Jahr 1975.[19] Ab 1973 begann Saudi-Arabien, große Anteile an Aramco zu erwerben und wurde 1980 einhundertprozentiger Eigentümer der Gesellschaft, die später in Saudi Aramco umbenannt wurde.[20]

Bis in die Gegenwart spielt der saudische Ölmarkt eine Schlüsselrolle für die Importe der USA. Das Königreich hat sich in der Vergangenheit, mit Ausnahme des Ölembargos 1973/74, stets als besonders zuverlässiger Partner in Bezug auf Preis- und Lieferpolitik erwiesen. Darüber hinaus sprechen einige spezifische Vorteile für die enge Kooperation: Sowohl die Förder- als auch die Suchkosten sind in Saudi-Arabien so niedrig wie in keinem anderen Land der Welt, die USA erhalten das saudische Öl zu besten finanziellen Konditionen. Des weiteren verfügt das Land über eine ausgezeichnete Infrastruktur mit direkten Pipelineverbindungen von seinen Förderquellen zu den Häfen und kann aufgrund einer hohen Überkapazität im Falle von Engpässen am Ölmarkt schnell weiteres Öl liefern. Außerdem verbraucht Saudi-Arabien im Gegensatz zu vielen anderen Erdöl fördernden Ländern nur einen sehr geringen Anteil des eigenen Rohstoffs und verstärkt damit sein Gewicht im internationalen Ölhandel zusätzlich.[21] In vielerlei Hinsicht bietet das Land also klare Vorteile gegenüber anderen Lieferanten der USA und gilt deshalb als besonders wichtiger Exporteur.

Die Gegenleistung für den billigen Zugang zu saudischem Öl war von Beginn an eine Sicherheitsgarantie der Vereinigten Staaten für Saudi-Arabien, das sich in den 1930er Jahren vor allem durch die Haschemiten-Regime in Transjordanien und im Irak bedroht sah, von denen es revanchistische Angriffe erwartete, nachdem die haschemitischen Herrscher zuvor von Abd al- Aziz al-Saud aus dem Hedschas vertrieben wurden.[22] Mit der Stationierung von Truppen und Material im saudischen Dhahran ab Ende des Zweiten Weltkrieges trugen die USA sowohl eigenen als auch saudischen Interessen Rechnung. Im Laufe der Jahre änderte sich die Bedrohungslage mehrfach, blieb aber immer akut. Vor allem der erstarkte ägyptische Staatspräsident Gamal Abdel Nasser, mit dem man 1955 noch eine Militärkooperation eingegangen war, entwickelte sich spätestens mit der Suez-Krise 1956 zu einer ernstzunehmenden Gefahr für Saudi-Arabien. Als Reaktion auf die Veränderungen und aufgrund der in der Region steigenden Popularität der USA infolge der Krise verlängerte der Saudische König den Dahran-Vertrag. Auch danach wurde die militärische Unterstützung der USA mehrfach benötigt.[23]

Wie gewinnbringend das Sicherheitsbedürfnis Saudi-Arabiens für die Vereinigten Staaten auf wirtschaftlicher Ebene ist, zeigen die amerikanischen Waffenverkäufe an die Saudis aus der Zeit um den Zweiten Golfkrieg und das Ende des Ost-West-Konflikts, als regionale Bedrohungen insbesondere von Irak und ferner auch Iran ausgingen. Zwischen 1986 und 1993 kaufte das Land Waffen und anderes militärisches Material im Wert von über 55 Milliarden US-Dollar von den USA und baute seine Luftwaffe zur nominell stärksten Kraft am Golf aus.[24] Dennoch wäre die Armee Saudi-Arabiens vermutlich bis heute nicht in der Lage, sich einem Angriff eines großen Nachbarlandes allein zu widersetzen. Vielmehr wurden die meisten saudischen Waffensysteme von US-Personal verwaltet und benutzt.

Allein während der Operation Desert Storm kaufte Saudi-Arabien eine Vielzahl an militärischem Gerät von den USA. Dazu zählten unter anderem 15 Flugzeuge vom Typ F-15 und dreizehn UH- 16 Helikopter, sowie viele Raketen und andere Waffen.[25]

Mit zahlreichen Rüstungskäufen trug Saudi-Arabien bis 1993 einen erheblichen Teil dazu bei, dass sich die USA zum weltgrößten Händler konventioneller Waffen entwickelten. Das umfangreiche Volumen saudischer Aufträge stützte die amerikanische Rüstungsindustrie laut McNaugher in hohem Maße. So verhalf eine Großbestellung an Maschinen zur Erneuerung der eigenen Flugzeugflotte, die nach Vermittlung Bill Clintons 1992 zustande kam, dem Flugzeugbauer McDonell-Douglas in schwieriger Lage zu einer vorübergehenden Stabilisierung.[26]

Sowohl der Ölhandel mit Saudi-Arabien als auch das Sicherheitsbedürfnis des Landes decken sich mit US-amerikanischen Interessen. Die USA erlangen durch das Verhältnis Öl gegen Sicherheit einen doppelten ökonomischen Nutzen, der von enormer Bedeutung für die eigene Wirtschaft ist.

3.2. Strategische Bedeutung der Golfregion während des Ost-West-Konflikts

Nach der Entdeckung umfangreicher Ölvorkommen am Persischen Golf nach Ende des Zweiten Weltkrieges, rückte die Region innerhalb kurzer Zeit in den Fokus der Weltwirtschaft.[27] Insbesondere für die USA galten die Golfstaaten im Zuge der engen wirtschaftlichen Zusammenarbeit als Gebiet lebenswichtiger Interessen, was während und nach dem Ost-West­Konflikt mehrfach betont wurde.[28]

In Bezug auf die Golfregion verfolgten die Vereinigten Staaten während der gesamten Zeit der Konfrontation mit der UdSSR zwei zentrale Ziele, vor deren Hintergrund die US-Golfpolitik bis 1990/91 betrachtet werden muss. Zum einen sollte die Unabhängigkeit und Stabilität der Ölförderstaaten gewährleistet werden, um den sicheren Zugang zum Erdöl zu erhalten. Zum anderen war gerade am Persischen Golf die weltweite Eindämmungspolitik gegenüber der Sowjetunion von entscheidender Bedeutung. Der Schutz Israels nahm zwar in der allgemeinen Nahostpolitik der USA eine wichtige Rolle ein, war am Golf allerdings von eher zweitrangigem Interesse, weil die Sicherheit des jüdischen Staates von den wichtigsten Anrainerstaaten Irak, Iran und Saudi-Arabien nicht direkt bedroht war.[29] Wie wichtig die Sicherheit der Ölstaaten, im besonderen Maße Saudi-Arabiens, für die Vereinigten Staaten war, zeigte sich beispielsweise an der amerikanischen Intervention im Königreich 1962. Nachdem ägyptische Kräfte die saudische Grenze aus dem Jemen angegriffen hatten, bat König Saud die USA um Beihilfe, die zwar nicht die Grenze verteidigten aber unverzüglich eine offiziell als Trainingsmission bezeichnete Truppe zum Schutz der Ölfelder im Nordosten entsandten.[30]

[...]


[1] Vgl. hierzu beispielsweise die Homepage von Daniel PIPES: www.danielpipes.org, sowie STEINBERG 2003, Antiamerikanismus in Saudi-Arabien.

[2] Vgl. AUSWÄRTIGES AMT, Dossier Saudi-Arabien.

[3] Vgl. BPB LEXIKON, Saudi-Arabien.

[4] Vgl. BERGER 2007, S. 138.

[5] Vgl. AUSWÄRTIGES AMT, Dossier Saudi-Arabien.

[6] Vgl. LEWIS 2003, S. 135f.

[7] Vgl. Ebd., S. 138.

[8] Vgl. Ebd., S. 139f.

[9] Vgl. ROTH 2004.

[10] Vgl. LEWIS 2003, S. 137.

[11] Vgl. BERGER 2007, S. 135.

[12] Vgl. ROTH 2004.

[13] Vgl. BAHGAT 2008, S. 53.

[14] Vgl. Ebd., S. 54f.

[15] Vgl. U.S. ENERGY INFORMATION ADMINISTRAION.

[16] Vgl. BAHGAT 2008, S. 67.

[17] Vgl. LEWIS 2003, S. 141.

[18] Vgl. BAHGAT 2008, S. 67.

[19] Vgl. LEWIS 2003, S. 142.

[20] Vgl. SAUDI ARAMCO, Timeline.

[21] Vgl. BAHGAT 2008, S. 66.

[22] Vgl. POLLACK 2002, S. 79.

[23] Vgl. Ebd., S. 80.

[24] Vgl. McNAUGHER 1995, S. 350.

[25] Vgl. CORDESMAN 1997, S. 85.

[26] Vgl. McNAUGHER 1995, S. 352f.

[27] Vgl. YETIV 2008, S. 28.

[28] Vgl. WINTER 1998, S. 50.

[29] Vgl. SHLAIM 1994, S. 60.

[30] Vgl. POLLACK 2002, S. 80.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Beziehungen der USA zu Saudi-Arabien
Untertitel
US-amerikanische Interessen zwischen Ideologie und Realpolitik
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
HS Interessen und Umsetzungsstrategien raumfremder Staaten in Nordafrika/Nahost
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
26
Katalognummer
V163407
ISBN (eBook)
9783640776535
ISBN (Buch)
9783640776115
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
USA, Vereinigte Staaten, Saudi-Arabien, Naher Osten, Öl, Sicherheit, Waffen, Terror, Terrorismus, Osama Bin Laden, Al Quaida, Al Kaida, Ideologie, Realpolitik, Nixon, Kissinger, Bush, Roosevelt, Abdullah, Faisal, Saud, Abd Al Aziz, Islam, Islamismus, Ulama, Nahostkonflikt, Israel, Palästina, Ulema, Ägypten, Energie, Königreich, Wirtschaft, Orient, Demokratie, Despotie, Monarchie, Armee
Arbeit zitieren
David Kordon (Autor), 2010, Die Beziehungen der USA zu Saudi-Arabien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163407

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