Energie aus Biomasse - Erhebliche Potentiale oder negative Konsequenzen für Nahrungsmittelverfügbarkeit und Umwelt?


Seminararbeit, 2010

41 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung
1.1 Landwirtschaft und Energie
1.2 Möglichkeiten und Risiken von Bioenergie

II. Energiegewinnung aus Biomasse

III. Poltische Einflussnahme auf den Ausbau der Bioenergie
III. 1 Bioenergieförderung in der EU
III.2 Zielwerte für Bioenergie
III.3 Ökonomische Kosten der Bioenergiepolitik

IV. Potentiale der Bioenergie
IV. 1 Flächennutzungspotentiale für die Bioenergiegewinnung auf unterschiedlichen Betrachtungsebenen

V. DerBioenergie-undNahrungsmittelmarkt
V.1 Auswirkungen gestiegener Rohstoffkosten auf die Verbraucherpreise

VI. Umweltwirkungen allgemein

VII. Einflüsse der Bioenergieproduktion auf die Nahrungsmittelsituation

VIII. Forderungen an die Bioenergieproduktion: Ein Maßnahmenkatalog zum nachhaltigen Wirtschaften

IX. Bioenergie im hessischen Lehrplan

X. Bioenergie in Hessen

XI. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Quellen der globalen Energieversorgung, 2005

Abbildung 2: Biokraftstoffe- von den Ressourcen zum Verbrauch

Abbildung 3: Nutzung von Biomasseenergie

Abbildung 4: Staatliche Unterstützung auf unterschiedlichen Ebenen der Wertschöpfungskette in der Bioenergieproduktion

Abbildung 5: Ziele für den Anteil der Biokraftstoffe weltweit, 2007

Abbildung 6: Entwicklung der Biokraftstoffproduktion

Abbildung 7 : Anbau nachwachsender Rohstoffe in Deutschland

Abbildung 8: Verfügbare Ackerund Grünlandflächen für die Bioenergieproduktion

Abbildung 9: Flächenpotentiale für die Biomasseproduktion

Abbildung 10: Entwicklung des Nahrungsmittel-Index. 2002-2004=100

Abbildung 11: Rohstoffpreisprognosen

Abbildung 12: Anteil der Kosten landwirtschaftlicher Rohstoffe am Verbraucherpreis verschiedener Produkte

Abbildung 13: Reduzierung der Treibhausgasemissionen ausgewählter Biokraftstoffe zu vergleichbaren fossilen Brennstoffen

Abbildung 14: Handelsbilanz landwirtschaftlicher Produkte der am wenigsten entwickelten Länder.

Abbildung 15: Wertschöpfungskette stofflicherund energetischerNutzung von Biorohstoffen

Abbildung 16: Bioenergieregionen

Abbildung 17: Bioenergiedörfer

Abbildung 18: Kosten der Bioenergieproduktion in ausgewählten Ländern, 2004 und 2007

Abbildung 19: Breakeven-Preise für Mais und Rohöl mit und ohne Subventionen

I. Einleitung

Die Förderung der Energiegewinnung aus Biomasse war insbesondere in den 1990er Jahren und zu Beginn dieses Jahrzehnts an hohe Erwartungen gekoppelt. Es bestand die Hoffnung, dass durch den Ausbau dieser Energiequelle das globale Klimaproblem eingedämmt, Energiesicherheit erreicht und die Lage der landwirtschaftlichen Produzenten verbessert werden könnte. Viele Regierungen implementierten auf Basis dieser Erwartungen und stetig steigender Rohöl- und Treibstoffpreise diverse Richtlinien, Gesetze und Subventionspläne, um die Produktion von pflanzlichen Rohstoffen für die Bioenergie zu forcieren. Doch bleiben die Entwicklungen der letzten Jahre nicht frei von Kritik. Aktuelle Analysen weisen darauf hin, dass bei umfassender Betrachtung der Bioenergieproduktion durchaus auch negative Aspekte zu beachten sind. Diesbezüglich werden steigende Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise, immer wieder zu verzeichnende Proteste aufgrund von Nahrungsmittelknappheit bzw. Nahrungsmittelunsicherheit, insbesondere in den Entwicklungsländern, und problematische Auswirkungen auf den Erhalt der Urwälder und Landschaften aufgrund von Anbauumstellungen, Monokulturen und Abholzungen angeführt. Durch die begrenzte Verfügbarkeit fruchtbarer Böden ist es inzwischen in vielen Ländern zu einer Flächennutzungskonkurrenz zwischen Nahrungsmitteln, Futtermitteln und Treibstoffen, in der englischsprachigen Literatur als „food-feed- fuel“ bezeichnet, gekommen. Wird in dieser Arbeit der Begriff Bioenergie verwendet, so ist damit in den meisten Fällen die Umsetzung von aus der Nutzung kultivierter forst- und landwirtschaftlicher Flächen gewonnener Rohstoffe, nicht aber von denen im landwirtschaftlichen Prozess anfallenden organischen Abfällen sowie Müll, deren Umsetzung zu Bioenergie im Allgemeinen als unkritisch bewertet wird, gemeint. Ausnahmen werden kenntlich gemacht.

I.l Landwirtschaft und Energie

Landwirtschaft und Energie sind seit jeher eng miteinander verbunden, das Verhältnis aber unterliegt einem stetigen Wandel. Die Landwirtschaft ist als Quelle der Energieproduktion auf der einen und Energie als Hauptinputfaktor in der Landwirtschaft auf der anderen Seite zu bezeichnen. Früher wurde die Pferdekraft als Transport- und Arbeitsmittel für die Bestellung der Felder genutzt, während die Landwirtschaft im Gegenzug das Futter als Energiespender für die Pferde bereitgestellt hat. Dieses enge Verhältnis hat sich im Laufe des letzten Jahrhunderts jedoch durch die effiziente Nutzung von fossilen Energieträgern wesentlich gelockert. Auch die Landwirtschaft wurde abhängig von fossilen Inputs, beispielsweise in Form von Düngern und Sprit für Maschinen. Höhere Energiepreise haben deshalb einen direkten und starken Einfluss auf die Agrarproduktion und Nahrungsmittelpreise. Das Aufkommen der Biokraftstoffe aus Agrarrohstoffen hat in den letzten Jahren zu einer erneuten Verschiebung der Beziehungen zwischen Energie und landwirtschaftlicher Produktion geführt. Biokraftstoffe haben das Potential einen signifikanten Einfluss auf die Agrarmärkte auszuüben.

Der Anteil der Weltenergienachfrage, der 2007 durch Bioenergie aus land- und forstwirtschaftlichen Rohstoffen sowie organischen Abfällen gedeckt werden konnte, lag bei 10 Prozent. Fossile Energieträger waren und sind noch immer die meistgenutzte Energiequelle. Öl, Kohle und Gas zusammen befriedigten damals 80 Prozent der Nachfrage, erneuerbare Energien hingegen nur 13 Prozent, wobei Biomasse den größten Beitrag leistete. Anzumerken bleibt, dass durchaus gravierende regionale Disparitäten der Energiequellen bestehen. So stellt Biomasse in manchen Entwicklungsländern den Hauptenergielieferanten dar, während sie in einigen Industrieländern keinen Einfluss hat.1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Quellen der globalen Energieversorgung, 2005 Quelle: FAO (2008), S.4.

1.2 MÖGLICHKEITEN UND RISIKEN VON BlOENERGIE

Nach Meinung vieler Politiker und Experten hat Bioenergie das Potential einen wesentlichen Beitrag zur Deckung der globalen Energienachfrage zu leisten. Allerdings sind die Folgen eines weiteren Ausbaus der Bioenergieproduktion auf die Agrarmärkte, Umwelt und Nahrungsmittelsicherheit nicht gewiss und werden daher heiß diskutiert. Das neue Interesse an Agrarrohstoffen eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, aber auch Risiken für den Nahrungsmittel- und Agrarsektor. So wird der verstärkten Nachfrage beispielsweise der Anstieg der Lebensmittelpreise, die zuvor über Jahrzehnte gefallenen waren, angelastet. Auf der anderen Seite haben moderate Verteuerungen mitunter einen positiven Effekt auf die Umsätze von Produzenten aus Entwicklungsländern. Ein steigender Bedarf an Biokraftstoffen, deren Rohstoffe am effizientesten in Ländern des Südens angebaut werden können, erschließt gegebenenfalls neue Absatzmärkte für Landwirte. Von durch Industrieländer finanzierten Technologien der Biomasseumsetzung könnten mitunter auch Entwicklungsländer profitieren, zum Beispiel in Form des Energiezugangs auch in ländlichen Regionen. Demgegenüber besteht die Angst, dass hohe Nahrungsmittelpreise zur Bedrohung der Nahrungsmittelsicherheit für die Ärmsten der Erde führen, die den größten Teil ihres Einkommens für Nahrung aufzuwenden haben. Der Anbau von Pflanzen für die Erzeugung von Bioenergie kann ebenfalls schwerwiegende Umwelt- und Sozialprobleme mit sich bringen.2

II. Energiegewinnung aus Biomasse

Im Gegensatz zu den fossilen Energieträgern Kohle, Erdöl oder Erdgas, ist Biomasse ein nachwachsender Rohstoff. Dieser ist zwar langfristig in unbeschränktem Maß verfügbar, da er durch gespeicherte Sonnenenergie wieder aufgebaut werden kann, kurzfristig bestehen aber sehr wohl erhebliche Kapazitätsgrenzen, limitiert durch die Menge nutzbarer Flächen und Dünger sowie der Wasserverfügbarkeit. Besonders attraktiv ist Bioenergie, weil sie in festem, flüssigem oder gasförmigem Zustand in unterschiedlichen Verfahren zur Deckung des Wärmebedarfs, zur Stromerzeugung oder als Treibstoff für Kraftfahrzeuge genutzt werden kann. Der Begriff Biomasse definiert allgemein die gesamte organische Substanz auf der Erde. Sie beinhaltet Mikroorganismen, wie Bakterien und Hefen, bis hin zu Algen, Pflanzen und Tieren. Biomasse dient der Ernährung von Mensch und Tier, als Rohstoff für Kleidung, als Baustoff], als Faktor für die Industrieproduktion und eben auch für die Energieerzeugung. Biomasse, beispielsweise in Form von Holz, ist eine der ältesten Energiequellen, die jedoch auch schon in der Vergangenheit mit Problemen, wie übertriebener Abholzung ganzer Waldregionen und den damit verbunden Folgeschäden, behaftet war.

Grundsätzlich werden nach dem heutigen Stand der Technik drei Arten der Energiegewinnung aus Biomasse unterschieden:

- Verbrennung

Traditionell findet die Energiegewinnung aus Biomasse durch Verbrennung von Holz, Pflanzenresten oder Dung statt. Während in Teilen Afrikas auf diese Weise der größte Teil der Energieproduktion erfolgt, spielt diese in den OECD-Ländern eine nur untergeordnete Rolle. Technischer Fortschritt sorgt jedoch dafür, dass die Feuerungstechniken ständig effizienter werden, sich dadurch der Wirkungsgrad erhöht und die Schadstoffemissionen reduziert werden.

- Biogas

Biogasgewinnung findet durch Vergärung von Pflanzen und Gülle unter Luftabschluss mit Hilfe von Bakterien statt, wobei als Hauptbestandteile Methan und Kohlendioxid freigesetzt werden. Nach einer Reinigung am Ort der Entstehung kann das Biogas zur Energiegewinnung verbrannt, unter Umständen in ein Erdgasnetz eingespeist oder aber als Treibstoff in Gasfahrzeugen genutzt werden.

- Treibstoffe aus Biomasse

Für die Herstellung von in Deutschland bekanntem Biodiesel werden neben tierischen Fetten vor allem Ölpflanzen wie Raps, Soja, Palmen, Sonnenblumen, Rizinus, Jatropha und Baumwolle genutzt. Dabei wird der pflanzliche Rohstoff gepresst, um daraus das Öl zu gewinnen, welches nach Reinigung und Aufbereitung als Kraftstoff verbrannt werden kann. In weit größerem Umfang als Biodiesel kommt Ethanol als Kraftstoff zum Einsatz. Dieser kann ebenfalls herkömmlichem Benzin beigemischt oder ausschließlich in speziellen Ethanolfahrzeugen eingesetzt werden. Bioethanol entsteht nach dem Prinzip der alkoholischen Gärung, bei dem Hefen die in Pflanzen enthaltenen Zucker in Ethanol umwandeln und dieser anschließend destilliert wird. In Europa und den USA werden hierfür überwiegend Mais, Weizen, Roggen und Zuckerrüben genutzt, während in tropischen Regionen, wie in Brasilien, Zuckerrohr als Rohstoff dient. Die Ethanolproduktion aus Zuckerrohr ist dabei aufgrund des höheren Energiegehaltes als wesentlich effizienter und kostengünstiger zu bewerten, was auf einen zukünftig verstärkten Anbau von Bioenergiepflanzen in den Ländern des Südens hindeut Bioethanol 3 (90%) und Biodiesel (10%) kamen 2009 zusammen nur auf einen Anteil von 1,8 Prozent an der globalen Kraftstoffproduktion, wobei auf regionale Ungleichheiten hinzuweisen bleibt. Während 2009 in Brasilien 22 Prozent der Kraftstoffnachfrage durch Bioenergie gedeckt werden konnte, waren es in den USA 3 Prozent. In Summe produzieren beide etwa dreiviertel der weltweiten Bioenergiekraftstoffe.4 Wie sich die Biokraftstoffmarktanteile in Zukunft darstellen werden, bleibt abzuwarten. Jedoch kann unter Beachtung der in Industrieländern politisch vorgegebenen Zielwerte für Marktanteile mit einer enormen Anteilsverschiebung gerechnet werden.

Die Entwicklung und Nutzung von Agrotreibstoffen der zweiten Generation ist mit großen Hoffnungen verbunden. Ziel dabei ist eine energetische Nutzung der gesamten Pflanze, wobei die Energieeffizienz weitaus höher sein soll als bei den heutigen Agrotreibstoffen der ersten Generation. Für die erfolgreiche Nutzung ist jedoch noch einige Entwicklungsarbeit notwendig. Versuche gehen dahin Ethanol verstärkt aus der in verholzten Pflanzenteilen enthaltenen Lignozellulose durch den Einsatz biotechnologisch veränderter Mikroorganismen zu gewinnen und damit die gesamte Pflanze zur Ethanolherstellung nutzbar zu machen, während klassischerweise nur Zucker und Stärke aus den Pflanzen umgesetzt werden. Sinnvoll ist sicherlich eine Kombination aus stofflicher Nutzung der Pflanze, energetischer Umsetzung der Reststoffe und effizienter Kraft-Wärme-Kopplung. Diese Nutzungskette wird als Kaskadennutzung bezeichnet.5

Abbildung 2 stellt den Lebenszyklus von Biokraftstoffen dar, bei dem durch „landwirtschaftliche Produktion“ mit Einsatz von Ressourcen ein Aufbau von Agrarrohstoffen stattfindet, welche zu Biokraftstoffen verarbeitet und anschließend verbraucht werden. Der Bioenergieverbrauch, aufgeteilt in Transport, industrielle und stationäre Nutzung, ist in Abbildung 3 abgebildet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Biokraftstoffe- von den Ressourcen zum Verbrauch Quelle: FAO (2008), S.10.

III. Poltische Einflussnahme auf den Ausbau der Bioenergie

Auf Basis des aktuellen technischen Standes ist die Energiegewinnung aus dafür angebauten Bioenergiepflanzen an den meisten Standorten zu ineffizient, um mit fossilen Energieträgern ohne staatliche Hilfe konkurrieren zu können. Die Nutzung von Holz aus heimischen Wäldern ist hier anders zu bewerten, da sie auf bestehende Biomasse zugreift und üblicherweise nur unbedenkliche Mengen verwertet. Gründe für die Förderung der Bioenergie und speziell der Biokraftstoffe, welche nicht nur in der OECD, sondern auch in einer Vielzahl von Entwicklungsländern betrieben wird, sind strategische Überlegungen bezüglich der Energiesicherheit und Energiepreise, der Versuch die Klimaveränderungen einzudämmen sowie die Unterstützung der heimischen Landwirtschaft. Außerdem existieren Bestrebungen den technologischen Fortschritt in dieser relativ neuen Branche durch staatliche Maßnahmen zu fördern und sie dadurch langfristig wettbewerbsfähig zu gestalten. Seit einigen Jahren wird die Bioenergieerzeugung durch vielfältige staatliche Eingriffe in diversen Bereichen, wie Landwirtschaft, Transport, Umwelt, Energiesektor und Handel beeinflusst und wirkt damit direkt auf die Profitabilität ein. Die getroffenen Maßnahmen und deren Auswirkungen detailliert zu quantifizieren, fällt aufgrund der Bandbreite an Wirkungskanälen schwer. Staatliche Hilfen können auf unterschiedlichen Ebenen direkt oder indirekt wirken, was in Abbildung 4 visualisiert wird, sind dabei häufig miteinander verflochten und haben in ihrem Ausmaß weitläufige Konsequenzen. Generell wird davon ausgegangen, dass Maßnahmen, die direkten Einfluss auf die Fabrikation und Konsumption nehmen, den gravierendsten Einfluss haben, während der Unterstützung von Forschung und Entwicklung eine eher untergeordnete Rolle zukommt. Die mannigfaltigen staatlichen Instrumente, die aber an dieser Stelle nicht vertieft dargestellt werden sollen, sind Subventionen, Steuervergünstigungen, Zölle, Einfuhrbeschränkungen, Handelsrichtlinien, das Aufstellen von quantitativen Zielwerten, z.B. für das Minimum an Biosprit am Gesamtkraftstoffverbrauch, Ausbau der Infrastruktur und Investitionen in Forschung und Entwicklung.6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Staatliche Unterstützung auf unterschiedlichen Ebenen der Wertschöpfungskette in der Bioenergieproduktion

Quelle: FAO (2008), S.28.

III.1 Bioenergieförderung in der EU

Erste Bestrebungen einer gemeinsamen europäischen Energiepolitik stammen aus den 1960er und 1970er Jahren. 1986 wurde in einer Grundsatzentscheidung festgelegt, dass erneuerbare Energiequellen weiterentwickelt werden sollen. Mit der Veröffentlichung des sogenannten Weißbuchs „Energie für die Zukunft: Erneuerbare Energieträger“ der Europäischen Kommission im Jahr 1997 wurde die Grundlage für nachfolgende politische Maßnahmen im Bereich erneuerbare Energien gelegt, und die Energiepolitik gewann für den Agrarsektor an Bedeutung. Alternative Perspektiven für die Landwirtschaft entsprangen, wie es der Ausdruck “Landwirt als Energiewirt” demonstriert. Inhaltliche Forderungen des Weißbuchs waren die Verringerung der Energieabhängigkeit durch den Ausbau eigener Energiegewinnung, die Förderung der regionalen Entwicklung durch Schaffung von Arbeitsplätzen und insbesondere eine Verminderung von Treibhausgasemissionen durch alternative

Energiequellen. Ausgeschriebenes Ziel war es den Anteil emeuerbarer Energien bis 2010 auf 12 Prozent zu verdoppeln. Die Landwirtschaft als Biomasseproduzent wurde dabei als ausschlaggebender Sektor dieser Strategie angesehen. Mit einer EU-Richtlinie aus dem Jahr 2003 wurden alle Mitgliedsstaaten verpflichtet die Verwendung von Biokraftstoffen oder anderer Alternativkraftstoffe als Ersatz für die klassischen Treibstoffe zu fördern. Marktmindestanteile bis zum Jahr 2005 wurden vorgegeben. 2005 kam es zu einer Intensivierung der Förderungen und Forderungen für und an Biokraftstoffe und der Veröffentlichung eines Maßnahmenpaketes. Weiterhin wurden mit dem Biomasse-Aktionsplan die Aktivitäten zur Beschleunigung des Ausbaus von Bioenergie aufgrund der als zentral empfundenen Vorteile gegenüber konventioneller Energiequellen, wie geringere Kosten, weniger Anfälligkeit für kurzfristige Wetteränderungen, Förderung von regionalen

Wirtschaftsstrukturen und Erschließung alternativer Einkommensquellen für Landwirte, verstärkt. 2006 folgte der “Fahrplan für erneuerbare Energien”, eine Art Langzeitstrategieplan, welcher den angestrebten Marktanteil aus erneuerbaren Energien für das Jahr 2020 auf 20 Prozent festgesetzt hat. Anzumerken bleibt, dass sich die Kommission dabei verpflichtete die mit der energetischen Nutzung von Biomasse verbundenen Rohstoffpreisänderungen sowie Folgen für die Nahrungsmittelsicherheit zu überwachen und unter Umständen zu intervenieren.7

III.2 Zielwerte für Bioenergie

Die Festlegung der Bioenergieziele durch die deutsche Bioenergiepolitik wird unter dem Namen „Meseberger Beschlüsse“ geführt, welche ein integriertes Energie- und Klimaprogramm sind. In ihnen wird eine Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien an der Stromproduktion auf 25-30% und eine Verdopplung des Anteils erneuerbarer Energien am Wärmeverbrauch auf 14% bis 2020 gefordert, wobei der Bioenergie eine wesentliche Rolle zukommen soll.8 Im Rahmen des Klimaschutzbeitrages durch Biokraftoffe wurde eine zu erreichende Quote von 5% bis zum Jahr 2015 und 10% bis zum Jahr 2020 am Gesamtkraftstoffverbrauch festgelegt.9 Der Anteil der Einspeisung von Biogas in das Erdgasnetz wurde auf 6% für 2020 und 10% für 2030 angesetzt. Die USA streben im Vergleich bis zum Jahr 2017 einen Ethanol-/ Biodieselanteil von 15%/ 5% und Brasilien von 25%/ 5% bis 2020 am Gesamtkraftstoffverbrauch an.10 In Abbildung 5 sind die Zielwerte für den Anteil der Biokraftstoffe am Gesamtkraftstoffverbrauch und in Abbildung 6 die Entwicklung der Biokraftstoffproduktion für ausgewählte Regionen visualisiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Ziele für den Anteil derBiokraftstojfe weltweit, 2007 Quelle: Hagedorn (2009), S.21.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6:Entwicklung der Biokraftstoffproduktion Quelle: Hagedorn (2009), S.22.

[...]


1 Vgl. Kirchenamt der evangelischen Kirche in Deutschland, S. 15ff.

2 Vgl. Chakravorty/ Hubert/ Nostbakken, S. 2.

3 Vgl. Kirchenamt der evangelischen Kirche in Deutschland, S. 16ff.; Vgl. Fachagentur nachwachsende Rohstoffe. e.V.

4 Vgl. Rauh/ Heißenhuber (2008), S2.

5 Vgl. Hagedorn (2009), S.19.

6 Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2007), S.31.

7 Vgl. Rauh/ Heißenhuber (2008), S2

8 Vgl. Hagedorn (2009), S.19

9 Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2007), S.31.

10 Vgl. Hagedorn (2009), S.20.

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Energie aus Biomasse - Erhebliche Potentiale oder negative Konsequenzen für Nahrungsmittelverfügbarkeit und Umwelt?
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
41
Katalognummer
V167445
ISBN (eBook)
9783640841318
ISBN (Buch)
9783640839643
Dateigröße
6283 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
energie, biomasse, erhebliche, potentiale, konsequenzen, nahrungsmittelverfügbarkeit, umwelt
Arbeit zitieren
Markus Rhöse (Autor), 2010, Energie aus Biomasse - Erhebliche Potentiale oder negative Konsequenzen für Nahrungsmittelverfügbarkeit und Umwelt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167445

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