Chancen und Risiken von Leveraged Buyouts für Investoren, Private-Equity-Gesellschaften und Portfoliounternehmen


Bachelorarbeit, 2010

78 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Gang der Untersuchung

2. Einführung in die Thematik Private Equity und die verschiedenen Akteure am Markt
2.1 Was bedeutet Private Equity?
2.1.1 Abgrenzung zu Venture Capital
2.1.2 Die Unterkategorien von Buyouts
2.2 Die Finanzierungsstruktur von Leveraged Buyouts
2.2.1 Eigenkapital
2.2.2 Bankverbindlichkeiten
2.2.3 Mezzanine-Kapital
2.3 Analyse der Akteure auf dem Leveraged Buyout-Markt
2.3.1 Die Investoren
2.3.2 Die Private-Equity-Gesellschaften
2.3.3 Die Portfoliounternehmen

3. Vorgehensweise bei Leveraged Buyouts
3.1 Das Fondskonzept
3.2 Akquisitionsphase – Selektion und Investition
3.2.1 Deal Flow – Suche nach Investitionsmöglichkeiten
3.2.2 Short Screening und Due Diligence
3.2.3 Decision Making – Vertragsgestaltung und Transaktion
3.3 Wertgenerierungsprozess in der Haltephase bei Leveraged Buyouts
3.3.1 Quellen der Wertgenerierung
3.3.1.1 Intrinsische Quellen
3.3.1.2 Extrinsische Quellen
3.3.2 Ursachen der Wertgenerierung
3.3.2.1 Value Creation
3.3.2.1.1 Primary Levers
3.3.2.1.2 Secondary Levers
3.3.2.2 Value Capturing
3.4 Verkaufsphase – Analyse der Exit-Möglichkeiten
3.4.1 IPO – Initial Public Offering
3.4.2 Buy Back
3.4.3 Trade Sale
3.4.4 Secondary Sale
3.4.5 Liquidation
3.5 Zusammenfassung

4. Entwicklung des Buyout-Marktes
4.1 Auswirkung der Subprime-Krise auf den europäischen Private-Equity-Markt
4.2 Konsequenzen für den Leveraged-Buyout-Markt
4.3 Konflikt zwischen Banken und Private-Equity- Gesellschaften
4.4 Trends im Private Equity Business
4.5 Zusammenfassung

5. Chancen und Risiken für Investoren, Private-Equity- Gesellschaften und Portfoliounternehmen
5.1 Die Investoren
5.2 Die Private-Equity-Gesellschaften
5.3 Die Portfoliounternehmen

6. Schlussbetrachtung und Ausblick

LITERATURVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Private Equity als Oberbegriff

Abbildung 2: Der Leverage-Effekt

Abbildung 3: Finanzierungsstruktur bei Leveraged Buyouts

Abbildung 4: Der LBO-Prozess

Abbildung 5: Das Fondskonzept

Abbildung 6: Der Ablauf einer Akquisition

Abbildung 7: Der Wertgenerierungsprozess

Abbildung 8: Die Exit-Möglichkeiten

Abbildung 9: Leitzinsentwicklung

Abbildung 10: Entwicklung der PE-Investments seit Ausbruch der Krise

Abbildung 11: Handlungsoptionen bei einem Covenant-Bruch

Abbildung 12: Private-Equity-Trends

Abbildung 1: Private Equity Entwicklung in Europa

Abbildung 2: Entwicklung der Private Equity Investitionen in Europa

Abbildung 3: Transaktionen in Deutschland

Abbildung 4: Zahl der Exits in Deutschland

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Seit Anfang der Achtzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts hat das Anlagemodell Private Equity einen weltweiten Aufschwung erfahren, und insbesondere in den USA und in Großbritannien hat sich diese Anlagemöglichkeit auf dem Finanzmarkt etabliert. Auch Deutschland zählt seit der Jahrhundertwende zu den bedeutenden Private-Equity-Märkten, denn allein hier wurde im Jahr 2009 in 6.000 Unternehmen investiert, die mit 1,17 Millionen Beschäftigten 196 Mrd. € erwirtschafteten.[1] Diese Zahlen belegen, dass Private Equity ein relevanter Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands ist.

Im Jahr 2007 kam es infolge der in den USA geplatzten Immobilienblase zu einer weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise und Banken schränkten ihre Kreditvergabe an Private-Equity-Gesellschaften[2] (im Folgenden: PEG) zur Zeit der Krise stark ein. Da Leveraged Buyouts (im Folgenden: LBO) eine Akquisition eines Unternehmens mit überwiegendem Anteil an Fremdkapital darstellen. Wurden bereits geplante Transaktionen verschoben oder gar nicht mehr durchgeführt. Einige Unternehmen, die sich in dem Portfolio einer PEG befunden haben (im Folgenden: Portfoliounternehmen „PU“), mussten mit starken Gewinneinbrüchen rechnen. Diese PU sahen sich mit dem Problem der Kreditklemme konfrontiert. Banken vergaben keine Anschlussfinanzierungen und die Krise hielt Investoren davon ab, in einen Fonds einzuzahlen. Die Krise betraf alle in einem LBO involvierten Parteien; bis zum Jahr 2010 hat sich die weltweite Wirtschaftssituation jedoch weitestgehend beruhigt und der Private-Equity-Markt zeigt Anzeichen, dass die Branche wieder zur Normalität zurückkehrt.

Heute sind zahlreiche bekannte Unternehmen in Deutschland im Besitz einer PEG. Unternehmen wie Auto-Teile-Unger „A.T.U“ oder die ProSiebenSat.1 Media AG zählen zu den Portfoliounternehmen einer PEG.[3]

1.2 Zielsetzung und Gang der Untersuchung

Zielsetzung

Das vorliegende Buch untersucht das Private-Equity-Segment „Leveraged Buyout“ aus wissenschaftlicher Sicht und soll ein besseres Verständnis für diese Form des Unternehmenskaufs liefern. Des Weiteren wird speziell auf die Fragestellung eingegangen, wie es PEG gelingt, einen Wert in einem PU zu generieren. Dieses Buch soll darüber hinaus dazu beitragen, die Auswirkungen der Finanzkrise auf Leveraged Buyouts aufzuzeigen und die daraus resultierenden Chancen und Risiken für die involvierten Parteien darzustellen.

Gang der Untersuchung

In den nachfolgenden Kapiteln soll zunächst das Grundverständnis von Private Equity vermittelt werden. Insbesondere die Abgrenzung zu Venture Capital und die Unterkategorien von Private Equity sollen detailliert dargestellt werden. Die Finanzierungsstruktur zeigt auf, wie ein LBO strukturiert ist und welche Instrumente zum Einsatz kommen. Daraufhin wird untersucht, welche Akteure sich am LBO-Markt beteiligen und welche Ziele diese mit einer Beteiligung verfolgen.

Nach einer Einführung wird der gesamte LBO-Prozess näher untersucht, insbesondere aus welchen Quellen die PEG das Kapital beziehen und wie dieses eingesetzt wird. Darüber hinaus wird betrachtet, wie die Suche nach einem geeigneten PU erfolgt und wie sie strukturiert ist. Die Wertgenerierung während der Haltephase wird vor allem in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen, deshalb soll diese in Kapitel 3.3 analysiert werden. Da nicht nur die passende Suche und die optimale Wertgenerierung eine bedeutende Rolle im LBO-Business spielen, wird die Desinvestitionsphase im Anschluss vorgestellt und betrachtet, welche Möglichkeiten sich einer PEG hier bieten.

Infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise mussten PEG eine Veränderung in diesem Geschäft überstehen. Dabei spielten Banken die Hauptrolle und hatten einen maßgeblichen Einfluss auf das LBO-Geschäft. Dadurch ergaben sich neue Trends und Möglichkeiten, das Geschäftsmodell Private Equity weiter fortzusetzen.

Diese Auswirkung und die Möglichkeiten sollen deshalb in Kapitel 4 kritisch analysiert und anschaulich dargestellt werden.

Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung der vorhergehenden Kapitel und die Analyse der Chancen und Risiken für die Akteure am Markt.

2. Einführung in die Thematik Private Equity und die verschiedenen Akteure am Markt

2.1 Was bedeutet Private Equity?

Private Equity bedeutet wörtlich übersetzt „Privates Eigenkapital“ und zählt zu den alternativen Anlageklassen. Private Equity stellt eine Finanzierungsart und kein Finanzierungsinstrument dar.[4]

Die Deutsche Bank definiert Private Equity wie folgt:

„Beteiligungskapital von privaten und institutionellen Finanzinvestoren an nicht börslich (öffentlich) gehandelten Unternehmen. Private Equity Investoren stellen temporär Eigenkapital und Management-Kompetenz zur Verfügung. Nach fünf bis sieben Jahren veräußern sie ihren Anteil wieder. Ihren Gewinn ziehen die Private Equity Häuser aus der Wertsteigerung, die das Unternehmen während der Dauer der Beteiligung erzielt. Man unterscheidet zwischen Buyout Capital und Venture Capital. Buyout Fonds erwerben in der Regel bedeutende, das heißt mehrheitliche Beteiligungen an reifen, etablierten Unternehmen in Industrie- und Dienstleistungsbranchen, die sich ihrerseits mit Eigen- und Fremdkapital finanzieren. Darunter fällt der typische Mittelständler genauso wie einzelne Geschäftsbereiche großer Konzerne, die aus strategischen Gründen abgestoßen werden. Venture-Capital-Fonds hingegen beteiligen sich an jungen Technologie-Unternehmen in einer frühen Entwicklungsphase (sog. Start-ups).[5]

Diese Definition ist umfassend und umreißt treffend das Wesen von Private Equity. PEG stellen für ihre PU befristet Eigenkapital und Managementexpertenwissen zur Verfügung. Anders als Public Equity (börsengehandeltes Beteiligungskapital) wird Private Equity nicht an der Börse gehandelt und der Investor hat im Gegensatz zu einem Aktionär direkte Einflussmöglichkeiten auf die Unternehmensführung.

Der Begriff Private Equity lässt sich in verschiedene Unterkategorien aufteilen.

Abbildung 1: Private Equity als Oberbegriff[6]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Katzer (2007), S. 12.

Anhang der Abbildung lässt sich erkennen, dass sich Private Equity in Early Stage und Later Stage unterteilt. Dabei fallen die Seed-, die Start-up- und die Expansion-Phase[7] unter die Kategorie „Venture Capital“.[8] Laut einer Studie der EVCA und PriceWaterhouseCoopers sind Management-Buyouts (MBO´s) mit 72 % die am meisten eingesetzte Buyout-Art, gefolgt von Management-Buyins (MBI´s) mit 16 %.[9] In der Regel werden die meisten MBO´s und MBI´s mit überwiegendem Anteil an Fremdkapital akquiriert. Deshalb wird der Begriff LBO in diesem Buch als Oberbegriff verwendet.[10]

2.1.1 Abgrenzung zu Venture Capital

Wie aus der Definition der Deutschen Bank hervorgeht, handelt es sich bei Venture Capital um einen Unterbegriff von Private Equity. Venture-Capital-Investitionen sind risikoreicher als Buyouts, weil Kapital für Unternehmen bereitgestellt wird, die noch am Beginn ihrer Entwicklung stehen. Neben Private-Equity-Gesellschaften existieren spezialisierte Venture-Capital-Gesellschaften, die sich auf die Finanzierung von Unternehmen in der Frühphase spezialisieren.

Eine ausführliche Definition zu Venture Capital stammt von der European Private Equity and Venture Capital Association (EVCA):

„Professional equity co-invested with the entrepreneur to fund an early-stage (seed and start-up) or expansion venture. Offsetting the high risk the investor takes is the expectation of higher than average return on the investment. Venture capital is a subset of private equity.“[11]

Aus dieser Definition wird deutlich, was Venture Capital ist und dass es in jungen, stark wachsenden Unternehmen mit einer visionären Idee, größtenteils aus dem Technologiesektor, eingesetzt wird. Dabei sind die Renditen und besonders die Risiken nicht außer Acht zu lassen, da beide bei dieser Investitionsart sehr hoch sind.

2.1.2 Die Unterkategorien von Buyouts

Buyout bedeutet wörtlich übersetzt „Aufkauf“ und unterscheidet sich von einer normalen Unternehmensakquisition hinsichtlich der dahinter stehenden Absichten. Private-Equity-Gesellschaften versuchen, ihr investiertes Kapital zu maximieren, und verfolgen somit das Ziel der Renditenmaximierung. Unternehmen hingegen versuchen, durch Akquisitionen beispielsweise Verbundvorteile oder Größenvorteile zu nutzen.[12]

Die meisten Buyouts werden überwiegend durch Fremdkapital finanziert, im internationalen Sprachgebrauch wird der Oberbegriff LBO verwendet.[13] Buyouts zeichnen sich durch eine Finanzierung in einer späteren Phase des Lebenszyklus aus. Somit handelt es sich meist um reife Unternehmen, die bereits eine etablierte Position auf dem Markt besitzen. Dazu zählen kleine, mittlere und Großunternehmen. Bevor jedoch eine Private-Equity-Gesellschaft eine Investition in ein Zielunternehmen tätigt, muss es bestimmte Kriterien erfüllen. Zu diesen zählen eine gesicherte Marktposition sowie möglichst stabile Cashflow-Rückflüsse, um den zukünftigen Kredit schnellstmöglich abzubezahlen. Besonders geeignet dafür sind die aus der Portfoliomatrix der Boston Consulting Group bekannten „Cash Cows“, da diese zwar ein geringes Wachstum, aber sehr hohe Cashflow-Rückflüsse aufweisen.[14] Das Zielunternehmen sollte darüber hinaus eine geringe Verschuldungsquote besitzen, da auf dieser Basis die LBO-Finanzierungsstruktur berechnet wird und der Leverageeffekt[15] maximal ausgenutzt werden soll. Sind diese Kriterien erfüllt, zieht die PEG einen Kauf in Erwägung.

Management Buyout (MBO): Unter MBO ist eine Übernahme des Zielunternehmens in Zusammenarbeit mit dem bisherigen Management zu verstehen. Die früheren Manager werden dabei zu Geschäftsführern und beteiligen sich mit einem minimalen Anteil.[16] Das Management wird direkt am unternehmerischen Erfolg beteiligt und profitiert vom Wissen und Netzwerk der PEG. Neben der Zusammenarbeit mit einer PEG kann das interne Management alleine das Unternehmen akquirieren. Jedoch fehlt es dem Managment meist an Kapital und diese wenden sich an PEG die durch einen Fonds das Kapital bereitstellen.[17]

Management Buyin (MBI): Bei einem MBI wird das Portfoliounternehmen nicht nur von der Private-Equity-Gesellschaft gekauft, sondern es findet auch ein Managementaustausch statt. Es werden erfahrene (externe) Manager in das Unternehmen eingebracht, die neue Impulse mitbringen sollen. Dabei beteiligt sich das neue Management genau wie beim MBO am Eigenkapital. Private-Equity-Gesellschaften stellen meist Manager aus dem eigenen Netzwerk ein. Zu diesen zählen u. a. Investment-Banker, Unternehmensberater oder Topmanager aus der Industrie.

Leveraged Buyout (LBO): Bei einem LBO wird ein PU anteilmäßig oder vollständig durch die PEG für eine bestimmte Zeit übernommen. Dabei wird ein LBO in hohem Maße durch Fremdkapital (> 50 %)[18] finanziert,[19] damit der Leverageeffekt optimal genutzt werden kann.

Abbildung 2: Der Leverage-Effekt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Tcherveniachki (2007), S. 58.

Der Leverageeffekt nutzt das „relativ“ günstige Fremdkapital zur Finanzierung der Akquisition. Ist das Risiko zwischen operativem und finanziellem Risiko gering, dann lässt sich durch zusätzliche Aufnahme von Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität steigern. Jedoch darf der Fremdkapitalzins (nach Steuern) nicht die Gesamtkapitalrentabilität (Return on Assets – ROA) übersteigen, da kleine Veränderungen des Zinssatzes oder der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens einen erheblichen negativen Einfluss auf die Eigenkapitalrentabilität haben können.

2.2 Die Finanzierungsstruktur von Leveraged Buyouts

Die Finanzierungsstruktur eines LBOs ist immer einzigartig und abhängig von mehreren Variablen. Da kein Unternehmen gleich dem anderen ist, sind auch die Finanzierungsinstrumente bei jeder Akquisition unterschiedlich in ihrer Gewichtung. Dabei muss die PEG immer die Verfügbarkeit der Instrumente und die Kosten einkalkulieren, um die gewünschten Renditeziele zu erreichen.[20]

Abbildung 3: Finanzierungsstruktur bei Leveraged Buyouts

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Tcherveniachki (2007), S. 51.

Anhand der Abbildung ist eine typische LBO-Struktur zu erkennen. Das Eigenkapital beträgt in diesem Zahlenbeispiel lediglich 20 %. Die restlichen 80 % werden über Fremdkapital finanziert, das sich in vorrangiges und nachrangiges Fremdkapital aufteilt. Abhängig von dem Restrukturierungserfolg wird das aufgenommene Fremdkapital innerhalb von drei bis fünf Jahren durch die eigenen Cashflow-Rückflüsse halbiert, dieser Prozess wird in der Literatur auch als „Deleverage-Effekt“ bezeichnet.[21]

2.2.1 Eigenkapital

Das Eigenkapital wird durch die PEG, die Investoren und das Management in einem Buyout-Fonds bereitgestellt. Dieses Kapital setzt sich i.d.R. aus Einzahlungen in das Grundkapital bzw. Stammkapital sowie Kapitalreserven und Gesellschafterdarlehen zusammen.[22] Im Falle einer Insolvenz werden die Eigenkapitalgeber nachrangig zu den Fremd-, 2nd Lien und Mezzanine-Kapitalgebern bedient. PEG verlangen meist eine Beteiligung des Managements in Höhe des ein- bis zweifachen Jahresnettogehalts. Diese Einzahlung soll das Management psychologisch beeinflussen und hat eher Motivationscharakter.[23]

2.2.2 Bankverbindlichkeiten

Bankverbindlichkeiten werden meist als vorrangiges/ erstrangiges Kapital oder als Senior Debt bezeichnet und werden von Banken bereitgestellt. Vorrangiges Kapital bedeutet, dass im Falle einer Insolvenz diese Kredite zuerst bedient werden. Damit besitzen Banken im Falle einer Insolvenz die höchste Priorität. Die Bank erhält als Sicherung alle wesentlichen Vermögensgegenstände (Assets) des Zielunternehmens und seiner Tochterunternehmen.[24] Bankdarlehen haben eine durchschnittliche Laufzeit von fünf bis zehn Jahren und können fix oder variabel verzinst werden[25].

Bei Senior Debts werden vier verschiedene Formen unterschieden:

- Senior-A-Tranchen (Tilgungskredit, mit sechsmonatigen oder zwölfmonatigen Tilgungen),
- Senior-B-Tranchen (endfälliger Kredit),
- Senior-C-, -D- usw. Tranchen (ebenfalls endfällige Kredite),
- Revolving Credit Facility (Kontokorrentkredit).

Senior-A-Tranchen haben in der Praxis eine meist um ein Jahr kürzere Laufzeit als die Senior-B-Tranchen, die wiederum um ein Jahr kürzer sind als Senior-C-Tranchen usw. Revolvierende Kredite werden meist zur Finanzierung des Umlaufvermögens verwendet. Dabei können sie während der Kreditlaufzeit zurückgezahlt und wieder beansprucht werden.[26]

Diese Kredite werden entweder mit den Assets des Zielunternehmens besichert (Asset based Lending) oder, wenn diese nicht ausreichend sind, mit den zukünftigen Cashflow-Rückflüssen (Cashflow based Lending).[27] Kredite werden jedoch nur unter bestimmten Kriterien vergeben, an die sich das Portfoliounternehmen halten muss. Diese Kriterien werden als „Covenants“ bezeichnet und bedeuten, dass das Portfoliounternehmen bestimmte Kennzahlen einhalten muss, da sonst die Kredite vorzeitig gekündigt werden könnten.[28] Dadurch versucht die Bank, drohende Ausfälle früh zu erkennen und diesen entgegenzuwirken. Die meisten Covenants beziehen sich auf Ertrags- und Cashflow-Kennzahlen.

2.2.3 Mezzanine-Kapital

Der Begriff Mezzanine-Kapital leitet sich aus dem Wort „Mezzanine“ ab, das in der Architektur „Zwischengeschoss“ bedeutet. Dies illustriert anschaulich die Positionierung des Finanzierungsinstruments in der Bilanz. Mezzanine-Kapital stellt eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital dar und wird als hybride Finanzierung definiert.[29] Dabei nutzt es alle Vorteile von Eigen- und Fremdkapital und gibt dem Investor großen Spielraum bei dem Einsatz der verschiedenen Instrumente. Die möglichen Instrumente einer Mezzanine-Finanzierung in Deutschland sind Genussscheine, stille Beteiligungen, Wandel-/Optionsanleihen sowie Nachrangdarlehen mit und ohne einen Equity Kicker.[30],[31]

Diese Finanzierungsart ist juristisch gesehen steuerlich abzugsfähiges Fremdkapital, das in der Bilanz unter Eigenkapital verbucht wird. Bei Mezzanine-Kapital werden verschiedene Instrumente eingesetzt, die unterschiedliche Rechtstypen darstellen können.

[...]


[1] Vgl. BvK e.V. - Private Equity Brief (2010), S. 3.

[2] In der vorliegenden Arbeit wird nicht unter einer Private-Equity-Gesellschaft oder einem

Private-Equity-Konsortium unterschieden.

[3] Vgl. Kohlberg Kravis & Roberts (KKR) - Private Equity Portfolio – Europe.

[4] Vgl. Bader (1996), S. 10.

[5] Deutsche Bank – Investor Relations - Banking Glossary.

[6] Da die vorliegende Arbeit sich nur auf Leveraged Buyout bezieht, werden nur die

Unterkategorien von Buyouts in der Abbildung dargestellt.

[7] Für weiterführende Literatur siehe: Bader (1996), S. 103-110.

[8] Vgl. Katzer (2007), S.12.

[9] Vgl. EVCA/ PwC (2001), S. 8.

[10] In der vorliegenden Arbeit wird davon ausgegangen, dass eine Unternehmensakquisition mit

überwiegendem Anteil an Fremdkapital akquiriert wird und dass der Begriff LBO als

Oberbegriff verwendet wird.

[11] EVCA – Glossary.

[12] Vgl. Katzer (2007), S. 13.

[13] Vgl. Leopold et al. (2003), S. 23.

[14] Vgl. Bader (1996), S. 109.

[15] Vgl. diese Arbeit unter Leveraged Buyout, S. 8.

[16] Vgl. Kaplan/ Strömberg (2008), S. 7.

[17] In der vorliegenden Arbeit wird davon ausgegangen, dass das Management in zusammenarbeit mit einer Private-Equity-Gesellschaft agiert.

[18] Vgl. Stadler (2004), S. 237.

[19] Nach Kaplan/ Strömberg (2008), S. 6, beträgt die übliche FK-Quote bei LBOs zwischen 60 und 90 %.

[20] Vgl. Tcherveniachki (2007), S. 197.

[21] Vgl. Tcherveniachki (2007), S. 59.

[22] Vgl. Mittendorfer (2007), S. 137.

[23] Vgl. diese Arbeit unter Kapitel 3.3.2.1.2, S. 30.

[24] Vgl. Mittendorfer (2007), S. 140.

[25] Vgl. Giger (2007), S. 63.

[26] Vgl. Stadler (2004), S. 157.

[27] Vgl. Rosarius (2007), S. 43.

[28] Vgl. Metzger/ Hennes (2008), S. 18, Vgl. diese Arbeit unter Kapitel 4.3, S. 46-49.

[29] Vgl. Müller-Känel (2009), S. 13.

[30] Unter Equity Kicker versteht man die Partizipation am Unternehmenserfolg.

[31] Vgl. Brettel et al. (2008), S. 76-78.

Ende der Leseprobe aus 78 Seiten

Details

Titel
Chancen und Risiken von Leveraged Buyouts für Investoren, Private-Equity-Gesellschaften und Portfoliounternehmen
Hochschule
Hochschule RheinMain
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
78
Katalognummer
V164441
ISBN (eBook)
9783640797844
ISBN (Buch)
9783640797813
Dateigröße
2151 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Private Equity, Leveraged Buyouts, LBO, LBO´s, Chacen und Risiken von Leveraged Buyouts
Arbeit zitieren
Sergej Zwezich (Autor), 2010, Chancen und Risiken von Leveraged Buyouts für Investoren, Private-Equity-Gesellschaften und Portfoliounternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164441

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