Montesquieus Gottesbild in den "Persischen Briefen"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
10 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Autor und seine Zeit
2.1. Frankreich im 17. und 18. Jahrhundert
2.2. Andere religiöse Aufklärer
2.3. Montesquieu

3. Montesquieus Gottesbild in den Persischen Briefen

4. Schluss

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Charles-Louis de Secondât, Baron de la Brède et de Montesquieu war ein Aufklärer im 18. Jahrhundert.[1] Frankreich war in dieser Zeit von Umbrüchen in verschiedenen Bereichen geprägt. Soziale Umschichtungen und ein Umdenken in Bezug auf die Toleranz gegenüber nicht katholischen Konfessionen, um dafür nur zwei Beispiele zu nennen. In seinen 1721 verfassten „Persischen Briefen“ beschreibt Montesquieu aus vorgeblich arabischer Perspektive die französische Gesellschaft mit allen ihren Eigenheiten.

Ziel dieser Arbeit ist es Montesquieus Gottesbild anhand dieser Quelle zu betrachten und wie sie sich von der damals üblichen Anschauung unterschied. Zur Betrachtung dieses Themas ist es darüber hinaus unerlässlich die Ereignisse in Frankreich zur Zeit der Verfassung zu beachten. Außerdem kann diese Frage nur beantwortet werden, wenn zuvor die üblichen Lehrmeinungen der katholischen Kirche betrachtet werden. Zuletzt werden andere Kritiker der religiösen Praxis während dieser Zeit kurz beschrieben, um Montesquieus Kritik in einen Gesamtzusammenhang zu stellen. Der Hauptteil der Hausarbeit wird sich schließlich vor allem auf den Text der ,Persischen Briefe‘ beziehen.

2. Der Autor und seine Zeit

2.1. Frankreich im 17. und 18. Jahrhundert

Frankreich war im 17. Jahrhundert zu einer der mächtigsten Nationen Europas geworden. Es begann mit Heinrich IV, der 1598 einen Frieden mit den Hugenotten, festgehalten im Edikt von Nantes, aushandelte und ein Zeitalter der religiösen Toleranz in Frankreich einläutete. Bis 1685 war es den Protestanten möglich, friedlich in Frankreich zu leben. Der spezielle französische Katholizismus, Gallikanismus genannt, war zwar als Staatsreligion festgelegt, andere Lehrmeinungen wurden aber zumindest toleriert.[2] Erst 1685 mit der Abschaffung des Toleranzediktes durch Ludwig XIV begannen neue Hugenottenverfolgungen.[3]

Dies führte zu einer Massenflucht der Hugenotten aus Frankreich.[4] Hinzu kam ein innerkirchlicher Streit zwischen den politisch einflussreichen Jesuiten, den Quietisten und den Jansenisten. Letztere wichen zwar in den meisten Punkten nicht von der kirchlichen Lehrmeinung ab, wurden aber dennoch als Gefahr gesehen und durch den französischen König verfolgt. Dies sollte die starke Zentralisierung unter einen König stärken.

Die französische Gesellschaft war im ausgehenden 17. Jahrhundert religiös und konfessionell zerstritten und durch Verfolgung und Intoleranz seitens der katholisch gallikanischen Kirche geprägt.[5]

2.2. Andere religiöse Aufklärer

Während der Aufklärung wurde auch die Religion kritisiert, die in ihren institutionalisierten Ausprägungen einen erheblichen Machtfaktor dieser Zeit ausmachten. Dabei war es nicht das aufklärerische Ziel Religion abzuschaffen, sondern vielmehr ihr wieder den richtigen kulturellen Platz zuzuweisen. Glaube und Gott waren für die Aufklärer keine nach logischen Maßstäben beweisbaren Dinge. Dieser Versuch der Verwissenschaftlichung des Glaubens wurde vor allem von Kant kritisiert. Aber auch andere Aufklärer, wie John Locke und Rousseau sahen in der Religion wichtige Funktionen für Moral und Staatsverfassung.[6] Teil dieser aufgeklärten Gottesbetrachtung war es sich Gott durch die natürliche Erkenntnis anzunähern und zu betrachten, entgegen den Auslegungen der großen christlichen Kirchen.[7] In diesem Vorgang wurde die Religion rational betrachtet und vor allem auf die Unsterblichkeit der Seele beschränkt. Diese neue aufklärerische Religionssicht wird „Deismus“ genannt. Auch Montesquieu ist diesem aufgeklärten Deismus zuzuordnen. Er kritisiert die Zustände der Kirche in einer Vielzahl von Schriften.[8]

Dabei benutzen die aufgeklärten Autoren durchaus biblische Zitate und Bibelkommentare, die in den gebildeten Schichten der damaligen Zeit zum üblichen Wissen gehörten.[9] Dies ist auch, wie die weitere Ausarbeitung zeigen wird, in den Persischen Briefen der Fall.

2.3. Montesquieu

Montesquieu war im 18. Jahrhundert nicht der einzige Autor, der in der Form von Reiseberichten über die eigene Gesellschaft berichtete und deren Gewohnheiten hinterfragte. Es handelte sich auch nicht um eine typisch französische Entwicklung, sondern vielmehr um einen aufklärerischen Texttypus.[10] Dabei ist festzustellen, dass Montesquieu die in den Persischen Briefen geübte Kritik in späteren Jahren teilweise entschärfte und zurücknahm. Aus welchem Grund Montesquieu diesen Schritt machte, ist allerdings nicht bekannt.[11] Zudem lehnte Montesquieu die Religion zu keinem Zeitpunkt völlig ab, sondern kritisiert jeweils nur Teile. In den Persischen Briefen kritisiert er vor allem die Institution ,Kirche‘, die Zwänge durch Zeremonien und die Intoleranz gegenüber Anders- gläubigen.[12]

Religion ist für ihn nicht eines natürlichen Ursprungs und bedarf einer Form der Schaffung. Dann allerdings solle diese die Gemeinschaft und das öffentliche Wohl stärken. Diese beiden Punkte seien wichtig für die Erhaltung eines Staates, da Religion die moralische Grundlage eines Staates fördere. Ein göttliches Wesen verstärkt nach Meinung Montesquieus diese Funktion weiter.[13] Dabei ist seine Gottesvorstellung nicht die des christlichen Gottes, sondern die eines göttlichen Wesens. Montesquieu lehnte den absoluten und alleinigen Wahrheitsanspruch ab und forderte zu Toleranz gegenüber anderen Religionen und Konfessionen auf. Dies mag mit seiner Ehe mit einer Protestantin zusammenhängen. In diesem Zusammenhang ist es nicht überraschend, dass er auch die ,Spanische Inquisition“, die sich zu damaligen Zeit gegen jede Form des freien Denkens außerhalb der römisch-katholischen Bahnen stellt, scharf kritisiert.

[...]


[1] Im folgenden Montesquieu genannt.

[2] Der Französische Gallikanismus führte zu einer großen Unabhängigkeit vom Staat und einer Zentralisierung auf den französischen König. In Beug darauf am es immer wieder zu Auseinan­dersetzungen zwischen dem Papst und dem franz. König. Vgl. Karl Müller: Kirchengeschichte, Zweiter Band zweiter Halbband, Tübingen 1919. S. 386 ff.

[3] Müller: Kirchengeschichte, S. 359.

[4] Marc Venard (Hg.): Das Zeitalter der Vernunft (1620/30-1750). Freiburg, Basel, Wien 1998.

[5] Müller: Kirchengeschichte, S.383ff und S. 388f.

[6] Enno Rudolph: Die Vernunft und ihr Gott, Studien zum Streit zwischen Religion und Aufklä­rung, Stuttgart 1992. S. 7ff.

[7] Peter Hager und Dieter Jedan (Hgg.): Religion und Erziehung in Aufklärungsphilosophie und Aufklärungszeit. Bochum 1995. S. III ff.

[8] Klaus-Jürgen Bremer: Montesquieus Lettres persanes und Cadalsos Cartas marruecas. Eine Gegenüberstellung von zwei pseudo-orientalischen Briefsatiren. Heidelberg 1971. S. 156.

[9] Pauline Kra: Religion in Montesquieu's Lettres persanes. In: Studies on Voltaire and the Eigh- teens century. Volume LXXII. Genf 1970. S. 11 ff.

[10] J Paul Hazard: Die Herrschaft der Vernunft, das europäische Denken im 18. Jahrhundert, Hamburg 1949. S. 32f.

[11] Pauline Kra: Religion in Montesquieu's Lettres persanes. In: Studies on Voltaire and the Eigh- teens century. Volume LXXII. Genf 1970.

[12] J Peter Schunck (Hg.). Charles-Louis de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu; Per­sische Briefe. Stuttgart 2004.

[13] Klaus-Jürgen Bremer: Montesquieus Lettres persanes und Cadalsos Cartas marruecas. Eine Gegenüberstellung von zwei pseudo-orientalischen Briefsatiren. Heidelberg 1971. S. 157.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Montesquieus Gottesbild in den "Persischen Briefen"
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Das Zeitalter Voltaires
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
10
Katalognummer
V170141
ISBN (eBook)
9783640888443
ISBN (Buch)
9783640888269
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
montesquieus, gottesbild, persischen, briefen
Arbeit zitieren
Sebastian Riege (Autor), 2009, Montesquieus Gottesbild in den "Persischen Briefen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170141

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