Die Städtische Wasserversorgung in China

Beurteilung anhand des "Integrated Water Resources Management" (IWRM) Konzepts


Masterarbeit, 2010

45 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Darstellung des Problems

2. Forschungsstand
2.1. Relevanz des Themas
2.2. Ziel und Aufbau der Arbeit
2.3. Quellenherkunft

3. Definitionen wichtiger Begriffe
3.1. Urbanisierung Chinas
3.2. Wassermanagement

4. Integrated Water Resource Management (IWRM)
4.1. Das theoretische Konzept IWRM
4.1.1. Entstehung
4.1.2. Definition „Integriertes Wasserressourcen Management“
4.1.3. Die Prinzipien von IWRM
4.1.4. IWRM in der städtischen Wasserversorgung
4.2. Kriterien zur Evaluation des städtischen Wassermanagements

5. Rahmenbedingungen & Bestandsaufnahme des städtischen Wassermanagements in China
5.1. Wasserressourcen, Entwicklung und Problematiken
5.2 Gesetzliche Rahmenbedingungen
5.3 Administrative Gliederung
5.3.1. Nationale Ebene
5.3.2. Städtische Ebene
5.4. Bestandsaufnahme der Situation in der Städtischen Wasserversorgung
5.4.1. Infrastruktur und Wasserverbrauch
5.4.2. Wasserqualität
5.4.3. Abwasser

6. Analyse der städtischen Wasserversorgung in China
6.1. Methodik
6.2. Beurteilung anhand der erarbeiteten Kriterien
6.2.1. Institutioneller Rahmen
6.2.2. Ökomischer Umgang mit der Ressource Wasser
6.2.2.1. Marktöffnungsprozesse
62.2.2. Preisreformen
6.2.2. Information und Beteiligung der Öffentlichkeit
6.2.3.1. Informationsverfügbarkeit & Transparenz
6.2.3.2. Beteiligungen der Öffentlichkeit
6.3. Perspektiven

7. Schlussbetrachtungen und Schritte zur weiterführenden Untersuchung

8. Bibliographie

Tabellen und Abbildungen

Tabellen

Tabelle 5.1 Wasserproblematik in der chinesischen Presse

Tabelle 5.2 Wichtige administrative Organe mit Relevanz für die städtischen Wasserversorgung auf nationaler Ebene

Tabelle 5.3 Daten zur städtische Wasserversorgung in China

Tabelle 5.4 Investitionen in Sachanlagen im städtischen Wassersektor in 100 Million Yuan

Tabelle 6.1 Wasserpreise in wichtigen chinesischen Städten in Yuan/Tonne

Abbildungen

Abbildung 3.1 Urbanisierung in der VRChina(1951-2030)

Abbildung 4.1 WertundKosten

Abbildung 5.1 Wasserverbrauch der VRChina2007inMrd.m3

1. Darstellung des Problems

The highest excellence is like that of water. The excellence of water appears in its benefiting all things, and in its occupying, without striving to the contrary, the low place which all men dislike. Hence its way is near to that ofthe Dao. Lao-Zi in Dao De Jing1

Wird Chinas Wachstum die Menschheit retten oder sie zerstören? Dieser Frage geht der Autor Jonathan Watts in seinem Buch „When a Billion Chinese Jump“2 nach. Dabei zeigt er, wie eng verknüpft Chinas Wachstum mit gegenwärtigen und zukünftigen Umweltproblemen ist und welche Bedeutung die Auswirkungen auf die gesamte Menschheit haben - im positiven wie auch im negativen Sinne. Ob es eine Frage der Rettung oder Zerstörung ist, sei dahin gestellt, jedoch sind die Effekte durch Chinas Aufstieg in den letzten Jahrzehnten offensichtlich geworden. Die wachsende Bedeutung der Volksrepublik in der Welt ist unbestreitbar. Die Entwicklungen in der Volksrepublik China werden dabei oft negativ bewertet. In den westlichen Medien herrscht der Konsens, dass der Schaden den Nutzen überwiegt. Chinas Rolle nach dem Scheitern der Verhandlungen in Kopenhagen wurde heftig kritisiert.3 Folgt man gleichzeitig den täglichen Nachrichten, kann man eine Häufung von Umweltkatastrophen in China feststellen. Bei diesen spielt oft Wasser eine entscheidende Rolle, wie z.B. in den jüngsten Überschwemmungen in Hubei.4 Wasser ist die natürlichste Ressource und wohl auch die bedeutendste. Wasser ist für viele Prozesse des Lebens aber auch der Wirtschaft unabdingbar. Wasser bildet nicht nur die Basis für die Gesundheit und das Wohlempfinden der Menschen, sondern ist ein entscheidender Faktor bei der Produktion von Agrargütern und bei den Prozessen der industriellen Produktion.5 Wasser scheint allen Dingen zu nützen, wie Lao- Zi es bereits 400 v. Chr. feststellte.

Während Wasser in vielen europäischen Ländern eine selbstverständliche Ressource ist, hat China mit einer Vielzahl von wassertechnischen Problematiken zu kämpfen. Dabei sind diese Probleme eng verbunden mit der schnell voranschreitenden Urbanisierung Chinas. Jährlich ziehen mehr als 15 Millionen Chinesen von ländlichen in urbane Gebiete. Um das Bild der einer Milliarde springender Chinesen aufzugreifen: Mit welchen Mitteln stillt man ihren Durst nach Wasser im sozialen, ökonomischen und globalen Kontext?

Nachhaltige und international anerkannte Konzepte wie das „Integrierte Wasserressourcen Management“ (IWRM) können bei der Lösung dieser Frage eine entscheidende Rolle spielen. Die Notwendigkeit ihrer Implementierung ist global anerkannt und zu genüge erprobt. In China wurde IWRM jedoch in den Bereichen der städtischen Wasserversorgung noch nicht berücksichtigt. Dabei stellt gerade das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Urbanisierung in China Wasserressourcen Management vor neue Herausforderungen.

2. Forschungsstand

2.1. Relevanz des Themas

Bei der Formulierung einer Forschungsfrage müssen grundsätzlich zwei Aspekte beachtet werden: Zum Einen sollte sie sozial relevant, zum anderen für den wissenschaftlichen Diskurs von Interesse sein.

Nach den Millennium Entwicklungszielen der UN für 2015 soll laut Entwicklungsziel Nr. 7 die Hälfte derjenigen Menschen, denen dies bisher verwehrt war, Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu grundlegenden sanitären Einrichtungen erhalten.6 Dieses Ziel bezieht sich insbesondere auf Entwicklungs- und Schwellenländer wie China.

Wie bei der Darstellung des Problems bereits erläutert, wird durch die fortschreitende Urbanisierung in China das Thema Wasserversorgung für Millionen von Menschen in den zahlenmäßig zunehmenden Megastädten Chinas relevant. Die zukünftige Entwicklung Chinas hängt stark davon ab, wie die Zentralregierung mit der städtischen Bevölkerung umgeht. Integriertes Wasserressourcen Management dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Die chinesische Regierung unterstreicht die Bedeutung von umfassenden Wasserversorgungskonzepten. Der Ansatz des Integrierten Wasserressourcen Management ist hierbei oft schon in die Diskussion mit einbezogen worden, jedoch in der Regel im Zusammenhang mit Gewässerbewirtschaftung. Eine Untersuchung speziell auf die urbane Situation in China wurde dabei noch nicht berücksichtigt.

2.2. Ziel und Aufbau der Arbeit

Das primäre Ziel der Arbeit ist es herauszufinden, inwieweit Ansätze des Konzeptes zu Integrieren Wasserressourcen Management in chinesischen Städten umgesetzt werden.

Nach der Definition wichtiger Begriffe im Kapitel 3 der Arbeit soll der Leser im Kapitel 4 zunächst in das Konzept des „Integrierten Wasserressourcen Management“ eingeführt werden, mit dem Ziel das nachhaltige Konzept zu verstehen. Es soll mit Hilfe von Hintergrundpapieren der Global Water Partnership (GWP) Organisation ein Konzept zur Analyse der städtischen Wasserversorgung erarbeitet werden. Zum Zwecke der Vereinfachung der späteren Analyse werden bewusst Kriterien für chinesische Städte selektiert. Dies ist besonders wichtig, da ein nachhaltiges Konzept wie IWRM keinen universellen Anspruch erhebt und die Definitionen des Wortes Stadt keine einheitliche Situation beschreibt, sondern regional abhängig einen Zustand definiert.7 Diese beiden Dimensionen sollen bei dem Aufbau von Bewertungskriterien berücksichtigt werden.

Daran anknüpfend soll in Kapitel 5 zunächst geklärt werden, wie die städtische Wasserversorgung in China aufgebaut ist und auf welche Art und Weise wichtige Prozesse in diesem Bereich geregelt sind. Bei der Darstellung der natürlichen, administrativen und legislativen Rahmenbedingungen sollen Konflikte und Problematiken ausgearbeitet werden, die später in der Analyse aufgegriffen werden können.

Im folgenden Kapitel 6 - dem analytischen Teil der Bachelor Thesis, werden die beiden zuvor dargestellten Ergebnisse aus Kapitel 4 und Kapitel 5 zusammengebracht. In diesem Abschnitt soll eine Beurteilung nach den zuvor erarbeiteten Kriterien aus 4.2. durchgeführt werden. Die Beurteilung der Praktikabilität dieser gewonnenen Kriterien kann jedoch erst in der später durchgeführten Evaluation erfolgen. Anhand der gewonnenen Erfahrungen und Auswertungen sowohl im Bezug auf die Umsetzung von IWRM als auch die Praktikabilität der erarbeiteten Kriterien, sollen Lösungsansätze und Perspektiven im Bereich des nachhaltigen Managements von städtischer Wasserversorgung in China gefunden werden.

2.3. Quellenherkunft

Das Thema städtische Wasserversorgung in China scheint trotz der festgestellten sozialen und wissenschaftlichen Relevanz noch wenig in der Fachliteratur behandelt worden zu sein. In der Regel wird es als Teilaspekt der Wasserversorgung in China betrachtet und nur bis auf wenige Ausnahmen gesondert behandelt. Wichtigste Grundlage für die Recherche in diesem Bereich waren überwiegend englischsprachige Fachpublikationen, die zum größten Teil in digitaler Form veröffentlicht sind. Der Autor dieser Arbeit hat die Quellen jedoch ausgiebig vor der Verwendung auf ihre Herkunft und ihren Verfasser geprüft.

Das Konzept des Integrierten Wasserressourcen Managements wurde überwiegend von der Global Water Partnership (GWP) Organisation übernommen. GWP sieht sich als Netzwerk zur Förderung und der Verbreitung von Integrierten Wasserressourcen Management8 und hat zahlreiche Aufsätze, Werkzeuge, Case Studies und Hintergrundpapiere zu diesem Thema veröffentlicht.9 Sämtliche Sekundärliteratur zum Thema IWRM bezieht sich durchgängig auf die von Global Water Partnership erarbeitete Herangehensweise.

3. Definitionen wichtiger Begriffe

In diesem Abschnitt werden die wichtigsten Begrifflichkeiten für die Arbeit definiert und eingegrenzt.

3.1. Urbanisierung Chinas

Bis zum Beginn der Wirtschaftsreformen war die Urbanisierungsrate Chinas nahezu stagnierend. Maos restriktives Никои System machte eine selbstständige Migration vom ländlichen Raum in die Stadt faktisch unmöglich. In der Regel wurde eine derartige Migration der Bevölkerung ausschließlich im Zuge von politischen Kampagnen, wie z.B. während des Großen Sprungs zugelassen.10 Lange Zeit war es das erklärte Ziel der kommunistischen Partei Chinas, die Urbanisierungsrate möglichst niedrig zu halten. Bis 1980 wurden Umsiedlungen von der Stadt auf das Land durchgeführt, u.a. um sozialen Konflikten in der Stadt vorzubeugen.11

Diese Situation änderte sich mit der Politik Deng Xiaopings Anfang der 1980er Jahre. Dengs Politik der Wirtschaftsreform bedeutete eine weitgehende Öffnung der Städte und setzte einen „ungeheuren Anstieg der sozialen und räumlichen Mobilität der ländlichen Bewohner und einen zunehmenden Wanderungsstrom in die Städte in Gang“.12

Chinas Wachstum wird bis heute von einer hohen Migrationsrate in urbane Räume getragen. Zur Zeit leben etwa 600 Millionen Chinesen in Städten, was einer Urbanisierung von 45 % entspricht. Sollte sich der Entwicklungstrend so fortsetzen, werden nach Prognosen bis 2025 ca. 930 Millionen Chinesen in der Stadt wohnen, von denen 230 Millionen Wanderarbeiter13 sein werden.14 Gerade dieser Teil der Bevölkerung wird bis heute noch bei öffentlichen Dienst- und Sozialleistungen stark diskriminiert, dazu zählt auch die Einbeziehung in die städtische Wasserversorgung.

In Abbildung 3.1 ist die Entwicklung der Urbanisierung Chinas dargestellt.15 Anhand der Entwicklungstendenz ist die wichtige Rolle des Raumes Stadt in der Volksrepublik China und somit die Relevanz dieser Arbeit zu erkennen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2. Wassermanagement

In der folgenden Arbeit wird häufig das Wort Wassermanagement verwendet. Das Wort bezieht sich sowohl auf die Aspekte der Wasserversorgung als auch auf die Abwasserentsorgung. In der überwiegend englischsprachigen Literatur sind diese beiden Aspekte mit dem Begriff Watermanagement zusammengefasst. Ausgehend von dem in Kapitel 4 beschriebenen Konzept IWRM können Versorgung und Abwasserentsorgung im Wassersektor nicht unabhängig voneinander betrachtet werden.16 Weiterhin ist in einer Vielzahl von deutschsprachiger Literatur das Wort Wassermanagement als Synonym für beide Aspekte mit aufgenommen worden.17 Aus diesem Grund hat sich der Autor dieser Arbeit dafür entschieden, im Sinne der Vereinfachung den Begriff Wassermanagement zu verwenden.

4. Integrated Water Resource Management (IWRM)

In diesem Kapitel wird zunächst das Konzept des Integrierten Wasserressourcen Managements definiert. Das Konzept soll, angefangen von seiner Entstehung bis hin zu den grundlegenden Prinzipien erläutert werden. Dem allgemeinen Teil folgend, werden die Anwendungsmöglichkeiten und Aspekte des IWRMs in der städtischen Wasserversorgung dargestellt.

Das Ziel dieses Abschnittes ist es, auf der Basis des Integrated Water Resource Management Konzeptes eigene Kriterien zur Beurteilung der Situation in China zu erarbeiten.

4.1. Das theoretische Konzept IWRM

4.1.1. Entstehung

Das Konzept Integrated Water Resources Management (IWRM) ist seit den UN Konferenzen zum Thema Umwelt und Wasser 1992 in Dublin und Rio de Janeiro zu einem zentralen Bestandteil der internationalen Agenda geworden. Auf der Basis dieser beiden Konferenzen wurden die grundlegenden Prinzipien von IWRM festgelegt. Weiterhin hat die UN­Kommission für Nachhaltige Entwicklung die besondere Rolle von IWRM anerkannt und in ihr Programm integriert.18

Integrated Water Resources Management ist ein empirisches Konzept, das von Experten mit langjährigen Erfahrungen im Bereich Wassermanagement entwickelt wurde. Aufgrund dieser Tatsache sind Ansätze des Konzepts heute in vielen Ländern der Erde zu finden. Entstanden ist IWRM bei der Suche nach neuen Möglichkeiten im Wassermanagement. Vor dem Hintergrund von zunehmender Wasserverschmutzung und gleichzeitiger Wasserknappheit ergab sich die Notwendigkeit, alternative Wege im Umgang mit der Ressource zu suchen.

So wurden die vier Prinzipien des IWRM von Experten aus über 100 Ländern auf der Internationalen Konferenz zu Wasser und Umwelt im Januar 1992 anerkannt. Im gleichen Jahr wurde IWRM auch in die Agenda 21 der Rio Konferenz aufgenommen. In der Agenda 21 sind die entwicklungs- und umweltpolitischen Ziele für das 21. Jahrhundert festgelegt worden.19 Im Jahr 1998 auf UN-Konferenzen zum Thema Wasser in Harare und Paris wurde die Bedeutung der Dubliner Prinzipien nochmals bestätigt.20

IWRM ist auch in der Praxis angekommen. Die Umsetzung des Konzeptes spiegelt sich in zahlreichen Gesetzen wieder. Das in Kapitel 5.2. beschriebene reformierte Wassergesetz der Volksrepublik China ist ein Beispiel für die Implementierung des integrierten Ansatzes.

4.1.2. Definition „Integriertes Wasserressourcen Management“

IWRM is a process which promotes the co-ordinated development and management of water, land and related resources, in order to maximize the resultant economic and social welfare in an equitable manner without compromising the sustainability ofvital ecosystems.21

Es gibt keine universelle Definition von Integrierten Wasserressourcen Management, nur Leitlinien, die ein mögliches Vorgehen beschreiben und Freiraum für regionale und nationale Bedingungen lassen. In diesem Rahmen hat sich das Konzept zur „Handlungsmaxime im Wassersektor“22 entwickelt und stellt eine Abkehr von dem klassischen Ansatz des Wassermanagement dar. Wasser wird nunmehr nicht nur von der Angebotsseite betrachtet, sondern die Bedarfsseite wird mit berücksichtigt. Ziel ist es weiterhin, eine Integration einerseits des natürlichen System wie des Wasserkreislaufs und anderseits des menschlichen Systems, also der Nutzer, zu ermöglichen. Was dies bedeutet, wird anhand der folgenden Ausführungen deutlich.

Die Schlüsselelemente von IWRM lassen sich in zwei großen Bereiche aufgliedern:

1. Aspekte des natürlichen Systems23

- Die relevanten Bereiche für Planung und Bewirtschaftung sind die Wassereinzugsgebiete. Das bedeutet, dass Flüsse, Seen, Grundwasser und Küstengebiete als eine Einheit betrachtet werden müssen. Hierbei ist es besonders wichtig, über Verwaltungs- und Ländergrenzen hinaus eine Koordination zu erreichen. Es muss auf die komplexen Beziehungen zwischen flussaufwärts und -abwärts gelegenen Bereichen geachtet werden. Eine isolierte Betrachtung von Wassereinzugsgebieten birgt die Gefahr, dass es zu einer Schädigung in anderen Gebieten kommt. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Wassersituation Pekings. Peking hängt zum überwiegenden Teil von Wasserressourcen aus den benachbarten Provinzen ab. So gehört das wichtigste Reservat für die Versorgung Pekings Miyun zu 2/3 der Provinz Hebei. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Konflikten aufgrund unterschiedlicher Interessen bei der Bewirtschaftung von Miyun. Dieser Interessenkonflikt führt u.a. zu einer Knappheit von Wasser in Peking.24 - Wassereinzuggebiete beziehen das umliegende Land mit ein. So werden diese Gebiete nicht mehr isoliert betrachtet, sondern die Beziehungen entsprechend des hydrologischen Kreislaufes werden berücksichtigt. - Wasser wird in grünes (direkt an die Biomasse gebundenes Wasser, das durch den natürlichen Kreislauf wieder in die Atmosphäre aufsteigt) und blaues (Teil der Flüsse, Seen, Meere usw.) eingeteilt. Blaues Wasser ist dabei schon jetzt kontrolliert nutzbar. Grünes Wasser hingegen hat das größte Potential durch Verbesserung der Regen- und Bodenwassernutzung. - Integration von Qualität und Quantität des bewirtschafteten Wassers gleichberechtigt nebeneinander sorgt für ein besseres Management der Ressource. Durch die Kombination von beiden Aspekten ist eine effizientere Nutzung möglich.

2. Aspekte des menschlichen Systems25

- Wasser ist eine ganzheitliche Ressource, der in alle Bereiche der Gesellschaft mit einbezogen werden muss. Energie-, Nahrungs- und Entwicklungspolitik beeinflussen die Ressource direkt, dementsprechend wird das Wassermanagement hier integriert. Wichtig für eine bereichsübergreifende Integration ist der Informationsaustausch.
- Investitionen in wassertechnischer Infrastruktur haben einen starken makro­ökonomischen Effekt. Daher sollte hier besonders nachhaltig gehandelt werden. Investitionen können zu Inflation führen, außerdem entstehen durch große Projekte externe Effekte, sogenannte Produktionsexternalitäten.26 Diese wiederum haben einen direkten Einfluss auf andere Interessengruppen und sollten deshalb in die Abwägung mit einbezogen werden. Entscheidungsträger müssen sich des Widerspruchs zwischen kurzfristigen Vorteilen und langfristigen Kosten bewusst werden.
- Es müssen Anreize in Form von Bildung, Veränderung der kulturellen Einstellung durch Subventionen etc. geschaffen werden, sodass die verschiedenen Interessengruppen sich zum sparsamen und nachhaltigen Umgang mit Wasser entscheiden. Dabei ist es wichtig, alle Beteiligten in den Planungs- und Entscheidungsprozess mit einzubeziehen.
- Wasser und Abwasser müssen als eine Einheit gesehen werden und nicht getrennt voneinander behandelt werden. Wasser kann aufbereitet und wieder verwendet werden. Diese Eigenschaft muss ausgenutzt werden, da sie langfristig - bei Einsatz der entsprechenden Technologie - einen größeren Nutzen erwirtschaftet.

Jene Elemente sollen im Wassermanagement gleichberechtigt betrachtet werden. Dies bedeutet eine Abkehr von dem klassischen Ansatz, durch Integration von Bereichen weit über eine klassische Versorgung hinaus.

4.1.3. Die Prinzipien von IWRM

Die Prinzipien, die 1992 in Dublin formuliert wurden, stellen noch immer die Grundlage für Integrated Water Resources Management.

Im Folgenden sind die Prinzipien aufgelistet und werden einzeln erläutert.

Prinzip I: „Fresh water is a finite and vulnerable resource, essential to sustain life, development and the environment.“27

Prinzip I beschreibt das ganzheitliche Konzept. Wasser wird als Teil des hydrologischen Kreislaufes gesehen, dass viele unterschiedliche Zwecke und Funktionen erfüllt. Dabei wird besonders die Endlichkeit der Ressource Wasser betont. IWRM sagt aus, dass die Gesamtmenge des Wassers nicht durch den Menschen beeinflussbar ist. Dagegen ist der Mensch jedoch Teil des hydrologischen System: er kann durch sein Umgang mit Wasser die Ressource positiv als auch negativ beeinflussen. Abhängig davon verändert sich der nutzbare Anteil. Die Rolle des Menschen wird besonders an dem Beispiel von grenzüberschreitenden Flüssen deutlich. Nutzer am Oberlauf des Flussgebietes haben einen deutlichen Einfluss auf die Wassersituation am Unterlauf. IWRM betont, dass ein integrierter Ansatz nötig ist, der die Interessen von beiden Akteuren gleichmäßig berücksichtigt.28 Hierfür muss schließlich ein übergreifender institutioneller Rahmen geschaffen werden, damit wirtschaftliche, politische und soziale Interessen geregelt werden können.29

Prinzip II: “Water development and management should be based on a participatory approach, involving users, planners and policy-makers at all levels.“

Prinzip II oder auch der partizipatorische Aspekt von Integrated Water Resourses Management erkennt die Tatsache an, dass Wasser ein Element mit einer unbegrenzten Zahl an Interessengruppen (Stakeholder) ist. Stakeholder im Wasserkreislauf sind laut dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung „zum Beispiel Trink- und Brauchwasserversorger, Abwasserentsorger, Energieproduzenten, Abfallwirtschaft, Schifffahrt, Land- und Forstwirtschaft oder Tourismus“.30 Es handelt sich also um Gruppen, die um die Ressource Wasser konkurrieren. Nur durch das Integrieren dieser unterschiedlichen Interessengruppen an Entscheidungsprozessen ist ein lang anhaltender Konsens möglich. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass nicht nur Ratschläge von den Stakeholdern eingeholt werden. Eine wirkliche Einbindung ist notwendig unter der Berücksichtigung aller sozialen Schichten. Das Prinzip besagt, dass nur so Veränderungen im Prozess des Wassermanagement möglich sind. Dabei ist wichtig, Entscheidungsprozesse ihrer Bedeutung entsprechend unterschiedlich zu bewerten. Es müssen - fallbezogen - stets verschiedene Interessengruppen berücksichtigt werden.31

Prinzip III: „Women play a central part in the provision, management and safeguarding of water.“

[...]


1 James Legge 1891

2 Vgl. Watts, Jonathan 2010

3 Vgl. Watts, Jonathan 2009

4 Vgl. Chen, Rui 2010

5 Vgl. The United Nations World Water Development Report 2009: 79ff

6 Vgl. The United Nations World Water Development Report 2009: vii

7 Vgl. Rees, Judith A. 2006: 9

8 Siehe hierzu auch Kapitel 4 - Entstehung von IWRM

9 Vgl. Global Water Partnership 2010

10 Vgl. Scharping, Thomas, 2007: 53

11 Vgl. Scharping, Thomas, 2007: 55

12 Taubmann, Wolfgang. 2003: 718

13 Der Begriff wurde von dem Autor dieser Arbeit mit Wanderarbeiter übersetzt

14 Vgl. Lü Wan et. al., 2008

15 Erstellt aus den Daten von Scharping, Thomas 2007: 67

16 Vgl. Rees, Judith A. 2006: 8

17 Vgl. z.B. Abele, Corinne 2008

18 Vgl. Global Water Partnership 2000: 6

19 Vgl. Hassing, Jan et.al. 2008: 5

20 Vgl. Global Water Partnership 2000: 13

21 Vgl. Global WaterPartnership 2000: 22

22 Ibisch, Ralf; Borchardt, Dietrich 2009: 8

23 Vgl. Global Water Partnership 2000: 24 - 26

24 Vgl. Peisert, Christoph & Sternfeld, Eva 2005: 37

25 Vgl. Global Water Partnership 2000: 26 - 31

26 Vgl. Weichmann, Joachim 1990: 20

27 Die Prinzipien im folgenden sind alle zitiert nach Global Water Partnership 2000: 13-14

28 Siehe das Beispiel aus 4.1.2.: Pekings Wasserversorgung

29 Vgl. Global WaterPartnership 2000: 14-15

30 Vgl. Ibisch, Ralf; Borchardt, Dietrich 2009: 9

31 Vgl. Global WaterPartnership 2000: 15-17

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Die Städtische Wasserversorgung in China
Untertitel
Beurteilung anhand des "Integrated Water Resources Management" (IWRM) Konzepts
Hochschule
Universität Bremen  (Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Angewandte Wirtschaftssprachen und Internationale Unternehmensführung Chinesisch
Autor
Jahr
2010
Seiten
45
Katalognummer
V169982
ISBN (eBook)
9783640885169
ISBN (Buch)
9783640885251
Dateigröße
682 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
China, IWRM, Water, Wasser, Nachhaltigkeit
Arbeit zitieren
Gregor Plath (Autor), 2010, Die Städtische Wasserversorgung in China, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169982

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