Kulturdimension und nationale Werte im interkulturellen Vergleich

(Webseitenanalyse)


Referat (Ausarbeitung), 2010
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Methodik

2 Kulturbegriff und Kulturdimensionen

3 Kultureller Überblick - BRD & USA

4 Webseitenanalyse
4.1 Vergleich whitehouse.gov / bundeskanzlerin.de
4.2 Vergleich cia.gov / bnd.de

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Indizes der Kulturdimensionen nach Hofstede,

Abbildung 2: Screenshot von Whitehouse.gov und bundeskanzlerin.de

Abbildung 3: Unterpunkte in einem Menü auf Whitehouse.gov

Abbildung 4: Bilder der Familie Obama auf Whitehouse.gov

Abbildung 5: Screenshot von cia.gov

Abbildung 6: Screenshot von bnd.de

1 Einleitung

Kultur ist im Zuge der fortschreitenden Globalisierung ein immer häufiger gebrauchtes und gehörtes Schlagwort. Doch nicht nur im Geschäftsleben oder im Urlaub kann man auf unterschiedliche Kulturen treffen, bereits ein Ausflug in das World Wide Web liefert viele Beispiele wie unterschiedliche Kulturen den jeweiligen Alltag beeinflussen können.

Lassen sich anhand des Designs einer Website tatsächlich Rückschlüsse auf die Unterschiedlichkeit von Kulturen ziehen? Und wie wirkt sich Kultur oder gerade der Kulturunterschied und die nationalen Werte eines Landes auf das Webdesign selbst aus?

Eine bewährte Methode Kulturen und ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu beschreiben ist es, die Kulturen in unterschiedliche Dimensionen einzuteilen. Doch ist diese Methode auch in einem globalen Medium wie dem Internet möglich?

1.1 Methodik

Diese Arbeit will am Beispiel von zwei U.S. amerikanischen und zwei deutschen Webseiten untersuchen, ob sich unterschiedliche Kulturdimensionen für einen solchen Webseitenvergleich eignen. Dabei sollen für diese Arbeit die Kulturdimensionen nach Hofstede und Hall in diesen Vergleich einbezogen werden.

Zugleich soll bei dieser Betrachtung eine Analyse der Websites basierend auf Charakteristika der Designlehre stattfinden, welche danach auf die Kulturdimensionen übertragen werden.

Die Arbeit liefert zuerst einen Überblick über die unterschiedlichen Kulturdimensionen. Im Anschluss daran wird im zweiten Teil ein kultureller Überblick über Deutschland und die Vereinigten Staaten von Amerika dargestellt. Im dritten Teil der Arbeit werden die Beispiele bnd.de / cia.gov sowie bundeskanzlerin.de / whitehouse.gov auf ihre Designmerkmale hin untersucht und diese mit einzelnen Kulturdimensionen in Verbindung gebracht.

2 Kulturbegriff und Kulturdimensionen

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Kulturbegriff und unterschiedlichen Kulturdimensionen. Diese sollen daher an dieser Stelle erörtert werden, um ein grundsätzliches Verständnis für die weitere Herangehensweise zu schaffen.

Der ursprüngliche Begriff „Kultur“ entstammt dem Lateinischen und bezog sich, wie es auch heute noch an Begriffen wie Kulturboden erkennbar ist, auf die landwirtschaftliche Nutzung von Boden.[1] Perlitz hingegen beschreibt Kultur als Teil der gemeinsamen gesellschaftlichen Werte, die individuell internalisiert und dadurch handlungsleitend im jeweiligen Land sind.[2] Hofstede prägte für Kultur die Idee der kollektiven Programmierung des Geistes, welche die Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie von Menschen von einer anderen unterscheidet. Auch folgert er daraus, dass Kultur erlernt bzw. aus dem sozialen Umfeld angetragen wird und nicht etwa durch Gene vorbestimmt sei.[3]

Da die Mitglieder, die einer bestimmten Kultur angehören, gemeinsame Verhaltensweisen zu zeigen scheinen, entwickelten Ruth Benedict (1887-1948) und Margaret Mead (1901-1978) die These, alle Kulturen würden sich im Grunde mit den gleichen Grundproblemen auseinandersetzen.[4] Basierend auf diesem Gedanken entwickelte Hofstede das Modell der Kulturdimensionen, welches auf die Befragung von Mitarbeitern der Firma IBM stütze.

Hofstede unterschied folgende Kulturdimensionen:[5]

- Individualismus und Kollektivismus.

Beschreibt ob das Verhalten von Menschen in einer Gruppe eher individualistisch geprägt oder die Gruppenbindungen sehr stark ausgeprägt ist.

- Machtdistanz.

Der Grad von Verschiedenheit unter Mitgliedern einer Gruppe (z.B. Mitarbeiter/Vorgesetzten), den die Bevölkerung eines Landes als normal empfindet.

- Maskulinität vs. Femininität

Der Umfang, in dem eine Kultur männliche Attribute wie Bestimmtheit als förderlich betrachtet im Vergleich zu einer Kultur, die weibliche Attribute wie Bescheidenheit höher schätzt.

- Unsicherheitsvermeidung.

Der Grad, in dem Leute in einem Land strukturierte, sichere Situationen gegenüber unstrukturierten, unsicheren, risikoreichen Situationen bevorzugen.

- Langfristige vs. kurzfristige Orientierung (Konfuzianische Dynamik).

Beschreibt den Grad der Wertschätzung langfristiger Werte orientiert in Richtung Zukunft und Ausdauer im Vergleich zu kurzfristigen Werten orientiert in Richtung Vergangenheit und Gegenwart, wie Respekt für Tradition und das Erfüllen von Sozialverpflichtungen.

Auch Edward und Mildred Hall entwickelten ein Modell von Kulturdimensionen. Sie unterscheiden hierbei in vier unterschiedlichen Dimensionen:[6]

- Kontextorientierung.

In High-Context Kulturen können Informationen aus Situationen entnommen werden während in Low-Context Kulturen Informationen direkt ausgedrückt werden.

- Proxemik/Raumverständnis.

Beschreibt die kulturabhängige Ausprägung, nach der räumlicher Abstand zu Menschen zugelassen oder als unangenehm empfunden wird.

- Zeitverständnis.

Monochrone Kulturen tendieren zu einzelnen Arbeitsschritten und sind aufgabenbezogen wobei polychrone Kulturen flexibler sind und Beziehungen im Vordergrund stehen.

- Informationsgeschwindigkeit.

Wie schnell wird in einer Kultur Information verarbeitet bzw. welche Art Information (ausführlich – dafür langsamer zu verarbeiten / kurz & prägnant – dafür weniger Inhalt) wird bevorzugt.

3 Kultureller Überblick - BRD & USA

Dieses Kapitel soll einen kulturellen Überblick über Deutschland und die Vereinigten Staaten und den Zusammenhang zu den jeweiligen Kulturdimensionen nach Hofstede und Hall liefern. Es dient als Hintergrundinformation für die im nächsten Kapitel vorgenommenen Vergleiche des Webseiten und deren Abgleich mit den unterschiedlichen Kulturdimensionen.

Die folgende Abbildung ist der Homepage von Hofstede entnommen und stellt die Ausprägung der einzelnen Kulturdimensionen für Deutschland und die Vereinigten Staaten dar. Die Höhe des Index gibt die Ausprägung der Dimension wieder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Indizes der Kulturdimensionen nach Hofstede[7],[8]

Die Machtdistanz ist sowohl in Deutschland als auch in den USA in etwa auf gleichem Niveau anzusiedeln. Sie zählen nach Hofstede beide zu den Ländern mit eher geringer Machtdistanz, welche beispielsweise Machtinsignien eher weniger betonen und Bürokratie eher vermeiden als Länder mit einem sehr hohen Machtdistanzindex. Im Fokus ist die Fähigkeit einer Person nicht die Position der Person.[9] Die USA führen den Index für Individualismus knapp vor Australien und Großbritannien an. Deutschland ist zwar mit einem Punktwert von 67 (vgl. USA: 91 Punkte) noch im oberen Drittel der individualistischen Länder anzusiedeln, doch im Vergleich zu den Vereinigten Staaten ist dieser Wert bei Weitem nicht so individualistisch geprägt.[10] Bezogen auf Maskulinität liegen die USA (62 Punkte) und Deutschland (66 Punkte) auf vergleichsweise ähnlichem Niveau, zwar stark maskulin geprägt aber hier kann noch nicht von einer extremen Ausprägung wie beispielsweise dem „Machismo“ gesprochen werden, wie er häufig in lateinamerikanischen Ländern anzutreffen ist.[11] Die Unsicherheitsvermeidung ist traditionell in Deutschland relativ hoch mit einem Wert von 65 Punkten.[12] Die USA mit 46 Punkten sind hierbei deutlich risikofreudiger. So werden beispielsweise von US-amerikanischen Managern Entscheidungen meist schneller und ohne vertieftes Detailwissen getroffen wohingegen Deutsche Führungskräfte eher dazu neigen sehr lange und ausführlich zu beraten.[13] Interessant ist der Blick auf die Dimension der Langzeitorientierung. Während nach Punkten sowohl die USA (29 Punkte) als auch Deutschland (31 Punkte) eher beide als kurzfristig orientiert beschrieben werden sollten, so ist doch für Deutschland „rein gefühlt“ eher von einer längerfristigen Orientierung zu sprechen – wie sich etwa durch die Vielzahl von Bausparverträgen anführen ließe.

[...]


[1] Vgl. Apfelthaler (2002), S. 28

[2] Vgl. Perlitz (2000), S. 279

[3] Vgl. Hofstede (1991), S. 5

[4] Vgl. Thissen (2008), S. 399

[5] Vgl. Hofstede (2001), 4-197

[6] Hall & Hall (1990) S. 3 ff

[7] Bildquelle: http://www.geert-hofstede.com/graphs/hofstede_germany.gif &
http://www.geert-hofstede.com/graphs/hofstede_united_states.gif , Stand: 14.11.2010

[8] Abkürzungen: PDI-Power Distance Indix/Machtdistanz; IDV-Individualism/Individualismus; MAS-Masculinity/Männlichkeit; UAI-Uncertainty Avoidance Index/Unsicherheitsvermeidung LTO-Long-Term Orientation/Langfristige Orientierung

[9] Vgl. Thissen (2008), S. 401

[10] Vgl. Hofstede (2001), S. 166

[11] Vgl. Hofstede (2001), S. 176

[12] Vgl. Hofstede (2001), S. 234

[13] Vgl. Bouncken & Jones (2008) S. 413

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kulturdimension und nationale Werte im interkulturellen Vergleich
Untertitel
(Webseitenanalyse)
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Veranstaltung
Intercultural Management
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V163790
ISBN (eBook)
9783640805075
ISBN (Buch)
9783640804863
Dateigröße
1815 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
webdesign, hofstede, hall, kulturdimensionen, analyse, vergleich
Arbeit zitieren
Nico Schuster (Autor), 2010, Kulturdimension und nationale Werte im interkulturellen Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163790

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