Pantheismus - Definition und Geschichte


Hausarbeit, 2009

15 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Pantheismus
2.1. Der Begriff Pantheismus
2.2. Heutige Definition des Begriffs Pantheismus

3. Geschichte des Pantheismus
3.1. Pantheismus im Altertum und im Mittelalter
3.2. Pantheismus im 16. bis 19. Jahrhundert
3.3. Hegel über Spinoza und der Pantheismusstreit

4. Schluss
4.1. Resümee der Arbeit
4.2. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese wissenschaftliche Arbeit thematisiert die historische Entwicklung des Pantheismus und seine Bedeutung für die Philosophie- und Religionsgeschichte. Neben einer Erklärung des Begriffs soll vor allem dargestellt werden, wie sich der Pantheismus in seiner Bedeutung entwickelt und verändert hat und wer die Vertreter eines pantheistischen Weltbilds waren.

Hierzu dient nach einer grundsätzlichen Darstellung des Pantheismusbegriffs und seiner heutigen Definition vor allem die Analyse und Interpretation des Pantheismus durch bedeutende Schriftsteller, Denker und Philosophen der unterschiedlichen Epochen. Hegels Sicht des Spinozismus – Spinozismus wurde über eine weite Zeitspanne mit Pantheismus gleichgesetzt – wird hierbei genauer betrachtet. In diesem Zusammenhang steht auch der Spinozastreit im Vordergrund der Analyse.

Der erste Teil der Arbeit dient der Erläuterung des Pantheismusbegriffs. Hierbei geht es um folgende Fragestellungen: Woher stammt der Begriff Pantheismus? Was versteht man unter einem pantheistischen Weltbild? Ist eine eindeutige Definition des Begriffs überhaupt möglich? Mit welchen ähnlichen philosophischen Anschauungen wird er in Verbindung gebracht und wo liegen Unterschiede vor?

In Punkt 3. wird die historische Entwicklung des Pantheismus betrachtet. Hierbei sollen Antworten auf folgende Fragen gefunden werden: Seit wann existieren pantheistische Weltbilder? Wie entwickelte sich die Bedeutung des Pantheismusbegriffs im Laufe der Geschichte? Gibt es unterschiedliche Formen von Pantheismus? Wer waren bedeutende Pantheisten in den unterschiedlichen Epochen? Wie betrachtete der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 – 1831) die Ausführungen von Baruch de Spinoza (1632 – 1672), die als pantheistisch bezeichnet werden? Wie kam es zum Spinoza- bzw. Pantheismusstreit, der in Friedrich Heinrich Jacobis Werk „Über die Lehre des Spinoza“ diskutiert wird und um was handelte es sich dabei? War Spinoza Pantheist?

Im Schlussteil werden die in der Arbeit erläuterten Einsichten resümiert und mit einem Fazit abgerundet.

Ziel der Arbeit ist es, die komplexe Geschichte des Pantheismus, seiner Bedeutung und Betrachtung darzustellen.

2. Pantheismus

In diesem Teil der Arbeit soll der Begriff Pantheismus erklärt werden. Des Weiteren eine möglichst präzise Definition seiner heutigen Bedeutung gegeben, sowie verwandte und ähnliche Anschauungen erläutert werden.

2.1. Der Begriff Pantheismus

Der Begriff Pantheismus setzt sich aus zwei griechischen Wörtern zusammen. Der erste Teil des Begriffs pán (πᾶν) bedeutet „all“ bzw. „alles“ oder auch „ganz“, während der zweite Teil aus dem griechischem Wort theós (θεός) „Gott“ entspringt.[1]

Unter Theismus versteht man „im weiteren Sinne allgemein jede Position, die von der Existenz eines Gottes ausgeht“[2]. Pantheismus wäre demzufolge also die Annahme, dass alles was existiert, mit Gott zusammenhängt oder aus ihm hervorgeht. Bei dieser Begriffsdeutung könnte also auch davon ausgegangen werden, dass alles was ist und besteht, gleichbedeutend mit Gott ist. Für den deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer (1788 – 1860) ist der Pantheismus überhaupt erst vorstellbar, „wenn es den Theismus schon gibt“[3].

Der Begriff Theismus wird im engeren Sinne aber auch als Gegenwort für Pantheismus verwendet, wenn man bei seiner Verwendung explizit von einem außerweltlichen Gott ausgeht.[4] Dies ist beim Pantheismus jedoch nicht der Fall.

Des Weiteren sei zu erwähnen, dass der Begriff Pantheismus philosophisch oder theologisch sehr jung ist. Der irische Philosoph John Toland (1670 – 1722) prägte den Begriff Pantheismus und definierte die Lehre der Pantheisten 1709 in seiner Schrift „Origines Judaicae“. Nach heutigem Sprachgebrauch wäre seine Lehre allerdings eher als Deismus zu bezeichnen (siehe Punkt 2.2.).[5] Nach Toland fand der Begriff Pantheismus „schnell Eingang in das philosophische Vokabular“[6].

2.2. Heutige Definition des Begriffs Pantheismus

In der modernen Forschung besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass der Pantheismusbegriff „bisher inhaltlich noch immer nicht eindeutig bestimmt [ist]“[7]. Im Laufe der Geschichte gab es zum Pantheismus die unterschiedlichsten Meinungen bezüglich seiner Auslegung. Während er beispielsweise von Hegel als eine philosophische Richtung bezeichnet wurde, nannte ihn der deutsche Dichter Christian Johann Heinrich Heine (1797 – 1856) in einer Phase seines Schaffens die verborgene Religion Deutschlands. Schopenhauer hingegen behauptete, der Pantheismus besage im Grunde nichts.[8]

Generell gilt, dass für eine Einschätzung des Pantheismus nach seiner weltanschaulichen Zugehörigkeit „eine konkrete Analyse des in Frage stehenden Systems“[9] notwendig ist. Das heißt, dass zu betrachten ist, was in einer bestimmten Epoche und im jeweiligen pantheistischen System unter „Gott“ und „Natur“ verstanden wurde. So wurde beispielsweise der Mensch bis in das 16. Jahrhundert „noch nicht in die Natur eingegriffen“[10], also getrennt von der Natur bewertet. Das bedeutet auch, dass jede Einschätzung, ob ein bestimmter Philosoph Pantheist ist oder nicht, als anfechtbar gilt.

Doch trotz dieser Schwierigkeiten und obwohl die Meinungen bezüglich der Bewertung und Einordnung des Pantheismus stets weit auseinander gingen und eine präzise Definition seiner Bedeutung somit nicht möglich ist, kann Letzteres nach heutiger Auffassung zumindest in groben Umrissen skizziert werden.

Unter Pantheismus, einer „philosophische[n] und religiöse[n] Lehre“[11] versteht man die Auffassung, dass „Gott nicht transzendent […] ist, sondern dass Gott und Welt identisch sind“[12]. Gott ist nicht jenseits der Welt zu finden, er ist gleich mit der Welt. Wichtig ist, dass sie nicht getrennt voneinander gedacht werden können, sondern beide eine Identität haben; „Gott geht damit als […] unpersönliches Prinzip in der Schöpfung auf“[13].

Um diese Definition besser zu verstehen ist ein Vergleich mit anderen philosophischen bzw. religiösen Anschauungen hilfreich, beispielsweise mit dem Deismus (vom lateinischen deus, Gott). Wie in Punkt 2.1. erwähnt, wurden im 17. Jahrhundert „Deisten als Pantheisten charakterisiert“[14]. Die deistische Philosophie, die zur Zeit der Aufklärung entstand, geht davon aus, dass Gott zwar die Welt erschaffen hat, aber nicht mehr in das Geschehen der Welt eingreift. Die Deisten wehren sich „gegen den Offenbarungs- und Wunderglauben, gegen den Ausschließlichkeitsanspruch einzelner Religionen, sowie gegen kirchliche Autorität und zeremonielle Rituale“[15]. Gott ist deistisch betrachtet einzig der Schöpfer der Welt. Deismus wurde um 1550 geschaffen und bis 1770 mit Pantheismus gleichgesetzt. Im weiteren Verlauf der Geschichte veränderte sich die Bedeutung bzw. Definition beider Begriffe.[16] Nach heutigem Verständnis sind Deismus und Pantheismus nicht identisch.

[...]


[1] Elmar Waibl und Franz Josef Rainer: „Basiswissen Philosophie in 1000 Fragen und Antworten“, Abschnitt 472

[2] Valentin Pluder und Andreas Spahn: „Großes Wörterbuch Philosophie – Grundwissen von A-Z“, S. 346, Mitte

[3] Siegfried Wollgast: „Deus sive natura: Zum Pantheismus in der europäischen Philosophie- und Religionsgeschichte“, S. 8, Mitte

[4] wie Anm. 2, S. 346, Mitte

[5] wie Anm. 3, vgl. S. 5

[6] wie Anm. 3, S. 6, unten

[7] wie Anm. 3, S. 5, oben

[8] wie Anm. 3, vgl. S. 8 f.

[9] wie Anm. 3, S. 22, oben

[10] wie Anm. 3, S. 22, unten

[11] wie Anm. 2, S. 253, oben

[12] wie Anm. 1, Abschnitt 472

[13] wie Anm. 2, S. 253, Mitte

[14] wie Anm. 3, S. 5, unten

[15] wie Anm. 2, S. 64, Mitte

[16] wie Anm. 3, vgl. S. 6

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Pantheismus - Definition und Geschichte
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Spinoza: Theologisch-Politischer Traktat
Note
1,00
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V170945
ISBN (eBook)
9783640899722
ISBN (Buch)
9783640899319
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit "Pantheismus - Definition und Geschichte" wurde für das Modul "Ethik und Anthropologie" im Bachelor-Studium an der Bergischen Universität Wuppertal verfasst. Die Note war eine 1,00.
Schlagworte
Pantheismus, Geschichte, Definition, Hegel, Spinoza, Pantheismusstreit, Spinozastreit
Arbeit zitieren
Falk Plücker (Autor), 2009, Pantheismus - Definition und Geschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/170945

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