„Toleranz“ im 16. Jahrhundert - Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 und das Edikt von Nantes 1598 im Vergleich


Hausarbeit, 2007
14 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Augsburger Religionsfriede
2.1. Das konfessionelle Zeitalter im Heiligen Römischen Reichs
2.2. Ferdinand I
2.3. Der Augsburger Religionsfriede

3. Das Edikt von Nantes
3.1. Heinrich IV
3.2. Die protestant. Bewegung in Frankreich seit der Bartholomäusnacht
3.3. Das Edikt von Nantes

4. Toleranz im 16. Jahrhundert?

5. Quellen und Literaturverzeichnis
5.1. Quellen
5.2. Literaturverzeichnis
5.3. Lexika

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit geht es um den „Augsburger Religionsfrieden“ und das Edikt von Nantes“. Insbesondere sollen die Quellen auf den Toleranzgedanken im 16. Jahrhundert untersucht werden. Außerdem welche Unterschiede sich gegebenenfalls in Bezug auf Toleranz in unserer Zeit daran erkennen lassen.

Für beide Quellen ist es wichtig zunächst den zeitlichen Zusammenhang in dem die Vereinbarungen getroffen wurden zu verstehen, da die Zeit in der sie geschrieben wurden, die Formulierungen beeinflusst haben dürften.

Daraus ergibt sich als weitere Frage, inwiefern andere politische Ziele außerdem noch in den Quellen erkennbar sind und wie sich diese Ziele zeigen.

Auch die Autoren, beziehungsweise die Personen, die die Vereinbarungen beeinflusst haben, sind für die Betrachtung von Bedeutung, da sich auch persönliche Eigenheiten von diesen im Text finden lassen könnten. Diese müssten dann ebenfalls untersucht werden.

Wie die beiden Territorien aufgebaut und organisiert sind ist für die Untersuchung zusätzlich von Bedeutung, da diese Vorgabe für das Verstehen der Frage nach den politischen Zielen von Bedeutung ist.

2. Der Augsburger Religionsfriede

2.1. Das konfessionelle Zeitalter im Heiligen Römischen Reichs

Mit dem Beginn der Konfessionalisierung wurde das Heilige Römische Reich zunehmend durch kleinere Konflikte gespalten. Bereits zu Anfang wurde Luther durch das Wormser Edikt 1521 für geächtet erklärt, dem sich der sächsische Kurfürst jedoch verweigerte und diesen in seinen Schutz nahm. Außerdem wurde die Verbreitung von nicht durch Bischöfe genehmigte Schriften verboten.[1] Um den Frieden im Reich dennoch zu wahren, wurden verschiedene Provisorien auf Reichstagen verabschiedet, zum Beispiel im Speyrer Reichsabschied von 1526.[2] Erschwert wurde zu dieser Zeit ein Kompromiss wegen der Problematik der Spaltung der Religion. Die katholische Seite wollte und konnte auch nicht akzeptieren, dass diese Spaltung dauerhaft sein sollte. Auch Karl der V[3] konnte aufgrund seines Führungsanspruches, als Führer des christlichen Abendlandes, diese nicht akzeptieren.[4]

Zur Bekämpfung des Schismas der Kirche verhängte Karl V die Reichsacht über die beiden Führer des Schmalkaldischen Bundes, Philipp von Hessen und Johann Friedrich von Sachsen. Zudem gewann Karl V den Schmalkaldischen Krieg, was ein schwerer Schlag für den deutschen Protestantismus war.[5] Auf dem Reichstag von Augsburg 1547/48 versuchte Karl nicht nur die Konfessionen, sondern auch die Reichsordnung zu erneuern, was zu einer starken Opposition und einem Scheitern Karls führte. Seine konfessionspolitischen Ziele waren damit ebenfalls zum Scheitern verurteilt. 1548 wurde das Augsburger Interim beschlossen, welches bis zu einer endgültigen Entscheidung durch ein Konzil alle lehramtlichen und kirchenrechtlichen Fragen regeln sollte, auch für die protestantischen Territorien.[6] Die erarbeitete Bekenntnisformel scheiterte doppelt. Die katholische Seite sah sich aufgrund des Sieges nicht gezwungen einen Kompromiss einzugehen, so dass die Formel nur für protestantische Gebiete gelten sollte. Diese weigerten sich jedoch ebenfalls, sodass die Bekenntnisformel nur dort in Kraft trat, wo Karls Truppen die Durchsetzung erzwangen.[7] 1552 begannen Moritz von Sachsen, eigentlich ein Gewinner des schmalkaldischen Krieges und Verbündeter Karls, aufgrund machtpolitischer Abwägungen einen antihabsburgischen Bund aufzubauen, der von den Franzosen finanziert wurde. Moritz Truppen durchzogen die südlichen Territorien des Heiligen römischen Reiches ohne auf Widerstand zu stoßen.[8] Es kam zu Verhandlungen im Jahre 1552, zunächst in Linz, dann in Passau. Das Ziel Moritz von Sachsens die Habsburger zu schwächen, war dadurch gelungen, da nicht Karl, sondern sein Bruder Friedrich die Verhandlungen führte. Die verhandelnden Parteien hatten vor, einen dauerhaften Frieden zwischen den Konfessionen zu erreichen, was am Kaiser scheiterte, weil dieser die Unterschrift verweigerte.[9] In den Passauer Verhandlungen wurde jedoch deutlich, dass die Reichsstände bereit waren, einen Ausgleich im Sinne des Status quo zu finden, und sahen darüber hinaus ein, dass ein politischer Frieden wichtiger sei als ein theologischer Ausgleich.

Das letzte entscheidende Ereignis war der Markgrafenkrieg 1552-1554, in dem der Markgraf Albrecht Alkibiades seine Nachbarn plünderte und erpresste. Der Kaiser, der in diesem Falle hätte eintreten müssen, stützte den Markgrafen jedoch und erklärte dessen Gebietsgewinne für rechtmäßig.[10] Moritz von Sachsen, ein Reichsfürst, führte den Widerstand an und unterstützte die Unterdrückten Reichsgebiete. Moritz starb bei der Schlacht, dadurch rückte Ferdinand weiter in den Mittelpunkt, während Karl V an den Rand des Interesses rückte.[11] Dies wäre wohl im Sinne Moritz von Sachsens gewesen. Dessen Truppen unter der Führung seines Nachfolgers August besiegten die Truppen Albrechts schließlich vollends. Friedrich eröffnete zusammen mit den drei weltlichen Kurfürsten und dem geistlichen Kurfürsten von Mainz schließlich den Reichstag von Augsburg im Jahre 1555, bei dem Karl V erneut nicht anwesend war, mit dem Ziel eines dauerhaften Friedens. Die Eröffnung und auch der Beschluss des Reichstages trugen zwar den Namen Karls V, die entscheidende Person war jedoch Ferdinand.[12]

2.2. Ferdinand I

Ferdinand I war der Bruder Karl V. Zunächst war er König von Ungarn und Böhmen, erhielt 1558 dann jedoch die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches.[13]

Ferdinand sah die Notwendigkeit einer Reform der römisch katholischen Kirche und bevorzugte protestantische Berater. Dennoch blieb er dieser Haltung nicht immer treu als er dynastische und militärische Nachteile darin sah. Er half auch protestantischen Prinzen im Markgrafenkrieg, als diese durch den Grafen Albrecht Alkibiades bedroht wurden.[14] Er sah darüber hinaus immer die Möglichkeit, dass die Konfessionen letztendlich wieder geeint werden müssten.[15]

Friedrich war einer der entscheidenden Personen im Augsburger Religionsfrieden. Pro-forma eröffnete er zwar die Versammlung im Namen seines Bruders, die leitende Figur war er jedoch. Nachdem Maximilian II, an dessen Seite er im Markgrafenkrieg kämpfte, gestorben war, übernahm er die inoffizielle Leitung der Reichsstände gegen den Kaiser. Nach seiner Krönung zum Kaiser setzte er sich für eine moralische und intellektuelle Reform des Katholizismus ein.[16]

2.3. Der Augsburger Religionsfriede

Der auf dem Augsburger Reichstag beschlossene Reichsabschied wurde von den ständischen Vertretern unter der Leitung des Bruders Karls V erarbeitet. In ihm wurde die Reichsverfassung auf eine neue Grundlage gestellt Diese besteht aus zwei großen Teilen. Zum einen regelt es den Landfrieden neu und zum anderen den Religionsfrieden und nicht zuletzt wurde die ständische Ordnung reformiert.

Viele Teile geben antworten auf die in der Einleitung gestellten Fragen.

Wie bereits in 2.1. beschrieben, war das konfessionelle Zeitalter geprägt durch einige Konflikte, die den Reichsfrieden gefährdeten. Nicht zuletzt die Übergriffe durch Albrecht Alkibiades führten den Reichsständen vor Augen, dass eine neue Landfriedensordnung unbedingt nötig war.

Der Landfrieden wurde im Grunde so übernommen, wie er auch 1495 bereits verfasst worden war, einige Passagen wurden jedoch noch hinzugefügt.[17]

In §14 und §16 des Reichabschieds wurde der Landfrieden auf die beiden Konfessionen erweitert. Im Protestantischen wurden nur die „confessio augustana“ nicht jedoch dritte Religionen, wie zum Beispiel Täufer oder Zwinglianismus, eingeschlossen.[18] Nicht unterschieden wurde dagegen zwischen den Versionen der Augsburger Konfession, diese mussten als gleichwertig angesehen worden sein.[19]

[...]


[1] Müller, Kirchengeschichte II/1 S.252 f.

[2] Ebd. S. 335 ff.

[3] Kaiser des Heiligen Römischen Reichs 1519-1556; als Karl I König von Spanien 1516-1556 vgl. Enzyclopedia of the Reformation; S. 304 f.

[4] Gotthard, Das Alte Reich 1495-1806, S. 38 f.

[5] Müller, Kirchengeschichte II/I; S. 434 ff.

[6] Ebd. S. 436 ff.

[7] Ebd. S. 439 ff.

[8] Ebd. S. 444 ff.

[9] Ebd. S. 446 f.

[10] Ebd. S. 447.

[11] Gotthard, Das Alte Reich, S. 47 f.

[12] Müller, Kirchengeschichte II/I, S. 447 f.

[13] Encyclopedia of the Reformation S. 103 f.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Ebd.

[17] Dickmann, S. 204.

[18] Vgl. Dickmann, S. 205, §17.

[19] Variata und Invariata, Müller, Kirchengeschichte S. 440.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
„Toleranz“ im 16. Jahrhundert - Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 und das Edikt von Nantes 1598 im Vergleich
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Einführung in das Studium der neueren Geschichte
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V170142
ISBN (eBook)
9783640888450
ISBN (Buch)
9783640888283
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jahrhundert, augsburger, religionsfrieden, edikt, nantes, vergleich
Arbeit zitieren
Sebastian Riege (Autor), 2007, „Toleranz“ im 16. Jahrhundert - Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 und das Edikt von Nantes 1598 im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170142

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