Die Äbtissinnen Aba und Hiltisnot und ihr karolingisches Rotaha


Hausarbeit, 2011

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methode der Untersuchung

3. Gründe für die Übereignung des Klosters Rotaha an das Kloster Lorsch

4. Verwandtschaftliche Beziehungen und Besitzverhältnisse der Äbtissin Aba

5. Verwandtschaftliche Beziehungen und Besitzverhältnisse der Äbtissin Hiltisnot vom Kloster Baumerlenbach

6. Fränkischer Adelsbesitz im Maingau als Ursache für die Entwicklung von Adelsgeschlechtern des Mittelalters?

7. Schlusswort

Quellenverzeichnis

Die Äbtissinnen Aba und Hiltisnot und

ihr karolingisches Rotaha

1. Einleitung

Mitten im Winter des Jahres 785/86 begibt sich die Äbtissin Aba des Klosters Rotaha, das der hl. Maria und den übrigen Heiligen geweiht ist, im Ochsenwagen nach Lorsch, um einen Vertrag mit dem Kloster Lorsch abzuschließen. Sie schenkte das Eigenkloster mit all seinen Besitzungen an das Kloster Lorsch, um es sofort wieder zu leasen.

Wenn jemand dies tut und die Strapaze der Reise auf sich nimmt – man denke nur an die Verkehrsverhältnisse bei Straße und Bundesbahn im November und Dezember 2010- dann muss das Problem verdammt unter den Nägeln gebrannt haben. Nur um die Vergebung der Sünden zu erlangen, wie die Schenkungsurkunde schreibt- da hätte Aba auch den Frühling abwarten können. Es gab noch verschiedene andere, viel wichtigere Gründe, die diese Reise im Winter bewirkt haben könnten. Und komischerweise schon 2 Jahre später bekommt das Kloster Lorsch noch ein zweites Marienkloster, diesmal von der Äbtissin Hiltisnot geschenkt. Kloster Baumerlenbach liegt im Kochergau bei Westheim.

Vorliegende Untersuchung versucht zu klären, ob es Verbindungen zwischen dem Kloster der Aba und dem der Hiltisnot gibt, die zu einem ähnlichen Verhalten veranlassen.

2. Methode der Untersuchung

Hartmann weist in seinem Artikel über den frühmittelalterlichen Adel des Untermaingebietes nach, „dass –abgesehen von unmittelbar angegebenen Verwandtschaftsangaben – anhand von Namensgleichheiten (auch entsprechenden Ortsnamen) und –kombinationen , von Zeugendiensten, Besitzüberschneidungen und – nachbarschaften und dgl. Anhaltspunkten sich eine Fülle von Ansätzen bietet, deren Weiterverfolgung sehr interessante und aufschlussreiche Einblicke in genealogisch-besitzgeschichtliche Zusammenhänge verspricht bzw. schon erkennen lässt.“ (6, S.149)

Diese Methode wurde wesentlich von Wenskus entwickelt, ehemaliger Professor für mittelalterliche Geschichte in Göttingen. Er wird von Klaus Graf in seiner Schrift „Literatur als adlige Hausüberlieferung“ S.131 kritisiert

„Sowohl Wenskus als auch Stormer operieren mit stammesübergreifenden Adelsgruppen, die aus Personenidentifizierungen in Verbindung mit besitzgeschichtlichen Beobachtungen erschlossen wurden. Ich kann hier keine eingehende Kritik der genealogisch-besitzgeschichtlichen Methode vorlegen, sondern verweise auf den empirischen Teil meiner Ausführungen, aus dem die methodischen Schwachstellen deutlich hervorgehen dürften.“

Zu dieser Theorie der Leitnamen, die an sich bestechend ist, sind jedoch einige Bemerkungen zu machen:

Hartman hat in seinen Untersuchungen die zeitliche Einordnung nicht oder wenig berücksichtigt. Um eine gewisse Plausibilität der Untersuchungsergebnisse zu erhalten, sollte man eine mittlere mittelalterliche Lebenserwartung von 40 Jahren zugrunde legen. So kann es einfacher werden zu entscheiden, ob es der Vater oder der Sohn gleichen Namens ist.

Und ein weiteres kommt hinzu. Man darf nicht außer acht lassen, dass es offenbar schon damals Modenamen gab. So zog sich z.B. der Name Hatto gleichermaßen durch die Schicht der Leibeigenen und Adeligen.

Trotzdem scheint die Leitnamentheorie eine annehmbare Methode zur Aufstellung einer Arbeitstheorie zu sein, deren Ergebnisse dann als wahrscheinlich einzustufen sind.

Fest steht jedoch, dass keine hundertprozentig sichere Beweisführung zustande kommt. Die Ergebnisse müssen also ständig kritisch betrachtet werden.

In diesem Bewusstsein ist unter Zuhilfenahme des Codex Lorsch diese Untersuchung durchgeführt worden.

3. Gründe für die Übereignung des Klosters Rotaha an das Kloster Lorsch

Die Äbtissin Aba musste unter erheblichem Druck gestanden haben, als sie sich entschloss, sich im Winter 785 /786 zum Kloster Lorsch zu begeben, um ihr Kloster Rotaha dem H. Nazarius zu übereignen. Daher lohnt es sich, darüber einmal nachzudenken, welche Gründe sie wohl bewegt haben könnten, um ihre Handlungsweise plausibel erscheinen zu lassen. Den Grund, den sie angibt (7), nämlich für ihr Seelenheil zu sorgen, erscheint doch recht vordergründig. Einmal hätte sie dann auch im Sommer die Reise antreten können, zum anderen sind die Klauseln hinsichtlich Erbschaft, Eigentumsrechte und Äbtissinnennachfolge so detailliert ausgeführt, so dass man mit Recht annehmen kann, dass diese Vertragsvereinbarungen im Vordergrund gestanden haben.

So können folgende Gründe herausgestellt werden (5, S.36 ff.)

- 772 und 775 werden die Benediktinerklöster Lorsch und Hersfeld zum Reichskloster erhoben. Der unmittelbare königliche Schutz und die autarke Selbstbestimmung bei der Abts- bzw. Äbtissinnachfolge sind wesentliche Vorteile eines Reichsklosters.

Da Aba ebenfalls ein Benediktinerinnenkloster leitet, erhebt sie Anspruch, gleichfalls Reichskloster zu werden. Anlässlich eines Jagdbesuches König Karls im Herbst 785 im Königsforst Dreieich mit Übernachtung im Kloster Rotaha trägt sie dieses Anliegen angesichts der jüngst erfolgten Reichsklostererhebungen vor. König Karl lehnt dies ab, da das Kloster Rotaha viel zu klein und wenig leistungsstark war. Er schlägt den Kompromiss vor, sich dem Kloster Lorsch anzugliedern. In dem Moment gewinnt Aba alle Vorteile eines Reichsklosters. In der Schenkungsurkunde wird die Äbtisssinnennachfolge besonders herausgestellt und vertraglich geregelt.

- In der Urkunde wird der Tod des Maingaugrafen Theodo besonders heraus gestellt. Daraus kann man ableiten, dass der militärische Schutz des Klosters durch die Vogtei Niwenhof nicht mehr gewährleistet ist. Um allen Eventualitäten vorzubeugen – 777 fanden Einfälle der Sachsen auf hessisches Gebiet statt – entschließt sich Aba, den militärischen Schutz des Klosters Lorsch in Anspruch zu nehmen, um den Fortbestand des Klosters zu sichern.
- Aba stellt in der Urkunde heraus, dass die dem Kloster Lorsch übereigneten Güter ihr Allod sind, ihr Eigentum, das sie zum wirtschaftlichen Fortbestand des Klosters Rotaha eingebracht hatte.

Diese Formulierung ist für die Zeit um 786 ungewöhnlich, da die Güter erst in späterer Zeit erblich werden. Zunächst sind sie Lehen, die den Magistralen zur wirtschaftlichen Nutzung übergeben werden und bei Tod oder anderen Gründen (Ungnade) dem König wieder zurückgegeben werden müssen.

Privateigentum – so wie es Aba beschreibt – kann es nur durch einen Rechtsakt des Königs werden.

Es ist wahrscheinlich, dass König Karl das Allod sanktioniert hat mit der Maßgabe, dass die Immobilien letztlich dem Reichskloster Lorsch zufallen, wenn das Kloster Rotaha wegen Fehlen von geeigneten Äbtissinnen aus dem Hause der Theodonen oder aus anderen Gründen (wirtschaftlicher oder kriegerischer Ruin) untergeht. In diesem Falle würde sämtlicher Besitz dem Kloster Lorsch zufallen.

- Auf der Synode Frankfurt von 794 unter König Karl wurden die damals üblichen Pflichten der Eigenkirchenherren schriftlich fixiert. Sie waren verpflichtet, für die geregelte Seelsorge in den Eigenklöstern zu sorgen. Aus der Schenkungsurkunde geht hervor, dass durch den Tod des Theodo der Eigenkirchenherr nicht mehr vorhanden ist und das die Erbschaft seines Amtes und der Funktion total offen ist.

Um für das Kloster klare seelsorgerische Verhältnisse herbeizuführen, begibt sich Aba mit ihrem Kloster in die Obhut von Kloster Lorsch. Kloster Lorsch wird damit zum Eigenkirchenherren. Durch seine Erhebung zum Reichkloster und in dieser Beziehung in seiner unmittelbaren Stellung zum König hat es die Vorschriften der Synode von Frankfurt zu erfüllen.

Kloster Lorsch hat dieses Problem wohl dahingehend gelöst, in dem sie wahrscheinlich die Pfarrstelle der vorhandenen Kirche * in Oberroden mit Pfründen ausgestattet hat, so dass durch diese Attraktivität die seelsorgerische Mitversorgung des Klosters Rotaha gesichert war **.

Zusammenfassend kann man sagen, dass ausreichende Gründe vorhanden waren, eine Übereignung des Kleinklosters Rotaha an das Kloster Lorsch vorzunehmen. Ähnliche Gründe waren auch für das Kloster Baumerlenbach vorhanden.

4. Verwandtschaftliche Beziehungen und Besitzverhältnisse der Äbtissin Aba

Williswind, die Mutter des Klostergründers Lorsch wird zu den Hagunonen, bzw. Haganonen gezählt

Der Vater von Williswild war Graf Adalhelm. Zu der Familie des Adalhelm wird Theodo, der Vater von Aba, gezählt. (6, S 153) Adalhelm, begütert in Bodenheim, richtet ein Seelgeräte für Theodo ein. (1) Hier wird vorausgesetzt, dass der ebenda erwähnte Adalhelm derselbe ist.

Wenn ein Mensch für einen anderen eine Stiftung zum Heil der Seele eines anderen macht, so schließt man daraus, dass dieser sehr nahe steht. Im Falle Theodos geht man von verwandtschaftlichen Bindungen aus. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass es auch ein Freund oder Lebensretter war. Da jedoch am gleichen Ort Besitzungen vorhanden sind, die später die Aba dem Kloster Lorsch vermacht, geht man von einem gemeinsamen Erbfall aus. Die Güter wurden später in der Familie verteilt, die dadurch eine verwandtschaftliche Beziehung wahrscheinlich werden lässt.

Die o. g. Urkunde nennt das Jahr 767. Es wird weiterhin vorausgesetzt, dass der dort erwähnte Theodo bereits verstorben ist.

Aus den Urkunden des Lorscher Kodex ist aber auch zu entnehmen, dass Schenkungen dadurch zustande kamen, dass Lebende für ihr Seelenheil gesorgt wissen wollten.

* Prof. Schallmayer hat bei seinen Grabungen unter der Pfarrkirche St. Nazarius im Jahr 1991 Anzeichen einer spätmerowingischen Siedlung entdeckt und unter der Kirche selbst einen Vorgängerbau aus Holz, der Ende des 8. bzw. Anfang des 9. Jahrhunderts durch eine Steinkirche ersetzt wurde.

** Die Urkunde HSTAD 14.7 174/5 vom 6.11.1472 beinhaltet einen Pfründentausch zwischen der Kirche Oberroden und dem Hl. Kreuz – Altar im Kloster St. Gingolf in Mainz.

Sie beweist, dass die Pfründe in Oberroden so attraktiv war, dass die Pfründe in einem Kloster in der Hauptstadt des Kurfürstentums Mainz dagegen eingetauscht wurden Der Reichtum der Pfründe in Oberroden dürfte durch die Ausstattung durch das Kloster Lorsch zustande gekommen und bis zum Mittelalter verblieben sein..

Nun wird auch in der Urkunde der Aba (7) erwähnt, dass ihre Stiftung dem Seelenheil eines Theodos dienen soll.

Es könnte sein, dass Aba sich unter dem Eindruck des soeben eingetretenen Todes ihres Vaters zu diesem Schritt veranlasst sah. Es könnte aber auch sein, dass eben jener Theodo (1) gemeint war

So kann man an zwei Szenarien denken:

a) Es handelt sich um denselben Theodo
b) Es handelt sich nicht um denselben Theodo

Zu a) Wenn es sich um denselben Theodo handelt und er bei Aba soeben gestorben war, so müsste Theodo um (786 – 40 Jahre mittlere Lebensdauer ) 746 geboren worden sein. Dann müsste Adalhelm Theodo ein Seelgeräte gestiftet haben, als eben jener Theodo 21 Jahr alt war. Das legt den Gedanken nahe, dass Theodo dieses Verdienst erhielt, weil er als Lebensretter oder treuer Gefolgsmann des Adalhelm auftrat. Weiterhin ist es denkbar, dass Theodo aus Dankbarkeit dann mit der Verwaltung im Maingau betraut wurde und er deswegen nach

Nieder-Roden kam.

Das bedeutet aber, dass der Verwaltungsposten vakant war. So könnte es sein, dass der bisherige theodonische Inhaber das Amt – aus welchen Gründen auch immer- nicht mehr ausüben konnte.

Theodo dürfte auch den damit verbundenen Besitz übernommen haben. Denn nur so kann man die Aussage Abas, dass das Kloster Rotaha seit Generationen in der Hand der Theodonen war, in Einklang bringen. Dieses am Rande des Karolingerreiches gelegene Gebiet war offensichtlich nur dadurch für Verwaltungsbeamte des Zentralreiches interessant geworden, indem die Posten mit Privatgebieten ausgestattet worden waren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Äbtissinnen Aba und Hiltisnot und ihr karolingisches Rotaha
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V167095
ISBN (eBook)
9783640835119
ISBN (Buch)
9783640834693
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hiltisnot, rotaha
Arbeit zitieren
Dipl.Ing. (TU) Karl Pohl (Autor), 2011, Die Äbtissinnen Aba und Hiltisnot und ihr karolingisches Rotaha, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167095

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