Kaiserin Kunigunde

Leben und Wirken der consors regni


Seminararbeit, 2009

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Allgemeine Rolle der Königin

2. Abstammung und Krönung

3. Vermittlung in Konflikten

4. Moselfehde

5. Herrschaftsausübung

6. Zusammenfassung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

In der vergangenen mittelalterlichen Forschungsperspektive wurde die Rolle der Frau und der Königin nur unwesentlich betrachtet, vielmehr standen die mächtigen Könige und habgierigen Herrscher im Mittelpunkt der Geschichtsforschung.

Erst in der jüngeren mittelalterlichen Historie wurde die Rolle der Königin wesentlicher betrachtet und bekam mehr Aufmerksamkeit zugesprochen als zuvor.[1]

Eine der wenigen weiblichen Zentralgestalten des Mittelalters war die Gemahlin Heinrichs II., Kunigunde. In seiner Regierungszeit soll sie aktiv das politische Geschehen des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nationen mitbestimmt, sich in Urkunden eingemischt und Kirchen und Klöster gestiftet haben.[2]

Seit ihrem Ableben 1033, verbreitete sich über fast ganz Europa ein regelrechter Kult der Kaiserin. Für viele war sie die vorbildliche und wundertätige Ehefrau des Kaisers. Auch die Kinderlosigkeit des Ehegespanns konnte der positiven Deutung nichts anhaben. Vielmehr wurde dieser Aspekt als bewusste Entscheidung für die Keuschheit angesehen und dementsprechend als „Josephsehe“ verehrt.[3] Wie groß die Bedeutung des Herrscherpaares gewesen sein muss, lässt der Umstand vermuten, dass beide als einziges Herrscherpaar des Mittelalters später von Päpsten für heilig gesprochen wurden. Ein Aspekt, der die Faszination für Kunigunde, aber auch für Heinrich II. begründet.

Ziel der Hausarbeit ist es zu fragen, welchen Einfluss und Machtspielraum Kaiserin Kunigunde an der Seite Heinrichs II. hatte und wie sie dabei die Politik des Imperium Romanum im Detail mitbestimmte. Die Funktion Kunigundes am Königshof sowie die Herrschaftsausübung und ihre Rolle als Vermittlerin in Konflikten stehen dabei im Mittelpunkt der Arbeit. Hinsichtlich dieser Fragestellung muss anfangs auch auf die allgemeine Rolle der Königin im Mittelalter eingegangen werden um ein umfassendes Verständnis für das vorliegende Thema zu gewinnen. Des Weiteren hat auch die Abstammung Kunigundes eine wesentliche Bedeutung, um später eintretende Konflikte, wie zum Beispiel die Moselfehde zu verstehen.

1. Allgemeine Rolle der Königin

Mit dem Herrschergeschlecht der Ottonen übernahmen um die Jahrtausendwende erstaunlich viele Frauen Funktionen in Politik und Kultur.[4] Die Herrschaftsbeteiligung von Frauen der königlichen Dynastie wurde sehr vielfältig und intensiv.

Hauptaufgabe war hierbei dem Ehegemahl als treue Stellvertreterin und Ratgeberin zur Seite zu stehen sowie sich um den königlichen Haushalt zu kümmern.[5] Alle Bediensteten am Hof waren der Königin unterstellt und verantwortlich.[6] Konkretere Aufgabenfelder waren zum Beispiel die Ausstattung des Hofes und die Versorgung des Königs mit Schmuckstücken und der Bediensteten mit Speis und Trank.[7] Des Weiteren hatte die Königin zur Aufgabe, als Regentin die Königskinder zur erziehen. Kurzum: Die Königin war für den reibungslosen Ablauf für die Geschehnisse am Hofe verantwortlich.

Häufig trat die Königin aber auch als Stifterin von Klöstern und Äbtissin von Reichsklöstern auf.[8]

Neben Kunigunde, als einflussreiche Gemahlin Heinrichs II., stechen vor allem Kaiserin Adelheid, Gemahlin Ottos des Großen, und Theophanu, Gemahlin Ottos II. hervor, die ebenfalls wie Kaiserin Kunigunde aktiv an der politischen Macht des Reiches Teilhabe hatten. Hierzu gehören auch die „einflussreichen Äbtissinnen reichsunmittelbarer Kanonissenstifte liudolfingischer Provence“[9], wie etwa Mathilde und Adelheid.

All diese Frauen leisteten durch ihre Teilhabe einen entscheidenden Beitrag zum Machterhalt der königlichen Herrschaft. Das Phänomen der Mitgestaltung der Politik von Frauen blieb nicht nur auf das Ottonenreich begrenzt, bis nach Frankreich und andere Teile Europas drang es durch.[10]

2. Abstammung und Krönung

Kunigunde entstammte aus einem aufsteigenden Geschlecht der Luxemburger, welches vor allem in Trier viele bedeutende Vogteien besaß.[11] Die Nachkommen der Familie besaßen später eine vorherrschende Stellung in Oberlothringen. Genealogisch konnte eine verwandtschaftliche Beziehung Kunigundes bis auf Karl den Großen zurückgeführt werden.[12] Diese Gegebenheit legitimierte später die Herrschaft und Dynastie Kunigundes. Ohne diese Tatsache wäre es schwieriger gewesen in der adligen Gesellschaft bis zur Königin aufzusteigen.

Um das Jahr 1000 herum heiratete sie den bayrischen Herzog Heinrich, der später zum König gewählt werden sollte. Er versprach sich durch die Heirat mit Kunigunde größeren Einfluss im Westen des Reiches.

Wesentlich für die Herrschaftsbeteiligung im Reich war die Annerkennung als Königin. Dies geschah am 10. August 1002 mit der Salbung und Krönung der ehemaligen Herzogin durch Erzbischof Willigis von Mainz.[13] Kunigunde war damit die erste Frau des „ostfränkisch-deutschen Reiches“, die durch diesen Vorgang zur Königin gekrönt wurde. Auch wurde sie an der Seite Heinrich II. am 14. Februar 1014 in Rom zur Kaiserin gekrönt.[14]

Schon hier wird der Machtanspruch Kunigundes ersichtlich. In einem Widmungsgedichts Christus über Heinrich II., welches die Krönung des Kaiserpaares schildert, steht geschrieben: „König Heinrich […] mit Kunigunde, seiner Mitregentin“[15]. Hierbei wird sie gleichwohl auf eine Stufe mit ihrem Ehegemahl gestellt. Die Ebenbürtigkeit des Königspaares wurde hierbei ersichtlich - ein Indiz für die spätere Aufgabenteilung der Vermählten. Der Machtanspruch Kunigundes vergrößerte sich zudem durch ihre enormen Vermögenswerte und Besitzungen, so etwa in Boppard und Kassel.[16]

[...]


[1] Vgl. Ingler-Detken, Yvonne Rebecca, Doing Gender auf der politischen Bühne Europas: Politikerinnen und ihre Überwindung der „Fremdheit der Politik“, Wiesbaden 2008, S. 16-19.

[2] Vgl. Baumgärtner, Ingrid, Kunigunde – eine Kaiserin der Jahrtausendwende, Kassel 1997, S. 11.

[3] Vgl. Baumgärtner, Ingrid, Kunigunde – eine Kaiserin der Jahrtausendwende, Kassel 1997, S. 157.

[4] Vgl. Baumgärtner, Ingrid, Kunigunde – eine Kaiserin der Jahrtausendwende, S. 11.

[5] Vgl. Fössel, Amelie, Die Königin im mittelalterlichen Reich, Stuttgart 2000, S. 81.

[6] Vgl. Hinkmar von Reims, De ordine palatii IV S. 56, hg. und übersetzt von Gross, Thomas / Schieffer, Rudolf.

[7] Vgl. Fössel, Amelie, Die Königin im mittelalterlichen Reich, S. 82.

[8] Vgl. Klauser, Renate, Der Heinrichs- und Kunigundenkult im mittelalterlichen Bistum Bamberg, Bamberg 1957, S. 23.

[9] Baumgärtner, Ingrid, Kunigunde – eine Kaiserin der Jahrtausendwende, S. 11.

[10] Vgl. Baumgärtner, Ingrid, Kunigunde – eine Kaiserin der Jahrtausendwende, S. 12.

[11] Vgl. Baumgärtner, Ingrid, Kunigunde – eine Kaiserin an der Jahrtausendwende, S. 15.

[12] Vgl. Baumgärtner, Ingrid, Kunigunde – eine Kaiserin an der Jahrtausendwende, S. 16.

[13] Vgl. Baumgärtner, Ingrid, Kunigunde – eine Kaiserin an der Jahrtausendwende, S. 22.

[14] Vgl. Ingrid Baumgärtner Fürsprache, Rat und Tat, Erinnerung: Kunigundes Aufgaben als Herrscherin, S 47-69.

[15] Widmungsbild des Perikopenbuches Heinrich II., Staatsbibliothek München, Clm 4452, fol 2r.

[16] Black-Veldtrup, Mechthild, Kaiserin Agnes. Quellenkritische Studien, Köln-Weimar-Wien 1995, S. 161.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Kaiserin Kunigunde
Untertitel
Leben und Wirken der consors regni
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V168141
ISBN (eBook)
9783640850921
ISBN (Buch)
9783640851171
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kaiserin, kunigunde, leben, wirken
Arbeit zitieren
Nico Ocken (Autor), 2009, Kaiserin Kunigunde , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168141

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