Die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen unter denen Stanislawskis System entstand


Seminararbeit, 2006

14 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Biografie

3 Die Herausforderung des Systems

4 Der politisch und kulturelle Einfluss auf Stanislawskis Arbeit
4.1 Theater im Russland des 19. Jahrhunderts
4.2 Das Theater des Proletkults
4.3 Die Meininger Gastspiele

5 Das System
5.1 Der Anfang
5.2 Die Beschreibung des Systems
5.3 Der Weg zum körperlichen Leben der Rolle
5.4 Die Stück- und Rollenanalyse
5.5 Die Bewertung der Tatsachen
5.6 Die Rechtfertigung der Handlung
5.7 Die Intention des Systems

6 Das System als gesammelte Lebenserfahrung

7 Bibliografie
7.1 Internetquellen

Die politisch und gesellschaftlichen Bedingungen unter denen Stanislawskis System entstand

1 Einleitung

Im Zuge meiner Proseminar-Arbeit setzte ich mich mit dem Thema „Die politisch und gesellschaftlichen Bedingungen unter denen Stanislawskis System entstand“ auseinander. Jede Idee hat einen Auslöser, daher stellte sich mir die Frage, welche Faktoren dazu beitrugen, dass Stanislawski sein revolutionäres System der Schauspielkunst entwickeln konnte. Das Ziel meiner Arbeit ist es dem Leser einen logisch nachvollziehbaren Weg der inneren und äußeren Umstände Stanislawskis aufzuzeigen, bis sein System etabliert wurde.

2 Biografie

Konstantin Sergejewitsch Stanislawski wurde am 17. Januar 1863 in Moskau geboren, nahm Schauspielunterricht bei Arkadij Nikolajewitsch und gilt bis heute noch als Pionier der modernen Theaterkunst durch die Einführung innovativer Methoden. Unter dem stalinistischen Regime wurde das Moskauer Künstlertheater zum „akademischen Staatstheater“ erhoben und Stanislawskis Methoden zur verpflichtenden Norm der sowjetischen Theaterkunst erklärt. Am 7. August 1938 starb Stanislawski und hinterließ der Welt einen Meilenstein der Theatergeschichte.

Lee Strasberg, einer seiner Schüler führte Stanislawskis „System“ in Amerika ein, unter dem Titel „Method Acting“.

3 Die Herausforderung des Systems

Entsprechend seinem Credo: "Die Rolle muss man erleben, das heißt analog mit ihr Gefühle empfinden"1, stellt Stanislawski seinen Schauspielschülern verschiedene Herangehensweisen an die zu spielende Rolle vor, damit die Authentizität des Schauspielers gewahrt bleibt. Mit dem Schauspiel so nahe wie möglich an die Wirklichkeit herankommen, sein eigenes Verhalten zu verstehen und somit auch glaubwürdig dem Publikum zu übermitteln, revolutionierte die bis dahin bekannten Arbeitsweisen eines Schauspielers. Stanislawski beschäftigte sich dreißig Jahre lang mit der Erstellung des so genannten „Systems“, eine neue Form der Schauspieltechnik, die sowohl physisch, wie auch psychisch, den Schauspieler beim Einstudieren einer Rolle unterstützen soll. Stanislawski stellte sich der Aufgabe das konventionelle Theater der Bourgeoisie durch neue Methoden zu verändern, während sich innenpolitisch in Russland das Proletariat ausbreitete. Diese Reformation des Theaters wurde von vielen Seiten kritisch beobachtet.

4 Der politisch und kulturelle Einfluss auf Stanislawskis Arbeit

Die Politik und Kultur Russlands lagen zu Stanislawskis Zeiten sehr nah bei einander. Künstler und Intellektuelle taten sich unerwartete Möglichkeiten auf, um innovative und auch progressive Ideen zu verwirklichen, da der Umbruch der Bevölkerung von der Leibeigenschaft zum Proletariat neue politische und kulturelle Perspektiven mit sich brachte. Diese Stimmung wollte das Volk vor allem in den Theatern wiedererkennen und damit wurde die Bühne als politisches Pflaster für Stücke über realitätsnahe Gesellschaftskonflikte genutzt.

4.1 Theater im Russland des 19. Jahrhunderts

Das russische Theater wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor allem durch französische, italienische und deutsche Einflüsse bestimmt. Werke von Diderót, Marivaux und Lessing bestimmten die Spielpläne der Staatstheater. Das russische Musik- und Tanztheater etablierte sich erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts durch eigens komponierte Ballett- oder Operninszenierungen. Währenddessen musste sich das Sprechtheater in den kulturellen Zentren Petersburg und Moskau eine eigene Identität schaffen. Der westliche Einfluss, besonders durch Gastspiele aus Frankreich und Italien wurde als vorbildliche Theaterkunst angesehen und unterdrückte somit die Kreativität der russischen Künstler.

Die Erwartungshaltung des Publikums änderte sich mit der politischen Reform innerhalb des Landes. Der Adel wurde immer stärker vom Bürgertum verdrängt, welches nicht mehr an pompösen Komödien interessiert war, sondern gesellschaftskritische Stücke über die Mittel- bzw. Unterschicht sehen wollte.

Das Proletariat wuchs stetig an, da die Leibeigenschaft unter Zar Alexander II. auf gehoben wurde und im Zuge dessen mehrere Reformen einleitete, die dem Volk sowohl Bildungs-, wie auch Rechtsansprüche zu gestanden. Ebenso trug die Industrialisierung durch Errichtung von Fabriken und Eisenbahnen dazu bei, Arbeitsplätze und damit ein organisiertes Wirtschaftssystem zu schaffen.2

Der sowjetische Schriftsteller Alexander Nikolajewitsch Ostrowski traf mit Stücken, wie „Klugsein schützt vor Torheit nicht" oder "Armut ist keine Schande", den Nerv der Zeit. Ostrowski wollte ein Theater des „Alltags“ etablieren und realitätsnahe Probleme der Masse ansprechen und nicht die eines elitären Kreises.

[...]


1 Weintz, Jürgen: Rollenarbeit. In: Wörterbuch der Theaterpädagogik. http://www.asfh-berlin.de/theaterpaed-wb/index.phtml?id=16&action=anzeigen (Stand: 24.05.2006)

2 Ohne Autorenangabe: Botschaft der russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland. http://www.rusbotschaft.de/Information/geschichte.htm (Stand: 11.07.2006)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen unter denen Stanislawskis System entstand
Hochschule
Universität Wien  (Theater-, Film- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Regie und Schauspielkunst
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V171001
ISBN (eBook)
9783640901326
ISBN (Buch)
9783640901968
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stanislawski, System, Method acting
Arbeit zitieren
Mag. phil. Tiffany Kudrass (Autor), 2006, Die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen unter denen Stanislawskis System entstand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171001

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