Historische Stadtentwicklung


Hausarbeit, 2008
18 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die römische Stadt (ab ca. 0 - Mitte 5. J.h.)

3. Mittelalterliche Stadtentwicklung und Stadttypen
3.1 Frühmittelalterliche Keimzellen (8./9.Jh)
3.2 Mutterstädte (bis ca. 1150)
3.3 Ältere Gründungsstädte des Hochadels (ab ca. 1120 bis 1250)
3.4 Territoriale Klein- und Zwergstädte (1200- 1300)
3.5 Minderstadt (1300-1450)

4. Frühneuzeitliche Stadtentwicklung und Stadttypen

4.1 Bergstädte (15. und 16. Jh.)

4.2 Exulantenstädte (16.-18. Jh.)

4.3 Fürstenstädte d.h. Residenz-, Festungs- und Garnisonsstädte der Renaissance (16.-17. Jh.) und des Barock (Ende 17.-18.Jh.)

5. Stadtentwicklungsprozesse im Industriezeitalter (1870- 1.Weltkrieg)
5.1 Mietskasernenbau
5.2 Villensiedlungen
5.3 Werkskolonien

6. Reformbewegungen
6.1 Gartenstadtbewegung
6.2 Charta von Athen

7. Stadtentwicklung in Deutschland im West- Ost – Vergleich
7.1 Wiederaufbauphase bis

8. Wandlungen im Städtebau seit ca. 1960 bis zur politischen Vereinigung
8.1 Ehemalige Deutsche Demokratische Republik
8.2 Frühere Bundesrepublik Deutschland

9. Ausgewählte Aspekte der Stadtentwicklung und -politik seit der Vereinigung

10. Metropolregionen

11. Schluss

Literaturliste

Internet

1. Einleitung

Die Stadtgeographie ist eine der ältesten und wichtigsten Disziplinen in der Anthropogeographie. Ihr Ziel ist die raumbezogene Erforschung städtischer Strukturen, Funktionen, Prozesse und Probleme. Grundvoraussetzung dafür ist die Kenntnis der Stadtmorphologie, welche häufig auch „historische Stadtgeographie“ genannt wird. Diese beschäftigt sich damit, die Stadtgestalt zu analysieren. Dabei wird der Bezug des gegenwärtigen äußeren Erscheinungsbildes mit den Entstehungsbedingungen, die von politischen, sozialen, wirtschaftlichen und technischen Faktoren der jeweiligen Zeit bestimmt waren, hergestellt. Aufgrund der räumlich-zeitlichen Persistenz prägen diese historischen Phänomene der Stadtentstehung das Stadtbild bis heute. Deswegen besitzt jede Stadt eine individuelle Stadtgestalt. Trotzdem finden sich Gemeinsamkeiten zwischen Stadtvierteln verschiedener Städte, die zur selben Zeit unter ähnlichen Bedingungen entstanden sind. So besitzen viele Stadtkerne den Charakter oder wesentliche Merkmale mittelalterlicher Stadttypen; ihre umliegenden Viertel, die in einer anderen Epoche entstanden sind, sind wiederum durch die Merkmale ihrer Zeit geprägt worden.

Wenn man sich mit diesen Merkmalen auskennt, kann man an der Gestalt einer Stadt Geschichte ablesen. In dem Stadtgrund- und Aufriss sind häufig wertvolle stadthistorische Informationen enthalten, die zusätzlich zu den literarischen und bildhaften Überlieferungen Grundlage einer räumlichen, technischen und sozialen Stadtgeschichte sind.

Diese Arbeit soll einen kurzen historischen Überblick über die Stadtentwicklung in Mitteleuropa seit den Römern bis in unsere Zeit bieten. Hierbei wird die Entwicklung chronologisch in Stadtepochen gegliedert. Behandelt wird nicht nur die Dynamik der Stadtentwicklung, sondern auch die Entstehung bestimmter Leitbilder der Stadtplanung. Besonders eingegangen wird auf die unterschiedliche Stadtentwicklung während der Teilung Deutschlands und die daraus resultierenden Probleme. Als letztes wird das neue Konzept von Metropolregionen vorgestellt.

2. Römische Städte (ab ca. 0 - Mitte 5. J.h.)

Die Römer orientierten sich im Städtebau an dem Modell der griechischen Polis. Durch die Eroberung großer Teile Europas hatten die Römer bis zum 1. Jh. n Chr. in Süd- und Mitteleuropa Städte nach diesem Modell gegründet. Auf dem Gebiet des späteren Deutschen Reiches entstanden vor allem entlang des ganzen Rheinlaufs (u.a. Köln, Mainz, Worms, Straßburg, Basel) sowie entlang des rechten Donauufers Städte, welche sich zum Teil aus vorher bewohnten Militärsiedlungen, d.h. aus Lagern und Kastellen entwickelten, oder – wie Köln und Trier – aus rein bürgerlichen Motiven gebaut wurden. Ausnahmen bilden hier die Bäderstädte Aachen und Wiesbaden, welche aus Kurortsiedlungen hervorgingen.[1]

Merkmale einer römischen Stadt in Mitteleuropa waren die unmittelbare Nähe zu römischen Heerstraßen und ihr spezifischer Grundriss. Dieser zeichnete sich durch eine quadratische oder rechteckige Form und schachbrettartig angeordnete Straßen aus. Allerdings traten oft aufgrund von naturräumlichen Begebenheiten Abweichungen von diesem Schema auf. Die durch die rechtwinklige Straßeneinteilung geschaffenen Quartiere hießen insulae. Vorzufinden waren auch immer zwei Achsen. Eine verlief von

Norden nach Süden (cardo) und kreuzte die zweite, welche die Stadt von Osten nach Westen (decumanus) durchquerte. An dieser Kreuzung – im Mittelpunkt der römischen Stadt – stand ein rechteckiger Platz, das Forum. Neben Märkten fanden dort auch Gerichtsverhandlungen oder politische Debatten statt. Dort befanden sich die wichtigsten öffentlichen Gebäude wie der Gerichtssaal und die Markthalle. Schließlich war die gesamte Stadt von einer Stadtmauer umgeben, die wiederum zu den Straßen parallel war und die Bewohner vor Angriffen schützte. Sie hatte je ein Stadttor an jedem Achsenende.[2]

Mit dem Einzug der Alemannen und der Germanen verfielen die Städte, jedoch ist für viele eine Siedlungskontinuität nachgewiesen, wenngleich nur kleine Teile der ehemaligen römischen Stadt bewohnt wurden wie z.B. in Trier. Oft wurden im Mittelalter auch neben zerstörten römischen Städten oder Kastellen neue Städte errichtet.[3]

3. Mittelalterliche Stadtentwicklung und Stadttypen

Mittelalterliche Stadtentwicklungen und Stadttypen lassen sich nach Stadtentstehungsphasen oder Stadtbildungsepochen gliedern.

3.1 Frühmittelalterliche Keimzellen (8./9.Jh)

Die nächste Stadtentstehungsphase bilden erst wieder die Wik- oder Marktorte des 8. und 9. Jh.s, an denen sich ziehende Kaufleute niederließen. Sie entstanden in der unmittelbaren Nähe von geistlichen oder weltlichen Zentren wie den Sitzen von Bischöfen, von Klostern, von kaiserlichen Pfalzen oder von fränkischen Königshöfen, die meistens entlang einer Heer- oder Handelsstraße lagen. In dieser Phase waren die Burg und die Kaufmannssiedlung noch getrennte Komplexe.[4]

3.2 Mutterstädte (bis ca. 1150)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Da der Markt durch die Entwicklung des gewerb-lichen Marktwesens stetig wuchs, diente er einer immer breiteren Schicht von Handwerkern als Lebens-unterhalt, die sich dort auch ansiedelten. Die zunächst kleinen Siedlungen wuchsen und verschmolzen mit der Pfalz oder der Kirchenburg. Zentrum wurde der Markt; oft behielt er seine gestreckte rechteckige Form, die auf die Handelsstraße zurückzuführen ist.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Häufig aber änderten die Städte - vor allem seit der zweiten Hälfte des 11. Jh.s. und im 12. Jh. - durch Stadterweiterung ihre ursprüngliche Form. Diese erfolgte durch den Anschluss neuer Siedlungen an die Altstadt. In der Regel wurden Stadtteile eingeteilt, welche auch bestimmte Kompetenzen im Stadtrat erhielten.[6]

Ein weiterer nennenswerter Fall der Stadterweiterung waren die Zusammenschlüsse zweier oder mehrerer nebeneinander entstandener Städte. Häufig wurde die ältere bzw. die jüngere als Altstadt bzw. als Neustadt bezeichnet. Als Beispiele für die so genannten Doppelstädte sind Hamburg oder Brandenburg zu nennen und für die Gruppenstädte Bremen oder Braunschweig.[7]

3.3 Ältere Gründungsstädte des Hochadels (ab ca. 1120 bis 1250)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Städtegründungen dieser Epoche waren die ersten planmäßig aufgerichteten Städte, die an Fernhandelswegen als Machtinstrumente des Adels konstruiert wurden. Dafür dienten die selbstständig entstandenen Mutterstädte als Modell.[8]

Bei den Planungen setzte sich das Konzept von Längs- und Querstraßen (Rückgrat- und Rippenstraßen) durch, die um den Markt herum angelegt wurden, welcher Mittelpunkt der Stadt war. Dieses Konzept ist gut am Stadtplan Lübecks zu erkennen.[9] Weiterentwickelt wurde dieses Schema bei den Stadtgründungen östlich der Elbe während der Ostkolonisation. Dort wurde bei der Planung der Marktplatz quadratisch gestaltet. Besonders häufig tritt dies in Mecklenburg, Pommern und in Westpreußen auf. In Schlesien befindet sich häufig zusätzlich ein Baukomplex im Zentrum des Marktplatzes, in dem sich das Rathaus befindet.[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.4 Territoriale Klein- und Zwergstädte (1200- 1300)

Bei der Gründung dieser Städte beabsichtigten die Landesherren die Sicherung ihrer Herrschaft. Deswegen sind sie oft in Grenzzonen rivalisierender Territorien in eher ungünstigeren Lagen situiert, d.h. auf Hochflächen, auf Berghöhen oder am Fuße von Burgen. Wegen der ungünstigen Lage und der daraus resultierenden schwachen Wirtschaft sind sie in der Regel nicht so stark gewachsen wie andere Stadttypen. Beispiele für diesen Stadttypus sind Everberg im Sauerland, Haltern und Dorsten an der Lippe.[11]

[...]


[1] Heineberg 2006, 201 f.

[2] Hall 1978, 36-52.

[3] Hofmeister 1993, 31.

[4] Hofmeister 1993, 31 f.

[5] Hotzan 1994, 31.

[6] Heineberg 2006, 204.

[7] Hofmeister 1993, 37 f.

[8] Hall 1978, 110.

[9] Hotzan 1994, 32.

[10] Heineberg 2006, 205 f.

[11] Heineberg 2006, 206 ff.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Historische Stadtentwicklung
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Ausgewählte Themen der Humangeographie
Note
1,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V166814
ISBN (eBook)
9783640829255
ISBN (Buch)
9783640829095
Dateigröße
2106 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mittelalterliche Stadt, Charta von Athen, Stadtgeographie
Arbeit zitieren
Alona Gordeew (Autor), 2008, Historische Stadtentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166814

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