Die Rechte und Pflichten der Kurfürsten nach der Goldenen Bulle von 1356


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Vorgeschichte der Goldenen Bulle

3. Die Goldene Bulle
3.1. Die Urkunde
3.2. Die Handlungsträger

4. Wahl- und Erbrecht
4.1. Wahleinladung
4.2. Vertretungsrecht und Anwesenheitspflicht
4.3. Rechte und Pflichten im Wahlablauf
4.4. Recht und Pflicht auf sicheres Geleit
4.5. Das Recht auf Erneuerung der Kurwürde

5. Erbrecht und Erbfolge der Kurfürsten

6. Wirtschaftliche Rechte der Kurfürsten
6.1. Münz-, Zoll- und Judenregal
6.2. Vorrechte der kurfürstlichen Territorien

7. Besondere Rechte der Kurfürsten im Justizwesen

8. Einheit und jährliche Versammlung

9. Rituelle Pflichten der Kurfürsten

10. Schluss

11. Quellen- und Literaturverzeichnis
11.1. Quellenverzeichnis
11.2. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die sogenannte ‚Goldene Bulle’ aus dem Jahre 1356 war ein Gesetzbuch, dessen Wirkung noch lange nach dem Inkrafttreten erkennbar war. Sie war der letzte Schritt in einer langen Entwicklung, die das Kaisertum und das römisch-deutsche Reich vom Papsttum unabhängig machte. Zwar gab es auch fortan noch eine päpstliche Approbation des römischen Königs, doch die Bedeutung der Kaiserkrönung nahm von diesem Zeitpunkt an ab.

Doch nicht nur die rechtliche Stellung des Kaisers veränderte sich durch die Bulle. Nicht zuletzt waren die Kurfürsten diejenigen, die ihren Machtanspruch durch den Wegfall des Einflusses der römischen Kirche vergrößerten. Auf ihre neue zentrale Rolle im deutschen Reich wird in dieser Arbeit das Hauptaugenmerk gelegt. Doch zunächst müssen dazu die Entwicklungen, die zu dieser rechtlichen Regelung führten, betrachtet werden. Dazu wird zu Beginn eine kurze Darstellung der Entstehungsgeschichte der Goldenen Bulle sowie die Betrachtung ihrer allgemeinen Bedeutung für das Reich verfasst. Dabei werden auch die Gründe, die zu ihrer Abfassung führten, erläutert werden.

Ob die Kurfürsten oder der Kaiser dabei ihre Interessen durchsetzen konnten, wird im weiteren Verlauf durch die Betrachtung der einzelnen Regelungen, die die Kurfürsten betrafen, beantwortet werden müssen. Im Einzelnen werden vornehmlich die Rechte wie auch die Pflichten der Kurfürsten behandelt, um dieser Frage nachzugehen. Dabei wird es nötig sein, die damaligen Überlegungen zu den Beschlüssen mit in die Analyse einzubauen, wobei das Hauptaugenmerk auf die ‚Goldene Bulle’ gerichtet bleiben wird.

Dies wird in verschiedenen Facetten geschehen müssen. Welche Änderungen sich dabei für die Kurfürsten ergaben, werden in diesem Zuge herausgestellt, um die vorangegangenen Fragen näher zu erörtern.

2. Vorgeschichte der Goldenen Bulle

Karl IV wurde zunächst als Gegenkönig zu Ludwig IV mit der Unterstützung des Papstes Clemens VI ernannt. Zunächst erkannte Karl IV das päpstliche Approbationsrecht an und wartete mit seiner Krönung bis er diese erhalten hatte. Die Regierungszeit Karls begann also alles andere als es die ‚Goldene Bulle’ zunächst vermuten lässt. Mit der Zeit konnte Karl IV seinen Machtstatus in Deutschland absichern, so dass er sich auch um eine umfassende Reichsreform kümmern konnte. Dabei stützte er sich vornehmlich auf das böhmische Königtum, dessen Königswürde er inne hatte, und betonte stets die besondere Rolle des böhmischen Königreichs innerhalb des Heiligen römischen Reichs.[1]

Die ersten Ideen zu einer Reichsreform entwickelte Karl IV bereits zwei Jahre vor dem Reichstag zu Nürnberg 1356. Diese ersten Vorschläge dienten jedoch nur der Sicherung des Reiches, in dem weit mehr reformiert werden musste. Dies wurde zunächst auch dadurch verhindert, dass Karl IV seinen Rom-Zug und die damit verbundene Krönung zum Kaiser nicht begonnen hatte. Der Titel war wichtig, um Gesetze im Umfang der ‚Goldenen Bulle‘ durchzusetzen. Wegen verschiedener außen- und innenpolitischer Probleme wurde diese Reise zum Papst jedoch zunächst verschoben.[2]

Im September 1354 reiste Karl IV nach Rom, um schließlich die Kaiserwürde zu empfangen. Dies war auch auf politischer Ebene wichtig, da einige Gebiete des Reiches den Herrschaftsanspruch Karls erst mit diesem Titel akzeptierten. Zudem durfte er nach römischem Recht jetzt Gesetze erlassen.[3] Im September 1355 wurden die Ladungsschreiben zum Reichstag in Nürnberg zugestellt. Als Gründe dieses Reichstags waren „[sic!] fride und gemach“ im Reich zu erhalten genannt.[4] Am 25. November 1355 traf Karl IV in Nürnberg ein, die ersten weltlichen und geistlichen Kurfürsten wenig später. Doch die wichtigen Entscheidungen und Beratungen wurden erst mit dem Eintreffen des am 22. Dezember zuletzt eingetroffenen Kölner Erzbischofs begonnen.[5] Es schien Karl IV also sehr wichtig gewesen zu sein, dass alle Kurfürsten bei den Verhandlungen anwesend waren.[6]

Bereits vor dem Reichstag verfasste Karl fünf Programmpunkte, die die in der Goldenen Bulle zu regelnden Themen vorgaben.[7] Zudem klärte er die bis dahin noch offene Frage, wer die weltliche Kurwürde erhalten solle. Die Entscheidung traf der Kaiser bereits vor dem Reichstag, dennoch war er gezwungen diese dort bestätigen zu lassen.

Damit ist die Frage nach dem Grund der Abfassung aber noch nicht geklärt. Dieser liegt wohl darin begründet, dass es zwischen 1198 und 1349 insgesamt zehn Doppelkönigswahlen gab, die dazu führten, dass erheblicher Unfriede im Reich herrschte. Auch Karl IV hatte zweimal mit diesem Problem zu kämpfen. Zum einen gegen Ludwig IV und zum anderen gegen Günter.[8] Diese Streitigkeiten wollte Karl IV ein für allemal verhindern, um dem Reich eine stabile Grundlage zu geben. Karl IV war zudem nach 100 Jahren der erste vom Papst anerkannte Kaiser, der auch nördlich der Alpen regierte.[9] All diese Faktoren führten dazu, dass er Maßnahmen zur Sicherung des Friedens und der Königswahl, sowie zur Festlegung der Rechte und Pflichten der Kurfürsten angehen wollte und auch durchsetzen konnte.

3. Die Goldene Bulle

3.1. Die Urkunde

Die ‚Goldene Bulle’ besteht aus zwei Teilen. Zum einen handelt es sich um das Nürnberger Gesetzbuch vom 10. Januar 1356, zum anderen um das Metzer Gesetzbuch vom 25. Dezember des gleichen Jahres, welches als Ergänzung zum ersten zu sehen ist. Besiegelt wurden die Beschlüsse jedoch in Gesamtheit in Metz. Auch der Nürnberger Teil trat erst zu diesem Zeitpunkt in Kraft. Die Namen dieser beiden Schriften stammen vom Ort des Hoftages, an dem diese Gesetze beschlossen wurden. Der Name ‚Goldene Bulle’ stammt aus dem Jahre 1400 und hat sich seither durchgesetzt. Karl IV bezeichnete die Gesetzbücher noch als „[sic!] unser keiserliches rechtbuch“.[10]

Der Hauptteil der Schrift beschäftigt sich mit der Wahl des römischen Königs, der dann zum Kaiser und „[sic!] eins werntlichen heuptis der ganzen werlt“ erhoben werden sollte. Hinzu kommen Regeln, Rechte und Pflichten der Kurfürsten, die die Sicherheit im Reich und bei der Königswahl garantieren sollte. Das Approbationsrecht des Papstes wurde für diese Regelungen übergangen, was die Unabhängigkeit des deutsch-römischen Königtums von der römischen Kirche gewährleisten sollte.[11]

Die darin verfassten Gesetze waren Großteils keine neuen Regeln, sondern nur eine schriftliche Fixierung der bis dahin üblichen Verfahrensweisen. Dennoch gab es einige Punkte, die bis dahin noch unbekannt waren und die Position des zu wählenden König verbessern sollten. Es wurden zum Beispiel Gegenkaiser durch die Einführung des Mehrheitswahlrechts zukünftig verhindert. Der ‚Goldene Bulle’ blieb bis zum Ende des Alten Reiches 1806 gültig.[12]

3.2. Die Handlungsträger

Während der beiden Reichstage in Nürnberg und Metz waren verschiedene Gruppen anwesend. Neben dem Kaiser sind vor allem die geistlichen und weltlichen Kurfürsten, die Herren der einzelnen Länder und die Städte zu nennen. Da diese Arbeit, wie in der Einleitung näher beschrieben, die Frage der Kurfürsten behandelt, wird in diesem Abschnitt vor allem auf deren Interessen der Kurfürsten eingegangen.

Auf Seiten der geistlichen Kurfürsten ist wohl vor allem der Kölner Erzbischof Wilhelm von Gennep zu nennen. Dieser war in einen andauernden Streit mit der Stadt über Zoll und Münzrecht verwickelt und kritisierte eine Vielzahl von Privilegien, die Köln innehatte, was für die Verhandlungen in Nürnberg vor allem in den kurfürstlichen Vorrechten erkennbar wurde, die diese gegenüber den Städten behaupteten.

Durch verschiedene Verträge hatten sich die drei geistlichen Kurfürsten bereits in den Jahrzehnten vor der der Goldenen Bulle auf gemeinsame Grundlagen in ihrer Politik geeinigt. Diese waren vor allem im Bereich des Landfriedens und in der Neuregelung des Münz- und Zollrechtes für die Verhandlungen in Nürnberg und Metz von Bedeutung. Dabei waren die Vereinbarungen meist so getroffen worden, dass die drei geistlichen Territorien Probleme in den genannten Angelegenheiten ohne Zuhilfenahme der Reichsgewalt lösten. In Sachen der Zoll- und Münzfrage stimmten sie dem Kaiser zu, weil sie sich ebenfalls eine Minderung der Zölle und eine Vereinheitlichung der Maße, Gewichte und Währungen erhofften.[13]

Anders als bei den geistlichen Kurfürsten musste Karl IV bei den weltlichen zunächst die grundsätzliche Frage klären, wer die Kurwürde erhalten solle.[14] Als weltliche Kurfürsten wurden beim Reichstag der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und der König von Böhmen bestätigt.[15] Gerade letzterer war bis dahin umstritten. Als Beispiel sei hier der Sachsenspiegel genannt, der den böhmischen König noch als nicht deutsch bezeichnete. Die Frage, warum gerade diese vier Kurfürsten ausgewählt wurden, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Allerdings könnten verwandtschaftliche Verhältnisse zwischen diesen und Karl IV den Ausschlag gegeben haben.[16]

[...]


[1] Seine zweite Krönung zum römischen König fand am 25. Juli 1349 in Aachen statt. Hans K. Schulze: Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. Band 3: Kaiser und Reich. Stuttgart – Berlin – Köln 1998. S. 245f.

[2] Bernd-Ulrich Hergemöller: Fürsten, Herren und Städte zu Nürnberg 1355/56. Die Entstehung der „Goldenen Bulle“ Karls IV. Köln –Wien 1983. S. 12f.

[3] Ibd. S. 14f.

[4] Zit. nach Hergemöller: Fürsten, Herren und Städte. S. 18.

[5] Hergemöller: Fürsten, Herren und Städte. S. 18ff.

[6] Erling Ladewig Petersen: Studien zur goldenen Bulle von 1356. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters, Aufsätze Band 22, 1966. S. 229f.

[7] Die 5 Programmpunkte waren: 1)Wem die weltliche Kurwürde zustehe. 2)Regelung der Wechselkurse aller Münzen. 3) Minderung der Rheinzölle. 4) Sicherung des Friedens zu Lande und zu Wasser. 5) Regelung des Verfahrens der Königswahl. Von diesen genannten Punkten wurden lediglich 1) und 5) in die Goldenen Bulle mit aufgenommen. Die restlichen blieben ungeklärt. Vgl.: Petersen, Studien zur goldenen Bulle. S. 230.

[8]. Armin Wolf: Das "kaiserliche Rechtbuch" Karls IV (sogenannte Goldene Bulle). In: Helmut Coing (Hrg.) Ius commune 2. Frankfurt a.M. 1969. S. 3.

[9] Heinrich VII verstarb noch in Italien, Ludwig IV wurde von den Päpsten nicht anerkannt und alle nachfolgenden Könige wurden nicht zu Kaisern ernannt. Vgl. Wolf: Das "kaiserliche Rechtbuch" Karls IV. S. 3.

[10] Lexikon des Mittelalters: Band IV: Erzkanzler bis Hiddensee. München 1989. Sp. 1542 f. Der Name Goldene Bulle stammt vom goldenen Siegel, das sich auf der Urkunde befand. Hans Boldt: Deutsche Verfassungsgeschichte. Band 1: Von den Anfängen bis zum Ende des älteren deutschen Reiches 1896. München 1984. S. 251.

[11] Schulze: Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. S. 247f. Zit. nach: Ernst Schubert: König und Reich. Studien zur spätmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte. Göttingen 1979. S. 210.

[12] Lexikon des Mittelalters: Band IV: Erzkanzler bis Hiddensee. München 1989. Sp. 1542 f.

[13] Hergemöller: Fürsten, Herren und Städte. S. 38ff.

[14] Die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier.

[15] Wolf: Das "kaiserliche Rechtbuch" Karls IV. S. 9. Und Die Goldene Bulle Kapitel 7.

[16] Wolf: Das "kaiserliche Rechtbuch" Karls IV. S. 10.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Rechte und Pflichten der Kurfürsten nach der Goldenen Bulle von 1356
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Treue und Konflikt – Das Lehnrecht des Mittelalters
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V168632
ISBN (eBook)
9783640863624
ISBN (Buch)
9783640863785
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rechte, pflichten, kurfürsten, goldenen, bulle
Arbeit zitieren
Sebastian Riege (Autor), 2008, Die Rechte und Pflichten der Kurfürsten nach der Goldenen Bulle von 1356, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168632

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Rechte und Pflichten der Kurfürsten nach der Goldenen Bulle von 1356



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden