Scoring Modell

Vorstellung der Scoring Methode als Entscheidungshilfe bei der Lieferantenauswahl für Verkehrsdienstleistungen.


Ausarbeitung, 2011

22 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärungen
2.1. Beschaffung(slogistik)
2.2. Scoring Modelle
2.3. Global Sourcing

3. Aufbau eines Scoring Modells
3.1. Arten der Bewertungskriterien
3.2. Grafische Darstellung eines Scoring Modells zur Lieferantenauswahl
3.3. Vor- und Nachteile der Scoring Methode

4. Scoring Modelle der Branchen

5. Praxisbeispiel zur Anwendung der Scoring Methode
5.1. Vorstellung der Firma
5.2. Projekte und Methoden für die Neugestaltung
5.2.1. Beurteilung der bestehenden Lieferanten
5.2.2. Lieferantensuche für den Supreme RX 3
5.2.3. Dienstleistersuche für die neue Niederlassung

6. Fazit und Zukunftsaussichten

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Thema dieser Hausarbeit ist die selbstformulierte These: „Das Scoring Modell ist eine sinnvolle Methode, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage bei der Auswahl eines Lieferanten für Verkehrs- und Logistikdienstleistungen zu finden.“

Die Begründetheit dieser Aussage zu prüfen ist Aufgabe dieser Ausarbeitung.

Damit sich der Leser ein eigenes Urteil zu dieser Aussage bilden kann, sollen zunächst die wichtigsten Begrifflichkeiten, die mit der Thematik verknüpft sind, an das Thema heranführen. Anhand dieser Definitionen soll dem Leser die Darstellung der Scoring Methode unter der logistischen Betrachtungsweise verdeutlicht werden. Im nächsten Schritt wird der Aufbau eines Scoring Modells erklärt sowie anhand von simplen Rechenbeispielen gezeigt, wie diese Methode funktioniert und angewendet werden kann. Am Ende dieses Abschnitts sollte der Leser bereits eine erste Idee davon haben, wie er zu oben genannter These Stellung steht. Die folgenden Punkte erläutern bis ins Detail was bei dem Aufbau eines Scoring Modells zu beachten ist bzw. welche unterschiedlichen Arten von Bewertungskriterien es gibt und wie diese einzuordnen sind. Die grafische Darstellung am Ende des zweiten Abschnitts soll dem Leser helfen, diese Methode zu verstehen und detailliert zu veranschaulichen, wie ein solches Modell aussehen könnte. Nachdem der Leser nun die wichtigsten Merkmale dieser Art der Lieferantenbeurteilung verstanden hat, folgt die Benennung der Vor- und Nachteile sowie die unterschiedlichen Ausführungen der Methodik in den verschiedenen Branchen. Zu diesem Zeitpunkt sollte sich der Leser allerdings bereits eigene Gedanken gemacht haben, welche Chancen und Risiken die Anwendung dieses Modells mit sich bringt, so dass die letzten beiden Punkte auch als ergänzender Denkanstoß zu verstehen sind.

Da sich das Für und Wider solcher Beurteilungsverfahren am besten vor dem Hintergrund praktischer Anwendung nachvollziehen lässt, folgt eine fiktive Situation aus dem Wirtschaftsleben. Dieser Abschnitt nimmt den größten Teil der Hausarbeit ein, da hier das zuvor beschriebene theoretische Vorgehen umgesetzt werden soll.

Im Fazit werden die wesentlichen Aussagen des Textes resümiert und ein Ausblick auf die zukünftige Gestaltung dieser Methode gegeben.

Diese Hausarbeit ist dabei so aufgebaut, dass im Schlussteil sowohl der Standpunkt des Autors zur oben genannten These verdeutlicht wird, als auch dem Leser genug Informationen geliefert werden, um sich selbst ein begründetes Urteil bilden zu können.

2. Begriffserklärungen

In diesem Abschnitt sollen wichtige Begrifflichkeiten genauer erklärt werden, die im Zusammenhang mit der Erstellung eines Scoring Modelles stehen. Ein solches Scoring Modell lässt sich auf verschiedene Bereiche des Wirtschaftslebens anwenden, jedoch beziehe ich mich aufgrund der Aufgabenstellung insbesondere auf die logistischen Aspekte. Weiterhin soll nicht nur eine exakt allgemein gültige Definition des Begriffes geliefert werden, sondern vielmehr eine Erklärung, in welcher Weise die Verknüpfung des Begriffes mit dem Thema zu verstehen ist.

2.1. Beschaffung(slogistik)

Die Beschaffungslogistik eines Unternehmens stellt die Versorgung mit den für die Erbringung der Marktleistung erforderlichen Güter sicher. Genauer gesagt geht es im Rahmen der Beschaffung um die orts-, mengen-, qualitäts- und termingerechte Befriedigung eines spezifizierten Bedarfs an Produktionsfaktoren.1 Um diese Aspekte zu erfüllen ist es für ein Industrie- oder Handelsunternehmen von höchster Wichtigkeit, einen Lieferanten als Partner zu haben, der sämtlichen Anforderungen gerecht wird. Damit ein geeigneter Lieferant gefunden werden kann, ist es zunächst die Aufgabe eines jeden Unternehmens, einen genauen Überblick über die eigene Leistungserstellung zu gewinnen. Dabei sind zahlreiche Faktoren zu berücksichtigen wie: Produktangebot, Fertigungstiefe, die eigene Station innerhalb der Supply Chain, Standortbedingungen aber auch Aspekte wie das zur Verfügung stehende Budget oder die Lagerorganisationen eines Unternehmens. Wenn alle Faktoren richtig bewertet und eingeordnet wurden, gilt es, einen Lieferanten zu finden, dem es möglich ist, den individuellen Anforderungen gerecht zu werden. Ob die Beschaffung der Roh- und Hilfsstoffe sowie deren Transport dabei von einem oder mehreren Lieferanten besorgt werden ist unterschiedlich und abhängig von den jeweiligen Anforderungen an den Dienstleister. Die Entwicklung dieses Bereiches der Supply Chain hat allerdings gezeigt, dass Unternehmen die Anzahl der Lieferanten zunehmend reduzieren, was im Zusammenhang mit dem Trend der Spezialisierung sowie der Einbindung der Dienstleister in den eigentlichen Produktionsprozess steht. Durch die Einbindung erhofft man sich vor allem einen Know-how Austausch mit dem Partner als auch insbesondere eine Kostenreduktion durch die Realisierung eventueller Verbesserungspotentiale. Gleichzeitig sollten die vertraglichen Bedingungen so gestaltet werden, dass keine zu starke Abhängigkeit vom jeweils anderen besteht. Sollte ein Produktionsbetrieb die Bereitstellung seiner Roh- und Hilfsstoffe beispielsweise nur durch einen Lieferanten erledigen lassen, der aber auf lange Sicht nicht die gewünschte Leistung erbringen kann, sind häufig steigende Kosten und sinkende Rentabilität die Folge. Aus diesem Grund sollen Scoring Modelle helfen, den optimalen Lieferanten auszuwählen, um am Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Da die Beschaffung am Anfang der gesamten Wertschöpfungskette steht, ist es wichtig, den geeigneten Dienstleister an seiner Seite zu wissen, um nicht nur eine Aufrechthaltung der Leistungserstellung zu gewährleisten sondern auch durch die richtige Organisation Kostenvorteile für spätere Stationen für sich sichern zu können.

2.2. Scoring Modelle

Ein Scoring Modell ist ein Verfahren zur Alternativenbewertung, wobei Alternativen auch an solchen Bewertungskriterien gemessen werden, die nicht in Geldeinheiten ausdrückbar sind. Berücksichtigt werden bei der Nutzwertanalyse z.B. technische, psychologische und soziale Bewertungskriterien, die sich an quantitativen und qualitativen Merkmalen orientieren (multiattributive Nutzenbetrachtung).2 Im Zuge der komplexen Auswahlverfahren der richtigen Lieferanten gibt es eine Vielzahl an möglichen Entscheidungshilfen. Die Scoring Methode unterstützt die Auswahl dabei durch die Flexibilität in der Gestaltung und Gewichtung der angesprochenen Bewertungskriterien. Da heutzutage längst nicht nur der Kostenfaktor bei der Lieferantenauswahl eine Rolle spielt, sondern im Zeitalter von Telematik und transparenter Gestaltung von Prozessen auch Faktoren wie Qualität und Kundennutzen, ist eine Bewertung von nicht monetären Kriterien nötig. Ein möglicher Aufbau eines solchen Modells, Auswahl unterschiedlicher Kriterien sowie Vor-und Nachteile dieser Methode werden in späteren Abschnitten noch weiter vertieft und verdeutlicht.

2.3. Global Sourcing

Einen weiteren wesentlichen Aspekt im Rahmen der Lieferantenbewertung stellt das Global Sourcing dar. Diese globale Beschaffung ist als eine Strategie zu verstehen, bei der der Fokus auf die Bereitstellung der Waren und Transporte auf internationaler Ebene liegt. Global Sourcing ist dabei aber nicht nur als eine länderübergreifende Beschaffungsstrategie zu verstehen, sondern vielmehr als eine weltweit ausgelegte Versorgung des heimischen Unternehmens. Im Zuge der Globalisierung und Öffnung der Grenzen zu Ländern, in denen sich billiger produzieren lässt als auf dem Heimatmarkt, wird diese Strategie vorzugsweise von Unternehmen genutzt, die Kostenersparnisse realisieren wollen. Entscheidet sich ein Unternehmen dazu, aus verschiedenen Ländern ihre Roh- und Hilfsstoffe zu beziehen können, sowohl neue Absatzmärkte in den jeweiligen Ländern erschlossen werden als auch eine gesteigerte Unabhängigkeit von einzelnen Lieferanten erzielt werden. Weitere Vor- und Nachteile dieser Beschaffungsstrategie werden in Verbindung mit den sich ändernden Bewertungskriterien der Scoring Modelle ebenfalls in einem späteren Abschnitt weiter erläutert werden.

3. Aufbau eines Scoring Modells

Bevor ein Scoring Modell als Bewertungshilfe bei der Wahl des geeigneten Lieferanten aufgebaut werden kann, gilt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Situationen voneinander zu trennen. In der ersten Situation ist der zu bewertende Lieferant bereits Vertragspartner des Unternehmens und man wendet die Methode an, um Verbesserungspotentiale aufzudecken oder eine Vergleichsgrundlage zu konkurrierenden Dienstleistern zu schaffen. Weiterhin kann ein Scoring Modell auch bei der Neubestimmung eines Lieferanten helfen, wenn entweder ein neues Projekt aufgebaut wird oder man mit der Leistungserstellung des alten Lieferanten nicht mehr zufrieden ist. Der größte Unterschied der beiden Situationen liegt in der Beschaffung und Verfügbarkeit von Informationen, die die Grundlage für die Bewertungskriterien stellen. Bei einem aktuellen Vertragspartner kann man sich auf Erfahrungen, Dokumentationen und Auswertungen beziehen, die in der Vergangenheit erstellt wurden. Da diese Informationen überwiegend aus dem eigenen Unternehmen kommen, sollten sie einen hohen Grad an Qualität und Aussagekraft besitzen. Im Gegensatz dazu ist es viel schwieriger, an verwertbare Informationen über potentielle neue Lieferanten zu kommen, die ausreichen, um eine objektive Einschätzung der Leistungsfähigkeit zu gewährleisten. Die Möglichkeiten für ein Unternehmen, die Potentiale der Lieferanten abschätzen zu können, sind einerseits die Anforderung von Referenzen ehemaliger Vertragspartner sowie andererseits die gesammelten Erfahrungen des Dienstleisters auf dem betreffenden Gebiet. Eine weitere Möglichkeit wären Erfahrungsaustausche mit der Konkurrenz, wobei sich die Marktteilnehmer untereinander mit Daten und Informationen bedeckt halten werden. Um mehrere Lieferanten vergleichen und eine Aussage darüber treffen zu können, welcher am besten für das jeweilige Projekt geeignet ist, ist es notwendig, dass alle angewendeten Scoring Modelle die gleichen Kriterien beinhalten.

Im nächsten Schritt gilt es, die Kriterien festzulegen, welche zur Beurteilung zu Rate gezogen werden sollen. Gängige Kriterien für die Beurteilungen von Verkehrs- und Logistikdienstleistern sind z.B. Flexibilität, Termintreue, Schadensquote oder Service-Qualität. Den einzelnen Faktoren wird nun eine individuelle Wertigkeit zugeordnet, die sich je nach Projekt neu definieren kann. So hat beispielsweise die termingerechte Anlieferung für einen Automobilhersteller, der eventuell „Just in Time“ anliefern lässt, eine andere Gewichtung als für einen Betrieb, der Ware auf Vorrat lagert. Durch die Gewichtung ist es dem Unternehmen möglich, seine Präferenzen hinsichtlich der einzelnen Kriterien zum Ausdruck zu bringen. Wurden die einzelnen Faktoren benannt und mit einer entsprechenden Wertigkeit versehen, erfolgt der vermeintlich schwierigste Teil der Beurteilung. Auf einer Skala von beispielsweise 1 bis 10, wobei 1 sehr schlecht und 10 sehr gut ist, muss die Leistungsfähigkeit des Dienstleisters eingeordnet werden können.

Danach wird die zugeteilte Wertigkeit mit der Einschätzung auf der Skala multipliziert und man erhält einen Wert. Dieses Vorgehen wendet man auf alle Faktoren an und addiert die Werte, um einen Gesamtscore zu erhalten. Je höher dieser Score ist, desto leistungsfähiger ist der Lieferant bzw. umso besser ist er geeignet für das jeweilige Projekt.

Um das Verfahren besser nachvollziehen zu können hier noch einmal das schrittweise Vorgehen zur Verdeutlichung. Als kurzes Beispiel dient dabei ein Automobilhersteller, der einen neuen Lieferanten für die Zulieferung seiner Türen aus einem entfernten Werk sucht. Die Informationen erhält man dabei durch ein Tochterunternehmen, das bereits Erfahrungen mit dem Dienstleister gesammelt hat.

Schritt 1. Bestimmung der Beurteilungskriterien

a) Termingerechte Anlieferung
b) Flexibilität
c) Kosten der Anlieferung

Schritt 2. Zuordnung der Wertigkeit der Kriterien

a) Die Termingerechte Anlieferung erhält eine Wertigkeit von 0,6, da es sich bei dem Unternehmen um einen Automobilhersteller handelt, der seine Güter „Just in Sequence“ ans Band geliefert haben möchte
b) Die Flexibilität erhält eine Wertigkeit von 0,3, da es sich durch kurzfristige Nachfrageänderungen ergeben kann, dass mehr Transporte als üblich verlangt werden
c) Die Kosten der Anlieferung erhalten nur eine Wertigkeit von 0,1 und sind somit eher unwichtig, da mit einer hohen Gewinnmarge kalkuliert wird und die Qualität oberste Priorität für den Automobilhersteller hat

Schritt 3. Einordnung der Kriterien anhand einer Werteskala

Anhand der gesammelt und ausgewerteten Erfahrungen des Tochterunternehmens lässt sich folgende Einordnung auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) treffen

a) Termingerechte Anlieferung: 4
b) Flexibilität: 6
c) Kosten der Anlieferung: 9

[...]


1 Hutzschenreuter, T. : Allgemeine Betriebswirtschaftslehre 3. Aufl., Wiesbaden 2009, S. 205

2 Die Nutzwertanalyse,http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/nutzwertanalyse.html?referenceKeywordName=Scoring-Modell, Stand 04.03.2011

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Scoring Modell
Untertitel
Vorstellung der Scoring Methode als Entscheidungshilfe bei der Lieferantenauswahl für Verkehrsdienstleistungen.
Hochschule
BVL Campus gGmbH
Note
1,5
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V170372
ISBN (eBook)
9783640891870
ISBN (Buch)
9783640892150
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
scoring, modell, vorstellung, scoring, methode, entscheidungshilfe, lieferantenauswahl, verkehrsdienstleistungen
Arbeit zitieren
Niclas Liepold (Autor), 2011, Scoring Modell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170372

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