William Shakespeare - Sein Maskenspiel und die Verbindung zur Melancholie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

11 Seiten, Note: 11


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Kapitel Hamlets Maske
2. Kapitel Melancholie Hamlets

III. Schluss

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Eines der bekanntesten Werke von Shakespeare ist das Werk Hamlet, welches zwischen 1598-1602 verfasst wurde. Ein Prinz versucht darin den Mord an seinem Vater zu rächen und legt dafür ein merkwürdiges Verhalten an den Tag. Mit dieser List versucht er an die Wahrheit zu gelangen, aber auch seine innere Zerrüttheit wieder zu ordnen.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Hauptfigur Hamlet und dem Aufsetzen einer Maske, um sein Ziel zu erreichen. Dabei soll auch die Melancholie in dem Stück näher betrachtet werden, jedoch ohne die typischen Merkmale einer solchen zu beschreiben, sondern um die Bedeutung für das Stück und für Hamlets Werdegang zu unterstreichen. Eine kurze Beschreibung am Anfang soll helfen, sich das Geschehen besser zu verdeutlichen. Der Schluss soll zeigen, ob Hamlets Verhalten mit dem maskenhaften Schauspiel und der Melancholie, oder doch eher mit einer Verrücktheit zu erklären sind.

II. Hauptteil

Hamlet, Prinz von Dänemark, verkörpert in Shakespears Stück eine Figur, welche kaum zu durchschauen ist. Er ist getroffen vom Tod seines Vaters, geschockt von der schnellen Heirat seiner Mutter mit seinem Onkel und fassungslos, als er von dem Mord an seinem Vater hört. Daraufhin findet eine Wende in ihm statt. Er setzt eine Maske auf, die es immer offen lässt, ob Hamlet tatsächlich wahnsinnig ist oder nur vorgibt es zu sein. Die Melancholie tritt ein und eine Zerrissenheit findet in Hamlets Innerem statt.

Die folgenden zwei Aspekte, die der Maske und die der Melancholie, sollen versuchen Hamlets Verhalten näher zu bringen und zu erörtern. Eine genaue Abgrenzung zwischen den Beiden soll dabei jedoch nicht stattfinden. Sie ergänzen sich vielmehr. Zu Beginn soll das maskenhafte Auftreten Hamlets näher betrachtet werden.

1. Kapitel Hamlets Maske

Nach dem Tod seines Vaters verfällt Hamlet in einen Trauerzustand. Dieser ist nach einem schweren Verlust eines geliebten Menschen nachzuvollziehen. Den Nachtwächter des Schlosses erscheint eines Abends jedoch ein Geist. Sie meinen, dass es sich dabei um den Geist des verstorbenen Königs handelt und berichten Hamlet davon. Dieser will sich selbst ein Bild machen und den Geist mit eigenen Augen sehen. Dazu kommt es auch und der Geist seines Vaters erscheint ihm. Dieser berichtet von dem Mord an seiner Person durch seinen eigenen Bruder, Hamlets Onkel. Hamlet soll seinen Tod rächen, dabei aber keine Rache an seiner Mutter ausüben, welche als frische Witwe wieder geheiratet hat. Dies führt zum Aufsetzen einer Maske von Hamlet, da er die Wahrheit aufdecken möchte. Er will diese Maske ganz gewusst einsetzten, „ da [ ihm ] s vielleicht in Zukunft dienlich scheint, ein wunderliches Wesen anzulegen.“[1] Dadurch kann er in verschiedene Rollen schlüpfen, sich verstellen und nach außen hin wäre sein Verhalten durch einen wahnsinnigen Zustand erklärt. „ Hamlets Glaube an die menschliche Natur, die bereits durch das Verhalten seiner Mutter und die stumpfe Gleichgültigkeit, mit der seine Umgebung sich über den Tod des alten Königs hinwegsetzte, ins Schwanken geraten ist, hat einen weiteren und noch brutaleren Stoß erlitten.“[2] Durch die Geistererscheinung ist es Hamlet nun auch möglich, seinen Wiederwillen gegen die Hochzeit seiner Mutter mit dem Onkel, „ ekel, schal und flach und unersprießlich Scheint [ ihm ] das ganze Treiben dieser Welt[3] zu verarbeiten. Sein Ekel davor wird schon zu Beginn ganz deutlich:

„Dem Bruder meines Vaters, doch ihm ähnlich, [ … ]

Bevor das Salz höchst frevelhafter Tränen

Der wunden Augen Röte noch verließ,

War sie vermählt! – O schnöde Hast, so rasch

In ein blutschänderisches Bett zu stürzen!

Es ist nicht, und es wird auch nimmer gut.

Doch bricht, mein Herz! Denn schweigen muss mein Mund.“[4]

Dies hat zur Folge, „ daß sein [ e ] Abscheu von seiner Mutter verursacht wird, daß aber seine Mutter kein zulänglicher Gegenstand desselben ist; sein [ e ] Abscheu schließt sie ein und reicht über sie hinaus.“[5] Hamlet hat nun ein Mittel gefunden, den Mord an seinem Vater zu rächen und seinen Gefühlen einen Ausdruck zu geben, indem er schauspielert. Die Masken die er dabei aufsetzt, reichen vom „ Beobachter aller Beobachter[6], zu obszön „ Ein schöner Gedanke, zwischen den Beinen eines Mädchens zu liegen[7] bis hin zur Zerstreuung.

„Fiel in `ne Traurigkeit; dann in ein Fasten;

Darauf in ein Wachen; dann in eine Schwäche;

Dann in Zerstreuung, und durch solche Stufen

In die Verrücktheit, die ihn jetzt verwirrt

Und sämtlich uns betrübt.“[8]

Durch seine Masken ist es zudem möglich, das Schauspiel am Hof genauer zu betrachten. Ihm fällt auf, dass jeder in irgendeiner Weise eine Maske trägt. Sein es nun sein Onkel, welcher um den Bruder trauert aber der Mörder des Selbigen ist oder seine Mutter, welche so schnell wieder geheiratet hat, hing ihr Herz doch angeblich so am verstorbenen König. Hamlets Verhalten wird hingenommen, da er als „ beliebt, offenherzig, höflich, freundlich aber nicht ängstlich oder ehrerbietig gegenüber anderen[9] gilt. Es wird eher als Phase angesehen und ermöglicht ihm so jedes Benehmen. Jegliche Etikette der höfischen Benimmformeln wird von ihm abgelegt, was seine Sprachwahl deutlich macht. Anfangs ist er ironisch,

„König. [ … ] mein Vetter Hamlet und mein Sohn-

Hamlet. Mehr als befreundet, weniger als Freund.

König. Wie hängen stets noch Wolken über Euch?

Hamlet. Nicht doch, mein Fürst, ich habe zu viel Sonne.“[10]

dann wird er eher unhöflich, indem er Polonius in einen niederen Stand, den eines „ Fischhändler [s ]“[11] bringt und schließlich seiner Mutter, der Königin gegenüber offen und ausfallend wird „ Doch meidet meines Oheims Bett. Nehmt eine Tugend an, die Ihr nicht habt.[12]. Es lässt sich fragen, was Hamlet mit seinen Masken genau bezweckt und ob es überhaupt nötig ist, sich eine Maske aufzusetzen. Victor Grove hat dazu eine Erklärung:

Die Maske des Wahnsinns würde also einen dreifachen Zweck erfüllen: sie würde ihn beschützen, denn er wollte die Rolle eines harmlosen Verrückten spielen, und sein Gemütszustand würde jedenfalls allgemeines Mitgefühl erregen; zweitens würde der König ihn nicht mehr als ernsthaften Rivalen betrachten, denn ein wahnsinniger Prinz konnte keinen Anspruch auf die Thronfolge machen; drittens würde Hamlet auf diese Weise Zeit gewinnen, um seinen Racheplan auszuarbeiten oder vielmehr seine Vorbereitungen für die Hinrichtung des Verbrechers zu treffen.“[13]

[...]


[1] William Shakespeare, Hamlet, Prinz von Dänemark, Diogenes Verlag AG, Zürich 1979, II. Aufzug, 1. Szene, S.131.

[2] Victor Grove, Hamlet, Das Drama des modernen Menschen, Band 10, LIT Verlag, Münster-Hamburg-London 2003, S.67, Z.14-18.

[3] William Shakespeare, Hamlet, Prinz von Dänemark, Diogenes Verlag AG, Zürich 1979, I. Aufzug, 2. Szene, S.114.

[4] Ebd., a.a.O.

[5] T.S. Eliot, Hamlet, In: Hamlet, heute, Essays und Analysen, Insel Verlag, Frankfurt am Main 1965, S. 36, Z. 26ff.

[6] Willi Erzgräber, HAMLET INTERPRETATIONEN, Wissenschaftliche Buchges., Darmstadt 1977, S. 47, Z.10.

[7] William Shakespeare, Hamlet, Prinz von Dänemark, Diogenes Verlag AG, Zürich 1979, III. Aufzug, 2. Szene, S.163.

[8] Ebd., II. Aufzug, 2. Szene, S.140.

[9] Willi Erzgräber, HAMLET INTERPRETATIONEN, Wissenschaftliche Buchges., Darmstadt 1977, S. 23ff.

[10] William Shakespeare, Hamlet, Prinz von Dänemark, Diogenes Verlag AG, Zürich 1979, I. Aufzug, 2. Szene, S.112.

[11] Ebd., II. Aufzug, 2. Szene, S. 140.

[12] Ebd., III. Aufzug, 4. Szene, S. 180.

[13] Victor Grove, Hamlet, Das Drama des modernen Menschen, Band 10, LIT Verlag, Münster-Hamburg-London 2003, S. 74, Z.19-28.

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Details

Titel
William Shakespeare - Sein Maskenspiel und die Verbindung zur Melancholie
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Neuere Deutsche Literatur)
Note
11
Autor
Jahr
2010
Seiten
11
Katalognummer
V166012
ISBN (eBook)
9783640817801
ISBN (Buch)
9783640821068
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
william, shakespeare, sein, maskenspiel, verbindung, melancholie
Arbeit zitieren
Olivia Namsler (Autor), 2010, William Shakespeare - Sein Maskenspiel und die Verbindung zur Melancholie , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166012

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