Die sowjetischen Komödien nach dem II. Weltkrieg - an Beispielen der Filme von E. Rjasanow und L. Gajdaj


Essay, 2009
13 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Komödie – Definition, Entstehung und Funktion

2. Theoretischer Hintergrund - Filmsoziologie

3. Zeitlicher Hintergrund - Ottepel'

4. Die Komödien von E. Rjasanow und L. Gajdaj

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

7. Internetquellen

1. Komödie und Humor – Definition, Entstehung und Funktion

Der Begriff Komödie kommt vom altgriechischen Wort komoidia („singender Umzug“).

„Als dramatische Ausdrucksform des Komischen gestaltet die Komödie einen Konflikt oder Scheinkonflikt, der meist auf komischen Charakteren oder Situationen beruht, und führt ihn entweder ad absurdum oder löst ihn im befreienden Lachen über die Unzulänglichkeiten und Schwächen des Menschen. Aus den Verflechtungen von ironischer und satirischer Haltung, Charakterkomik und Situationskomik entstehen die verschiedensten Spielarten der Komödie. Auch formal um vieles variabler als die Tragödie, kann sie sowohl das formstrenge dramatische Kunstwerk als auch die derberen Schauspielformen des Stegreifspiels, des Schwanks, der Farce, der Posse bis hin zum modernen Sketch bezeichnen.“[1]

Die ursprüngliche griechische Komödie war ein literarisches Bühnenwerk oft mit einer Moral versehen und einem glücklichen Ausgang. Es war jedoch nicht nur das Komische alleine, welches die antike Komödie auszeichnete, sondern oft das Spottende, das „Entlarvende“ und auch das Tragische. Das Aufzeigen menschlicher Schwächen und das Verspotten des Alltagslebens war dabei eine der wichtigsten Aufgaben und machte die Komödie damals wie heute zu einem „therapeutischen Mittel“ für die Maßen.

„Die unterhaltsame Grundstimmung entsteht durch eine übertriebene Darstellung menschlicher Schwächen, die neben der Belustigung des Publikums auch kritische Zwecke haben kann.

Die Zuschauer fühlen sich zu den Figuren auf der Bühne entweder hingezogen, weil sie sich in ihnen wieder erkennen, oder aber sie blicken auf sie herab und verlachen sie, weil sie Schwächen haben, die es zu vermeiden gilt, oder weil sie einer niederen Gesellschaftsschicht angehören. Schwankt diese Haltung gegenüber den komischen Figuren , spricht man von einer Tragikomödie .“[2]

2. Theoretischer Hintergrund - Filmsoziologie

Als eines der interessantesten Phänomene des persönlichen Filmgenusses wird in der „Filmpsychologie“ der Wechsel bzw. die Verwechselung der eigenen subjektiven Wahrnehmung und Perspektive mit der Perspektive der Filmkamera beschrieben. Der Zuschauer identifiziert sich ab einem gewissen Zeitpunkt und bei gegebener Konzentration mit dem Blickwinkel der Filmkamera und wird durch diese während des ganzen Films gesteuert oder geleitet. „Auf diese Weise wird dem Zuschauer eine Subjektposition zugeordnet.“[3] Der Rezipient durchlebt während des Filmgenusses einen Identifikationsprozess. Die Betonung dieses Prozesses ist besonders in der Psychoanalytik weit verbreitet.[4]

In der Soziologie hingegen wird dem/den Rezipienten (als Individuum und/oder als Gruppe) durchaus eine eingeständige Interpretationsfähigkeit zugerechnet. Diese basiert sowohl auf der unterschiedlichen persönlichen Sozialisation als auch auf den gesamtgesellschaftlichen sozialen und historischen Kontexten. Auch sind die „Einwirkungsmöglichkeiten“ von Film zu Film unterschiedlich zu bewerten.

„Wenn man die Filmrezeption soziologisch untersuchen möchte, genügt es nicht, vom Film ausgehend den Zuschauern eine idealtypische Form der Wahrnehmung und Deutung zu unterstellen. Denn diese rein auf den Filmtext beschränkte Analyse erlaubt keine Folgerungen über den tatsächlichen Gebrauch, den Gruppen oder Individuen von ihm machen. Hierzu muß man deren Aneignung erforschen, die zudem noch andere Aktivitäten als das Kino- oder Videoerlebnis umfaßt. Sie vollzieht sich in den sozialen und historischen Kontexten, in denen Filme wahrgenommen, gedeutet, diskutiert und ins alltägliche Leben integriert werden. Außerdem hängen die jeweils produzierten Bedeutungen und Formen des Vergnügens von den Möglichkeiten ab, die ein Film bietet.“[5]

Das bedeutet, dass die Bedeutung von Filmen und Inhalten für die Gesellschaft und einzelne Individuen stets nur im Kontext des geschichtlichen und gesamtgesellschaftlichen Hintergrunds sinn vollanalysiert werden kann.

Im folgenden Kapitel soll deshalb zuerst eine Deskription des zeitlichen Hintergrunds erfolgen, der für das Entstehen der „Neuen Welle“ sowjetischer Komödien verantwortlich gewesen ist. Anschliessend wird auf die wichtigsten Vertreter dieser Stilrichtung – E. Rjasanow und L. Gajdaj biographisch und Stil/Ideologie-analytisch näher eingegangen.

Dabei ist die Grundannahme dieser Arbeit nicht, dass diese Filme ein reines Spiegelbild der Gesellschaft, bzw. dass sie die genauen Ebenbilder ihrer Epoche sind, sondern dass sie teilweise selbst Geburtsstätten von Interpretationen, Ideen und Ideologien sind, die die Gesellschaft beeinflussen und mitprägen können. Filme bilden zu einem Teil den sozialen Wandel, die Veränderungen der Wertebasis einer Gesellschaft und die der zwischenmenschlichen Beziehungsmuster ab und wirken gleichzeitig auf diese Institutionen ein, sie prägen also auch diese Veränderungen zu einem gewissen Grad.

„Nun mag daran gezweifelt werden, ob sich Filme tatsächlich als Spiegel unserer gesellschaftlichen Realität verstehen lassen. Denn zum einen „spiegeln“ Filme nicht nur Gesellschaft, sondern wirken auch ihrerseits auf diese zurück und zum anderen bilden sie Wirklichkeit nicht einfach ab, sondern interpretieren sie zugleich auch. Filme gehören zu den „visuellen Formen, in und mit denen sich eine Gesellschaft darstellt. Betrachtet man Filme in vergleichender Perspektive über einen bestimmten Zeitraum hinweg, so ist ihnen der soziale Wandel, der sich in dieser Zeit vollzogen hat, deutlich eingeschrieben. Filme thematisieren den Wandel in den sozialen Beziehungen, vermitteln Welt-und Lebensanschauungen, enthalten komplette Gesellschaftsbilder und behandeln alles, was im Leben von Bedeutung ist: Geburt, Familie, Gewalt, Krankheit, Liebe, Sexualität, Tod. Der Film vermag folglich „das Gesamt der Realitäten einer Gesellschaft zu Ausdruck bringen. Damit stellen Filme eine stetig sprudelnde Quelle dar, um sich über den Zustand einer Gesellschaft, ihre Krisen und Konflikte, ihre Werte und Moralvorstellungen Aufschluss zu verschaffen. Dennoch spielt der Film in der Soziologie kaum mehr eine Rolle“[6]

Ähnliches kann man auch über die Soziologie der Komödie und die Soziologie des Humors berichten. Die einzigen fundierten wissenschaftlichen (soziologischen) Arbeiten zu diesen Themen, untersuchen die sozialen Funktionen des Komischen und des Humors als einem therapeutischen (Heil)Mittel um Spannungen innerhalb einer Gesellschaft abzubauen, Autoritäten in Frage stellen zu können und um sozialen Differenzen und Distanzen zwischen den einzelnen gesellschaftlichen Gruppen überbrücken zu können.[7]

Ein Systematische Diskurs fällt leider jedoch bis heute.

Nichtsdestotrotz soll im Folgenden, wie bereits oben erwähnt, zuerst der historische und soziale Rahmen, der für das Aufkommen neuer junger Regisseure und Filmgenres, wie unserem Fall, der Komödie verantwortlich war, kurz dargestellt werden, um einerseits ein besseres Verständnis für die Werke von Rjasanow und Gajdaj bieten zu können und andererseits um die hier vorliegende Arbeit zumindest ansatzweise an den bereits vorhandenen wenigen theoretischen Ansätzen zu orientieren und dadurch ein wenig Systematik reinzubringen.

[...]


[1] Lexikon 2000 (1190), S.2907

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Komödie

[3] Winter (1992), S 61

[4] Vrgl.: Winter (1992), S. 60

[5] Werner (1992), S.69

[6] Schroer (2007)

[7] Teaching Sociology, S.336 - http://www.asanet.org/images/journals/docs/pdf/ts/Oct09TSFeature.pdf

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die sowjetischen Komödien nach dem II. Weltkrieg - an Beispielen der Filme von E. Rjasanow und L. Gajdaj
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V167749
ISBN (eBook)
9783640847068
ISBN (Buch)
9783640843862
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
komödien, weltkrieg, beispielen, filme, rjawanow, gajdaj
Arbeit zitieren
Roman Kampen (Autor), 2009, Die sowjetischen Komödien nach dem II. Weltkrieg - an Beispielen der Filme von E. Rjasanow und L. Gajdaj , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/167749

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