Die Wirtschaftsstruktur der Bundesrepublik Deutschland

Sektoraler Wandel und regionale Disparitäten


Seminararbeit, 2010

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Sektoraler Wandel
2.1 Drei-Sektoren-Theorie nach Jean Fourastié
2.2 Strukturwandel in Deutschland

3 Wirtschaftsstruktur von Deutschland
3.1 Aktuelle Verteilung der Sektoren
3.2 Primärer Sektor
3.3 Sekundärer Sektor
3.4 Tertiärer Sektor

4 Regionale Disparitäten
4.1 Grundmuster in Deutschland
4.2 Ursachen des Süd-Nord-Gefälles
4.3 Ursachen des West-Ost-Gefälles
4.4 Ursachen des Stadt-Umland-Gefälles

5 Zusammenfassung und Auswertung

Literatur

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Modell der drei Wirtschaftssektoren in Deutschland

Abb. 2 Struktur der deutschen Wirtschaft

Abb. 3 Exporte ausgewählter Produktionsbereiche

Anteile der Auslandsumsätze am Gesamtumsatz in %

Abb. 4 BIP pro Kopf in den sechs deutschen Großregionen zur Verdeutlichtung der Disparitäten in der Wirtschaftsleistung

Tabellenverzeichnis

Tab. 1 Erwerbstätige in Deutschland nach Bundesländern und Wirtschaftsbereichen im Jahr 2008

1 Einleitung

Aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise rückten wirtschaftspolitische als auch wirtschaftsgeographische Themen wieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Traditionsreiche Unternehmen wie Quelle oder Karstadt konnten der Krise nicht standhalten oder sind nur knapp einer Insolvenz entkommen. Auch bei anderen Unternehmen und Betrieben gab es zahlreiche Diskussionen. Als Beispiel sind hierbei die Standortdebatten um die Opelwerke zu nennen, welche für Deutschlands Wirtschaft eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Eine Schließung konnte in letzter Sekunde nun doch noch verhindert werden. Doch warum sind vor allem die Opelwerke in Deutschland von so großer Bedeutung? Gibt es auch andere Betriebe und Wirtschaftsbranchen, die eine ähnlich wichtige Rolle für Deutschlands Wirtschaft spielen? Diese aktuellen Fragen können nur beantwortet werden, wenn man sich die Struktur der Wirtschaft genauer anschaut, also die Verteilung der einzelnen Sektoren am Bruttoinlandsprodukt und im Beschäftigungsgrad. Zudem sind Betrachtungen im Exporthandel von Deutschland nötig. Man wird außerdem feststellen, dass sich Deutschland aktuell zu einer Dienstleistungsgesellschaft entwickelt hat. Diese Tatsache hatte bereits Jean Fourastié vor 50 Jahren in seiner Drei-Sektoren-Hypothese dargestellt. Welche Faktoren und Ursachen waren dafür verantwortlich, dass der Großteil der Erwerbstätigen heute im Dienstleistungssektor arbeitet? Wie kam es zu einem solch genannten Strukturwandel? Neben dieser Fragestellung soll die Hausarbeit aber auch noch andere Schwerpunkte zur Wirtschaftsstruktur von Deutschland untersuchen. So ist es nicht nur wichtig die Wirtschaftsstruktur von Deutschland allgemein zu analysieren, sondern dabei auch regionale Unterschiede und Disparitäten zu berücksichtigen. Es stellt sich daher die Frage, wie und wo es zu solchen Disparitäten kommen konnte und vor allem wie diese in Zukunft bekämpft werden können.

2 Sektoraler Wandel

2.1 Drei-Sektoren-Theorie nach Jean Fourastié

In der Wirtschaft unterscheidet man heute zwischen drei Wirtschaftssektoren: denprimären Sektorzu dem die Land- & Forstwirtschaft zählt, densekundären Sektormit dem produzierenden Gewerbe und der Industrie, sowie dentertiären Sektormit den Dienstleistungen (u.a. Verkehr und Einzelhandel) (Kulke 2010:6). Um die aktuelle Verteilung der Wirtschaftssektoren in Deutschland nachvollziehen zu können, sollte man zunächst den Blickwinkel auf den sektoralen Wandel bzw. Strukturwandel richten. Dieser Prozess ist in Deutschland bereits seit Jahrzehnten im Gange und hält aktuell auch noch an. Unter dem Strukturwandel versteht man „Veränderungen in der technologischen und ökonomischen Entwicklung einzelner Branchen und ihrer Stellung in der Welt- & Volkswirtschaft“ (Eckart 2001:107). Bereits im Jahre 1954 hat Jean Fourastié den Verlauf des Strukturwandels in seiner Drei-Sektoren-Theorie dargestellt. Fourastié postuliert einen direkten Zusammenhang zwischen dem Wirtschaftswachstum einer Volkswirtschaft und der Verlagerung der Tätigkeiten in den nächsthöheren Sektor (Schätzl 1978:174). Dabei beginnt er seine Betrachtung in einer klassischen Agrargesellschaft, in der zum größten Teil die Erwerbstätigkeit im primären Sektor überwiegt und es nur vereinzelt Industrie und Dienst-leistungen gibt. Im Laufe der wirtschaftlichen Entwicklung gewinnt dann der sekundäre Sektor stark an Bedeutung und es entsteht eine Industriegesellschaft, in der ungefähr die Hälfte der Beschäftigten in diesem Sektor arbeiten. Mit weiterer fortschreitender Entwicklung kommt es dann zur Expansion des tertiären Sektors, welcher zunehmend stark mit rund zwei Drittel aller Erwerbstätigen dominiert. (Kulke 2010:6)

Jean Fourastié erklärte auch die Ursachen, die zu einem derartigen Strukturwandel führen. Dabei unterscheidet er zwischen der Angebotsseite und der Nachfrageseite. Auf der Angebotsseite werden mit Hilfe von neuen technischen Innovationen und Automatisierungen, welche durch eine fortschreitende Wirtschaftsentwicklung zum Einsatz kommen, weniger Arbeitskräfte benötigt. Trotzdem können aufgrund der effizienten Maschinen die gleichen Produktionsmengen hergestellt werden. Im primären Sektor gehören dazu u.a. neue Pflug- & Erntemaschinen die nur noch jeweils von einer Arbeitskraft bedient werden müssen. Im sekundären Sektor sind hierbei vor allem Fließbänder und Robotereinsätze zu nennen, die dort den Arbeitsplatzbedarf herabgesenkt haben. Auf der Nachfrageseite sieht Fourastié eine höhere Kaufkraft der Menschen mit der steigenden Wirtschaftsentwicklung und dem daraus verbundenen Wohlstand. Der Bedarf an Luxusartikeln wie z.B. Fernseher oder Autos steigt, was die Produktion und Nachfrage im sekundären Sektor begünstigt. Auch steigt die Nachfrage an Dienstleistungen im Form von Service- & Beratungsangeboten an. Dabei hat der primäre Sektor allerdings einen geringeren Produktivitätszuwachs, da er einkommensunelastisch ist. (Kulke 2010:6, Kulke 1998:199, Schätzl 1978:174)

Neben dieser angesprochenen Theorie gibt es noch andere Ergänzungen, die vor allem den Bedeutungsgewinn der Dienstleistungen in den letzten 20 Jahren erklären. Die Externalisierungsthese geht davon aus, dass Dienstleistungen, welche vorher von den Produktionsbetrieben selber erbracht wurden, an spezialisierte Anbieter ausgelagert werden. Als Beispiel wäre hier u.a. der Reparaturservice zu nennen, der früher noch direkt von den Automobilwerken angeboten wurde. Eine zweite Ergänzung ist die Interaktionsthese. Diese erklärt vor allem den Zuwachs an Service- & Beratungsangeboten im Dienstleistungsbereich, weil die Konkurrenz aufgrund der Globalisierung für viele Betriebe stärker geworden ist. Deshalb greifen mehr Unternehmen auf ein solches Dienstleistungsangebot zurück. Die letzte These ist die Parallelitätsthese, die besagt, dass es in hoch entwickelten Ländern sogar zur Entstehung gänzlich neuer Dienstleistungen gekommen ist, wie zum Beispiel das Angebot von Sonnenstudios. (Kulke 2010:6)

2.2 Strukturwandel in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Modell der drei Wirtschaftssektoren in Deutschland (aus Kulke 2010:7)

Nachdem nun der idealtypische Ablauf des sektoralen Wandels erklärt wurde, soll nun der historische Verlauf in Deutschland näher betrachtet werden. Die Abbildung 1 verdeutlicht den Strukturwandel in Deutschland, welcher zum größten Teil auch dem Ablauf nach der Drei-Sektoren-Theorie entspricht. Die Abbildung beginnt im Jahr 1880, in dem in Deutschland der Industrialisierungsprozess bereits eingesetzt hatte. Bis ungefähr zum Jahr 1890 dominierte dennoch der Beschäftigtenanteil in der Landwirtschaft, wie es bereits vor der Industrialisierung auch schon der Fall war. Ab dem Jahr 1890 arbeiteten dann erstmals mehr Menschen im sekundären Sektor als im primären Sektor (Kulke 2010:7). Deutschland entwickelte sich zu einer klassischen Industriegesellschaft. Der sekundäre Sektor expandierte dann noch bis zum Jahr 1970, wo ein Höchststand von ca. 50% Beschäftigtenanteil zu verzeichnen war. Dies ist auch in Abbildung 1 deutlich zu erkennen. Ab der Ölkrise 1973 allerdings brach die Beschäftigung in der Industrie allmählich ein, was auch durch die zweite Ölkrise im Jahre 1979 verstärkt wurde (Seybold 2007). Seitdem stieg die Erwerbstätigkeit im Dienstleistungssektor sukzessiv an. Der Prozess der Tertiärisierung ist auch heute noch nicht abgeschlossen (Kulke 2010:7).

Zusammenfassend kann man also feststellen, dass Deutschland gemäß dem Modell von Jean Fourastie die Phasen beginnend von einer klassischen Agrargesellschaft vor der Industrialisierung über eine Industriegesellschaft hin zu einer klassischen Dienstleistungs-gesellschaft durchlaufen hat.

3 Wirtschaftsstruktur von Deutschland

3.1 Aktuelle Verteilung der Sektoren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Struktur der deutschen Wirtschaft

Anteile der Wirtschaftsbereiche am BIP in % aus dem Jahr 2008

(aus StatBA 2009b:70)

Nachdem nun die historische Verteilung der Wirtschaftssektoren in Deutschland betrachtet wurde, soll nun auch der aktuelle Stand der Wirtschaftsstruktur miteinbezogen werden. In der Hausarbeit wurde bereits festgestellt, dass in Deutschland heute der Dienstleistungssektor stark dominiert. Diese Tatsache lässt sich auch sehr gut in Abbildung 2 erkennen. Darin ist ersichtlich, dass im Jahr 2008 69% des Bruttoinlandsprodukt im Dienstleistungsbereich erwirtschaftet wurden. Im sekundären Sektor, welcher in der Abbildung in das Produzierende Gewerbe und das Baugewerbe aufgeteilt wird, sind es dagegen 26%. Der geringste Anteil am BIP mit nur 1% wurde dagegen im primären Sektor erwirtschaftet. Auch bei der Anzahl der Erwerbstätigen sieht die Verteilung ähnlich aus: 73% arbeiteten im tertiären Sektor, 25% im sekundären Sektor und 2% im primären Sektor (StatBA 2009b:47).

Im nachfolgenden soll nun die aktuelle Situation von allen drei Wirtschaftssektoren in Deutschland vorgestellt werden, um die wirtschaftsgeographische Situation und Verteilung zu verdeutlichen.

3.2 Primärer Sektor

Obwohl derprimäre Sektormit der Landwirtschaft heute den geringsten Beschäftigtenanteil in Deutschland aufweist, benötigt er weiterhin den größten Flächenanteil in der Bundesrepublik. Auch gibt es hier die größten Strukturgegensätze zwischen Osten und Westen. Während man in Westdeutschland vorrangig kleine Familienbetriebe vorfindet, sind es im Osten vor allem große Personengesellschaften. (Dannenberg 2010:76ff.)

Im Jahre 2008 wurden 16.925.700 Hektar Fläche landwirtschaftlich genutzt (StatBA 2009a:329). Davon waren 11.932.500 ha Ackerlandfläche ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]70,49%) und 4.887.700 ha Grünlandfläche ([Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]28,29%) (ebd.).

Tab. 1: Erwerbstätige in Deutschland nach Bundesländern und Wirtschaftsbereichen

im Jahr 2008 (aus StatBA 2009a:85)

(Auszug) (leicht verändert, ergänzt um %-Angaben)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

markiert sind jeweils die höchsten und niedrigsten Prozentwerte

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Wirtschaftsstruktur der Bundesrepublik Deutschland
Untertitel
Sektoraler Wandel und regionale Disparitäten
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Geographie)
Veranstaltung
Humangeographie I
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V165217
ISBN (eBook)
9783640808533
ISBN (Buch)
9783640809257
Dateigröße
1599 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftsstruktur, Deutschland, Regionale Disparitäten, Sektoraler Wandel
Arbeit zitieren
Tom Witt (Autor), 2010, Die Wirtschaftsstruktur der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165217

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