Erprobung ausgewählter Rhetorikübungen zur Reduktion von Sprechhemmungen bei Schülern

Ein Vorhaben im Fach Deutsch einer Unterrichtsreihe zum Thema "Reden in verschiedenen Situationen" in einer 10. Klasse


Examensarbeit, 2010

33 Seiten, Note: 1,0

Frida Bliesweiler (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Begriffsklärung zentraler Titelschlagworte
1.1 Rhetorik
1.2 Reduktion von Sprechhemmungen

2 Kontext
2.1 Lernvoraussetzungen der Schüler
2.2 Planungszusammenhang der Unterrichtseinheit

3 Darstellung von zwei erprobten Rhetorikübungen
3.1 Durchführung der Übung „Vorlesetechnik“
3.1.1 Begründung der Auswahl
3.1.2 Wertung
3.2 Durchführung der Übung „Ein auffälliges Wort in einer Rede verstecken“
3.2.1 Begründung der Auswahl
3.2.2 Wertung

Zusammenfassung und Bilanz

Anhang

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Kultusminister der Länder haben im Mai 2002 beschlossen, für ausgewählte Schnittstellen der allgemein bildenden Schularten gemeinsame Bildungsstandards zu erarbeiten.[1] Seitdem ist der Kompetenzerwerb - und nicht mehr abfragbares Wissen - der Maßstab für den Schulerfolg. Die KMK-Bildungsstandards geben die Kompetenzbereiche an, die in den Rahmenlehrplänen wiederzufinden sind. Der Fertigkeit des Sprechens (und Zuhörens) wird im Berliner Rahmenlehrplan für das Fach Deutsch ein ganzer Kompetenzbereich gewidmet, was die Wichtigkeit der Reduktion von Sprechhemmungen deutlich macht. Der Rahmenlehrplan fordert einleitend zu diesem Kompetenzbereich:

„Die Schülerinnen und Schüler bewältigen komplexere Rede- und Kommunikations­situationen zunehmend selbstständig und realisieren eigene Zwecke [...] an Sprech­handlungen situationsangemessen und adressatenorientiert. “[2]

Die Bedeutsamkeit des gekonnten Redens zeigt sich auch darin, dass von den fünf verbindlichen Themenbereichen des Rahmenlehrplans vier einen expliziten Schwerpunkt auf das Sprechen legen:[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das situationsangemessene und adressatenorientierte Reden in verschiedenen Situationen bereitet aber selbst noch Schülern des 10. Jahrgangs große Schwierigkeiten. Sprechhemmungen spielen dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle. So resultiert meine Motivation für das Vorhaben, Rhetorikübungen zur Reduktion von Sprechhemmungen zu erproben, aus meinen jüngsten praktischen Erfahrungen: Als ich erfuhr, eine 10. Klasse übertragen zu bekommen, hospitierte ich vorab regelmäßig in dieser Klasse. Dabei lernte ich eine sehr freundliche, aber ungewöhnlich ruhige, introvertierte Klasse kennen, in der fast 2/3 der Schüler[4] Sprechleistungen verschiedenster Art regelmäßig nicht erbringt oder gar verweigert, und zwar unabhängig von der Lehrperson. Gespräche mit Kollegen, die ebenfalls in dieser Klasse unterrichten, bestätigten das Phänomen „Sprechhemmung“.

Da dem Reden aber eine beachtliche Bedeutung für die Bewältigung privater und beruflicher Lebenssituationen beizumessen ist, gilt es, diese Hemmungen bestmöglich zu reduzieren. Nicht zu vernachlässigen ist zudem, dass die Rhetorik das schulinterne und gar lebenslange Lernen unterstützen kann, da Menschen sich erwiesenermaßen nur 10% von dem merken, was sie lesen, aber 70% von dem, was sie selbst vortragen.[5] Es sei auch daran erinnert, dass es die Rhetorik ist, die seit jeher als fundamentales Instrument demokratischen Handelns gebraucht wird[6], womit der Stellenwert um ein weiteres Mal betont sein soll.[7] Wie wichtig die Befähigung der Schüler zur Rhetorik auch für das gesellschaftliche Zusammenleben ist, fassen Wolfgang Endres (Referent in der Lehrerfortbildung) und Moritz Küffner (Lehrbeauftragter für Rhetoriktechniken) mit diesen Worten zusammen:

Rhetorik „soll die Lernenden zur gedanklichen Klarheit befähigen. Je genauer jemand weiß, was er wahrnimmt, empfindet, denkt und was er aussdrücken und bewirken will, umso selbstbewusster steht er als Person in der Welt. Er wird weniger [...] zu den Mitteln der Verzweiflung greifen wollen. Wer sich gemeinschaftsverträglich ausdrücken kann und Anerkennung erfährt, kann auf Gewalt verzichten.“[8]

In der Unterrichtseinheit zum Thema „Reden in verschiedenen Situationen“ wurden ausgewählte Rhetorikübungen erprobt, die Chancen zur Reduktion von Sprechhemmungen versprachen. Am Ende der Einheit sollten die Schüler befähigt sein, eine Rede zu planen und zu halten.

Ziel dieses empirischen Beitrags ist es nun, zwei der durchgeführten Rhetorikübungen exemplarisch auf die erreichten Erfolge und erfahrenen Grenzen zur Reduktion von Sprechhemmungen zu reflektieren. Daraus leitet sich die generalisierende Untersuchungsfrage ab, inwiefern Rhetorikübungen zur Reduktion von Sprechhemmungen beitragen können.

Der erstellten Prognose zufolge, die auf meiner Einschätzung nach den Hospitationen und den Erfahrungswerten der Klassenlehrerin basiert, kann davon ausgegangen werden, dass mindestens fünf Schüler die Rede am Ende der Einheit nicht erbringen werden. Jene Schüler sind stark sprechgehemmt und verweigern regelmäßig Sprechleistungen vor dem Plenum. Ein großer Erfolg ist daher schon darin zu sehen, wenn sich tatsächlich alle Schüler trauten, am Ende der Einheit eine Rede vor der Klasse zu halten - auch wenn nicht alle besprochenen Rhetorikregeln Beachtung fänden.

Die Ergebnisse werden zur Klärung der Untersuchungsfrage explizit im Schlusswort abgewägt. Vorangestellt sind dem Schlusswort drei Kapitel:

1. Im ersten Kapitel gilt es, die im Titel enthaltenen Schlagworte „Rhetorik“ und „Sprechhemmungen“ für den Rahmen dieser Arbeit zu definieren. Neben der Definition stellt das Unterkapitel „Rhetorik“ auch einige Übungen der Autoren vor, auf die ich mich während der Planung der Einheit bezogen habe. Im Unterkapitel „Sprechhemmungen“ werden neben der Definition Thesen aus einem Erklärungsansatz abgeleitet, wie Sprechhemmungen reduziert werden könnten. Die Begriffsbestimmung ist unerlässlich, um das unterrichtliche Vorgehen nachvollziehbar und Erfolge messbar zu machen.
2. Im zweiten Kapitel wird der Kontext - die Lernvoraussetzungen der Schüler sowie der Planungszusammenhang der Unterrichtseinheit - thematisiert. Die Darlegung dieses Kontextes ist nötig, weil die Lernvoraussetzungen einen entscheidenden Einflussfaktor auf den Lernerfolg darstellen, sodass die Erkenntnisse aus der Hinterfragung der Lernvoraussetzungen maßgeblich die Auswahl der Übungen und somit den Planungszusammenhang mitbestimmten.
3. Im dritten Kapitel werden zwei ausgewählte Rhetorikübungen - eingebettet in den methodisch-didaktischen Kontext - vorgestellt und ihre Auswahl begründet. Anschließend erfolgt jeweils eine Wertung der Übung. Die Wertung betrachtet, inwiefern diese Übung an dieser Stelle der Einheit für das Untersuchungsvorhaben sinnbringend war und an welchen Stellen sich Optimierungsideen ergeben haben.

Kapitel I Begriffsklärung zentraler Titelschlag­worte

1.1 Rhetorik

Definition Der Fachliteratur liegen verschiedene Definitionen von Rhetorik zugrunde. Daher soll zunächst geklärt werden, was im Rahmen dieses Beitrags unter „Rhetorik“ verstanden wird.

Die Grundlage des hiesigen Verständnisses ist die Überzeugung, dass die Fertigkeit des gekonnten Sprechens erlernt werden kann und somit keiner besonderen Begabung oder genetischen Disposition bedarf. Darauf aufbauend ist Rhetorik als elementare Leistung im Bereich der gesprochenen Kommunikation zu verstehen, bei der Menschen ...

- auf situationsangemessene Weise,
- zu einem bestimmten Thema,
- in bewusster Wirkung und Struktur,
- den Zuhörern ausgewählte Informationen vermitteln,
- um ein Ziel zu erreichen.[9]

In der Fachliteratur herrscht Einigkeit über die Indikatoren gelungener Rhetorik, die in der Schule auch als Bewertungskriterien herangezogen werden. Ein Schüler gilt als rhetorisch kompetent, wenn er einen Redebeitrag selbstständig vorbereiten und diesen.

- unter authentischem Einbezug von Gestik und Mimik,
- frei sprechend und mit Blickkontakt,
- in angemessener Wortwahl und klarer Sprechtechnik sowie
- visualisiert und mediengestützt vortragen kann.[10]

Gleichwohl sind nicht alle Indikatoren für jede Redesituation zwingend: Während die Medienunterstützung bei Präsentationen unabdingbar ist, darf diese beim Halten einer Rede durchaus fehlen. Umgekehrt verhält es sich beim Einbezug aussagekräftiger Gesten.[11] Der Erwartungshorizont wurde gemeinsam mit den Schülern an die jeweilige Redesituation angepasst und beeinhaltete mindestens eine Differenzierungsstufe, sodass nicht alle Kriterien von Anfang an umgesetzt werden mussten.

Der Begriff „Rhetorik“ wird häufig synonym mit „Dialektik“ verwendet. Während die Rhetorik aber wörtlich das sichere und wirkungsvolle Sprechen vor anderen meint, impliziert die Dialektik die Kunst der überzeugenden Gesprächsführung.[12] Auch wenn die Grenzen zwischen der Rhetorik und Dialektik wahrlich verschwimmen, fließt nur die wörtliche Bedeutung von Rhetorik in die hiesige Definition mit ein. Die Unterrichtsreihe zum Thema „Sprechen in verschiedenen Situationen“ soll demnach insbesondere auf Situationen vorbereiten, die über das Sprechen im Alltag hinausgehen und eine gezielte Vorbereitung des Sprechakts, der vor mehr als einer Person stattfindet, vorsehen. Wie bereits erwähnt, sollen die Schüler am Ende der Unterrichtseinheit befähigt sein, eine Rede vor der Klasse zu halten.

Insgesamt bietet die Fachliteratur dazu ein breites Spektrum an originellen und handlungsorientierten Rhetorikübungen an. Ich habe bei der Planung dieser Unterrichtseinheit auf die Empfehlungen von vier Autoren zurückgegriffen, die an dieser Stelle benannt sein sollen. Die zwei farbig hervorgehobenen Übungen werden im dritten Kapitel näher betrachtet.

Als besonders vielversprechend für dieses Vorhaben beurteilte ich die Vorschläge von Wolgang Endres und Moritz Küffner, weil sie kleinschrittig genug vorgehen, um stark sprechgehemmten Schülern entgegenzukommen und auf diese Weise auch ihnen Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Von den nachstehend aufgelisteten Übungen wurden die ersten zwei im Unterricht erprobt. Sie halfen den Schülern, sich einer bewussten Intonation und Gestik anzunähern.

- Vorlesetechnik
- Pantomime: Bildsprache der Hände
- Ein Über-Blick - Übungen zum Blickkontakt[13]

Aber auch die Anregungen von Siegwart Berthold sind zu nennen, weil sie aufgrund ihres spielerischen Charakters ein motiviertes Üben von Reden unterstützen. Beispielhaft seien hier vier seiner Übungen namentlich vorgestellt, von denen die ersten zwei Einzug in die Einheit fanden:

- Nonsense-Reden [sic!]
- Ein auffälliges Wort in einer Rede verstecken
- Rede zu einem auffälligen Wort
- Scherzhafte oder absurde Meinungen vertreten[14]

Abschließend soll noch Stephan Gora als Inspirator genannt sein. Seine Empfehlungen überschneiden sich teilweise mit den soeben vorgestellten Übungen[15], was mich in meiner Auswahl bestärkt hat, da Stephan Gora selbst Lehrer ist und sich als Rhetorikexperte einen Namen gemacht hat. Er führt bereits seit über 25 Jahren Rhetorikkurse in der Schule und Lehrerausildung durch.[16]

Denkt man an „Rhetorikübungen“, wird i. d. R. das Üben von öffentlichen Reden assoziiert. Rhetorikübungen umfassen aber weitaus mehr als das: Es existieren differenzierte Übungen, die ein stufenweises, kumultatives Aufbauen von rhetorischen Fertigkeiten ermöglichen - vom flexiblen Sprechen über das Präsentieren bis hin zum Halten von Reden.

1.2 Reduktion von Sprechhemmungen

Definition Sprechhemmungen werden hier weder als irrationale, zu therapierende Sprechphobie noch als unvollständiger Erwerb von Sprechfähigkeiten verstanden[17], sondern als natürliche Unsicherheit[18], die mit der Bedrohung des Selbstwertgefühls verbunden ist und die im Rahmen der unterrichtlichen Möglichkeiten reduziert werden kann. Damit gehe ich mit diversen Autoren konform - z. B. mit Reinholde Kriebel, die in einer ihrer Publikationen festhält: „Sprechangst ist heilbar! Stärkere Sprechängstlichkeit im Selbsterleben und im sichtbaren Verhalten lässt sich relativ rasch reduzieren [,..].“[19] [20]

Die rechtsseitige Karikatur verbildlicht in überspitzter und doch treffender Weise, worin sich Redehemmungen etablieren können: Der Redner befindet sich unmittelbar vor dem Ausgang; er scheint innerlich zur Flucht bereit zu sein. Er versinkt regelrecht hinter seinem Podium, das er nicht zum Publikum hin ausgerichtet hat.

Seine Hände umklammern ein unhandliches Skript, mit dem er sein Gesicht weitestgehend verdeckt. Diese Indikatoren werden in der Fachliteratur als Beobachtungskriterien für Sprechhemmungen bestätigt.

Sprechhemmungen manifestieren sich auf drei Ebenen, wobei nur die zweit- und drittaufgeführte Ebene für den Lehrer sichtbar sind. Die erstgenannte Ebene wurde durch verschiedene Reflektionsphasen sichtbar gemacht.

1. Auf kognitiver Ebene: Diese Schüler befürchten mögliches Versagen oder eine negative Bewertung vor einer größeren Hörerschaft.
2. Auf der Verhaltensebene: Diese Schüler melden sich (fast) nie, sprechen bei Aufforderung zumeist leise, monoton und stockend. Sie vermeiden den Blickkontakt und/oder verwenden Verlegenheitsgesten.
3. Auf physiologischer Ebene: Diese Schüler haben v. a. einen beschleunigten Puls, sie erröten und/oder schwitzen.[21]

Um zu verdeutlichen, wie klar sich manche Indikatoren bei den Schülern abzeichneten, werden exemplarisch drei Fotos von charakteristischen Schülergesten vorgestellt: Die Schüler sollten sich zum Stundenthema „Körper sprich! - Ein Fotoprojekt!“ in Partnerarbeit überlegen, welche Gesten sie selbst häufig beim Sprechen verwenden. Diese Gesten sollten sie dem Partner in Standbildern präsentieren.[22] Danach musste jeder Schüler eine für ihn besonders authentische Geste auswählen und diese auf einem Foto festhalten. Jeder konnte sich auf diese Weise über sein persönliches Repertoire an Gesten bewusst werden. Die Fotos wurden genutzt, um die Wirkung und Aussagekraft von Gesten zu thematisieren.[23]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Fotos zeigen, dass die Schüler typische Verlegenheitsgesten verwenden und keinen Blickkontakt herstellen. Mehr als die Hälfte der Klasse hat Fotos wie diese eingereicht. Diese stehen in deutlichem Kontrast zu manch anderen Fotos, die eindeutig nicht sprechgehemmte Schüler dieser Klasse von sich erstellt haben.

Die gebräuchlichste Erklärung für die Entstehung von Sprechhemmungen bezieht sich auf die Verstärkung oder Bestrafung, die ein Kind für seine Kommunikationsversuche erhält. Dieser Ansatz aus der klassischen Konditionierungstheorie geht davon aus, dass Individuen Situationen vermeiden, die aversive Konsequenzen hervorrufen könnten. Experimentelle Befunde weisen darauf hin, dass sprechgehemmte Schüler häufiger negative als positive Sprecherfahrungen gemacht haben. Geringe Sprecherfahrungen, Vermeidungsstrategien und mangelnde Sprechkompetenz sind i. d. R. die Folge.

Daraus folgt, dass Lehrer sich v. a. in der Pflicht sehen müssen, eine Vielzahl an differenzierten Sprechgelegenheiten einzuräumen[24] und dabei positive Empfindungen zu schaffen.[25] Positive Empfindungen gehen wiederum mit der Etablierung einer konstruktiven Feedbackkultur einher[26], in der positiv verstärkt werden muss. Gerhard Lange ergänzt, dass auch eine gute Vorbereitung des Sprechakts zur Reduktion von Sprechhemmungen beitragen kann.[27] Das könne die Zuversicht steigern und Angsterleben verringern.[28]

Zusammenfassend lassen sich mit Blick auf die Untersuchungsfrage vier Thesen ableiten, die im weiteren Verlauf auf ihr Potenzial zur Reduktion von Sprechhemmungen hin überprüft werden müssen:

1. Sprechhemmungen lassen sich durch differenzierte Sprechgelegenheiten reduzieren - je mehr Sprechgelegenheiten, desto besser.
2. Sprechhemmungen lassen sich durch die Verbindung von positiven Empfindungen mit dem Sprechakt reduzieren.
3. Die Etablierung einer konstruktiven Feedbackkultur kann positive Empfindungen schaffen.
4. Gute Vorbereitung kann Sprechhemmungen reduzieren.

Kapitel II Kontext

2.1 Lernvoraussetzungen der Schüler

Da die Lernvoraussetzungen einen entscheidenden Einflussfaktor auf den Lernerfolg darstellen, war ich am Anfang der Unterrichtseinheit darum bemüht, zwei Ebenen von Lernvoraussetzungen festzustellen - soweit das angesichts der Heterogenität einer jeden Lerngruppe möglich ist: Von besonderem Interesse waren für mich die vorhandenen Sachkenntnisse, die i. d. R. mit entsprechenden Sprecherfahrungen verknüpft sind, und die motivationalen Voraussetzungen.

Den vorhandenen Sachkenntnissen näherte ich mich auf zwei Wegen:

1. Zum einen erkundigte ich mich diesbezüglich bei der Deutschlehrerin, die diese Lerngruppe als Klassenlehrerin seit der 7. Jahrgangsstufe begleitete. Sie sagte mir, dass sie sich bei der Unterrichtsgestaltung eng an die Empfehlungen des kompetenzorientierten Rahmenlehrplans gehalten und den Schülern regelmäßig Sprechgelegenheiten eingeräumt hatte. Ich dürfe davon ausgehen, dass die Schüler um rhetorische Grundlagen wissen sowie mit diversen Sprechsituationen wie dem Referieren oder Präsentieren vertraut sind. Unerfahren seien die Schüler lediglich mit dem Halten von Reden.

2. Zum anderen versuchte ich, das Vorwissen zum Thema „Rhetorik“ mithilfe der Marktplatz-Methode[29] zu aktivieren und schließlich an der Tafel zusammenzutragen. Dafür stellte ich im Klassenraum verschiedene Fotos von Rednern aus und ließ diese von den Schülern aufgabenorientiert betrachten. Hier ist ein kleiner Ausschnitt dessen eingefügt, mit welchen Bildimpulsen sich die Schüler konfrontiert sahen:[30]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[31]

Die zusammengetragenen Schülerbeiträge bestätigten die Aussagen der Klassenlehrerin und überzeugten mich davon, dass ich auf einem guten Fundament an rhetorischem Sachwissen aufbauen konnte.[32]

Die gesammelten Beiträge wurden letztlich unter der Fragestellung „Was muss ich beim Halten einer Rede beachten?“ systematisiert und von den Schülern zu einem Bewertungsraster zusammengestellt, das die wichtigsten, unter 1.1 genannten Indikatoren eines rhetorisch kompetenten Redners aufgreift.

[...]


[1] Zitiert nach: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): Rahmenlehrplan für die Berliner Schule. Deutsch. Se­kundarstufe I, 1. Auflage, Berlin 2006, S. 48.

[2] Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 57-61.

[3] Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S.56.

[4] Zugunsten des Leseflusses wird in diesem Beitrag ausschließlich die maskuline Form verwendet. Impliziert sind aber selbstverständlich auch alle Schülerinnen.

[5] Vgl. Gora, Stephan: Schule der Rhetorik. Ein Lese- und Arbeitsbuch, 1. Auflage, Leipzig 2008, S. 58.

[6] Vgl. Heigl, Peter: 30 Minuten für gute Rhetorik, 17. Auflage, Offenbach 2010, S. 10.

[7] Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (Hg.): 2006, S. 5.

[8] Zitiert nach: Endres, Wolfgang / Küffner, Moritz: Rhetorik und Präsentation in der Berufsschule. Das Know-how für Leh­rer/innen und Schüler/innen, Band 3, Weinheim und Basel 2008, S. 7. Bestätigt wird dies auch in zahlreichen anderen Pu­blikationen. Erst 2005 berichtete z. B. der Fokus, dass Sprachkompetenz ein Mittel gegen Gewalt ist. Siehe: Focus-Online (Hg.): Keine Macht der Gewalt. In: http://www.focus.de/schule/heft/sicherheitsreport-teil-2-keine-macht-der- gewalt_aid_231435.html, 3.7.2010.

[9] Vgl. Gora, Stephan: Praktische Rhetorik. Rede- und Gesprächstechniken in der Schule, 1. Auflage, Seelze-Velber 2010, S. 25.

[10] Vgl. Gora: 2010, S. 25.

[11] Vgl. Endres / Küffner: 2008, S. 12.

[12] Vgl. Heigl: 2010, S. 11.

[13] Vgl. Endres / Küffner: 2008, S. 11f, 63f, 66f.

[14] Vgl. Berthold, Siegwart: Reden lernen. Übungen für die Sekundarstufe I und II, 1. Auflage, Frankfurt a. M. 1993, S. 128f, 132-138.

[15] Vgl. Gora: 2010, [u. a.] S. 91-95. Stephan Gora wertschätzt hier das Vorlesen als vorbereitende Übung für das freie, be­tonte Sprechen - ebenso wie Endres und Küffner.

[16] Vgl. Gora: 2010, S. 9.

[17] Vgl. Beushausen, Ulla: Sprechangst. Erklärungsmodelle und Therapieformen, Opladen 1996, S. 26f.

[18] Vgl. Pabst-Weinschenk, Marita: Reden im Studium. Ein Trainingsprogramm, Frankfurt am Main 1995, S. 106.

[19] Kriebel, Reinholde: Sprechangst. Analyse und Behandlung einer verbalen Kommunikationsstörung, Stuttgart 1984, S. 131.

[20] Die Abbildung ist entnommen aus: Will, Hermann: Mini-Handbuch. Vortrag und Präsentation. Für Ihren nächsten Auftritt vor Publikum, 6. Auflage, Weinheim und Basel 2006, S. 15.

[21] Vgl. Renner, Karl-Heinz: Selbstinterpretation und Self-Modeling bei Redeängstlichkeit, [u. a.] Göttingen 2002, S. 19.

[22] Vgl.dazu bspw.: Böhringer, Joachim / Bühler, Peter / Schlaich, Patrick: Präsentieren in Schule, Studium und Beruf, [u. a.] Berlin 2007, S. 19-22.

[23] Vgl. Beushausen: 1996, S. 27.

[24] Vgl. hierzu auch: Thiele, Albert. Die Kunst zu überzeugen. Faire und unfaire Dialektik, Düsseldorf 1988, S. 76.

[25] Zitiert nach: Berthold: 1993, S. 11.

[26] Vgl. Gora: 2010, S. 93.

[27] Vgl. Lange, Gerhard: Rhetorik. Mit Worten gewinnen. Reden - Verkaufen - Motivieren, 24. Auflage, Bonn 2005, S. 127.

[28] Vgl. Berthold: 1993, S. 14.

[29] Vgl. z. B.: Wenzel, Birgit: Kreative und innovative Methoden. Geschichtsunterricht einmal anders, Schwalbach 2010, S. 163-167.

[30] Kleine Zeitung (Hg.): Obamas Antrittsrede als 44. US-Präsident. In: http://static3.kleinezeitung.at/system/galleries_520x335/upload/6/3/3/1736603/rede200109ap308.jpg, 3.7.2010.

[31] Eduard-Breuninger-Schule Backnang(Hg.): Abitur 2009. In: http://www.ks- bk.de/presse/images/ABI%2009%20Rede%20Scheffelpreistraeger.jpg, 3.7.2010.

[32] PinkMap (Hg.): Titel unbekannt. In: http://blog.pinkmap.at/wp-content/uploads/2010/01/0102087913400.jpg, 3.7.2010.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Erprobung ausgewählter Rhetorikübungen zur Reduktion von Sprechhemmungen bei Schülern
Untertitel
Ein Vorhaben im Fach Deutsch einer Unterrichtsreihe zum Thema "Reden in verschiedenen Situationen" in einer 10. Klasse
Hochschule
Universität Potsdam  (Schulpraktisches Seminar Berlin)
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
33
Katalognummer
V163743
ISBN (eBook)
9783640787401
ISBN (Buch)
9783640787555
Dateigröße
764 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rhetorik, Redehemmung, Rhetorikübung, Schule, Unterricht, Kompetenzen, Lehrer, Didaktik, Sprache, Sprechen, Komptenzen, Arbeitswelt, Schulabschluss, Fähigkeiten
Arbeit zitieren
Frida Bliesweiler (Autor:in), 2010, Erprobung ausgewählter Rhetorikübungen zur Reduktion von Sprechhemmungen bei Schülern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163743

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