Christopher Voglers Prinzip der Heldenreise im Film "Adaption"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Heldenreise

3. Adaption
3.1.1 Station 1 -5
3.1.2 Erläuterung
3.2.1 Station 6 – 8
3.2.2 Erläuterung
3.3.1 Station 9 – 12
3.3.2 Erläuterung

4. Archetypen

5. Zum Film

6. Realitätsebenen

7. Probleme des Drehbuchschreibens

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Voglers Prinzip der Heldenreise ist Vorlage für die meisten Drehbuchautoren – um sich dran zu halten, oder es zu umgehen. Aber sogar in einem oscarprämierten Film, der Kritik am Drehbuchschreiben übt, lässt sich eine Heldenreise ausmachen. Ist es unmöglich, ein Drehbuch für einen inszenierten Film ohne Heldenprinzip zu schreiben? Worin liegen die Schwierigkeiten eines einzigartigen Drehbuchs?

Um diese Fragen klären zu können, ist es zuerst wichtig, die Theorie der Heldenreise zu kennen. In dieser Arbeit soll anhand des Films Adaption von Spike Jonze (Regie) und Charlie Kaufman (Drehbuch) der Weg des Helden begangen werden. Ich werde zunächst auf Voglers Heldenreise im Allgemeinen eingehen und sein Prinzip dann auf den Film anwenden. Gibt es einen Helden? In welcher Form tauchen die Archetypen auf? Des weiteren werde ich auf Besonderheiten im Film eingehen und der Frage nachgehen, in welcher Form das Heldenprinzip zu umgehen wäre.

2. Die Heldenreise

Das Prinzip der Heldenreise ist eine universelle Anleitung für Drehbuchautoren.

Alle Geschichten bestehen im Grunde aus einer Handvoll stets wiederkehrender Bauelemente, die uns auch in Mythen, Märchen und Filmen immer wieder begegnen. Der Oberbegriff für all diese Bauelemente lautet: die Reise des Helden.[1]

Demnach begibt sich der Held, zumeist der Hauptdarsteller, aus seiner vertrauten Welt in ein Abenteuer und muss auf diesem Weg verschiedene Tests und Herausforderungen bestehen und wird mit Gegnern konfrontiert. Dadurch gewinnt er an Stärke, die er, zurückgekehrt im alten Leben, dazu nutzt, die 'neue' Welt besser zu machen.

Diese Grundstruktur lässt sich nicht nur auf die meisten Hollywoodfilme anwenden, sondern auch auf Computerspielen (World of Warcraft), Mangas, Comics, Romanen, selbst in der Bibel findet sich dieses Prinzip wieder.

Das Konzept der Heldenreise nach Vogler basiert auf der Theorie des Mythenforschers Joseph Campbell[2]. Vogler entwickelte das Konzept weiter sodass es vor allem als Leitfaden für Drehbuchautoren attraktiv wurde. Die Grundzüge der einzelnen Stationen der Heldenreise nach Campbell blieben aber gleich. Züge dieses Prinzips lassen sich in den unterschiedlichsten Bereichen wiederfinden, wie zum Beispiel in der Psychotherapie und der Kunst.

In der folgenden Abbildung sieht man deutlich die Abwandlungen, die Vogler (linke Spalte) vorgenommen hat. Die Reise des Helden ist nicht mehr so detailliert wie bei Campbell (rechte Spalte). Dies lässt mehr Platz für Interpretationen, die Heldenreise kann nach einem freieren Plan erfolgen[3].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Adaption

Im Folgenden werde ich Voglers Prinzip der Heldenreise auf den Film Adaption von Spike Jonze (2003) anwenden und zeigen, dass selbst bei Filmen, die auf den ersten Blick nicht nach dem Prinzip der Heldenreise verfahren, mit diesem Schema gearbeitet wird – ob absichtlich oder nicht.

Im Film geht es um die wahre Geschichte Charlie Kaufmans, der beauftragt wird, das Drehbuch zum Buch „The Orchid Thief“ zu schreiben.

Diese Adaption hält er für unmöglich, deswegen verarbeitet er seinen Schreibprozess in der Geschichte. Kaufman erzählt den Film in zwei unterschiedlichen Zeitebenen, die sich in einem Abstand von drei Jahren ereignen und zum Ende zusammenlaufen. Ich denke, Charlie Kaufman ist der eigentliche „Held“ dieser Geschichte, um ihn geht es im Wesentlichen. Die Geschichte von Susan Orlean und John LaRoche spielt bei Charlie Kaufmans Heldenreise nur eine sekundäre Rolle, deswegen werde ich mich bei der Analyse des Heldenprinzips hauptsächlich auf Charlie Kaufman konzentrieren.

3.1.1 Station 1 – 5

Die erste Station der Heldenreise beschreibt die gewohnte Welt des Reisenden[4]. Dies soll einen deutlichen Kontrast zur neuen, ungewohnten Welt beschreiben, in die der Held aufbrechen wird[5]. Jede Heldenreise thematisiert einen Konflikt, gerade deswegen ist es wichtig, die Alltagswelt des Helden zu kennen, um Ungewohntes von Gewohntem unterscheiden zu können. Die Welt des Helden und Drehbuchautoren Charlie Kaufman beschränkt sich zu Filmbeginn auf ein kleines Haus in Kalifonien. Er lebt mit seinem Zwillingsbruder Donald zusammen und ist Drehbuchautor von „Being John Malkovich“. Sein nächster Auftrag steht kurz bevor. Er hat hohe Ansprüche an sich selbst, war doch sein letzter Film ein großer Erfolg.

Kaufman ist nicht nur von Selbstzweifeln an seinen Fähigkeiten als Drehbuchautor geplagt, sondern ist auch mit seinem Aussehen und seiner Kreativität unzufrieden. Bei einem Gespräch mit seiner Verlegerin Valerie zeigt sich diese Unsicherheit nur allzu gut: er ist zweifelnd und skeptisch.

KAUFMAN

She looked at my hairline. She thinks

I'm old. She thinks I'm fat. She --[6]

Nun wird der Held „mit seinem Problem konfrontiert; er steht vor einer Herausforderung oder muss sich auf ein Abenteuer einlassen.“[7] Es geschieht etwas Außergewöhnliches, er wird zum Abenteuer gerufen[8]. Charlie Kaufman bekommt von seiner Verlegerin endgültig den Auftrag, das Buch The Orchid Thief von Susan Orlean zu adaptieren. Bei einem Treffen in einem Restaurant erklärt sie ihm ihre Vorstellungen. Vielleicht könne man eine Liebesgeschichte um das schwer zu adaptierende Buch 'herumschreiben', schlägt sie vor.

VALERIE

I guess we thought maybe Susan Orlean and

Laroche could fall in and --[9]

Kaufman hat seine eigenen Vorstellungen, er will sich genau an die Buchvorlage halten und möglichst wenig hinzudichten:

KAUFMAN

Absolutely. And Orlean makes orchids so

fascinating. Plus her musings on

Florida, orchid poaching. Indians.

Great, sprawling New Yorker stuff. I'd

want to remain true to that, let the

movie exist rather than be artificially

plot driven.[10]

Wie schwer ihm das fallen wird, wird in der nächsten Station deutlich: der Weigerung[11]. Der Held erkennt die wahren Ausmaße der Aufgaben und schrickt vor den Gefahren zurück. Möglicherweise hat er sich noch nicht ganz auf das Abenteuer eingelassen.[12] Bei Charlie Kaufman äußert sich dies in Form einer Schreibblockade. („There's no story. The book has no story.“)[13] Er sitzt tagelang vor seiner Schreibmaschine, ohne ein einziges Wort schreiben zu können und projiziert seine Selbstzweifel also auch auf seine Arbeit. Charlie ist der Meinung, man könne aus diesem perfekten Buch nicht das perfekte Drehbuch machen, er verweigert sich selbst also den Erfolg. Immer wieder wird Charlie von seinem Bruder Donald mental unterstützt. Donald glaubt an ihn und baut ihn stetig auf. Als Donald ihm eröffnet, dass er selbst als Drehbuchautor arbeiten möchte, ist er in der Position als Mentor zu anzusehen[14]. Auch sein Agent Marty versucht, Charlie zu ermutigen und kann somit als Mentor angesehen werden:

MARTY

Make one up. The book's a jumping off

point. No one in town can make up a

crazy story like you. You're the king.[15]

[...]


[1] Christopher Vogler: Die Odyssee des Drehbuchschreibers. Frankfurt a. M., Zweitausendeins 1998, S. 35

[2] *26.03.1904 (White Plains, NY) - +30.10.1987 (Honolulu)

[3] Christopher Vogler: Die Odyssee des Drehbuchschreibers. Frankfurt a. M., Zweitausendeins 1998, S. 32 Vogler

[4] 1. Station „Gewöhnliche Welt“, vgl. S 137 ff.

[5] Vogler, S. 35-36

[6] Adaption, 00:03:54

[7] Christopher Vogler, S. 36

[8] 2. Station „Berufung“ vgl. S 167ff.

[9] Adaption, 00:05:24

[10] Adaption: 00:04:26

[11] 3. Station „Weigerung“ vgl. S 179 ff.

[12] Vogler, S. 39

[13] Adaption, 00:47:53

[14] 4. Station „Auftritt des Mentors“ vgl. S. 193 ff.

[15] Adaption, 00:47:59

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Christopher Voglers Prinzip der Heldenreise im Film "Adaption"
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V171797
ISBN (eBook)
9783640913954
ISBN (Buch)
9783640912759
Dateigröße
761 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heldenreise, Vogler, Film, Filmanalyse, Adaption, Spike Jonze, Drehbuch
Arbeit zitieren
Kerstin Schulze (Autor), 2010, Christopher Voglers Prinzip der Heldenreise im Film "Adaption", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171797

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Christopher Voglers Prinzip der Heldenreise im Film "Adaption"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden