Konrad III. und seine Politik gegenüber den Welfen


Seminararbeit, 2008
17 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Beginn der staufischen Herrschaft
2.1. Ein Staufisch- Welfischer Gegensatz?
2.2. Die Königswahl 1125
2.3. Ein Staufer wird König
2.3.1. Günstige Umstände
2.3.2. War die Königswahl 1138 irregulär?

3. Konrad III. und seine Politik gegen die Welfen
3.1. Der erste Prozess gegen Heinrich den Stolzen
3.1.1. Legitimität
3.1.2. Die Herzogtümer Bayern und Sachsen
3.2. Der zweite Prozess gegen Heinrich den Löwen

4. Schlusswort

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Thema dieser Arbeit stellen die Prozesse gegen die Welfen, Heinrich den Stolzen und Heinrich den Löwen zur Regierungszeit des Königs Konrad III. dar. Hierbei soll vor allem auf die Frage der Legitimität der damaligen Prozesse eingegangen werden und der Ablauf dieser aufgezeigt werden. Ziel der Arbeit ist ein umfassender Eindruck der Geschehnisse von 1138 bis zum Tode Konrads im Jahre 1151. Es soll deutlich werden, wie sich der staufisch- welfische Konflikt weiterentwickelt hat und welche Schwerpunkte Konrad in der Innenpolitik setzte.

Der Halbbruder Konrads III., Bischof Otto von Freising, war einer der bedeutendsten Zeitzeugen des staufischen Hofes. Seine Werke stellen bis heute eine wichtige Quellenbasis dar und obwohl sie oft wegen Subjektivität kritisiert wurden, sind sie immer noch ein geeigneter Anhaltspunkt. Zusammen mit der Genealogia Welforum, die im Todesjahr Heinrich des Schwarzen ihren Ursprung fand, bilden beide historiographischen Quellen ein durchlässiges Bild und Raum für weitere Forschungen.

Odilio Engels, dessen Werk über die Staufer der neueren Geschichtsschreibung zuzu- ordnen ist, dient in dieser Arbeit als führende Literatur. Ebenso wie die staufisch- welfi- schen Gegenüberstellungen Egon von Boshofs und die kritische Quellenarbeit von Wer- ner Hechberger. Letzterer stellt die Sicht der Historiker, der möglichen Sicht der Men- schen zur erforschten Zeit in Gegensatz. Zur weiteren Ergänzung dient auch der Aufsatz von Ursula Vones- Liebenstein, die einen kritischen Blick in die Königswahl Konrads wirft. Weitere Sekundärliteratur ist durch Jan Paul Niederkorn gekennzeichnet, der den ersten Welfenprozess beleuchtet.

Um jedoch einen umfassenden Einblick gewähren zu können beginnt diese Arbeit mit dem Aufstieg der Staufer zu Zeiten Friedrich I. Des Weiteren wird hier auf die Gegensätze beider Dynastien eingegangen und aus Sicht namenhafter Historiker kurz erläutert. Der Kern der Arbeit beschäftigt sich mit den Prozessen gegen Heinrich den Stolzen und später gegen Heinrich den Löwen. Als Bestandteil dieser Arbeit werden sie aus historischer, politischer und rechtlicher Seite beleuchtet.

2. Der Beginn der staufischen Herrschaft

Die Ernennung Friedrich I. zum Herzog von Schwaben durch Kaiser Heinrich IV., rück- te die staufische Dynastie erstmals in das nationale Bewusstsein der damaligen Zeit. Je- ner hatte sich nämlich durch treue Gefolgschaft in Zeiten des Investiturstreits zwischen der römischen Kirche und Heinrich IV., welcher 1077 exkommuniziert wurde und spä- ter durch seinen „Gang nach Canossa“ wieder in die Kirche aufgenommen wurde, aus- gezeichnet1. Friedrich I. bekam in Folge dessen neben dem Herzogstitel auch die einzi- ge Tochter des Kaiser mit dem Namen Agnes 1079 zur Frau2. Engels bezeichnet die Übertragung des schwäbischen Herzogswürde als einen „ Akt (...), der einen politischen und strategischen Ü berlegungen des Augenblicks entsprang (...)3 “ . Hintergrund waren die Bemühungen Heinrich IV. Sachsen und Schwaben voneinander zu trennen. Dies würde auch erklären, warum sich Friedrich I. zuerst noch gegen seinen Gegenherzog, dem vom Papst favorisierten Berthold von Zähringen, durchsetzten musste. Dieser ver- zichtet jedoch nach einer Aussöhnung mit Heinrich IV. auf das Herzogtum Schwaben4. Aus der Ehe mit Agnes gingen zwei Söhne Friedrich II., den späteren Herzog von Schwaben und Konrad III., der sich in der Königswahl 1138 um den römischen Königs- titel durchsetzte, hervor. Es lässt sich also durchaus behaupten, dass den ehemaligen Grafen von Breisgau mit Übergabe des Herzogtums im Jahre 1077 einen raschen Auf- stieg in der damaligen Politik beschert wurde.

2.1. Ein Staufisch- Welfischer Gegensatz?

In der Geschichtsschreibung wohl oft genannt ist der „staufisch- welfische Gegensatz“, der sich in verschiedene Konfliktsituation manifistiert haben soll. Egon Boshof spricht sogar von der Vorstellung einer „ langandauernden und sch ä dlichen Feindschaft der beiden Dynastien “5 in der Geschichtsforschung. Des Weiteren beruft er sich auf Otto von Freising, den Halbbruder Konrads III. und staufischen Geschichtsschreiber, der in seinem zweiten Buche der Gesta Frederici folgendes anmerkte:

Due in Romano orbe apud Gallie Germanieve fines famose familie actenus fuere, una Heinricorum de Gueibelinga, alia Guelforum de Aldorfo, altera imperatores, altera magnos duces producere solita.6

Die Staufer, die hier nach Boshof zum ersten Male als „Herren von Waiblingen“ auftre- ten, bezeichnen sich demnach als Nachkommen der Salier, deren Stammsitz besagter Ort war7. Folglich kommt er nach Analyse der Geschehnisse zum Schluss, dass sich die politische Rivalität nicht durch ein einheitliches Handeln beider Parteien auszeichnete.8

Hechberger hingegen versucht die Frage nach einem möglichen Gegensatz in zwei Sichtweise zu differenzieren. Zum einen in die der Zeitgenössischen, zum anderen in die der Historiker. Seiner Meinung nach ist es wichtig hier zu unterscheiden, da das Blickfeld der Historiker im Bewusstsein des weiteren Verlauf der Geschichte, umfas- sender und weitsichtiger ist9. Dabei stellt er fest, dass aus Sicht des 12. Jahrhunderts „ nicht der Gegensatz zwischen den Angeh ö riger zweier Geschlechter, sondern die nahe Verwandtschaft einzelner (...) f ü r das Verh ä ltnis (...) zueinander ausschlaggebend [war] “10.

2.2. Die Königswahl 1125

Boshof sieht vor allem die Köngiswahl 1125 als „ Grundstein f ü r den Konflikt der bei- den Familien “11. Friedrich II., der mit der Tochter König Heinrichs dem Schwarzen, Agnes, vermählt war, wurde entgegen allgemeiner Vermutung nicht zum Thronerben ernannt. Obwohl sich der Schwiegersohn des söhnelosen Königs in Sicherheit wiegt und voller Zuversicht in Mainz auftritt, wird sein Konkurrent Lothar von Supplingenburg, der Herzog von Sachsen, durch Akklamation zum König gewählt. Ob der Wahlleiter Adalbert von Mainz, der der staufischen Dynastie nicht sehr wohlgeson- nen gegenüber stand, die Königwahl beeinflusst habe, bleibt dahingestellt. Eindeutige Beweise können in der derzeitigen Geschichtsforschung nicht dargelegt werden.

Dem bayrischen Herzog Heinrich der Schwarze, der Lothar von Sachsen bei der Kö- nigswahl unterstützte, wurde im Gegenzug eine Vermählung von Lothars Tochter Gert- rud mit seinem Sohn Heinrich dem Stolzen versprochen12. Schmidt geht davon aus, dass zwischen „ (...) der tumultuarischen und der eigentlichen Erhebung Lothars mindestens ein Tag lag (...)13 und in dieser Zeitspanne der Welf für die Partei Lothar gewonnen werden konnte.

Nach der Wahl Lothar III. zum König entflammte der staufisch- welfische Gegensatz vor allem durch den Streit um mögliches Reichsgut.

Der 1133 gekrönte Kaiser des römischen Reichs Lothar III. stattete zeitlebens seinen Schwiegersohn mit reichen Besitztümern, wie der Markgrafschaft von Tuszien14 oder kurz vor seinem Tode dem Herzogtum Sachsen, aus. Dies legitimierte ihn zum Nachfol- ger15. Schmidt sieht auch die Übergabe der Reichsinsignien an Heinrich den Stolzen als weiteres Indiz der Nachfolgebestimmung. Zwar sind sich die Historiker einig, dass es sich um „ (...) keinerlei bindende Pr ä judizierung der Nachfolge (...) “16 handelte, jedoch um eine eindeutige Willensäußerung. Daher bleibt es nicht verwunderlich, dass nach dem Tod des Königs im Jahre 1137 auf der Rückkehr seiner Italienfahrt, allgemeiner Konsens über die Thronnachfolge herrschte. Auch Odilo Engels bemerkt treffend: „ (...) Heinrich der Stolze erwartete den Wahltermin (...) im Selbstgef ü hl des Welfen, schon auf Grund des eigenen Machtgewichts dazu pr ä destiniert zu sein “17. Die Wahlversammlung wird auf Pfingsten in Mainz festgesetzt.

2.3. Ein Staufer wird König

2.3.1. Günstige Umstände

In der Zwischenzeit tritt Konrad III. auf die politische Bühne. Der Sohn Friedrichs I., der 1128 durch den Erzbischof Anselm von Mailand zum regnum italia gekrönt wur- de18, lässt sich 1138 in Koblenz zum König erheben. Dies geschah vor der eigentlichen Königswahl in Bamberg. Die Staufer, welche sich nach dem Tod des Kaisers um Unter- stützung im Reich bemühten und diese nach Niederkorn vor allem in sächsischen Fürs- ten wiederfanden19, zogen auch mit päpstlicher Deckung in den Wahlkampf. Papst In- nozenz II. sah in Heinrich einen Kontrahenten dessen möglichen Machtanstieg er ver- hindern wollte und daher nach Schmidt schon vor Lothars Tod „ (...) Vorbereitungen traf, um (...) seinen Einflu ß auf die Thronfolge im Reich zur Geltung bringen zu k ö n- nen“20. Auch Roland Pauler ist der Meinung, dass der Papst vor allem „(...) aus Furcht vor seiner [Heinrich des Stolzen] Macht (...)“21 die Wahl verhindern wollte. Folglich kann man davon ausgehen, dass insbesondere durch die mächtige Stellung Heinrichs eine Wahl Konrads zum König ermöglicht wurde22.

[...]


1 Hartmann, Mittelalterliche Geschichte, S. 78- 82.

2 Engels, Staufer, S.14f.

3 Ebd,, S.15.

4 Ebd., S.15- 16.

5 Boshof, Welfische Herrschaft, S.18.

6 Freising, Gesta Frederici II, S.103.

7 Boshof, Welfische Herrschaft, S.17f.

8 Ebd., S.36f.

9 Hechberger, Satufer und Welfen, S.105.

10 Boshof, Welfische Herrschaft, S.19.

11 Ebd., S.19.

12 Hechberger, Staufer und Welfen, S.18.

13 Schmidt, Königswahl, S.70.

14 Die Markgrafschaft umfasst große Gebiete in Ober- und Mittelitalien und war in Besitz der letzten Erbin des Hauses Canossa, Mathilde von Tuszien (LexMA, S.394f.).

15 Engels, Staufer, S.32.; Schmidt, Königswahl, S.75- 77.

16 Schmidt, Königswahl, S.77.

17 Engels, Staufer, S.32.

18 Görich, Staufer, S.26f.

19 Niederkorn, Prozeß, S.78f.

20 Schmidt, Königswahl, S.80.

21 Pauler, Wahl, S.137.

22 Schmidt, Königswahl, S.79.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Konrad III. und seine Politik gegenüber den Welfen
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Staufer und Welfen
Note
1
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V170533
ISBN (eBook)
9783640894949
ISBN (Buch)
9783640894697
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konrad III, Staufer, Welfen, Mittelalter, Königswahl 1125, Heinrich der Stolze, Heinrich der Löwe, Herzogtümer, Bayern, Sachsen
Arbeit zitieren
Kathrin Eitel (Autor), 2008, Konrad III. und seine Politik gegenüber den Welfen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170533

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